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Rechtsextremismus 👆 Click Here!
aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
(Weitergeleitet von Rechtsextreme)

Rechtsextremismus (auch die extreme Rechte, die Ă€ußerste Rechte oder die Ultrarechte) bezeichnet verschiedene extremistische Strömungen innerhalb der politischen Rechten. Der Begriff umfasst ultranationalistische, faschistische, neonazistische oder neofaschistische politische Ideologien und AktivitĂ€ten.

Rechtsextremisten orientieren sich an einer ethnischen Zugehörigkeit, bestreiten und bekĂ€mpfen einen Anspruch auf soziale und rechtliche Gleichheit und vertreten ein antipluralistisches, antidemokratisches und autoritĂ€res GesellschaftsverstĂ€ndnis. Politisch wollen sie den Nationalstaat zu einer autoritĂ€r gefĂŒhrten „Volksgemeinschaft“ umgestalten. „Volk“ und „Nation“ werden dabei rassistisch oder ethnopluralistisch definiert.

Kennzeichen solcher Konzepte, insbesondere in Europa, sind verschiedene rechtsextreme Symbole und Zeichen, Geschichtsrevisionismus hinsichtlich bestimmter Epochen, etwa zum italienischen Faschismus und zur Zeit des Nationalsozialismus, Fremdenfeindlichkeit bis hin zum Fremdenhass, antiamerikanische und/oder andere Verschwörungstheorien. Bei organisierten rechtsextremen Gewalttaten spricht man von Rechtsterrorismus.

Nationale Staatsbehörden definieren und behandeln Rechtsextremismus verschieden. Gegenmaßnahmen umfassen zivile und strafrechtliche Mittel der streitbaren Demokratie (→ Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Rechtsextremismus in Österreich, Rechtsextremismus in der Schweiz).

Neonazi-Demonstration am 2. April 2005 in MĂŒnchen mit nachgeahmter Reichsdienstflagge des Deutschen Kaiserreichs (vorne)

Begriff

Der Begriff enthĂ€lt eine inhaltliche – politisch „rechts“ stehend – und eine formale Komponente – Extremismus. Beide Bestandteile sind nicht eindeutig und unterliegen der Kritik. Die auf die Sitzordnung in der Französischen Nationalversammlung von 1789 zurĂŒckgehende Einteilung des politischen Spektrums nach „rechts“ und „links“ bezieht sich auf eine unbestimmte „Mitte“ der Gesellschaft, die historisch stark schwankend definiert wurde. Positionen, die vor 1945 mehrheitsfĂ€hig waren und als gemĂ€ĂŸigt galten, etwa der Vertragsrevisionismus in der Weimarer Republik, gelten heute als rechtsextrem.

Zudem bewertet der Begriff etwas als „extrem(istisch)“ und definiert so indirekt die politische „Mitte“ als vom „Àußeren Rand“ her gefĂ€hrdete NormalitĂ€t. Dies diente meist dazu, die bestehende Ordnung gegen so definierte Theorien, Personen, Gruppen und ihre Politik zu verteidigen. Daher bezeichnen als rechtsextrem Eingestufte sich selbst kaum mit diesem Begriff, sondern heute meist als „konservativ“, „rechtskonservativ“ oder „national“. Dadurch wird die Abgrenzung vom verfassungsgemĂ€ĂŸen demokratischen Konservatismus und Patriotismus, die der unscharfe Begriff „Rechtsextremismus“ leisten soll, erschwert. Die entsprechende Abgrenzung vollziehen Politologen, Soziologen und VerfassungsschĂŒtzer mittels nĂ€herer inhaltlicher Abgrenzungen, die der ĂŒberkommene Begriff an sich nicht enthĂ€lt.

Umgangssprachlich werden die Begriffe „Rechtsextremismus“ und „Rechtsradikalismus“ oft gleichgesetzt oder nicht scharf voneinander abgegrenzt.[1] Brigitte Bailer-Galanda vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes kritisierte 2008:[2]

„Leider findet sich auch in der wissenschaftlichen Fachliteratur die gleichzeitige und offensichtlich synonym verstandene Anwendung zumindest der Begriffe Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus, wodurch selbst bei Interessierten begriffliche Verwirrung ausgelöst und gefördert wird.“

Die Vossische Zeitung benannte 1924 als rechtsradikal „alle die Gruppen, BĂŒnde und Vereinigungen, die sich teils völkisch, teils deutschsozial, teils großdeutsch, teils nationalsozialistisch nennen [
].“[3]

Seit den 1970er Jahren verwendet der deutsche Verfassungsschutz den Begriff „Rechtsextremismus“ fĂŒr verfassungsfeindliche, gegen die Freiheitliche demokratische Grundordnung (FDGO) gerichtete Inhalte und AktivitĂ€ten, den Begriff „Rechtsradikalismus“ dagegen fĂŒr politische Ziele im demokratischen Spektrum, die als Ausdruck legitimer Radikalkritik an einer bestehenden Gesellschaftsordnung verstanden werden.[4]

Die Definition beider Begriffe ist (Stand 2008) in der Wissenschaft umstritten und wird durch ihre historisch uneinheitliche Verwendung erschwert. Der Vorschlag einiger Autoren, „das Attribut extremistisch fĂŒr die BeobachtungsgegenstĂ€nde der Verfassungsschutzbehörden zu reservieren und die Bezeichnung Radikalismus fĂŒr das wesentlich breitere sozialwissenschaftliche BetĂ€tigungsfeld zu verwenden“, konnte sich bislang nicht durchsetzen.[5]

Neben dem Begriff Rechtsextremismus haben sich im Laufe der Zeit auch die Bezeichnungen die Ă€ußerste Rechte (bzw. rechtsaußen) und die Ultrarechte (bzw. ultrarechts) in der Forschung etabliert, die synonym zu rechtsextrem verwendet werden.[6] Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer schlug 2018 den Begriff des „autoritĂ€ren Nationalradikalismus“ vor, da die korrespondierenden PhĂ€nomene Rechtspopulismus und Rechtsextremismus darauf abzielen, Institutionen zu destabilisieren, die wichtig fĂŒr die Gesellschaft seien.[7]

Hauptmerkmale

Rechtsextremismus ist eine Sammelbezeichnung fĂŒr Ideologien, deren gemeinsamer Kern die Überbewertung der ethnischen Zugehörigkeit, die Infragestellung der Gleichheit aller Menschen sowie ein antipluralistisches und autoritĂ€r geprĂ€gtes GesellschaftsverstĂ€ndnis ist.[8] Die Verwendung von Verschwörungstheorien kann eine rationale Analyse gesellschaftlicher MissstĂ€nde ersetzen. Dies dient sowohl der Entlastung als auch der Integration rechtsextremer Gruppen.[9] Zudem werden Verschwörungstheorien herangezogen, um historische AnknĂŒpfungspunkte an den Faschismus und Nationalsozialismus zu schaffen (→ Geschichtsrevisionismus). HĂ€ufig Verwendung findet die Behauptung einer „Verschwörung des Weltjudentums“ oder das AnknĂŒpfen an verschwörungstheoretische Elemente des Antiamerikanismus.[10]

Zu den strukturellen Merkmalen des Rechtsextremismus zĂ€hlen Dogmatismus, Sendungsbewusstsein und ein ausgeprĂ€gtes Schwarz-Weiß-Denken.[11] Im politischen Stil lĂ€sst sich eine Gewaltlatenz und Gewaltakzeptanz erkennen, die ihren Ausdruck vor allem in verbalen Angriffen auf politische Gegner und Andersdenkende findet.[9]

Ethnizismus

Rechtsextremisten betonen bei allen sonstigen Unterschieden eine naturgegebene Zugehörigkeit von Menschengruppen zu einem als Ethnie (Abstammungseinheit) oder Rasse verstandenen Volk oder einer Nation. Die Menschen seien durch biologische Abstammung sowie kulturell so stark vorgeprĂ€gt, dass kein friedliches, gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Zusammenleben verschiedener Ethnien in einem Staat möglich sei. Die Gesellschaft mĂŒsse daher zu einem homogenen „Volkskörper“ vereinheitlicht werden. Damit gehen ĂŒberhöhter Nationalismus[12] und oft auch Rassismus[13] einher, also die Überhöhung des eigenen Volkes gegenĂŒber anderen Ethnien und Nationen. Zur Rechtfertigung wird bis heute auf Rassentheorien verwiesen, die rassistischen Argumentationen eine scheinbare wissenschaftliche ErklĂ€rungsgrundlage liefern sollen.

Deren Gestalt kann variieren und wird meist nur vage umrissen. Das „Volk“ wird nicht immer eindeutig „rassisch“ definiert, sondern oft mit einem Ethnopluralismus umschrieben, der die Eigenarten der Völker betont, um die eigene Abstammungseinheit von anderen Völkern und ethnischen Minderheiten abzugrenzen und Konzepte eines Multikulturalismus abzuwehren.[9] Statt der Höherwertigkeit der eigenen Nation betont dieses Konzept teilweise eine Höherwertigkeit der eigenen Kultur und leitet daraus einen Anspruch auf Vorherrschaft ab. Im Ă€lteren Sozialdarwinismus wird dagegen ein Zwang zur nationalen Selbstbehauptung nach innen wie außen postuliert.

Ungleichheit der Menschen

Rechtsextremisten begrĂŒnden einen minderen Wert und Rechtsstatus bestimmter Individuen und Gruppen durch ethnische, kulturelle, geistige und biologische Unterschiede.[14] Daraus folgen zwangslĂ€ufig Freund-Feind-Haltungen und Intoleranz gegenĂŒber Menschen anderer Herkunft und PrĂ€gung. Fremden- und AuslĂ€nderfeindlichkeit gehen ineinander ĂŒber; abgelehnt werden meist nicht alle AuslĂ€nder, sondern ganz bestimmte ethnisch, rassisch und/oder kulturell als fremd erscheinende Gruppen, die von der eigenen, meist nicht genauer definierbaren Norm abweichen. Es wird zwischen positiv eingeschĂ€tzten (willkommenen) und negativ eingeschĂ€tzten (unwillkommenen) AuslĂ€ndern unterschieden und die aktive Ausgrenzung der zweiten Gruppe betrieben.

