| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Strukturformel ohne Stereochemie | ||||||||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Lenalidomid | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
| |||||||||||||||||||||
| Summenformel | C13H13N3O3 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
fast weiĂes bis blass-gelbes Pulver[1] | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||
| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse | ||||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 259,26 g·molâ1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest[2] | |||||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
269â271 °C[2] | |||||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
614 °C[2] | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
in organischen Lösungsmitteln besser löslich, zeigt jedoch die beste Löslichkeit in 0,1 N HCl-Pufferlösung[1] | |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0âŻÂ°C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Lenalidomid (Handelsname: Revlimid, Hersteller: Celgene) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren. Es leitet sich strukturell vom Thalidomid ab und wird wie dieses zur Behandlung des multiplen Myeloms eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind das myelodysplastische Syndrom (MDS), das Mantelzelllymphom und das follikulĂ€re Lymphom.[3] Aufgrund der strukturell bedingt pharmakologisch Ă€hnlichen Wirkung wie die des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid, welcher fĂŒr tausende Fehlbildungen an ungeborenen Kindern in den 1950ern verantwortlich war, unterliegt die Therapie mit Lenalidomid besonderen Abgabe- und Anwendungsvorschriften.
Anwendungsgebiete / Zulassungsstatus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lenalidomid wird eingesetzt in der Behandlung von erwachsenen Patienten mit unbehandeltem multiplem Myelom, die nicht transplantierbar sind.[4] Der Wirkstoff wurde vom Ausschuss fĂŒr Humanarzneimittel (CHMP) der EuropĂ€ischen Arzneimittelagentur 2003 fĂŒr dieses Anwendungsgebiet als Arzneimittel fĂŒr seltene Leiden (Orphan-Arzneimittel) ausgewiesen und als solches im Gemeinschaftsregister der EuropĂ€ischen Union eingetragen.[5]
Lenalidomid ist in den USA, der EuropĂ€ischen Union, der Schweiz, in Argentinien und Kanada fĂŒr eine Kombinationstherapie mit Dexamethason bei Patienten mit einem multiplen Myelom zugelassen, die bereits eine Standardtherapie erhalten haben. DarĂŒber hinaus ist Lenalidomid in Verbindung mit Dexamethason in Australien zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom zugelassen, deren Krankheit sich nach einer Therapie verschlimmerte.[6][3][7][8]
Im New England Journal of Medicine (NEJM) wurden im Mai 2012 die Ergebnisse dreier Phase-III-Studien zu Lenalidomid an Probanden mit neu diagnostiziertem multiplen Myelom veröffentlicht.[9][10][11]
Im Jahr 2019 evaluierten Piechotta et al. in einer Cochrane-Ăbersichtsarbeit, inwieweit Lenalidomid zur Behandlung des multiplen Myeloms mit anderen Medikamenten verglichen werden kann. Dies wurde mit der alleinigen Therapie mit Melphalan und Prednison verglichen. Folgendes waren die Ergebnisse: Lenalidomid plus Dexamethason und die fortlaufende Gabe von Bortezomib plus Lenalidomid plus Dexamethason verursachen wahrscheinlich eine Erhöhung des GesamtĂŒberlebens. Lenalidomid plus Dexamethason und die fortlaufende Gabe von Bortezomib plus Lenalidomid plus Dexamethason verursachen vielleicht eine starke VerlĂ€ngerung des progressionsfreien Ăberlebens. Die Gabe von Lenalidomid plus Dexamethason verursacht eventuell eine Verringerung von Polyneuropathien. Die andere Kombination wurde hier nicht evaluiert. Lenalidomid plus Dexamethason und die fortlaufende Gabe von Bortezomib plus Lenalidomid plus Dexamethason verursachen eine ausgeprĂ€gte Erhöhung des Abbruchs der Studie seitens der Patienten wegen unerwĂŒnschten Ereignissen.[12]
