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(Weitergeleitet von Sturz Mussolinis)
Mussolini und Duce sind Weiterleitungen auf diesen Artikel. Siehe auch Mussolini (BegriffsklÀrung) und Adam Duce.
Benito Mussolini (zw. 1937 u. 1940)
Unterschrift von Benito Mussolini
Unterschrift von Benito Mussolini

Benito Amilcare Andrea Mussolini anhörenⓘ/? (* 29. Juli 1883 in Dovia di Predappio, Provinz ForlĂŹ; † 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra, Provinz Como) war ein italienischer Politiker. Er war von 1922 bis 1943 MinisterprĂ€sident des Königreiches Italien. Als Duce del Fascismo („FĂŒhrer des Faschismus“) und Capo del Governo („Chef der Regierung“) stand er ab 1925 als Diktator an der Spitze des faschistischen Regimes in Italien.

Nach AnfĂ€ngen bei der sozialistischen Presse stieg Mussolini 1912 zum Chefredakteur von Avanti! auf, dem Zentralorgan des Partito Socialista Italiano (PSI). Als er dort offen nationalistische Positionen vertrat, wurde er im Herbst 1914 entlassen und aus dem PSI ausgeschlossen. Mit finanzieller UnterstĂŒtzung der italienischen Regierung, einiger Industrieller und auslĂ€ndischer Diplomaten grĂŒndete Mussolini bald darauf die Zeitung Il Popolo d’Italia. 1919 gehörte er zu den GrĂŒndern der radikal nationalistischen und antisozialistischen faschistischen Bewegung, als deren Duce (von lateinisch dux „FĂŒhrer“) er sich bis 1921 etablierte.

Im Oktober 1922 berief König Viktor Emanuel III. Mussolini nach dem Marsch auf Rom an die Spitze eines Mitte-Rechts-Koalitionskabinetts. Die faschistische Partei war durch Fusion mit der nationalkonservativen Associazione Nazionalista Italiana zur rechten Sammlungsbewegung geworden. Mit einer Wahlrechtsreform sicherte Mussolini ihr 1923/24 die Mehrheit der Parlamentssitze. In der Matteotti-Krise 1924 knapp dem Sturz entgangen, legte er das Fundament der faschistischen Diktatur mit Ausschaltung des Parlaments, Verbot der antifaschistischen Presse und aller Parteien mit Ausnahme des PNF, Ersetzung der Gewerkschaften durch Korporationen, Aufbau einer politischen Polizei sowie Ernennung statt Wahl der BĂŒrgermeister. Als Regierungschef und oft Inhaber mehrerer Ministerposten gleichzeitig erließ Mussolini Dekrete mit Gesetzeskraft und war formal nur dem Monarchen verantwortlich.

Mussolinis Außenpolitik zielte auf eine Vormachtstellung im Mittelmeerraum und auf dem Balkan, wodurch frĂŒh ein Gegensatz zu Frankreich entstand. Bis Mitte der 1930er Jahre suchte er die VerstĂ€ndigung mit Großbritannien. 1929 beendete Mussolini mit den LateranvertrĂ€gen den Konflikt des Nationalstaats mit dem Papsttum. Dem deutschen Einflussgewinn in Mittel- und SĂŒdosteuropa trat er zunĂ€chst entgegen. Nach dem von den WestmĂ€chten nicht gebilligten und mit Wirtschaftssanktionen beantworteten italienischen Überfall auf Äthiopien sowie der Intervention Italiens im Spanischen BĂŒrgerkrieg nĂ€herte sich Mussolini bis 1937 Deutschland an und schloss im Mai 1939 ein MilitĂ€rbĂŒndnis. Am 10. Juni 1940 trat er – in der Annahme, der Krieg werde nur wenige Monate dauern – auf deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg ein. Die italienischen Angriffe auf britische Positionen im östlichen Mittelmeer und in Ostafrika scheiterten jedoch ebenso wie der Angriff auf Griechenland im gleichen Jahr, wodurch Italien die FĂ€higkeit zu selbstĂ€ndiger KriegfĂŒhrung („Parallelkrieg“) weitgehend verlor.

Ab Herbst 1942 spitzte sich die politische, soziale und militĂ€rische Krise des Regimes rasch zu und untergrub Mussolinis persönliche Diktatur. Im Juli 1943 wurde er von oppositionellen Faschisten und Monarchisten gestĂŒrzt, die das BĂŒndnis mit Deutschland lösen und einer antifaschistischen Massenbewegung zuvorkommen wollten. Aus der Haft befreit, stand er bis 1945 an der Spitze der Italienischen Sozialrepublik (RSI), des faschistischen Marionettenstaates der deutschen Besatzungsmacht. In den letzten Kriegstagen wurde Mussolini von kommunistischen Partisanen festgenommen und hingerichtet.

FrĂŒhe Jahre (1883–1917)

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Familie, Kindheit und Jugend

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Mussolinis Geburtshaus in Predappio

Benito Mussolini war das erstgeborene Kind der Eheleute Alessandro (1854–1910) und Rosa Mussolini (geb. Maltoni, 1858–1905). Die Familie lebte im Schulhaus von Dovia, einem dörflichen Vorort von Predappio. Mussolinis Mutter, die Tochter eines kleinen Grundbesitzers, war hier seit 1877 als Grundschullehrerin tĂ€tig. Sie hatte den Handwerker Alessandro Mussolini im Januar 1882 gegen den Widerstand ihrer Eltern geheiratet. Er verdiente seinen Lebensunterhalt einige Jahre lang als Schmied, besaß nur geringe formale Schulbildung und wurde im Zuge seiner erfolglosen Arbeitssuche zum Alkoholiker. Im Gegensatz zu seiner katholischen, auch politisch konservativen Frau war Alessandro Mussolini aktiver Sozialist und genoss als Mitglied des Stadtrates und stellvertretender BĂŒrgermeister eine gewisse Prominenz. Als einzige „Intellektuelle“ des Ortes besaß die Familie einen beachtlichen Einfluss, auch wenn sie kaum mehr begĂŒtert war als die Bauern und Landarbeiter in ihrer unmittelbaren Umgebung. Alessandro Mussolini hatte Werke von Karl Marx gelesen und verehrte in seinem politischen Denken italienische Nationalisten wie Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi, unter Einbeziehung von Sozialreformern und Anarchisten wie Carlo Cafiero und Michail Bakunin. Die Vornamen seines Ă€ltesten Sohnes wĂ€hlte er mit Blick auf Benito JuĂĄrez, Amilcare Cipriani und Andrea Costa. Alessandro Mussolini zog sich bereits vor dem Tod seiner Frau aus der Politik zurĂŒck, pachtete etwas Land und betrieb in den letzten Jahren seines Lebens eine Gastwirtschaft in ForlĂŹ.

Benito Mussolini verließ im Alter von neun Jahren Dovia und wechselte, wohl arrangiert von seiner Mutter, auf eine Internatsschule der Salesianer in Faenza, die vor allem von Jungen aus Familien des stĂ€dtischen BĂŒrgertums der Romagna besucht wurde. Hier war Mussolini, der in dieser Umgebung nicht als gleichwertig akzeptiert wurde, immer wieder in handgreifliche Auseinandersetzungen mit MitschĂŒlern verwickelt. Nachdem er bei einem Streit ein Messer gezogen hatte, wurde er nach zwei Jahren der Schule verwiesen. Auf der staatlichen Schule in Forlimpopoli, die er fortan besuchte, entwickelte er sich zum „MusterschĂŒler“. Er beendete sie 1901 mit einem Diplom, das ihn zur Erteilung von Unterricht an Elementarschulen berechtigte. 1900 war er dem Partito Socialista Italiano (PSI) beigetreten und befreundete sich dort mit dem spĂ€teren Antifaschisten Olindo Vernocchi.

Politische AnfÀnge

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Nachdem der Versuch, mit Hilfe seines Vaters die Stelle des GemeindesekretĂ€rs von Predappio zu erhalten, gescheitert war, trat Mussolini im Februar 1902 eine Lehrerstelle in Gualtieri an. Sein Vertrag wurde jedoch bereits im Juni gekĂŒndigt. Es ist unklar, ob dafĂŒr Auseinandersetzungen mit dem örtlichen Klerus, eine laxe Dienstauffassung Mussolinis oder die (verbĂŒrgte) AffĂ€re mit einer verheirateten Frau verantwortlich waren.[1]

Benito Mussolini auf einer Aufnahme der Schweizer Polizei, 1903

Einige Wochen spĂ€ter emigrierte Mussolini – wie etwa 50.000 andere Italiener im Jahr 1902 – in die Schweiz. Er arbeitete hier gelegentlich (in der Summe einige Wochen) als Bauarbeiter und Ladenhelfer, war wegen der Geldsendungen seiner Eltern aber nicht wie andere, hĂ€ufig völlig mittellose Migranten auf regelmĂ€ĂŸige Lohnarbeit angewiesen. Da er im Folgejahr der Einberufung zum Wehrdienst nicht nachkam, verurteilte ihn ein italienisches MilitĂ€rgericht wegen Desertion. In der Schweiz trat er der Auslandsorganisation des PSI bei und schrieb schon nach kurzer Zeit regelmĂ€ĂŸig fĂŒr das dortige Parteiblatt L’Avvenire del Lavoratore. Auftritte vor Versammlungen italienischer Arbeitsmigranten zeigten sein Talent als politischer Redner und lenkten die Aufmerksamkeit nicht nur der Schweizer, sondern auch der französischen Polizei auf den „anarchistischen“ Agitator,[2] der mehrfach arrestiert wie auch ausgewiesen wurde.[3] Mussolini fand bald Zugang zu dem Kreis um Giacinto Menotti Serrati und Angelica Balabanoff, die ihn beide förderten. Von Balabanoff ĂŒbernahm Mussolini wesentliche Elemente seines frĂŒhen politischen Weltbildes. Wie sie verstand er unter Marxismus vor allem „revolutionĂ€ren“ Aktivismus.[4] Seine fortan hĂ€ufige Berufung auf Marx diente in erster Linie der innerparteilichen Abgrenzung vom Reformsozialismus der Richtung Filippo Turatis.[5] Mussolinis tatsĂ€chliche BeschĂ€ftigung mit dem marxistischen Denken blieb hier und spĂ€ter oberflĂ€chlich und eklektisch.[6]

In der Schweiz[7] las Mussolini auch syndikalistische Schriften, insbesondere die Georges Sorels. Dazu kam die LektĂŒre Henri Bergsons, Gustave Le Bons, Max Stirners und Friedrich Nietzsches. 1904 studierte er ein Semester an der UniversitĂ€t Lausanne beim berĂŒhmten Soziologen Vilfredo Pareto und bei dessen Assistenten Pasquale Boninsegni.[8] Argumentationen und Begriffe dieser Autoren platzierte Mussolini in seinen journalistischen BeitrĂ€gen unvermittelt neben marxistischen Kategorien, ohne deren theoretische Unvereinbarkeit zu erkennen.[9] Trotz eines EntrĂŒstungssturms in der Schweiz ĂŒber den undemokratischen Gewaltherrscher verlieh die UniversitĂ€t Lausanne zu ihrem 400-jĂ€hrigen JubilĂ€um 1937 Mussolini auf Betreiben und aufgrund erfolgter eigenmĂ€chtiger Verlautbarungen Boninsegnis den Ehrendoktor.[3]

Politisch vertrat Mussolini zwischen 1904 und 1914 im Kern den Standpunkt des revolutionĂ€ren Syndikalismus, ohne allerdings persönlich syndikalistischen Organisationen anzugehören.[10] FrĂŒh schon zeigte sich in seinen Schriften die „Tendenz, gesellschaftliche Prozesse durch biologische Konzeptionen zu interpretieren (Art, Beseitigung der Schwachen, Auslese, Pflanze Mensch), was die allmĂ€hliche Aufgabe des marxistisch eindeutig definierten Begriffs der Klasse zugunsten der ‚Masse‘ vorbereitet.“[11] Dazu kam ein fĂŒr einen sozialistischen Autor zumindest ungewöhnlicher, an Sorel geschulter Kult des Irrationalen:

„Die sogenannten ‚seriösen‘ Menschen bilden den sozialen Ballast. Die Kultur ist das Werk der sogenannten ‚Wahnsinnigen‘.“

– Karin Priester: Faschismus[12]

Gegen Ende des Jahres 1904 kehrte Mussolini nach Italien zurĂŒck. Seine Mutter starb kurz darauf. Zuvor schon war er der Einberufung zum Wehrdienst gefolgt, den er bis zum September 1906 in einem Bersaglieri-Regiment ableistete. Anschließend war er erneut als Lehrer tĂ€tig, zunĂ€chst in Tolmezzo und danach an einer katholischen Schule in Oneglia. Im November 1907 bestand er ein Examen an der UniversitĂ€t Bologna und qualifizierte sich damit als Französischlehrer. In Oneglia begann Mussolini, wieder fĂŒr die sozialistische Presse zu schreiben. Seine Entlassung im Juli 1908 markierte das endgĂŒltige Scheitern als Lehrer; er zog daraufhin wieder zu seinem Vater nach ForlĂŹ.

Nach FĂŒrsprache von Serrati und Balabanoff ĂŒbertrug man Mussolini im Januar 1909 die Stelle des SekretĂ€rs der sozialistischen Partei im österreichischen Trient. Zudem ĂŒbernahm er die Redaktion des lokalen Parteiblatts. In Trient lernte er den Irredentisten Cesare Battisti kennen und schrieb bald regelmĂ€ĂŸig fĂŒr dessen Zeitung Il Popolo.[13] Anfang August 1909 wurde er Chefredakteur dieser Zeitung.[14] Außerdem korrespondierte er mit Giuseppe Prezzolini, dem Herausgeber der Zeitschrift La Voce, von dem er sich offenbar Protektion erhoffte.[15] Mussolini begann in Trient, einen positiven Begriff der „Nation“ zu entwickeln, was in der italienischen sozialistischen Bewegung zu dieser Zeit ausgesprochen unĂŒblich war und ebenso wie seine Verbindung zu Prezzolini darauf hindeutet, dass seine persönlichen Ambitionen schon zu dieser Zeit ĂŒber den Rahmen der sozialistischen Partei hinausgingen.[16]

Das Motiv des persönlichen Ehrgeizes gerade des jungen Mussolini wird in der Literatur oft hervorgehoben. Inzwischen gilt es als unstrittig, dass Mussolini mindestens so sehr von dem BedĂŒrfnis, „irgendwie und irgendwo“[17] aufzusteigen, wie von politischer Überzeugung angetrieben wurde. Angelo Tasca, der ihn persönlich kannte, hat die Auffassung vertreten, dass „das letzte Ziel“ fĂŒr Mussolini „stets nur Mussolini selbst [war]; ein anderes hat er nie gekannt.“[18] Bevor 1910 sein eigentlicher Aufstieg in der sozialistischen Partei begann, gab sich Mussolini der Hoffnung hin, eines Tages als „Intellektueller“ in Paris anerkannt zu werden.[16] Auf die durch das Examen von 1907 möglich gemachte prestigetrĂ€chtige Anrede professore legte er auch dann noch Wert, als er bereits an der Spitze der faschistischen Bewegung stand.[19] Der Historiker Paul O’Brien sieht im jungen Mussolini einen „ambitionierten kleinbĂŒrgerlichen Intellektuellen mit einem entschieden individualistischen GespĂŒr fĂŒr seine persönliche Geltung“,[20] der schon seit 1909 unter dem Einfluss der ebenso antiliberalen wie antisozialistischen kulturellen Avantgarde Italiens gestanden habe.[21]

Ende August 1909 wurde Mussolini im Vorfeld eines Besuches von Kaiser Franz Joseph I. von der österreichischen Polizei unter einem Vorwand verhaftet und am 13. September unter militĂ€rischem Schutz nach Rovereto[22] in Italien abgeschoben.[16]

Chefredakteur des „Avanti!“

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Die Ausweisung aus Österreich machte Mussolinis Namen erstmals zum Thema politischer Debatten in Rom, da die sozialistischen Mitglieder der Abgeordnetenkammer die Angelegenheit bis zum FrĂŒhjahr 1910 mehrfach aufgriffen. ZurĂŒck in ForlĂŹ, dachte Mussolini kurzzeitig ĂŒber eine Auswanderung in die Vereinigten Staaten nach, verwarf diese PlĂ€ne aber. Eine Bewerbung bei der liberalkonservativen Bologneser Zeitung Il Resto del Carlino, dem einflussreichsten Blatt seiner Heimatregion, blieb erfolglos.[23]

In ForlĂŹ begann Mussolini eine Beziehung mit der 19-jĂ€hrigen Rachele Guidi, Tochter der LebensgefĂ€hrtin seines Vaters. Im Januar 1910 ĂŒbernahm er die FĂŒhrung der örtlichen Sektion des PSI und die Redaktion der lokalen Parteizeitung La lotta di classe. Als Redakteur und Redner machte sich Mussolini binnen weniger Monate einen Namen in der Romagna. In den FlĂŒgelkĂ€mpfen innerhalb der sozialistischen Partei „konstruierte“[24] sich Mussolini mit radikaler Polemik als revolutionĂ€rer „Extremist“. Zu diesem Zeitpunkt sah sich die reformistische FĂŒhrungsgruppe des PSI, die die Partei seit 1900 weitgehend kontrolliert und die fĂŒhrenden Syndikalisten 1908 ausgeschlossen hatte, zunehmend angegriffen. Der von Costantino Lazzari und Serrati gefĂŒhrte linke FlĂŒgel, dem sich auch Mussolini anschloss, gewann an Einfluss. Die in Trient angeknĂŒpften Beziehungen zu Prezzolini ließ Mussolini allerdings auch in dieser Phase nicht abreißen.[25]

Als die Regierung Giolitti im September 1911 dem Osmanischen Reich den Krieg erklĂ€rte, rief Mussolini in ForlĂŹ zum Generalstreik auf. Wie in anderen StĂ€dten Italiens kam es zu Unruhen und Versuchen, Truppentransporte zu blockieren; Mussolini wurde am 14. Oktober 1911 zusammen mit einigen anderen Sozialisten aus der Region (darunter Pietro Nenni) verhaftet und im November von einem Gericht in ForlĂŹ zu einem Jahr GefĂ€ngnis verurteilt. Als er im MĂ€rz 1912 vorzeitig entlassen wurde, war sein Name weit ĂŒber die Romagna hinaus bekannt. Auf dem 13. Parteitag des PSI, der am 7. Juli 1912 in Reggio Emilia begann, sprach sich Mussolini zusammen mit den WortfĂŒhrern des linken FlĂŒgels fĂŒr den Ausschluss der „rechten“ Reformisten um Leonida Bissolati und Ivanoe Bonomi aus, die 1911 den Krieg gegen die TĂŒrkei unterstĂŒtzt und sich im MĂ€rz 1912 durch den „Hofgang“ zum König diskreditiert hatten. Er schonte jedoch die „linken“ Reformisten Turatis, die in der Partei verblieben. In Reggio Emilia ĂŒbernahm Costantino Lazzari den Parteivorsitz; Mussolini wurde ebenso wie Angelica Balabanoff in das Parteidirektorium gewĂ€hlt.

Am 1. Dezember 1912 löste Mussolini den Reformisten Claudio Treves als Chefredakteur des Avanti! ab. Die Redaktion des Zentralorgans der sozialistischen Partei hatte 1911 ihren Sitz von Rom nach Mailand verlegt, wohin nun auch Mussolini ĂŒbersiedelte. Unter Mussolinis FĂŒhrung ĂŒbernahmen Syndikalisten einen großen Teil der Redakteursstellen des Avanti!.[26] Mussolini erwies sich als ausgesprochen fĂ€higer Journalist (ein Biograph nennt ihn den in dieser Zeit „wahrscheinlich besten Journalisten des Landes“[27]); es gelang ihm, die Auflage des Blattes binnen weniger Monate zu vervielfachen und bis 1914 auf ĂŒber 100.000 Exemplare zu steigern.[28] Das war eine bemerkenswerte Leistung, da sich der PSI – anders als etwa die SPD – trotz seiner Wahlerfolge vor dem Ersten Weltkrieg nicht zur Massenpartei entwickelt hatte (1914 hatte die Partei in Rom rund 500 und selbst in ihrer Hochburg Mailand nur 1.300 Mitglieder) und viele Arbeiter und Bauern Analphabeten waren.[29] Seine „wachsende IrrationalitĂ€t“,[30] sein undifferenzierter Gebrauch von Begriffen nicht- bzw. offen antisozialistischer Autoren („Ich habe noch keine direkte Unvereinbarkeit zwischen Bergson und dem Sozialismus festgestellt.“[31]) sorgte ebenso wie seine Verteidigung Nietzsches[32] gleichwohl bald fĂŒr Kritik. In einem Brief an Prezzolini hatte Mussolini schon unmittelbar nach dem Parteitag von Reggio Emilia betont, dass er sich unter den RevolutionĂ€ren „ein bisschen fremd“[33] fĂŒhle. Sein Sozialismus war und blieb eine „unsichere Pflanze“.[34] Strukturell war Mussolinis Weltbild, das sich seit 1909 verfestigte, mit Denkfiguren der „europĂ€ischen und italienischen kulturellen und intellektuellen Reaktion gegen die Vernunft“[35] verwandt, es unterschied sich in grundsĂ€tzlichen Fragen von dem anderer Vertreter der PSI-Linken.

1913 begann Mussolini mit der Publikation einer von ihm persönlich herausgegebenen Zeitschrift (Utopia), die auf ein intellektuelles Publikum zielte und sich dezidiert ĂŒberparteilich gab. Im gleichen Jahr kandidierte er erstmals bei einer Parlamentswahl, unterlag in ForlĂŹ aber deutlich dem republikanischen Kandidaten.[36]

Der Parteitag von Ancona bestĂ€tigte im April 1914 die Vorherrschaft des linken FlĂŒgels in der Partei. Von der sogenannten „roten Woche“ (Settimana rossa), einer Welle von Streiks und BarrikadenkĂ€mpfen im Juni 1914, wurde Mussolini ebenso wie der Rest der ParteifĂŒhrung ĂŒberrascht, stellte sich im Avanti! aber mit den gewohnt radikalen Leitartikeln hinter die Arbeiter.[37]

Als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann, sprach sich Mussolini im Einklang mit der Parteilinie fĂŒr die bedingungslose NeutralitĂ€t Italiens aus. Seine Artikel schlugen gleichwohl von Anfang an einen entschieden „antideutschen“ Ton an; Deutschland, so schrieb Mussolini, sei seit 1870 der „Bandit, der an der Straße der europĂ€ischen Zivilisation herumschleicht.“[38] Diese Parteinahme unterschied sich nicht wesentlich von der spontanen Sympathie vieler linker italienischer Intellektueller fĂŒr die französische Republik, die noch durch das im Risorgimento tradierte Misstrauen gegenĂŒber „den Deutschen“ (hier gemeint: den Österreichern) akzentuiert wurde. Dennoch lehnte Mussolini in den ersten Kriegswochen eine italienische Intervention zugunsten Frankreichs ausdrĂŒcklich ab.[39] Die Wende kĂŒndigte sich an, als er am 13. September 1914 einen interventionistischen Artikel Sergio Panunzios im Avanti! drucken ließ. GegenĂŒber Amadeo Bordiga erklĂ€rte Mussolini, dass er die Parteinahme fĂŒr die NeutralitĂ€t als „reformistisch“ ansehe.[40] Damit formulierte er erstmals den in den folgenden Monaten wiederholt bekrĂ€ftigten Standpunkt, dass „Revolution“ und Intervention unauflösbar miteinander verbunden seien. Inwieweit Mussolini tatsĂ€chlich an diese Argumentation glaubte, ist umstritten. WĂ€hrend etwa Renzo De Felice die These vertritt, dass Mussolini seinem SelbstverstĂ€ndnis nach bis 1920 ein genuiner „RevolutionĂ€r“ geblieben sei,[41] betont Richard Bosworth das politische „Doppelspiel“, das Mussolini spĂ€testens im Oktober 1914 begonnen habe.[42]

Hinter den Kulissen hatte Mussolini schon im September 1914 mehreren Mitarbeitern bĂŒrgerlicher Zeitungen versichert, dass die Sozialisten – ginge es nach ihm â€“ eine italienische Mobilmachung nicht behindern und einen Krieg gegen Österreich-Ungarn unterstĂŒtzen wĂŒrden. Andeutungen darĂŒber erschienen am 4. Oktober in Il Giornale d’Italia und am 7. Oktober in Il Resto del Carlino.[43] Der zögernde Mussolini wurde dadurch gezwungen, sich öffentlich zu erklĂ€ren.[44]

Am 18. Oktober 1914 veröffentlichte er den Artikel „Von der absoluten zur aktiven und tĂ€tigen NeutralitĂ€t“, in dem er die sozialistische Partei aufforderte, die „negative“ Haltung zum Krieg zu revidieren und anzuerkennen, dass „nationale Probleme auch fĂŒr die Sozialisten existieren“:[45]

„Wollen wir, als Menschen und als Sozialisten, die untertĂ€nigen Zuschauer dieses großartigen Dramas sein? Oder wollen wir nicht auf irgendeine Art und in gewissem Sinne seine Protagonisten sein? Sozialisten, Italiener, merkt auf: Manchmal ist es vorgekommen, dass der Buchstabe den Geist getötet hat. Retten wir nicht den Buchstaben der Partei, wenn das bedeutet, den Geist des Sozialismus zu töten!“

– Priester: Faschismus[46]

Bereits am 19. Oktober trat der Vorstand des PSI in Bologna wegen dieses Artikels zusammen. Er schloss Mussolini, der sich in einer mehrstĂŒndigen Diskussion zu rechtfertigen versuchte, aus dem Parteidirektorium aus. Das war gleichbedeutend mit seiner Entfernung aus der Redaktion der Parteizeitung. Mussolini selbst hatte seinen Verbleib beim Avanti! von der Zustimmung der ParteifĂŒhrung zu seinen Positionen abhĂ€ngig gemacht.[47] Seine dem Parteivorstand unterbreitete Beschlussvorlage erhielt bei der Abstimmung jedoch nur eine Stimme (seine eigene); um das Gesicht zu wahren, „kĂŒndigte“ er unmittelbar danach beim Avanti!.[48] Große MailĂ€nder Zeitungen wie der Corriere della Sera und Il Secolo boten Mussolini allerdings sofort eine Plattform.[42] Die rasche und harte, von ihm nicht zuletzt als persönliche KrĂ€nkung empfundene Reaktion der ParteifĂŒhrung hatte Mussolini offenbar nicht erwartet. In den internen Diskussionen, die seinem Parteiausschluss vorausgingen, soll er aschfahl und zitternd aufgetreten sein[49] und angekĂŒndigt haben, es „euch heimzuzahlen“.[50]

Wende nach rechts

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Am 15. November 1914 meldete sich Mussolini mit einer neuen, zunĂ€chst noch als sozialistisch deklarierten Tageszeitung – Il Popolo d’Italia – wieder zurĂŒck. Das Blatt griff auf der Seite der Entente-freundlichen „Interventionisten“ in die Debatte um die Haltung Italiens zum Krieg ein. Die bellizistischen Interventionisten sprachen fĂŒr eine Minderheit der italienischen Gesellschaft; UnterstĂŒtzung und Publikum fanden sie vor allem im liberalen BĂŒrgertum und bei radikalen Nationalisten, wĂ€hrend die Masse der Industrie- und Landarbeiter einer Beteiligung Italiens am Krieg von Anfang an offen ablehnend gegenĂŒberstand. Auch der einflussreiche katholische Klerus wandte sich gegen den Krieg, da er an einer SchwĂ€chung der „katholischen Großmacht“ Österreich-Ungarn nicht interessiert war. Der fundamentale, im FrĂŒhjahr 1915 bis an die Schwelle des BĂŒrgerkrieges ausgetragene Konflikt zwischen „Interventionisten“ und „Neutralisten“ leitete die Krise des liberalen Staates ein, dessen Regierung den Kriegseintritt gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und des Parlaments durchsetzte, wobei sie sich geschickt der kleinen, aber lautstarken interventionistischen Minderheit bediente, unter deren „Druck“ zu handeln sie vorgab. Innenpolitisch trug der Eintritt Italiens in den Krieg ZĂŒge eines Staatsstreichs – „die ‚strahlenden Tage‘ vom Mai 1915 erscheinen in mehr als einer Hinsicht als Generalprobe fĂŒr den Marsch auf Rom.“[51]

In diesen Monaten traten erstmals sogenannte fasci auf, deren Angehörige Straßendemonstrationen organisierten und mitunter gewaltsam gegen Kriegsgegner – vor allem gegen Einrichtungen und Organisationen der Arbeiterbewegung[52] â€“ vorgingen. Bereits wĂ€hrend der „roten Woche“ im Juni 1914 waren rechte BĂŒrgerwehren mit Waffengewalt gegen Arbeiter vorgegangen. Die Mitglieder dieser Gruppen waren im Durchschnitt „jung, aus dem Norden, gebildet, aktivistisch und antisozialistisch“[53] und kamen aus bĂŒrgerlichen bzw. kleinbĂŒrgerlichen Milieus. Mussolini, der am 24. November 1914 aus dem PSI ausgeschlossen worden war, beteiligte sich im Dezember 1914 am Zusammenschluss mehrerer zuvor unabhĂ€ngiger fasci zu den Fasci d’azione rivoluzionaria; er bezeichnete die AnhĂ€nger dieser Gruppen bereits zu diesem frĂŒhen Zeitpunkt als fascisti. Er war jedoch noch ohne eigene politische Hausmacht – nach wie vor stand er, verglichen mit aristokratischen WortfĂŒhrern des Interventionismus wie Gabriele D’Annunzio, Filippo Tommaso Marinetti, Enrico Corradini und Luigi Federzoni, am unteren Ende einer „komplexen Leiter der Patronage“.[54] Diese Patronagebeziehungen bewĂ€hrten sich erstmals bei der Etablierung des Popolo d’Italia, dessen Auflage im Mai 1915 bei etwa 80.000 Exemplaren lag. In diesem Zusammenhang spielte Filippo Naldi, ein Journalist aus Bologna, der ĂŒber enge Beziehungen zu Großgrundbesitzern und zur Regierung in Rom verfĂŒgte, eine wichtige Rolle.[42] In der kritischen Anfangsphase versorgte Naldi den mittellosen Mussolini nicht nur mit Geld, sondern stellte ihm auch Druckmaschinen, Papier und sogar einige Redakteure des Resto del Carlino zur VerfĂŒgung.[55] Der in dieser Phase bedeutendste finanzielle Förderer Mussolinis war Ferdinando Martini, der Minister fĂŒr die Kolonien.[56] Hohe BetrĂ€ge kamen von Industriellen, so von Giovanni Agnelli (Fiat) und den GebrĂŒdern Perrone (Ansaldo).[57] Subsidien flossen Mussolini außerdem vom französischen Geheimdienst und von der französischen Botschaft in Rom zu. Als im Herbst 1917 der Zusammenbruch des italienischen Heeres nach der Battaglia di Caporetto (der 12. Isonzo-Schlacht) bevorzustehen schien, unterstĂŒtzte die römische ReprĂ€sentanz des britischen Geheimdienstes MI5 Mussolinis Blatt fĂŒr mindestens ein Jahr mit einer wöchentlichen Zahlung von ÂŁ 100 (etwa 6.400 Euro nach heutigem Wert).[58] Der Zufluss dieser Gelder ermöglichte Mussolini auch einen Lebensstil, durch den er habituell zu den ihn unterstĂŒtzenden Kreisen aufschließen konnte. Er speiste fortan in teuren Restaurants, erwarb ein Pferd fĂŒr Ausritte und ein Auto.[59]

Die GrĂŒnder der frĂŒhen fasci waren hĂ€ufig ehemalige Syndikalisten, die sich von der Unione Sindacale Italiana (USI) gelöst hatten und ihre BefĂŒrwortung einer Beteiligung Italiens am Krieg gegen die MittelmĂ€chte mit „linken“ Argumenten begrĂŒndeten. Der fĂŒhrende Kopf dieser Gruppe war der 1915 an der Isonzofront gefallene Filippo Corridoni, der frĂŒh fĂŒr die Intervention plĂ€diert und von einem „revolutionĂ€ren Krieg“ gesprochen hatte.[60] Auch Mussolini bewegte sich bis 1915 im Umfeld Corridonis. Diese „Linksinterventionisten“ standen nicht in einer genuin sozialistischen oder syndikalistischen Theorietradition, sondern griffen zunĂ€chst vorrangig auf modifizierte Ideologiefragmente des Risorgimento – vor allem des Mazzinianismus â€“ zurĂŒck.[61] Schon die frĂŒhen einschlĂ€gigen BeitrĂ€ge Mussolinis im Popolo d’Italia waren, „trotz aller sozialrevolutionĂ€ren Überbleibsel, so weit entfernt vom sozialistischen Internationalismus und Materialismus wie ĂŒberhaupt möglich.“[62] In der teilweise hysterisch gefĂŒhrten Kampagne fĂŒr die Intervention profilierte sich der Popolo d’Italia mit besonders schrillen Tönen; als es im Mai 1915 kurze Zeit so schien, als wĂŒrde der „VerrĂ€ter“ Giovanni Giolitti erneut MinisterprĂ€sident werden, verlangte Mussolini, „ein paar dutzend Abgeordnete“ zu erschießen.[63] Diese Transformation, die vielen Zeitgenossen als plötzlich und unvermittelt erschien, hatte Mussolini durchaus öffentlich vorbereitet. Neuere Untersuchungen haben herausgearbeitet, dass Mussolini seine Zeitschrift Utopia bereits vor dem Oktober 1914 zu einem Forum fĂŒr „imperialistische, rassistische und antidemokratische“[64] Argumentationen gemacht hatte. Ostentativ sagte er sich nun von Marx, „dem Deutschen“, und dem „stock-preußischen“ marxistischen Sozialismus los und propagierte einen „antideutschen Krieg“.[65] Am Sozialismus-Begriff hielt Mussolini zunĂ€chst noch fest, gab ihm aber einen völlig anderen Inhalt. Der Sozialismus der Zukunft werde ein „antimarxistischer“ und „nationaler“ sein.[66] Im August 1918 wurde das Wort „sozialistisch“ aus dem Untertitel des Popolo d’Italia entfernt.[67] Zu diesem Zeitpunkt war bei Mussolini endgĂŒltig ein mit sozialdarwinistischen Elementen aufgeladener[68] autoritĂ€rer Nationalismus in den Vordergrund getreten:

„Wer Vaterland sagt, sagt Disziplin; wer Disziplin sagt, gibt zu, dass es eine Hierarchie der AutoritĂ€ten, der Funktionen, der Intelligenzen gibt. Dort, wo diese Disziplin nicht frei und bewusst angenommen wird, muss sie aufgezwungen werden, auch mit Gewalt, auch – die Zensur möge mir gestatten, es zu sagen – mit jener Diktatur, zu der die Römer der ersten Republik griffen, in den kritischen Stunden ihrer Geschichte.“

– Priester: Faschismus[69]

Von diesem Standpunkt aus kritisierte Mussolini auch den in Politikern wie Antonio Salandra und Giolitti verkörperten konservativen Liberalismus der alten Eliten, da dieser an der „Integration der Massen in die Nation“ gescheitert sei. So hielt er etwa an der Forderung nach einer Landreform fest, da allein auf diese Weise „die Landbevölkerung fĂŒr die Nation gesichert“[70] werden könne. Allein von einer „SchĂŒtzengrabenaristokratie“ (trincerocrazia), einer „Aristokratie der Funktion“, sei die Bereitschaft zu solchen Maßnahmen zu erwarten.[71]

Mussolinis GedankengĂ€nge reflektierten auf ihre Weise die tiefe Krise der traditionellen Ordnung, die spĂ€testens 1917 von vielen Beobachtern konstatiert wurde. Von 1915 bis 1917 hatten die italienischen Regierungen – „ganz zu schweigen von den reaktionĂ€ren und brutalen monarchistischen GenerĂ€len“[72] â€“ versucht, einen „traditionellen“ Krieg zu fĂŒhren. Sie hatten keinerlei Versuch unternommen, den Krieg vor den Arbeitern und Bauern, die die Masse der Soldaten stellten, zu rechtfertigen oder zu begrĂŒnden.[73] Erst nach der katastrophalen Niederlage in der 12. Isonzoschlacht leitete der neue MinisterprĂ€sident Vittorio Orlando eine propagandistische Kampagne ein, die den Krieg fĂŒr diejenigen, die ihn in den SchĂŒtzengrĂ€ben auszutragen hatten, plausibel machen sollte. Ende 1917 stießen die Legitimationen und Mechanismen der alten Herrschaftsordnung jedoch unĂŒbersehbar an ihre Grenzen, wodurch perspektivisch eine Nachfrage fĂŒr die politische Ideologie geschaffen wurde, deren Grundlagen im Umfeld des Popolo d’Italia entstanden waren.[74] Der FrĂŒhfaschismus war gleichwohl nicht die einzige politische Kraft, die in diesem Zusammenhang auftrat. Der italienische Radikalnationalismus (vgl. Associazione Nazionalista Italiana) etwa, der „Rechtsinterventionismus“ der Jahre 1914/15, durchlief bis 1919 eine relativ eigenstĂ€ndige Entwicklung.

Mussolini als Soldat im Ersten Weltkrieg, 1917

MilitÀrdienst

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Von August 1915 bis August 1917 leistete Mussolini selbst MilitĂ€rdienst. Mit dem 11. Bersaglieri-Regiment war er am Isonzo (bis November 1915, vgl. Isonzoschlachten), in den Karnischen Alpen (bis November 1916) und bei DoberdĂČ im Einsatz. WĂ€hrend dieser Zeit publizierte er weiterhin im Popolo d’Italia. Diese Artikel wurden 1923 als „Kriegstagebuch“ neu herausgegeben und im faschistischen Italien in zahlreichen Auflagen verbreitet. WĂ€hrend eines Lazarettaufenthaltes im Dezember 1915 heiratete er Rachele Guidi, die Mutter seiner 1910 geborenen Tochter Edda. 1916 bzw. 1918 kamen die Söhne Vittorio und Bruno zur Welt. Obwohl „Gebildete“ im italienischen Heer sehr hĂ€ufig einen Offiziersrang erhielten, brachte es Mussolini nur bis zum caporal maggiore (ein niedriger Unteroffiziersdienstgrad). Einen Kurs fĂŒr OffiziersanwĂ€rter musste er nach kurzer Zeit auf Veranlassung der ArmeefĂŒhrung wieder verlassen. Nach allen vorliegenden Zeugnissen begegneten Soldaten der MannschaftsrĂ€nge dem GrĂŒnder des Popolo d’Italia mit Misstrauen, zum Teil auch offen feindselig. Das Angebot des Regimentskommandeurs, die Regimentsgeschichte zu schreiben und so den fĂŒr den „Kriegshetzer“ besonders gefĂ€hrlichen SchĂŒtzengrĂ€ben zu entkommen, lehnte er indes ab. Im Herbst 1916 war Mussolini allerdings so erschöpft, dass er nach Wegen zu suchen begann, aus dem Dienst auszuscheiden.[75] Am 23. Februar 1917 wurde Mussolini bei einer Übung hinter der Front schwer verwundet, als eine Mörsergranate beim Abschuss explodierte und mehrere Soldaten in seiner NĂ€he tötete. Bis zu seiner Entlassung aus dem MilitĂ€r im August hielt er sich in einem MailĂ€nder Lazarett auf.

Mussolini und die italienische Rechte (1919–1922)

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Mussolini und der FrĂŒhfaschismus

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Der Weltkrieg erschĂŒtterte das politische System Italiens. Das KalkĂŒl der Regierung Salandra, die sich vom Eintritt in den Krieg vor allem eine Marginalisierung der Sozialisten und eine dauerhafte Verschiebung des politischen KrĂ€ftefeldes nach rechts – in Summe eine „hierarchische Reorganisation der Klassenbeziehungen“[76] â€“ versprochen hatte, war nicht aufgegangen. Stattdessen hatten die lokal und regional begrenzten Konflikte der Vorkriegszeit „nationale Dimensionen angenommen und waren zu Protesten gegen den Krieg, gegen den Staat, gegen die herrschende Klasse geworden.“[77] Der italienischen Oberschicht gelang es nicht, die Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit wie in Frankreich und Deutschland zu kanalisieren und durch taktische ZugestĂ€ndnisse abzufedern; der Kampf um die gesellschaftliche Hegemonie wurde direkt und unvermittelt ausgetragen und ĂŒberforderte schließlich die liberalen Institutionen.[78]

Das prĂ€gende, auch fĂŒr Mussolini zentrale Thema der Nachkriegszeit war der Aufstieg einer radikalen Linken und der damit verbundene Eintritt der „Massen“ in das politische Leben.[79] Anders als etwa in Deutschland war in Italien die reformistische, zur Zusammenarbeit mit den Parteien des BĂŒrgertums bereite Strömung der Arbeiterbewegung, die innerhalb des PSI vor allem der Kreis um Filippo Turati reprĂ€sentierte, strukturell schwach. Im September 1918 hatten sich in der sozialistischen Partei die sogenannten „Maximalisten“ (massimalisti) um Serrati durchgesetzt, die sich die bolschewistische Oktoberrevolution zum Vorbild nahmen und Ă€hnliche Positionen wie die deutsche USPD vertraten. 1919 erlebten die Partei und die Gewerkschaften einen beispiellosen Zustrom neuer Mitglieder, bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 erhielt der PSI 32,5 % der Stimmen (156 Mandate) und wurde zur stĂ€rksten Partei. Im MĂ€rz 1919 erzwangen Massenstreiks die Anerkennung des Achtstundentages. In Latium und in Teilen SĂŒditaliens begannen Landarbeiter und Kleinbauern im Sommer mit spektakulĂ€ren Landbesetzungen, wĂ€hrend es der sozialistischen Gewerkschaft Federterra zumindest in der Po-Ebene gelang, die Landarbeiter fast restlos zu organisieren und den Großgrundbesitzern Löhne und Arbeitsbedingungen zu diktieren. Dennoch war der Aufschwung des italienischen Sozialismus instabil. Die Mehrheit seiner AnhĂ€nger war bitterarm, ohne materielle und kulturelle Ressourcen und in der Regel lediglich lokal vernetzt; viele Mitglieder stießen nach dem Ende des Krieges erstmals zur Partei und zu den Gewerkschaften, ihre Bindung an das sozialistische Programm blieb lose und ungefestigt. Der lange Zeit auch in der historischen Literatur reproduzierte zeitgenössische liberale, konservative und faschistische Diskurs ĂŒber die „rote Gefahr“ (vgl. biennio rosso) verschleiert, dass es der sozialistischen Partei selbst in ihrer Hochphase zu keinem Zeitpunkt gelang, im gesellschaftlichen Maßstab zur Mehrheitspartei zu werden.[80] 43 der 69 Provinzen wiesen auch im November 1919 „weiße“ Mehrheiten auf; der erst am 18. Januar 1919 gegrĂŒndete katholische PPI gewann bei dieser Wahl aus dem Stand 100 Mandate, die verschiedenen liberalen Gruppen zusammen 252.[81]

Parallel zum Aufschwung der politischen Linken etablierte sich eine – anfĂ€nglich noch stark fragmentierte â€“ „neue Rechte“,[82] die nicht einfach konservativ war, sondern die Institutionen der traditionellen Ordnung mehr oder weniger offen verwarf. Ihr gemeinsamer Nenner war ein ideologisches Amalgam aus nationalistischer EnttĂ€uschung ĂŒber den „verstĂŒmmelten Sieg“ (vittoria mutilata) im Weltkrieg und aggressiver Auseinandersetzung mit der „roten Gefahr“. Der weithin akklamierte Kopf dieser Rechten war zunĂ€chst Gabriele D’Annunzio. Mussolini war zur Jahreswende 1918/19 zwar als Chefredakteur des Popolo d’Italia in ganz Italien bekannt, verfĂŒgte aber lediglich im lokalen Rahmen Mailands ĂŒber politisches Gewicht. Er griff in den ersten Nachkriegsmonaten die verbreitete Forderung nach einer konstituierenden Nationalversammlung auf, die vor allem unter den zurĂŒckkehrenden Frontsoldaten populĂ€r war und durchaus in das ideologische Profil des Popolo d’Italia passte.

Angehörige der 1917/18 mit einem Elitekult umgebenen Arditi-Bataillone spielten in der Symbolgeschichte des italienischen Faschismus eine wichtige Rolle. Sie stellten die militantesten Kader der frĂŒhen fasci und brachten das Schwarzhemd, den Fez, die Parole A noi! und die spĂ€tere Parteihymne Giovinezza in die faschistische Bewegung ein.