Antipluralismus

Rechtsextremisten sehen keine Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Interessen und Ansichten in einem Staat. Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten werden als schĂ€dlich fĂŒr die Gemeinschaft angesehen. Die Ursache von gesellschaftlichen Konflikten wird in der Ungleichheit der Menschen gesehen. Deswegen sollen pluralistische politische Institutionen durch autoritĂ€re ersetzt werden. Der Rechtsstaat wird als eine die Volksgemeinschaft „zersetzende“ Institution angesehen und seine Grundlagen, wie der Parlamentarismus, eine demokratische Opposition und die GewĂ€hrung von gleichen Grundrechten, delegitimiert und/oder bekĂ€mpft.[15] Auch die BemĂŒhungen um die Integration von Menschen anderer Herkunft sowie das Konzept einer multikulturellen Gesellschaft werden abgelehnt und als „Verbrechen am eigenen Volk“ diffamiert.

Autoritarismus

Rechtsextremisten wollen den Nationalstaat durch eine autoritĂ€r gefĂŒhrte Volksgemeinschaft ersetzen.[16] Charakteristisch ist ein autoritĂ€res, auf hierarchische und zentralistische Strukturen unter FĂŒhrung nationaler „Eliten“ ausgerichtetes PolitikverstĂ€ndnis. Der liberale Rechtsstaat, der weniger auf GefĂŒgsamkeit als auf die Einsicht zivilisierter BĂŒrger setzt und daher tendenziell unautoritĂ€r, gemĂ€ĂŸigt und geduldig auftritt, wird von Rechtsextremisten angesichts ihrer radikalen Zielsetzungen als verweichlicht, kraftlos und ineffektiv angesehen. Eine autoritĂ€re Ordnung wird nicht als Bedrohung, sondern als Schutzraum herbeigesehnt; entscheidend sind hierfĂŒr oft vorpolitische, persönliche PrĂ€gungen (etwa autoritĂ€re Eltern), charakterliche Ursachen oder eine Überforderung durch die vom liberalen Rechtsstaat vorausgesetzte bĂŒrgerliche Selbstkontrolle.[17]

Es wird daher ein identischer Volkswille behauptet, sodass „Freiheit“ nur bedeutet, sich diesem unterzuordnen. Individuelle Selbstbestimmung und Chancengleichheit werden zu Gunsten von sozialem Einheitszwang bekĂ€mpft. Außenpolitisch folgt daraus – je nach besonderer LĂ€ndersituation â€“ meist eine auf Abgrenzung, militĂ€rische und ökonomische Machtsteigerung, ethnische „SĂ€uberungen“ und/oder territoriale Expansion ausgerichtete Politik.[18]

Internationale Szene-Tendenzen

Die wachsende international operierende rechtsextreme Szene nutzt vor allem das Internet zur Kommunikation. Es werden aber auch gemeinsame Demonstrationen, Rechtsrock-Konzerte und Veranstaltungen organisiert. Eine wichtige Rolle spielt die internationale Vernetzung beim Vertrieb von in einigen Staaten verbotenen Produkten mit speziellen Symboliken. Richard Stöss sieht im Ausmaß der Vernetzung von Rechtsextremisten einen wichtigen Indikator fĂŒr das Bedrohungspotential, das von ihnen ausgeht.[19] Eine kollektive IdentitĂ€t entsteht dabei ĂŒber die Vorstellung der Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Rasse sowie zu einem gemeinsamen Kulturkreis (Abendland).

Rechtsextreme Netzwerke

→ Hauptartikel: Rechtsextreme Netzwerke

Im europĂ€ischen Parlament gibt es Versuche, eine rechtsextreme Fraktion aufzubauen. Die Fraktion IdentitĂ€t, Tradition, SouverĂ€nitĂ€t bestand von Januar bis November 2007. Vorausgegangen waren BemĂŒhungen um eine einheitliche europĂ€ische Wahlplattform fĂŒr die Europawahl 2004 unter dem Dach der EuropĂ€ischen Nationalen Front. Ein erster Versuch von Rechtsextremisten, sich auf europĂ€ischer Ebene zu konstituieren, war die GrĂŒndung des Nazi-Netzwerkes EuropĂ€ische Soziale Bewegung 1951 in Malmö (Schweden).

In Nordamerika grĂŒndeten sich die neonazistischen Hammerskins, die heute in vielen LĂ€ndern Ableger haben. International agieren auch das von Ian Stuart Donaldson gegrĂŒndete Netzwerk Blood and Honour („Blut und Ehre“) und sein „bewaffneter Arm“ Combat 18.

Einfluss auf andere Szenen und Subkulturen

Ein relativ konstanter Anteil der Bevölkerung moderner Industriestaaten vertritt rechtsextreme Einstellungen, in Deutschland laut der SINUS-Studie zum Rechtsextremismus etwa 12 bis 13 Prozent. Allerdings gibt es Subkulturen, in denen Rechtsextremisten sich bevorzugt bewegen, ihre Meinungen und Ansichten offen vertreten und/oder neue AnhĂ€nger zu gewinnen suchen. Zu Propagandazwecken suchen sich rechtsextreme Agitatoren hĂ€ufig Protestkulturen, bei denen thematische AnknĂŒpfungspunkte bestehen. Dabei setzen sich nur einige Szenen, etwa Rock Against Communism, ausschließlich aus bekennenden Rechtsextremisten zusammen. Bei den Skinheads bilden sie nur ein Teilspektrum. Wegen der großen medialen Aufmerksamkeit dafĂŒr wird fast die gesamte Skinhead-Szene öffentlich mit Rechtsextremismus assoziiert. Dies deckt sich zum Teil mit Strategien von Rechtsextremisten, eine Szene ĂŒber bestimmte Kleidermarken, Symbole und das Imitieren von Verhaltensformen fĂŒr sich zu vereinnahmen (siehe auch: Querfront-Strategien), um eine breite gesellschaftliche Akzeptanz oder zumindest Hegemonie vorzutĂ€uschen.

Hooligans und Ultras

→ Hauptartikel: Hooligan
AnhÀnger von Karpaty Lwiw: SS-Galizien-Banner beim Spiel Karpaty gegen Sorja. Lwiw, Ukraine, 2013

Hooligans sind Personen, die vor allem im Rahmen bestimmter Sportereignisse wie beispielsweise Fußballspielen durch aggressives Verhalten auffallen. Sie sind nicht nur von gewöhnlichen Fans und Ultras, sondern auch von anderen Gruppen, Szenen und Einzelpersonen zu unterscheiden, da sie eine bestimmte, charakteristische Art von Gewalt kultivieren. Die ersten VorfĂ€lle von Hooligans gehen bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurĂŒck. Anhand der Namen der Hooligangruppen kann man in einigen FĂ€llen erkennen, ob sie politisch motiviert sind oder nicht. Die Polizei geht davon aus, dass weniger als 6 % der Hooligans organisiert sind, aber weit mehr rechtsextreme Einstellungen haben, was etwa das Rufen von rassistischen oder fremdenfeindlichen Parolen in Stadien nahelegt. Viele dieser Hooligans gehören der Skinhead-Szene, einige auch der Ultra-Szene an.[20][21]

2008 wurde in Sachsen-Anhalt erstmals eine rechtsextreme Hooligangruppe, die Blue White Street Elite, durch das Innenministerium verboten. Gegen das Verbot klagte die Gruppe. Nach RĂŒckverweisung durch das Bundesverfassungsgericht im Revisionsverfahren wurde das Verbot im zweiten Rechtsgang vom Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt im Jahr 2010 aufgehoben. Das OVG kam zu der Erkenntnis, dass die Gruppe keine Vereinigung im Sinne des Vereinsgesetzes sei und das Verbot daher rechtswidrig sei (Az. 3 K 380/10).[22]

Siehe auch: Borussenfront, Hertha-Frösche und Irriducibili Lazio

Musik

→ Hauptartikel: Rechtsrock und National Socialist Black Metal
→ Hauptartikel: Hatecore und Rechtsextreme Liedermacher

Seit Beginn der 1980er Jahre werden verschiedene Formen der Unterhaltungsmusik immer mehr als Vehikel fĂŒr rechtsextremes und neonazistisches Gedankengut benutzt. DafĂŒr hat sich im deutschen Sprachraum, auch unter den Rezipienten selbst, die Bezeichnung „Rechtsrock“ eingebĂŒrgert. Im Englischen ist „RAC“ als AbkĂŒrzung fĂŒr Rock Against Communism gebrĂ€uchlich.

Rechtsextremisten und völkische Esoterik

Schwarze Sonne
→ Hauptartikel: Rechtsextremismus und Esoterik

Rechtsextreme Esoterik oder Völkische Esoterik bezeichnet Systeme von Ideen, Wertvorstellungen und Theorien, die esoterische Vorstellungen mit völkischem oder rassistischem Gedankengut verbinden und hĂ€ufig an die Ariosophie anknĂŒpfen. Der Historiker und Journalist Stefan Meining versteht „Rechte Esoterik“ als „Sammelbezeichnung fĂŒr weltanschauliche Richtungen und Praktiken [
], die sich in den verschiedensten AusprĂ€gungen durch ĂŒbersinnliche Erleuchtung, Geheimwissen, Gruppen- und Elitebewußtsein auszeichnen und in ihren Schriften antiaufklĂ€rerische ErklĂ€rungsmuster mit kruden Weltverschwörungsthesen vermengen.“[23]

Neopaganismus

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→ Hauptartikel: Neopaganismus
Die Externsteine im Teutoburger Wald, unter anderem fĂŒr völkische Gruppen eine germanische KultstĂ€tte

Rechtsextremisten benutzen gelegentlich „nordische“ Symbole, Runen und Namen als Erkennungszeichen. Beispiele fĂŒr rechtsextreme neuheidnische Organisationen in Deutschland sind die Deutsche Heidnische Front (deutsche Sektion der Allgermanischen Heidnischen Front) und der Armanen-Orden.