Lenalidomid ist ferner angezeigt fĂŒr die Behandlung von Patienten mit transfusionsabhĂ€ngiger AnĂ€mie infolge myelodysplastischer Syndrome mit Niedrig- oder IntermediĂ€r-1-Risiko in Verbindung mit einer isolierten Deletion 5q als zytogenetische Anomalie, wenn andere Behandlungsoptionen nicht ausreichend oder nicht angemessen sind.[4]
In verschiedenen Studien wird zurzeit (Stand 2015) ĂŒberprĂŒft, inwieweit Lenalidomid zur Erhaltungstherapie bzw. Therapie der Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie (CLL) eingesetzt werden kann.[13] Die ORIGIN-Studie (geplante Laufzeit bis 2018) fĂŒr die PrĂŒfung von Sicherheit und Wirksamkeit von Lenalidomid als Erstlinientherapie der CLL wurde aufgrund einer erhöhten Sterblichkeitsrate von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) abgebrochen. Die FDA fordert deswegen auch Ărzte dazu auf, Lenalidomid nicht im Off-Label-Use bei CLL zu verschreiben.[14][15]
Synthese
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine in der Literatur beschriebene[16] mehrstufige Synthese von Lenalidomid beginnt mit der Bromierung von Methyl-2-methyl-3-nitrobenzoat mit N-Bromsuccinimid (NBS) in Anwesenheit von Azobis(isobutyronitril) (AIBN), welches die radikalischen Bromierung initiiert. Die Reaktion ist in einem halogenfreien Lösungsmittel möglich; es wurde Methylacetat verwendet. Es entsteht das Zwischenprodukt Methyl-2-brommethyl-3-nitrobenzoat, eine kristalline gelbe Substanz. Diese wird im nĂ€chsten Schritt mit 3-Aminopiperidin-2,6-dion-Hydrochlorid in Gegenwart von Kaliumcarbonat (K2CO3) ĂŒber eine nukleophile Substitution und anschlieĂender Additions-Eliminierungssequenz zu (R,S)-3-(4-Nitro-1-oxo-1,3-dihydro-2H-isoindol-2-yl)-piperidin-2,6-dion umgesetzt, einem Nitro-PrĂ€kursor des Lenalidomids. Der letzte Schritt, die Hydrierung, erfolgt â platinfrei â unter Zugabe von Eisenpulver und Ammoniumchlorid bei 80 °C. Nach Waschen und Umkristallisieren erhĂ€lt man das reine Lenalidomid in Form leicht gelblicher Kristalle.
Wirkungsmechanismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lenalidomid gehört wie auch Thalidomid und Pomalidomid zu einer Gruppe peroral bioverfĂŒgbarer immunmodulierender Substanzen (engl. immunmodulatory drugs), die das Pharmaunternehmen Celgene unter der Marke IMiDs eingetragen hat. Seine Wirkung beruht auf verschiedenen Mechanismen:
- Hemmung der Proliferation bestimmter hÀmatopoetischer Tumorzellen
- Hemmung der Produktion entzĂŒndungsfördernder (proinflammatorischer) Zytokine, insbesondere TNF-α und Interleukin-6 und Interleukin-12
- Antiangiogenese (Verhinderung oder Minderung der GefĂ€Ăneubildung)
- Stimulation von T-Zellen und natĂŒrlichen Killerzellen (NK-Zellen) und in der Folge Verbesserung der durch diese Zellen vermittelte ImmunitĂ€t gegen Tumorzellen
- Erhöhung der natĂŒrlichen Killer-T-Zellen (NKT-Zellen)
- Steigerung der Blutbildung (Erythropoese)
Den Hauptwirkmechanismus bildet die Ubiquitinierung, durch die ein GroĂteil der weiteren Wirkweise eingeleitet wird.
Lenalidomid wirkt im menschlichen Körper auf unterschiedliche Weisen. Es beeinflusst zum einen die bösartigen Tumorzellen direkt, indem es das Wachstum der Myelomzellen hemmt. Zum anderen verstĂ€rkt Lenalidomid die Immunantwort und erwirkt eine VerĂ€nderung des Knochenmarks, welches beim multiplen Myelom eine zentrale Rolle spielt. AuĂerdem wird die Angiogenese der Tumorzellen beeintrĂ€chtigt.
Als unerwĂŒnschte Wirkung können sekundĂ€re Malignome auftreten, wie eine US-amerikanische Studie von 2005 bis 2009 zeigte.[17][18]
Ubiquitinierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die antitumoralen Eigenschaften Lenalidomids lassen sich vordergrĂŒndig auf die Degradation der beiden Transkriptionsfaktoren Ikaros (IKZF1) und Aiolos (IKZF3) zurĂŒckfĂŒhren.