Zum 23. MĂ€rz 1919 rief Mussolini die Vertreter von etwa zwanzig fasci, die sich nach Kriegsende neu gebildet hatten oder von ĂŒberlebenden Aktivisten der Jahre 1914/15 wiederbelebt worden waren, in Mailand zusammen. An dem Treffen (das in einem von der Industriellenvereinigung Alleanza industriale e commerciale zur VerfĂŒgung gestellten Saal an der Piazza San Sepolcro stattfand) nahmen etwa 300 Personen teil, darunter Roberto Farinacci, Cesare Maria De Vecchi, Giovanni Marinelli, Piero Bolzon und Filippo Tommaso Marinetti. Die Zusammensetzung der spĂ€ter als sansepolcristi verehrten Teilnehmer verhalf der bei dieser Gelegenheit gegrĂŒndeten Dachorganisation (den Fasci italiani di combattimento) zu einem schillernden, „bivalenten“[83] Erscheinungsbild. Ehemalige „Linksinterventionisten“ stellten (noch) die Mehrheit, „neben ihnen aber sitzen die Nationalisten, die ReaktionĂ€re und schlichte Streikbrecher.“[84] Der von Mussolini erhobene und auch in der historischen Literatur oft ohne Relativierung kolportierte Anspruch, die combattenti (die Kriegsteilnehmer) zu vertreten, traf nur sehr bedingt zu. Die ersten Nachkriegs-fasci zogen vor allem demobilisierte Reserveoffiziere oder Studenten bĂŒrgerlicher Herkunft an, die im Krieg Offiziere gewesen waren oder bei den Arditi gedient hatten. Der weitaus mitgliederstĂ€rkste Verband der Kriegsteilnehmer, die Associazione Nazionale dei Combattenti (ANC), war dagegen – abgesehen von regionalen SonderfĂ€llen – zunĂ€chst demokratisch und antifaschistisch ausgerichtet; auch seine soziale Zusammensetzung (ĂŒberwiegend ehemalige wehrpflichtige Bauern und Offiziere unterer Dienstgrade) war eine ganz andere als die der fasci.[85]

Die in Mailand ins Leben gerufene Organisation blieb – trotz einiger spektakulĂ€rer Aktionen, darunter eine von Marinetti dirigierte Brandstiftung im RedaktionsgebĂ€ude des Avanti! am 15. April 1919 – zunĂ€chst ohne jeden Einfluss. Noch Ende 1919 existierten lediglich 31 fasci mit zusammen 870 Mitgliedern.[86] Erst nach und nach gelang es den Fasci di combattimento, sich gegen rivalisierende liberale, anarchistische und syndikalistische Gruppen, die den Begriff fascio (mit jeweils abweichenden Inhalten) ebenfalls fĂŒr sich reklamierten, durchzusetzen. Im August 1919 lancierte Mussolini eine neue Zeitschrift (Il Fascio), die vor allem die Aufgabe hatte, den fascismo im Sinne seiner Organisation auszudeuten.

Die programmatischen LeitsĂ€tze der Fasci di combattimento waren diffus und fĂŒr die Praxis der Organisation schon zu diesem Zeitpunkt völlig bedeutungslos.[87] Im MĂ€rz 1919 war ĂŒberhaupt kein formales Programm beschlossen worden. Mussolini hatte in Mailand lediglich drei ErklĂ€rungen verlesen und sich darin mit den FrontkĂ€mpfern solidarisiert, die Annexion Fiumes und Dalmatiens verlangt sowie die BekĂ€mpfung der sozialistischen und katholischen „Neutralisten“ angekĂŒndigt. Am 6. Juni 1919 veröffentlichte der Popolo d’Italia schließlich ein Programm, bei dem „unschwer hinter der ‚linken‘ Fassade, die vor allem durch die politische Forderung nach der Republik entsteht, in den Fragen der sozialen Ordnung ein reaktionĂ€rer Kern zu erkennen“[88] ist. Das Programm war auch in seinen bald vergessenen „radikalen“ Passagen – entgegen einer weitverbreiteten Legende â€“ keineswegs „sozialrevolutionĂ€r“, sondern von den Verfassern weitgehend an die reformistische Linie der nationalistischen Gewerkschaft Unione Italiana del Lavoro angelehnt worden. Gefordert wurden die Senkung des Wahlalters auf 18 Jahre und das Wahlrecht fĂŒr Frauen, die Abschaffung des Senats und dessen Ersetzung durch einen „technischen Nationalrat“, Mindestlohn und Achtstundentag, Besteuerung der Kriegsgewinne, eine staatliche Sozialversicherung, die Verteilung unbebauten Bodens an Kriegsveteranen, Beteiligung von Vertretern der Arbeiterorganisationen an der „Verwaltung“ privater und öffentlicher Betriebe („soweit sie dessen moralisch und technisch wĂŒrdig sind“), die Schließung der katholischen Schulen und die Einziehung des kirchlichen Grundbesitzes. Mussolini vermied es insbesondere in dieser frĂŒhen Phase, die Fasci di combattimento einem der existierenden politischen Lager zuzuordnen. Auf dem ersten Kongress der fasci, der im Oktober 1919 in Florenz stattfand, erklĂ€rte er, sie seien „nicht republikanisch, nicht sozialistisch, nicht demokratisch, nicht konservativ, nicht nationalistisch“.[89] Er polemisierte gegen den linksliberalen MinisterprĂ€sidenten Nitti und solidarisierte sich mit dem Fiume-Unternehmen D’Annunzios, ohne sich oder seine Organisation zu eng an dieses Projekt zu binden.

Bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 erhielt die von Mussolini und Marinetti angefĂŒhrte faschistische Liste in der gesamten Provinz Mailand nur 4.675 Stimmen und gewann kein Mandat. Nach dieser Schlappe warfen MailĂ€nder Faschisten am 17. November einen Sprengsatz in eine sozialistische Demonstration. Mussolini wurde als Anstifter verdĂ€chtigt und – nachdem bei einer Durchsuchung ein Waffenlager gefunden worden war â€“ verhaftet, aber nach nur einem Tag aufgrund einer Intervention aus Rom wieder entlassen.[90]

Am 24./25. Mai 1920 fand in Mailand der zweite Kongress der Fasci di combattimento statt. Die meisten ehemaligen „Linksinterventionisten“ schieden bei dieser Gelegenheit aus dem Nationalrat der Organisation, die nach dem sozialistischen Wahlsieg zahlreiche neue AnhĂ€nger in den zerfallenden liberalen Milieus gefunden hatte, aus. Auch Marinetti verließ den Kongress, nachdem Mussolini sich gegen eine Fortsetzung der antikatholischen Polemik ausgesprochen hatte. Die Forderung nach der Republik relativierte Mussolini in Mailand ebenfalls. Die Stoßrichtung gegen den „antiitalienischen“ Sozialismus wurde dagegen noch stĂ€rker herausgestellt.[91] Der Achtstundentag und der Mindestlohn verschwanden aus dem faschistischen Programm, ebenso die Forderung nach einer „technischen“ Beteiligung der Arbeiter an der Leitung der Betriebe.[92] Nun richtete sich die faschistische Polemik gegen einen vermeintlichen „Staatskollektivismus“ oder „Staatsbolschewismus“ in Italien; Mussolinis Rede in Mailand, in der er sich zu einer „Manchester-Konzeption“[93] des Staates bekannte, bewertet der Historiker Adrian Lyttelton als Entwurf eines „kapitalistischen Utopia“.[94] WĂ€hrend der Auseinandersetzungen zwischen der Metallarbeitergewerkschaft FIOM und dem Unternehmerverband Confindustria, die im September 1920 in die zeitweilige Besetzung vieler Fabriken durch die Belegschaften mĂŒndeten, rief Mussolini im Popolo d’Italia immer wieder zur Klassenzusammenarbeit auf. Den anderen antisozialistischen Parteien warf er vor, den Sozialisten nicht mit der nötigen Entschiedenheit entgegenzutreten – die Faschisten aber wĂŒrden dies nun tun. Die seien zwar eine Minderheit, aber „eine Million Schafe werden immer vom BrĂŒllen eines einzigen Löwen zerstreut werden.“[95] Diese Worte kĂŒndigten die eigentliche „Geburt“ des Faschismus an, dessen VorstĂ¶ĂŸe bald „keineswegs nur mehr sporadische Episoden zu Demonstrationszwecken“ waren, sondern „Ausdruck einer bewusst geplanten, systematischen Gewalt“,[96] die auf die vollstĂ€ndige Zerstörung der sozialistischen Organisationen zielte.

Vom „blocco nazionale“ zum „Partito Nazionale Fascista“

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Flagge der frĂŒhen faschistischen Bewegung mit „republikanischem“ LiktorenbĂŒndel

Die „Explosion der antisozialistischen Gewalt“[97] erfolgte im Herbst 1920, als große Teile der bĂŒrgerlichen Eliten ihr Vertrauen in die FĂ€higkeit des Staates, die Arbeiterbewegung unter Kontrolle zu bringen und zurĂŒckzudrĂ€ngen, verloren hatten. Liberale Zeitungen plĂ€dierten nun offen fĂŒr die autoritĂ€re Herrschaft eines „starken Mannes“ oder eine MilitĂ€rdiktatur.[98] Gerade zu dieser Zeit trat die sozialistische Bewegung in eine Phase der Orientierungslosigkeit und inneren Auseinandersetzungen ein, da der Verlauf der Fabrikbesetzungen im September 1920 deutlich gemacht hatte, dass die zentristischen „Maximalisten“ an der Spitze des PSI trotz ihrer radikalen Rhetorik nicht gewillt waren, ernsthaft auf eine sozialistische Revolution hinzuarbeiten (diese FraktionskĂ€mpfe fĂŒhrten im Januar 1921 zur Abspaltung des linken ParteiflĂŒgels, der sich als Partito Comunista d’Italia konstituierte). So ging im Oktober 1920 fast unvermittelt „die Initiative in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf die besitzenden Klassen und die neue Rechte ĂŒber.“[99]

Die fasci, bis dahin „so gut wie bedeutungslos, teils anĂ€mische Gebilde, teils ĂŒberhaupt nicht existent“,[100] erlebten nun einen stetigen Zustrom neuer Mitglieder und einen enormen politischen Bedeutungsgewinn. Die Zahl der lokalen fasci vervielfachte sich binnen weniger Monate von 190 (Oktober 1920) auf 800 (Ende 1920), 1.000 (Februar 1921) und 2.200 (November 1921).[101] Ihre Reputation im antisozialistischen Lager war schlagartig gestiegen, als am 21. November 1920 mehrere hundert bewaffnete Faschisten die konstituierende Sitzung des neugewĂ€hlten sozialistischen Gemeinderates von Bologna ĂŒberfielen, wobei neun Menschen starben. Die „Schlacht von Bologna“ leitete die Periode des faschistischen squadrismo ein, der bewaffneten „Strafexpeditionen“ gegen „rote“ Partei- und GewerkschaftshĂ€user, Zeitungsredaktionen, Arbeiterheime, KulturhĂ€user, Gemeindeverwaltungen, Genossenschaften und Einzelpersonen. Die einzelnen squadre wurden hĂ€ufig von Industriellen und Großgrundbesitzern ausgerĂŒstet (mitunter auch direkt gefĂŒhrt), profitierten aber vor allem von der direkten und indirekten UnterstĂŒtzung durch staatliche Stellen aller Ebenen.[102] Der Kriegsminister im Kabinett Giolitti V, der 1912 aus dem PSI ausgeschlossene rechte Sozialdemokrat Ivanoe Bonomi, regte im Oktober 1920 den Eintritt von entlassenen Reserveoffizieren in die fasci an, wobei ihnen ein großer Teil des bisherigen Soldes weitergezahlt werden sollte.[103] Justizminister Luigi Fera wies die Gerichte in einem Rundschreiben an, Verfahren gegen Faschisten nach Möglichkeit einschlafen zu lassen.[101] Hunderte sozialistische Gemeindeverwaltungen, die zum Ziel von faschistischen „Strafexpeditionen“ geworden waren, ließ die Regierung im FrĂŒhjahr 1921 „aus GrĂŒnden der öffentlichen Ordnung“[104] auch offiziell auflösen, darunter die von Bologna, Modena, Ferrara und Perugia. Die Dominanz der Sozialisten in vielen Gemeindeparlamenten hatte die liberalen Eliten seit 1919 besonders beunruhigt, da das gesellschaftliche KrĂ€fteverhĂ€ltnis hier tatsĂ€chlich zugunsten der Linken zu kippen drohte.[96]

Die Ausbreitung der fasci erfolgte regional sehr ungleichmĂ€ĂŸig und in der Regel ohne direkten politischen, ideologischen oder persönlichen Bezug zu Mussolini. Auch der Großteil der politischen Symbolik des italienischen Faschismus entstand in dieser Phase unabhĂ€ngig vom MailĂ€nder Zentrum spontan und wurde durch Imitation schrittweise von der gesamten Bewegung ĂŒbernommen.[105] Triest, wo sowohl die nationalistische als auch die antisozialistische Agitation besonders intensiv war und in den Auseinandersetzungen mit der slowenischen Minderheit fließend ineinander ĂŒberging, entwickelte sich zur ersten echten Hochburg des Faschismus. Hier hatte der örtliche fascio im MĂ€rz 1921 14.756 Mitglieder (18 % der Gesamtmitgliedschaft). Die Organisationen in Turin, Rom und Ravenna hatten damals dagegen erst 581, 1.480 und 70 Mitglieder.[106]

Die persönliche Rolle Mussolinis in der faschistischen Bewegung blieb bis 1921 ungeklĂ€rt. Seine Beziehungen zu den FĂŒhrern des Provinzfaschismus, die die faschistische Gewalt in erster Linie organisierten, waren wiederholt ausgesprochen angespannt.[107] Der zukĂŒnftige Duce gehörte nicht zu den Verfechtern eines intransigenten Radikalismus, war nicht zuletzt auf sein eigenes Fortkommen bedacht und neigte zu Kompromissen (eine Einbindung des rechten FlĂŒgels der Sozialisten und der Gewerkschaften in einen „nationalen Block“ blieb sein Ziel, bis dies 1924 unmöglich wurde).[108] Von wesentlicher Bedeutung fĂŒr die Stellung Mussolinis war es, dass er im Finanzzentrum des Landes lebte und die großen „Spenden“ von Industriellen und Bankiers auch nach 1919 meist direkt an ihn und den Popolo d’Italia gingen; er war damit innerhalb der faschistischen Bewegung vergleichsweise unabhĂ€ngig und konnte die in der Provinz benötigten Gelder verteilen.[109]

Mussolini gelang es, die Fasci di combattimento vor der Parlamentswahl am 15. Mai 1921 in einen von Giolitti gefĂŒhrten bĂŒrgerlichen Wahlblock zu integrieren. Mit dem einflussreichen Politiker, der seit dem 15. Juni 1920 wieder MinisterprĂ€sident war, stand Mussolini seit Oktober 1920 ĂŒber einen Mittelsmann in Verbindung.[110] Der blocco nazionale umfasste alle Parteien mit Ausnahme der Sozialisten, der Kommunisten und der katholischen popolari. FĂŒr Mussolini persönlich bedeutete dieser Erfolg den Eintritt in die von den alten Eliten definierte Zone der „politischen RespektabilitĂ€t“.[111] Zusammen mit Mussolini, der an der Spitze der Listen des blocco in Mailand und Bologna platziert worden war, zogen 34 weitere Faschisten in die Abgeordnetenkammer ein (bei 275 Mandaten fĂŒr den gesamten Block).

Giolitti, der sein wichtigstes Wahlziel – die nachhaltige SchwĂ€chung der Sozialisten und der popolari – nicht erreicht hatte, trat am 27. Juni 1921 zurĂŒck. Giolittis Nachfolger Bonomi, der in Mantua zusammen mit faschistischen Kandidaten auf der Liste des blocco nazionale angetreten war, versuchte im Juli 1921, den rechten FlĂŒgel des PSI von der Partei zu lösen und an das Regierungslager zu binden. Er gewann einige fĂŒhrende Faschisten (darunter Mussolini, Cesare Rossi und Giovanni Giuriati), vier sozialistische Abgeordnete und drei FunktionĂ€re des Gewerkschaftsdachverbandes CGdL fĂŒr die Unterzeichnung eines „Befriedungspaktes“ (2. August 1921). Mussolini rechtfertigte diesen ĂŒberraschenden Schritt mit dem Argument, dass es unmöglich sei, die zwei Millionen Sozialisten Italiens zu „liquidieren“; die Option „permanenter BĂŒrgerkrieg“ sei naiv.[112] Er stand damals unter dem Eindruck der in ganz Italien beachteten Ereignisse von Sarzana ('fatti di Sarazena'), wo am 21. Juli eine „Strafexpedition“ von 500 ligurischen und toskanischen squadristi in die Flucht geschlagen worden war, nachdem sich – fĂŒr die Faschisten völlig unerwartet â€“ eine Handvoll Carabinieri auf die Seite der Einwohner gestellt hatte. 14 squadristi, ein Polizist und einige BĂŒrger starben. FĂŒr Mussolini, der offen von einer „Krise des Faschismus“[113] sprach, warf dies die Frage auf, was die fasci „wirklich wert sind, wenn ihnen die Polizeimacht des Staates entgegentritt.“[114] Hinter diesem Schachzug stand jedoch auch die nicht zuletzt in persönlichen Ambitionen wurzelnde Absicht Mussolinis, die fluktuierenden und lose vernetzten fasci zu „parlamentarisieren“ und zu einer Partei zusammenzufassen, um so mittel- und langfristig an der politischen Macht in Rom zu partizipieren.

Faschistische Extremisten, vor allem die Exponenten des militanten „Agrarfaschismus“ der Po-Ebene, der Emilia, der Toskana und der Romagna wie Italo Balbo und Dino Grandi, die eine völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung und die Errichtung eines autoritĂ€ren Regimes ohne RĂŒcksichtnahme auf liberale Interessengruppen fĂŒr möglich hielten, griffen Mussolini daraufhin offen an. Dieser zog sich am 18. August 1921 aus dem Exekutivkomitee der Fasci di combattimento zurĂŒck, gefolgt von Rossi, der beklagte, dass der Faschismus zu einer „reinen, authentischen und exklusiven Bewegung des Konservatismus und der Reaktion“[115] geworden sei. Die „konservativen“ Faschisten waren jedoch nicht in der Lage, sich auf eine FĂŒhrungspersönlichkeit zu verstĂ€ndigen, die Mussolini hĂ€tte ersetzen können, nachdem Gabriele D’Annunzio das Angebot abgelehnt hatte.[116] Im Vorfeld des dritten Kongresses der fasci, der im November 1921 in Rom stattfand, gingen die beiden Fraktionen aufeinander zu: Mussolini erklĂ€rte den – ohnehin nie realisierten â€“ Befriedungspakt am 22. Oktober zu einer „lĂ€cherlich bedeutungslosen Episode unserer Geschichte“[115] (und kĂŒndigte ihn im November ganz auf), wĂ€hrend die „ReaktionĂ€re“ um Grandi sich mit der GrĂŒndung des Partito Nazionale Fascista (PNF) abfanden. In Rom bemĂŒhte sich der nunmehr als Duce etablierte Mussolini, die aufgekommenen Zweifel an der Entschiedenheit seines Antisozialismus zu beseitigen:

„Ich bedauere nicht, dass ich Sozialist gewesen bin. Aber ich habe die BrĂŒcken zu dieser Vergangenheit abgebrochen. Ich bin nicht nostalgisch. Ich denke nicht darĂŒber nach, zum Sozialismus zu gelangen, sondern darĂŒber, von ihm loszukommen. In wirtschaftlichen Angelegenheiten sind wir Liberale, weil wir glauben, dass die nationale Wirtschaft nicht kollektiven Körperschaften oder der BĂŒrokratie ĂŒberlassen werden kann.“

– Bosworth: Mussolini’s Italy[117]

Mussolini sorgte fĂŒr weitere Klarstellungen am Rande. Aus dem Parteiprogramm wurden die noch vorhandenen Reste republikanischen und antiklerikalen Gedankenguts aus der FrĂŒhzeit der fasci entfernt.[118] Von außenpolitischen Abenteuern im Stile D’Annunzios hatte sich Mussolini schon 1920 distanziert; nur „VerrĂŒckte und Kriminelle“[119] wĂŒrden nicht begreifen, dass Italien Frieden brauche.

„Marsch auf Rom“

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Mussolini und das Quadrumvirat wÀhrend des Marsches auf Rom am 28. Oktober 1922
→ Hauptartikel: Marsch auf Rom

Nach dem Kongress von Rom festigte Mussolini zielstrebig seine Position innerhalb der faschistischen Bewegung. SekretĂ€r des PNF wurde Michele Bianchi, ein enger Vertrauter des Duce. Die squadre wurden formal den lokalen Parteigruppen zugeordnet und einer Generalinspektion unterstellt. Die FĂŒhrer des Provinzfaschismus (fĂŒr die sich bald das Ă€thiopische Lehnwort ras einbĂŒrgerte) wahrten gleichwohl eine erhebliche Autonomie, die sie auch in den Jahren der Diktatur sichern und zum Teil noch ausbauen konnten.

Ab Januar 1922 erschien auf Anregung Mussolinis die Zeitschrift Gerarchia (bis 1933 redigiert von Margherita Sarfatti), die dem Faschismus einen verbindlichen intellektuellen Überbau verschaffen sollte. Persönlich war Mussolini kein „Fundamentalist“ der nach und nach konturierten faschistischen Ideologie, sondern achtete vor allem auf deren praktischen politischen Nutzen.[120]

Nach dem RĂŒcktritt Bonomis bildete der Liberale Luigi Facta im Februar 1922 eine Regierung, die allgemein als Platzhalter fĂŒr ein neues Kabinett Giolitti angesehen wurde. In der Regierungszeit Factas begann eine „zweite Welle“ des squadrismo; die sozialistischen Hochburgen in Norditalien wurden Ziel regelrechter FeldzĂŒge der Faschisten, die etwa in der Romagna „wie eine Besatzungsarmee“[121] auftraten. Anfang MĂ€rz besetzten einige tausend squadristi den Freistaat Fiume. Bei den erneuten ZĂŒgen gegen Bologna und Ferrara im Mai/Juni wurden jeweils mehrere zehntausend Faschisten zusammengezogen. Die sozialistischen und syndikalistischen Gewerkschaften, die im Februar 1922 die Alleanza del lavoro gebildet hatten, riefen fĂŒr den 1. August 1922 zu einem politischen Generalstreik gegen den faschistischen Terror auf. Er wurde nach einem faschistischen Ultimatum bereits am 3. August abgebrochen. Im Gegenstoß drangen die Faschisten nun auch in linke Hochburgen wie Parma und Genua ein, wo es zu mehrtĂ€gigen StraßenkĂ€mpfen kam. Bis zum Oktober 1922 kamen nach neueren Berechnungen mindestens 3.000 Menschen bei diesen Auseinandersetzungen ums Leben.[122] Im September erreichten die Faschisten mit VorstĂ¶ĂŸen nach Terni und Civitavecchia das Umland Roms.

Im Juli 1922 wurde Facta nach faschistischen Ausschreitungen in Cremona, gegen die die Behörden erneut nichts unternommen hatten, mit den Stimmen der popolari, der Sozialisten und liberaler Demokraten gestĂŒrzt (aber sofort wieder mit der Regierungsbildung beauftragt). Mussolini begann nun, mit Giolitti, Orlando und Salandra – den „starken MĂ€nnern“ der italienischen Politik â€“ ĂŒber seine Rolle in einem kĂŒnftigen Kabinett zu verhandeln. Noch war nicht abzusehen, ob er „ein kommender Mann oder der kommende Mann“[123] war. Seine BeitrĂ€ge im Popolo d’Italia und seine Reden in der Abgeordnetenkammer waren nicht erst seit dieser Zeit vor allem darauf abgestellt, ein Höchstmaß an „staatsmĂ€nnischer“ GlaubwĂŒrdigkeit und UrteilsfĂ€higkeit zu demonstrieren, wĂ€hrend er die radikalen Wortmeldungen Bianchi, Balbo, Farinacci und anderen ĂŒberließ.[124] Der Demonstration außenpolitischer Kompetenz hatte Mussolinis erste breit beachtete Auslandsreise gedient, die ihn im MĂ€rz 1922 nach Deutschland fĂŒhrte. In Berlin traf er mit „bemerkenswert hochrangigen“[125] GesprĂ€chspartnern zusammen, darunter Reichskanzler Joseph Wirth, Außenminister Walther Rathenau, Gustav Stresemann und dem einflussreichen liberalen Journalisten Theodor Wolff, der Mussolini auch spĂ€ter freundschaftlich verbunden blieb.[126]

Im Oktober 1922 erreichte die politische Krise den Höhepunkt. Die sozialistische und kommunistische Linke war als politischer Faktor bereits weitgehend ausgeschaltet. Die Gewerkschaften verloren nach dem Fehlschlag des Generalstreiks im August noch einmal massiv Mitglieder und Einfluss, wĂ€hrend sich die sozialistische Partei Anfang Oktober erneut spaltete.[127] In den ĂŒber MittelsmĂ€nner gefĂŒhrten Verhandlungen mit Giolitti gab Mussolini nun zu verstehen, dass er zur FĂŒhrung einer Koalitionsregierung bereit sei. Da der PNF nur ĂŒber 35 Mandate in der Abgeordnetenkammer verfĂŒgte, war ein von Mussolini gefĂŒhrtes Kabinett – wenn es nicht sofort als Staatsstreichregierung auftrat â€“ auf die UnterstĂŒtzung der liberalen und konservativen Blöcke des Parlaments angewiesen. In öffentlichen Stellungnahmen wĂŒrdigte Mussolini nun einmal mehr die Monarchie und die katholische Kirche und stellte in einem GesprĂ€ch mit General Pietro Badoglio die PassivitĂ€t der Armee bei einer eventuellen, mit einer demonstrativen Aktion der fasci gegen Rom verbundenen faschistischen MachtĂŒbernahme sicher. Bereits am 20. September 1922 hatte er sich in einer Rede in Udine erneut zu einer liberalen Wirtschaftspolitik bekannt und sich fĂŒr einen Bruch mit der seit 1919 in AnsĂ€tzen ausgebildeten staatlichen Sozialpolitik ausgesprochen.[128] Die berĂŒhmte Rede von Udine gilt als vorweggenommene RegierungserklĂ€rung des Faschismus. Sie kombinierte das Bekenntnis zu Gewalt und Gehorsam mit einer Absage an die Demokratie und der AnkĂŒndigung, die Massen zur UnterstĂŒtzung italienischer Machtpolitik zu mobilisieren. Italiens GrĂ¶ĂŸe – statt einer „Politik der Entsagung und der Feigheit“ – war das Hauptziel.[129]

Am 25. Oktober verließ Mussolini den Parteitag des PNF, der am Vortag in Neapel begonnen hatte, und zog sich nach Mailand zurĂŒck. Obwohl er einen gewaltsamen Putsch, mit dem fĂŒhrende Squadristen immer wieder gedroht hatten, nicht ernstlich vorbereitete,[130] hatte er sich vorab mit einem „inszenierten Marsch“[131] auf die Hauptstadt einverstanden erklĂ€rt. Dieser spĂ€ter zum Eckstein der „faschistischen Revolution“ verklĂ€rte „Marsch auf Rom“, an dem in strömendem Regen wohl lediglich 5.000[132] squadristi teilnahmen, begann am Morgen des 28. Oktober. Mit dem Unternehmen wollte Mussolini den König zu einer Entscheidung zwingen, von der er annehmen konnte, dass sie zu seinen Gunsten ausfallen wĂŒrde. Giolitti, Salandra und Orlando waren zu diesem Zeitpunkt ebenso wie der König, der Papst, die ArmeefĂŒhrung und die WirtschaftsverbĂ€nde mit einem faschistischen MinisterprĂ€sidenten, den Mussolini am 24. Oktober in Neapel erstmals öffentlich gefordert hatte, einverstanden.[133] Am 29. Oktober ließ Viktor Emanuel III. Mussolini telefonisch nach Rom bestellen, wo er am Morgen des nĂ€chsten Tages eintraf und am 31. Oktober als MinisterprĂ€sident vereidigt wurde. Der Simulation eines politischen Umsturzes diente die faschistische „Siegesparade“ am 31. Oktober, an der Mussolini persönlich teilnahm. Erst dadurch entstand der „politische Mythos vom gewaltsam erzwungenen Umsturz durch den Faschismus.“[134] Der Einzug der Squadristen in Rom endete mit einem Überfall auf das Arbeiterviertel San Lorenzo, wo mehrere Menschen getötet wurden.

Regierungschef (1922–1943)

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Weg zur Diktatur (1922–1926)

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Konsolidierung der Macht

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Das erste Kabinett Mussolini war eine Koalitionsregierung der italienischen Rechten. Mussolini war das einzige fĂŒhrende Mitglied des PNF mit Ministerrang (Außen- und Innenminister); die Faschisten Giacomo Acerbo und Aldo Finzi erhielten lediglich Staatssekretariate. Wichtige Ministerien gingen an Angehörige des konservativen und nationalistischen Establishments (Giovanni Gentile (Bildung und Erziehung), Luigi Federzoni (Kolonien), Armando Diaz (Krieg), Paolo Thaon di Revel (Marine)). Die Minister Alberto De Stefani (Finanzen), Aldo Oviglio (Justiz) und Giovanni Giuriati (befreite Gebiete), die aus dem gleichen Milieu kamen, waren zu diesem Zeitpunkt bereits der faschistischen Partei beigetreten.[135] Mit Stefano Cavazzoni (Arbeit und Soziales) war auch der rechte FlĂŒgel des Partito Popolare Italiano in der Regierung vertreten; dazu kamen Vertreter der meisten liberalen Gruppen. Insgesamt handelte es sich um „ein konservatives Ministerium, das den gemeinsamen Willen der Industrie, der Monarchie und auch der Kirche zum Ausdruck brachte; es stand fĂŒr den Versuch, die lange Periode der politischen InstabilitĂ€t nach dem Krieg durch die Etablierung einer stabilen Regierung, die sich auf das breite Spektrum der vielen Fraktionen der Rechten stĂŒtzen konnte, zu beenden.“[136]

Am 16. November 1922 trat Mussolini erstmals als MinisterprĂ€sident vor das Parlament; mit der Drohung, das Haus jederzeit „zu einem Biwak fĂŒr meine squadre“[137] machen zu können, forderte er Vollmachten, um auf dem Verordnungsweg regieren zu können. Nur die Abgeordneten der Sozialisten und Kommunisten stimmten am 24. November gegen die Vorlagen, durch die die Regierung bis zum 31. Dezember 1923 befristete Sondervollmachten erhielt. Sieben liberale Abgeordnete, darunter Nitti und Giovanni Amendola, blieben der Abstimmung fern; dagegen stimmten fĂŒnf ehemalige liberale Premierminister – Giolitti, Salandra, Orlando, Bonomi und Facta – fĂŒr die Regierung. Im Senat war die Stimmenmehrheit fĂŒr die Regierung noch grĂ¶ĂŸer; hier wurde Mussolini offen zur Einrichtung einer Diktatur aufgefordert.[138]

Im Winter 1922/1923 kam es insbesondere in den StĂ€dten zu schweren Übergriffen der Squadristen auf politische Gegner; in Turin ermordete ein außer Kontrolle geratenes „faschistisches Exekutionskommando“[139] gezielt Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter, ohne dass die Polizei – die Mussolini als Innenminister direkt unterstand – einschritt. Stattdessen profitierten tausende Faschisten noch vor dem Jahresende von einer Amnestie. Die im Dezember 1922 eingeleitete Umwandlung der squadre in eine Nationalmiliz (vgl. MVSN), in deren Reihen zahlreiche von der „faschistischen Revolution“ enttĂ€uschte Squadristen „Status, Bezahlung und etwas lokale Macht“[140] erhielten, stellte Mussolini in der Öffentlichkeit als Maßnahme gegen den faschistischen „Illegalismus“ dar. Im gleichen Monat richtete Mussolini mit dem Gran Consiglio del Fascismo, dessen VerhĂ€ltnis zu den verfassungsmĂ€ĂŸigen Institutionen vorerst nicht nĂ€her definiert wurde, ein Forum fĂŒr die bei der Regierungsbildung nicht berĂŒcksichtigten faschistischen ras ein. Dieser Rat war nur durch die Person Mussolinis mit der staatlichen Exekutive verbunden.

Im Laufe des Jahres 1923 verschmolz die faschistische Partei mit den anderen Strömungen der italienischen Rechten. Der von Mussolini betriebene Zusammenschluss mit der Associazione Nazionalista Italiana im MĂ€rz wurde zur „Wasserscheide fĂŒr den Faschismus“.[141] Mit der ANI stießen zahlreiche ebenso „respektable“ wie einflussreiche Persönlichkeiten zur Partei, die im MilitĂ€r, beim Hof, in der BĂŒrokratie, im diplomatischen Dienst und in der Wirtschaft bestens vernetzt waren und – zu nennen ist hier insbesondere Alfredo Rocco – in den folgenden Jahren eine entscheidende Rolle bei der Einrichtung und ideologischen Absicherung des faschistischen Regimes spielten. Auch der konservative FlĂŒgel des politischen Katholizismus verband sich 1923 mit dem PNF. Luigi Sturzo, der FĂŒhrer der popolari, beugte sich im Juli 1923 dem Druck aus dem Vatikan und zog sich zurĂŒck.[142] Mussolini konnte sich im Schatten dieser Entwicklung weitgehend aus seiner relativen AbhĂ€ngigkeit von den Altfaschisten und den ras lösen. Die Mitgliederzahl des PNF stieg durch den Zustrom zahlreicher „Faschisten der letzten Stunde“ (fascisti dell’ultima ora) bis Ende 1923 auf 783.000, nachdem sie im Oktober 1922 noch unter 300.000 gelegen hatte.

Neues Wahlgesetz, Beurlaubung des Parlaments Ende 1923 und Wahl 1924

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Die Festigkeit des BĂŒndnisses mit den alten Eliten unterstrich das sogenannte Acerbo-Gesetz (legge Acerbo), das im November 1923 mit den Stimmen der liberalen Parlamentsmehrheit verabschiedet wurde. Mit diesem neuen Wahlgesetz wurden die Wahlkreise zugunsten nationaler Listen abgeschafft. Es sah vor, dass jene Liste, die national die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen (mindestens 25 %) auf sich vereinigte, zwei Drittel der Abgeordnetenmandate erhalten sollte. Finaldi nannte diesen Vorgang eine „konstitutionellen Revolution“.[143]

Als das Parlament im Dezember 1923 zur neuen Session zusammentreten wollte, wurde es per Dekret des Königs nach Hause geschickt.[144]

Die Zusammenstellung des listone, der faschistischen Sammelliste fĂŒr die Neuwahl des Parlaments am 6. April 1924, ĂŒbernahm Mussolini persönlich. Auf ihr erschienen neben rund 200 Faschisten beinahe ebenso viele Mitglieder anderer Parteien und Organisationen, darunter Salandra und Orlando. Giolitti trat zwar mit einer eigenen Liste an, distanzierte sich jedoch von der antifaschistischen Opposition.

Gabriele Galantara: LUI (deutsch: „ER“). Titelseite der Satirezeitschrift L’Asino aus dem Jahr 1924

Diese Wahl im April war bereits nicht mehr frei. Schon im Februar war bekannt, dass die „Überwachung der Wahlkabinen“ der Milizia Nazionale, also den Schwarzhemden anvertraut werde.[145] Abgesehen von offensichtlichen FĂ€lschungen am Wahltag selbst – so stimmten in Teilen der Provinz Ferrara, einer Hochburg der Linken, angeblich 100 % der WĂ€hler fĂŒr den listone –, war im Vorfeld fĂŒr die Opposition ein stĂ€ndig verschĂ€rfter Zustand der HalblegalitĂ€t geschaffen worden. Ihre Zeitungen wurden wiederholt verboten oder beschlagnahmt, ihre Kandidaten angegriffen. Faschisten verwĂŒsteten das römische Privathaus des ehemaligen MinisterprĂ€sidenten Nitti. Gewalt wurde vor allem gegen Kommunisten und Sozialisten eingesetzt. Hunderte Menschen wurden verletzt oder getötet, darunter ein Kandidat der Sozialisten. Auch Mussolini dirigierte ĂŒber sein BĂŒro eine Gruppe faschistischer SchlĂ€ger, die von Albino Volpi und dem Italoamerikaner Amerigo Dumini, zwei „professionellen Gangstern“,[146] gefĂŒhrt wurde.

Der PPI, dem die UnterstĂŒtzung der Kirche entzogen worden war, erhielt bei der Wahl noch 9,1 % der Stimmen (39 Mandate). Die gespaltene Linke spielte parlamentarisch kaum noch eine Rolle (Sozialisten 22, Rechtssozialisten 24, Kommunisten 19 Mandate). Mussolini hatte „das Unmögliche“ geschafft – „die ‚Subversiven‘ waren nun eine geschlagene und bedeutungslose Minderheit.“[147] Der faschistische listone kam nach offiziellen Angaben auf 66,3 % der abgegebenen Stimmen.

Nachdem sich die vereinigte Rechte die Mehrheit der Sitze gesichert hatte, wurde ab 15. Februar 1925 die Grundlagen dafĂŒr geschaffen, dass sich die Abgeordnetenkammer konsequenterweise nicht mehr durch eine eigentliche Wahl konstituierte, sondern durch ein Referendum; im Jahr 1929 konnte sich das Volk nur noch mit ja oder nein zu einer vorgelegten Liste Ă€ußern. Diese Liste von 400 Volksvertretern wĂ€hlte der Große Faschistische Rat aus einer Vorschlagsliste von 1000 Personen von VerbĂ€nden.[148] Die nĂ€chste wirkliche Parlamentswahl erfolgte erst 1946.

Matteotti-Krise

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Am 10. Juni 1924 wurde Giacomo Matteotti, SekretĂ€r des PSU und Reformsozialist, von sechs Squadristi entfĂŒhrt, in einen Lancia Lambda gezwĂ€ngt und mit einer Feile erstochen. Matteotti hatte am 30. Mai in der Abgeordnetenkammer, unbeeindruckt von inszenierten Tumulten faschistischer Abgeordneter, in Anwesenheit Mussolinis zahlreiche UnregelmĂ€ĂŸigkeiten der Aprilwahl offengelegt und die Annullierung der Ergebnisse verlangt. Er reagierte damit auf eine Provokation Mussolinis, der die Kammer zuvor aufgefordert hatte, mehreren tausend Gesetzen en bloc zuzustimmen. Außerdem liefen GerĂŒchte um, dass Matteotti ĂŒber Material verfĂŒge, mit dem fĂŒhrende Faschisten der Korruption ĂŒberfĂŒhrt werden könnten. Es hat sich bislang nicht belegen lassen, dass Mussolini die Ermordung Matteottis in Auftrag gegeben hat. Gleichwohl hat die neuere Forschung sicher nachgewiesen, dass Personen aus dem engsten Umfeld des Regierungschefs – darunter Rossi, Finzi und Marinelli – die Tat mit vorbereiteten oder von den Vorbereitungen wussten. Dabei scheint der drohende Korruptionsskandal, bei dem es um Bestechungszahlungen der amerikanischen Ölgesellschaft Standard Oil ging, das Motiv geliefert zu haben, nicht aber Matteottis Auftritt im Parlament.[149]

Der Mord an dem Oppositionspolitiker erwies sich fĂŒr Mussolini als politische Katastrophe; wegen seiner bĂŒrgerlichen Herkunft und seines an der britischen Labour Party orientierten, höchst gemĂ€ĂŸigten Sozialismus wurde Matteotti, der von Mussolini bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder umworben worden war, auch von vielen Liberalen respektiert. Mussolini wurde offenbar noch am Abend des 10. Juni von Dumini ĂŒber die Tat unterrichtet, bestritt am Tag darauf vor dem Parlament aber jedes Wissen ĂŒber den Verbleib Matteottis, dessen Leichnam schließlich am 16. August an einer römischen Ausfallstraße gefunden wurde. Seinen Stab wies er an, in der Angelegenheit „so viel Konfusion wie möglich“[150] zu erzeugen. Allerdings fĂŒhrten die Ermittlungen aufgrund der Identifikation des Fahrzeugs der EntfĂŒhrer binnen weniger Tage direkt in das Vorzimmer Mussolinis. So erhielt die antifaschistische Opposition die unerwartete Möglichkeit, dem schon gefestigten Regime einen schweren und möglicherweise entscheidenden Schlag zu versetzen. Mussolini hat spĂ€ter eingerĂ€umt, dass im Juni 1924 „ein paar entschlossene MĂ€nner“ genĂŒgt hĂ€tten, um einen erfolgreichen Aufstand gegen die völlig diskreditierten Faschisten auszulösen.[151] Indessen mobilisierte Mussolini nach kurzer Paralyse die Miliz, entließ Emilio De Bono als Chef der Polizei, ließ Dumini, Volpi, Rossi und Marinelli festnehmen und ĂŒbertrug das Innenministerium dem Ex-Nationalisten Federzoni.

Den entscheidenden Fehler beging die Opposition allerdings selbst. Am 13. Juni verließen Sozialisten, Kommunisten und popolari zusammen mit einigen Liberalen das Parlament. Dieser rein demonstrative Akt blieb folgenlos; bereits am 18. Juni zogen sich die Kommunisten aus dem sogenannten Aventinblock zurĂŒck, nachdem ihr Vorschlag, den Generalstreik zu proklamieren und ein Gegenparlament zu konstituieren, von den anderen Parteien abgelehnt worden war. Die verbliebenen Aventinianer „vertrauten törichterweise darauf, dass der König ihre Arbeit fĂŒr sie erledigen wĂŒrde.“[152] Durch die „aventinische Sezession“ wurde aus der fĂŒr die Faschisten bedrohlichen Debatte um einen politischen Mord, in den dem Anschein nach der Regierungschef verwickelt war, eine direkte „Konfrontation zwischen Faschismus und Antifaschismus. In dieser Auseinandersetzung wussten die italienischen Eliten, wo sie standen.“[153] Am 24. Juni sprach der Senat Mussolini mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit das Vertrauen aus und verschaffte der Regierung so die nötige Atempause.[154] Mussolinis liberale und konservative ParteigĂ€nger, an ihrer Spitze der König, stĂŒtzten ihn nach einigen Tagen der Unsicherheit weiterhin entschlossen.[155] Als am 12. September 1924 der faschistische Abgeordnete Armando Casalini in Rom erschossen wurde, forderten radikale Faschisten wie Farinacci Mussolini immer nachdrĂŒcklicher auf, endgĂŒltig mit dem Antifaschismus „abzurechnen“ und „ein paar tausend Leute zu erschießen“.[156] Mussolini wich diesen VorstĂ¶ĂŸen zunĂ€chst aus.

Im Dezember 1924 spitzte sich die Krise noch einmal unerwartet zu. Presseveröffentlichungen brachten prominente Faschisten wie Balbo und Grandi mit einer Vielzahl von Gewalttaten in Verbindung. Auch die erste Reihe der Partei musste nun fĂŒrchten, demnĂ€chst vor Gericht zur Verantwortung gezogen zu werden, da seit einigen Monaten eine Gruppe faschistischer „Normalisierer“ – die das Ohr Mussolinis zu haben schien – die Trennung von den radikalen und kriminellen Elementen verlangte. Am 26. Dezember veröffentlichte ein Oppositionsblatt jedoch ein ihm zugespieltes Memorandum Cesare Rossis, das auch Mussolini zwar nicht mit dem Matteotti-Mord, aber mit Ă€hnlichen FĂ€llen in direkte Verbindung brachte. Nun schien es, als ließen sich Ermittlungen gegen den Regierungschef selbst nicht mehr verhindern. In den folgenden Tagen stand das Kabinett vor dem Auseinanderfallen; Mussolini galt bei Beobachtern als „erledigt“.[157] FĂŒhrer der Miliz und einige ras erschienen am 31. Dezember unangemeldet in Mussolinis BĂŒro und verlangten ultimativ, die Opposition endgĂŒltig zum Schweigen zu bringen. Wie 1921 sah sich Mussolini nun mit einer offenen Revolte faschistischer Extremisten konfrontiert (und wie 1921 gehörte Balbo zu den Organisatoren). Er ließ noch am gleichen Tag die Abgeordnetenkammer zum 3. Januar 1925 zusammenrufen und ĂŒbernahm in einer sorgfĂ€ltig vorbereiteten Rede die „politische, moralische und historische Verantwortung“ fĂŒr den Mord an Matteotti, nicht jedoch die materielle Verantwortung.[158] Bei diesem Auftritt machte Mussolini gleichzeitig deutlich, dass fĂŒr ihn auf lange Sicht Regierung, Polizei und PrĂ€fekten die legitime AutoritĂ€t reprĂ€sentierten, die UnterdrĂŒckung der Opposition also „legal“ zu erfolgen habe – genau dies war es, „was das konservative Establishment hören wollte.“[159] So gelang es ihm, den Grundstein fĂŒr seine persönliche Diktatur zu legen. Der Aufforderung, ihn fĂŒr das Verbrechen anzuklagen, kamen seine Gegner aufgrund der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens nicht nach.