In einigen rechtsextremen Gruppen wird eine „Germanische Heilkunde“ propagiert, die mit Argumenten der Alternativmedizin fĂŒr angeblich germanische Heilpraktiken wirbt.[24] Das Postulat einer germanischen Heilkunde geht auf die NS-Zeit zurĂŒck (siehe dazu auch: Neue Deutsche Heilkunst).[25]

Heimat-, Tier- und Naturschutz

Siehe auch: Tierschutz im Nationalsozialismus und Naturschutz im Nationalsozialismus
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Ausgehend von einem rĂŒckwĂ€rtsgewandten, romantisierenden Heimat-Begriff versuchen Neonazis in nationalsozialistischer Tradition wieder die Themen Natur- und Heimatschutz zu besetzen. Dabei wird Umwelt- und Naturschutz mit völkischen, rassistischen, islamfeindlichen und antisemitischen Inhalten verknĂŒpft, beispielsweise durch die Behauptung von einer „unverwechselbare[n] völkische[n] Eigenart und ÜberlebensfĂ€higkeit (‚Ewigkeit‘)“.[26] Seit den 1980er Jahren wird insbesondere die Ablehnung des SchĂ€chtens propagiert und mit anti-islamischer Propaganda und Antisemitismus verbunden.[27] Als wesentliche ökologische Publikation des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland gilt das Magazin Umwelt & Aktiv.[28][29]

Die Bedeutung des Schutzes der Natur in der Ideologie des Rechtsextremismus, aufbauend auf dem Nationalsozialismus, ist nicht zu ĂŒberschĂ€tzen. Natur war ein SchlĂŒsselbegriff der nationalsozialistischen Ideologie, und die Zeitspanne von 1933 bis 1945 war eine entscheidende Zeit fĂŒr die Entwicklung des Naturschutzes. Er profitierte immens, was vielen Rechtsextremisten oft besser bekannt ist als NaturschĂŒtzern.[30] Die angenommene Überlegenheit der „deutschen Rasse“ wurde von den Nationalsozialisten von einem Mythos abgeleitet, der fĂŒr die „Germanen“ – und in der Nachfolge fĂŒr die Deutschen – ein besonderes VerhĂ€ltnis zur Natur unterstellte. Dabei bauten sie auf der Schrift des Tacitus De origine et situ Germanorum auf und gingen davon aus, dass die „Germanen“ ein unvermischtes, „reinrassiges“ Volk seien, das zudem durch die sie umgebende unwirtliche Umwelt – Schnee, Frost, tiefe WĂ€lder, wilde Tiere usw. – physisch und psychisch abgehĂ€rtet worden sei. Daher stammten die angeblich ĂŒberlegenen Eigenschaften, die sie ĂŒber andere Völker erhöben und die sie ĂŒber Generationen ausgebildet und genetisch weitergegeben hĂ€tten.[31] Damit sollte die „Überlegenheit“ der deutschen Nation begrĂŒndet werden. Es war aus dieser Sicht konsequent, dass die „deutsche Urnatur“ einen herausgehobenen Wert erhielt und eines besonderen Schutzes bedurfte. In der Folge erließ Hermann Göring z. B. 1935 das Reichsnaturschutzgesetz.[32] Die Landwirte als der Berufsstand, der am nĂ€chsten mit der „heiligen deutschen Erde“ verbunden war, erhielt eine besondere FĂŒrsorge, wie z. B. durch das Reichserbhofgesetz von 1933.[33]

Rechtsextremisten greifen das geschilderte Argumentationsmuster im Bereich Natur- und Umweltschutz fast ungebrochen auf.[34] Aussagen in diesem Zusammenhang sind z. B. auf der Homepage der NPD in Mecklenburg-Vorpommern unter dem Stichwort „Verantwortungsbewusste Landwirtschaft“ zu lesen. Hier wird nach wie vor der Bauernstand heroisiert. Er wird in artamanischer Tradition als biologische Urzelle des Staates begriffen, die zu schĂŒtzen sei: „Der deutsche Bauernstand ist in wirtschaftlicher, volksbiologischer und kultureller Hinsicht von grĂ¶ĂŸter Bedeutung, woraus sich eine Schutzpflicht des Staates ergibt.“[35]

Die rechtsextreme Partei „Der III. Weg“ tritt fĂŒr einen biologistisch definierten Umweltschutz ein, der auch den Naturschutz umfasst. „Umweltschutz ist Heimatschutz. [
] Ziel der Partei ‚Der III. Weg‘ ist die Schaffung bzw. Wiederherstellung einer lebenswerten Umwelt, die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes und die Förderung der Gesundheit.“[36] Unter „Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes“ werden nicht nur die Umweltmedien Boden, Wasser und Luft, Flora und Fauna verstanden, sondern aus rechtsextremer Perspektive auch die „genetische Reinrassigkeit“ von Menschen, Tieren und Pflanzen. Damit wird implizit an den völkischen Heimatschutz der völkischen Bewegung und die darauf aufbauende „Blut-und-Boden-Ideologie“ des Nationalsozialismus angeknĂŒpft.

In der Wahrnehmung von Rechtsextremisten verfĂ€lschen „gebietsfremde“ Tiere, Pilze oder Pflanzen, sogenannte Neobiota, die reaktionĂ€re Ă€sthetische Vorstellung einer „deutschen Natur“. Die industriell geprĂ€gte Landwirtschaft stĂ¶ĂŸt in diesen Kreisen auch deswegen auf Ablehnung, da hinter den beteiligten internationalen Konzernen aus rechtsextremer Sicht hĂ€ufig eine „jĂŒdische Elite“ vermutet wird. Ein derart verstandener Heimatschutz richtet sich grundsĂ€tzlich gegen sĂ€mtliche Menschen, die nicht einem völkisch-deutschen VerstĂ€ndnis entsprechen, da diese – nach rechtsextremer Definition – nicht in die hiesige Natur und Umwelt passen, sondern sie verĂ€ndern und ihr damit schaden.[37]

Autonome Nationalisten

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→ Hauptartikel: Autonome Nationalisten
Autonome Nationalisten auf NPD-Demo am 7. Oktober 2006 in Nordhausen

Als „Autonome Nationalisten“ (AN) bezeichnen sich zumeist jugendliche Neonazis aus den Reihen der freien Kameradschaften. Ihren Ursprung hat diese Strömung im Jahr 1990, als Neonazis aus dem Umfeld der Nationalen Alternative (NA) in Berlin-Lichtenberg ein Haus besetzten und damit besonders augenfĂ€llig eine Aktionsform der linken Hausbesetzer-Bewegung ĂŒbernahmen. Aber erst seit etwa 2002 traten sie unter dem Namen Autonome Nationalisten auf und imitierten in ihren Aktionsformen bewusst die autonome Bewegung. Dazu gehören neben Hausbesetzungen das Erregen von Aufmerksamkeit durch Aufkleber und SprĂŒhereien, Anti-Antifa-TĂ€tigkeiten und das einheitliche Auftreten als Schwarzer Block auf Demonstrationen. Bisweilen werden auch schwarze Handschuhe mit Protektoren getragen oder demonstrativ in den GesĂ€ĂŸtaschen eingesteckt, die wie in Teilen der Autonomen oder bei Hooligans als Zeichen der Gewaltbereitschaft zu deuten sind.

In den Folgejahren ĂŒbernahmen in der gesamten Bundesrepublik einzelne junge Neonazis und Kleingruppen die Bezeichnung und den Stil der „Autonomen Nationalisten“. Ziel ist es, dem BedĂŒrfnis auch Jugendlicher und junger Erwachsener mit rechtsextremen und neonazistischen Weltbildern nach einem modernisierten Lifestyle entgegenzukommen und nicht dem Image des Ewiggestrigen und den Klischees vom „Stiefel-Nazi“ und „Skinhead“ zu entsprechen. „Autonome Nationalisten“ sehen sich selbst als bewusste Provokateure der Altnazis und lehnen deren „schwarz-weiß-rote DeutschtĂŒmelei“ oder „1933er-Romantik“ ab. Das Auftreten bei Demonstrationen und Kundgebungen der rechtsextremen Szene fĂŒhrte in der Vergangenheit zu Spannungen mit der NPD, die als Wahlpartei nach außen hin um ein moderates Auftreten bemĂŒht ist.

Auch in einigen anderen LĂ€ndern gibt es die „Autonomen Nationalisten“, so in Schweden, wo Varenus Luckmann 2009 als deren Vertreter beim Fest der Völker redete.

Naziskins

Auch Teile der rassistischen Neonaziszene treten als Skinheads in Erscheinung
→ Hauptartikel: Skinhead #Gruppierungen mit eindeutig rechtsextremer Gesinnung

Zwar ist Skinhead eine Sammelbezeichnung fĂŒr alle Angehörigen der Skinheadszene, einer sehr heterogenen, jugendlich dominierten Subkultur, die einen gemeinsamen Dresscode und kurz bis kahl geschorene Köpfe haben. UrsprĂŒnglich rekrutierten sich die Skinheads aus AnhĂ€ngern der englischen Arbeiterklasse. Zu Beginn der 1980er-Jahre formierten sich dann in Deutschland, den USA und in England immer mehr so genannte naziskins (englisch), neonazistische Jugendliche, die mit ihrem Äußeren an die Skinheadbewegung anknĂŒpften. Diese prĂ€gten bald das öffentliche Bild von Neonazis. Heute wird der Begriff Skinhead in der Öffentlichkeit oft synonym zu Neonazi gebraucht, selbst in Bezug auf Neonazis, die nicht im Habitus der Skinheads erscheinen. Gefördert wurde diese Identifikation durch Massenmedien, die eher ĂŒber rassistische Gewaltakte berichteten als ĂŒber Demonstrationen von Skinheads gegen Rassismus. Angesichts der auch politisch sehr heterogenen Szene ist diese Gleichsetzung (Skinhead gleich Naziskin) jedoch falsch.[38][39]

Zu den bekannten Naziskin-Gruppen gehören Blood and Honour, Combat 18 und die Hammerskins. Einige Skinheads, meist Gegner der Naziskins, verwenden fĂŒr diese das Wort Bonehead, weil sie meist vollkommen kahlrasiert oder mit sehr kurzen Haaren auftreten.