Der Immunmodulator bindet ĂŒber die Dicarboximidgruppe in der Bindungstasche des TargetmolekĂŒls Cereblon (CRBN), welches den Substrat-Rezeptor der CRL4 CRBN E3-Ubiquitin-Ligase darstellt. Der E3-Ubiquitin-Ligase-Komplex ist fĂŒr die posttranslationale Modifikation der Ubiquitinierung zustĂ€ndig, durch die hohe SubstratspezifitĂ€t Lenalidomids können die beiden Zinkfingerproteine IKZF1 und IKZF3 nun an dem Komplex binden und entsprechend markiert werden. Die krankheitsspezifischen Proteine werden vom Proteasom erkannt und abgebaut. Durch den Wegfall der als Repressor dienenden Transkriptionsfaktoren fĂŒr Interleukin-2 steigt entsprechend dessen Produktion.[19]
Wirkung auf Tumorzellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hemmung der Proliferation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lenalidomid stoppt den Zellzyklus der Tumorzellen zwischen der G0- und der G1-Phase. Zudem regt das MolekĂŒl verstĂ€rkt die Produktion des CDK-Inhibitor 1 an, welcher die Cyclin-abhĂ€ngige Kinasen, die die Mitose der Tumorzellen einleiten, hemmt. Die Zellteilung und das Wachstum der Tumorzellen wird auf Grund dieser beiden VorgĂ€nge verhindert.
Apoptose der Tumorzellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Apoptose der Tumorzellen durch insgesamt drei Faktoren findet vermehrt statt: Als erstes ist die von Lenalidomid getriggerte Caspase-8-Aktivierung zu nennen. Die Caspase-8 gilt als ein Vermittler fĂŒr die Apoptose. Weiterhin wird die SensibilitĂ€t gegenĂŒber der Fas-induzierten Apoptose gesteigert. Durch die Ligandenbindung an die Fas-Rezeptoren, die sich an der OberflĂ€che der Tumorzellen befinden, wird dann der programmierte Zelltod eingeleitet. Zuletzt verringert sich die Menge an NF-ÎșB, das als ein anti-apoptotisches Protein fungiert.
Immunmodulierende Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf Grund seiner immunmodulierenden Wirkung zĂ€hlt Lenalidomid wie auch Thalidomid und Pomalidomid zu den Immunmodulatoren (IMiDs). Diese Wirkung wird vor allem durch die Regulation der Zytokine bestimmt. Zytokine dienen im Immunsystem als Botenstoffe zwischen den verschiedenen Immunzellen. Auf der einen Seite wird die Produktion der proinflammatorischen Zytokine wie TNF-α, IL-1, IL-6 und IL-12 gehemmt, auf der anderen Seite wird gleichzeitig die Produktion des antiinflammatorischen Zytokins IL-10 gesteigert. Infolge dieser Regulationen wird die Apoptose der Myelomzellen befördert und die Apoptose der gutartigen Zellen (wie beispielsweise der Monozyten) gehemmt. Lenalidomid stimuliert auĂerdem die CD3 T-Zellen, was zu einer Th1-Zytokin-Antwort fĂŒhrt. Das heiĂt, dass IFNÎł und IL-2 in gröĂeren Mengen sekretiert werden. Daraus folgt die Stimulation der Proliferation von T-Zellen, natĂŒrlichen Killerzellen und natĂŒrlichen Killer T-Zellen. Dies wiederum resultiert in der Eliminierung der Tumorzellen durch die natĂŒrlichen Killerzellen und den natĂŒrlichen Killer T-Zellen und zu einer verbesserten ImmunitĂ€t gegen Tumoren.