Organisation der Diktatur

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Benito Mussolini um 1925
Persönliche Flagge Mussolinis als diktatorischer Capo del governo

In seiner Rede hatte Mussolini die aventinische Sezession als „revolutionĂ€r“ angegriffen und angekĂŒndigt, „binnen 48 Stunden“ fĂŒr Klarheit zu sorgen. Noch am 3. Januar wiesen Mussolini und Federzoni die PrĂ€fekten an, politische Versammlungen und Demonstrationen fortan zu unterbinden und aktiv gegen alle „die Macht des Staates untergrabenden“ Organisationen vorzugehen.[160] Den Abgeordneten der Oppositionsparteien wurde die RĂŒckkehr in die Kammer, die bis dahin zumindest theoretisch möglich gewesen wĂ€re, von diesem Tag an verweigert. Bis 1926 wurden alle nichtfaschistischen Parteien verboten oder aufgelöst. Die Pressezensur wurde nach einer einschlĂ€gigen Verordnung vom 10. Januar 1925 noch strenger als zuvor gehandhabt; wĂ€hrend die Presseorgane der politischen Linken schrittweise in den Untergrund gedrĂ€ngt wurden, entließen die großen liberalen Zeitungen im Laufe des Jahres 1925 die wenigen oppositionellen Redakteure, bevor im Dezember 1925 ein repressives Pressegesetz in Kraft trat. Im selben Monat (24. Dezember) beseitigte ein Gesetz ĂŒber die „Kompetenzen und Vorrechte des Regierungschefs“ die formal noch immer bestehende AbhĂ€ngigkeit der Regierung vom Parlament. Als Capo del Governo vertrat Mussolini die Regierung nun allein gegenĂŒber dem König, war ausschließlich diesem verantwortlich und hatte das Recht, Gesetze zu dekretieren, ĂŒber die die Abgeordneten lediglich noch „diskutieren“ konnten.

1926 wurden die gewĂ€hlten GemeinderĂ€te abgeschafft; fortan fĂŒhrte ein von den PrĂ€fekten ernannter BĂŒrgermeister (podestĂ ) die Gemeinden. Diese „Mini-Capos“[161] wurden bis zum Ende des Regimes in der Regel von den gleichen lokalen Eliten gestellt, die im jeweiligen Ort seit dem Risorgimento das Sagen gehabt hatten.[162]

Das Attentat des Anarchisten Anteo Zamboni auf Mussolini – der erste Attentatsversuch fand durch Tito Zaniboni am 4. November 1925 statt, ein weiterer am 7. April 1926 durch Violet Gibson[163] – lieferte schließlich den Vorwand, um im November 1926 die noch verbliebenen antifaschistischen Organisationen samt ihrer Presse zu verbieten; 123 oppositionellen Abgeordneten wurden im gleichen Monat die Mandate entzogen, die kommunistischen, unter ihnen Antonio Gramsci, zudem verhaftet. Das „Gesetz zur Verteidigung des Staates“ (25. November 1926) fĂŒhrte die Todesstrafe fĂŒr „politische Vergehen“ ein. Es sah außerdem die Schaffung einer politischen Polizei und eines Sondergerichtshofes vor.

Die Einrichtung der Diktatur betrieb Mussolini – wie am 3. Januar 1925 angekĂŒndigt – „legal“, das heißt, ohne die von der Verfassung definierten politischen Verfahren durch andere zu ersetzen.[160] Die 1925/26 von Farinacci gefĂŒhrte faschistische Partei, die mit inneren Auseinandersetzungen beschĂ€ftigt war, spielte in diesem Prozess keine aktive Rolle. Das Gleiche gilt fĂŒr die Miliz, deren FĂŒhrung nun ehemalige Armeeoffiziere ĂŒbernahmen. FĂŒr die reale politische Herrschaft im faschistischen Italien waren mehr noch als im liberalen Italien die PrĂ€fekten entscheidend. Mussolini sorgte hier fĂŒr eine ausgesprochene strukturelle KontinuitĂ€t. Zwischen 1922 und 1929 wurden 86 PrĂ€fekten pensioniert oder abgelöst. Ihre Nachfolger waren meist „unpolitische“ Karrierebeamte; die 29 aus dem PNF hervorgegangenen PrĂ€fekten erhielten in der Regel kleinere und weniger bedeutende Provinzen. Mussolini setzte diese Machtstruktur entschieden gegen gegenlĂ€ufige Tendenzen in der faschistischen Partei durch, indem er wiederholt bei Konflikten zwischen den PrĂ€fekten und den ParteisekretĂ€ren der Provinzen intervenierte, so am 5. Januar 1927:

„Der PrĂ€fekt, ich bestĂ€tige dies feierlich, ist die höchste staatliche AutoritĂ€t in der Provinz. Er ist der direkte ReprĂ€sentant der zentralen Exekutive, der höchste politische ReprĂ€sentant des faschistischen Regimes.“

– Clark: Mussolini[164]

Auseinandersetzungen dieser Art begleiteten das Regime allerdings bis 1943. Auch in der Regierung setzte Mussolini nur sehr eingeschrÀnkt auf aus der Partei kommende Faschisten, die hÀufig lediglich Staatssekretariate erhielten und selten lange im Amt blieben. Nur Dino Grandi und Giuseppe Bottai gelang es, sich dauerhaft an der Spitze des Staatsapparates zu halten.[165]

1925 begann Mussolini, die Bezeichnung „totalitĂ€r“, die zuerst 1923 von antifaschistischen Intellektuellen verwendet worden war, als Attribut des Regimes zu akzeptieren. In einer Rede zum dritten Jahrestag des Marsches auf Rom definierte er den Faschismus als System, in dem „alles [was geschieht] fĂŒr den Staat geschieht, nichts außerhalb des Staates steht, nichts und niemand gegen den Staat ist.“[166] Er lehnte sich mit dieser Formel an eine Rede des Justizministers Alfredo Rocco an.[167] Die prĂ€genden Ideologen des italienischen Faschismus, deren Anregungen Mussolini in der Regel folgte, waren fast ausschließlich ehemalige Nationalisten wie Rocco und Giovanni Gentile, die ihren Einfluss gerade 1925/26 „vor allen anderen Tendenzen innerhalb des Faschismus“[168] behaupten konnten.[169] Der „revolutionĂ€re“, auf eine genuine Parteidiktatur hinarbeitende FlĂŒgel des Faschismus wurde von Mussolini 1926 endgĂŒltig entmachtet (Ablösung Farinaccis am 30. MĂ€rz 1926) und konnte allenfalls einige publizistische Positionen behaupten.[170]

Wirtschafts- und Sozialpolitik

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Mussolini ĂŒberließ die Wirtschaftspolitik in den ersten Jahren weitgehend seinem marktliberalen Finanzminister Alberto De Stefani. Die vorsichtigen Versuche insbesondere Nittis und Giolittis, die Steuerlast der „besseren Kreise“ zu erhöhen, die Kriegsgewinne zu besteuern und eine Bodenreform zu initiieren (sog. Visocchi-Dekret von 1919, im Januar 1923 außer Kraft gesetzt), wurden von der neuen Regierung abgebrochen. Sie privatisierte bisherige Staatsmonopole wie das Telefonnetz, die Streichholzproduktion und die Lebensversicherung, senkte die Staatsausgaben und fĂŒhrte neue indirekte Massensteuern ein. Im MĂ€rz 1923 beseitigte ein Dekret den Achtstundentag, wodurch vor allem in der Landwirtschaft die tĂ€gliche Arbeitszeit wieder auf bis zu zwölf Stunden ausgedehnt wurde. Mussolini begleitete diese Politik, indem er öffentlich fĂŒr „Unternehmertum“, BĂŒrokratieabbau und die Abschaffung der ohnehin nur rudimentĂ€ren ArbeitslosenunterstĂŒtzung plĂ€dierte. Der Staat solle sich aus dem wirtschaftlichen Leben der Nation heraushalten, die Ungleichheit in der Gesellschaft dĂŒrfe nicht beseitigt, sondern mĂŒsse im Gegenteil noch verschĂ€rft werden.[171] Gleichzeitig wurden ausgewĂ€hlte Industrieunternehmen und Banken mit Staatsgeldern saniert, darunter im Januar 1923 der eng mit dem Vatikan und den italienischen BistĂŒmern verbundene Banco di Roma. Mussolini stimmte diesen Schritt persönlich mit KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Gasparri ab und konnte so den „atmosphĂ€rischen Grundstein“[172] fĂŒr den Ausgleich mit der Kirche legen. FĂŒr das BesitzbĂŒrgertum erwiesen sich die Jahre 1922–1925 alles in allem als „absolutes Paradies“.[173] Umgekehrt mussten die Arbeiter in diesem Zeitraum Reallohnsenkungen von 20 bis 25 % hinnehmen.

Bis 1925 zog sich De Stefani jedoch die Gegnerschaft einflussreicher Interessengruppen zu. Die Freihandelspolitik wurde von den Teilen der Industrie und des Großgrundbesitzes, die unter der auslĂ€ndischen Konkurrenz litten, und von einzelnen fĂŒhrenden Faschisten, die aus prinzipiellen GrĂŒnden fĂŒr eine Autarkiepolitik eintraten, abgelehnt. Da De Stefani einen ausgeglichenen Haushalt anstrebte, war er gezwungen, gegen erheblichen Widerstand exemplarisch besonders krasse FĂ€lle von Steuerhinterziehung zu ahnden; aus dem gleichen Grund lehnte er es ab, die enorme Vermehrung der Stellen im Staatsapparat, mit denen sich fĂŒhrende Faschisten und deren „Klienten“ versorgen ließen, zu finanzieren. Als es im Sommer 1925 zu einem konjunkturellen Einbruch kam, entließ Mussolini De Stefani. Sein Nachfolger Giuseppe Volpi war ein Vertreter des protektionistischen FlĂŒgels der italienischen Industrie. Seine Ernennung fiel mit der Ausrufung der ersten großen wirtschaftlichen Kampagne des Regimes zusammen. Diese von Mussolini persönlich initiierte „Weizenschlacht“ (battaglia del grano) hatte das Ziel, die Getreideproduktion deutlich zu erhöhen und so die AbhĂ€ngigkeit Italiens von Nahrungsmittelimporten zu verringern (EinfĂŒhrung eines Getreideschutzzolls am 24. Juli 1925). Im Hintergrund stand hier bereits das Problem der unausgeglichenen italienischen Zahlungsbilanz und der Wertverlust der WĂ€hrung; die „Weizenschlacht“ ging im Jahr darauf in die „Schlacht um die Lira“ (battaglia della lira) ĂŒber.

Außenpolitik

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Mit Mussolinis Regierungsantritt wurde das nach faschistischer Lesart auf der Pariser Friedenskonferenz „betrogene“ Italien offiziell zu einer „revisionistischen Macht“, auch wenn sich dieser Revisionismus erst ab 1925/26 klar auszuprĂ€gen begann. Er richtete sich in den zwanziger Jahren in erster Linie gegen den Einfluss Frankreichs in SĂŒdosteuropa (vgl. Kleine Entente) und in zweiter Linie gegen Griechenland und die TĂŒrkei. Damit setzte sich unter Mussolini eine Tendenz durch, die bereits der Außenpolitik der liberalen Regierungen nicht fremd gewesen war; die These eines außenpolitischen KontinuitĂ€tsbruchs wird in der neueren Forschung ĂŒberwiegend zurĂŒckgewiesen – der „angebliche Gegensatz zwischen moderaten, sensiblen Diplomaten und einem hysterischen, ultranationalistischen Duce war ein Mythos, den Beamte nach Mussolinis Sturz verbreiteten, um sich der Kritik zu entziehen.“[174]

Auf der internationalen BĂŒhne fĂŒhrte sich Mussolini mit inszenierten Posen ein. Im November 1922 erschien er bei der Lausanner Konferenz mit einer Leibwache schwer bewaffneter Schwarzhemden und schien mehr an martialischen Auftritten vor den Journalisten als an den Verhandlungen selbst interessiert zu sein.[175] Einen Monat spĂ€ter reiste er nach London, um an der dortigen Reparationskonferenz teilzunehmen. Hier war das von Mussolini sorgfĂ€ltig registrierte internationale Presseecho noch weitaus weniger vorteilhaft als nach Lausanne. Er verzichtete anschließend – mit der Ausnahme der Konferenz von Locarno 1925 – fĂŒr mehr als ein Jahrzehnt auf Auslandsreisen.

In den 20er Jahren trat Großbritannien international als „Protektor“[176] Italiens auf. London sah in dem Land ein Gegengewicht gegen eine französische Hegemonie auf dem Kontinent und einen möglichen Wiederaufstieg Deutschlands. Beide LĂ€nder stimmten ihr Auftreten in der Reparationsfrage und beim Völkerbund ab. Mussolinis (vorerst theoretische) Ambitionen im Mittelmeerraum (Korsika, Tunesien) richteten sich – wie auf dem Balkan – vor allem gegen Frankreich, nicht aber gegen Großbritannien, das zu kolonialen ZugestĂ€ndnissen an Italien bereit war.[177] Im Sommer 1924 ĂŒbergaben die Briten Jubaland an Italien, im Februar 1926 die Oase Jarabub. Der Besuch des britischen Außenministers Austen Chamberlain, bei dem dessen Ehefrau demonstrativ ein Abzeichen der faschistischen Partei ansteckte, stĂ€rkte Mussolini im Dezember 1924 wĂ€hrend der Matteotti-Krise den RĂŒcken. Winston Churchill, zu diesem Zeitpunkt Schatzkanzler, besuchte Mussolini im Januar 1927 und Ă€ußerte sich anschließend Ă€ußerst positiv ĂŒber ihn und das Regime. In konservativen Kreisen Großbritanniens entwickelte sich im Laufe der zwanziger und frĂŒhen dreißiger Jahre ein regelrechter Personenkult um Mussolini.[178] Mussolinis Geliebte Margherita Sarfatti veröffentlichte 1925 ihre Mussolini-Biographie zunĂ€chst in Großbritannien, wo sie in konservativen Kreisen viel Anklang fand.[179] Auch in den USA hatten Mussolini-Verehrer viel Publikum. Der amerikanische Botschafter in Italien, Richard Washburn Child, trat schon 1922 oder 1923 in Mussolinis Faschistische Partei ein. 1927 veröffentlichten New York Sun und New York Herald Tribune zwölf von Sarfatti verfasste Lobeshymnen ĂŒber Mussolinis Privatleben. 1928 redigierte Child Mussolinis Autobiographie fĂŒr die Zeitschrift The Saturday Evening Post. 1931 gab der Medienunternehmer William Randolph Hearst bei Mussolini und Sarfatti eine Artikelkolumne in Auftrag, fĂŒr die er ihnen 1500 Dollar pro Woche bezahlte.[180][181]

Am 31. August 1923 ließ Mussolini im Schatten der Ruhrkrise die griechische Insel Korfu beschießen und besetzen, um „Genugtuung“ fĂŒr die Ermordung eines italienischen Generals auf griechischem Territorium zu erhalten (vgl. Korfu-Krise). Im Januar 1924 erkannte Jugoslawien die Annexion Fiumes durch Italien an (vgl. Vertrag von Rom). Seit 1925 konnte Mussolini den Einfluss Jugoslawiens in Albanien ausschalten und das Land politisch und wirtschaftlich eng an Italien binden (vgl. Tiranapakt). 1926 begann Italien, kroatische und mazedonische Nationalisten finanziell und materiell zu unterstĂŒtzen, um den jugoslawischen Staat zu untergraben.[182] Auch albanische Separatisten im Kosovo erhielten mit Billigung Mussolinis italienische Subsidien.[183]

Die Ergebnisse der Locarno-Konferenz (Oktober 1925) waren fĂŒr Italien zwiespĂ€ltig. Die gewĂŒnschte Garantie der österreichisch-italienischen Grenze und der UnabhĂ€ngigkeit Österreichs durch Deutschland hatte Mussolini in den Vorverhandlungen nicht durchsetzen können und deshalb zunĂ€chst der Konferenz fernbleiben wollen. Überraschend lud ihn jedoch Chamberlain ein, zusammen mit Großbritannien als Garant der deutsch-französischen und der deutsch-belgischen Grenze aufzutreten. Damit rĂ€umte Großbritannien Italien erstmals offiziell den Status einer Großmacht ein. Mussolini nutzte die Gelegenheit fĂŒr einen dramatischen Auftritt; er reiste am letzten Tag der Verhandlungen ĂŒberraschend mit einem Schnellboot und großer Leibwache ĂŒber den Lago Maggiore an, zeigte sich fĂŒr wenige Minuten bei den Verhandlungen und fuhr wieder davon.[184]

Höhepunkt der persönlichen Diktatur (1927–1934)

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Inszenierung und RealitÀt der Herrschaft

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Die Schwarze Fahne des Faschismus wurde als Parteiflagge von spÀtestens 1934 bis 1943 zusammen mit der italienischen Trikolore gehisst

Nach dem Sturz Farinaccis, der ein gewisses Maß an Diskussion unter den fĂŒhrenden Faschisten geduldet und nicht gezögert hatte, sich als puristischer „Gegenpapst“ zu inszenieren,[185] richtete der neue ParteisekretĂ€r Augusto Turati, ein SchĂŒtzling von Mussolinis Bruder Arnaldo, die Partei zwischen 1926 und 1930 ganz auf Mussolini aus. Turati ließ bis 1929 50.000 „Extremisten“ aus der Partei ausschließen, etwa 100.000 weitere Altfaschisten traten aus und wurden ĂŒberwiegend von sozialkonservativen Nachfolgern – nicht selten alteingesessene Notabeln[186] – ersetzt.[187] 1926/27 traten dem PNF hunderttausende Neumitglieder bei; 1927 zĂ€hlte man erstmals mehr als 1 Million organisierte Faschisten. Turati schaffte mit RĂŒckendeckung Mussolinis die parteiinternen Wahlen ab und ließ fast alle lokalen Parteizeitungen einstellen. Nationale Parteikongresse – wie zuletzt im Juni 1925 – fanden nicht mehr statt. Diese Maßnahmen machten Mussolinis Position zwar unangreifbar, entzogen der (einzigen zugelassenen) Partei aber mit ĂŒberraschender Schnelligkeit jede politische Substanz und Dynamik: „Eine aufgeblĂ€hte, zentralisierte Partei der Karrieristen und Konformisten, der Beamten und Bankfilialleiter, die FĂŒhrer von oben eingesetzt: das war das Gegenteil von Farinaccis Ideal ‚Wenige, aber Gute.‘“[188] Eine weitere Ausschlusswelle unter Turatis Nachfolger Giuriati schloss diesen Prozess 1930/31 ab.

Bereits 1924 war vom Propagandaministerium das Institut LUCE (L’unione cinematografica educativa) gegrĂŒndet und 1925 verstaatlicht worden. Es war systematisch befasst mit der Mystifizierung des Duce im Medium des Films: Mussolini war zugleich „Auftraggeber, Objekt, Nutznießer und Zensor der LUCE-Produktionen“.[189] Die propagandistische Überhöhung Mussolinis – der ducismo oder mussolinismo – begleitete auch den Umbau der Partei seit 1926. Arnaldo Mussolini, Chefredakteur des Popolo d’Italia, und der faschistische Journalist und Politiker Giuseppe Bottai gaben hierbei den Grundton vor. „Mussolini hat immer Recht“ (Mussolini ha sempre ragione.) wurde zu einer verbreiteten Phrase, der Diktator selbst bald schon zu einer „legendĂ€ren Figur“,[190] mit deren ĂŒbermenschlichen QualitĂ€ten – nicht nur als Staatsmann, sondern auch als „Flieger, Fechter, Reiter, erster Sportsmann Italiens“[191] – die Italiener bereits in der Schule vertraut gemacht wurden. Millionenfach wurden Fotografien Mussolinis, die ihn in einer seiner charakteristischen Posen (oft mit freiem Oberkörper beim Schwimmen oder bei der Ernte[192]) zeigten, in Italien verbreitet, wo viele Menschen es ohnehin gewohnt waren, Abbildungen von Heiligen zu sammeln. Rom beherbergte nun „einen unfehlbaren Papst und einen unfehlbaren Duce.“[193] Das grundlegende Material fĂŒr den Personenkult lieferten zwei „offizielle“ Biographien (von Margherita Sarfatti bzw. Giorgio Pini), die 1926 erschienen und wiederholt neu aufgelegt wurden. Mussolini selbst ergĂ€nzte das darin gezeichnete Bild seiner Person hin und wieder durch gezielt gestreute schmeichelhafte Details. So ließ er durch Journalisten in Umlauf bringen, er arbeite 18 oder 19 Stunden tĂ€glich, begnĂŒge sich mit fĂŒnf Stunden Schlaf und leite jeden Tag im Schnitt 25 Besprechungen. HĂ€ufig widersprachen diese Anekdoten einander, da sie jeweils auf ein unterschiedliches Publikum zugeschnitten waren.[194] Der ausbleibende gesellschaftliche Wandel wurde durch diese konsensstiftende Mythenbildung kompensiert, „und der grĂ¶ĂŸte Mythos von allen war der des Duce selbst.“[195]

Mussolini kommentierte diese fĂŒr das ĂŒberlieferte Bild „seiner“ Diktatur schließlich prĂ€gende öffentliche Inszenierung, die nach 1931 in der Ära des ParteisekretĂ€rs Achille Starace endgĂŒltig jeden Bezug zur RealitĂ€t verlor,[196] immer wieder zynisch. Die Biographie Sarfattis, die er vor der Veröffentlichung persönlich durchgesehen und bearbeitet hatte, beweise, dass „Erfindung nĂŒtzlicher ist als die Wahrheit“;[197] seine von den Propagandisten des Regimes bis zum Exzess zitierten (angeblichen) ersten Worte an den König im Oktober 1922 („MajestĂ€t, ich bringe Ihnen das Italien von Vittorio Veneto.“) nannte er im kleinen Kreis „die Art von Blödsinn, die man in SchĂŒlerversammlungen erzĂ€hlt.“[198] Zeugnisse seiner Verachtung fĂŒr die „Herde“ sind zahlreich ĂŒberliefert; die Masse sei „dumm, schmutzig, arbeitet nicht hart genug und ist zufrieden mit ihren kleinen Kinofilmchen.“[199] Intellektuelle, die sich mit der Kodifikation einer einigermaßen konsistenten faschistischen „Doktrin“ befassten, bedachte er ebenfalls mit zynischen Kommentaren – was ihn nicht davon abhielt, 1932 den autoritativsten Vorstoß in diese Richtung, den in der Hauptsache von Giovanni Gentile verfassten Artikel ĂŒber die dottrina del fascismo im vierzehnten Band der Enciclopedia Italiana, durch namentliche Zeichnung als sein Werk auszugeben.[200] Der britische Historiker Denis Mack Smith stellt angesichts solcher und Ă€hnlicher WidersprĂŒche den „echten“ Mussolini neben den „Schauspieler“,[201] der der öffentliche Duce in erster Linie gewesen sei. Dieser sei ein Eigenbrötler und Misanthrop gewesen, der NĂ€chstenliebe und Idealismus verachtet habe. Wie NiccolĂČ Machiavelli unterstellte er jedermann absolute Selbstsucht und Verlogenheit.[202]

Die zentrale Stellung Mussolinis war im Kern allerdings keine propagandistische Fiktion. Die gesamte TĂ€tigkeit der Regierung hing in einem stĂ€ndig zunehmenden Maß von seinen Entscheidungen und seiner PrĂ€senz ab – bis zu dem Punkt, dass die Arbeit auch der nicht von ihm geleiteten Ministerien (1929 war Mussolini fĂŒr einige Zeit achtfacher Minister) zum Stillstand kam, wenn er nicht in Rom war.[203] Ganz anders als etwa Hitler war Mussolini tatsĂ€chlich ein disziplinierter BĂŒrokrat und „Aktenfresser“. Er saß gewöhnlich gegen 8 oder 9 Uhr hinter seinem Schreibtisch in der sala del mappamondo im Palazzo Venezia (bis 1929 im Palazzo Chigi) und arbeitete dort etwa 10 Stunden lang allein oder empfing Besucher – als ersten fast tĂ€glich Polizeichef Arturo Bocchini, den einige Historiker fĂŒr den eigentlichen „zweiten Mann“ des Regimes halten.[204] Mussolini konnte, im Detail zweifellos ĂŒbertreibend, mit einer gewissen PlausibilitĂ€t behaupten, persönlich in sieben Jahren knapp 1,9 Millionen bĂŒrokratische VorgĂ€nge bearbeitet zu haben.[205] Um den Eindruck zu erwecken, er kontrolliere wirklich „das Leben der Nation“, entschied der Diktator freilich ĂŒber zahllose triviale Einzelheiten, etwa die Anzahl der Knöpfe auf einer Uniform, eine Einstellung an der Polizeischule, den Baumschnitt in einer bestimmten Straße in Piacenza und die Spielzeit des Orchesters auf dem Lido.[206] Er konnte dabei – und versuchte es, abgesehen von den durch ihn verfĂŒgten Zensurmaßnahmen und journalistischen Sprachregelungen, auch nicht – mangels eines hierzu geeigneten Apparates kaum systematisch prĂŒfen, ob seine Entscheidungen umgesetzt wurden. In der Regel markierte ein von Mussolini hingeworfener Kommentar oder seine charakteristische Paraphe „M“ entweder das Ende der RegierungstĂ€tigkeit oder den Beginn einer ergebnisoffenen „Interpretation“ seines Willens durch die BĂŒrokratie.[207] Mit der konkreten Umsetzung einer „Entscheidung“ in praktisches Handeln hat sich Mussolini kaum je befasst. Seine Neigung, auch Minister, Zuarbeiter und Beamte in fĂŒnfzehnminĂŒtigen „Audienzen“ einzeln zu empfangen, sie dabei allgemein in ihren Auffassungen zu bestĂ€tigen und ohne praxisbezogene Anweisungen zu entlassen, stellte sicher, dass es „auf vielen wichtigen Gebieten keinerlei RegierungstĂ€tigkeit gab.“[208]

Typische Rednergeste Mussolinis (Mailand, 1930)

Den hĂ€ufig wechselnden Ministern und StaatssekretĂ€ren gewöhnte er jeden Sinn fĂŒr Verantwortung und Initiative ab; die meisten hielt er ohnehin fĂŒr „verkommen bis ins Mark.“[209] In der Tat war Mussolini einer der ganz wenigen fĂŒhrenden Faschisten, die ihre Ämter nicht dazu benutzten, sich illegal zu bereichern und das Fortkommen ihrer Familie bzw. ihrer Klienten zu fördern[210], obwohl er ausgesprochen unfĂ€hige Beamte, korrupte gerarchi und PostenjĂ€ger erwiesenermaßen förderte, selbstĂ€ndige, zum Widerspruch neigende Köpfe aber zielsicher kaltstellte.[211] Diese Tendenz setzte sich in der ersten HĂ€lfte der 30er Jahre voll durch, als das FĂŒhrungspersonal in Staat und Partei serienweise entlassen oder versetzt wurde.[212] Prominenteste „Opfer“ waren Balbo (als Gouverneur nach Libyen), Grandi (als Botschafter nach London), Turati (als Redakteur nach Turin) und Mussolinis alter WeggefĂ€hrte Leandro Arpinati. Der ras von Bologna und engste Mitarbeiter Mussolinis im Innenministerium wurde 1933 aus allen Ämtern entlassen, 1934 aus der Partei ausgeschlossen und auf die Liparischen Inseln verbannt.[213] Zudem starb im Dezember 1931 ĂŒberraschend Mussolinis Bruder Arnaldo, der einzige Vertraute und Ratgeber, dem es gestattet gewesen war, „offen“ mit dem Duce zu reden. Nach den Kabinettsumbildungen in den Jahren 1932 und 1933 waren die meisten leitenden MĂ€nner in den Ministerien „MediokritĂ€ten“,[214] die entweder kein eigenes Urteil hatten oder dasselbe fĂŒr sich behielten.

Mussolini ging es in letzter Instanz immer darum, dass er – oft verbunden mit spektakulĂ€ren Gesten und Eingriffen in die ZustĂ€ndigkeitsbereiche anderer – entschied, aber nur bedingt darum, was entschieden wurde. Diskussionen, auch solchen im kleinen Kreis, ging er konsequent aus dem Weg, gewöhnlich dadurch, dass er dem zustimmte, was ihm vorgetragen oder vorgelegt wurde. In der MinisterialbĂŒrokratie und bei informierten Beobachtern erwarb er daher bald den Ruf eines „Löwen aus Pappe“, der immer die Meinung der Person vertrat, mit der er zuletzt gesprochen hatte.[215]

Korporativstaat

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Das aus zwei Teilen bestehende kleine Staatswappen Italiens (1927–1929): Links das Zeichen der Monarchie, rechts das Emblem des Faschismus

Im Januar 1927 löste die FĂŒhrung der Confederazione Generale del Lavoro trotz der Proteste vieler Mitglieder und FunktionĂ€re den Gewerkschaftsbund auf. Fortan war die katholische Laienorganisation Azione Cattolica die einzige Massenorganisation, die nicht direkt mit dem faschistischen Regime verbunden war.

Das Verschwinden der Arbeiterparteien und der sozialistischen Gewerkschaften – propagandistisch wurde insbesondere der Untergang der Eisenbahnergewerkschaft verwertet, die „fĂŒr die Faschisten das war, was spĂ€ter die National Union of Mineworkers fĂŒr Margaret Thatcher war“[216] – machte den Weg frei fĂŒr den faschistischen Versuch, die lohnabhĂ€ngige Bevölkerung in Organisationen zu erfassen, die vom Staat oder der Staatspartei kontrolliert wurden. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Freizeitorganisation OND, die schon im FrĂŒhjahr 1925 gegrĂŒndet worden war. Der Gedanke, Arbeiter, Angestellte und Unternehmer einzelner Wirtschaftszweige zur Vertretung ihrer „gemeinsamen“ Interessen in Korporationen zusammenzufassen, war zuerst bei einzelnen nationalistischen Ideologen und dann bei Alceste De Ambris und D’Annunzio in Fiume aufgetaucht. Diese Korporationen sollten – zumindest in der Theorie – ArbeitskĂ€mpfe verhindern und so die Wirtschaftsleistung maximieren. Seit 1925 war, zuerst bei Alfredo Rocco, davon die Rede, die Korporationen zum zentralen Instrument der politischen, sozialen und ökonomischen Steuerung der Gesellschaft durch den Staat zu machen. Mussolini griff den Vorstoß Roccos auf und erklĂ€rte ihn – drei Jahre nach dem Marsch auf Rom – zum „fundamentalen Programm unserer Partei“.[217] Seit 1925/26 wurde der „Korporativstaat“ zunĂ€chst in Italien und dann vor allem im Ausland zum vielrezipierten propagandistischen AushĂ€ngeschild des Regimes.

Die faschistische Partei hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits eigene Gewerkschaften gegrĂŒndet, die nach einer Reihe symbolischer Streiks im Oktober 1925 von den Industriellen als „exklusive“ Vertretung der Belegschaften anerkannt worden waren (und charakteristischerweise sofort akzeptierten, dass die gewĂ€hlten BetriebsrĂ€te ersatzlos abgeschafft wurden). Dieses im Beisein Mussolinis unterzeichnete Abkommen wurde im April 1926 durch ein von Rocco ausgearbeitetes Gesetz bestĂ€tigt, das nunmehr Streiks ausdrĂŒcklich verbot (in stĂ€dtischen und Staatsbetrieben auch die Gewerkschaften) und ein Zwangsschlichtungsverfahren bei allen Konflikten vorschrieb. Mussolini erklĂ€rte den Klassenkampf fĂŒr beendet, fortan werde der „unparteiische“ Staat den Ausgleich der Interessen regulieren.[218] „Wilde“ Streiks hat das Regime gleichwohl nie ganz verhindern können. Der Presse war es untersagt, ĂŒber sie zu berichten; das galt ebenso fĂŒr die Unruhen unter Landarbeitern, die bis in die erste HĂ€lfte der dreißiger Jahre vor allem im SĂŒden relativ hĂ€ufig waren.[219]

Wenig spĂ€ter, im Juli 1926, wurde zwar ein Korporationsministerium gegrĂŒndet, der Aufbau des Korporativsystems aber stockte. Noch 1929 existierte keine einzige Korporation. Obwohl die im April 1927 mit gewaltigem Propagandaaufwand verkĂŒndete Carta del Lavoro den Korporativgedanken endgĂŒltig zum Eckstein der „faschistischen Revolution“ erklĂ€rt hatte,[220] gedieh in den folgenden Jahren im Umfeld des Korporationsministeriums nur eine aufgeblĂ€hte BĂŒrokratie, deren soziale Funktion sich in der Bereitstellung von Posten fĂŒr das von Mussolini mit Misstrauen betrachtete „intellektuelle Proletariat“[221] erschöpfte; der Korporativgedanke selbst wurde schnell zu einem „Jagdrevier fĂŒr hunderte stellungsuchende Akademiker, die endlos ĂŒber dessen Theorie und Praxis diskutierten.“[221] Umgekehrt waren die faschistischen Gewerkschaften, ganz Ă€hnlich wie die Partei, bis zum Ende der zwanziger Jahre von renitenten FunktionĂ€ren und Mitgliedern „gesĂ€ubert“ und durch von oben eingesetzte FĂŒhrungen diszipliniert worden (wĂ€hrend die innere Autonomie der Unternehmerorganisationen vom Regime nicht angetastet worden war).[222] Im November 1928 ließ Mussolini den Gewerkschaftsbund, die DomĂ€ne des faschistischen „ArbeiterfĂŒhrers“ Edmondo Rossoni, in sechs miteinander nicht verbundene IndustrieverbĂ€nde aufspalten.[223] Nachdem Giuseppe Bottai 1929 das Korporationsministerium ĂŒbernommen hatte, wurden schließlich bis 1934 doch noch 22 Korporationen (Getreide, Textilien usw.) gegrĂŒndet, die zuverlĂ€ssig kontrollierten faschistischen Gewerkschaften jedoch ebenso wenig aufgelöst wie die UnternehmerverbĂ€nde. Der 1930 gegrĂŒndete Nationalrat der Korporationen trat nur fĂŒnf Mal zusammen. Die Korporationen, in denen meist RechtsanwĂ€lte, Journalisten und faschistische ParteifunktionĂ€re die Arbeiter „reprĂ€sentierten“,[224] ĂŒbernahmen zu keinem Zeitpunkt tatsĂ€chlich die ihnen zehn Jahre zuvor von Rocco zugedachten hoheitlichen Aufgaben und blieben im Kern „wenig mehr als eine nicht realisierte Idee.“[221]

Das 1928 beschlossene neue Wahlgesetz trug indes zumindest korporatistische ZĂŒge. FĂŒr die im MĂ€rz 1929 zu „wĂ€hlende“ neue Abgeordnetenkammer kompilierte der faschistische Großrat, der hier erstmals die ihm im Dezember 1928 durch Gesetz ĂŒbertragenen hoheitlichen Aufgaben wahrnahm, unter dem Vorsitz Mussolinis eine einzige Liste mit 400 Kandidaten (fĂŒr 400 Sitze), die die faschistischen Gewerkschaften, die Unternehmerorganisationen, die Kriegsveteranen und andere VerbĂ€nde vorgeschlagen hatten. Charakteristisch war auch hier, dass in diesem de facto ernannten Parlament schließlich 125 Vertreter der Unternehmer, aber nur 89 der Gewerkschaften Platz nahmen.[223]

Faschistische Wirtschafts- und Sozialpolitik

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Bereits in den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise forcierte der faschistische Staat seine ökonomische AktivitĂ€t. Giuseppe Volpi betrieb seit 1925 eine konsequente Deflationspolitik, die vor allem die bereits stark gesunkenen Löhne belastete. In Verhandlungen konnte er eine Reduzierung der italienischen Kriegsschulden in Großbritannien und den Vereinigten Staaten und einen bedeutenden Kredit der Bank J.P. Morgan sichern. Da der Wert der Lira dennoch immer weiter fiel, die Masse der italienischen Schulden aber in fremder WĂ€hrung zurĂŒckgezahlt werden musste, entschloss sich Mussolini – der im Wechselkurs auch eine Frage des „nationalen Prestiges“ sah – im August 1926, publikumswirksam einzugreifen („Schlacht um die Lira“). Im Dezember 1927 verfĂŒgte er die EinfĂŒhrung des Goldstandards und einen festen Wechselkurs der Lira zum Pfund (1 Pfund = 92,46 Lire) und zum Dollar. Er löste damit einen Absturz der Aktienkurse aus, wĂ€hrend die Arbeitslosenzahlen sowie die Produktions- und die Lebenshaltungskosten scharf anstiegen. Nachdem auch große Firmen wie Fiat gegen diese Maßnahme protestierten, gestand Mussolini der Exportindustrie Steuererleichterungen und eine weitere Senkung der Löhne um 10 % zu, hielt aber mehrere Jahre an der quota novanta fest.[225]

Die Aufwertung der WĂ€hrung brachte auch die „Weizenschlacht“ erst richtig in Schwung, die nun bis in die erste HĂ€lfte der dreißiger Jahre ein stehendes Thema der Propaganda blieb. In diesen Zusammenhang stellte das Regime eines seiner grĂ¶ĂŸten Projekte, die Trockenlegung der Pontinischen SĂŒmpfe, mit der 1930 begonnen wurde. Auch in anderen Teilen des Landes wurden erhebliche Mittel fĂŒr Trockenlegungen, BewĂ€sserungsbauten, Aufforstungen und andere essentielle lĂ€ndliche Infrastruktur unter dem Schlagwort der bonifica integrale mit mitunter betrĂ€chtlichen Erfolgen aufgewandt, die Mussolini, der sich immer wieder vor Ort zeigte, fĂŒr sich zu nutzen wusste. Zumindest bis 1933 stieg die Getreideproduktion stark an, was die Außenhandelsbilanz spĂŒrbar entlastete, sich binnenökonomisch aber vor allem als gigantisches Subventionsprogramm fĂŒr die Großgrundbesitzer entpuppte. Die durch den Schutzzoll und die ĂŒberbewertete WĂ€hrung garantierte Gewinnspanne fĂŒr Getreide nahm auch in den Jahren der Weltwirtschaftskrise in Italien trotz sinkenden Konsums nicht ab. Dies verschĂ€rfte den Modernisierungsstau in der Landwirtschaft und fĂŒhrte in vielen Gebieten zu einer agrarischen Monokultur, verbunden mit einem Absinken des Viehbestandes und dem Verlust von ExportmĂ€rkten, etwa fĂŒr Olivenöl, Wein und ZitrusfrĂŒchte.[226]

Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise waren in Italien nach offiziellen Angaben etwa 1,2 Millionen Menschen arbeitslos. Es erwies sich als „glĂŒcklicher“ Zufall, dass bereits in den Jahren zuvor Importe und Konsum massiv eingeschrĂ€nkt worden waren. Mussolini gelang es sogar, bis 1936 am Goldstandard festzuhalten, wodurch die Lira gegenĂŒber dem Pfund noch einmal um ein Drittel aufwertete, da Großbritannien den Goldstandard 1931 aufgegeben hatte.[227] Das Hauptproblem des Regimes war der praktisch vollstĂ€ndig insolvente private Bankensektor, der auch die in ihm bereits stark engagierte Banca d’Italia und damit den Staat in den Abgrund zu reißen drohte. 1931 grĂŒndete Mussolini auf Vorschlag des Finanzministers Guido Jung das Istituto Mobiliare Italiano (IMI), das die Privatbanken aus der mittel- und langfristigen Industriefinanzierung verdrĂ€ngte, ihnen aber gleichzeitig die in der Krise entwerteten Aktienpakete und Kredittitel zum Nominalwert abkaufte. Das 1933 gegrĂŒndete Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) vergab staatliche Kreditgarantien und kaufte in Schieflage geratene Betriebe im Bereich des produzierenden Gewerbes auf. Es hielt bald etwa 20 % des gesamten italienischen Aktienkapitals, was im Europa der Zwischenkriegszeit beispiellos war.[228] Hier entstand gleichsam „unbeabsichtigt“[229] ein vom Staat kontrolliertes Finanz- und Industriekonglomerat, das den Faschismus ĂŒberdauerte und nach einer wechselvollen Entwicklung erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts liquidiert wurde. Gleichfalls nicht langfristig geplant worden waren die „wohlfahrtsstaatlichen“ Elemente, deren EinfĂŒhrung im Rahmen der BekĂ€mpfung der Krise bis 1934 erfolgte (aktive staatliche BeschĂ€ftigungsförderung, Erhöhung der ArbeitslosenunterstĂŒtzung, 40-Stunden-Woche in der Industrie, Krankenversicherung, bezahlter Urlaub).[230]

Zwischen August 1933 und April 1934 wurde in nur dreizehn Monaten die heute zirka 20.000 Einwohner zĂ€hlende Planstadt Sabaudia gebaut, nachdem Benito Mussolini die Paludi Pontine, das Sumpfgebiet sĂŒdöstlich von Rom, hatte trockenlegen lassen.[231]

„Schlacht gegen die Mafia“

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Auf Sizilien konnten die Faschisten bis 1922 kaum Fuß fassen.[232] Auf der Insel verfĂŒgten die Großgrundbesitzer mit dem Partito agrario des Prinzen Scalea bereits ĂŒber eine politische Organisation, die in der Lage war, gegen die 1919 einsetzende, vor allem von den aus dem MilitĂ€r entlassenen Bauern und Landarbeitern getragene Welle der Streiks und Landbesetzungen mit dem „erforderlichen Maß an BrutalitĂ€t und IllegalitĂ€t“[233] vorzugehen. 1922 erhielt ein sizilianischer Liberaler das Ministerium fĂŒr öffentliche Arbeiten in Mussolinis erster Regierung und trat 1923 dem PNF bei. Bis 1924 wurde auch das FĂŒhrungspersonal des Partito agrario von der faschistischen Partei absorbiert. Innerhalb des sizilianischen PNF konnten sich die alten Eliten spĂ€testens 1927 gegen die aus dem Norden „importierten“ bzw. einheimischen, in die Klientelnetzwerke der Insel jedoch nicht eingebundenen Faschisten durchsetzen. Damit war sichergestellt, dass die soziale und wirtschaftliche Struktur Siziliens nicht angetastet wurde.[234]

Diese grundsĂ€tzliche Richtungsentscheidung, die die Entwicklungen im Rest des Landes zeitverzögert nachvollzog, relativierte auf lange Sicht auch die bis in die Gegenwart oft wohlwollend kommentierten faschistischen Maßnahmen gegen die Mafia, die vor allem zwischen 1924 und 1929 in der Ära des von Mussolini mit Sondervollmachten ausgestatteten „eisernen PrĂ€fekten“ Cesare Mori (1924 PrĂ€fekt von Trapani, 1925 von Palermo) forciert wurden. Mori, der ĂŒber beste Beziehungen zu den latifondisti verfĂŒgte, ging jedoch nicht nur gegen tatsĂ€chliche, bis dahin oft von der Landaristokratie ausgehaltene Mafiosi, sondern auch gegen linke Aktivisten und radikale Faschisten wie Alfredo Cucco vor, der zwischen 1922 und 1924 mit RĂŒckendeckung Farinaccis einen eigenen „Krieg gegen die Mafia“ gefĂŒhrt hatte, der „nebenbei“ auch Antifaschisten und die Netzwerke der lokalen Aristokratie erfasste. 1927 wurde Cucco selbst als Mafioso angeklagt und zusammen mit der gesamten faschistischen Parteiorganisation von Palermo politisch ausgeschaltet. Insgesamt wurden rund 11.000 tatsĂ€chliche oder vermeintliche Mafiosi inhaftiert (meist aber bald wieder entlassen), viele AnfĂŒhrer emigrierten, meist in die Vereinigten Staaten. Die faschistische Kampagne gegen die Mafia stĂ€rkte so vor allem die soziale und politische Vorherrschaft der Großgrundbesitzer – fĂŒr Mori die eigentlichen „Opfer“ der Mafia – und schuf trotz kurzfristiger Erfolge das Klima fĂŒr die Renaissance der organisierten KriminalitĂ€t nach 1943. Mit besonderer HĂ€rte hatte sie die „neureichen“ Mittelbauern getroffen, die den Latifundisten ein Dorn im Auge waren.[235] Gerade diese Gruppe kultivierte unter dem Faschismus die Ansicht, „dass in dieser Art von Gesellschaft die einzige Chance in einer rĂŒcksichtslosen Durchsetzung des eigenen Willens und in mĂ€chtigen BeschĂŒtzern lag.“[236]

Mussolini nutzte die „Schlacht gegen die Mafia“ propagandistisch aus. Er interessierte sich aber, entgegen einer zĂ€hlebigen Legende, nicht sonderlich fĂŒr die Probleme Siziliens bzw. des italienischen SĂŒdens – insgesamt wohl noch weitaus weniger als die MinisterprĂ€sidenten vor ihm.[237] Gleichwohl ließ er nach einigen Jahren erklĂ€ren, dass das faschistische Regime die „sĂŒdliche Frage“ gelöst und auch die Mafia „zerstört“ habe. In der RealitĂ€t wurde – trotz eines nominellen Anstiegs der öffentlichen Investitionen und einer zumindest in den zwanziger Jahren genaueren Überwachung der Eintreibung und der Verwendung der Steuern – kaum etwas fĂŒr die Entwicklung der Insel getan. WĂ€hrend etwa in Libyen betrĂ€chtliche Mittel fĂŒr den Ausbau der Infrastruktur aufgewandt wurden, waren viele sizilianische Dörfer noch in den vierziger Jahren nicht an das Eisenbahnnetz und oft nicht einmal an das Straßennetz angeschlossen.[238] Als Mussolini im Juni 1923 zum ersten Mal Sizilien besuchte, bezeichnete er es als „Entehrung der Menschheit“, dass fĂŒnfzehn Jahre nach dem Erdbeben von Messina immer noch zahlreiche Einwohner in selbstgebauten HĂŒtten dahinvegetierten und versprach, umgehend fĂŒr Abhilfe zu sorgen: „Aber die Elendsquartiere waren zwanzig Jahre spĂ€ter immer noch da und das ‚sĂŒdliche Problem‘, ungeachtet wiederholter Behauptungen, es existiere nicht mehr, einer Lösung nicht nĂ€hergekommen.“[239] Eine im Mai 1924 mit großem Propagandaaufwand in Anwesenheit Mussolinis gegrĂŒndete Planstadt fĂŒr 10.000 Menschen (Mussolinia, heute als Santo Pietro ein Ortsteil der Stadt Caltagirone) blieb ein Weiler mit kaum 100 Einwohnern.[240] Erst gegen Ende der dreißiger Jahre thematisierte Mussolini die latifondi öffentlich als eigentliche Ursache der Entwicklungsblockade Siziliens. Ein 1940 erlassenes Bodenreformgesetz, das in gewissem Sinne eine strategische Kehrtwende faschistischer Politik darstellte, kam wegen des Kriegsausbruchs jedoch nicht mehr zur AusfĂŒhrung.[241]

Ausgleich mit der Kirche

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Die am 11. Februar 1929 nach ĂŒber zweijĂ€hrigen Geheimverhandlungen, in die weniger als ein Dutzend Personen eingeweiht waren, von Mussolini und KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Gasparri unterzeichneten LateranvertrĂ€ge gelten als Mussolinis grĂ¶ĂŸter politischer Erfolg. Mit ihnen wurden Fragen geklĂ€rt, die seit dem Risorgimento zwischen dem italienischen Nationalstaat und dem Oberhaupt der katholischen Kirche strittig gewesen und von keiner der liberalen Regierungen gelöst worden waren. Mussolini hatte in den letzten Stadien persönlich in die Verhandlungen eingegriffen und dabei auch den Widerstand des Königs ĂŒberwinden mĂŒssen, der als Kirchengegner erzogen worden war und es anfĂ€nglich strikt ablehnte, dem Papst ein Mitspracherecht in den inneren Angelegenheiten Italiens einzurĂ€umen, geschweige denn Territorium mitten in Rom abzutreten.[242] Die Bekanntgabe der Verhandlungsergebnisse durch Gasparri am 7. Februar 1929 war eine weltweite Sensation.[243]

Italien trat 44 Hektar seines Staatsgebietes an den Papst ab, der dadurch wieder Oberhaupt eines souverĂ€nen Staates wurde. Als „Kompensation“ fĂŒr den Verlust des Kirchenstaates 1870 erhielt der Vatikan eine Barzahlung von 750 Millionen Lire und eine Anleihe ĂŒber eine weitere Milliarde. Im Gegenzug erklĂ€rte der Papst die „römische Frage“ fĂŒr „endgĂŒltig und unwiderruflich geschlichtet“. Im Konkordat erkannte der italienische Staat den Katholizismus als „einzige Religion des Staates“ und in diesem Zusammenhang einen substantiellen und institutionalisierten Einfluss der Kirche auf Ehe, Familie und Schule an. Mit der Azione Cattolica akzeptierte der Staat auch die Arbeit der katholischen Jugendorganisationen, die 1930 etwa 700.000 Mitglieder hatten.