Protest gegen COVID-19-Schutzmaßnahmen

→ Hauptartikel: Proteste gegen Schutzmaßnahmen zur COVID-19-Pandemie in Deutschland #Rechtsgerichtete Veranstalter

Unter den Veranstaltern und Teilnehmern von Protest-Demonstrationen gegen Schutzmaßnahmen wegen der COVID-19-Pandemie finden sich zahlreiche Personen des Rechtsextremismus. Sie demonstrieren oft Seite an Seite mit Verschwörungstheoretikern und Esoterikern.[40] Allgemein sind eine AffinitĂ€t zu Verschwörungstheorien und eine Ablehnung demokratischer Institutionen eng mit dem Rechtsextremismus verbunden, was zu einer geringeren Bereitschaft zur Akzeptanz der Maßnahmen gegen die Pandemie fĂŒhrt. Eine Studie von Christoph Richter et al. zeigte fĂŒr Deutschland empirisch einen positiven Zusammenhang zwischen Wahlergebnissen rechtsextremer Parteien und den Inzidenzzahlen im selben Wahlkreis wĂ€hrend der Corona-Infektionswellen des Jahres 2020.[41]

Medien

→ Hauptartikel: Rechtsextremismus im Internet

Rechtsextremisten benutzen seit etwa 1993 verstĂ€rkt das Internet zur Kommunikation. In einigen Rechtsstaaten, darunter Deutschland, wird dies als Problem öffentlich beobachtet und erörtert, besonders sofern die Verbreitung rechtsextremer Inhalte im Netz sich dem national geltenden Strafrecht entzieht. Dieser Missbrauch hat – wie in vergleichbaren anderen Bereichen – verschiedene gesellschaftliche, staatliche und internationale Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt.

Siehe auch: Holocaustleugnung und Judenfeindlichkeit

Symbole und Zeichen

→ Hauptartikel: Rechtsextreme Symbole und Zeichen

AnhĂ€nger der internationalen rechtsextremen Szene bedienen sich bestimmter Symbole und Zeichen, um ihre Gesinnung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Wie alle Symbole dienen sie dem schnellen Wiedererkennen, stellen also einen gruppen- und lĂ€nderĂŒbergreifenden Code dar.

Rechtsextreme Parteien in Parlamenten europÀischer Staaten

Liste rechtsextremer Parteien in den europÀischen Nationalparlamenten
(sortiert nach Wahlergebnissen, Stand 11. Juli 2024, auf eine Dezimalstelle gerundet)
Land Partei Symbol Parteichef Stimmen in %
(letzte Wahl)
Platzierung
bei letzter Wahl
Sitze
im Parlament
Regierungs-
beteiligung
Turkei TĂŒrkei Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP)
Devlet Bahçeli
10,1
(2023)
3. 050 von 600 Ja
Russland Russland LDPR
Leonid Sluzki
07,5
(2021)
3. 021 von 450 Nein
Ungarn Ungarn Unsere-Heimat-Bewegung (Mi HazĂĄnk)
LĂĄszlĂł Toroczkai
05,9
(2022)
3. 006 von 199 Nein
Ukraine Ukraine Allukrainische Vereinigung „Swoboda“
Oleh Tjahnybok
02,2
(2019)
7. 001 von 450 Nein
Zypern Republik Zypern Nationale Volksfront (ELAM)
Christos Christou
06,8
(2021)
4. 04 von 56 Nein
Deutschland Deutschland Alternative fĂŒr Deutschland (AfD)
Alice Weidel

Tino Chrupalla
20,8
(2025)
2. 151 von 630 Nein

LĂ€nderberichte

Rechtsextremismus ist ein weltweit auftretendes PhĂ€nomen. Neben einem gemeinsamen Kern gibt es allerdings unterschiedliche gesellschaftliche Voraussetzungen in unterschiedlichen LĂ€ndern, da sich die Bezeichnung „rechts“ jeweils auf einen konkreten geschichtlichen Kontext bezieht.[42] Besondere Probleme ergeben sich bei der genauen Abgrenzung zum religiösen Extremismus. In nicht demokratisch verfassten LĂ€ndern kann hingegen laut Definition nicht von Rechtsextremismus gesprochen werden.

Deutschland

→ Hauptartikel: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland und Rechtsextremismus in der DDR

Das rechtsextreme Weltbild, geprÀgt von rassistischen, völkischen und nationalistischen sowie chauvinistischen[43] WerteverstÀndnissen, steht im Widerspruch zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.[44]

Bis zum Anfang der 1970er Jahre war die Bezeichnung „rechtsradikal“ fĂŒr Bestrebungen, die heute als rechtsextrem bezeichnet werden, ĂŒblich. 1975 fĂŒhrte der damalige Innenminister Werner Maihofer im Vorwort des Verfassungsschutzberichts den Extremismusbegriff in den Sprachgebrauch staatlicher Behörden ein. Er sollte den bis dahin verwendeten Begriff des Rechts- und Links-Radikalismus, der nicht unbedingt verfassungsfeindliche Haltungen bezeichnet, ergĂ€nzen.[45] Heute werden mit der Bezeichnung „Rechtsextremismus“ politische Bestrebungen am rechten Rand des politischen Spektrums beschrieben, die die Beseitigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung zum Ziel haben. Der Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland wird in drei Lager eingeteilt: die parlamentarisch orientierten Parteien, die intellektuell orientierte Neue Rechte und die aktionistisch orientierte Neonazi- und Skinheadszene. Die HeterogenitĂ€t lĂ€sst sich aus der Geschichte des deutschen Rechtsextremismus seit 1945 erklĂ€ren, dessen historische Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurĂŒckreichen.

Im Unterschied zu anderen europĂ€ischen LĂ€ndern, wie Italien oder Frankreich, konnte sich in der Bundesrepublik Deutschland keine rechtsextreme Partei, abgesehen von einzelnen LandesverbĂ€nden wie der AfD Bremen, dauerhaft auf Landes- oder Bundesebene etablieren. Rechtsextreme AktivitĂ€ten werden mit Hilfe der Instrumente einer streitbaren Demokratie strafrechtlich verfolgt. Mit der Beobachtung und Überwachung rechtsextremer Bestrebungen beschĂ€ftigen sich die Verfassungsschutzbehörden von Bund und LĂ€ndern. So wird derzeit (2020) der rechtsextreme FlĂŒgel der AfD unter Björn Höcke und Andreas Kalbitz vom Verfassungsschutz beobachtet.[46] DarĂŒber hinaus existieren staatliche und oftmals staatlich geförderte zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Rechtsextremismus in Deutschland.

Das „Rechtsextremismuspotential (Gesamt)“ gibt fĂŒr 2019 eine Zahl der organisierten sowie nichtorganisierten Rechtsextremisten von rund 32.080 Personen an (2018: 24.100), von denen rund 13.000 Personen vom Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) als gewaltorientiert eingestuft werden.[47] Dem PhĂ€nomenbereich „politisch motivierte KriminalitĂ€t – rechts“ wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) 21.290 Straftaten im Jahr 2019 zugeordnet.[48]

Der Verfassungsschutzbericht 2019 stuft folgende Parteien als rechtsextrem ein: NPD, Die Rechte und Der III. Weg. Beobachtet werden demzufolge auch: die IdentitĂ€re Bewegung Deutschland, die Jungen Nationalisten (JN), der Ring Nationaler Frauen (RNF), die Kommunalpolitische Vereinigung der NPD (KPV) sowie die Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft (DS Verlag). In der AfD werden Der FlĂŒgel und die Junge Alternative fĂŒr Deutschland (JA) als VerdachtsfĂ€lle eingestuft.[49]

Seit etwa 2012 tritt zudem die rechtsextreme IdentitĂ€re Bewegung (IBD) auf,[50] die hauptsĂ€chlich als Ableger des französischen Bloc identitaire beschrieben wird und deren Mitgliederanzahl in Deutschland auf 600 geschĂ€tzt wird.[51] Einige soziale Netzwerke gingen im August 2020 gegen die Mitglieder der IBD und der IBÖ vor und sperrten Accounts im Zusammenhang dieser Organisationen.[52] Seitdem weichen Rechtsextreme zunehmend auf geschlossene Chatgruppen wie bei Telegram oder Discord aus.[53][54]

Latente Neigungen zu rechtsextremen Positionen werden auch in anderen Gruppierungen vermutet und teilweise beobachtet. Dazu zĂ€hlen Der FlĂŒgel der AfD, kleine Teile der Bundeswehr und des ĂŒbrigen Öffentlichen Dienstes sowie die ReichsbĂŒrger und Selbstverwalter.

Die 2019 geĂ€nderte Ausrichtung mit Aufstockung und Umstrukturierung des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz und des MilitĂ€rischen Abschirmdienstes (MAD),[55] die eine erhöhte AktivitĂ€t zur Beobachtung der rechtsextremen Szene zum Ziel hatte, ergab sich aus einer Zunahme der rechtsextremen Straftaten und PhĂ€nomenen im Zusammenhang mit den NSU-Prozessen, dem Mordfall Walter LĂŒbcke, dem Mord und Ausschreitungen in Chemnitz (2018), Bedrohungen von Kommunalpolitikern, Journalisten und Ehrenamtlichen, der Sammlung von Personen auf sog. „Feindeslisten“ und der allgemeinen Anti-Asyl-Agitation der Szene.