Antiangiogenese
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lenalidomid wirkt sich negativ auf die Angiogenese aus. Dies geschieht ĂŒber die Hemmung der angiogenetischen Faktoren wie VEGF und BFGF, welche von den Tumorzellen freigesetzt werden. In der Folge wird das Wachstum der Tumoren gestoppt. Des Weiteren hemmt der Wirkstoff ZelladhĂ€sionsmolekĂŒle, wie zum Beispiel ICAM-1, wodurch der Zusammenhalt des Gewebes gestĂ€rkt wird. Demzufolge kann die Metastasierung und weitere Invasion der Tumoren eingedĂ€mmt werden.[20][21]
Sicherheitsvorkehrungen und AnwendungsbeschrÀnkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weil Lenalidomid vermutlich auch beim Menschen fruchtschĂ€digend wirkt, muss die Anwendung unter einem SchwangerschaftsverhĂŒtungsprogramm fĂŒr gebĂ€rfĂ€hige Frauen und deren Partner erfolgen. Eine mögliche Myelosuppression macht die wöchentlichen Blutbildkontrollen in den ersten acht Behandlungswochen erforderlich. Es besteht ein erhöhtes Risiko venöser Thromboembolien mit dem möglichen Einsatz einer antithrombotischen Prophylaxe. Eine Niereninsuffizienz kann eine Dosisreduktion erfordern. In Deutschland ist die Abgabe lenalidomidhaltiger Arzneimittel durch den § 3a Arzneimittelverschreibungsverordnung reguliert und unterliegt der amtlichen Ăberwachung, deshalb muss der Arzt fĂŒr die Verordnung das so genannte T-Rezept verwenden. Der Arzt muss versichern, die SicherheitsmaĂnahmen gemÀà der aktuellen Fachinformation einzuhalten, insbesondere auch, erforderlichenfalls ein Schwangerschafts-PrĂ€ventionsprogramm durchzufĂŒhren. Ferner muss er auf der Verschreibung vermerken, ob die Behandlung innerhalb oder auĂerhalb (Off-Label-Use) der jeweils zugelassenen Anwendungsgebiete erfolgt.[22]
Das Schwangerschafts-PrĂ€ventionsprogramm verpflichtet gebĂ€rfĂ€hige Frauen, mindestens vier Wochen vor Beginn der Behandlung mit Lenalidomid, wĂ€hrend der gesamten Behandlungsdauer und fĂŒr mindestens vier Wochen nach Beendigung zuverlĂ€ssig zu verhĂŒten. Alle vier Wochen muss ein negativer Schwangerschaftstest dokumentiert werden. MĂ€nner dĂŒrfen keinen Samen spenden und mĂŒssen beim Geschlechtsverkehr mit schwangeren Frauen oder Frauen, die nicht sicher verhĂŒten, Kondome verwenden, um etwaige Fehlbildungen beim Kind zu unterbinden.
Im Dezember 2012 verschickte der Hersteller Celgene eine Mitteilung an Angehörige der Heilberufe (Rote-Hand-Brief) zum Risiko des Auftretens von Lebererkrankungen in Zusammenhang mit der Anwendung von Lenalidomid bei Vorliegen von anderen Risikofaktoren.[23]
Vergleich mit Thalidomid und Pomalidomid
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Struktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Thalidomid, Pomalidomid und Lenalidomid liegen mit einer leicht unterschiedlichen rĂ€umlichen Ausrichtung mit der Dicarboximid-Gruppe (in der Abbildung hellblau unterlegt) in der Bindetasche des CRBN. Dies ist auf die strukturellen Unterschiede zurĂŒckzufĂŒhren, welche in verschiedenen Wechselwirkungen mit den AminosĂ€uren des CRBN resultieren. Allen drei MolekĂŒlen gemeinsam ist die Glutarimid-Struktur (blau). Unterschiede entstehen durch Variationen am Pthaloyl-Ring des Thalidomids: Lenalidomid und Pomalidomid besitzen am C4-Atom zusĂ€tzlich eine Aminogruppe. Dem Lenalidomid fehlt zudem eine Oxogruppe am C3-Atom, weshalb man bei dem Strukturelement von einem 1-Oxoisoindolin (hellgrĂŒn unterlegt) mit Aminogruppe spricht.
Lenalidomid hat eine stÀrkere antiangiogene und antineoplastische Wirkung als Thalidomid.[24]
TeratogenitÀt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wegen der Strukturverwandtschaft zu der beim Menschen bekanntermaĂen teratogen (fruchtschĂ€digend) wirkenden Substanz Thalidomid (Contergan) ist bei Anwendung von Lenalidomid wĂ€hrend der Schwangerschaft beim Menschen ebenfalls ein teratogener Effekt zu erwarten. Im Versuchen an Affen durch Lenalidomid verursachte Fehlbildungen sind vergleichbar mit jenen, die fĂŒr Thalidomid beschrieben sind.