Die LateranvertrĂ€ge stabilisierten das faschistische Regime außerordentlich, obwohl sich die Beziehungen zwischen Kirche und Staat bis 1931 keineswegs harmonisch entwickelten. Papst Pius XI. nannte Mussolini am 14. Februar 1929 in einer vielzitierten Wendung den Mann, „den uns die Vorsehung gesandt hat“,[244] befahl außerdem allen Priestern zum Abschluss der tĂ€glichen Messe ein Gebet fĂŒr den König und den Duce (»Pro Rege et Duce«),[245] und empfing ihn drei Jahre spĂ€ter auch persönlich.

Außenpolitik

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Spannungen mit Frankreich und Jugoslawien
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Über die Einordnung der außenpolitischen Linie Mussolinis wird nach wie vor kontrovers diskutiert.[246] Ein Teil der neueren Arbeiten unterscheidet strikt zwischen den Worten und den Taten des Diktators.[247] Dabei wird die Ă€ltere „intentionalistische“ These, Mussolini habe die Propagandaformeln ĂŒber das „neue Römische Reich“ ernst genommen und die italienische Außenpolitik – mit dem letzten Ziel einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Frankreich und Großbritannien um die Kontrolle ĂŒber das Mittelmeer – nach 1926 „ideologisch“ ausgerichtet, als „beinahe absurd“[248] zurĂŒckgewiesen. Der profilierteste Kritiker der Intentionalisten ist der australische Historiker Richard Bosworth, der die Ziele und Mittel der Außenpolitik Mussolinis in eine KontinuitĂ€t der „Mythen des Risorgimento“[249] einordnet und bestreitet, dass es ĂŒberhaupt so etwas wie einen genuinen, vom „traditionellen“ unterscheidbaren „faschistischen“ Imperialismus gegeben habe.[250] Die direkt entgegengesetzte Position vertritt maßgeblich der amerikanische Historiker MacGregor Knox, der die seiner Lesart nach „revolutionĂ€re“ Außenpolitik des Regimes ganz aus dem „Willen“ des Diktators, dessen Programm schon Mitte der 20er Jahre in allen wesentlichen Details festgestanden habe, ableitet; Knox geht dabei – Ă€hnlich wie Ă€ltere italienische Historiker, darunter Gaetano Salvemini – von einem KontinuitĂ€tsbruch in der Außenpolitik aus.[251] Eine heute „dominierende nationalistische Denkschule“[252] in Italien vertritt im Anschluss an die Arbeiten Renzo De Felices eine dritte Position, die den Außenpolitiker Mussolini mit einem nicht selten rechtfertigenden Unterton vor allem als „Realpolitiker“ beschreibt.[253]

Im April 1927 schloss Italien einen Freundschaftsvertrag mit Ungarn, dem am stĂ€rksten an einer Revision der FriedensvertrĂ€ge interessierten Land. Italien lieferte Waffen an Ungarn und begann, ungarische Offiziere und Piloten auszubilden, obwohl Ungarn im Vertrag von Trianon Ă€hnliche RĂŒstungsbeschrĂ€nkungen wie Deutschland auferlegt worden waren. Paris und Belgrad antworteten im Dezember 1927 mit einem bilateralen Beistandsvertrag. Mussolini hatte zu diesem Zeitpunkt bereits damit begonnen, den FĂŒhrer der kroatischen faschistischen Ustascha-Bewegung Ante Pavelić zu fördern. In der NĂ€he von Parma entstand ein getarntes Ausbildungszentrum, in dem dessen AnhĂ€nger politisch und militĂ€risch geschult wurden. Dass Mussolini die kroatischen Faschisten, die in Jugoslawien AnschlĂ€ge verĂŒbten, unterstĂŒtzte, war in den Außenministerien Europas bald bekannt.[254] Nach der Ausrufung der Republik in Spanien (April 1931) unterstĂŒtzte Italien einzelne Protagonisten der antirepublikanischen Rechten.[255]

Mussolini war nicht bereit, hinzunehmen, dass sich in Frankreich eine politisch aktive Gemeinde antifaschistischer Emigranten etablierte; 1929 kam es wegen dieser Frage zu zwei schweren diplomatischen Krisen.[256] Zur Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Paktes im August 1928 schickte Mussolini demonstrativ nur den italienischen Botschafter, wĂ€hrend andere Unterzeichnerstaaten durch ihre Außenminister vertreten wurden. Bei der Londoner Flottenkonferenz lehnte Frankreich 1930 die von Italien geforderte FlottenparitĂ€t ab, da es keine territorialen Garantien („Mittelmeer-Locarno“) erhalten hatte. Dazu waren weder Großbritannien noch die Vereinigten Staaten bereit.[257]

Die Minderheitenfrage war eine weitere Quelle stĂ€ndiger außenpolitischer Verwicklungen. Mussolini war entschlossen, die „ethnischen Überbleibsel“[258] in Italien zu beseitigen (vgl. Italianisierung) und autorisierte sogar vergleichbare Maßnahmen auf dem Dodekanes, wo das faschistische Regime Italienisch als Schulsprache einfĂŒhrte und alle griechischen Zeitungen verbot.[254] Dies hielt ihn nicht davon ab, sich in Paris ĂŒber die Behandlung der italienischen Gemeinde in Tunis und in London ĂŒber die ZurĂŒckdrĂ€ngung der italienischen Sprache auf Malta zu beklagen.[259]

Der Einflussgewinn Deutschlands, der sich ab 1931 abzuzeichnen begann, fĂŒhrte vorĂŒbergehend zu einer gewissen AnnĂ€herung zwischen Paris und Rom. Im MĂ€rz 1931 gestand Frankreich Italien in einer gemeinsamen ErklĂ€rung die maritime ParitĂ€t zu. Beide LĂ€nder gingen gegen den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion vor, der im gleichen Monat bekanntgeworden war. Eine regelrechte „Entente“, die die Regierung Herriot 1932 zumindest erwog, lehnte Mussolini allerdings – anders als der durchaus frankophobe Grandi, der dennoch das erstarkende Deutschland als grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr die Stellung Italiens einschĂ€tzte – ab. Im Juli 1932 entließ Mussolini Grandi und ĂŒbernahm wieder selbst das Außenministerium.

Mussolini und der Aufstieg der NSDAP
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Die Entwicklung der antidemokratischen Rechten in Deutschland wurde von den italienischen Faschisten aufmerksam beobachtet. Mussolini verfĂŒgte neben den Berichten der italienischen Botschaft ĂŒber eine Vielzahl weiterer ausgezeichneter Informationsquellen, unter denen vor allem Giuseppe Renzetti herausragt, der GrĂŒnder der italienischen Handelskammer in Berlin und „Schattenbotschafter“ des Duce. Renzetti gelang es im Laufe der zwanziger Jahre, direkte persönliche Beziehungen zu den FĂŒhrern der DNVP, des Stahlhelm, der NSDAP sowie zu einflussreichen konservativen Journalisten und Industriellen herzustellen. Er wurde am 16. Oktober 1930 von Mussolini erstmals zu einer persönlichen Unterredung empfangen und beauftragt, im Namen Mussolinis Kontakt zu Hitler und Göring zu halten.[260] Am 24. April 1931 empfing Mussolini mit Hermann Göring den ersten fĂŒhrenden Nationalsozialisten in „Audienz“.

Die Kontaktversuche zwischen dem FĂŒhrungspersonal der NSDAP und Mussolini waren Ă€lter, bis zum Wahlerfolg der Partei bei der Reichstagswahl 1930 aber sehr einseitig. Schon im November 1922 hatte Mussolini einen Bericht des italienischen Diplomaten Adolfo Tedaldi erhalten, in dem dieser auf Hitler, den „FĂŒhrer der Faschisten“ in Bayern, hinwies. Dieser trete fĂŒr ein deutsch-italienisches BĂŒndnis ein und erkenne die italienische Position in der SĂŒdtirol-Frage an.[261] Hitler hat offenbar 1922 und 1923 erfolglos versucht, ĂŒber Kurt LĂŒdecke mit dem von ihm bewunderten Mussolini in Verbindung zu treten. Ähnliche VorstĂ¶ĂŸe wurden 1927 und noch einmal 1930 von Mussolini abgewiesen,[262] obwohl ihm bis dahin immer wieder wohlwollende Berichte von Italienern vorgelegt worden waren, die Hitler getroffen hatten.[263] Der Mussolini-Biograph Renzo De Felice hĂ€lt es dennoch fĂŒr möglich, dass die NSDAP in dieser Phase unregelmĂ€ĂŸig Geld aus einem Fonds des italienischen Konsulats in MĂŒnchen erhielt.[264]

Ebenso wie seine faschistischen Untergebenen misstraute Mussolini allen Vertretern des revanchistischen und alldeutschen Nationalismus nördlich der Alpen grundsĂ€tzlich. Hitler erschien mit seiner Anerkennung der Annexion SĂŒdtirols durch Italien zwar als beinahe singulĂ€re Erscheinung auf der deutschen Rechten, vertrat aber ein mit der UnabhĂ€ngigkeit Österreichs – wo Mussolini seit 1927 die Heimwehr-Bewegung mit Geld und Waffen und seit 1932 die Politik des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß unterstĂŒtzte[265] – unvereinbares großdeutsches Programm, worauf Mussolinis Zeitschrift Gerarchia im September 1930 warnend hinwies.[263]

Persönlich bereitete Mussolini außerdem der aggressive Antisemitismus und völkische Rassismus der Nationalsozialisten Probleme – auch wenn diese Frage zu keinem Zeitpunkt im Vordergrund seiner Überlegungen stand.[266] Im GesprĂ€ch mit dem Heimwehr-FĂŒhrer Starhemberg bekannte er, kein „besonderer Freund der Juden“ zu sein, der nationalsozialistische Antisemitismus aber sei „einer europĂ€ischen Nation unwĂŒrdig“.[267] Mussolini teilte die den italienischen Eliten gelĂ€ufigen Abwertungen von NichteuropĂ€ern und Slawen („Demokratie fĂŒr Slawen ist wie Alkohol fĂŒr Schwarze.“[268]), lehnte den biologisch begrĂŒndeten Rassismus aber zumindest bis 1934 auch öffentlich scharf ab.[269] Die Blut-und-Boden-Ideologie und das Konzept einer Nation als „Abstammungsgemeinschaft“, das in den Ideologien der deutschen Rechten seit dem Ersten Weltkrieg Gemeingut war, blieben Mussolini zeitlebens fremd.[270] Sein Rassismus war „voluntaristisch“ – Italiener war fĂŒr Mussolini, wen er einer bestimmten Spielart sozialer, kultureller und politischer Zivilisation zurechnen konnte. Hingegen war er davon ĂŒberzeugt, dass Teile des italienischen Volkes (noch) nicht Teil der „Nation“ seien: Florentiner seien Unruhestifter, Neapolitaner nutz- und disziplinlos usw. Dagegen hĂ€tten sich die italienischen Juden als BĂŒrger und Soldaten bewĂ€hrt.[271] Gleichwohl tolerierte Mussolini eine antisemitische Strömung des Faschismus, die sich um die Zeitschrift La Vita Italiana und deren Herausgeber Giovanni Preziosi gesammelt hatte. Im FrĂŒhjahr 1933 forderte er die Faschisten im Popolo d’Italia auf, den Judenboykott der Nationalsozialisten im Kontext zu betrachten und darĂŒber nicht zu „moralisieren“.[266]

Hitler hat Mussolini noch am 30. Januar 1933 ein Telegramm gesandt, in dem er einmal mehr seine persönliche WertschĂ€tzung fĂŒr den Duce kundtat.[272] Mussolini seinerseits versuchte bis 1934, gegenĂŒber Hitler eine gönnerhafte, Patronage simulierende Haltung einzunehmen. So riet er ihm im FrĂŒhjahr 1933 schriftlich, vom Antisemitismus (dieser habe „immer ein wenig vom Aroma des Mittelalters“[273]) abzulassen.[266] Auch das erste Zusammentreffen der beiden Diktatoren am 14./15. Juni 1934 inszenierte Mussolini mit diesem Vorsatz. Hitler hatte um eine informelle Zusammenkunft gebeten und war als „Privatmann“ wie ein „Klempner im Regenmantel“[274] (Mussolini) nach Venedig gereist, wurde von Mussolini aber mit einem großen Presseaufgebot und einem letztlich fehlgeplanten pompösen Empfang ĂŒberrascht, der erfolglos Eindruck zu machen suchte.[275] Beide unterhielten sich mehrmals allein auf Deutsch, was Mussolini mit Sicherheit ĂŒberforderte. Hitler irritierte Mussolini bereits bei diesem ersten Treffen mit endlosen Monologen; gleichwohl war Mussolini offenbar davon ĂŒberzeugt, Hitler die Hoffnung auf einen „Anschluss“ Österreichs ausgeredet zu haben, wĂ€hrend Hitler Italien mit dem Eindruck verließ, Mussolini habe keine EinwĂ€nde gegen eine von der NSDAP gefĂŒhrte österreichische Regierung.[276]

Diplomatisch suchte Mussolini den deutschen Revisionismus zunĂ€chst mit einem ViermĂ€chtepakt, den er bereits im Oktober 1932 vorgeschlagen hatte, unter Kontrolle zu bringen. Vertreter Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens und Italiens unterzeichneten ihn im Juli 1933 in Rom. Der Vertrag wurde jedoch durch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund am 14. Oktober 1933 im Zusammenhang mit dem Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 gegenstandslos und somit nie ratifiziert. Parallel versuchte Mussolini, die italienische Position durch eine Reihe von diplomatischen Manövern zu festigen, die sich im Kern alle gegen Deutschland richteten; in diese Reihe gehören der Freundschafts- und Nichtangriffsvertrag mit der Sowjetunion (2. September 1933) und die Abkommen mit Ungarn und Österreich im MĂ€rz 1934 (vgl. Römische Protokolle). Hastig entworfene PlĂ€ne fĂŒr ein von Italien kontrolliertes Paktsystem in SĂŒdosteuropa, das neben Ungarn auch Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland und die TĂŒrkei einbinden sollte, scheiterten an französischem Widerstand, den denkbar schlechten italienisch-jugoslawischen und italienisch-griechischen Beziehungen sowie an der Weigerung Ungarns, seine antijugoslawische Haltung zu mĂ€ĂŸigen.

Kolonialpolitik

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→ Hauptartikel: Zweiter Italienisch-Libyscher Krieg
Wappen Italienisch-Libyens (1940–1943) nach der Annexion 1939

WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges hatte sich der Zugriff Italiens auf seine kolonialen Besitzungen stark gelockert. In Tripolitanien und der Cyrenaika (beide Gebiete wurden erst 1934 als Italienisch-Libyen administrativ vereinigt) kontrollierte es 1919 nur noch die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte an der KĂŒste. Als Mussolini MinisterprĂ€sident wurde, hatte die Kolonialadministration bereits mit der sogenannten riconquista des Hinterlandes begonnen. Die Planung hierfĂŒr war maßgeblich von Giuseppe Volpi (1921 bis 1925 Gouverneur von Tripolitanien) und Giovanni Amendola (zwischen Februar und Oktober 1922 Kolonialminister und einige Jahre spĂ€ter „MĂ€rtyrer“ des liberalen Antifaschismus) vorangetrieben worden.[277] WĂ€hrend die „Pazifizierung“ Tripolitaniens unter der militĂ€rischen Leitung Rodolfo Grazianis relativ rasch abgeschlossen wurde, zog sie sich in der Cyrenaika bis 1932/33 hin. Hier fiel ein Drittel der Bevölkerung einer Politik zum Opfer, der der italienische Historiker Angelo Del Boca „Wesen und Ausmaß eines echten Genozids“[278] bescheinigt hat. Um den fruchtbaren Boden fĂŒr eine landwirtschaftliche Nutzung durch italienische Siedler zu sichern und eine Reserve gĂŒnstiger und stĂ€ndig verfĂŒgbarer ArbeitskrĂ€fte zu schaffen, zerstörte die italienische Armee (die sich dabei weitgehend auf ostafrikanische Söldner stĂŒtzte) seit 1930 systematisch die Gesellschaft der halbnomadisch lebenden ViehzĂŒchter des Gebel el-Achdar.[279] Der Viehbestand wurde fast völlig vernichtet, etwa 100.000 Menschen wurden in Konzentrationslagern an der KĂŒste festgehalten, wo die HĂ€lfte bis zur Auflösung der Lager im Jahr 1933 – meist durch Verhungern – zu Tode kam.[280] Bei Luftangriffen kamen immer wieder chemische Waffen zum Einsatz, obwohl Italien im Juni 1925 zu den Signatarstaaten des Genfer Protokolls gehört hatte.

Mussolini spielte in diesem Zusammenhang eine eher zweideutige Rolle. Er war jederzeit bereit, brutalste Maßnahmen zu autorisieren oder im Nachhinein zu billigen, ergriff jedoch zu keinem Zeitpunkt die Initiative, die eindeutig bei Badoglio (seit 1929 in Personalunion Gouverneur Tripolitaniens und der Cyrenaika), Graziani und anderen lag.[280] Die großflĂ€chigen, entschĂ€digungslosen Landenteignungen, das rigorose Steuersystem und die soziale und rĂ€umliche Trennung der europĂ€ischen, jĂŒdischen und arabischen Einwohner hat maßgeblich Volpi konzipiert.[281] Mussolini ließ Kritiker der „Pazifizierung“ wie De Bono (der von 1929 bis 1935 das Kolonialministerium leitete) und Roberto Cantalupo, die beide auf ein gegen Großbritannien und Frankreich gerichtetes BĂŒndnis mit dem arabischen Nationalismus setzten, gewĂ€hren. Deren Position scheint auch seinen Intentionen entsprochen zu haben. Als Mussolini im April 1926 zum ersten Mal die nordafrikanische Kolonie besuchte, inszenierte er sich als „Verteidiger des Islam“. 1929 wies er Badoglio an, einen (kurzlebigen) Waffenstillstand mit dem RebellenfĂŒhrer Umar al-Muchtar auszuhandeln.[282] In der Pose eines wohlwollenden BeschĂŒtzers gefiel er sich auch bei seinem zweiten Besuch im MĂ€rz 1937, als er sich von einheimischen WĂŒrdentrĂ€gern in Tripolis das „Schwert des Islam“ ĂŒberreichen ließ.[283] Obwohl das „Imperium“ im Laufe der 30er Jahre zu einem zentralen Element der faschistischen Propaganda wurde, scheint Mussolini keine klare Vorstellung davon gehabt zu haben, welcher politische, militĂ€rische oder ökonomische Nutzen aus den Kolonien gezogen werden könne. Die neuere Forschung hat darauf hingewiesen, dass die Eroberung Äthiopiens erfolgte, ohne dass Mussolini „auch nur die blasseste Ahnung hatte, was mit diesem großen Zuwachs an Territorium und Menschen anzufangen war.“[284] Nachdem er im Dezember 1937 Graziani abgelöst und den Herzog von Aosta zum Vizekönig von Äthiopien ernannt hatte, ĂŒberließ er die dortige, von Korruption und CliquenkĂ€mpfen zerrĂŒttete Kolonialverwaltung sich selbst.[285] Auch Libyen war wirtschaftlich ein VerlustgeschĂ€ft (die großen Ölvorkommen wurden trotz der klaren Hinweise auf ihr Vorhandensein von der Kolonialadministration bis zuletzt „hartnĂ€ckig“[286] ignoriert); es wurde erst in der zweiten HĂ€lfte der 30er Jahre Aufnahmeort einer nennenswerten Zahl italienischer Auswanderer – nach faschistischer Lesart eine der wichtigsten Funktionen der Kolonien.

Die Details der „Pazifizierung“ in Libyen (und nach 1936 in Äthiopien) blieben in Italien lange Zeit unbekannt. Erst in den letzten Jahrzehnten sind sie durch die Arbeiten der Historiker Giorgio Rochat[287] und Angelo Del Boca stĂ€rker in den Blickpunkt gerĂŒckt. Die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit ist vor allem deshalb konflikttrĂ€chtig, weil sie eher Teil einer „nationalen“ als einer „faschistischen“ Kolonialgeschichte ist. Schon 1914/15 waren etwa 10.000 Libyer bei der Niederschlagung eines Aufstands ums Leben gekommen. Die Kolonialmacht ging bald nach ihrer Ankunft gegen die ViehzĂŒchter der Cyrenaika systematisch vor. Nationalistische Intellektuelle hatten bereits vor dem Ersten Weltkrieg offen ĂŒber die „Vorteile“ einer VerdrĂ€ngung oder Vernichtung der einheimischen Bevölkerung nachgedacht.[288] Den Einsatz chemischer Waffen in den Kolonien rĂ€umte das italienische Verteidigungsministerium erst Mitte der 90er Jahre offiziell ein.

Kriegs- und Expansionskurs (1935–1939)

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Der Igel, Folge 9, 1. Jg. November 1935

BegrĂŒndung des „Impero“

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Auf den Besuch Hitlers in Venedig folgte zunĂ€chst eine dramatische Verschlechterung der deutsch-italienischen Beziehungen. Beim Juliputsch vom 25. Juli 1934, einem Putschversuch österreichischer Nationalsozialisten, wurde der von Mussolini protegierte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß getötet. Dessen Familie verbrachte gerade den Urlaub zusammen mit den Mussolinis in Riccione, so dass Mussolini persönlich Dollfuß’ Ehefrau die Nachricht vom Tod ihres Mannes ĂŒberbrachte. Am 21. August traf sich Mussolini mit Dollfuß’ Nachfolger Kurt Schuschnigg.[289] Er ließ am Brennerpass vier voll mobilisierte Divisionen aufmarschieren und initiierte eine antideutsche Pressekampagne, die bis 1935 andauerte.

Mussolini richtete nun auch öffentlich heftige Angriffe gegen die NS-Ideologie.[290] Am 6. September 1934 nahm er in Bari Stellung zur expansiven NS-Außenpolitik und erklĂ€rte, dass die nationalsozialistische Rassedoktrin von jenseits der Alpen von Nachkommen eines Volkes stamme, das „zur Zeit, als Rom CĂ€sar, Vergil und Augustus hatte, noch keine Schrift kannte.“ Gleichzeitig setzte er in den von ihm beanspruchten Einflusszonen gerade in dieser Phase auf Mittel gewaltsamer Destabilisierung. Am 9. Oktober 1934 ermordete der in einem Lager der Ustascha in Italien ausgebildete SelbstmordattentĂ€ter Wlado Tschernosemski den jugoslawischen König Alexander I. und den französischen Außenminister Louis Barthou in Marseille. Die danach von Frankreich geforderte Auslieferung Pavelićs und anderer kroatischer Faschisten lehnte Mussolini ab. Im gleichen Jahr konferierte er mit spanischen Offizieren und Monarchisten und versprach ihnen Waffen und Geld, nachdem er bereits den gescheiterten Putsch des Generals JosĂ© Sanjurjo im August 1932 auf Ă€hnliche Weise unterstĂŒtzt hatte.[291]

Die „Anschluss-Krise“ des Jahres 1934 fĂŒhrte zunĂ€chst zu einer weiteren AnnĂ€herung zwischen Italien, Frankreich und Großbritannien. Im Oktober 1934 reiste Robert Vansittart, der höchste Beamte des britischen Außenministeriums, nach Rom und sicherte Mussolini die RĂŒckendeckung Großbritanniens in der Österreich-Frage zu.[292] Im Januar 1935 unterzeichneten Mussolini und der neue französische Außenminister Pierre Laval eine Reihe von Vereinbarungen (sog. Laval-Mussolini-Pakt), die Konsultationen bei allen Österreich und Deutschland berĂŒhrenden Fragen sowie die Aufnahme von Generalstabsbesprechungen vorsahen. Frankreich trat außerdem 110.000 Quadratkilometer von Französisch-Äquatorialafrika und 20.000 Quadratkilometer von Französisch-Somaliland an Italien ab, das im Gegenzug auf seit dem 19. Jahrhundert erhobene AnsprĂŒche in Tunesien verzichtete. Außerdem erklĂ€rte Laval – allerdings lediglich inoffiziell –, dass Frankreich, das die Eisenbahnstrecke Dschibuti-Addis Abeba kontrollierte, von allen weitergehenden AnsprĂŒchen in Äthiopien zurĂŒcktrete (dĂ©sistement).

Am 30. Dezember 1934 hatte Mussolini den italienischen Generalstab angewiesen, einen Krieg gegen Äthiopien vorzubereiten; den Anlass dafĂŒr bot ein schwerer Grenzzwischenfall, bei dem am 5. Dezember zwei Italiener (und etwa 100 Äthiopier) getötet worden waren. Mussolini sah in Äthiopien, das 1896 einen italienischen Angriff abgewehrt hatte und seit 1923 Mitglied des Völkerbundes war, den „Preis“, den Italien fĂŒr seine „konstruktive“ Politik in Europa fordern könne. Als er im April 1935 mit Laval, Flandin, Simon und MacDonald in Stresa zusammentraf und eine Deklaration unterzeichnete, in der die drei MĂ€chte ihre Entschlossenheit betonten, die durch die FriedensvertrĂ€ge geschaffenen Grenzen in Mitteleuropa zu verteidigen (vgl. Stresa-Deklaration), bemĂŒhte er sich, die britische Haltung in dieser Frage zu eruieren. Die Indifferenz der Briten deutete er als EinverstĂ€ndnis.[293] Mussolinis Denkweise und Taktik war dabei im Ansatz alles andere als innovativ oder genuin „faschistisch“, sondern folgte einem seit dem 19. Jahrhundert etablierten Muster der italienischen Außenpolitik. Zuletzt hatte 25 Jahre frĂŒher der liberale MinisterprĂ€sident Giovanni Giolitti die durch die Spannungen zwischen den stĂ€rkeren europĂ€ischen MĂ€chten geschaffene gĂŒnstige Situation genutzt, um den Krieg gegen die TĂŒrkei zu fĂŒhren. Bei nĂ€herer Betrachtung „hat der italienische Krieg von 1935/36 ziemlich viel mit dem italienischen Krieg von 1911/12 gemeinsam.“[294]

Stresa stellte die Weichen fĂŒr eine „diplomatische Katastrophe“,[295] da Mussolini den Einfluss der politischen KrĂ€fte in Großbritannien, die zu einer langfristigen VerstĂ€ndigung mit Deutschland kommen wollten und weder interessiert noch bereit waren, Italien fĂŒr die Verteidigung der UnabhĂ€ngigkeit Österreichs kolonial derart weitgehend zu „entschĂ€digen“, völlig unterschĂ€tzte. Nicht in Rechnung gestellt hatte Mussolini auch die Gruppe um Anthony Eden, die in Europa weiterhin auf die Mechanismen des Völkerbundes setzte und 1935 die öffentliche Meinung in Großbritannien auf ihrer Seite hatte. Politiker wie Churchill, Vansittart und Austen Chamberlain († 1937), die durchaus bereit waren, Italien in Ostafrika freie Hand zu lassen, hatten ihren Einfluss 1935 ganz oder teilweise verloren. Das wurde mit dem deutsch-britischen Flottenabkommen, das die Stresa-Deklaration bereits nach zwei Monaten faktisch entwertete, offensichtlich (Juni 1935). Dass die Briten kurz darauf einen Teil der Home Fleet ins Mittelmeer verlegten, war fĂŒr Mussolini ein Schock.[296] FĂŒr sein „realistisches“ WeltverstĂ€ndnis nicht nachvollziehbar waren die plötzlichen „antikolonialen Predigten von Leuten, die selbst halb Afrika kontrollierten und es ganz gewiss nicht friedlich erworben hatten.“[297] Er ließ trotz der Bedenken seiner MilitĂ€rs den begonnenen Aufmarsch in Eritrea und Italienisch-Somaliland fortsetzen und wies die ĂŒber unterschiedliche KanĂ€le lancierten VermittlungsvorschlĂ€ge zurĂŒck. Eine spannungsreiche Unterredung mit Eden im Juni endete ergebnislos. Mussolini, der die Abtretung aller Ă€thiopischen Territorien außerhalb des amharischen Kernlandes und ein italienisches Protektorat ĂŒber den verbleibenden Rest gefordert hatte, brach das Treffen wĂŒtend ab, als Eden ihm „eine weitere WĂŒste“, den Ogaden, anbot.[298]

Am 3. Oktober 1935 ĂŒberschritten italienische Truppen von Eritrea aus die Grenze zu Äthiopien (vgl. Italienisch-Äthiopischer Krieg). Sechs Tage spĂ€ter erklĂ€rte der Völkerbund (gegen die Stimme Italiens und bei Stimmenthaltung Österreichs, Ungarns und Albaniens) Italien formell zum Aggressor; Mitte November traten Wirtschaftssanktionen in Kraft. Neben EinschrĂ€nkungen im Finanzbereich sperrte der Völkerbund zahlreiche GĂŒter fĂŒr den Handel mit Italien. Das von allen Beobachtern als potenziell einschneidend angesehene Ölembargo unterblieb jedoch. Ein britisch-französischer Vermittlungsvorschlag (vgl. Hoare-Laval-Pakt), der Italien sehr weit entgegenkam und von Mussolini wahrscheinlich akzeptiert worden wĂ€re,[299] sickerte frĂŒhzeitig an die Presse durch und wurde im Dezember 1935 im britischen Unterhaus abgelehnt. Mussolini, der den unfĂ€higen De Bono nach ersten RĂŒckschlĂ€gen im November durch Badoglio ersetzt hatte, ordnete nun einen Vorstoß auf Addis Abeba und die Verlegung weiterer KrĂ€fte und Mittel nach Ostafrika an. Als am 20. Januar 1936 die Offensive begann, waren zwischen 350.000 und 400.000 Mann mit 30.000 Fahrzeugen und 250 Flugzeugen aufmarschiert – die grĂ¶ĂŸte je in einem Kolonialkrieg versammelte Armee. Die italienische Armee setzte auf Initiative Badoglios – und von Mussolini autorisiert[300] – nun auch Giftgas ein. Flugzeuge warfen bis zum Ende des Krieges etwa 250 Tonnen Bomben mit Senfgas ab.[301] Am 5. Mai 1936 rĂŒckten italienische Truppen in Addis Abeba ein.

Mussolini verkĂŒndete am 9. Mai 1936 in Rom vor einer begeisterten Menschenmenge die Annexion Äthiopiens und „die RĂŒckkehr des Imperiums auf die heiligen HĂŒgel von Rom.“[302] Viktor Emanuel III. nahm den Titel eines Kaisers von Äthiopien an. Auch wenn Renzo De Felices affirmative Kennzeichnung des Äthiopienkrieges als „politisches MeisterstĂŒck“[303] (capolavoro politico) Mussolinis und die damit zusammenhĂ€ngende These eines „Konsenses“ zwischen dem „italienischen Volk“ und dem Regime[304] höchst umstritten ist, so wird doch kaum bezweifelt, dass das Regime in den Jahren 1935 und 1936 den Höhepunkt innerer StabilitĂ€t erreichte; der aktive und bewusste Antifaschismus in Italien war in dieser Phase auf einige wenige isolierte Zirkel beschrĂ€nkt. Im Juli 1936 hob der Völkerbund die Wirtschaftssanktionen wieder auf. Im westlichen Ausland kehrte der Krieg das Bild des italienischen Faschismus allerdings vollstĂ€ndig um. Er beendete die „Liebesbeziehung zwischen den auslĂ€ndischen Journalisten und Mussolini“[305] und verschaffte dem italienischen Diktator insbesondere in der ihm bis zu diesem Zeitpunkt eher wohlgesinnten konservativen britischen Presse ein langzeitig wirksames Image als „Gangster“ und „unrasierter Rowdy“.[306]

BĂŒndnis mit Deutschland

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Von der „Achse“ zum „Anschluss“
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Benito Mussolini und Galeazzo Ciano, MĂ€rz 1938
Anordnung von zusĂ€tzlichen Feiertagen anlĂ€sslich des Mussolini-Besuches fĂŒr Berlin und MĂŒnchen per Gesetz vom 23. September 1937

Die ersten Schritte zur Verbesserung der deutsch-italienischen Beziehungen unternahm Mussolini noch vor dem Beginn des Äthiopienkrieges. Einige Monate spĂ€ter, am 6. Januar 1936, nach dem Scheitern des Hoare-Laval-Pakts und dem Zusammenbruch der „Stresa-Front“, teilte Mussolini dem ĂŒberraschten deutschen Botschafter Ulrich von Hassell mit, dass Italien nichts gegen eine Ausweitung des deutschen Einflusses in Österreich unternehmen werde, solange das Land formell unabhĂ€ngig bleibe (vgl. Juliabkommen). Im Februar deutete er – ebenfalls gegenĂŒber von Hassell – an, dass Italien eine Remilitarisierung des Rheinlandes tolerieren werde und trat damit informell von den 1925 in Locarno eingegangenen Verpflichtungen zurĂŒck.[307] Im Juni 1936 entließ Mussolini den „germanophoben“[308] Triestiner Fulvio Suvich, der bis dahin als StaatssekretĂ€r das Außenministerium gefĂŒhrt hatte. Außenminister wurde Mussolinis 33-jĂ€hriger Schwiegersohn Galeazzo Ciano, der zu diesem Zeitpunkt einer der enthusiastischen BefĂŒrworter der AnnĂ€herung an Deutschland war.

Der BĂŒrgerkrieg in Spanien beschleunigte die weitere Vertiefung der Beziehungen. Hitler und Mussolini hatten zunĂ€chst unabhĂ€ngig voneinander entschieden, in Spanien zugunsten der Putschisten zu intervenieren (vgl. Corpo Truppe Volontarie) – Mussolini allerdings erst nach lĂ€ngerem Zögern am 27. Juli 1936, nachdem klar geworden war, dass die konservative Regierung Großbritanniens die Republik nicht unterstĂŒtzte und die französische Volksfront-Regierung unter LĂ©on Blum ihre anfĂ€ngliche UnterstĂŒtzung nach Absprache mit Großbritannien rĂŒckgĂ€ngig gemacht hatte.[309] Ciano reiste im Oktober 1936 nach Berchtesgaden und unterzeichnete nach GesprĂ€chen mit Hitler am 25. Oktober ein Abkommen. Deutschland erkannte die italienische Annexion Äthiopiens an und erklĂ€rte sich mit einer Abgrenzung der wirtschaftlichen EinflusssphĂ€ren in SĂŒdosteuropa einverstanden. Beide LĂ€nder vereinbarten eine Abstimmung ihrer Hilfsmaßnahmen fĂŒr Franco und ein gemeinsames Vorgehen im sogenannten Nichteinmischungskomitee. MĂŒndlich erklĂ€rte Hitler das Mittelmeer zu einem „italienischen Meer“ und beanspruchte im Gegenzug Handlungsfreiheit im Ostseeraum und in Osteuropa.[310] Mussolini machte den damit erreichten Stand der deutsch-italienischen Beziehungen am 1. November 1936 in einer Rede auf der Piazza del Duomo in Mailand öffentlich. Darin sprach er erstmals von einer politischen „Achse Rom-Berlin“.

Die Einladung Hitlers zu einem Besuch in Deutschland, die Hans Frank Mussolini bereits im September 1936 ĂŒberreicht hatte, nahm er zwar an, zögerte aber mit der Festlegung auf einen Termin. Auch dem Antikominternpakt trat Italien zunĂ€chst nicht bei. Ein britisch-italienisches Gentlemen’s Agreement, mit dem beide LĂ€nder im Januar 1937 den territorialen Status quo im Mittelmeerraum anerkannten, deutete an, dass Mussolini weiterhin auf einen Ausgleich mit den Briten spekulierte – es wurde jedoch „bald vergessen“,[311] da sich die Beziehungen zwischen beiden MĂ€chten kontinuierlich verschlechterten. Ende August 1937 griff ein italienisches U-Boot vor der spanischen KĂŒste den britischen Zerstörer Havock an. Den Briten blieb auch nicht verborgen, dass Italien 1936/37 begann, antikoloniale Nationalisten in verschiedenen Teilen des britischen Herrschaftsbereiches finanziell, politisch und materiell zu fördern, darunter in Malta, Ägypten, PalĂ€stina und im Irak.[312]

Im Juni 1937 sagte Mussolini schließlich zu, im September Deutschland zu besuchen. Der Deutschlandbesuch (25.–29. September 1937[313]) war Mussolinis erste Auslandsreise seit 1925 und der einzige offizielle Staatsbesuch, den er je unternommen hat. Mussolini besuchte MĂŒnchen, Garnisonkirche und Schloss Sanssouci in Potsdam, die Krupp-Werke in Essen und ein Manöver der Wehrmacht in Mecklenburg. Höhepunkt war eine Rede vor (angeblich) 800.000 Menschen auf dem Berliner Maifeld am 28. September.[314] Mussolini war von dem, was er in Deutschland sah, außerordentlich stark beeindruckt. Im November 1937 trat Italien dem Antikominternpakt bei und kurz darauf aus dem Völkerbund aus. Im GesprĂ€ch mit Joachim von Ribbentrop bezeichnete Mussolini den „Anschluss Österreichs“ an das Reich nun als unvermeidlich.[315] Als dieser im MĂ€rz 1938 erfolgte, reagierte Italien nicht.

MĂŒnchner Abkommen und „Stahlpakt“
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Mussolini und Hitler in MĂŒnchen, September 1938

Mussolini rechnete nun mit einer unmittelbar bevorstehenden Konfrontation zwischen Deutschland und der mit Frankreich und der Sowjetunion verbĂŒndeten Tschechoslowakei. Das von Hitler bei seinem Gegenbesuch in Rom im Mai 1938 ins GesprĂ€ch gebrachte MilitĂ€rbĂŒndnis lehnte er deshalb ab,[316] zumal Großbritannien die italienische Annexion Äthiopiens am 16. April 1938 formell anerkannt hatte.[317] WĂ€hrend der Sudetenkrise blieb Mussolini bis zuletzt im Hintergrund, spielte dann aber unvermittelt eine wichtige Rolle. Am 28. September 1938 trug der britische Premierminister Neville Chamberlain seinen Vorschlag einer Konferenz der vier europĂ€ischen GroßmĂ€chte ĂŒber Mussolini an Hitler heran. Als dieser eingewilligt hatte, telefonierte der italienische Botschafter die ihm von Göring ĂŒbermittelten deutschen Forderungen von Berlin nach Rom durch. Mussolini nahm dieses Papier anschließend mit nach MĂŒnchen und prĂ€sentierte es dort als italienischen „Kompromissvorschlag“, der von der Konferenz in den frĂŒhen Morgenstunden des 30. September schließlich angenommen wurde (vgl. MĂŒnchner Abkommen).[318] Da die italienische Presse Mussolinis dem Anschein nach „entscheidende“ Rolle in MĂŒnchen gebĂŒhrend herausstellte, wurde er bei seiner RĂŒckkehr an nahezu jeder Bahnstation von tausenden Menschen als „Retter Europas“ gefeiert.[319]

Nach MĂŒnchen war Mussolini mehr denn je entschlossen, die durch Deutschland ausgelöste europĂ€ische Krise zugunsten Italiens auszunutzen. Jetzt ließ er auch die italienischen Maximalforderungen öffentlich machen. Als Ciano am 30. November 1938 vor der Abgeordnetenkammer in Anwesenheit des französischen Botschafters ĂŒber die „natĂŒrlichen AnsprĂŒche des italienischen Volkes“ sprach, sprangen auf ein Stichwort hin plötzlich zahlreiche Abgeordnete auf und riefen „Nizza! Korsika! Savoyen! Tunesien! Djibouti! Malta!“.[320] Vor dem Großrat dehnte Mussolini diesen Katalog an diesem Tag noch auf Albanien und einen Teil der Schweiz aus. Vor dem gleichen Gremium nannte er Italien am 4. Februar 1939 einen „Gefangenen des Mittelmeers“:

„Die Riegel dieses GefĂ€ngnisses sind Korsika, Tunesien, Malta und Zypern. Die WĂ€chter des GefĂ€ngnisses sind Gibraltar und Suez. Korsika ist eine auf das Herz Italiens, Tunesien eine auf Sizilien gerichtete Pistole, wĂ€hrend Malta und Zypern eine Gefahr fĂŒr alle unsere Positionen im östlichen und westlichen Mittelmeer darstellen.“[321]

Ein derart umfangreiches Programm ließ sich entweder nur durch Krieg oder durch massiven diplomatischen Druck – und in beiden FĂ€llen nicht ohne das Gewicht Deutschlands – verwirklichen. Mussolini nahm nun, angeregt zum Teil von der italienischen MilitĂ€rfĂŒhrung,[322] Kurs auf das im Vorjahr noch abgelehnte MilitĂ€rbĂŒndnis, obwohl die Besetzung Böhmens und MĂ€hrens durch Deutschland im MĂ€rz zu erheblichen Irritationen in Rom fĂŒhrte. In der Sitzung des Großrates vom 21. MĂ€rz 1939, bei der insbesondere Balbo die italienische Außenpolitik angriff, stellte Mussolini Italien ganz offen als Juniorpartner Deutschlands hin: Deutschland sei Italien demographisch im VerhĂ€ltnis 2:1 und industriell im VerhĂ€ltnis 12:1 ĂŒberlegen. Die Gefahr, gegen den eigenen Willen von dem offenbar unberechenbaren Hitler in einen europĂ€ischen Krieg verwickelt zu werden, spielte er im GesprĂ€ch mit Ciano herunter.[322] Albanien, schon lĂ€nger unter starkem italienischen Einfluss, wurde am 7. April 1939 von italienischen Truppen besetzt.