Frankreich

Jean-Marie Le Pen auf dem jĂ€hrlichen Treffen des Front National zum Gedenken an Jeanne d’Arc in Paris, 2007

1968 begann sich in Frankreich die Nouvelle Droite zu konstituieren. FĂŒhrender Protagonist war Alain de Benoist mit seiner Theoriegruppe GRECE. 1969 grĂŒndete sich der Ordre Nouveau (ON), der 1972 maßgeblich die GrĂŒndung des Front National (FN) vorantrieb. 1973 wurde der ON verboten.

Erst ab 1984 konnte sich der FN als rechtsextreme Partei im französischen Parteiensystem fest etablieren. Die ersten Wahlerfolge grĂŒndeten sich auf Gruppen aus dem traditionellen Mittelschichten; kleine Unternehmer, Bauern, Handwerker und einige freie Berufe waren die HauptwĂ€hlergruppe.[56] Vor allem EnttĂ€uschungen ĂŒber die regierende Linkskoalition halfen Jean-Marie Le Pen, seine AnhĂ€nger mit neoliberalen Parolen zu mobilisieren.[57] WĂ€hrend der Kommunalwahlen 1983 gelang es der Rechten, Migration zum Wahlkampfthema zu machen. Alle Parteien bemĂŒhten sich hier, HĂ€rte zu zeigen. Dem FN kam zu ersten nennenswerten Wahlerfolgen; gleichzeitig stiegen rassistische Straftaten drastisch an. Im Zeitraum 1980–1985 wurden 130 rassistisch motivierte Morde verzeichnet.[58] Landesweit erhielt der FN Mitte der 1990er Jahre 15 Prozent der WĂ€hlerstimmen und erreichte damit dieselbe GrĂ¶ĂŸenordnung wie der RPR (heute UMP) des ehemaligen Staatschefs Jacques Chirac. Ihm warfen der zurĂŒckgetretene RPR-Chef Philippe SĂ©guin und der zum FN ĂŒbergetretene Enkel von General Charles de Gaulle „Unterwerfung“ Frankreichs unter die USA und die EU vor.

Le Pen, der langjÀhrige Vorsitzende des FN, war wegen zahlreicher Skandale auch in der eigenen Partei umstritten. FN-Plakatkleber lieferten sich vor der letzten Parlamentswahl wiederholt mit Plakatklebern der Sozialisten und der Kommunisten handgreifliche Konflikte. Auch Parteichef Le Pen wurde verurteilt, weil er eine Journalistin geschlagen hatte. Er pflegte Freundschaften mit Gerhard Frey und Wladimir Schirinowski, dem er 1993 als erster zu seinem Achtungserfolg gratulierte.

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Französische Politikwissenschaftler unterteilen die extreme Rechte in folgende Strömungen:

  • Nationalistes contre-rĂ©volutionnaires, die sich auf die Tradition der katholischen Monarchie vor 1789 beziehen und die Errungenschaften der Französischen Revolution wie Demokratie, Parlamentarismus und Laizismus ablehnen, hier haben auch Vertreter des katholischen Traditionalismus großen Einfluss.
  • Nationalistes rĂ©volutionnaires betrachten sich hingegen als sozialrevolutionĂ€r und beziehen sich oft auf den historischen Faschismus, sie lehnen das Christentum ab und sind teilweise neuheidnisch geprĂ€gt.
  • Andere Strömungen sind demokratisch, aber autoritĂ€r und nationalpopulistisch orientiert, sie werden aus historischen GrĂŒnden bonapartistisch genannt. Großen Einfluss in diesen Kreisen haben auch die Ideen von Charles Maurras, der einen hierarchischen StĂ€ndestaat zur Vermeidung von KlassenkĂ€mpfen vorschlug und im Vichy-Regime leitende Positionen innehatte.

Im FN vereinigten sich Vertreter aller dieser Gruppen wie auch gemĂ€ĂŸigtere Nationalisten.

Hochburgen des FN sind das Elsass, die von wirtschaftlichen und sozialen Problemen geprĂ€gten frĂŒheren Industriezentren in Lothringen und Nord-Pas de Calais sowie die sĂŒdfranzösischen Regionen Provence-Alpes-CĂŽte d’Azur und Languedoc-Roussillon. In mehreren GroßstĂ€dten des SĂŒdens, darunter Toulon, stellte der FN den BĂŒrgermeister. Darum fĂŒhlten sich die vorwiegend nordafrikanischen Einwanderer bedroht. Die Leiter der „Charlemagne Hammer Skin“-Gruppe stammten ebenfalls aus dem SĂŒden Frankreichs.

Nach dem Misserfolg bei den PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen 2007, bei denen auch Kandidaten anderer Parteien die Themen Einwanderung, Integration und nationale IdentitĂ€t ansprachen, geriet der FN in eine Krise, die schließlich im Januar 2011 mit der Wahl von Marine Le Pen, der Tochter des ParteigrĂŒnders, zur neuen Vorsitzenden beendet wurde. Sie steht fĂŒr eine Öffnung der Partei hin zu Demokratie und Laizismus und eine Abkehr von Antisemitismus und offenem Rassismus. Stattdessen definiert sie die Nation ĂŒber die „Kultur“. Von rechtsextremen Parteien wie der British National Party (BNP) oder der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) hĂ€lt die Partei seither Abstand und versucht sich als Kraft der rechten Mitte zu positionieren; ihr zentrales Thema ist dabei die Islamkritik und die Warnung vor einer „Islamisierung“ Frankreichs. Von Experten wird die GlaubwĂŒrdigkeit dieser Kehrtwende aber bezweifelt, da viele Parteimitglieder an alten Positionen festhalten.[59] Tanja Wolf ordnete den FN in ihrer 2019 veröffentlichten Typologie rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien in Europa als „rechtspopulistische Partei mit rechtsextremen Tendenzen“ ein.[60] Der Front National benannte sich 2018 in Rassemblement National („Nationale Sammlungsbewegung“) um.

Noch weiter rechts als der (reformierte) FN stehen Gruppen wie Renouveau français. Dies gilt auch fĂŒr den Bloc identitaire und die Ligue du Sud, die Ă€hnlich wie die Lega Nord die Ablehnung von Einwanderung und anti-islamischen Rassismus mit der Betonung regionaler IdentitĂ€ten gegenĂŒber dem Zentralstaat verbinden und vor allem in SĂŒdfrankreich ĂŒber einen gewissen Einfluss verfĂŒgen. Der Bloc identitaire war Vorbild fĂŒr die IdentitĂ€re Bewegung in Deutschland und Österreich.

Seit 2007 besteht zudem die rechtsextreme und betont antizionistische Bewegung ÉgalitĂ© et Reconciliation („Gleichheit und Versöhnung“) des Antisemiten Alain Soral. Dieser unterhĂ€lt enge Verbindungen zu dem Komiker DieudonnĂ© M’bala M’bala und dem Karikaturisten Joe Le Corbeau (bĂŒrgerlich NoĂ«l GĂ©rard), die ebenfalls antisemitische und holocaustrelativierende Inhalte verbreiten. Damit stehen sie fĂŒr einen entgegengesetzten Kurs zum Front National, der sich unter Marine Le Pen vom Antisemitismus distanziert hat und sich seither als Freund Israels und „Schutzschild der Juden“ prĂ€sentiert. Ebenfalls im bewussten Gegensatz zum islamfeindlichen Front National sprechen DieudonnĂ© und Sorals Bewegung mit ihren antizionistischen und verschwörungstheoretischen Parolen auch junge Muslime aus den Banlieues an. DieudonnĂ© unterhĂ€lt zudem Beziehungen zu islamistischen Organisationen.[61]

Großbritannien

Nick Griffin, Vorsitzender der British National Party (BNP)

Bereits 1945 propagierte Oswald Mosley, GrĂŒnder der Partei Union Movement, eine europaweite Zusammenarbeit rechtsextremer Organisationen. Er bemĂŒhte sich nach dem Ende des Krieges, an die Erfolge der britischen Faschisten vor 1939 anzuknĂŒpfen und seiner Bewegung eine neue Massenbasis zu geben. Doch seine BemĂŒhungen scheiterten.[62] Mosley grĂŒndete 1948 die Partei Union Movement (1973 umbenannt in Action Party), die sich offiziell erst 1994 auflöste. Von dieser spaltete sich 1974 die noch heute existente League of Saint George ab. 1962 grĂŒndete sich die erste offen neonazistische Organisation, das National Socialist Movement (NSM). 1967 folgte die GrĂŒndung der neofaschistischen British National Front. Hier entstand, gespeist von der starken Hooligan- und Skinheadszene, um 1990 die „Blood and Honour“-Bewegung, die sich um die rassistische Band „Skrewdriver“ versammelte. Dem 1993 verstorbenen „Skrewdriver“-SĂ€nger Ian Stuart Donaldson wurde auf den Konzerten der Bewegung regelmĂ€ĂŸig gehuldigt. Neuerdings unterstĂŒtzt die Bewegung die Anti-Euro-Kampagne der rechtsradikalen British National Party. Diese zahlenmĂ€ĂŸig stĂ€rkste Rechtsradikalenorganisation hat ihre Hochburgen traditionell in den InnenstĂ€dten, konnte aber durch die UnterstĂŒtzung von „Blood and Honour“ ihr Agitationsfeld auf die Farmer und VorstĂ€dter ausweiten, deren Ängste vor Preisverfall und Immigration sie zu bedienen sucht. Den Kampf um die InnenstĂ€dte vor allem der StĂ€dte mit einem hohen Migrantenanteil (dies sind meist auch die alten IndustriestĂ€dte mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen wie Arbeitslosigkeit und KriminalitĂ€t, Liverpool, Sheffield oder Wolverhampton) fĂŒhrte hingegen die zahlenmĂ€ĂŸig schwĂ€chere British National Front, die allerdings seit den 1980er Jahren im Niedergang begriffen ist.