Eine Studie zur embryofetalen Entwicklung an Affen zeigte, dass Lenalidomid beim Nachwuchs weiblicher Affen, die den Wirkstoff wĂ€hrend der TrĂ€chtigkeit erhielten, zu Ă€uĂerlichen Fehlbildungen, einschlieĂlich nicht geöffnetem Anus oder Fehlbildungen der oberen bzw. unteren ExtremitĂ€ten fĂŒhrte. Auch wurden bei den Affenfeten vereinzelt viszerale VerĂ€nderungen beobachtet (FarbverĂ€nderungen, rote Herde an verschiedenen Organen, kleine Tumoren ĂŒber der Atrioventrikularklappe, verkleinerte Gallenblase, Zwerchfellmissbildung).[25]
Ursache fĂŒr die TeratogenitĂ€t ist die Wirkweise der Immunmodulatoren, anstelle der krankheitsspezifischen Proteine den Transkriptionsfaktor SALL4, der fĂŒr das Wachstum und die Ausbildung der ExtremitĂ€ten wichtig ist, ĂŒber den Phthalimidring des ImiDs an den E3-Ubiquitin-Ligase-Komplex binden. Dies fĂŒhrt wiederum zur Ubiquitinierung des Substrats und dessen Degradation. Durch den Wegfall von SALL4 kommt es dann zu Fehlbildungen am ungeborenen Leben â die schwer und lebensbedrohlich sein können â, wie dem Fehlen (Aplasien) oder VerkĂŒrzungen (Dysmelien) von HĂ€nden und FĂŒĂen, des Verdauungstrakts, der Genitalien.
Nebenwirkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als hĂ€ufigste Nebenwirkungen werden Abnahme der weiĂen Blutkörperchen (Neutropenie), der BlutplĂ€ttchen (Thrombozytopenie) und der roten Blutkörperchen (AnĂ€mie), MĂŒdigkeit, Kraftlosigkeit, Ăbelkeit, Verstopfung, Durchfall, MuskelkrĂ€mpfe, Schwellungen in Armen und Beinen und Hautausschlag beobachtet.
Chemische Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lenalidomid ist chiral und kann daher in den optisch aktiven enantiomeren Formen (S)-(â) und (R)-(+) vorliegen, pharmazeutisch verwendet wird das Racemat [1:1-Gemisch von (S)-(â)-Form und (R)-(+)-Form]. Lenalidomid ist in 0,1 N SalzsĂ€ure gut löslich.
Handelsnamen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Revlimid (EU, CH, USA) und Generika
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â a b FDA Drug Details Revlimid (Lenalidomide)
- â a b c d e Datenblatt Lenalidomide, â„95% bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 6. MĂ€rz 2025 (PDF).
- â a b Revlimid: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (PDF) EuropĂ€ische Arzneimittelagentur, abgerufen am 15. Januar 2025.
- â a b Fachinformation Revlimid. September 2016.
- â Eintrag EU/3/03/177 im Community Register of orphan medicinal products for human use. In: ec.europa.eu. 15. April 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (englisch).
- â Produktinformation der EuropĂ€ischen Arzneimittelagentur (englisch).
- â Meletios Dimopoulos et al.: Lenalidomide plus Dexamethasone for Relapsed or Refractory Multiple Myeloma. In: The New England Journal of Medicine. Nr. 357, 2007, S. 2123â2132, doi:10.1056/NEJMoa070594 (freier Volltext).
- â Donna M. Weber et al.: Lenalidomide plus Dexamethasone for Relapsed Multiple Myeloma in North America. In: The New England Journal of Medicine. Nr. 357, 2007, S. 2133â2142, doi:10.1056/NEJMoa070596 (freier Volltext).
- â Antonio Palumbo et al.: Continuous Lenalidomide Treatment for Newly Diagnosed Multiple Myeloma. In: The New England Journal of Medicine. Nr. 366, 2012, S. 1759â1769, doi:10.1056/NEJMoa1112704 (freier Volltext).
- â Philip L. McCarthy et al.: Lenalidomide after Stem-Cell Transplantation for Multiple Myeloma. In: The New England Journal of Medicine. Nr. 366, 2012, S. 1770â1781, doi:10.1056/NEJMoa1114083 (freier Volltext).