Anfang Mai 1939 stimmte Mussolini nach einem neuerlichen Besuch Ribbentrops schließlich dem deutsch-italienischen MilitĂ€rbĂŒndnis zu. Ciano und Ribbentrop unterzeichneten diesen sogenannten „Stahlpakt“ (Patto d’Acciaio, eine Wortschöpfung Mussolinis) am 22. Mai 1939 in Anwesenheit Hitlers in Berlin. Italien erhielt in der PrĂ€ambel endlich die lange angestrebte, bislang aber von Hitler nur mĂŒndlich ausgesprochene verbindliche Anerkennung der deutsch-italienischen Grenze. Im Kern war der Vertrag ein militĂ€risches OffensivbĂŒndnis; er sah eine fast automatische, nur durch eine vage Bestimmung ĂŒber rechtzeitige „Konsultationen“ eingeschrĂ€nkte Beistandsverpflichtung bei allen militĂ€rischen Auseinandersetzungen – also auch eindeutigen Angriffskriegen – vor, in die eine der Parteien verwickelt werden wĂŒrde. Die von Ciano auf Mussolinis Wunsch in den Vorverhandlungen angesprochene erforderliche Friedensphase von drei Jahren wurde von Ribbentrop zwar mĂŒndlich zugesagt, tauchte in dem von deutschen Diplomaten verfassten Vertragstext aber nicht auf. Ob die italienische Seite sich ĂŒber die Konsequenzen des Vertrages klar war oder aber eine „atemberaubende UnfĂ€higkeit“[323] Cianos den Deutschen in die Karten spielte, ist umstritten. Mussolini unterstrich den Vorbehalt noch einmal in einem Memorandum, das er Hitler am 30. Mai durch Ugo Cavallero ĂŒberbringen ließ.[324]

Ausbau des totalitÀren Staates

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Ab etwa 1936 durchlief das Regime eine selbst proklamierte neue Phase der faschistischen „Revolution“. Die Debatte darĂŒber, ob es sich bei dieser Entwicklung um eine genuine Radikalisierung und die sukzessive Entstehung eines totalitĂ€ren Parteistaates handelte – eine These, die stilbildend vor allem der De Felice-SchĂŒler Emilio Gentile vertritt[325] – oder es aber beim Versuch Mussolinis blieb, es „so aussehen zu lassen, als durchlaufe der Faschismus eine neue und ultraradikale Phase“,[326] ist nicht beendet.

In der Ära des ParteisekretĂ€rs Achille Starace (1931–1939) Ă€nderte sich der politische Stil der faschistischen Partei signifikant. Nach den von Turati und Giuriati betriebenen MassenausschlĂŒssen der „Radikalen“ und dem parallelen Zustrom konservativer Funktionseliten öffnete sich die Partei nach 1932 fĂŒr die Massen. 1939 soll die HĂ€lfte der italienischen Bevölkerung entweder der Partei oder (hĂ€ufiger) einer ihrer zahlreichen Vorfeld-, Neben- und Hilfsorganisationen angehört haben. Diese Entwicklung wurde diskret gefördert, etwa dadurch, dass die Mitgliedschaft im PNF bei Bewerbungen auf Stellen im öffentlichen Dienst spĂ€testens seit 1937 als selbstverstĂ€ndlich vorausgesetzt wurde. 1939 wurde die Mitgliedschaft in der faschistischen Jugendorganisation fĂŒr heranwachsende Italiener obligatorisch. Durch regelmĂ€ĂŸige AufmĂ€rsche und Veranstaltungen aller Art, fĂŒr die der 1935/36 eingefĂŒhrte „faschistische Samstag“ (sabato fascista) reserviert war, besetzte die Partei nun viel stĂ€rker den öffentlichen Raum als vorher. Eine Reihe von Kampagnen zielte darauf ab, das gesellschaftliche Leben zu militarisieren und die Italiener hĂ€rter zu machen. Bekannt geworden ist vor allem die Kampagne gegen die „bĂŒrgerliche“ Höflichkeitsform Lei, die im persönlichen Umgang durch das „volkstĂŒmliche“ voi ersetzt werden sollte. Eine Kampagne gegen Anglizismen setzte fĂŒr den inzwischen zum Nationalsport gewordenen Fußball – den die Faschisten und insbesondere Mussolini bis in die erste HĂ€lfte der 30er Jahre weitgehend ignoriert und zum Teil sogar mit dem eigens erfundenen konkurrierenden Sport Volata bekĂ€mpft hatten – endgĂŒltig die Bezeichnung calcio durch, wodurch nebenbei impliziert wurde, das Spiel sei im Florenz des 16. Jahrhunderts erfunden worden. Politisch koordiniert wurden diese Maßnahmen meist ĂŒber die Partei und Starace (seit 1937 hatte der ParteisekretĂ€r Ministerrang), technisch abgewickelt aber zunehmend ĂŒber den Apparat des 1937 geschaffenen Ministeriums fĂŒr Volkskultur (Ministero della Cultura Popolare). Mussolini trieb diese Entwicklung einer „faschistischen Kultur“ mit einer Vielzahl von Reden voran, in denen er den totalitĂ€ren und revolutionĂ€ren Charakter einer „dritten Welle“ des Faschismus herausstellte.[327]

Formale VerĂ€nderungen in der Struktur der StaatsfĂŒhrung liefen parallel. Mitunter wird der Titel „Erster Marschall des Imperiums“ (Primo maresciallo dell’Impero), den Mussolini sich im April 1938 ĂŒbertragen ließ, als Versuch gedeutet, die Stellung des Monarchen zu relativieren. Im Dezember 1938 wurde die aus den Scheinwahlen des Jahres 1934 hervorgegangene Abgeordnetenkammer aufgelöst und im MĂ€rz 1939 ganz abgeschafft. Als Ersatz wurde eine „Kammer der Fasci und der Korporationen“ (Camera dei Fasci e delle Corporazioni) ernannt. Der Senat, das traditionelle Forum der konservativen Eliten, wurde jedoch nicht angetastet – nach Mussolini war „der Senat römisch, die Kammer aber angelsĂ€chsisch“.[328]

Mussolini reagierte zunehmend â€žĂŒberempfindlich“[329] auf alle Äußerungen antifaschistischer Dissidenz. Als nach der DemĂŒtigung in der Schlacht bei Guadalajara im FrĂŒhjahr 1937 die unter italienischen Freiwilligen der Internationalen Brigaden aufgekommene Losung „Heute in Spanien und morgen in Italien!“ an HĂ€usern in Italien auftauchte, forderte er Franco auf, gefangene „rote“ Italiener erschießen zu lassen. Hinter der Ermordung der Rosselli-BrĂŒder durch französische Faschisten (9. Juni 1937) standen nachweislich Ciano und der italienische Geheimdienst, das EinverstĂ€ndnis Mussolinis gilt als sicher.[330]

Das „Flaggschiff“[331] der neuen RadikalitĂ€t war die im Sommer 1938 eingeleitete rassistische Wende des Faschismus. Am 14. Juli 1938 – als symbolischer Schlag gegen die Ideale der AufklĂ€rung offenbar bewusst am Jahrestag des Sturmes auf die Bastille[332] – erschien in Il Giornale d’Italia ein „Manifest der Rasse“, das Mussolini von zehn namentlich genannten rassistischen Wissenschaftlern verfassen ließ. Der Text proklamierte in Form eines Dekalogs die Existenz einer homogenen „italienischen Rasse“ „arischen“ Ursprungs. Juden, „Orientalen“ und Afrikaner seien dieser Rasse fremd. Diesem Prolog folgte bis 1939 eine ganze Serie offen diskriminierender rassistischer und antisemitischer Gesetze. Am 3. August 1938 wurden zunĂ€chst die Kinder auslĂ€ndischer Juden vom Schulbesuch ausgeschlossen, im September folgte ein Dekret, das zu definieren versuchte, wer als Jude zu verstehen sei. Am 17. November 1938 verbot ein umfangreiches Dekret die Verheiratung „arischer“ Italiener mit Angehörigen „anderer Rassen“ und regelte im Detail den Ausschluss der Juden aus dem MilitĂ€r, dem Bildungswesen, der Verwaltung, dem Wirtschaftsleben (BeschrĂ€nkung auf Kleinbetriebe und Landwirtschaft) und der faschistischen Partei. DarĂŒber hinaus wurden alle Juden, die nicht italienische StaatsbĂŒrger waren (oder die StaatsbĂŒrgerschaft nach 1919 erhalten hatten), aus Italien ausgewiesen.

Obwohl unter seinen AnhĂ€ngern Rassisten und Antisemiten waren, hatte der italienische Faschismus einen programmatisch verbindlichen Rassismus bis dahin nicht vertreten.[333] Der Ă€ltere antislawische Rassismus hatte bei der Auseinandersetzung mit der slowenischen Minderheit im Nordosten eine konstitutive Rolle gespielt, der politische Antisemitismus aber hatte in Italien – abgesehen von der katholischen Rechten – keine gefestigte Tradition.[334] Das Land, in dem 1938 weniger als 50.000 Juden lebten, hatte nach 1933 sogar 3.000 aus Deutschland geflohene Juden aufgenommen.[335] Zudem waren die italienischen Juden ĂŒberwiegend sozial etabliert, „patriotisch“ und konservativ. Nicht wenige hatten im lokalen und nationalen Maßstab an sichtbarer Stelle am Aufstieg der faschistischen Bewegung teilgenommen, die Zahl der jĂŒdischen Mitglieder des PNF war ĂŒberproportional hoch (in den 30er Jahren etwa 25 % der erwachsenen italienischen Juden gegenĂŒber ca. 10 % der erwachsenen Gesamtbevölkerung).[336]

Vor diesem Hintergrund stieß die von Mussolini fast im Alleingang initiierte antisemitische Wende auf UnverstĂ€ndnis und Widerstand bis in den faschistischen Großrat hinein, wo es aus diesem Anlass am 6. Oktober 1938 zu einer der ganz seltenen scharfen Auseinandersetzungen in Anwesenheit des Duce kam. Dieser Konflikt erklĂ€rt zum Teil die große Zahl von Ausnahmeregelungen (die schließlich fĂŒr mehr als 20 % der italienischen Juden galten) und die allein im Herbst 1938 von etwa 5.000 Menschen genutzte Möglichkeit, sich durch Konversion zum Katholizismus der Diskriminierung zu entziehen. Physische Übergriffe auf Juden unterblieben, die AusĂŒbung der Religion wurde auch nach 1938 nicht behindert.[337] Die Bevölkerung lehnte diese Gesetze weithin ab; die Lokalbehörden setzten sie mitunter gar nicht oder nur zum Schein um – auch in dieser Frage „folgte das ‚reale Italien‘ nicht immer der offiziellen Linie des ‚legalen Italien‘“.[338] Mussolini hielt es in dieser Frage fĂŒr geboten, seine „GlaubwĂŒrdigkeit“ gelegentlich auch privat zu demonstrieren. Im GesprĂ€ch mit dem Anthropologen Guido Landra betonte er im Juli 1938 die „nordische“ Herkunft seiner Familie.[335] Das Tagebuch seiner Geliebten Clara Petacci verzeichnet antisemitische AusfĂ€lle und rassistische SĂ€uberungsphantasien, etwa ĂŒber die „Ausrottung“ „rassisch degenerierter“ Italiener, in denen Mussolini die Nachkommen römischer Sklaven und Freigelassener sah.[339] In der neueren Literatur wird die rassistische Gesetzgebung indes nicht auf die ohnehin höchst flexiblen ideologischen Fixierungen Mussolinis zurĂŒckgefĂŒhrt. Der ostentative Rassismus war letztlich genauso opportunistisch, inkohĂ€rent und hohl[338] wie andere herausgestellte Elemente der Diktatur. Die italienischen Rassengesetze gelten auch als Versuch, das BĂŒndnis mit NS-Deutschland durch Angleichung nach innen abzusichern. Eine wesentliche Rolle spielte auch die nach der BegrĂŒndung des Impero akut gewordene Überzeugung Mussolinis, dass ein großes Kolonialreich nur von Leuten regiert werden könne, die davon ĂŒberzeugt waren, einer „höheren Rasse“ anzugehören.[340]

Die offene Hinwendung zum Rassismus kĂŒhlte die Beziehungen des Regimes zur katholischen Kirche nach dem Tiefpunkt von 1931 (vgl. Non abbiamo bisogno) erneut ab. Die Eroberung Äthiopiens und mehr noch die Intervention in Spanien hatten den offenen Beifall des Klerus gefunden und zu einer großen öffentlichen NĂ€he von Kirche und Staat gefĂŒhrt. Die „wissenschaftliche“ Rassenlehre jedoch, wie sie etwa die im Sommer 1938 ins Leben gerufene offiziöse Zeitschrift La difesa della razza propagierte, kollidierte direkt mit dem katholischen Universalismus. Mussolini hat, wie nach der Freigabe der einschlĂ€gigen BestĂ€nde des vatikanischen Archivs aufgefundene Dokumente belegen, versucht, die Spannungen zu moderieren und dem Papst (nicht ohne Zynismus) am 16. August 1938 schriftlich zugesichert, dass die italienischen Juden keiner schlimmeren Behandlung unterworfen werden wĂŒrden als die Juden im einstigen Kirchenstaat; eine RĂŒckkehr zu den „farbigen Kappen“ und den Ghettos werde es nicht geben.[341] Im gleichen Zusammenhang verlangte er, dass die Kirche sich jeder kritischen Stellungnahme zu den leggi razziali enthalte. WĂ€hrend einzelne italienische Bischöfe und fĂŒhrende katholische Intellektuelle wie Agostino Gemelli die antijĂŒdischen Maßnahmen öffentlich unterstĂŒtzten,[342] war der alternde und kranke Pius XI. – was Mussolini erheblich irritierte und erboste – offenbar zu einer Kraftprobe, bei der es im Kern um Grundfragen des Einflusses der Kirche auf das öffentliche Leben in Italien ging, entschlossen. Sein Tod (10. Februar 1939) verhinderte die Veröffentlichung der vorbereiteten Enzyklika Humani generis unitas; die gedruckten Exemplare einer nicht mehr gehaltenen Rede zum 10. Jahrestag der LateranvertrĂ€ge, deren Verteilung an die Bischöfe Pius XI. auf dem Sterbebett angeordnet hatte, ließ Kardinal Pacelli, der spĂ€tere Papst Pius XII., auf Wunsch Mussolinis und Cianos vernichten.[343]

Krise der persönlichen Diktatur

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Mit wenigen Ausnahmen ist sich die neuere Forschung – einschließlich der Schule De Felices – darin einig, dass sich „der Duce und sein Regime in den spĂ€ten 30er Jahren im Niedergang befanden“.[344] Zynismus und Misanthropie Mussolinis erreichten in dieser Phase ihren Höhepunkt und wurden von ihm auch bei öffentlichen Auftritten nicht mehr verborgen. FĂŒhrende Faschisten beklagten die AtmosphĂ€re von Argwohn und Misstrauen in der Regierung.[345] Bocchinis polizeiliche Lageberichte konstatierten 1938 eine „Welle des Pessimismus“,[346] die durch das Land gehe. Als Mussolini am 15. Mai 1939 die neue Fabrik des Fiat-Konzerns im Turiner Stadtteil Mirafiori einweihte, begrĂŒĂŸten ihn nur einige hundert der 50.000 versammelten Arbeiter mit Beifall; alle anderen verfolgten seinen Auftritt schweigend und mit verschrĂ€nkten Armen in einer beispiellosen Demonstration der Feindseligkeit.[347] Die aus Anlass der Wirtschaftssanktionen von 1935/36 eingeleitete und offenkundig der Kriegsvorbereitung dienende „Autarkie“-Kampagne hatte die LebensverhĂ€ltnisse vieler Menschen weiter verschlechtert, nun aber durch die Rationierung von LuxusgĂŒtern wie Kaffee und Benzin erstmals auch Wohlhabende getroffen. Das BĂŒndnis mit Deutschland, das die Verwicklung des Landes in einen großen Krieg wahrscheinlich machte, wurde nicht nur von den „Massen“, sondern auch von einem nennenswerten Teil der Eliten abgelehnt. Reiche Italiener begannen, ihre Vermögen in die Schweiz zu schaffen oder Geldguthaben in Gold umzutauschen.[348]

Der Riss innerhalb des Machtblocks, der durch die „antibĂŒrgerliche“ Kampagne der Jahre 1938 und 1939 – im „BĂŒrgertum“ sah Mussolini hier vor allem „eine Chiffre fĂŒr politische Stagnation, Korruption und ideologische GleichgĂŒltigkeit innerhalb der FĂŒhrungskader, aber auch an der Basis des PNF“[349] – evident wurde, ging jedoch tiefer und berĂŒhrte die Grundlagen des Regimes. Die Bourgeoisie habe, so der Historiker Martin Clark, ihre ökonomische UnabhĂ€ngigkeit und ihr soziales Prestige im Faschismus bewahrt.[350] Sie habe Mussolini in den 20er Jahren akzeptiert, da er die Streiks beendete, die radikale Linke vernichtete und die Fanatiker unter den Faschisten unter Kontrolle brachte:

„Aber sie unterstĂŒtzten nicht seine Versuche, nach 1936 eine ‚Kriegerrasse‘ zu schaffen, und sie schĂ€tzten es ganz gewiss nicht, 1938 zum Ziel einer feindseligen Regierungskampagne zu werden. Nun war Mussolini selbst der Fanatiker und seine ‚Schlacht‘ konfrontierte das Establishment. Damit hatte er die gesamte Basis seines Regimes unterminiert. Er rettete die Bourgeoisie vor nichts mehr und verlangte nun echte Opfer von ihr. Und so wandte sie sich von ihm ab.“[351]

Zweiter Weltkrieg (1939–1943)

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Von der „non belligeranza“ zum „guerra parallela“

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Propagandadarstellung Mussolinis, etwa 1939
Auch die systemtreue deutschsprachige Presse benutzte den Begriff Duce; Schlagzeile der Dolomiten vom 20. November 1940

Beim Abschluss des BĂŒndnisses mit Deutschland im Mai 1939 war Mussolini davon ausgegangen, dass ein großer europĂ€ischer Krieg nicht vor 1942 beginnen wĂŒrde; bis dahin, so die Annahme, könne Italien seine Stellung im Mittelmeer mit deutscher RĂŒckendeckung ausbauen und auch in SĂŒdosteuropa vom Zerfall der durch die Pariser VorortvertrĂ€ge geschaffenen Nachkriegsordnung profitieren. Dieser Konzeption lag die Überzeugung zugrunde, dass kurzfristig weder Großbritannien und Frankreich noch Deutschland einen Krieg zwischen den GroßmĂ€chten riskieren wĂŒrden. Noch Anfang August 1939 war er davon ĂŒberzeugt, dass die deutsch-polnischen Spannungen durch ein „neues MĂŒnchen“ beigelegt werden wĂŒrden. Erst am 13. August, als Ciano ihn ĂŒber seine GesprĂ€che mit Hitler und Ribbentrop am 11. und 12. August informierte, begriff Mussolini, dass Hitler nicht nur Danzig besetzen wollte, sondern zum militĂ€rischen Vorgehen gegen ganz Polen entschlossen war und damit die Gefahr eines europĂ€ischen Krieges heraufbeschwor. Im Gegensatz zu Hitler und Ribbentrop hielt es Mussolini fĂŒr nahezu sicher, dass Großbritannien und Frankreich in den deutsch-polnischen Krieg eingreifen wĂŒrden.[352] Trat aber dieser Fall ein, so entfielen die Voraussetzungen der außenpolitischen Strategie Cianos und Mussolinis.[353]

Beide suchten nun fieberhaft nach einer Formel, die Italien eine Nichteinhaltung seiner weitreichenden Verpflichtungen aus dem „Stahlpakt“ ermöglichte, ohne das BĂŒndnis offen aufzukĂŒndigen. Am 21. August schrieb Mussolini an Hitler, dass Italien fĂŒr einen großen Krieg nicht gerĂŒstet sei, aber, sollten Verhandlungen wegen der „Unnachgiebigkeit anderer“ scheitern, auf deutscher Seite eingreifen werde.[354] Vier Tage spĂ€ter machte er dieses Eingreifen in einem weiteren Schreiben, das Botschafter Bernardo Attolico Hitler in der Reichskanzlei ĂŒberreichte, von der Lieferung von RĂŒstungsgĂŒtern und Rohstoffen durch Deutschland abhĂ€ngig. Die am 26. August ĂŒbermittelte Liste mit dem italienischen Bedarf war aber absichtlich so ĂŒberzogen (Mussolini verlangte u. a. die Überlassung von 150 Batterien schwerer Flak noch vor Kriegsbeginn), dass sie abgelehnt werden musste.[355] Um den deutsch-italienischen BĂŒndnisvertrag nicht offen zu entwerten, bat Mussolini Hitler um eine offizielle ErklĂ€rung, dass Deutschland einer italienischen UnterstĂŒtzung vorerst nicht bedĂŒrfe.[356] Diese kam am 1. September per Telegramm und wurde von Hitler sinngemĂ€ĂŸ auch in seiner Reichstagsrede vom gleichen Tag wiederholt.

Am 1. September 1939 definierte Mussolini – um jegliche Reminiszenz an die italienische „NeutralitĂ€t“ von 1914–15 zu vermeiden â€“ die italienische Position gegenĂŒber seinem Kabinett als die einer deutschfreundlichen „NichtkriegfĂŒhrung“ (non belligeranza). Obwohl die faktische NeutralitĂ€tserklĂ€rung von der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit der Italiener begrĂŒĂŸt wurde, fĂŒhrte das unausgesprochene EingestĂ€ndnis des Regimes, nicht fĂŒr einen Krieg gerĂŒstet zu sein, vor dem Hintergrund seiner seit Jahren hochgradig militarisierten Propaganda zu einem schlagartigen Reputationsverlust, der einige Beobachter an die Matteotti-Krise erinnerte.[357] In den nĂ€chsten Monaten verhielt sich Mussolini abwartend.[358] Im September hatte sich im Zuge einer Teilmobilmachung der StreitkrĂ€fte herausgestellt, dass deren strukturelle Defizite noch ausgeprĂ€gter waren als befĂŒrchtet. Die als modernste und schlagkrĂ€ftigste Teilstreitkraft geltende Regia Aeronautica hatte, wie sich nun zeigte, „Probleme, ihre eigenen Flugzeuge zu zĂ€hlen“,[359] und verfĂŒgte im September 1939 statt der auf dem Papier ausgewiesenen 8.528 nur ĂŒber 840 zum Teil nicht einsatzbereite Maschinen (was dem Luftfahrtminister Mussolini, der im Oktober 1939 den zustĂ€ndigen StaatssekretĂ€r entließ, offenbar nicht bekannt gewesen war[360]); die Heeresartillerie bestand noch immer zu einem erheblichen Teil aus GeschĂŒtzen, die 1918 von der k.u.k. Armee erbeutet worden waren, die Flakartillerie besaß nur zwei Suchscheinwerfer und 15 Batterien mit GeschĂŒtzen moderner Bauart, die Panzerwaffe hatte nur 70 „echte“ Panzer, der Rest waren leichte Tanketten.[361] FĂŒr weniger als 1 Million Mann waren Uniformen und Waffen vorhanden. Statt der „150 Divisionen“, mit denen Mussolini wiederholt geprahlt hatte, waren lediglich 10 als kampffĂ€hig anzusehen; auch deren Bewaffnung war, gemessen an den Standards des Jahres 1939, sehr veraltet.[362]

Auch wegen dieser Situation gewann der Kreis um Ciano, der von einem britisch-französischen Sieg ĂŒberzeugt war und einen Kriegseintritt an der Seite Deutschlands rundheraus ablehnte, vorĂŒbergehend die Oberhand. Selbst Roberto Farinacci hielt es fĂŒr zu riskant, mit einer „Spielzeugarmee“ in den Krieg der GroßmĂ€chte einzugreifen.[363] Ende Oktober 1939 löste Mussolini Achille Starace, den entschiedensten BefĂŒrworter des deutsch-italienischen BĂŒndnisses unter den fĂŒhrenden Faschisten, als SekretĂ€r des PNF ab. Sein Nachfolger Ettore Muti galt als UnterstĂŒtzer Cianos.[364] Intern rĂŒckte Mussolini wiederholt verbal von Deutschland ab. Er bezeichnete den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag als „Verrat“[365] und zeigte sich entsetzt ĂŒber die gezielte physische Vernichtung der polnischen Oberschicht durch deutsche Einsatzgruppen.[366] Gesichert ist, dass er belgische Diplomaten auf die Wahrscheinlichkeit eines deutschen Angriffs hinwies und italienischen Waffenexporten nach Frankreich zustimmte.[367] Demonstrativ ließ er die kostspieligen Befestigungsarbeiten an der deutsch-italienischen Grenze (vgl. Vallo Alpino) fortsetzen.[368]

Als im November 1939 der sowjetisch-finnische Krieg begann, unternahm Mussolini einen neuen Versuch, eine VerstĂ€ndigung zwischen Deutschland, Großbritannien und Frankreich herbeizufĂŒhren. Auf Betreiben Mussolinis und Cianos gestattete Deutschland den Transit italienischer Waffenlieferungen fĂŒr Finnland. Mussolini sah die Chance, auf dem Wege der „Hilfe fĂŒr Finnland“ die WestmĂ€chte und die Signatare des Antikominternpaktes in einem Konflikt gegen die Sowjetunion zusammenzufĂŒhren. Höhepunkt dieser BemĂŒhungen war ein Brief Mussolinis an Hitler,[369] geschrieben am 3. Januar 1940 und abgesendet zwei Tage spĂ€ter.[370] Er könne verstehen, schrieb Mussolini darin mit Blick auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag, „dass Sie, nachdem sich die Voraussichten von Ribbentrops ĂŒber das Nichteingreifen Englands und Frankreichs nicht erfĂŒllt haben, die zweite Front vermieden haben“. Er mĂŒsse aber davor warnen, „stĂ€ndig die GrundsĂ€tze Ihrer Revolution zugunsten der taktischen Erfordernisse eines bestimmten politischen Augenblicks [zu] opfern“. Offen drohte Mussolini Hitler damit, dass „ein weiterer Schritt vorwĂ€rts in Ihren Beziehungen mit Moskau katastrophische RĂŒckwirkungen in Italien auslösen wĂŒrde, wo die allgemeine antibolschewistische Gesinnung, besonders unter den faschistischen Massen, absolut, ehern und unerschĂŒtterlich ist. (
) Noch vor vier Monaten war Russland der Weltfeind Nummer Eins, es kann nicht der Freund Nummer Eins geworden sein und ist es auch nicht. Dies hat die Faschisten in Italien und vielleicht auch viele Nationalsozialisten in Deutschland tief erregt.“ Er riet Hitler ausdrĂŒcklich von einer Offensive im Westen ab, da es „nicht sicher [sei], ob es gelingen wird, die Franzosen und EnglĂ€nder auf die Knie zu zwingen oder zu trennen.“[371] Mit einem solchen Schritt setze Hitler sein ganzes Regime aufs Spiel und erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines Kriegseintritts der Vereinigten Staaten. Die Lösung der deutschen „Lebensraumfrage“ liege in Russland. Um den WestmĂ€chten gesichtswahrende Verhandlungen zu ermöglichen, empfahl Mussolini die Einstellung der Terrormaßnahmen in Polen und die Wiedererrichtung eines verkleinerten polnischen Staates.[372] Hitler soll mit Göring und Ribbentrop ausfĂŒhrlich ĂŒber den Brief diskutiert haben, ließ Mussolini anschließend aber ĂŒber zwei Monate auf eine Antwort warten. In der Zwischenzeit unterbreitete Mussolini dem US-UnterhĂ€ndler Sumner Welles am 25. Februar 1940 ein detailliertes Programm fĂŒr Verhandlungen, das unter anderem eine erneute Volksabstimmung ĂŒber die Zukunft Österreichs und die Wiedererrichtung eines formell unabhĂ€ngigen Polen vorsah. Die Welles-Mission verlief im Sande, da Hitler es bei seiner Unterredung mit dem Amerikaner, die am 2. MĂ€rz in Berlin stattfand, von vornherein ablehnte, ĂŒber das „Thema Österreich“ und die „Frage eines zukĂŒnftigen polnischen Staates“ zu sprechen.[373]

Als Ribbentrop Hitlers in freundlichem Ton gehaltene Erwiderung auf das Schreiben vom Januar am 10. MĂ€rz 1940 in Rom ĂŒbergab, wies er zugleich darauf hin, dass ein deutscher Angriff im Westen bevorstehe. Mussolini versicherte dem deutschen Außenminister am 11. MĂ€rz, dass Italien „im richtigen Moment“ in den Krieg eingreifen werde und ging auch bei seinem Treffen mit Hitler am Brenner (18. MĂ€rz) nicht ĂŒber diese vage Festlegung hinaus.[374]

Seine abwartende Haltung gab Mussolini erst im Gefolge der deutschen Siege im Norden und Westen Europas auf. Schreiben Roosevelts und Churchills vom 14. und 16. Mai 1940, die ihn von einem Eingreifen auf deutscher Seite abzuhalten versuchten, beantwortete er ausweichend.[375] Am 26. Mai soll er gegenĂŒber Generalstabschef Badoglio geĂ€ußert haben, dass er „ein paar tausend Tote“ brauche, um als KriegfĂŒhrender an einer Friedenskonferenz teilnehmen zu können. Der Krieg werde so oder so im September zu Ende sein. Die endgĂŒltige Entscheidung fiel vermutlich am 28. oder 29. Mai, nachdem Mussolini erfahren hatte, dass sich der britische Außenminister Halifax mit seinem Vorschlag, ĂŒber Mussolini mit einem Friedensangebot an Hitler heranzutreten, im Kabinett nicht gegen Churchill hatte durchsetzen können.[376] Am 29. Mai legte er in einem Treffen mit den Befehlshabern der TeilstreitkrĂ€fte den Beginn der Kriegshandlungen gegen Großbritannien und Frankreich auf den 5. Juni 1940 fest, verschob den Termin aber um fĂŒnf Tage, nachdem einige MilitĂ€rs ernste Bedenken geĂ€ußert hatten.[377] Am 10. Juni verkĂŒndete Mussolini die KriegserklĂ€rung in einer Rede vom Balkon des Palazzo Venezia. Die deutsche Seite beobachtete den im Vorjahr noch erwĂŒnschten italienischen Kriegseintritt nun mit Misstrauen. Ende Mai hatte Hitler bei Mussolini ausdrĂŒcklich gegen Angriffe auf Jugoslawien und Griechenland interveniert. Mussolini akzeptierte die deutschen EinwĂ€nde und ordnete die Versammlung einer Armee an der libysch-Ă€gyptischen Grenze an.[378]

Die Geschichtsschreibung zum italienischen Kriegseintritt folgte lange Zeit Galeazzo Ciano, nach dessen Tagebucheintragungen „ein Mann allein“ das Land in den Krieg verwickelt habe. Winston Churchill vertritt diesen Standpunkt, der vom Mussolini-Biographen Renzo De Felice unterstĂŒtzt wird.[379] Ein Teil der neueren Forschung betont jedoch, dass in der spezifischen Situation des Juni 1940 alle nennenswerten gesellschaftlichen Einflussgruppen – einschließlich der katholischen Kirche â€“ die Option eines „kurzen Krieges“ unterstĂŒtzten:

„Da sich der italienische Kriegseintritt schon bald als Desaster erwies und in dem peinlichen und zynischen sauve qui peut der alten herrschenden Eliten am 8. September 1943 kulminierte, als Badoglio und der König den Seitenwechsel vermasselten, hatten viele Italiener jeden Grund, Mussolini als den allein Schuldigen herauszuheben. Es ist in der Tat schwer, einen einzigen italienischen Historiker zu finden, der nicht die intentionalistische These akzeptiert, dass der ‚große Mann‘ hier ausschlaggebend war. [
] Aber es gibt GrĂŒnde, die VollstĂ€ndigkeit und Einzigartigkeit von Mussolinis Macht zu bezweifeln [
]. Trotz des Unbehagens, das Mussolini angesichts des andauernden Friedens zum Ausdruck brachte, trat er nicht in den Krieg ein, bis dieser tatsĂ€chlich von seinem furchteinflĂ¶ĂŸenden deutschen VerbĂŒndeten gewonnen zu sein schien. Rechnerisch ausgedrĂŒckt, beobachtete das faschistische Italien die Front weitaus sorgfĂ€ltiger, als es das liberale Italien 1914/15 getan hatte. Es kann gefragt werden, ob irgendein italienischer Politiker, der an den Mythos glaubte, dass Italien eine Großmacht sei oder sein mĂŒsse, lĂ€nger als Mussolini gewartet hĂ€tte?“

– Bosworth: Mussolini[380]

Fehlschlag des „guerra parallela“

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Mussolini hatte im Juni 1940 die Absicht, einen kurzen Krieg fĂŒr „italienische Ziele“ zu fĂŒhren. Nach einem Treffen mit Hitler am Brennerpass im Oktober 1940 prĂ€gte er den Begriff des „Parallelkriegs“ (guerra parallela), den Italien „nicht fĂŒr Deutschland, noch mit Deutschland, sondern neben Deutschland“[381] fĂŒhren werde, und lehnte deshalb deutsche Angebote, Truppen nach Nordafrika zu schicken oder die militĂ€rische Planung zu koordinieren, ab.[382] Er wollte den deutschen Einfluss in den italienischen Interessengebieten gering halten und sich vollstĂ€ndige Handlungsfreiheit nach allen Richtungen sichern, da er davon ausging, dass Deutschland insbesondere in SĂŒdosteuropa eigene, auch gegen Italien gerichtete Ziele verfolgte und die italienische Offensive daher vor allem gegen den Nahen Osten zu kanalisieren suchte.[383]

Wenige Tage vor der KriegserklĂ€rung hatte sich Mussolini vom König fĂŒr die Dauer der Kampfhandlungen den militĂ€rischen Oberbefehl ĂŒbertragen lassen. Er befasste sich in dieser Rolle nicht nĂ€her mit operativer Planung, behielt sich aber die Entscheidung ĂŒber wesentliche militĂ€rische EntschlĂŒsse vor. Den damit zusĂ€tzlich zu seinen anderen Ämtern ĂŒbernommenen Pflichten glaubte er mit nur einem Assistenten nachkommen zu können.[384] Als Oberbefehlshaber war Mussolini fĂŒr die Entscheidung, das im Sommer 1940 beinahe unverteidigte Malta nicht zu besetzen[385] ebenso verantwortlich wie fĂŒr den ĂŒberstĂŒrzten Entschluss, die französische Alpenarmee anzugreifen (Schlacht in den Westalpen). Den Befehl dazu erteilte er, nachdem ihn Hitler am 17. Juni 1940 ĂŒber das französische Waffenstillstandsersuchen informiert hatte. Der am 20. Juni aus dem ursprĂŒnglich befohlenen Defensivaufmarsch heraus und ohne ausreichende ArtillerieunterstĂŒtzung begonnene Angriff war ein offensichtlicher Fehlschlag, den die Propaganda des Regimes nicht verschleiern konnte.[386] Nach dem italienisch-französischen Waffenstillstandsabkommen (24. Juni 1940), bei dem Mussolini auf beinahe alle Forderungen gegenĂŒber Frankreich – insbesondere auf den fĂŒr die Kontrolle der Straße von Sizilien und die störungsfreie Versorgung der Truppen in Libyen entscheidenden Hafen von Bizerte[387] â€“ „vorlĂ€ufig“ verzichten musste, ließ er die wenigen motorisierten Divisionen des italienischen Heeres an die jugoslawische Grenze verlegen. Rodolfo Graziani, der italienische Befehlshaber in Libyen, den Mussolini im Juni, Juli und August anwies, ĂŒber die Ă€gyptische Grenze hinweg anzugreifen, weigerte sich, ohne diese VerbĂ€nde vorzugehen und unternahm im September lediglich einen begrenzten Vorstoß auf Sidi Barrani.[388]

Der Angriff auf Griechenland, den Mussolini ohne vorherige Konsultation seiner Stabschefs am 15. Oktober 1940 – diesmal nachdrĂŒcklich ermuntert von Ciano â€“ befahl, gilt als eklatantes Beispiel fĂŒr die groteske ÜberschĂ€tzung der militĂ€rischen Möglichkeiten Italiens durch die fĂŒhrenden Faschisten. Mit diesem Schritt wollte Mussolini in erster Linie sicherstellen, dass zumindest Griechenland innerhalb der Einflusszone Italiens verblieb, nachdem Deutschland die Ökonomien der Balkanstaaten an sich gebunden und am 12. Oktober mit der Verlegung von Truppen nach RumĂ€nien begonnen hatte.[389] Trotz des bevorstehenden Winters, des schwierigen GelĂ€ndes und der auch nach Erkenntnissen der italienischen MilitĂ€raufklĂ€rung beachtlichen Kampfkraft der griechischen Armee hielt die politische und militĂ€rische FĂŒhrung Italiens eine Armee von zunĂ€chst 5 Divisionen (60.000 Mann) fĂŒr ausreichend, um Griechenland von Albanien aus niederzuwerfen. Der am 28. Oktober begonnene Angriff entwickelte sich binnen weniger Wochen zur militĂ€rischen und politischen Katastrophe. Nur mit MĂŒhe konnten sich die nach und nach auf 500.000 Mann verstĂ€rkten italienischen VerbĂ€nde im Winter 1940/41 gegen den griechischen Gegenangriff in Albanien behaupten. Der britische Luftangriff auf den Hafen von Tarent und der Zusammenbruch der 10. Armee in Libyen ließen den „Parallelkrieg“ bis zum Ende des Jahres 1940 zur Fiktion werden.

Die bereits nach wenigen Monaten offensichtliche UnfĂ€higkeit des Regimes, eine effektive KriegfĂŒhrung zu organisieren, erwies sich schon bald als schwere politische Belastung, da hier der „Abgrund zwischen den Worten und den Taten so aberwitzig weit“[390] war, dass seine LegitimitĂ€t nun auch außerhalb der antifaschistischen Milieus infrage gestellt wurde. Unzweifelhaft war, dass ein Großteil der italienischen Soldaten es ablehnte, Leib und Leben fĂŒr das Regime oder fĂŒr „die Deutschen“ zu riskieren. Darauf hatte Polizeichef Arturo Bocchini Mussolini bereits im Herbst 1939 hingewiesen.[391] Vor allem aber machte das Fiasko der italienischen Kriegsbeteiligung das Scheitern des Faschismus in Bereichen deutlich, die von der Propaganda fast zwei Jahrzehnte lang als zentrale PrĂŒfsteine der „faschistischen Modernisierung“ herausgestellt worden waren.[392] Der Zustand der italienischen StreitkrĂ€fte, die sich bis zuletzt uneingeschrĂ€nkt in der Hand konservativer, den MilitĂ€rdoktrinen des Ersten Weltkrieges verhafteter GenerĂ€le befanden, wird von einigen Historikern als wesentlicher Beleg dafĂŒr angefĂŒhrt, dass „die Macht des Diktators, irgendwo unterhalb des Geplauders und Getöses, unvollstĂ€ndig und flĂŒchtig war“;[393] der ungebrochene militĂ€rische Traditionalismus[394] habe – zusammen mit den in Ă€hnlicher Weise versagenden anderen Institutionen des Staates und der Partei â€“ „drastisch die Grenzen des Faschismus und die OberflĂ€chlichkeit von Mussolinis angeblicher Revolution“[395] demonstriert.

Am 20. Januar 1941 gestand Mussolini bei einer Unterredung mit Hitler auf dem Berghof Deutschland eine aktive militĂ€rische Rolle im Mittelmeerraum zu und akzeptierte die Verlegung von zwei deutschen Divisionen nach Libyen. Von nun an entwickelte sich das faschistische Italien politisch, ökonomisch und vor allem militĂ€risch zu einem „deutschen Satelliten“.[396] Mussolini war nicht in der Lage, eine neue politische Strategie oder ein klares Kriegszielprogramm zu entwickeln. Nach außen hin wie stets auf die Wahrung seines persönlichen Prestiges bedacht, rĂ€umte er im GesprĂ€ch mit dem neuen Generalstabschef Ugo Cavallero ein, dass alles Weitere von den in Berlin gefĂ€llten Entscheidungen abhĂ€nge, „da wir unfĂ€hig sind, irgendetwas zu tun.“[397] Selbst auf den zentralen „italienischen“ KriegsschauplĂ€tzen konnte sich Mussolini seit 1941 nicht mehr gegen deutsche Entscheidungen durchsetzen. Die von ihm bis zum FrĂŒhjahr 1942 wiederholt bei Hitler angemahnte Besetzung Maltas – von wo aus britische See- und LuftstreitkrĂ€fte einen Großteil der Nachschubtransporte fĂŒr Nordafrika versenkten â€“ unterblieb, als dieser sich am 23. Juni 1942 entschloss, die fĂŒr den Juli vorbereitete Aktion abzusagen und Rommels Plan fĂŒr einen unverzĂŒglichen Vorstoß nach Ägypten zu befĂŒrworten.[398] In charakteristischer Weise machte sich Mussolini daraufhin „die abenteuerliche Lagebeurteilung Hitlers und des OKW zu eigen“[399] und flog Ende Juni nach Libyen, wo er drei Wochen lang mit einer großen Entourage aus Journalisten und fĂŒhrenden Faschisten vergeblich auf den von Rommel angekĂŒndigten Einzug in Alexandria und Kairo wartete.[400] GegenĂŒber seiner Umgebung machte er fĂŒr die Abfolge von Fehl- und RĂŒckschlĂ€gen wahlweise das italienische Volk, die Deutschen, faschistische gerarchi oder seine GenerĂ€le verantwortlich. MilitĂ€rische Grundsatzentscheidungen traf er weiterhin unter politischen Gesichtspunkten; auf diese Weise verteilte er die begrenzten militĂ€rischen Ressourcen Italiens auf eine Vielzahl weit auseinanderliegender KriegsschauplĂ€tze. Nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR drĂ€ngte er dem zögernden Hitler ein italienisches Expeditionskorps auf, das im Laufe des Jahres 1942 zur Armee aufgewertet wurde. Dieser Verband umfasste einige der kampfstĂ€rksten Divisionen des italienischen Heeres, verschlang einen Großteil des Materialnachschubs und war mit zuletzt rund 225.000 Mann stĂ€rker als die italienische Armee in Nordafrika. Nach dem Balkanfeldzug im April 1941 hatte Mussolini auf der Einrichtung einer ausgedehnten italienischen Besatzungszone bestanden. Sie band dauerhaft etwa 650.000 Soldaten, die Besetzung Korsikas und SĂŒdostfrankreichs im November 1942 weitere 200.000 Mann.