Einige Wahlerfolge erzielte die BNP bei den Europawahlen 2009; sie entsendet seither zwei Vertreter in das EuropĂ€ische Parlament. Als HauptgrĂŒnde gelten EnttĂ€uschung ĂŒber Korruption bei den etablierten Parteien, Kritik am ausgeprĂ€gten Multikulturalismus und Ängste vor „Überfremdung“; vor allem muslimische Einwanderer aus Pakistan oder Bangladesch standen in der Kritik. Seither hat die Partei allerdings wieder an Stimmen verloren, auch weil andere Parteien stĂ€rker Einwanderungs- und Integrationsprobleme thematisierten und die Partei aufgrund ihres teilweise offenen Rassismus fĂŒr WĂ€hler der Mitte als zu radikal gilt.

Offen terroristisch geht „Combat 18“ (die Zahlen stehen fĂŒr den 1. und den 8. Buchstaben im Alphabet, A. H.; ĂŒbersetzt „Kampfgruppe Adolf Hitler“) gegen Migranten in England, Schottland und Wales vor. Die TĂŒren der Betroffenen werden mit Farbe markiert, die HĂ€user mit BrandsĂ€tzen angegriffen. Auch SprengstoffanschlĂ€ge werden Combat 18 angerechnet. Die Combat 18 ist die stĂ€rkste Neonazibewegung in Schottland. Mit der dortigen Nationalpartei sympathisiert sie jedoch nicht, denn AnhĂ€nger der rechtsradikalen Szene in Schottland und Nordirland sind Protestanten, die eine starke Verwurzelung mit England vorgeben (so genannte „Unionisten“). Sie begehen zwar vorwiegend religiös motivierte Straftaten, sympathisieren aber oft mit der nationalsozialistischen Ideologie und mit „Blood and Honour“. Auf der britischen Insel sind Fußballspiele immer wieder der Rahmen fĂŒr rassistische oder religiös motivierte Übergriffe mit einer jĂ€hrlich zweistelligen Zahl von Opfern. In Schottland wurden schon Jugendspieler der Vereine Opfer der Gewalt. Eine Reihe von SprengstoffanschlĂ€gen auf Londoner Schwulenbars wird der Gruppe „International Third Position“ zugerechnet, deren Unterschlupf in Spanien im November 1999 nur noch verlassen aufgefunden wurde.

Mutmaßlich rassistische Übergriffe von englischen Polizeibeamten lösten in den StĂ€dten Oldham und Leeds im Juni 2001 schwere Krawalle vorwiegend den Minderheiten angehöriger Jugendlicher aus. Einige Sprecher widersprachen aber, dass es sich um Rassenunruhen handele; vielmehr gehe es um einen Konflikt zwischen Jugendlichen und der Polizei. Ähnliche Übergriffe von Polizeibeamten soll es bereits wiederholt gegeben haben. Dies ermöglichte es Vertretern der rechtsradikalen Parteien, in einer dieser StĂ€dte gleich zwei Sitze zu erlangen.

Die English Defence League ist eine islamfeindliche Organisation und Kleinpartei, bei der personelle Überschneidungen zur gewaltbereiten rechtsextremen Szene bestehen.[63]

Italien

Italien war unter Benito Mussolini die erste faschistische Diktatur in Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Partei Movimento Sociale Italiano (MSI) von Giorgio Almirante gegrĂŒndet. Sie war durchgĂ€ngig im italienischen Parlament vertreten, konnte sich aber bis auf die UnterstĂŒtzung der kurzlebigen Regierung von Fernando Tambroni (Mai–Juli 1960) nie an der Macht beteiligen. Ihre Wahlergebnisse lagen relativ stabil bei 5–8 Prozent.[64] Mehrere noch radikalere Abspaltungen gingen aus dem MSI hervor: So die militanten Ordine Nuovo (1954) und die Avanguardia Nazionale (1959). Nach 1995 wurde der MSI aufgelöst und aus ihm wurde die Alleanza Nazionale (AN), die sich zu einer nationalkonservativen Partei wandelte. Das neofaschistische Erbe haben Kleinstparteien wie die Fiamma Tricolore angetreten. Bis auf einige Achtungserfolge, wie etwa die Wahl des Rechtsextremisten Luca Romagnoli zum Europaabgeordneten, sind diese Gruppen keine Hauptakteure im politischen Geschehen. Von ziemlicher Bedeutung ist hingegen die Unterwanderung der italienischen UltrĂ -Bewegung durch Rechtsradikale.

Großes Aufsehen erregen vor allem im Ausland die fremdenfeindlichen Äußerungen prominenter Mitglieder der Regierungspartei Lega Nord, die zum Teil als rechtsextrem eingestuft wird. Ferner existieren zahlreiche Neonazigruppen mit traditionell guten Verbindungen zu deutschen Rechtsextremisten, vor allem in SĂŒdtirol. Dort kam es in den letzten Jahren vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen italienischen und deutschen Nationalisten.

Niederlande

In den Niederlanden sind einige politische Entwicklungen spÀter als anderswo in Gang gekommen, denn die Industrialisierung kam relativ spÀt, und das Land hat nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Sozialdemokraten waren erstmals 1939 in der Regierung vertreten. In der Zwischenkriegszeit sind linke und rechte Extremisten jeweils unter zehn Prozent bei den Wahlen zum nationalen Parlament geblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierten lange weiterhin die konfessionellen Parteien die politische Landschaft.

Die Niederlande haben eine koloniale Vergangenheit und ebenso wie die Bundesrepublik Gastarbeiter angeworben. Die Einwanderer gelten als unterschiedlich gut integriert; Asiaten bereiten in dieser Hinsicht weniger Probleme als Einwanderer aus dem Mittelmeerraum. Lange Zeit aber ist die Einwanderung kaum ein Thema in der nationalen Politik gewesen, bis in den 1980er Jahren Parteien wie die Centrumspartij und dann die Centrumdemocraten von Hans Janmaat ins Parlament gewÀhlt worden sind.

Von der etablierten Politik wurde das Einwandererthema zuerst um 1991 aufgegriffen, und zwar vom rechtsliberalen Frits Bolkestein (VVD). Um 2000 lebte das Thema weiter auf, und im Jahre 2002 erreichte die Wahlliste von Pim Fortuyn aus dem Stand heraus 17 % der WĂ€hlerstimmen. Fortuyn ist aber wie auch der ebenfalls ermordete Theo van Gogh nicht als Rechtsextremist anzusehen.

Nach der Ermordung des Islamkritikers van Gogh (2004) kam es zu Ausschreitungen, bei denen Moscheen und Kirchen in Brand gesetzt wurden. Die Regierung unter Jan Peter Balkenende hat nach dem Vorbild DĂ€nemarks restriktivere Einwanderungsgesetze erlassen. Der Rechtsextremismus als demokratiefeindliche Bewegung ist in den Niederlanden eher schwach vertreten. Die Partij voor de Vrijheid des Islamgegners Geert Wilders wird in Untersuchungen und Studien des niederlĂ€ndischen Innenministeriums und der Anne Frank Stiftung als rechtsextrem eingestuft.[65][66] Die Partei Nederlandse Volks-Unie, 1971 nach deutschem neonazistischem Vorbild gegrĂŒndet, kann am ehesten mit der NPD verglichen werden. Sie hatte bislang keine Erfolge bei Wahlen.

Polen

Der Nationalismus war fĂŒr Polen die Ideologie, die seit den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert die Beseitigung von Fremdherrschaft durch Russland, Preußen und Österreich, Deutschland von 1939 bis 1945 und die Sowjetunion von 1947 bis 1989 sowie die Herstellung von Demokratie und VolkssouverĂ€nitĂ€t gefordert hatte, wĂ€hrend er in Deutschland vor allem die Ideologie imperialistischer Expansion war. Daher ist Nationalismus in Polen weniger diskreditiert als in westeuropĂ€ischen LĂ€ndern. HĂ€ufig wird auf diesen Umstand rechtfertigend hingewiesen, um zu begrĂŒnden, warum in den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Polen und der EU – ob es um die Öffnung des Landes fĂŒr Gentechnik-Anbau, die Rolle auslĂ€ndischer Banken im polnischen Finanzsektor oder den unbeschrĂ€nkten Grunderwerb von AuslĂ€ndern geht â€“ das Beharren polnischer (auch sozialdemokratischer) Politiker auf nationalen Interessen nicht mit herkömmlichem aggressivem Nationalismus verwechselt werden sollte.

Als geistiger Wegbereiter des polnischen Nationalismus gilt Roman Dmowski, auf dessen Ideen polnische Nationalisten heute noch Bezug nehmen. In den Umbruchzeiten der frĂŒhen 1990er Jahre kam auch in Polen der radikale Nationalismus wieder auf. Traditionelle Ressentiments wurden dabei verstĂ€rkt durch das schon kurz nach der Wende aufkommende GefĂŒhl vieler Polen, dass ihr Land wieder fremdbestimmt werde und abhĂ€ngig bleibe, nur dass die Kolonialmacht nicht mehr im Osten, sondern im Westen beheimatet sei. Gerade in letzter Zeit sind deshalb – neben der angeblichen „Bevormundung“ durch die EU – immer mehr Deutschland und die Deutschen zum Objekt nationalistischer Propaganda in Polen geworden. Traditionell ein Problem war in Polen auch der katholische Antisemitismus. Die gesellschaftlich einflussreiche katholische Kirche in Polen leistet dem Rechtsextremismus mit ihrem ambivalenten Verhalten zu den Massenmorden an Juden in Polen Vorschub: Einerseits entschuldigte sie sich erst kĂŒrzlich fĂŒr die GrĂ€uel, andererseits sind die starken antisemitischen Vorbehalte noch immer zu spĂŒren. So sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Polen, JĂłzef Glemp, kurz vor der mit einem Gottesdienst feierlich begangenen Entschuldigung: „Ich ĂŒberlege mir, ob die Juden nicht anerkennen sollten, dass sie gegenĂŒber den Polen schuldig sind, insbesondere was die Zusammenarbeit mit den Bolschewisten und die MittĂ€terschaft bei den Deportationen nach Sibirien betrifft.“[67]