- â Attal, Michel et al.: Lenalidomide Maintenance after Stem-Cell Transplantation for Multiple Myeloma. In: The New England Journal of Medicine. Nr. 366, 2012, S. 1782â1791, doi:10.1056/NEJMoa1114138 (freier Volltext).
- â Vanessa Piechotta, Tina Jakob, Peter Langer, Ina Monsef, Christof Scheid: Multiple drug combinations of bortezomib, lenalidomide, and thalidomide for first-line treatment in adults with transplant-ineligible multiple myeloma: a network meta-analysis. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. 25. November 2019, doi:10.1002/14651858.CD013487.
- â Studien Klinik I fĂŒr Innere Medizin, Uniklinik Köln. ( vom 10. Dezember 2012 im Internet Archive; PDF; 67 kB).
- â FDA Statement: FDA halts clinical trial of drug Revlimid (lenalidomide) for chronic lymphocytic leukemia due to safety concerns.
- â Prescribing Information Revlimid , Stand Mai 2019.
- â Yuri Ponomaryov, V. Krasikova, Anton Lebedev, Dmitri Chernyak, L. L. Varacheva, A. N. Chernobroviy: Scalable and green process for the synthesis of anticancer drug lenalidomide. In: Chemistry of Heterocyclic Compounds. 2015, Band 51, Nummer 2, S. 133â138, DOI:10.1007/s10593-015-1670-0.
- â Philip L. McCarthy, Kouros Owzar, Craig C. Hofmeister, David D. Hurd, Hani Hassoun, Paul G. Richardson, Sergio Giralt, Edward A. Stadtmauer, Daniel J. Weisdorf, Ravi Vij, Jan S. Moreb, Natalie Scott Callander, Koen Van Besien, Teresa Gentile, Luis Isola, Richard T. Maziarz, Don A. Gabriel, Asad Bashey, Heather Landau, Thomas Martin, Muzaffar H. Qazilbash, Denise Levitan, Brian McClune, Robert Schlossman, Vera Hars, John Postiglione, Chen Jiang, Elizabeth Bennett, Susan Barry, Linda Bressler, Michael Kelly, Michele Seiler, Cara Rosenbaum, Parameswaran Hari, Marcelo C. Pasquini, Mary M. Horowitz, Thomas C. Shea, Steven M. Devine, Kenneth C. Anderson, Charles Linker: Lenalidomide after Stem-Cell Transplantation for Multiple Myeloma. In: New England Journal of Medicine. Band 366, Nr. 19, 10. Mai 2012, S. 1770â1781, doi:10.1056/NEJMoa1114083, PMID 22571201, PMC 3744390 (freier Volltext).
- â Mechanism of action of lenalidomide in hematological malignancies. September 2009, doi:10.1186/1756-8722-2-36 (researchgate.net [PDF; abgerufen am 22. Juli 2023]).
- â Emma C. Fink, Benjamin L. Ebert: The novel mechanism of lenalidomide activity. In: Blood. Band 126, Nr. 21, 19. November 2015, S. 2366â2369, doi:10.1182/blood-2015-07-567958.
- â Venumadhav Kotla, Swati Goel, Sangeeta Nischal, Christoph Heuck, Kumar Vivek, Bhaskar Das, Amit Verma: Mechanism of action of lenalidomide in hematological malignancies. In: Journal of Hematology & Oncology. Band 2, Nr. 1, 12. August 2009, S. 36, doi:10.1186/1756-8722-2-36, PMID 19674465, PMC 2736171 (freier Volltext).
- â Lenalidomide. Abgerufen am 28. November 2024 (englisch).
- â Rote Hand Info von Celgene Juni 2008, akdae.de (PDF; 1,5 MB).
- â Rote Hand Brief von Celgene im Dezember 2012. Abgerufen am 10. Dezember 2012.
- â Gerd Geisslinger, Sabine Menzel, Thomas Gudermann, Burkhard Hinz, Peter Ruth: Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie â Klinische Pharmakologie â Toxikologie. BegrĂŒndet von Ernst Mutschler, 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-8047-3663-4, S. 868.
- â Revlimid: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (PDF-Datei) auf ema.europa.eu. Abgerufen am 14. Januar 2025.