Als Regierungschef, Oberbefehlshaber und Minister fĂŒr alle drei TeilstreitkrĂ€fte zentralisierte Mussolini die fĂŒr die KriegfĂŒhrung wesentlichen Befugnisse in beispielloser Weise bei sich, unternahm aber nichts, um die einschlĂ€gigen Defizite zu beseitigen. Er intervenierte gelegentlich und willkĂŒrlich, ließ die Dinge im Ganzen jedoch laufen, da er nicht bereit war, das fĂŒr das Regime konstitutive Gleichgewicht verschiedener Einflussgruppen durch drastische Eingriffe zu gefĂ€hrden.[401] Neuere Untersuchungen weisen deshalb ĂŒberwiegend die in Teilen der Ă€lteren, von totalitarismustheoretischen Diskussionen beeinflussten Literatur verbreitete These, Mussolini habe im Krieg vor allem einen Hebel fĂŒr die Radikalisierung der „faschistischen Revolution“ gesehen, zurĂŒck.[402] Auch Industrie und Landwirtschaft unterwarf der Stato totalitario keiner entschlossenen kriegswirtschaftlichen Mobilisierung. Der faschistische Staat begegnete der Privatwirtschaft mit einer „Ehrerbietung“,[403] die vor allem den Großunternehmen eine fĂŒr ein kriegfĂŒhrendes Land beispiellose UnabhĂ€ngigkeit und Entscheidungsfreiheit ließ. WĂ€hrend es dem liberalen Staat zwischen 1915 und 1918 gelungen war, etwa 40 % des italienischen Bruttoinlandsprodukts in den Dienst der KriegfĂŒhrung zu stellen, betrug der Anteil der Kriegsproduktion am Nationalprodukt auf dem Höhepunkt der LeistungsfĂ€higkeit der faschistischen Kriegswirtschaft im Jahre 1941 lediglich 23 % (zum Vergleich: Deutschland 64 % (1942), Großbritannien 52 %, UdSSR 61 %).[404] Noch Ende 1940 gab es in den norditalienischen IndustriestĂ€dten zahlreiche Arbeitslose.[405] Erst im Februar 1943 veranlasste Mussolini die Bildung einer mit dem deutschen Reichsministerium fĂŒr Bewaffnung und Munition vergleichbaren Behörde. Im Ergebnis produzierte Italien „die ineffektivsten, teuersten und wenigsten RĂŒstungsgĂŒter unter den großen Teilnehmerstaaten des Zweiten Weltkrieges.“[403] Die Landwirtschaft blieb in Ă€hnlicher Weise sich selbst ĂŒberlassen und litt zusĂ€tzlich unter der zunehmenden Desorganisation des Transportwesens. Lebensmittel musste sich die Bevölkerung schon seit 1941 weitgehend ĂŒber den Schwarzmarkt â€“ wo etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Produktion verschwanden â€“ beschaffen; die offiziellen Nahrungsmittelrationen entsprachen zwischen 1941 und 1943 jenen im besetzten Polen.[405]

Auch die faschistische Partei, der 1940 4,25 Millionen Mitglieder angehörten, versagte in vielerlei Hinsicht bei der UnterstĂŒtzung der Kriegsanstrengungen. Ihr oblag – neben ihren „normalen“ Aufgaben – wesentlich die Organisation der Zivilverteidigung, die FĂŒrsorge fĂŒr die Evakuierten und Familien der Wehrpflichtigen, die Preiskontrolle und die BekĂ€mpfung des Schwarzmarkts. Mussolini blieben die gravierenden Probleme in diesen Bereichen nicht verborgen, er war jedoch selbst hier nicht willens oder in der Lage, entscheidend einzugreifen. Ettore Muti, der eine Parteireform und sogar die Auflösung des PNF in ErwĂ€gung gezogen hatte, entließ er Ende Oktober 1940; der neue ParteisekretĂ€r Adelchi Serena war ein „farbloser ParteibĂŒrokrat“,[406] der die Defizite lediglich verwaltete. Mussolini ersetzte ihn bereits im Dezember 1941 durch den gerade 28-jĂ€hrigen Aldo Vidussoni. Unter Vidussoni, der bis April 1943 im Amt blieb, fiel die faschistische Partei als Faktor der Kriegsanstrengungen endgĂŒltig aus. Viele gerarchi lehnten es einfach ab, Anweisungen von dem als „Kind“ und „Schwachkopf“ geschmĂ€hten Emporkömmling entgegenzunehmen.[407] Als Dokument und EingestĂ€ndnis des Scheiterns gilt Mussolinis Rede vor dem Direktorium des PNF am 26. Mai 1942, in der er offen einrĂ€umte, dass der liberale Staat die KriegfĂŒhrung zwischen 1915 und 1918 konsequenter und erfolgreicher organisiert habe. Im faschistischen Italien, so Mussolini, finde man an jeder Stelle „Disziplinlosigkeit, Sabotage und passiven Widerstand“;[408] auch die Faschisten seien vor allem mit dem Horten von Nahrungsmitteln und GebrauchsgĂŒtern fĂŒr den Schwarzmarkt beschĂ€ftigt, politisch aber inaktiv:

„Es gibt 4 Millionen Mitglieder der fasci, 8 Millionen sind in der GIL [GioventĂč Italiana del Littorio, die faschistische Jugendorganisation]. (
) Das Regime kontrolliert so ungefĂ€hr 25 Millionen Einzelpersonen. (
) Nun, was machen all diese Leute? Ich frage mich, was machen sie?“[409]

Krise des Regimes und Sturz

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Machtverfall
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Unter dem Eindruck der militĂ€rischen Katastrophen in Nordafrika und am Don, wo die gegen die Sowjetunion eingesetzte italienische Armee (vgl. ARMIR) im Winter 1942/43 fast vollstĂ€ndig vernichtet wurde, kam die schwelende Krise des faschistischen Regimes im FrĂŒhjahr 1943 offen zum Ausbruch. Innerhalb der politischen, militĂ€rischen und wirtschaftlichen FĂŒhrungsschicht Italiens formierte sich eine schnell an Einfluss gewinnende Gruppe, die die Fortsetzung des Krieges an der Seite Deutschlands ablehnte und eine VerstĂ€ndigung mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten herbeifĂŒhren wollte, bevor der Krieg auf italienisches Territorium ĂŒbergriff.[410] Mussolini kam diesen Bestrebungen zunĂ€chst entgegen und machte ihnen am 31. Januar 1943 mit der Entlassung des Generalstabschefs Ugo Cavallero, der als „Mann der Deutschen“ galt, ein wichtiges ZugestĂ€ndnis. Cavalleros Nachfolger Vittorio Ambrosio war ein Vertrauter des Königs, in dessen Umfeld sich konservative KrĂ€fte sammelten, die befĂŒrchteten, dass die Monarchie in den Sturz des Faschismus verwickelt werden könnte. Am 5. Februar ĂŒbernahm Mussolini im Zuge einer Kabinettsumbildung selbst das Außenministerium, beließ Ciano – der schon im Herbst 1942 versucht hatte, ĂŒber den italienischen Botschafter in Lissabon mit Briten und Amerikanern ins GesprĂ€ch zu kommen – aber im faschistischen Großrat und machte ihn zum Botschafter beim Vatikan, ĂŒber den zahlreiche Verbindungen in die alliierten HauptstĂ€dte liefen. Zum StaatssekretĂ€r im Außenministerium ernannte er Giuseppe Bastianini, der 1939/40 Botschafter in London gewesen war.

Mussolini hatte sich zuletzt am 2. Dezember 1942 ĂŒber das Radio an die Italiener gewandt. Diese „desaströse“[411] Rede war die erste ihrer Art nach achtzehn Monaten und die vierte seit Beginn des Krieges. Mussolini rĂ€umte – offenbar in der Annahme, seine Zuhörer wĂŒrden dafĂŒr nicht ihn verantwortlich machen – mehr oder weniger offen ein, dass die italienischen Soldaten schlecht ausgerĂŒstet und gefĂŒhrt und die Kriegsgegner unterschĂ€tzt worden seien. Außerdem schien er den seit der Intensivierung der alliierten Bombenangriffe im Herbst 1942 unter den Italienern verbreiteten Verdacht zu bestĂ€tigen, dass das Land ĂŒber keinerlei nennenswerte Luftverteidigung[412] verfĂŒge; seine Bemerkung, man solle mit der Evakuierung nicht warten, „bis die Uhr zwölf schlĂ€gt“,[413] löste in einigen StĂ€dten eine panische, völlig unkoordinierte Massenflucht in das lĂ€ndliche Umland aus. Mit diesem Auftritt verlor Mussolini den Propagandakrieg endgĂŒltig. Immer mehr Italiener verfolgten den Kriegsverlauf ĂŒber den italienischen Dienst der BBC, der eine „gut gewĂ€hlte und Ă€ußerst ansprechende“[414] Propaganda machte, hörten Radio Vatikan oder lasen den L’Osservatore Romano (Tageszeitung des Heiligen Stuhles und der Vatikanstadt), der als einzige Zeitung mit „neutraler“ Berichterstattung galt und dessen Auflage sich vervielfachte.

Die von Ciano, Dino Grandi und anderen angestrebte AufkĂŒndigung der Achse Berlin-Rom lehnte Mussolini ab. Er gab sich der Hoffnung hin, bei Hitler eine entschiedene materielle und personelle UnterstĂŒtzung der italienischen KriegfĂŒhrung, ja sogar die Verlagerung des Schwerpunkts der deutschen Kriegsanstrengungen von der Ostfront in den Mittelmeerraum durchsetzen zu können. Gehe man im Osten zur strategischen Defensive ĂŒber und setze die freiwerdenden KrĂ€fte gegen die WestmĂ€chte ein, dann sei der Sieg, so Mussolini am 1. April 1943 im GesprĂ€ch mit dem deutschen Botschafter von Mackensen, „mit mathematischer Sicherheit unser“.[415] Diesen Standpunkt vertrat Mussolini bereits im Februar und MĂ€rz 1943 bei Treffen mit Ribbentrop und Göring sowie in zwei persönlichen Schreiben an Hitler. Dieser aber war ebenso wie das OKW nicht einmal zu einer Ausweitung der materiellen UnterstĂŒtzung Italiens bereit, da er die innere StabilitĂ€t des Mussolini-Regimes ĂŒberschĂ€tzte und – wie schon im FrĂŒhjahr 1942, als Mussolini vergeblich deutsche UnterstĂŒtzung fĂŒr die beabsichtigte Eroberung des britischen „FlugzeugtrĂ€gers“ Malta gefordert hatte â€“ alle Ressourcen fĂŒr die geplante Sommeroffensive an der deutsch-sowjetischen Front reklamierte (vgl. Unternehmen Zitadelle).

Bei den Beratungen auf Schloss Kleßheim am 8./9. April 1943 lehnte Hitler Mussolinis VorschlĂ€ge ab. Die von Mussolini danach noch mehrfach erbetene Lieferung von Panzern und Flugzeugen wurde ebenfalls verweigert, obwohl eine OKH-Studie im Juni einrĂ€umte, dass das italienische MilitĂ€r ĂŒber keine einzige Panzerdivision, kaum Panzerabwehrwaffen und eine nur noch „bedingt einsatzfĂ€hige“[416] Luftwaffe verfĂŒge. Auch diese Analyse sah jedoch „keinen Anlass, mit einer unmittelbar bevorstehenden politischen Krise zu rechnen.“[417]

Im FrĂŒhjahr 1943 befand sich Mussolini am Tiefpunkt eines körperlichen Verfalls, der 1940/41 eingesetzt und sich im Herbst 1942 beschleunigt hatte, als er in drei Monaten etwa 20 Kilogramm Körpergewicht verlor. Den Januar 1943 verbrachte er zum grĂ¶ĂŸten Teil im Bett und bewegte sich noch im April bei seinem Treffen mit Hitler stĂ€ndig am Rande des physischen Zusammenbruchs.[418] Vermutlich litt er an einem MagengeschwĂŒr, einer leichten Form von Hepatitis B und einer schweren Depression.[419]

Die politische und militĂ€rische Agonie des Regimes wurde durch die ökonomische und soziale Krise des Landes verschĂ€rft. 1943 lag die italienische Industrieproduktion um 31 % unter der des Jahres 1938. Wichtige Grundnahrungsmittel waren nur noch auf dem Schwarzmarkt erhĂ€ltlich, ihre Preise waren seit Kriegsbeginn um das fĂŒnf- bis zehnfache gestiegen und wegen des 1940 verfĂŒgten Lohnstopps fĂŒr Arbeiter kaum noch zu bezahlen. In vielen StĂ€dten hungerte die Bevölkerung,[420] zudem erwiesen sich die staatlichen Stellen als unfĂ€hig, die Menschen zu versorgen, die infolge der alliierten Luftangriffe obdachlos geworden waren.[421] Im MĂ€rz 1943 breitete sich eine Streikwelle ausgehend von den Turiner Fiat-Werken auf andere norditalienische StĂ€dte aus und kam erst Anfang April durch eine Mischung aus „maßvoller“ Repression und ZugestĂ€ndnissen an die Arbeiter zum Stillstand.[422] Mussolini hatte den Streik, der in den Augen maßgeblicher Industrieller die „GlaubwĂŒrdigkeit des Faschismus als antisozialistische Kraft“[423] untergrub, mit großer Aufmerksamkeit und Unruhe verfolgt.[424] Hitler war außer sich, als er vom Ausmaß der Streikbewegung und der Rolle erfuhr, die dabei illegal tĂ€tige Kommunisten gespielt hatten. Wegen des Versagens der faschistischen Partei setzte Mussolini Aldo Vidussoni am 19. April ab.[425] Carlo Scorza, eine FĂŒhrungsfigur des militanten toskanischen „Agrarfaschismus“ der frĂŒhen 20er Jahre und ehemaliger ras von Lucca, war der letzte von Mussolini ernannte ParteisekretĂ€r. Nach einer Rundreise durch Italien ließ Scorza Mussolini am 7. Juni 1943 eine Denkschrift zukommen, in der er ein vernichtendes Urteil ĂŒber den Zustand von Partei, Staat und Armee fĂ€llte.[426]

25. Juli
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Am 9./10. Juli 1943 begann die erwartete Landung britischer und amerikanischer Truppen auf Sizilien. Einige italienische VerbĂ€nde ergaben sich kampflos, andere leisteten zusammen mit den beiden auf der Insel stationierten deutschen Divisionen Widerstand. Die Gegenangriffe auf die Landungszonen brachen am 11. und 12. Juli im Feuerhagel der alliierten Schiffsartillerie zusammen. Sowohl der deutschen als auch der italienischen MilitĂ€rfĂŒhrung war danach klar, dass die Insel nicht zu halten sein wĂŒrde. Am 14. Juli wies Vittorio Ambrosio Mussolini in einer Denkschrift auf den Ernst der Lage hin und verlangte, bei Hitler erneut eine Schwerpunktverlagerung der deutschen KriegfĂŒhrung in den Mittelmeerraum zu fordern. Andernfalls könne Italien den Krieg nicht mehr fortsetzen. Mussolini stimmte dieser EinschĂ€tzung zu, trug sie aber bei dem Treffen mit Hitler, das am 19. Juli in Feltre stattfand, trotz wiederholten DrĂ€ngens seiner Begleiter nicht vor. Stattdessen akzeptierte er am 20. Juli im Grundsatz Hitlers Forderung, die italienischen Truppen in SĂŒditalien deutschen StĂ€ben zu unterstellen.[427] Die Gegner Mussolinis in der FĂŒhrung der Partei, im Generalstab, im GroßbĂŒrgertum und am königlichen Hof – durchweg „einstige SteigbĂŒgelhalter, Profiteure und Aktivisten des Faschismus“,[428] denen nichts ferner lag als „der Gedanke, die RegierungsgeschĂ€fte den sich langsam reorganisierenden antifaschistischen Parteien zu ĂŒbertragen“[429] â€“ sahen sich nun zum Handeln gezwungen. Neben der Sicherung ihrer politischen und militĂ€rischen HandlungsfĂ€higkeit nach außen ging es diesen Eliten vor allem darum, die politische Entfaltung der antifaschistischen Opposition durch schnelles Handeln zu verhindern und so die Voraussetzungen fĂŒr eine konservative Ausrichtung des postfaschistischen Regimes zu schaffen.[430] Die politischen Neuordnungsvorstellungen vieler Beteiligter liefen daher zunĂ€chst auf einen „Faschismus ohne Mussolini“[431] hinaus.

Nach der alliierten Landung auf Sizilien hatten fĂŒhrende Faschisten aus völlig entgegengesetzten GrĂŒnden fĂŒr das Zusammentreten des faschistischen Großrats plĂ€diert. Der Großrat war das höchste beratende Gremium der Partei und (seit 1932) des italienischen Staates. Er war seit 1939 nicht mehr zusammengetreten. WĂ€hrend die Gruppe um Ciano, Grandi und Giuseppe Bottai die MachtfĂŒlle Mussolinis einschrĂ€nken lassen wollte, hatte der mit der deutschen Botschaft in Verbindung stehende Kreis um Roberto Farinacci und ParteisekretĂ€r Carlo Scorza die Absicht, einen Beschluss herbeizufĂŒhren, der zu einer „Revitalisierung“ des Regimes und einer StĂ€rkung des deutsch-italienischen BĂŒndnisses fĂŒhren sollte. Der Rat trat am 24. Juli 1943 im Palazzo Venezia zusammen und verabschiedete nach zehnstĂŒndiger Debatte am frĂŒhen Morgen des 25. Juli mit 19 gegen 7 Stimmen eine von Grandi eingebrachte Resolution, die dem König empfahl, den Oberbefehl ĂŒber die StreitkrĂ€fte, den Mussolini seit 1940 innehatte, wieder selbst zu ĂŒbernehmen. Eine „Absetzung“ Mussolinis – wie hĂ€ufig fĂ€lschlich angenommen – beschloss der Rat dagegen nicht und es ist zweifelhaft, ob seine Mitglieder ĂŒberhaupt damit rechneten, dass die konservativen KrĂ€fte im Umfeld des Königs diese Gelegenheit nutzen wĂŒrden, um sich völlig von Mussolini und der faschistischen Partei zu trennen.[432] FĂŒr den Ausgang der Abstimmung war entscheidend, dass „loyale“ AnhĂ€nger Mussolinis wie Farinacci die Situation falsch einschĂ€tzten und noch entschiedener als Grandi den persönlichen FĂŒhrungsstil und die Fehlentscheidungen der letzten Jahre angriffen.[433] Mussolini fiel auch bei dieser Beratung durch völlige Apathie auf; er ließ zur VerblĂŒffung Scorzas den Entwurf Grandis zur Abstimmung zu, wodurch bei einigen Mitgliedern des Rates der Eindruck entstand, er wĂŒnsche dessen Annahme. Möglicherweise war dies – als Auftakt zu einer „ehrenhaften“ AufkĂŒndigung der Bindung an Deutschland â€“ tatsĂ€chlich der Fall.[434]

Mussolini sah seine Position nach dem Votum nicht als unmittelbar gefĂ€hrdet an. Er begab sich am Nachmittag des 25. Juli in die Villa Savoia, die heutige Villa Ada, zum König, um diesen offiziell ĂŒber den Beschluss zu informieren. Mussolini bot dem Monarchen an, die drei StreitkrĂ€fte-Ministerien und das Außenministerium abzugeben. Außerdem kĂŒndigte er an, mit Göring, der sich fĂŒr den 29. Juli aus Anlass von Mussolinis 60. Geburtstag in Rom angesagt hatte, noch einmal ĂŒber den Vorschlag einer strategischen KrĂ€fteverlagerung in den Mittelmeerraum zu reden.[435] Überraschend akzeptierte Viktor Emanuel III. jedoch den „Vorschlag“ des Großrats und gab dem konsternierten Mussolini zu verstehen, dass er ihn auch als MinisterprĂ€sidenten entlassen und Marschall Pietro Badoglio das Amt ĂŒbertragen werde. Anschließend wurde Mussolini in einem bereitstehenden Krankenwagen abtransportiert und in einer Carabinieri-Kaserne festgesetzt.[436] Die Absetzung Mussolinis wurde am spĂ€ten Abend im Radio bekanntgegeben. Noch in der Nacht versammelten sich tausende Menschen auf Straßen und PlĂ€tzen und feierten den Sturz des Diktators. In Rom, wo sich zusĂ€tzlich das GerĂŒcht verbreitete, Hitler habe sich das Leben genommen, sollen sich auch deutsche Soldaten an den Kundgebungen beteiligt haben.[437] In den „45 Tagen“ (quarantacinque giorni) zwischen Mussolinis Sturz und der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen verschwanden die (von der Regierung Badoglio mit Wirkung zum 6. August 1943 auch formal aufgelöste) faschistische Partei und die in zwei Jahrzehnten geschaffenen Institutionen des Regimes nahezu gerĂ€uschlos.

Mussolini mit deutschen FallschirmjÀgern nach der Befreiung, 12. September 1943

Nach der Festnahme wurde Mussolini am 28. Juli auf der Insel Ponza und am 7. August auf dem MarinestĂŒtzpunkt La Maddalena vor Sardinien interniert. Da hier ein deutscher Zugriff drohte, ordnete die Badoglio-Regierung am 28. August dessen Verlegung nach Campo Imperatore in das gleichnamige Hotel im Gran-Sasso-Massiv an, wo ihn am 12. September ein Kommandounternehmen deutscher FallschirmjĂ€ger befreite (→ Unternehmen Eiche). Vier Tage zuvor war der am 3. September unterzeichnete Waffenstillstand zwischen Italien und den Westalliierten bekannt geworden. WĂ€hrend der König und Badoglio am 9. September Hals ĂŒber Kopf Rom verließen und nach Brindisi flohen, leitete das OKW die unter dem Stichwort „Achse“ vorbereitete Besetzung Italiens ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten deutsche Stellen bereits die Einsetzung einer neuen faschistischen Regierung ins Auge gefasst, der Farinacci, Alessandro Pavolini und Mussolinis Sohn Vittorio angehören sollten, die Ende Juli / Anfang August nach Deutschland ausgeflogen worden waren. Bei einem Treffen mit Hitler, das am 14. September in Rastenburg stattfand, erklĂ€rte sich Mussolini bereit, selbst an die Spitze dieser Regierung zu treten. Am 18. September kĂŒndigte er ĂŒber den Sender MĂŒnchen seine RĂŒckkehr nach Italien an.

Republik von SalĂČ (1943–1945)

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Mussolini kehrte am 23. September 1943 nach Italien zurĂŒck und leitete vier Tage spĂ€ter in seiner Privatresidenz Rocca delle Caminate in Meldola die erste Sitzung der neuen republikanischen Regierung. Deren Zusammenstellung hatte einige Schwierigkeiten bereitet, da Mussolini prodeutsche Hardliner wie Farinacci und Starace nicht in das Kabinett aufnehmen wollte, mehrere „moderate“ Faschisten seine Einladung aber ablehnten. Das Verteidigungsministerium ĂŒbernahm nach einigem Zögern Marschall Rodolfo Graziani. An die Spitze der als Partito Fascista Repubblicano (PFR) neugegrĂŒndeten faschistischen Partei stellte Mussolini den bis zu diesem Zeitpunkt als „gemĂ€ĂŸigt“ geltenden Alessandro Pavolini. WĂ€hrend sich Mussolini in der Frage der Staatsbezeichnung gegen deutsche VorschlĂ€ge durchsetzen konnte – Hitler hatte die Bezeichnung „Faschistische Republik“ statt „Soziale Republik“ gewĂŒnscht[438] â€“, blieb es beim deutschen Veto gegen Rom als Regierungssitz. Daraufhin wurden die Behörden der formal erst am 1. Dezember 1943 ausgerufenen Repubblica Sociale Italiana (RSI) auf verschiedene StĂ€dte und Gemeinden Norditaliens verteilt. Mussolini bezog die Villa Feltrinelli in Gargnano am Gardasee. Im nahen SalĂČ nahm das Propagandaministerium seinen Sitz; dessen regelmĂ€ĂŸige KommuniquĂ©s („SalĂČ gibt bekannt â€Šâ€œ) ließen bereits die Zeitgenossen von der Repubblica di SalĂČ sprechen.

Mussolinis BeweggrĂŒnde fĂŒr die Übernahme einer Position, deren relative Bedeutungslosigkeit – er selbst soll sich wiederholt als „BĂŒrgermeister von Gargnano“[439] ironisiert haben â€“ ihm von Anfang an völlig klar war, sind in der Forschung umstritten. Die These, Mussolini habe sich „zur VerfĂŒgung“ gestellt und, als Person und im historischen Urteil, „geopfert“, um Italien eine direkte deutsche Besatzungsherrschaft zu ersparen, wurde in der Nachkriegszeit zunĂ€chst von neofaschistischen Autoren und nach 1990 von Historikern wie Renzo De Felice vertreten. Sie dominiert in verschiedenen Varianten heute die einschlĂ€gige italienische Literatur, wobei hĂ€ufig vergleichend auf PĂ©tain und das Vichy-Regime hingewiesen wird. Andere Historiker weisen diese Argumentation jedoch als ebenso apologetisch wie historisch falsch zurĂŒck: Mussolini sei auch im September 1943 nicht ohne – genuin faschistische â€“ politische Ambitionen gewesen[440] und habe die Forderung vieler Faschisten nach „Rache“ an den „VerrĂ€tern“ geteilt.[441] Es wird außerdem betont, dass die von Mussolini schon in den Jahren zuvor gegenĂŒber Vertrauten zum Ausdruck gebrachte Verachtung fĂŒr das italienische Volk nach seiner RĂŒckkehr noch ausgeprĂ€gter gewesen sei.[442] Auch in den letzten, von ihm im FrĂŒhjahr 1945 bewusst als „Lebensbilanz“ inszenierten GesprĂ€chen mit Journalisten fehle jeder direkte oder indirekte Hinweis auf eine BeschĂ€ftigung mit dem Schicksal Italiens oder der Italiener.[443]

Der Handlungsspielraum Mussolinis als Staatsoberhaupt, Regierungschef und Außenminister der RSI war rĂ€umlich und inhaltlich Ă€ußerst begrenzt. Die 1919 von Italien annektierten ehemals österreichischen Territorien waren – zusammen mit Teilen Venetiens â€“ noch im September 1943 als sogenannte Operationszonen einer „vorlĂ€ufigen“ deutschen Zivilverwaltung unterstellt worden. Auch im Rest des Staatsgebietes war die AutoritĂ€t der RSI nur nominell. Die fĂŒr Politik und KriegfĂŒhrung wesentlichen Entscheidungen trafen der deutsche Oberbefehlshaber SĂŒd Albert Kesselring, der fĂŒr den Polizeiapparat zustĂ€ndige SS-ObergruppenfĂŒhrer Karl Wolff und der „bevollmĂ€chtigte“ Botschafter Rudolf Rahn. Mit Wolff und Rahn traf Mussolini mehrmals wöchentlich zusammen. Die Wirtschaft Nord- und Mittelitaliens wurde von Generalmajor Hans Leyers, dem „GeneralbevollmĂ€chtigten“ Albert Speers, ohne Konsultation italienischer Behörden rĂŒcksichtslos in den Dienst der deutschen Kriegswirtschaft gestellt.[444] Da Mussolinis Leibwache und persönliche Kommunikationsmittel bis hin zum Telefon nicht von Truppen der RSI, sondern von einer Abteilung der Leibstandarte SS Adolf Hitler gestellt wurden, konnte er keinen Schritt ohne EinverstĂ€ndnis oder Wissen deutscher Stellen machen. Auch seine medizinische Betreuung ĂŒbernahmen nun deutsche Ärzte. In Gargnano nahm Mussolini seine alte, nun aber weitgehend irrelevante Praxis wieder auf, tĂ€glich mehrere Besucher in viertel- oder halbstĂŒndigen „Audienzen“ zu empfangen. Daneben widmete er sich vor allem dem Verfassen von BeitrĂ€gen fĂŒr die faschistische Presse. In der Schrift Storia di un anno stellte Mussolini seine Sicht auf die Ereignisse des Juli 1943 und deren Vorgeschichte dar.

Kriegsflagge der RSI (1944–1945)

Mussolinis Einfluss auf die KĂ€mpfe mit der bewaffneten antifaschistischen Widerstandsbewegung, die zehntausende Tote forderten und heute in Italien weithin als „BĂŒrgerkrieg“ angesehen werden, blieb marginal. Er deckte die Versuche Pavolinis, den squadrismo der frĂŒhen 1920er Jahre wiederzubeleben, und befĂŒrwortete ausdrĂŒcklich die Hinrichtung von „Geiseln“ nach Partisanenaktionen.[445] Unstrittig ist allerdings, dass er mehrfach gegen die schlimmsten Exzesse der hĂ€ufig von deutschen Dienststellen protegierten, halbautonomen faschistischen Milizen intervenierte. So ließ er im Januar 1944 Junio Valerio Borghese und im Oktober 1944 den berĂŒchtigten Pietro Koch verhaften. GegenĂŒber Rahn protestierte Mussolini gegen die Auslöschung ganzer Dörfer durch deutsche „Strafaktionen“ und drohte im September 1944 in diesem Zusammenhang mit seinem RĂŒcktritt.[446] Ähnliche Stellungnahmen Mussolinis gegen die Deportation italienischer Juden in deutsche Vernichtungslager sind nicht bekannt. Seit dem Herbst 1943 wurde ein Großteil der jĂŒdischen Bevölkerung Italiens auf der Grundlage neuer antisemitischer Gesetze in Lagern zusammengefasst; etwa 7.500 Menschen wurden – meist aus dem seit Februar 1944 unter deutscher Verwaltung stehenden Lager Fossoli bei Modena[447] â€“ deportiert, wenige hundert kehrten zurĂŒck. Zwar tat Mussolini kaum etwas, um diese Politik zu fördern, schritt aber auch nicht dagegen ein.[448]

Am 11. Januar 1944 ließ Mussolini fĂŒnf ehemals fĂŒhrende Faschisten, unter ihnen sein Schwiegersohn Ciano und die beiden Altfaschisten Marinelli und De Bono, in Verona hinrichten (vgl. Prozess von Verona). Mussolini war vollkommen bewusst, dass der den Angeklagten wegen ihres Votums vom 25. Juli 1943 gemachte Vorwurf des Hochverrats nicht zutraf.[449] Die maßgeblichen „Verschwörer“ Grandi, Bottai und Federzoni hatten sich allerdings inzwischen abgesetzt.[450] Unter dem Druck Pavolinis und anderer intransigenter Faschisten, die in Verona die Regie ĂŒbernahmen und in Mussolinis Namen handelten, ignorierte er die Gnadengesuche[451] und nahm den Bruch mit seiner Tochter Edda in Kauf, die im Januar 1944 in die Schweiz floh.

Ernsthafte Versuche, eine handlungsfĂ€hige Regierung zu organisieren oder ein Regierungsprogramm zu entwickeln, unternahm Mussolini nicht mehr. Der staatliche Verwaltungsapparat blieb zwar bis hinunter zur Ebene der Gemeinden intakt, wurde aber von den Deutschen ebenso ignoriert wie von großen Teilen der Bevölkerung. Überdeutlich zeigte sich das, als die Republik am 9. November 1943 vier JahrgĂ€nge zum MilitĂ€rdienst einberief und sich weniger als 50.000 Mann in den Kasernen meldeten. Bis zum Sommer 1944, als die vier in Deutschland aufgestellten italienischen Divisionen nach Italien verlegt wurden, bestanden die StreitkrĂ€fte der RSI – abgesehen von der paramilitĂ€rischen Guardia Nazionale Repubblicana â€“ aus einigen Flak- und KĂŒstenbatterien sowie schwachen VerbĂ€nden der Luftwaffe und der Marine.[452] Der von Hitler zunĂ€chst anders orientierte Mussolini hatte Ende 1943 einsehen mĂŒssen, dass die deutsche Seite keinerlei Interesse am Wiederaufbau italienischer StreitkrĂ€fte hatte.[453]

Mit einer gewissen Ausdauer verfolgte Mussolini von Gargnano aus das Thema der „Sozialisierung“, mit dem er die Arbeiter der norditalienischen IndustriestĂ€dte an den Faschismus heranfĂŒhren wollte (und möglicherweise ein Mittel gegen den deutschen Zugriff auf die italienische Industrie gefunden zu haben glaubte[454]). Nachdem dieser Ton, der an die programmatischen AnfĂ€nge des Faschismus im Jahr 1919 anknĂŒpfte, bereits im November 1943 im Manifesto di Verona angeschlagen worden war, kam Mussolini im Laufe des Jahres 1944 immer wieder auf dieses Problem zu sprechen, obwohl sein deutscher „Berater“ Rahn die Verwendung antikapitalistischer Rhetorik grundsĂ€tzlich ablehnte.[455] Noch am 25. MĂ€rz 1945 bestellte Reichsaußenminister von Ribbentrop den italienischen Botschafter Filippo Anfuso ein, um ihm mitzuteilen, dass Hitler diesen Kurs missbillige.[456] Welchen Sinn der Begriff „Sozialisierung“ und der zur gleichen Zeit ins GesprĂ€ch gebrachte „menschliche, italienische und erreichbare“[457] Sozialismus im faschistischen Kontext hatten, blieb bis zuletzt selbst hohen RSI-FunktionĂ€ren unklar.[458] Im Ergebnis fĂŒhrte die „Sozialisierungs“-Gesetzgebung der RSI lediglich zu einer Festigung der staatlichen Kontrolle der Presse- und VerlagshĂ€user und zur Wahl von Vertretungskörperschaften der Belegschaften in einigen großen Betrieben. Propagandistisch erwiesen sich diese Kampagnen gerade bei den Arbeitern als völliger Fehlschlag und die deutschen Dienststellen waren nicht bereit, in wirtschaftlichen Fragen mit Italienern zu verhandeln, „am allerwenigsten mit Arbeitern oder Gewerkschaftern.“[459] Einer der Propagandisten der „Sozialisierung“ war der Journalist Nicola Bombacci, ein ehemaliger Kommunist, der sich in den 1930er Jahren dem Regime zur VerfĂŒgung gestellt hatte und in Gargnano zum regelmĂ€ĂŸigen GesprĂ€chspartner und „letzten Freund“[460] Mussolinis wurde.

Am 22./23. April 1944 und am 20. Juli 1944 traf Mussolini zu seinen letzten persönlichen Unterredungen mit Hitler zusammen. Bei dem Treffen auf Schloss Kleßheim im April hielt Mussolini dem deutschen Diktator einen lĂ€ngeren Vortrag in deutscher Sprache. Er betonte, dass das Ansehen der RSI vor allem durch die Handlungen deutscher Dienststellen untergraben werde, verlangte Klarheit ĂŒber die deutschen Absichten in den „Operationszonen“ und mahnte eine menschliche Behandlung der italienischen MilitĂ€rinternierten in Deutschland an. Mussolini schlug bei dieser Gelegenheit noch einmal vor, einen „Kompromissfrieden“ oder Waffenstillstand mit der UdSSR anzustreben und die HauptkrĂ€fte der Wehrmacht in den Westen zu verlegen.[461] Hitler suchte Mussolini davon zu ĂŒberzeugen, dass die „unnatĂŒrliche Allianz“ zwischen der Sowjetunion und den WestmĂ€chten nicht von Dauer sein werde, und kĂŒndigte den bevorstehenden Einsatz neuartiger deutscher Waffen an. Am 20. Juli 1944 hielt sich Mussolini fĂŒr etwa drei Stunden in der Wolfsschanze auf, wo kurz zuvor der Attentatsversuch Claus von Stauffenbergs gescheitert war. Hier stimmte Hitler der Verlegung der beiden noch in Deutschland verbliebenen italienischen Divisionen nach Italien zu.[462] Hitler bekundete bis zuletzt einen sentimentalen Respekt vor Mussolini und soll noch im FrĂŒhjahr 1945 geĂ€ußert haben, dass sich an seiner „persönlichen Verbundenheit mit dem Duce“ nichts geĂ€ndert habe, auch wenn das BĂŒndnis mit Italien ein Fehler gewesen sei.[463]

Tod

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Mussolini im GesprÀch mit einem Angehörigen der Guardia Nazionale Repubblicana, 1944

VerstÀndigungsversuche mit dem Widerstand

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Mussolini trat am 16. Dezember 1944 im MailĂ€nder Teatro Lirico zum letzten Mal öffentlich auf. Anfang April 1945 nahmen die britischen und amerikanischen Truppen in Norditalien ihren Vormarsch wieder auf, nachdem mehrere Monate eine faktische Kampfruhe geherrscht hatte. Am 24. April ĂŒberschritten sie den Po, am nĂ€chsten Tag brach in Mailand ein Aufstand kommunistischer und sozialistischer Partisanen aus, dem der in voller Auflösung befindliche faschistische Staatsapparat nicht mehr gewachsen war.

Mussolini hatte in den Wochen zuvor – unter anderem durch Vermittlung des MailĂ€nder Kardinals Schuster â€“ versucht, mit dem Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) in Verbindung zu treten.[464] Er hatte dieses letzte politische Manöver mit der Entlassung des Innenministers Guido Buffarini-Guidi vorbereitet, eines in der Bevölkerung besonders verhassten, fanatischen Faschisten (21. Februar 1945). Eine weitere Geste gegenĂŒber der linken Widerstandsbewegung war die am 22. MĂ€rz verkĂŒndete sofortige „Sozialisierung“ der gesamten Industrie. Über Carlo Silvestri bot er nun an, die Macht an die Aktionspartei und die Sozialisten zu ĂŒbergeben, falls ihm eine geordnete Kapitulation gegenĂŒber den alliierten StreitkrĂ€ften gestattet werde.

Die versuchte „VerstĂ€ndigung“ mit dem nichtkommunistischen FlĂŒgel der Resistenza scheiterte endgĂŒltig am 25. April. An diesem Tag erfuhr Mussolini durch Mitarbeiter Schusters, dass der SS-General Karl Wolff seit Wochen mit Vertretern der WestmĂ€chte ĂŒber eine Teilkapitulation der deutschen Truppen in Italien verhandelte.[465]

Flucht und Erschießung

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Nach wĂŒtenden VerratsvorwĂŒrfen an seine deutschen Begleiter floh Mussolini noch am Abend des 25. April zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci und einigen faschistischen FunktionĂ€ren unter Mitnahme zahlreicher – bis heute verschollener â€“ Geheimdokumente nach Norden. UngeklĂ€rt ist, ob er die Absicht hatte, in die Schweiz zu entkommen, oder, wie in verschiedenen GesprĂ€chen angedeutet, mit den im Veltlin versammelten Brigate Nere ein „letztes Gefecht“ liefern wollte.

In Menaggio schloss sich Mussolini mit seiner zusammengeschmolzenen Entourage einer motorisierten deutschen Flak-Einheit an. An einer Straßensperre zwischen Musso und Dongo am Comer See wurde die Fahrzeugkolonne am 27. April 1945 von kommunistischen Partisanen angehalten. Bei der Durchsuchung wurde der als Flakkanonier verkleidete Mussolini erkannt und gefangen genommen.

Noch am 27. April verbreitete der MailĂ€nder Radiosender diese Nachricht. Am Folgetag traf eine Partisanengruppe aus Mailand in Dongo ein. Sie hatte den Befehl erhalten, den vom Nationalen Befreiungskomitee fĂŒr Norditalien (CLNAI), dem FĂŒhrungsorgan der Resistenza, gegen Mussolini und andere fĂŒhrende Faschisten verhĂ€ngten Tötungsbefehl zu vollstrecken.

Am Rande des Dorfes San Giulino di Mezzegra wurden Mussolini und Petacci, die sich von ihm nicht lossagen wollte und vergewaltigt worden war, am 28. April 1945 erschossen.[466][467] Die TodesumstĂ€nde Mussolinis sind bis in die Gegenwart Gegenstand von Spekulation und Mythenbildung geblieben. Die jĂŒngere wissenschaftliche Literatur hat die zuletzt in den 1990er Jahren als „kommunistische Geschichtslegende“[468] angegriffene, „offizielle“ Version indes im Kern bestĂ€tigt.[469] Die ĂŒber Jahrzehnte verbreitete Version der Geschichtsschreibung, wonach Mussolini und Petacci erst nach einem Gerichtsverfahren am Morgen des 28. April 1945 am Nachmittag des gleichen Tages hingerichtet wurden, gilt heute als ĂŒberholt.[467]

Verbleib des Leichnams

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Die Leichen Mussolinis, Petaccis, Nicola Bombaccis, Alessandro Pavolinis und einiger anderer wurden anschließend nach Mailand transportiert und am 29. April auf dem Piazzale Loreto, wo am 10. August 1944 15 hingerichtete Partisanen zur Schau gestellt worden waren, kopfĂŒber am Dach einer Tankstelle aufgehĂ€ngt. Dabei kam es zu SchĂ€ndungen der Leichen.

Mussolinis Grab in Predappio

Der Leichnam Mussolinis wurde durch amerikanische Ärzte einer Autopsie unterzogen und anschließend auf einem anonymen GrĂ€berfeld des MailĂ€nder Hauptfriedhofs Musocco beerdigt.[470] In der Nacht zum 23. April 1946 wurde er von faschistischen Aktivisten um Domenico Leccisi ausgegraben, obwohl die genaue Lage der GrabstĂ€tte nur drei bis vier Personen bekannt gewesen sein soll.[471] Der Leichnam wurde mit UnterstĂŒtzung profaschistischer Priester zunĂ€chst im Veltlin, dann in einer MailĂ€nder Kirche und zuletzt in einer Mönchszelle der Certosa di Pavia versteckt.[472]

Nach dreieinhalb Monaten entdeckt, veranlasste die italienische Regierung eine anonyme Beerdigung im Kapuzinerkloster Cerro Maggiore. Am 1. September 1957 wurde Mussolini im Beisein seiner Witwe Rachele Mussolini in der Familiengruft in Predappio unter dem LiktorenbĂŒndel, dem Symbol seiner Macht und des Faschismus, beigesetzt. Den Weg dafĂŒr hatte der christdemokratische MinisterprĂ€sident Adone Zoli geebnet, der sich von dieser Geste gegenĂŒber der radikalen Rechten die parlamentarische UnterstĂŒtzung des neofaschistischen MSI erhoffte (und diese auch erhielt).

Persönlichkeit, Privatleben und Familie

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Rhetorik und Propagandafigur

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Erscheinung und persönliche LebensfĂŒhrung Mussolinis – oder das, was er dafĂŒr ausgeben ließ – waren ein integraler Bestandteil des Duce-Mythos, zu dem untrennbar die „theatralische Persönlichkeit“ gehört.[473] Mussolini war ein Pionier der Politik als SchaugeschĂ€ft,[474] als es – nicht nur in Italien – noch nicht ĂŒblich war, dass rhetorische Gesten und Sentenzen, inszenierte Auftritte, Äußerlichkeiten und Manierismen fĂŒhrender Politiker die öffentliche Debatte bestimmten. Das Regime sei, so Richard Bosworth, „vom spin getragen“ gewesen (siehe Spin-Doctor) und als „Propagandastaat“ zu verstehen, „in dem nichts so war wie behauptet und in dem Worte das waren, was zĂ€hlte“.[475]

Mussolini sorgte in den verschiedenen Phasen der Entwicklung des Regimes fĂŒr die verbindlichen „Worte“ und lieferte die emblematischen Posen. Seine charakteristische Physiognomie, seine „herrische“ Haltung, seine „mimische“ PrĂ€senz als Redner â€“ Aufreißen und Rollen der Augen, unterstreichendes, abgestuftes Gestikulieren, abruptes Vor- oder ZurĂŒckbeugen â€“ waren schnell Gegenstand von Fotografie und Karikatur.[476] In den 1920er Jahren galt er als der am meisten fotografierte Mensch der Geschichte. Die zu seinen Lebzeiten offiziell durch Postkarten, Plakate, Sammelbilder und die Presse in Umlauf gebrachten, mehr oder weniger gestellten Aufnahmen Mussolinis zeigen rund 2.500 verschiedene Motive.[477]

Der von der faschistischen Propaganda durch Bild und Text nach und nach konstruierte Duce war immer Herr der Situation, Vater und Ehemann, lebte sparsam und anspruchslos, arbeitete hart und konzentriert, trieb Sport, war Flieger, Fechter, körperlich fit und obendrein ein „Mann der Kultur“. Mussolini kontrollierte und steuerte diese Mythenbildung in hohem Maße selbst, etwa durch lange Interviews, die er ĂŒber Jahre ausgewĂ€hlten auslĂ€ndischen Journalisten gewĂ€hrte.

Gesundheitlicher Zustand

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Vieles an diesen Zuschreibungen war erfunden oder in charakteristischer Weise ĂŒberzeichnet. Schon der als Staatsgeheimnis behandelte Gesundheitszustand Mussolinis war zweifelhaft: Seit seiner Verwundung 1917 hatte Mussolini Probleme, sich ohne fremde Hilfe die Schuhe anzuziehen. Im Februar 1925 erkrankte er erstmals ernsthaft und lag mit inneren Blutungen mehrere Wochen lang im Bett. Wahrscheinlich litt er schon zu diesem Zeitpunkt an einem Magen- oder DarmgeschwĂŒr. Eine Operation erfolgte auf seinen Wunsch hin nicht. Er ernĂ€hrte sich fortan fast ausschließlich von Nudeln, Milch und FrĂŒchten und verzichtete auf Alkohol und Zigaretten, konnte damit aber lediglich einige Jahre lang die Symptome kontrollieren. SpĂ€ter musste er immer wieder – auch in der Sitzung des Großrats am 24./25. Juli 1943 – unvermittelt die HĂ€nde gegen den Bauch pressen, wenn die Schmerzen zu heftig wurden.