Die rechtsextreme Szene in Polen wird durch die sozialen Probleme des Landes gestĂ€rkt. Von den jungen Menschen unter 25 Jahren sind mehr als die HĂ€lfte arbeitslos oder arbeiten in ungesicherten Hilfsjobs im In- oder Ausland. Nachdem sich im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs der Jahre 2006–2010 die Lage zunĂ€chst verbessert hatte, wurde Polen von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen; die Jugendarbeitslosigkeit stieg wieder auf 26 Prozent. Die DisparitĂ€t zwischen Verarmung und Konsumangebot lĂ€sst Frustrationen entstehen, die vielfach einen NĂ€hrboden fĂŒr Gewalt und KriminalitĂ€t bilden. Andererseits lassen sie den Wunsch nach einer IdentitĂ€t jenseits des trostlosen Alltags und in Abgrenzung zu „den Anderen“ (Deutschen, Homosexuellen, Juden, „Zigeunern“ usw.) wach werden. Diese UmstĂ€nde machen sich Fußball-Fanclubs und Hooligan-Gruppen ebenso zu Nutze wie nationalistische Gruppen wie die Jugendorganisation der Liga Polskich Rodzin (Liga der polnischen Familien) und die MƂodzieĆŒ Wszechpolska (Allpolnische Jugend). In diesem Klima entwickelte sich eine Neonaziszene, die sich der deutschen stark annĂ€hert und teilweise mit dieser gemeinsame Aktionen veranstaltet, so geschehen bei einer Jagd auf deutsche und polnische Punks in Frankfurt (Oder). Übergriffe auf Konzentrationslager und jĂŒdische Friedhöfe sind keine Seltenheit. Wie in Deutschland sind AuslĂ€nder in manchen Regionen einer GefĂ€hrdung durch Rechtsextremisten ausgesetzt. Polen ist, wie die meisten osteuropĂ€ischen Staaten, Umschlagplatz fĂŒr Devotionalien und Waffen aller Art. Auch hier veranstaltet die starke Blood-and-Honour-Bewegung oft und gerne Skinheadkonzerte.

Russland

Russische Rechtsextremisten in Sankt Petersburg

Die Gruppe Pamjat, die in den letzten Tagen der Sowjetunion eine wichtige Position einnahm, zerfiel in den 1990er Jahren. Aus ihr heraus entstanden viele weitere rechtsextreme Gruppen in Russland wie die Russische Nationale Einheit und fĂŒhrende rechte Ideologen wie Alexander Geljewitsch Dugin, der 1988 und 1989 zur FĂŒhrung von Pamjat gehörte.[68][69] Die Liberal-Demokratische Partei Russlands (LDPR) war in den 1990er Jahren eine wichtige Kraft im rechten politischen Spektrum. Ihr Vorsitzender Wladimir Schirinowski unterhielt unter anderem Kontakte zu Gerhard Frey und Jean-Marie Le Pen.[70] 1993 erzielte Schirinowski mit etwa 12 Millionen WĂ€hlerstimmen einen Erfolg, der in den internationalen Medien ein breites Echo fand. Bei den folgenden Wahlen blieb er jedoch stets unter dem Ergebnis von 1993.

Es ist umstritten, ob die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF) zur Rechten gehört. Einerseits vertritt sie einen russischen Imperialismus und Nationalismus und ihr Vorsitzender Gennadi Andrejewitsch Sjuganow hat Kontakte zu ultranationalistischen, antisemitischen Organisationen. Andererseits sind Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit nicht die wichtigsten Elemente der Partei.[70] Die KPRF und die LDPR knĂŒpfen beide an Ideologien aus unterschiedlichen politischen Lagern an, was eine eindeutige Verortung im Rechts-links-Spektrum erschwert.[71]

Parteipolitisch war ferner die Nationalbolschewistische Partei Russlands (NBP, unter Eduard Limonow) in einigen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten prĂ€sent. Sie wurde 2005 verboten. Die SA-Ă€hnlich organisierte Gefolgschaft der Russischen Nationalen Einheit (RNE) des mit deutschen Neonazikreisen befreundeten Alexander Barkaschow besteht dagegen bis heute. Die von dem Neonazi Dimitri Djomuschkin gefĂŒhrte Organisation Slawische Union gilt bis heute als eine der grĂ¶ĂŸten rechtsextremen Organisationen Russlands.

Als eine zentrale Figur des rechten FlĂŒgels in Russland gilt Alexander Geljewitsch Dugin, der eine quasi-geopolitische Ideologie des „Neo-Eurasismus“ vertritt. Er stieg in den 1990er Jahren rasant auf, war Berater des Duma-Sprechers Gennadi Seleznew und grĂŒndete die Bewegung Evrazija (deutsch „Eurasien“), die er spĂ€ter in eine Partei umwandelte, um als Teil des ParteienbĂŒndnisses Rodina Wladimir Putin zu unterstĂŒtzen. Dugin gehört zum politischen und wissenschaftlichen Establishment in Russland.[70][72][73]

In den 2000er-Jahren war ein Anstieg des latenten Rassismus, bei gleichzeitig steigender Zahl von Gewalttaten gegen AuslĂ€nder und Minderheiten, zu verzeichnen.[71] Auch die Anzahl rassistisch motivierter Morde ist gestiegen.[74] 2007 wurden 67 Menschen von Rechtsextremisten ermordet, weitere 550 zum Teil schwer verletzt.[75] Nach Angaben der Organisation Sowa wurden im Jahr 2011 mindestens 20 Menschen und in den drei Jahren 2009 bis 2011 mindestens 155 Menschen durch autonome rechtsextreme Gruppen in Russland ermordet. Zu den Opfern zĂ€hlen vor allem Kaukasier, Asiaten und Antifaschisten.[76] Seit den 2010er-Jahren sind rechtsextreme Gewaltdelikte in Russland rĂŒcklĂ€ufig; aber dennoch ist die Gewaltbereitschaft innerhalb des russischen Rechtsextremismus nach wie vor sehr hoch. Im Jahr 2012 wurden 19 Menschen durch Neonazis getötet und 178 verletzt.[77] Außerdem kommt es im russischen Fußball hĂ€ufig zu rassistischen VorfĂ€llen.[78]

JĂ€hrlich finden am 4. November „Russische MĂ€rsche“ statt, auf denen Rechtsextremisten gegen die AuslĂ€nderpolitik demonstrieren.

Auf ca. 50.000 Personen wird die gewaltbereite rechtsextreme Szene in Russland geschĂ€tzt; Fremdenfeindlichkeit ist darĂŒber hinaus in weiten Teilen der russischen Gesellschaft verbreitet.[79]

Im Russisch-Ukrainischen Krieg standen AnhĂ€nger der von Russland unterstĂŒtzten sogenannten „Volksrepublik Donezk“ in enger Verbindung mit der neonazistischen Partei Russische Nationale Einheit unter der FĂŒhrung von Alexander Barkaschow, die aktiv KĂ€mpfer fĂŒr die prorussischen Milizen anwirbt.[80][81] Auch sollen Söldner der Gruppe Wagner fĂŒr die russische Seite im Einsatz sein[82][83] – ein privates russisches MilitĂ€runternehmen, das von dem Neonazi Dmitri Utkin gegrĂŒndet wurde und wegen „schwerer MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸe“ auf einer Sanktionsliste der EU steht.[84] Die Aufgabe der 400 Mann starken Miliz soll die Ermordung des ukrainischen PrĂ€sidenten Selenskyj sein.[82][83] WĂ€hrend seiner Stationierung in Luhansk im Rahmen seines Einsatzes im russisch-ukrainischen Krieg bestand Utkin darauf, dass seine private Einheit Helme trĂ€gt, die den Helmen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg nachempfunden sind.[85][86] Utkin trĂ€gt Siegrunen der Schutzstaffel (SS) als TĂ€towierungen.[87]

Schweden

Schon im Zweiten Weltkrieg lieferte Schweden, trotz offizieller NeutralitĂ€t, Eisenerz fĂŒr die deutsche Wehrmacht. Schwedische Nationalsozialisten hatten bereits Listen fĂŒr den Fall einer Machtergreifung bereit. Lange Zeit war der Umgang mit Neonazis teilweise halbherzig bis fahrlĂ€ssig, erst seit kurzem wird die Szene wirklich ernst genommen.

Am 12. Mai 1951 fand in Malmö der erste „europĂ€ische Nationalkongress“ statt. 60 Delegierte aus zehn Nationen berieten ĂŒber die Bildung eines europĂ€ischen rechtsextremen Netzwerkes sowie ĂŒber die Kultivierung der SS-Europa-Idee.[88]

Wie die Gesetze der meisten skandinavischen LĂ€nder gewĂ€hrt auch das schwedische Strafrecht eine sehr weitreichende Pressefreiheit. Das macht diese LĂ€nder zu einem BrĂŒckenkopf des Vertriebes von Propagandamaterial sowie zum Aufmarschgebiet der Neonazis an ihren traditionellen „Gedenktagen“. So wird das Delikt der Volksverhetzung in Schweden durchschnittlich mit drei Monaten auf BewĂ€hrung bestraft; GefĂ€ngnisstrafen oder Strafen von bis zu einem Jahr – die in der deutschen Justiz gĂ€ngige Eingangsforderung â€“ werden kaum verhĂ€ngt. Das resultiert auch aus einer langen Tradition der Verharmlosung rechtsradikaler Gewalt in Schweden: So wurden zum Beispiel 30 besonders aggressive Neonazis als Resozialisierungsmaßnahme fĂŒr einige Wochen in eine Eliteeinheit des schwedischen MilitĂ€rs geschickt, um sie sich „austoben“ zu lassen, so der Hintergedanke. In Wahrheit erhielten die Kriminellen eine kostenlose Waffenausbildung. Einer der FĂŒhrer der Neonaziszene, Erik BlĂŒcher, bekam wegen des Verkaufs rassistischer TontrĂ€ger eine GefĂ€ngnisstrafe von drei Monaten, die aber zur BewĂ€hrung ausgesetzt wurde. BegrĂŒndung: Es sei von einem einmaligen Vergehen seitens des Angeklagten auszugehen. Sein Partner, der Deutsche Marcel Schilf, leitet den Vertrieb der Blood and Honour, NS-Records. Von Helsingborg aus organisieren die beiden Schwedens Neonaziszene. Diese besteht laut SchĂ€tzungen im Kern aus höchstens 600 Personen – eine kleine, aber aktive Szene, die fast ausschließlich der in Deutschland verbotenen Blood-and-Honour-Bewegung zuzuordnen ist. Ihr ist auch mit Aussteigerprogrammen nur schwer beizukommen.