Bereits vor seinem 50. Geburtstag begann er sichtbar zu altern und verfiel nach 1940 rasch physisch und psychisch. 1943 beschrieb ein ungarischer Besucher ihn als „sehr krank. Sein Kopf war kahl, seine Haut gelblich-weiß, und er sprach schnell, mit nervösen Gesten.“[478] Die deutschen Ärzte, die ihn im September 1943 umfassend untersuchten, diagnostizierten ein DarmgeschwĂŒr und eine vergrĂ¶ĂŸerte Leber. Der Arzt Georg Zachariae nannte ihn in seinen Aufzeichnungen ein „physisches Wrack am Rande des Grabes“.[479] Anzeichen fĂŒr die Mussolini bis heute – mit Implikationen fĂŒr die Interpretation seiner persönlichen Entwicklung und Politik – nachgesagte Syphilis fanden sie jedoch nicht, ebenso wenig wie die amerikanischen Ärzte, die 1945 die Leiche untersuchten.[480]

Mussolini als „Sportler“

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Ein typisches Beispiel fĂŒr die Konstruktion des Duce ist der „Flieger“ Mussolini. Zwar hatte Mussolini im Juli 1920 begonnen, Flugunterricht zu nehmen, saß spĂ€ter aber nur gelegentlich am Steuer eines Flugzeugs. Dennoch ließ er Jahr fĂŒr Jahr die Zahl seiner angeblichen Flugstunden, die in der Summe den Flugstunden eines Berufspiloten entsprachen, veröffentlichen.[481] Das geschah nicht zufĂ€llig. Der Kult um Piloten und Flugzeuge war nach dem Ersten Weltkrieg bei der „neuen Rechten“ vieler LĂ€nder verbreitet, bei den italienischen Faschisten aber besonders ausgeprĂ€gt. Die Fliegerei erhob den „Einzelnen“ ĂŒber die „Masse“ und galt als ebenso modern wie „antimarxistisch“.[482] In der FrĂŒhphase der faschistischen Bewegung trat Mussolini vor AnhĂ€ngern gelegentlich in Pilotenmontur auf, spĂ€ter ließ er sich immer wieder neben oder in Flugzeugen fotografieren. Im Januar 1937 erhielt er eine militĂ€rische Pilotenlizenz. Seine Gewohnheit war und blieb es allerdings, Flugzeuge dann zu steuern, wenn sie bereits in der Luft waren.

Im August 1941 sorgte Mussolini bei der Entourage Hitlers fĂŒr Entsetzen, als er darauf bestand, das Steuer der Maschine zu ĂŒbernehmen, in der beide auf dem Weg zu einem Truppenbesuch an der Ostfront waren.[483] Zur Konstruktion des Duce gehörte es auch, dass Mussolini als Fahrer schneller Autos, aggressiver Fechter, Tennisspieler, tollkĂŒhner Reiter, Schwimmer und Skifahrer inszeniert wurde,[484] der die Begeisterung der Italiener fĂŒr den Sport auch durch Funktionalisierung des Olympischen Komitees (CONI) und der Sportzeitungen fĂŒr die UnterstĂŒtzung seiner Person und seiner Politik nutzte.[485]

Ein seinerzeit neues, mit einem „humanisierenden“ Subtext versehenes Element dieser Rollen war der „schwitzende“ Mussolini. Kein anderer Politiker der Zwischenkriegszeit war „auf diese Weise sichtbar ‚Mensch‘“.[486] Die so entstandene „eigentĂŒmliche Mischung des Göttlichen und des Profanen“[486] hatte auch eine „mĂ€nnliche“, sexuelle Komponente, die von der Propaganda nie dementiert, sondern unausgesprochen in den Duce-Kult integriert wurde.

AffÀren

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Details zu Mussolinis PromiskuitĂ€t – einige SchĂ€tzungen gehen von etwa 400 verschiedenen Sexualpartnerinnen aus[487] – wurden erst lange nach 1945 bekannt. Mussolini unterhielt bereits vor 1922 hĂ€ufig Beziehungen mit mehreren Frauen gleichzeitig. Mit der NĂ€herin Angela Cucciati hatte Mussolini eine uneheliche Tochter namens Elena (1922–2022). Diese erfuhr erst im Alter von 20 Jahren, dass er ihr leiblicher Vater war.[488]

Die fĂŒr seine persönliche Entwicklung bedeutendste Beziehung war die mit Margherita Sarfatti, die dem Neuankömmling aus der Provinz nach 1912 die Salons des „respektablen“ MailĂ€nder BĂŒrgertums zugĂ€nglich machte. Bekannt ist auch sein VerhĂ€ltnis mit der Kosmetikerin Ida Dalser, aus dem 1915 der Sohn Benito Albino (1915–1942) hervorging. Mussolini erkannte auf DrĂ€ngen Dalsers die Vaterschaft an und zahlte Unterhalt fĂŒr das Kind, hielt aber strikt Distanz zu den beiden, nachdem er im Dezember 1915 eine Zivilehe mit Rachele Guidi eingegangen war. Möglicherweise hat Mussolini Dalser im Dezember 1914 kirchlich geheiratet.[489] Da Dalser ihm ĂŒber Jahre hinweg immer wieder „Szenen“ machte, ließ er sie 1926 in eine Nervenheilanstalt einweisen, wo sie 1937 starb.

Es gilt als sicher, dass Mussolini weitere uneheliche Nachkommen hatte. Als Diktator nutzte Mussolini die Möglichkeit, seine einschlĂ€gigen AktivitĂ€ten optimal zu organisieren. Im Palazzo Venezia befand sich direkt neben seinem Arbeitszimmer ein „Erholungsraum“, in dem er zahlreiche „Besucherinnen“ empfing. Mussolinis Verhalten gegenĂŒber seinen Partnerinnen wird als körperlich und emotional rĂŒcksichtslos beschrieben. Rachele Mussolini hat die AffĂ€ren ihres Mannes offenbar lange Zeit nicht zur Kenntnis genommen. Erst als Petacci ebenfalls ein Haus in Gargnano bezog, suchte sie die Rivalin im Oktober 1944 auf und forderte sie erfolglos auf zu verschwinden.[490]

Die „EnthĂŒllungen“ ĂŒber sein Sexualleben haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder die populĂ€rwissenschaftliche und journalistische Publizistik beschĂ€ftigt, werden in der wissenschaftlichen Literatur aber meist nur am Rande vermerkt. Auch die AffĂ€re mit der wohlhabenden Arzttochter Claretta Petacci, die 1936 begann und bis 1945 andauerte, könnte man, so der Historiker Richard Bosworth, ebenso wie alle anderen ignorieren, wenn sie nicht so lange gedauert und schließlich die Reputation des Regimes beeintrĂ€chtigt hĂ€tte: WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges sorgte die BBC dafĂŒr, dass die Machenschaften des „Petacci-Clans“ in ganz Italien bekannt wurden.[491] Bosworth sieht in der Beziehung Mussolinis mit der ihm intellektuell weit unterlegenen Petacci ein „Symbol fĂŒr den Niedergang des Diktators im letzten Jahrzehnt seiner Herrschaft“.[492]

Benito Mussolini mit seiner Àltesten Tochter Edda (1925)

Als „Familienmensch“

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In einem SpannungsverhĂ€ltnis dazu stand das verzerrte Bild des „Familienmenschen“ Mussolini, das erst nach der conciliazione mit der Kirche von der Propaganda stĂ€rker bemĂŒht wurde. Nach 1922 hatte Mussolini einige Jahre lang fast keinen Kontakt zu Frau und Kindern. Er lebte zunĂ€chst einige Monate in einem römischen Hotel, danach in einer Wohnung im Palazzo Tittoni, wo ihn eine HaushĂ€lterin unterstĂŒtzte. Die Familie blieb in Mailand bzw. in ForlĂŹ, er traf sie zwei oder drei Mal im Jahr.

Erst im Herbst 1929 holte Mussolini die Familie nach Rom, wo er inzwischen die reprĂ€sentative Villa Torlonia bezogen hatte. Dort empfing er nach 1929 nur Ă€ußerst selten Besuch, offenbar auf Wunsch seiner Frau, die innerhalb der Familie der „Diktator“[493] war. Rachele Mussolini pflegte auch in der Villa Torlonia weiter einen „bĂ€uerlichen“ Lebensstil und begann, auf dem aristokratischen Anwesen HĂŒhner, Kaninchen und Schweine zu zĂŒchten. Sie war auf ihre Weise „geschĂ€ftstĂŒchtig“ und etablierte in der Romagna ein von ihr abhĂ€ngiges Klientelnetzwerk. Ihre geschĂ€ftlichen Interessen waren 1933 einer der Auslöser fĂŒr den Sturz Arpinatis, der sich ihr gegenĂŒber wenig kooperativ gezeigt hatte.[494] Mussolini zog sich in der Villa Torlonia so hĂ€ufig wie möglich aus dem Kreis der Familie zurĂŒck, nahm Mahlzeiten allein ein und ließ sich in den Abendstunden die neuesten Filme, vorzugsweise amerikanische, vorfĂŒhren.

Zu seinen Kindern hatte er – abgesehen von der Ă€ltesten Tochter Edda – kein engeres VerhĂ€ltnis. Die Söhne Vittorio und Bruno waren, wie Mussolini bald einsah, ohne politisches Talent.[495] Nach dem Äthiopienkrieg, an dem beide als Piloten teilnahmen, traten sie öffentlich kaum mehr hervor. Vittorio ging in die Filmwirtschaft und versuchte erst 1943/44 zum Missfallen seines Vaters, eine aktive politische Rolle zu spielen. Bruno schlug eine Offizierslaufbahn ein und verunglĂŒckte im August 1941 bei einem Testflug mit der Piaggio P.108 tödlich. Die beiden zuletzt geborenen Kinder – der Sohn Romano (1927–2006) und die seit dem siebten Lebensjahr an KinderlĂ€hmung erkrankte Tochter Anna Maria (1929–1968) – waren zu jung, um im Regime noch eine Rolle zu spielen.

Der „Intellektuelle“ und „Kulturmensch“

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Der „Intellektuelle“ und „Kulturmensch“ Mussolini ist schwierig einzuordnen. Mussolini war ein produktiver Autor.[496] Sein Stil war durchaus geschliffen und er Ă€ußerte sich – mit unterschiedlichem Tiefgang – zu allen großen politischen und kulturellen Debatten seiner Zeit. Seine nach dem Zweiten Weltkrieg von AnhĂ€ngern zusammengestellten Reden und Schriften fĂŒllen 44 BĂ€nde.[497] Auch im persönlichen GesprĂ€ch vermochte Mussolini zu beeindrucken; er teilte nicht Hitlers Vorliebe fĂŒr „zielloses Geplauder“[498] und wird von Zeitgenossen, die mit beiden Diktatoren zu tun hatten, als der interessantere GesprĂ€chspartner beschrieben. Allerdings neigte auch der Duce mit zunehmendem Alter zum anekdotischen Monologisieren.[499]

Zu beachten ist bei den ĂŒberlieferten Äußerungen Mussolinis immer, dass diese selten in einem primĂ€r sach- oder problembezogenen Kontext stehen, sondern bei ihm in erster Linie darauf berechnet waren, beim GegenĂŒber oder Leser einen bestimmten Eindruck hervorzurufen. Sie verraten also allenfalls indirekt etwas ĂŒber sein Wissen und seine Weltsicht, die ĂŒber alle BrĂŒche und WidersprĂŒche hinweg irrationalen und reaktionĂ€ren Ideologien verpflichtet blieb,[500] aber viel darĂŒber, wie er sein Publikum bzw. seine GesprĂ€chspartner einschĂ€tzte und von ihnen gesehen werden wollte: „Sogar in den GesprĂ€chen unter vier Augen setzte sich die Schauspielerei fort: seinen aufmerksameren Besuchern fiel auf, dass Mussolini seine Standpunkte Ă€nderte, um sie ihren anzupassen“.[501] So lehnte er 1932 im GesprĂ€ch mit Emil Ludwig jegliche Rassentheorie als unhaltbar ab, nannte Ludwig spĂ€ter aber gegenĂŒber einem anderen GesprĂ€chspartner einen „schmutzigen und anmaßenden Juden“.[502]

Gerade in seinen Äußerungen ĂŒber Wissenschaft, Kunst und Kultur finden sich viele Übertreibungen, Erfindungen und einander ausschließende WidersprĂŒche. Da Mussolini glaubte, als Experte auf allen Gebieten gelten zu mĂŒssen,[503] stellte er absurde Behauptungen auf wie die, er habe alle 35 BĂ€nde der Enciclopedia Italiana gelesen, lese die Texte antiker griechischer Philosophen im Original oder schaffe es, trotz der auf ihm lastenden Arbeitslast pro Jahr etwa 70 BĂŒcher zu lesen.[504] Zutreffend war, dass er beispielsweise Platon in Übersetzung las und auch seine sonstige LektĂŒre durchaus umfangreich war; italienischen Autoren ließ er nach Neuerscheinungen gelegentlich Anmerkungen und Kommentare zukommen.[505] Deutsche und französische Autoren konnte er in der Originalsprache lesen. Hitlers Geschenk zu seinem 60. Geburtstag war eine 24-bĂ€ndige Gesamtausgabe der Werke Nietzsches.[506] Trotz gegenteiliger Behauptungen blieb ihm die englischsprachige Literatur vergleichsweise fremd.[507]

Sein VerhĂ€ltnis zur darstellenden Kunst war widersprĂŒchlich. Er sorgte persönlich fĂŒr die Auslobung hochdotierter Preise, beklagte aber gern und hĂ€ufig, dass ein Übermaß an Ă€sthetischer Verfeinerung die Italiener ĂŒber Jahrhunderte korrumpiert und verweichlicht habe. Werke der Malerei verstand er nach eigener Aussage nicht, Ausstellungen suchte er so gut wie nie auf. Die ĂŒblichen martialischen Worte ĂŒber ein „totalitĂ€res Konzept der Kultur“ hatten in diesem Bereich kaum unmittelbare Folgen fĂŒr die kĂŒnstlerische Produktion und auch die PopulĂ€rkultur – insbesondere der Film – wurde im faschistischen Italien nicht annĂ€hernd so eng „gefĂŒhrt“ wie in Deutschland.

In der Architektur zeigte Mussolini eine Vorliebe fĂŒr Monumentalbauten. Rom sollte – in eklatantem Widerspruch zu seinen hĂ€ufigen Stellungnahmen gegen die VerstĂ€dterung Italiens – wieder eine Metropole wie in der Antike werden, seine Bevölkerung verdoppeln und die 20 Kilometer bis zum Meer â€žĂŒberwinden“. Im Zentrum der Stadt wollte er alle Bauwerke aus den „Jahrhunderten der Dekadenz“ (worunter Mussolini die 1500 Jahre zwischen dem Untergang des alten Rom und dem Risorgimento verstand[507]) abreißen lassen. Kaum etwas von diesen PlĂ€nen, darunter die Errichtung einer den Faschismus symbolisierenden 80 Meter hohen Kolossalstatue, wurde umgesetzt – „einmal mehr war die AnkĂŒndigung das, worauf es ankam, die AusfĂŒhrung war weniger wichtig.“[508] Das fĂŒr die 1942 geplante Weltausstellung errichtete EUR-Viertel blieb die auffĂ€lligste architektonische Hinterlassenschaft des Faschismus in der Hauptstadt.

Der „bescheidene Lebensstil“ Mussolinis

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Den von der Propaganda herausgestellten „bescheidenen“ Lebensstil Mussolinis hat die Forschung relativiert. Bereits 1919 konnte die Familie Mussolini eine reprĂ€sentative Wohnung am MailĂ€nder Foro Buonaparte beziehen; Mussolini besaß zu diesem Zeitpunkt nicht nur ein Auto, sondern als einer der ersten Menschen in Europa auch ein Privatflugzeug.[509] Persönlich war Mussolini in gewisser Weise gleichgĂŒltig gegenĂŒber Luxus und Geld, wurde aber als MinisterprĂ€sident schnell sehr wohlhabend. Das Gehalt als Regierungschef (jĂ€hrlich 32.000 Lire) bezog er nur bis 1928 (und dann wieder ab 1943).

Ein großer Teil seines Einkommens bestand aus Honoraren und Tantiemen fĂŒr Artikel, Reden und andere Schriften. Eine Zeit lang zahlte ihm beispielsweise der amerikanische Pressemagnat William Randolph Hearst die seinerzeit hohe Summe von 1.500 Dollar pro Woche fĂŒr gelegentliche BeitrĂ€ge in dessen Zeitungen. FĂŒr eine Autobiographie, die Mussolini 1927/28 schrieb (bzw. schreiben ließ), zahlte ihm ein britischer Verlag einen Vorschuss von 10.000 Pfund Sterling. Der Popolo d’Italia war nicht nur das Sprachrohr des Regimes, sondern auch Eigentum Mussolinis und mit etwa 700 Mitarbeitern ein profitabler Pressegroßbetrieb.

Die Familie Mussolini besaß außerdem etwa 30 ha gutes Ackerland in der Romagna, das sie von einem modern ausgestatteten landwirtschaftlichen Modellbetrieb bewirtschaften ließ. Die von Mussolini persönlich zu bestreitenden Ausgaben waren demgegenĂŒber gering. Die großgrundbesitzenden Torlonias ĂŒberließen dem Duce ihre römische Villa fĂŒr eine symbolische Miete.[510] Das von Mussolini als Alters- und Familiensitz ausersehene Anwesen Rocca delle Caminate bei Predappio schenkte ihm 1927 „die Nation“.

Nachleben

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Nach der Beisetzung im Jahr 1957 wurde die Kleinstadt Predappio zu einer „PilgerstĂ€tte“ fĂŒr Mussolinis AnhĂ€nger. Devotionalien waren an jeder Straßenecke erhĂ€ltlich, bis die Gemeindeverwaltung den Ladenverkauf im April 2009 verbot.[472] In jedem Jahr versammeln sich zum Geburts- und Todestag Mussolinis im Juli bzw. April sowie im Oktober am Jahrestag der Marcia su Roma jeweils mehrere tausend Neofaschisten in Predappio; ihr Marsch zum Friedhof San Cassiano wurde lange von einem Priester der Piusbruderschaft angefĂŒhrt.

Das öffentliche Bild Mussolinis in Italien wandelte sich stark.[511] Bis in die 1980er Jahre hinein bekannten sich die drei großen Parteien – PCI, PSI und mit EinschrĂ€nkungen auch die DC â€“ gleichermaßen zum Erbe der Resistenza. Die offene Verehrung fĂŒr den Duce blieb dem neofaschistischen MSI vorbehalten, der bei Wahlen in seinen Hochburgen in Mittel- und SĂŒditalien zum Teil ĂŒber 20 Prozent der Stimmen erhielt. Weniger sichtbar, aber politisch gewichtiger waren die in den Netzwerken des italienischen BĂŒrgertums sowie im MilitĂ€r-, Polizei- und Geheimdienstapparat konservierten faschistischen Orientierungen.[512] Bereits in den Nachkriegsjahrzehnten pflegte ein einflussreicher Teil der italienischen Publizistik – prominent etwa der konservative Journalist und vielgelesene Sachbuchautor Indro Montanelli – das Bild vom „guten Onkel Mussolini“, der als paternalistischer Diktator nichts Schlimmeres getan habe als „Grimassen zu schneiden“.[513] Die Veröffentlichung des ersten Teils des dritten Bandes der Mussolini-Biographie Renzo De Felices und die anschließende, durch ein Interview mit dem neokonservativen amerikanischen Autor Michael Ledeen[514] ausgelöste Kontroverse signalisierte 1974/75 den Übergang maßgeblicher Zeithistoriker auf „anti-antifaschistische“ Positionen. De Felices Konsens-These und seine Unterscheidung zwischen faschistischem „Regime“ und faschistischer „Bewegung“ (der er grundsĂ€tzlich auch Mussolini zuordnete), die nicht reaktionĂ€r und repressiv, sondern zukunftsorientiert, optimistisch und von den modernisierungswilligen „aufsteigenden Mittelschichten“ getragen gewesen sei, wiesen linke Kritiker wie der Historiker Nicola Tranfaglia als großangelegten „Versuch einer Rehabilitierung der faschistischen Bewegung“ zurĂŒck.[515]

Nach 1980 traten im öffentlichen Diskurs ĂŒber Mussolini und das faschistische Regime immer deutlicher relativierende ZĂŒge hervor, von der zunĂ€chst vorsichtigen Infragestellung tatsĂ€chlicher oder vermeintlicher „Legenden“ der antifaschistischen Erinnerungskultur zur offenen Rechtfertigung des Duce. Zur Jahreswende 1987/88 sagte De Felice, unterstĂŒtzt von Journalisten wie Montanelli und Stimmen aus dem Umfeld des ehemaligen MinisterprĂ€sidenten Bettino Craxi, der „offiziellen Kultur des Antifaschismus“ in mehreren ZeitungsbeitrĂ€gen den Kampf an.[516] Auf dem Höhepunkt dieser Kampagne wurde der Mussolini der Jahre 1943–45 in einem 1995 in Buchform veröffentlichten und mehrfach neu aufgelegten umfangreichen Interview (Rosso e Nero) als „tragischer Held“ dargestellt, der sich fĂŒr das Vaterland geopfert habe.[517] Mit dem Zusammenbruch des italienischen Parteiensystems zu Beginn der 1990er Jahre und der Neugruppierung des konservativen Lagers um Silvio Berlusconi in den Jahren danach setzte sich auch im Mainstream der italienischen Politik eine zum Teil offene Apologie Mussolinis durch. GrundsĂ€tzlich kritisiert werden seither hĂ€ufig nur noch die Rassengesetze des Jahres 1938 und das „verhĂ€ngnisvolle“ BĂŒndnis mit Deutschland. 2003 erregte Berlusconi mit der Äußerung Aufsehen, Mussolini sei fĂŒr keinen einzigen Toten verantwortlich, zudem seien die Straflager und GefĂ€ngnisse des Regimes „Ferienlager“ gewesen.[518] Als MinisterprĂ€sident ließ Berlusconi es zu, dass AnhĂ€nger ihn bei öffentlichen Auftritten mit dem saluto romano grĂŒĂŸten und mit „Duce, Duce“-Rufen feierten.[519] Der Schweizer Historiker Aram Mattioli konstatierte 2010 eine inzwischen durchgesetzte „revisionistische ‚NormalitĂ€t‘“,[520] die bis hinein in die „Mitte der Gesellschaft“ nicht mehr als problematisch empfunden werde – mit Straßenbenennungen, „guten Faschisten“ als Filmhelden und GesetzesvorschlĂ€gen, „die Mussolinis letztes Aufgebot und die Kollaborateure von SalĂČ den KĂ€mpfern der Resistenza gleichstellen wollen“.[521]

Der australische Historiker Richard Bosworth sieht fĂŒr diese Neubewertung drei Wurzeln:

  1. Die durch Renzo De Felices monumentale Mussolini-Biographie angestoßene konservative Trendwende in der italienischen Faschismus-Historiographie, die in den 1990er Jahren durch eine Welle autobiographischer Veröffentlichungen von Altfaschisten flankiert und international durch die „kulturalistische“ Strömung der Geschichtswissenschaft begĂŒnstigt wurde, die sich weniger fĂŒr politische Herrschaft und deren Inhalte interessiert,
  2. die durch das völlige Verschwinden des Nachkriegsparteiensystems besonders weit fortgeschrittene „Entideologisierung“ der italienischen Alltagskultur, in deren Sog auch die jĂŒngere Geschichte des Landes in den „Schmelztiegel des Infotainment“ geraten ist,
  3. der in den großen Medien omniprĂ€sente Gestus des „Anti-Antifaschismus“ und die prominent im Umfeld von Berlusconi vertretene These, der „Kommunismus“ sei letztlich fĂŒr die Katastrophen des 20. Jahrhunderts und die Probleme der italienischen Nachkriegsgeschichte verantwortlich.[522]

Mussolinis EhrenbĂŒrgerschaft wurde in mehreren italienischen StĂ€dten, darunter Anzio[523], bis heute nicht ausdrĂŒcklich widerrufen. Der Gemeinderat von SalĂČ hat am 26. Februar 2025 Mussolini postum die EhrenbĂŒrgerschaft entzogen.[524]

FĂŒr die Regierungsform unter Benito Mussolini hat sich unter anderem durch Publikationen die Bezeichnung Mussolinismus etabliert.[525][526][527][528]

Quellen

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Editionen und Dokumentensammlungen

  • Renzo De Felice (Hrsg.): Autobiografia del fascismo. Antologia di testi fascisti 1919–1945. Bergamo 1978.
  • Renzo De Felice (Hrsg.): Galeazzo Ciano. Diario 1937–1943. Mailand 1980.
  • Charles Delzell (Hrsg.): Mediterranean Fascism 1919–1945. London 1971.
  • Giordano Bruno Guerri (Hrsg.): Giuseppe Bottai. Diario 1935–1944. Mailand 1982.
  • Giordano Bruno Guerri (Hrsg.): Rapporto al Duce. Il testo stenografico inedito dei colloqui tra i federali e Mussolini nel 1942. Mailand 1978.
  • Edoardo Susmel, Duilio Susmel (Hrsg.): Opera omnia di Benito Mussolini. 36 BĂ€nde. Florenz 1951–1963. (Neuauflage mit 8 ErgĂ€nzungsbĂ€nden Rom 1978–1980.)
  • Mauro Suttora (Hrsg.): Claretta Petacci. Mussolini segreto. Diari 1932–1938. Mailand 2009.

Literatur

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Überblickswerke und Biographien

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  • Margherita G. Sarfatti: Mussolini – Lebensgeschichte. Herausgegeben von Alfred M. Balte. Einzig autorisierte Deutsche Ausgabe. Paul List Verlag, Leipzig 1927.
  • Richard J. B. Bosworth: Dictators, Strong or Weak? The Model of Benito Mussolini. In: Richard J. B. Bosworth (Hrsg.): The Oxford Handbook of Fascism. Oxford 2010, S. 259–275.
  • Richard J. B. Bosworth: Mussolini. London 2002.
  • Richard J. B. Bosworth: Mussolini’s Italy. Life under the Dictatorship. London 2005.
  • Richard J. B. Bosworth: The Italian Dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and Fascism. London 1998.
  • Martin Clark: Mussolini. Harlow 2005.
  • Paul Corner: Italian Fascism: Whatever Happened to Dictatorship? In: The Journal of Modern History. Jg. 74 (2002), S. 325–351.
  • Renzo De Felice: Mussolini.
    • Il rivoluzionario 1883–1920. Turin 1965.
    • Il fascista.
      • La conquista del potere 1921–1925. Turin 1966.
      • L’organizzazione dello Stato fascista 1925–1929. Turin 1968.
    • Il duce.
      • Gli anni del consenso 1929–1936. Turin 1974.
      • Lo Stato totalitario 1936–1940. Turin 1981.
    • L’alleato.
      • L’Italia in guerra 1940–1943.
        • Dalla guerra “breve” alla guerra lunga. Turin 1990.
        • Crisi e agonia del regime. Turin 1990.
      • La guerra civile 1943–1945. Turin 1997.
  • Nicholas Farrell: Mussolini. A New Life. London 2003.
  • Giuseppe Finaldi: Mussolini and Italian Fascism. Harlow 2008.
  • MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italy’s Last War. Cambridge 1982.
  • Aurelio Lepre: Mussolini l’Italiano. Il Duce nel mito e nella realtĂ . Mailand 1995.
  • Denis Mack Smith: Mussolini. London 1981.
  • Pierre Milza: Mussolini. Paris 1999.
  • Luisa Passerini: Mussolini immaginario. Storia di una biografia 1915–1939. Bari 1991.
  • Giorgio Pini, Duilio Susmel: Mussolini. L’uomo e l’opera. 4 BĂ€nde, Florenz 1953–1955 (Die erste umfangreiche Nachkriegsbiographie Mussolinis wird trotz des faschistischen Hintergrunds der Verfasser wegen ihres Detailreichtums bis in die Gegenwart als Referenz herangezogen.)
  • Wolfgang Schieder: Benito Mussolini. In: Wolfgang Schieder: Faschistische Diktaturen. Studien zu Italien und Deutschland. Göttingen 2008, S. 31–56.
  • Wolfgang Schieder: Benito Mussolini. Beck, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-406-66982-8.
  • Hans Woller: Mussolini. Der erste Faschist. 2., korrigierte Auflage. C. H. Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-69837-8. Rezensionen im Perlentaucher
  • Rengha Rodewill; Hans E. Pappenheim: Mussolini. Wandlung zum Interventiunismus (Inauguraldissertation v. Hans E. Pappenheim, Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t zu Berlin 1935). BeitrĂ€ge v. Margherita Sarfatti: Mussolini. Lebensgeschichte. S. IX, XI, 1–87; Paul List Verlag Leipzig 1926 (1. Aufl.), Rachele Mussolini: „Mussolini ohne Maske“ – Die Frau des Duce berichtet. S. 40–58, 67–80, 116–133; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1974. artesinex verlag, Berlin 2023 (E-Book), ISBN 978-3-9821614-8-8.
  • Rengha Rodewill: Mussolini. Macht, Frauen und der Weg zur Diktatur. artesinex verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-910471-76-4.

Der frĂŒhe Mussolini

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  • Giorgio Fabre: Mussolinis engagierter frĂŒher Antisemitismus. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. 90, 2010, S. 346–372. (online)
  • Klaus Heitmann: Delenda Germania! Deutschland aus der Sicht des jungen Mussolini. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. 90, 2010, S. 311–345. (online)
  • Paul O’Brien: Mussolini in the First World War. The Journalist, the Soldier, the Fascist. Oxford / New York 2005.
  • Hans Woller: Ante portas. Mussolini in Trient 1909. In: Hannes Obermair, Stephanie Risse, Carlo Romeo (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung – Cittadini innanzi tutto. Festschrift fĂŒr Hans Heiss. Folio Verlag, Wien u. a. 2012, ISBN 978-3-85256-618-4, S. 483–500.

Letzte Monate

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  • Giorgio Cavalleri, Franco Giannantoni, Mario J. Cereghino: La fine. Gli ultimi giorni di Benito Mussolini nei documenti dei servizi segreti americani 1945–1946. Mailand 2009.
  • Sergio Luzzatto: Il corpo del Duce. Un cadavere tra immaginazione, storia e memoria. Turin 1998.
  • Pierre Milza: Les derniers jours de Mussolini. Paris 2012.
  • Ray Moseley: Mussolini. The last 600 days of Il Duce. Dallas 2004.
  • Morgan Philip: The Fall of Mussolini. Italy, the Italians and the Second World War. Oxford 2008.

VerhÀltnis zu Hitler und Deutschland

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  • Frederick William Deakin: Die brutale Freundschaft. Hitler, Mussolini und der Untergang des italienischen Faschismus. Aus dem Englischen von Karl Römer. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1962.
  • Lutz Klinkhammer: Zwischen BĂŒndnis und Besatzung. Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von SalĂČ (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 75). Niemeyer, TĂŒbingen 1993, ISBN 3-484-82075-6.
  • Jobst Knigge: Angst vor Deutschland – Mussolinis Deutschlandbild. Kovac, Hamburg 2015, ISBN 978-3-8300-8340-5.
  • MacGregor Knox: Common Destiny. Dictatorship, Foreign Policy, and War in Fascist Italy and Nazi Germany. Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-58208-3.
  • Pierre Milza: Conversations Hitler-Mussolini 1934–1944. Fayard, Paris 2013, ISBN 978-2-213-66893-2.
  • Wolfgang Schieder: Mythos Mussolini. Deutsche in Audienz beim Duce. Oldenbourg, MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-486-70937-7.
  • Hans Woller: Machtpolitisches KalkĂŒl oder ideologische AffinitĂ€t? Zur Frage des VerhĂ€ltnisses zwischen Mussolini und Hitler vor 1933. In: Wolfgang Benz, Hans Buchheim, Hans Mommsen (Hrsg.): Der Nationalsozialismus. Studien zur Ideologie und Herrschaft. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11984-7, S. 42–63.

Biografischer Roman

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  • Antonio Scurati: M. Il figlio del secolo. Bompiani, Mailand 2018, ISBN 978-88-452-9813-4.
    • M. Der Sohn des Jahrhunderts. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Klett-Cotta, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-98567-2.
  • Antonio Scurati: M. L’uomo della provvidenza. Bompiani, Mailand/Florenz 2020, ISBN 978-88-301-0265-1.
    • M. Der Mann der Vorsehung. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Klett-Cotta, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-608-98567-2.
  • Antonio Scurati: M. Gli ultimi giorni d’Europa. Bompiani, Mailand/Florenz 2022, ISBN 978-88-301-0496-9.
    • M. Die letzten Tage von Europa. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Klett-Cotta, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-608-98727-0.
  • Antonio Scurati: M. L’ora del destino. Bompiani, Mailand/Florenz 2024, ISBN 978-88-301-0497-6.
    • M. Das Buch des Krieges. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull und Michael von Killisch-Horn. Klett-Cotta, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-608-98827-7
  • M. La fine e il principio. Bompiani, Mailand/Florenz 2025, ISBN 978-88-301-0698-7.

Verfilmung

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Unter der Regie von Joe Wright wurde Band 1 des biografischen Romans unter dem gleichnamigen Titel M. Il figlio del secolo als achtteilige Miniserie verfilmt. Premiere war bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2024. Die Fernsehproduktion wurde 2025 in Italien erstausgestrahlt.[529]

Dokumentarfilme

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  • arte.tv / Istituto Luce: Mussolini – Der große VerfĂŒhrer Deutschland, Frankreich, Italien 2003, 43 Minuten.
  • zdf.de: Mussolini – Ikone des Faschismus Deutschland 2015, 43 Minuten.
  • arte.tv: Benito Mussolini (aus der Reihe Chronik einer Diktatur). USA 2021, 54 Minuten.

Weblinks

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Commons: Benito Mussolini â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Benito Mussolini â€“ Zitate
Wiktionary: Duce â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Ressourcen

  • Literatur von und ĂŒber Benito Mussolini im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Werke von und ĂŒber Benito Mussolini in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  • Werke von Benito Mussolini bei Open Library
  • Zeitungsartikel ĂŒber Benito Mussolini in den Historischen Pressearchiven der ZBW
  • Normeintrag im Opac des Servizio Bibliotecario Nazionale (SBN)
  • Benito Mussolini bei IMDb

Biographisches

  • Mussolini, Benito. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). (italienisch)
  • Benito Mussolini. In: EncyclopĂŠdia Britannica. Abgerufen am 23. Februar 2021 (englisch). 
  • Mauro Cerutti: Benito Mussolini. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 6. April 2010.
  • Andreas Hillgruber: Mussolini, Benito. In: Mathias Bernath, Felix von Schroeder (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte SĂŒdosteuropas. Band 3. MĂŒnchen 1979, S. 263–266 (Onlineausgabe).
  • Benito Mussolini in: Internationales Biographisches Archiv 12/1958 vom 10. MĂ€rz 1958, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Manfred Wichmann: Benito Mussolini. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG), 14. September 2014.
  • NoĂ«mi Crain Merz: Mussolini und die Schweiz. Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 17. April 2025.

Anmerkungen

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  1. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini. London 2010, S. 49.
  2. ↑ Siehe Milza, Pierre, Mussolini, Paris 1999, S. 66, 70.
  3. ↑ a b Marc Tribelhorn: Als Mussolini den Ehrendoktor der Uni Lausanne erhielt In: Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 3. April 2018
  4. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 62.
  5. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 54, 59.
  6. ↑ Wolfgang Schieder: Benito Mussolini. MĂŒnchen 2014, S. 27.
  7. ↑ NoĂ«mi Crain Merz: Mussolini und die Schweiz Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 17. April 2025
  8. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 53.
  9. ↑ Karin Priester: Der italienische Faschismus. Ökonomische und ideologische Grundlagen. Köln 1972, S. 88 f.
  10. ↑ Priester: Faschismus, S. 84–86. Siehe auch Bosworth: Mussolini. S. 61.
  11. ↑ Priester: Faschismus, S. 89.
  12. ↑ Zitiert nach Priester: Faschismus, S. 90.
  13. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 60.
  14. ↑ Aus der Zeitungswelt. In: Innsbrucker Nachrichten, 3. August 1909, S. 9 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ibn
  15. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 62 f.
  16. ↑ a b c Bosworth: Mussolini. S. 63.
  17. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 57.
  18. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus. Wien / Frankfurt / ZĂŒrich 1969, S. 51.
  19. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 40.
  20. ↑ Paul O’Brien: Mussolini in the First World War. The Journalist, the Soldier, the Fascist. Oxford / New York 2005, S. 49.
  21. ↑ Paul O’Brien: Mussolini. S. 49.
  22. ↑ Zum Bankdiebstahl in Trient. In: Neuigkeits-Welt-Blatt / Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinz-Ausgabe/Land-Ausgabe), 15. September 1909, S. 6 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwb
  23. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 66.
  24. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 69.
  25. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 70.
  26. ↑ Priester: Faschismus, S. 94.
  27. ↑ Clark: Mussolini. S. 18.
  28. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 81.
  29. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 40, 46.
  30. ↑ Priester: Faschismus, S. 95.
  31. ↑ Zitiert nach Priester: Faschismus, S. 95.
  32. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 76.
  33. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 77.
  34. ↑ Clark: Mussolini. S. 17.
  35. ↑ Morgan, Philip, Italian Fascism, 1919–1945, Houndmills-London 1995, S. 9.
  36. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 82.
  37. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 84.
  38. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 84. Siehe auch O’Brien: Mussolini in the First World War, S. 34.
  39. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 87.
  40. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 88.
  41. ↑ Breit ausgefĂŒhrt in Renzo De Felice: Mussolini il rivoluzionario 1883–1920. Turin 1965. Eine klassische Kritik in Franco Catalano: Mussolini „rivoluzionario“. In: Il movimento di liberazione in Italia. (Nr. 80/Juli–September 1965), S. 101–110.
  42. ↑ a b c Bosworth: Mussolini. S. 89.
  43. ↑ O’Brien: Mussolini in the First World War, S. 33.
  44. ↑ Martin Clark: Mussolini. Harlow 2005, S. 23 f.
  45. ↑ Zitiert nach Pierre Milza: Mussolini. Paris 1999, S. 174.
  46. ↑ Zitiert nach Priester: Faschismus, S. 100.
  47. ↑ Richard Drake: Apostles and Agitators. Italy’s Marxist Revolutionary Tradition. Cambridge MA 2003, S. 127.
  48. ↑ O’Brien: Mussolini in the First World War, S. 34, 39 sowie Milza: Mussolini', S. 175.
  49. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 91.
  50. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 31 f.
  51. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus. Wien / Frankfurt / ZĂŒrich 1969, S. 35.
  52. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 34.
  53. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini’s Italy. Life under the Dictatorship 1915–1945. London 2006, S. 56.
  54. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini. London 2010, S. 91.
  55. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 25.
  56. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 56.
  57. ↑ Thomas Widrich: „soviel DruckerschwĂ€rze wie Menschenblut“ – Propaganda- und Kriegsliteratur im neutralen Italien (August 1914 – Mai 1915). Frankfurt am Main 1998, S. 48.
  58. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 90. Siehe auch Christopher Andrew: MI5. Die wahre Geschichte des britischen Geheimdienstes. Berlin 2010, S. 153 und Recruited by MI5: the name’s Mussolini. Benito Mussolini. In: The Guardian, 13. Oktober 2009, abgerufen am 15. Juni 2014.
  59. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 92.
  60. ↑ Zum fragwĂŒrdigen Gehalt des Revolutionsbegriffs bei den Interventionisten siehe Bosworth, Richard, Italy and the Approach of the First World War, London-Basingstoke 1983, S. 127 f. Der interventionistische FlĂŒgel der USI grĂŒndete nach der Abspaltung die Unione Italiana del Lavoro (UIL), die erst ab 1918 eine gewisse Bedeutung erlangte. 1919 ĂŒbernahmen die Fasci di combattimento den „sozialen“ Teil ihres Programms weitgehend von der UIL.
  61. ↑ Karin Priester: Der italienische Faschismus. Ökonomische und ideologische Grundlagen. Köln 1972, S. 103. AusfĂŒhrlich dazu O’Brien: Mussolini in the First World War, S. 40–49.
  62. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 94.
  63. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 93.
  64. ↑ O’Brien: Mussolini in the First World War, S. 40.
  65. ↑ Zitiert nach Priester: Faschismus, S. 107.
  66. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 101 und Priester: Faschismus, S. 111.
  67. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 101.
  68. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 102.
  69. ↑ Zitiert nach Priester: Faschismus, S. 110.
  70. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 100.
  71. ↑ Priester: Faschismus, S. 111.
  72. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 95.
  73. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 95 und derselbe: Mussolini’s Italy, S. 60–63.
  74. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 65.
  75. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 30.
  76. ↑ Giovanna Procacci, zitiert nach Mark Thompson: The White War. Life and Death on the Italian Front 1915–1919. London 2009, S. 36.
  77. ↑ Giovanna Procacci: Die politischen und sozialen Folgen des Ersten Weltkrieges in Italien und die Krise des liberalen Staates. In: Hans Mommsen (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg und die europĂ€ische Nachkriegsordnung. Sozialer Wandel und FormverĂ€nderung der Politik. Köln/Weimar/Wien 2000, S. 165–183, S. 171.
  78. ↑ Charles S. Maier: Recasting bourgeois Europe. Stabilization in France, Germany, and Italy in the decade after World War I. Princeton 1975, S. 305.
  79. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 106 f.
  80. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 105.
  81. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 101, 106, 108.
  82. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 109.
  83. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 60.
  84. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 65.
  85. ↑ Siehe Morgan, Italian Fascism, S. 15. Siehe auch Lyttelton, Adrian, The Seizure of Power. Fascism in Italy 1919–1929, London 1987, S. 48.
  86. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 117.
  87. ↑ „The programme was drafted, publicized, and then left to gather dust.“ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 118.
  88. ↑ Priester: Faschismus, S. 188.
  89. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 120.
  90. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 66 f. und Bosworth: Mussolini. S. 114 f.
  91. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 117.
  92. ↑ Siehe Lyttelton, Seizure of Power, S. 46.
  93. ↑ Zitiert nach Lyttelton, Seizure of Power, S. 51.
  94. ↑ Lyttelton, Seizure of Power, S. 51.
  95. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 118.
  96. ↑ a b Procacci: Die politischen und sozialen Folgen des Ersten Weltkrieges in Italien und die Krise des liberalen Staates, S. 180.
  97. ↑ Maier: Recasting bourgeois Europe, S. 306.
  98. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 130 f. und Maier: Recasting bourgeois Europe, S. 307.
  99. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 126.
  100. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 106.
  101. ↑ a b Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 157.
  102. ↑ Procacci: Die politischen und sozialen Folgen des Ersten Weltkrieges in Italien und die Krise des liberalen Staates, S. 180 f. Eine Spezialstudie zu diesem Gegenstand ist Elazar, Dahlia S., The Making of Fascism. Class, State and Counter-Revolution, Italy 1919–1922, Westport (Conn.)-London 2001. Siehe auch Adrian Lyttelton, Seizure of Power, S. 39f.
  103. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 127.
  104. ↑ Zitiert nach Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 157.
  105. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 121.
  106. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 153.
  107. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 121.
  108. ↑ Siehe Lyttelton, Seizure of Power, S. 48f.: „Primarily the division, it is important to understand, was not one between different social programmes or conceptions, but one between the pragmatism of Mussolini, wishing to use Parliament and make alliances with the old parties, and the pursuit of integral intransigence.“
  109. ↑ Siehe Lyttelton, Seizure of Power, S. 50.
  110. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 123.
  111. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 148.
  112. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 173 f.
  113. ↑ Zitiert nach Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 180.
  114. ↑ Angelo Tasca: Glauben, gehorchen, kĂ€mpfen. Aufstieg des Faschismus, S. 175. Siehe auch Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 173.
  115. ↑ a b Zitiert nach Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 175.
  116. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 122.
  117. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 175 f.
  118. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 176.
  119. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 123.
  120. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 135.
  121. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 177.
  122. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 141.
  123. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 138.
  124. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 137. Siehe auch Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 179.
  125. ↑ Wolfgang Schieder: Mythos Mussolini. Deutsche in Audienz beim Duce. MĂŒnchen 2013, S. 220.
  126. ↑ Klaus-Peter Hoepke: Die deutsche Rechte und der italienische Faschismus. Ein Beitrag zum SelbstverstĂ€ndnis und zur Politik von Gruppen und VerbĂ€nden der deutschen Rechten. DĂŒsseldorf 1968, S. 14. Ein Bericht Wolffs ĂŒber eine „Audienz“ bei Mussolini ist abgedruckt bei Schieder: Mythos Mussolini, S. 221–230.
  127. ↑ Giuseppe Finaldi: Mussolini and Italian Fascism. Harlow 2008, S. 45.
  128. ↑ Finaldi: Mussolini. S. 46. Siehe auch Wolfgang Schieder: Der italienische Faschismus. MĂŒnchen 2010, S. 29.
  129. ↑ Jens Renner WOZ, 1. November 2012
  130. ↑ Schieder: Faschismus, S. 30.
  131. ↑ Sven Reichardt: Der Zusammenbruch des Parlamentarismus in Italien nach dem Ersten Weltkrieg 1919 bis 1929. In: Andreas Wirsching (Hrsg.): Herausforderungen der parlamentarischen Demokratie. Die Weimarer Republik im europĂ€ischen Vergleich. MĂŒnchen 2007, S. 61–86, S. 80.
  132. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 181. Schieder: Faschismus, S. 31 spricht von 14.000 Teilnehmern.
  133. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 180 und Bosworth: Mussolini. S. 139.
  134. ↑ Schieder: Faschismus, S. 33.
  135. ↑ De Stefani war Professor an der UniversitĂ€t Padua, Oviglio Rechtsanwalt in Bologna, Giuriati Ex-Offizier und Ex-SekretĂ€r Gabriele D’Annunzios. Siehe Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 185 f.
  136. ↑ Finaldi, Mussolini. S. 47. Siehe auch Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 187.
  137. ↑ Zitiert nach Finaldi, Mussolini. S. 141.
  138. ↑ Siehe Mack Smith, Mussolini. S. 58.
  139. ↑ Mack Smith, Mussolini. S. 62.
  140. ↑ Clark, Mussolini. S. 67.
  141. ↑ Finaldi, Mussolini. S. 49. Siehe auch Clark, Mussolini. S. 70.
  142. ↑ Siehe Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 187 f. Siehe auch Mack Smith, Mussolini. S. 65.
  143. ↑ Finaldi, Mussolini. S. 50.
  144. ↑ Neuwahlen in Italien?, NZZ, 12. Dezember 1923, erstes Morgenblatt, Titelseite; Zitat: „Als die Onoraboli nach kaum begonnener Sesionsarbeit gestern wieder zusammentreten wollten, nicht etwa, um der Regierung schwierigkeiten zu machen – das hat man sich auf Montecitorio lĂ€ngst abgewöhnt – sondern um sie ausserordentlichen Vollmachten Mussolinis stillschweigend zu verlĂ€ngern, da empfing sie der MinisterprĂ€sident mit einem königlichen Dekret, das die Session als geschlossen erklĂ€rt. (
) Mussolini bleibt seiner Rolle als verĂ€chter des Parlamentarismus treu; seit einem Jahr spielt er mit dieser Kammer, die es nicht ĂŒber sich gebracht hat, in Schönheit zu sterben, Katz und Maus.“
  145. ↑ Mussolinis Wahlen, NZZ, 27. Februar 1924, Erstes Morgenblatt, Titelseite
  146. ↑ Mack Smith, Mussolini. S. 71. Siehe auch ebenda, S. 74 f.
  147. ↑ Finaldi, Mussolini. S. 51.
  148. ↑ Sistema plebiscitario (1929-1934), Internetauftritt des italienischen Parlaments, abgerufen am 29. November 2020
  149. ↑ Siehe Bosworth, Mussolini. S. 158, 160. Siehe auch derselbe, Mussolini’s Italy, S. 211.
  150. ↑ Zitiert nach Mack Smith, Mussolini. S. 78.
  151. ↑ Siehe Mack Smith, Mussolini. S. 78.
  152. ↑ Clark, Mussolini. S. 86.
  153. ↑ Bosworth, Mussolini. S. 163.
  154. ↑ Siehe Mack Smith, Mussolini. S. 80.
  155. ↑ Siehe Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 211 f.
  156. ↑ Zitiert nach Mack Smith, Mussolini. S. 82.
  157. ↑ Siehe Mack Smith, Mussolini. S. 84 f. Siehe auch Clark, Mussolini. S. 86.
  158. ↑ Zitiert nach Bosworth, Mussolini. S. 166.
  159. ↑ Clark, Mussolini. S. 88.
  160. ↑ a b Siehe Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 216.
  161. ↑ Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 216.
  162. ↑ Siehe Finaldi, Mussolini. S. 55.
  163. ↑ Freya Johnston: The Woman Who Shot Mussolini by Frances Stonor Saunders: review. telegraph.co.uk, 26. Februar 2010, abgerufen am 23. Februar 2021 (englisch). 
  164. ↑ Zitiert nach Clark, Mussolini. S. 105.
  165. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 100 f.
  166. ↑ Zitiert nach Bosworth, Mussolini’s Italy, S. 215.
  167. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 109 f.
  168. ↑ Priester, Faschismus, S. 276.
  169. ↑ Siehe Finaldi, Mussolini. S. 56.
  170. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 106 f.
  171. ↑ Siehe Mack Smith, Mussolini. S. 116 f.
  172. ↑ Priester, Faschismus, S. 244.
  173. ↑ Mack Smith, Mussolini. S. 117.
  174. ↑ Clark, Mussolini. S. 181.
  175. ↑ Siehe Mack Smith, Mussolini. S. 60.
  176. ↑ Clark, Mussolini. S. 176.
  177. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 176 f.
  178. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 167.
  179. ↑ Werner RĂŒgemer: VerhĂ€ngnisvolle Freundschaft: Wie die USA Europa eroberten. Erste Stufe: Vom 1. zum 2. Weltkrieg. PapyRossa, Köln 2023, ISBN 978-3-89438-803-4, S. 171. 
  180. ↑ RĂŒgemer, VerhĂ€ngnisvolle Freundschaft, S. 170
  181. ↑ Richard Washburn Child, Author-Diplomat, Dies. United Press, 30. Januar 1935, abgerufen am 19. MĂ€rz 2024. 
  182. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 180.
  183. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 201.
  184. ↑ Siehe Clark, Mussolini. S. 179. Siehe auch Mack Smith, Mussolini. S. 97.
  185. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 107 und Mack Smith: Mussolini. S. 149.
  186. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 107.
  187. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 189.
  188. ↑ Clark: Mussolini. S. 108.
  189. ↑ Frank Ernst MĂŒller: Aspekte der Rhetorik von Benito Mussolini – die ‚oratoria di piazza’. UniversitĂ© de Picardie Jules Verne, o. J. Aspekte der Rhetorik von Benito Mussolini – die ‚oratoria di piazza’. (Memento vom 12. Februar 2019 im Internet Archive) (PDF), S. 4.
  190. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 124.
  191. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 172.
  192. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 173.
  193. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 171.
  194. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 111, 113.
  195. ↑ Finaldi, Mussolini, S. 77.
  196. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 211.
  197. ↑ Zitiert nach Mack Smith: Mussolini. S. 125.
  198. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 140.
  199. ↑ Zitiert nach Mack Smith: Mussolini. S. 126.
  200. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 143.
  201. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 111. Die politische und persönliche, vor seiner nĂ€chsten Umgebung mit Zynismus ĂŒberspielte Unsicherheit Mussolinis ist auch ein wesentlicher ErzĂ€hlstrang in den Arbeiten von Richard Bosworth.
  202. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 109 f.
  203. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 129.
  204. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 146. Siehe auch Bosworth: Mussolini. S. 179 f. und derselbe, Mussolini’s Italy, S. 327, 361 f.
  205. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 177 und Mack Smith: Mussolini. S. 111.
  206. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 129 f.
  207. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 354.
  208. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 356. Siehe auch ebenda, S. 355.
  209. ↑ Zitiert nach Mack Smith: Mussolini. S. 128.
  210. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 108.
  211. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 128 f.
  212. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 146ff.
  213. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 226.
  214. ↑ Clark: Mussolini. S. 148.
  215. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 130.
  216. ↑ Clark: Mussolini. S. 73.
  217. ↑ Zitiert nach Clark: Mussolini. S. 110.
  218. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 110 f.
  219. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 169.
  220. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 120.
  221. ↑ a b c Mack Smith: Mussolini. S. 119.
  222. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 119.
  223. ↑ a b Siehe Clark: Mussolini. S. 112.
  224. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 156.
  225. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 128 und Mack Smith: Mussolini. S. 123.
  226. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 122 und Clark: Mussolini. S. 132 f.
  227. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 154.
  228. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 154 f.
  229. ↑ Clark: Mussolini. S. 156.
  230. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 154, 157.
  231. ↑ Sabine Gruber: Mussolinis RetortenstĂ€dte, zum Beispiel Sabaudia In: Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 7. September 2018
  232. ↑ Siehe Finley, Moses, Mack Smith, Denis, Duggan, Christopher, Geschichte Siziliens und der Sizilianer, 4., bibliographisch ĂŒberarbeitete Auflage. MĂŒnchen 2010, S. 332.
  233. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 168.
  234. ↑ Siehe Finley, Mack Smith, Duggan, Geschichte Siziliens, S. 335, 337. Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 209.
  235. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 130.
  236. ↑ Finley, Mack Smith, Duggan, Geschichte Siziliens, S. 338.
  237. ↑ Siehe Finley, Mack Smith, Duggan: Geschichte Siziliens. S. 335.
  238. ↑ Finley, Mack Smith, Duggan, Geschichte Siziliens, S. 336, 343.
  239. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 93.
  240. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 103.
  241. ↑ Siehe Finley, Mack Smith, Duggan, Geschichte Siziliens, S. 342.
  242. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 115.
  243. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 116.
  244. ↑ Zitiert nach Clark: Mussolini. S. 117.
  245. ↑ Deschner, Karlheinz: Abermals krĂ€hte der Hahn. Econ Verlag, DĂŒsseldorf/Wien 1980, ISBN 3-430-12064-0, S. 870. 
  246. ↑ Eine EinfĂŒhrung bietet Richard J. B. Bosworth, The Italian Dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and Fascism, London 1998, S. 82–105 und passim.
  247. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 199.
  248. ↑ Finaldi, Mussolini, S. 86.
  249. ↑ Bosworth, Richard, Italian Foreign Policy and its Historiography, in: Bosworth, Richard, Rizzo, Gino (Hrsg.), Altro Polo: Intellectuals and their Ideas in Contemporary Italy, Sydney 1983, S. 65–86, S. 78.
  250. ↑ Grundlegend dazu Richard J. B. Bosworth, Italy and the wider world 1860–1960, London-New York 1996, hier besonders S. 36–54.
  251. ↑ Die beiden hier einschlĂ€gigen Arbeiten sind Knox, MacGregor, Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italy’s Last War, Cambridge 1982 und derselbe, Common Destiny. Dictatorship, Foreign Policy, and War in Fascist Italy and Nazi Germany, Cambridge 2000.
  252. ↑ Burgwyn, H. James, Diplomacy and World War. The (First) Axis of Evil, in: Richard J. B. Bosworth (Hrsg.), The Oxford Handbook of Fascism, Oxford 2010, S. 317–335, S. 318.
  253. ↑ Die „klassische“ und in der Aussage deutlichste Studie dieser Richtung ist Quartararo, Rosaria, Roma tra Londra e Berlino. La politica estera fascista dal 1931 al 1940, Rom 1980. Auf den nicht aufgelösten Widerspruch zwischen der Annahme einer in der Tendenz „normalen“, „realistischen“ Außenpolitik und der Neigung gerade der De Feliceaner, den italienischen Faschismus in allen anderen Belangen „wörtlich“ zu nehmen („revolutionĂ€r“, „totalitĂ€r“ usw.), hat Bosworth, Italy and the wider world, S. 38 hingewiesen. Der Widerspruch kennzeichnet auch das VerhĂ€ltnis dieser Schule zu Knox, der im Kern lediglich De Felices und Gentiles Sichtweise der Innenpolitik des Regimes auf die Außenpolitik ĂŒbertrĂ€gt, dafĂŒr von De Felice aber als „historischer Journalist“ angegriffen wurde. Siehe ebenda, S. 40.
  254. ↑ a b Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 154.
  255. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 256.
  256. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 181.
  257. ↑ Siehe Blessing, Ralph, Der mögliche Frieden. Die Modernisierung der Außenpolitik und die deutsch-französischen Beziehungen 1923–1929, MĂŒnchen 2008, S. 310.
  258. ↑ Zitiert nach Mack Smith: Mussolini. S. 155.
  259. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 155.
  260. ↑ Zu Renzetti siehe Wolfgang Schieder: Faschismus im politischen Transfer. Giuseppe Renzetti als faschistischer Propagandist und Geheimagent in Berlin 1922–1941, in: Sven Reichardt, Armin Nolzen (Hrsg.): Faschismus in Italien und Deutschland. Studien zu Transfer und Vergleich. Göttingen 2005, S. 28–58. Siehe auch Bosworth: Mussolini. S. 218.
  261. ↑ Siehe Edgar R. Rosen: Mussolini und Deutschland 1922–1923. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Jg. 5 (1957), S. 17–41, S. 23f. (PDF (PDF; 1,2 MB) )
  262. ↑ Siehe Schieder, Faschismus im politischen Transfer, S. 48.
  263. ↑ a b Siehe Bosworth: Mussolini. S. 217.
  264. ↑ Renzo De Felice: Mussolini il duce. Teil 1: Gli anni del consenso 1929–1936. Turin 1974, S. 423 (Fn. 1).
  265. ↑ Siehe Lowe, Cedric, Marzari, Frank, Italian Foreign Policy 1870–1940, London 1975, S. 231 f.
  266. ↑ a b c Siehe Bosworth: Mussolini. S. 219.
  267. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 217.
  268. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 220.
  269. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 220 f., 227 f.
  270. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 220 f.
  271. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 221.
  272. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 184.
  273. ↑ Zitiert nach Clark: Mussolini. S. 184.
  274. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 227.
  275. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 227 und Mack Smith: Mussolini. S. 184 f.
  276. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 185.
  277. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 205 f.
  278. ↑ Del Boca, Angelo, Gli italiani in Libia (Band 2). Dal fascismo a Gheddafi, Bari 1988, S. 183.
  279. ↑ Siehe Rodogno, Davide, Fascism and War, in: Bosworth, Richard J.B. (Hrsg.), The Oxford Handbook of Fascism, Oxford 2010, S. 239–258, S. 243 f.
  280. ↑ a b Siehe Bosworth: Mussolini. S. 207.
  281. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 380.
  282. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 170.
  283. ↑ Allerdings war mit diesen taktischen Gesten gegenĂŒber dem arabischen Nationalismus keine Festlegung verbunden, da Mussolini sich auch mehrfach mit fĂŒhrenden Zionisten wie Chaim Weizmann traf und den revisionistischen Zionismus (bis 1938) konkret förderte. Siehe Bosworth, Italy and the wider world, S. 111 f.
  284. ↑ Bosworth, Italy and the wider world, S. 50.
  285. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 260 f.
  286. ↑ Bosworth, Italy and the wider world, S. 105.
  287. ↑ Siehe vor allem Rochat, Giorgio, Guerre italiane in Libia e in Etiopia, Treviso 1991 und derselbe, Le guerre italiane 1935–1943. Dall’impero d’Etiopia alla disfatta, Turin 2005.
  288. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 379, derselbe, Mussolini, S. 206 und derselbe, Italy and the wider world, S. 104.
  289. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 185.
  290. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 228.
  291. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 229.
  292. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 186.
  293. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 190 f.
  294. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 241.
  295. ↑ Clark: Mussolini. S. 190.
  296. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 192.
  297. ↑ Clark: Mussolini. S. 193.
  298. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 245. Siehe auch Clark: Mussolini. S. 192.
  299. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 248 und Clark: Mussolini. S. 196.
  300. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 248.
  301. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 198.
  302. ↑ Zitiert nach Clark: Mussolini. S. 198.
  303. ↑ Renzo De Felice: Mussolini il duce (Teil 1). Gli anni del consenso 1929–1936, Turin 1974, S. 642.
  304. ↑ Siehe De Felice, Mussolini il duce (1), S. 3, 616, 758.
  305. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 246.
  306. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 246. Siehe auch derselbe, Italian Dictatorship, S. 76.
  307. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 200 f.
  308. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 264.
  309. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 230 f.
  310. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 265.
  311. ↑ Clark: Mussolini. S. 234.
  312. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 265 und Clark: Mussolini. S. 239.
  313. ↑ 1937-09-22 – UfA-Tonwoche Nr. 368. Abgerufen am 16. Mai 2022. 
  314. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 267.
  315. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 238.
  316. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 269.
  317. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 240.
  318. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 242.
  319. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 270 und Clark: Mussolini. S. 243.
  320. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 243.
  321. ↑ Zitiert nach Clark: Mussolini. S. 244.
  322. ↑ a b Siehe Bosworth: Mussolini. S. 284.
  323. ↑ Clark: Mussolini. S. 246.
  324. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 247.
  325. ↑ Siehe etwa Gentile, Emilio, La via italiana al totalitarismo. Il Partito e lo Stato nel regime fascista, Rom 1995, S. 136 f., S. 189 f.
  326. ↑ Finaldi, Mussolini, S. 94. Hervorhebung im Original.
  327. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 280.
  328. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 282.
  329. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 258.
  330. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 219 und Bosworth: Mussolini. S. 259.
  331. ↑ Finaldi, Mussolini, S. 95.
  332. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 274.
  333. ↑ „The assertion that Fascism had always been racist was unconvincing, except in the sense that every European society, and certainly the liberal democratic ones in Britain and France, carried the potential to be overtly racist.“ Bosworth: Mussolini. S. 275.
  334. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 122.
  335. ↑ a b Siehe Bosworth: Mussolini. S. 271.
  336. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 219 und Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 415.
  337. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 221.
  338. ↑ a b Bosworth: Mussolini. S. 279.
  339. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 277.
  340. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 220.
  341. ↑ Siehe Kertzer, David I., The Pope and Mussolini. The Secret History of Pius XI and the Rise of Fascism in Europe, New York 2014, S. 307 f.
  342. ↑ Siehe Kertzer, Pope and Mussolini, S. 359 f.
  343. ↑ Die Rede, deren vollstĂ€ndiger Text nach der Archivöffnung 2006 bekannt wurde, enthielt allerdings nicht die grundsĂ€tzliche Kritik des Faschismus, die mitunter vermutet worden war. Siehe Kertzer, Pope and Mussolini, S. 373 f.
  344. ↑ Clark: Mussolini. S. 329.
  345. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 212.
  346. ↑ Zitiert nach Clark: Mussolini. S. 225.
  347. ↑ Siehe Passerini, Luisa, Fascism in Popular Memory. The Cultural Experience of the Turin Working Class, Cambridge 1987, S. 189 f.
  348. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 219.
  349. ↑ Schieder, Mussolini, S. 88.
  350. ↑ Siehe dazu bestĂ€tigend auch Sarti, Roland, Fascism and the Industrial Leadership in Italy, 1919–1940. A Study in the Expansion of Private Power under Fascism, Berkeley 1971, S. 2 und passim.
  351. ↑ Clark: Mussolini. S. 216.
  352. ↑ Martin Clark: Mussolini. Harlow 2005, S. 248.
  353. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 287.
  354. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 288.
  355. ↑ Mack Smith: Mussolini. London 1981, S. 236.
  356. ↑ Wolfgang Schumann (u. a.): Deutschland im zweiten Weltkrieg. Band 1. Vorbereitung, Entfesselung und Verlauf des Krieges bis zum 22. Juni 1941. 2., durchgesehene Auflage. Berlin 1975, S. 173.
  357. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 239.
  358. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 290.
  359. ↑ Clark: Mussolini. S. 278.
  360. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 237.
  361. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 443, 446 und Clark: Mussolini. S. 276 f.
  362. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 237, 239, 247. Siehe auch Clark: Mussolini. S. 253. Wegen der qualitativen und quantitativen Unterbewaffnung hatte eine italienische Infanteriedivision nur ein Neuntel der Feuerkraft einer deutschen Division. Siehe Schreiber, Gerhard, Stegemann, Bernd, Vogel, Detlef, Der Mittelmeerraum und SĂŒdosteuropa. Von der „non belligeranza“ Italiens bis zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 3), Stuttgart 1984, S. 61.
  363. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 291.
  364. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 293.
  365. ↑ Zitiert nach Mack Smith: Mussolini. S. 237.
  366. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 240. Siehe auch Bosworth: Mussolini. S. 292.
  367. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 241, 243.
  368. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 241.
  369. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 242 und Bosworth: Mussolini. S. 294 f.
  370. ↑ Ian Kershaw: Wendepunkte: SchlĂŒsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg, Kap. 4, Fußnoten 58 und 59.
  371. ↑ Alle Zitate nach Brief Mussolinis an Hitler, in: Gerhard Förster, Olaf Groehler (Hrsg.): Der zweite Weltkrieg. Dokumente. 3., ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin 1989, S. 59–61.
  372. ↑ Clark: Mussolini. S. 251.
  373. ↑ Schumann: Deutschland, S. 261 f.
  374. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 296 f.
  375. ↑ Clark: Mussolini. S. 254.
  376. ↑ Clark: Mussolini. S. 255.
  377. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 299.
  378. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 250.
  379. ↑ Renzo De Felice: Mussolini il duce (Band 2: Lo Stato totalitario 1936–1940), Turin 1996, S. 844 zitiert zustimmend Churchills Rede „one man alone“ ĂŒber Radio London vom 23. Dezember 1940.
  380. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 300. Ähnlich Clark: Mussolini. S. 255.
  381. ↑ Davide Rodogno: Fascism and War. In: Richard J.B. Bosworth (Hrsg.): The Oxford Handbook of Fascism. Oxford 2010, S. 239–258, S. 249.
  382. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 251, 255.
  383. ↑ Mack Smith: Mussolini, S. 257, und Schumann: Deutschland, S. 422.
  384. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 249.
  385. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 254.
  386. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 251 f.
  387. ↑ Clark: Mussolini. S. 263.
  388. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 255.
  389. ↑ Rodogno: Fascism and War, S. 250 f., und Bosworth: Mussolini. S. 305.
  390. ↑ Finaldi: Mussolini. S. 101.
  391. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 289.
  392. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 301.
  393. ↑ Richard J. B. Bosworth: Dictators, Strong or Weak? The Model of Benito Mussolini. In: Derselbe: Handbook of Fascism. S. 259–275, S. 272.
  394. ↑ „Italiens GenerĂ€le zwangen den StreitkrĂ€ften einen militĂ€risch-technischen, taktischen und operativen Konservatismus auf, der noch abgestumpfter war als der ihrer französischen Kollegen. Bis es zu spĂ€t war, vernachlĂ€ssigte das Heer schwerere Panzer, missachtete die Marine Radar und lehnte die Luftwaffe den Eindecker-JĂ€ger ab. UnzulĂ€ngliches Training, doktrinĂ€re Lethargie, administrative Desorganisation und die aktive Entmutigung individueller KreativitĂ€t schufen ein kaum zum Kommandieren fĂ€higes unteres Offizierskorps und ein beinahe vollstĂ€ndig initiativloses Unteroffizierskorps.“ Rodogno: Fascism and War, S. 248.
  395. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 300.
  396. ↑ Finaldi: Mussolini. S. 107.
  397. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 306.
  398. ↑ Clark: Mussolini. S. 265.
  399. ↑ Wolfgang Schumann (u. a.): Deutschland im zweiten Weltkrieg. Band 2. Vom Überfall auf die Sowjetunion bis zur sowjetischen Gegenoffensive bei Stalingrad (Juni 1941 bis November 1942). Berlin 1975, S. 374.
  400. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 275.
  401. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 302. Siehe auch Finaldi: Mussolini. S. 103 f.
  402. ↑ „In other words, Italy’s appalling performance was the fruit of the inability and unwillingness of the Duce to put to the test through war the equilibriums that his Regime had constructed since 1922. Far from the flight into war being a means by which it would be possible to continue and to radicalize Fascisms ‚revolution‘, to topple what was left of the establishment to increase his own power, what Mussolini tried to do was to fight a major European war without in any way altering the balance of forces that had been the product of his long period in government.“ Finaldi: Mussolini. S. 103.
  403. ↑ a b Rodogno: Fascism and War, S. 256.
  404. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 466.
  405. ↑ a b Bosworth: Mussolini. S. 303.
  406. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 306.
  407. ↑ Siehe Finaldi, Mussolini, S. 103 f. und Bosworth: Mussolini. S. 311 f.
  408. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 317.
  409. ↑ Zitiert nach Morgan, Italian Fascism, S. 179.
  410. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini’s Italy. Life under the Dictatorship 1915–1945. London 2006, S. 491 f.
  411. ↑ Morgan, Philip, The Fall of Mussolini. Italy, the Italians and the Second World War, Oxford 2008, S. 74.
  412. ↑ Siehe Overy, Richard, The Bombing War. Europe 1939–1945, London 2013, S. 513 f.
  413. ↑ Zitiert nach Morgan: Fall of Mussolini. S. 82.
  414. ↑ Clark: Mussolini. S. 282.
  415. ↑ Zitiert nach Wolfgang Schumann (u. a.): Deutschland im zweiten Weltkrieg. Band 3. Der grundlegende Umschwung im Kriegsverlauf (November 1942 bis September 1943). Berlin 1979, S. 423.
  416. ↑ Zitiert nach Schumann: Deutschland, S. 610.
  417. ↑ Zitiert nach Schumann: Deutschland, S. 614.
  418. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 289.
  419. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 426.
  420. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy, S. 483.
  421. ↑ Richard Overy: The Bombing War. Europe 1939–1945. London 2013, S. 525 f.
  422. ↑ Renzo De Felice: Mussolini. L’alleato (Band 1: L’Italia in guerra 1940–1943, Teil 2: Crisi e agonia del regime), Turin 1996, S. 926–958. Siehe auch Tim Mason: The Turin strikes of March 1943. In: Jane Caplan (Hrsg.): Nazism, Fascism and the working class. Cambridge 1995, S. 274–294.
  423. ↑ Morgan: Fall of Mussolini. S. 79.
  424. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 323.
  425. ↑ Siehe Morgan: Fall of Mussolini. S. 78.
  426. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 322 f. Deutsch in AuszĂŒgen bei Frederick William Deakin: Die brutale Freundschaft. Hitler, Mussolini und der Untergang des italienischen Faschismus. Köln / Berlin 1964, S. 378–383.
  427. ↑ Schumann: Deutschland, S. 615, und Ivone Kirkpatrick: Mussolini. Berlin 1997, S. 480, 485.
  428. ↑ Hans Woller: Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien 1943 bis 1948. MĂŒnchen 1996, S. 13.
  429. ↑ Hans Woller: Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien 1943 bis 1948. MĂŒnchen 1996, S. 14.
  430. ↑ „The monarchist coup against Mussolini intended to exclude any such participation. The aim was not simply to keep its planning as secret as possible, but primarily to ensure a socially and politically conservative succession to Mussolini and Fascism.“ Philip Morgan: The Fall of Mussolini. Italy, the Italians and the Second World War. Oxford 2008, S. 37.
  431. ↑ Wolfgang Schieder: Der italienische Faschismus. MĂŒnchen 2010, S. 95.
  432. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini. London 2010, S. 324.
  433. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 295.
  434. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 294, 296.
  435. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 291.
  436. ↑ De Felice: Crisi e agonia, S. 1395–1401.
  437. ↑ Hans Woller: Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien 1943 bis 1948. MĂŒnchen 1996, S. 11.
  438. ↑ Clark: Mussolini. S. 303.
  439. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 331.
  440. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 327.
  441. ↑ Claudio Pavone: A Civil War. A History of the Italian Resistance. London / New York 2014, S. 276–278.
  442. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 301.
  443. ↑ Ray Moseley: Mussolini. The last 600 days of il Duce. Dallas (u. a.) 2004, S. 4.
  444. ↑ Dietrich Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939–1945. Band 2 (1941–1943). Berlin 1985, S. 158.
  445. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 309.
  446. ↑ Clark: Mussolini. S. 315.
  447. ↑ Robert S. C. Gordon: Race. In: Richard J. B. Bosworth (Hrsg.): The Oxford Handbook of Fascism. Oxford 2010, S. 296–316, S. 314.
  448. ↑ Clark: Mussolini. S. 316.
  449. ↑ Clark: Mussolini. S. 307 f.
  450. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 303.
  451. ↑ Mack Smith: Mussolini, S. 304, und Bosworth: Mussolini. S. 19.
  452. ↑ Schumann: Deutschland, S. 648.
  453. ↑ Frederick William Deakin: Die brutale Freundschaft. Hitler, Mussolini und der Untergang des italienischen Faschismus. Köln/Berlin 1964, S. 666–687.
  454. ↑ Clark: Mussolini. S. 309 f.
  455. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 23 f.
  456. ↑ Siehe Gianluca Falanga: Mussolinis Vorposten in Hitlers Reich. Italiens Politik in Berlin 1933–1945. Berlin 2008, S. 280.
  457. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 24.
  458. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 312.
  459. ↑ Clark: Mussolini. S. 310.
  460. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 330. Siehe auch ebenda, S. 30, und Clark: Mussolini. S. 306.
  461. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 21.
  462. ↑ Frederick William Deakin: Die brutale Freundschaft. Hitler, Mussolini und der Untergang des italienischen Faschismus. Köln/Berlin 1964, S. 805.
  463. ↑ Wolfgang Schieder: Faschistische Diktaturen. Studien zu Italien und Deutschland. Göttingen 2008, S. 149.
  464. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini. London 2010, S. 27 f.
  465. ↑ Ivone Kirkpatrick: Mussolini. Berlin 1997, S. 568 f.; Bosworth: Mussolini, S. 29.
  466. ↑ Bosworth: Mussolini, S. 32.
  467. ↑ a b Matthias RĂŒb, Die letzten Tage des Duce, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. April 2025.
  468. ↑ So wörtlich Der Tod des Duce. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1996, S. 134–136 (online). 
  469. ↑ Eine Zusammenfassung bietet Moseley: Mussolini, S. 279–307. ErgĂ€nzungen im Detail bei Cavalleri, Giorgio, Giannantoni, Franco, Cereghino, Mario J., La fine. Gli ultimi giorni di Benito Mussolini nei documenti dei servizi segreti americani 1945–1946, Mailand 2009. Über die These einer Verwicklung des britischen Geheimdienstes, die sich auch Renzo De Felice kurz vor seinem Tod zu eigen gemacht hatte, spekulierte dennoch zuletzt zustimmend Pierre Milza: Les derniers jours de Mussolini, Paris 2012, S. 290–318.
  470. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 334.
  471. ↑ Mussolinis Leiche vom MailĂ€nder Friedhof verschwunden. In: Wiener Kurier. Herausgegeben von den amerikanischen StreitkrĂ€ften fĂŒr die Wiener Bevölkerung, 24. April 1946, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wku
  472. ↑ a b Bosworth: Mussolini. S. 341.
  473. ↑ Clark: Mussolini. S. 332.
  474. ↑ Clark: Mussolini. S. 332, S. 1 f. Siehe auch Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 354 f. und passim.
  475. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 6.
  476. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 106.
  477. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 172.
  478. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 315.
  479. ↑ Zitiert nach Bosworth: Mussolini. S. 328.
  480. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 334. Siehe auch ebenda, S. 97.
  481. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 113.
  482. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 119.
  483. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 120.
  484. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 113f.
  485. ↑ Arnd KrĂŒger: Sport im faschistischen Italien (1922–1933). In: G. Spitzer, D. Schmidt (Hrsg.): Sport zwischen EigenstĂ€ndigkeit und Fremdbestimmung. Festschrift fĂŒr Prof. Dr. Hajo Bernett. P. Wegener, Bonn 1986, S. 213–226; Felice Fabrizio: Sport e fascismo. La politica sportiva del regime, 1924–1936. Guaraldi, Rimini 1976.
  486. ↑ a b Bosworth: Mussolini. S. 173.
  487. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 64.
  488. ↑ Heimliche Tochter Mussolinis im Alter von 99 Jahren gestorben. In: oe24.at, 17. Januar 2022, abgerufen am 17. Januar 2022.
  489. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 98.
  490. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 305.
  491. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 364 f. und Clark: Mussolini. S. 283.
  492. ↑ Bosworth: Mussolini’s Italy. S. 363.
  493. ↑ Clark: Mussolini. S. 142.
  494. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 149.
  495. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 253.
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  497. ↑ Siehe Edoardo und Duilio Susmel (Hrsg.): Opera omnia di Benito Mussolini. 36 BĂ€nde, Florenz 1951–1963 (Neuauflage mit 8 ErgĂ€nzungsbĂ€nden Rom 1978–1980).
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  499. ↑ Siehe Clark: Mussolini. S. 170.
  500. ↑ Siehe Morgan, Italian Fascism, S. 9.
  501. ↑ Clark: Mussolini. S. 2.
  502. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 212.
  503. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 177.
  504. ↑ Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 131 f.
  505. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 7.
  506. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 328.
  507. ↑ a b Siehe Mack Smith: Mussolini. S. 132.
  508. ↑ Mack Smith: Mussolini. S. 136.
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  510. ↑ Siehe Bosworth: Mussolini. S. 195.
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  512. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 343.
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  515. ↑ Zitiert nach Wolfgang Schieder: Benito Mussolini. In: ders.: Faschistische Diktaturen. Studien zu Italien und Deutschland. Göttingen 2008, S. 54. Eine Zusammenfassung der Auseinandersetzung bietet Richard J. B. Bosworth: Explaining Auschwitz and Hiroshima. History Writing and the Second World War 1945–1990. London / New York 1993, S. 134–137.
  516. ↑ Siehe Bosworth: History Writing, S. 138 f.
  517. ↑ Mattioli: Aufwertung, S. 74.
  518. ↑ Richard J. B. Bosworth: Mussolini’s Italy. Life under the Dictatorship 1915–1945. London 2006, S. 531.
  519. ↑ Mattioli: Aufwertung, S. 51.
  520. ↑ Mattioli: Aufwertung, S. 9.
  521. ↑ Mattioli: Aufwertung, S. 11.
  522. ↑ Bosworth: Mussolini. S. 344 f.
  523. ↑ Auschwitz-Überlebende lehnt Friedenspreis ab. In: JĂŒdische Allgemeine. 3. November 2021, abgerufen am 5. November 2021. 
  524. ↑ SalĂČ entzieht Mussolini die EhrenbĂŒrgerschaft. In: Spiegel online, 27. Februar 2025 (spiegel.de).
  525. ↑ Furcht vor dem »bösen Blick« von Heinz Höhne, Der Spiegel 24. Juli 1983
  526. ↑ Kein neuer Duce, von Gian Enrico Rusconi, Der Tagesspiegel 15. Februar 2002
  527. ↑ Georg-August-UniversitĂ€t Göttingen 4. Mai 2004: Presseinformation: Gastvortrag ĂŒber das „Leben im faschistischen Italien“
  528. ↑ TotalitĂ€re Körper-Kultur Ein Jahrhundert Leistungssport Buch von Peter KĂŒhnst, 2018
  529. ↑ Elisabetta Povoledo: In This TV Drama, Mussolini Wants to ‘Make Italy Great Again’. New York Times, 9. September 2025.
Flagge des Königreichs Italien (1861–1946)
PrÀsidenten des Ministerrats des Königreichs Italien von 1861 bis 1946

Camillo Benso von Cavour | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Luigi Carlo Farini | Marco Minghetti | Alfonso La Marmora | Bettino Ricasoli (2.) | Urbano Rattazzi (2.) | Luigi Federico Menabrea (1.–3.) | Giovanni Lanza | Marco Minghetti (2.) | Agostino Depretis | Benedetto Cairoli | Agostino Depretis (3.) | Benedetto Cairoli (2.–3.) | Agostino Depretis (4.–8.) | Francesco Crispi (1.–2.) | Antonio Starabba di Rudinì | Giovanni Giolitti | Francesco Crispi (3.–4.) | Antonio Starabba di Rudinì (2.–5.) | Luigi Pelloux (1.–2.) | Giuseppe Saracco | Giuseppe Zanardelli | Giovanni Giolitti (2.) | Tommaso Tittoni | Alessandro Fortis | Sidney Sonnino | Giovanni Giolitti (3.) | Sidney Sonnino (2.) | Luigi Luzzatti | Giovanni Giolitti (4.) | Antonio Salandra | Paolo Boselli | Vittorio Emanuele Orlando | Francesco Saverio Nitti | Giovanni Giolitti (5.) | Ivanoe Bonomi | Luigi Facta | Benito Mussolini (Duce) | Pietro Badoglio (prov.) | Ivanoe Bonomi (2.–3.) | Ferruccio Parri | Alcide De Gasperi

Flagge des Königreichs Italien (1861–1946)
Außenminister des Königreichs Italien von 1861 bis 1946

Camillo Benso von Cavour | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Giacomo Durando | Giuseppe Pasolini | Emilio Visconti-Venosta | Alfonso La Marmora (1.–2.) | Bettino Ricasoli | Emilio Visconti-Venosta (2.) | Federico Pescetto | Pompeo di Campello | Luigi Federico Menabrea (1.–3.) | Emilio Visconti-Venosta (3.–4.) | Luigi Amedeo Melegari | Agostino Depretis | Luigi Corti | Benedetto Cairoli | Agostino Depretis (2.) | Benedetto Cairoli (2.–3.) | Pasquale Stanislao Mancini | Agostino Depretis (3.) | Carlo Felice Nicolis di Robilant | Agostino Depretis (4.) | Francesco Crispi | Antonio Starabba di RudinĂŹ | Benedetto Brin | Alberto Blanc | Onorato Caetani | Emilio Visconti-Venosta (5.–6.) | Raffaele Cappelli | Felice Napoleone Canevaro | Emilio Visconti-Venosta (7.–8.) | Giulio Prinetti | Enrico Morin | Tommaso Tittoni (1.–3.) | Antonino PaternĂČ-Castello (1.) | Francesco Guicciardini | Tommaso Tittoni (4.) | Francesco Guicciardini | Antonino PaternĂČ-Castello (2.–4.) | Antonio Salandra | Sidney Sonnino | Tommaso Tittoni | Francesco Saverio Nitti | Vittorio Scialoja | Carlo Sforza | Ivanoe Bonomi | Pietro Tomasi Della Torretta | Carlo Schanzer | Benito Mussolini | Dino Grandi | Benito Mussolini (2.) | Galeazzo Ciano | Benito Mussolini (3.) | Raffaele Guariglia | Pietro Badoglio | Ivanoe Bonomi (2.) | Alcide De Gasperi

Flagge des Königreichs Italien (1861–1946)
Innenminister des Königreichs Italien von 1861 bis 1946

Marco Minghetti | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Ubaldino Peruzzi | Giovanni Lanza | Giuseppe Natoli | Desiderio Chiaves | Bettino Ricasoli (2.) | Urbano Rattazzi (2.) | Filippo Antonio Gualterio | Carlo Cadorna | Gerolamo Cantelli | Luigi Ferraris | Antonio Starabba di RudinĂŹ | Giovanni Lanza (2.) | Gerolamo Cantelli (2.) | Giovanni Nicotera | Francesco Crispi | Agostino Depretis | Giuseppe Zanardelli | Agostino Depretis (2.) | Tommaso Villa | Agostino Depretis (3.) | Francesco Crispi (2.) | Giovanni Nicotera (2.) | Giovanni Giolitti | Francesco Crispi (3.) | Antonio Starabba di RudinĂŹ (2.) | Luigi Pelloux | Giuseppe Saracco | Giovanni Giolitti (2.) | Giuseppe Zanardelli (2.) | Giovanni Giolitti (3.) | Tommaso Tittoni | Alessandro Fortis | Sidney Sonnino | Giovanni Giolitti (4.) | Sidney Sonnino (2.) | Luigi Luzzatti | Giovanni Giolitti (5.) | Antonio Salandra | Vittorio Emanuele Orlando | Francesco Saverio Nitti | Giovanni Giolitti (6.) | Ivanoe Bonomi | Luigi Facta | Paolino Taddei | Benito Mussolini | Luigi Federzoni | Benito Mussolini (2.) | Bruno Fornaciari | Umberto Ricci | Vito Reale | Ivanoe Bonomi (2.) | Ferruccio Parri | Giuseppe Romita

Flagge des Königreichs Italien (1861–1946)
Kriegsminister des Königreichs Italien von 1861 bis 1946

Manfredo Fanti | Bettino Ricasoli | Alessandro Della Rovere | Agostino Petitti Bagliani di Roreto | Alessandro Della Rovere (2.–3.) | Agostino Petitti Bagliani di Roreto (2.) | Ignazio De Genova di Pettinengo (1.–2.) | Efisio Cugia | Genova Giovanni Thaon di Revel | Ettore BertolĂš Viale (1.–3.) | Giuseppe Govone | Cesare Ricotti-Magnani (1.–3.) | Luigi Mezzacapo (1.–2.) | Giovanni Bruzzo | Cesare Bonelli | Gustavo MazĂš de la Roche | Cesare Bonelli (2.–3.) | Ferdinando Acton | Bernardino Milon | Emilio Ferrero (1.–4.) | Cesare Ricotti-Magnani (4.–5.) | Ettore BertolĂš Viale (4.–6.) | Luigi Pelloux (1.–2.) | Stanislao Mocenni (1.–2.) | Cesare Ricotti-Magnani (6.) | Luigi Pelloux (3.) | Alessandro Asinari di San Marzano (1.–3.) | Giuseppe Mirri | Luigi Pelloux (4.) | Coriolano Ponza di San Martino (1.–3.) | Enrico Morin | Giuseppe Ottolenghi | Ettore Pedotti (1.–3.) | Luigi Majnoni d’Intignano (1.–2.) | Giuseppe Ettore ViganĂČ | Severino Casana | Paolo Spingardi (1.–3.) | Domenico Grandi | Vittorio Italico Zupelli (1.–2.) | Paolo Morrone (1.–2.) | Gaetano Giardino | Vittorio Luigi Alfieri | Vittorio Italico Zupelli (3.) | Enrico Caviglia | Giovanni Sechi | Alberico Albricci | Ivanoe Bonomi | Giulio RodinĂČ | Ivanoe Bonomi (2.) | Giulio RodinĂČ (2.) | Luigi Gasparotto | Pietro Lanza di Scalea | Marcello Soleri | Armando Diaz | Antonino Di Giorgio | Benito Mussolini | Pietro Gazzera | Benito Mussolini (2.) | Antonio Sorice | Taddeo Orlando (1.–2.) | Alessandro Casati (1.–2.) | Stefano Jacini | Manlio Giovanni Brosio

Normdaten (Person): GND: 118585967 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n78095482 | NDL: 00450900 | VIAF: 90162262 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Mussolini, Benito
ALTERNATIVNAMEN Mussolini, Benito Amilcare Andrea (vollstÀndiger Name); Duce
KURZBESCHREIBUNG italienischer Politiker, Mitglied der Camera dei deputati und faschistischer Diktator
GEBURTSDATUM 29. Juli 1883
GEBURTSORT Dovia di Predappio, Provinz ForlĂŹ
STERBEDATUM 28. April 1945
STERBEORT Giulino di Mezzegra, Provinz Como
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Kategorien:
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  • Mitglied der Abgeordnetenkammer (Königreich Italien)
  • Mitglied des Partito Socialista Italiano
  • PNF-Mitglied
  • Person des italienischen Faschismus
  • Journalist (Italien)
  • Person im Ersten Weltkrieg (Italien)
  • Befehlshaber im Zweiten Weltkrieg (Italien)
  • Ehrendoktor der UniversitĂ€t Lausanne
  • Honorary Knight Grand Cross des Order of the Bath
  • Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Malteserordens
  • TrĂ€ger des Ordens der Heiligen Kyrill und Methodius
  • TrĂ€ger des Verdienstordens vom Deutschen Adler
  • TrĂ€ger des Weißen Adlerordens
  • TrĂ€ger des Verdienstordens Pro Merito Melitensi (Collane)
  • TrĂ€ger des Chrysanthemenordens (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Freiheitskreuzes
  • TrĂ€ger des Sterns von RumĂ€nien (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Seraphinenordens
  • TrĂ€ger des Elefanten-Ordens
  • TrĂ€ger des Turm- und Schwertordens (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Nationalen Ordens vom Kreuz des SĂŒdens (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Piusordens (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Ordens vom Goldenen Sporn
  • TrĂ€ger des Ordens der Krone von Italien (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Ordens der hl. Mauritius und Lazarus (Großkreuz)
  • TrĂ€ger des Großkreuzes I. Klasse des österreichischen Verdienstordens mit dem Adler (1935)
  • Ritter des Annunziaten-Ordens
  • Person (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem)
  • Mitglied der Familie Mussolini
  • Opfer eines Attentats
  • Schullehrer
  • Gefangener
  • Italiener
  • Geboren 1883
  • Gestorben 1945
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