Die radikale Rechte in Schweden genießt mit ihrer effektiven, weil weitgehend ungestörten Propagandaproduktion – CDs, BĂŒcher wie Die AuschwitzlĂŒge des erst kĂŒrzlich in DĂ€nemark verstorbenen MitbegrĂŒnders der deutschen Neonaziszene Thies Christophersen und andere Devotionalien werden von BlĂŒcher und Schilf europaweit vertrieben â€“ und mit ihren brutalen Morden und MordanschlĂ€gen (allein 1999 drei Tote; bei einem Briefbombenanschlag wurden zwei Journalisten und ein Kind verletzt) europaweiten „Respekt“ unter Gleichgesinnten.

Mittlerweile rĂŒcken neben AuslĂ€ndern, Homosexuellen und Antifaschisten auch zunehmend staatstragende Persönlichkeiten in das Visier der Neonazi-Szene: 1998 erhielt Schwedens Justizministerin eine Briefbombe, die jedoch nicht explodierte.

Spanien

Gedenktafel an die 1993 in Barcelona von Rechtsextremisten ermordete SĂČnia

In Spanien existiert zwar eine staatliche Beobachtungsstelle gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, allerdings werden bislang keine offiziellen Statistiken ĂŒber rechtsextreme oder rassistische Gewalt- und Straftaten gefĂŒhrt.[89] Organisationen wie der spanische „Movimiento contra la Intolerancia“ (Bewegung gegen die Intoleranz) schĂ€tzen die Zahl der jĂ€hrlichen rassistischen Übergriffe auf 4.000. In den Medien wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der organisierten Rechtsextremisten zwischen 11.000 und 15.000 bewegt. Die extreme Rechte kann an die Traditionen der Franco-Diktatur anknĂŒpfen.[90]

Bis zu Francisco Francos Tod 1975 konnten flĂŒchtige Nationalsozialisten und spĂ€ter auch Neonazis, wie Otto Skorzeny, in Spanien Zuflucht finden. Auch danach wurden rechtskrĂ€ftig verurteilte Altnazis, Rechtsextremisten und Holocaustleugner, wie der in Deutschland zu 22 Monaten Haft verurteilte ehemalige Offizier der Wehrmacht Otto Ernst Remer oder LĂ©on Degrelle, nicht ausgeliefert. Maßgebliche Stellen des franquistischen Staats, der Nationalrat, der Königliche Rat und die Cortes, blieben zunĂ€chst weiterhin durch Franquisten besetzt, was eine Aufarbeitung der Franco-Diktatur nachhaltig verzögerte. Ende der 1970er Jahre kam es zu rechten Terrorakten. So kam es zu Bombenattentaten vermutlich rechtsgerichteter KrĂ€fte gegen Carlisten des Partido Carlista (PC) auf dem Montejurra und 1977 zum Blutbad von Atocha. Die Aufarbeitung der Vergangenheit findet intensiv erst seit etwa 2000 statt. Die Beseitigung von Überresten der Diktatur löst immer wieder revisionistische Abwehrhaltungen aus.[91]

Franquisten und Neofalangisten sind auch heute noch aktiv. So organisierten sie Demonstrationen gegen die Enteignung des Besitzes der untergetauchten Mitglieder der Neonazi-Gruppe „International Third Position“, die in dem Dorf Los Pedriches nahe Valencia drei GebĂ€ude besitzt und eines zur Miete nutzte.[92] Als rechtsextrem gilt u. a. der 1965 gegrĂŒndete CEDADE (CĂ­rculo Español de Amigos de Europa, „Spanischer Kreis von Freunden Europas“), der sich mit rechtsextremen Gruppen in ganz Europa vernetzt hat. Als rechtsextreme Partei gelten die Plataforma per Catalunya, Alianza Nacional, Falange AutĂ©ntica und Democracia Nacional.

Eines der sozialen Probleme Spaniens, die illegale Einwanderung, wird wiederholt von Rechtsextremisten fĂŒr ihre Zwecke instrumentalisiert. Vor allem in der Region Andalusien kommt es immer wieder zu ZwischenfĂ€llen. Am 5. Februar 2000 kam es zu einem dreitĂ€gigen Pogrom gegen marokkanische Gastarbeiter in El Ejido. Einheimische brannten insgesamt 500 marokkanische Behausungen nieder und zerstörten deren GeschĂ€fte. Auch das BĂŒro der spanischen Frauenorganisation Mujeres Progresistas, die sich um die illegalen Arbeiter kĂŒmmert, wurde angegriffen. Die Behörden griffen erst nach zwei Tagen ein.[93]

Probleme mit Rechtsextremismus gibt es im spanischen Fußball. Einige Fanclubs werden von Rechtsextremisten dominiert. Im Dezember 1998 starb Aitor Zabaleta als Opfer rassistischer Gewalt eines FußballanhĂ€ngers. 2004 und 2005 gab es anhaltend motivierte rassistische Gewalt in Fußballstadien.[90]

Verleger wie Pedro Varela Geiss publizieren Texte von Neonazis aus ganz Europa, darunter den Autor der AuschwitzlĂŒge, Thies Christophersen, und die Österreicher Gerd Honsik und Walter Ochsenberger. Varela wurde als erster hochrangiger Nazi in Spanien Anfang 1999 wegen Aufstachelung zum Rassenhass zu fĂŒnf Jahren GefĂ€ngnis verurteilt. Nachdem Varela klagte, fĂ€llt das Leugnen des Holocaust seit 2007 nun unter die Meinungsfreiheit. Das Strafgesetzbuch, das bis dahin fĂŒr dieses Vergehen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vorsah, musste geĂ€ndert werden.[94]

Ungarn

Ungarn verlor nach dem Ersten Weltkrieg 71 Prozent seines Gebiets und 64 Prozent seiner Bevölkerung. Ein Drittel der heute ca. 15 Millionen europĂ€ischen Magyaren lebt außerhalb der Landesgrenzen, vorwiegend in RumĂ€nien und der Slowakei, andere in Serbien, Ukraine, Slowenien, Kroatien und Österreich. Diese Teilung des Landes, die durch den Vertrag von Trianon 1920 bestĂ€tigt wurde, ist fĂŒr die Ungarn heute noch eine „nationale Schmach“. Vor allem seit dem Ende des Kommunismus treten verschiedene Gruppen und Parteien sowie auch Politiker der großen Parteien mit revisionistischen und nationalistischen Parolen gegen die NachbarlĂ€nder und nicht selten antisemitischen AusfĂ€llen hervor.

Das Land war in den 1990er Jahren neben Deutschland eine Hochburg rechtsextremen Wirkens in Mitteleuropa. Dort wurden Waffen und illegales Propagandamaterial international gehandelt, es wurden Neonazikonzerte, HundekĂ€mpfe und Wehrsportcamps abgehalten. Die wichtigste politisch anerkannte und zugelassene rechtsextreme Partei war die MIÉP (Partei fĂŒr ungarische Gerechtigkeit und Leben), die von 1998 bis 2002 im Parlament vertreten war. Bei der Wahl 2006 bekamen MIÉP und ihre Partnerpartei Jobbik (Der Name ist eine ungarische Polysemie und bedeutet gleichzeitig in etwa Die Rechten und Besser) zusammen 2,9 % der Stimmen. Sie zogen somit nicht ins Parlament ein. Am 25. August 2007 wurde aus der Partei Jobbik heraus die paramilitĂ€rische Magyar GĂĄrda (Ungarische Garde) gegrĂŒndet. Diese gibt sich als nationaler, karitativer Verein. Ihr Auftreten in Uniform und Armbinde ist eindeutig nationalsozialistisch geprĂ€gt.[95] Bei den Wahlen im April 2010 erhielt die Jobbik 12,2 % der Stimmen und wurde damit die zweitstĂ€rkste Fraktion.

Schon vor der Wende von 1989 gab es Verbindungen zwischen ungarischen und ostdeutschen Neonazis. FĂŒr deutsche Neonazis war Ungarn ein Urlaubsziel. Sie konnten dort preiswert und legal nazistische Symbole als Tattoos erwerben. In den vergangenen Jahren richtete sich die rechtsextreme Szene vor allem gegen die Roma-Minderheit und gegen Homosexuelle. Seit 2007 wird die Gay-Pride-Parade durch Budapest von Rechtsextremisten gewaltsam gestört.[96]

Ungarn ist nach Bulgarien das Land mit der höchsten EmpfĂ€nglichkeit fĂŒr Rechtsextremismus. Von 2003 bis 2009 hat sich der Anteil der Bevölkerung, der sich dafĂŒr ausspricht, verdoppelt.[97]

Europa

Ein vertraulicher Lagebericht der Polizeiagentur Europol spricht im September 2019 von der Zunahme rechtsextremer Gewalt und internationaler Vernetzung in Europa. Demzufolge sei die Zahl der Verhaftungen im Zusammenhang mit rechtem Terror in Europa in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich und signifikant gestiegen (2016: 12, 2017: 20, 2018: 44 Verhaftungen). Signale seien u. a. die Morde an Walter LĂŒbcke und an der britischen Politikerin Jo Cox. Letztere Gewalttat steht in Verbindung mit AktivitĂ€ten im Themenfeld Brexit. Rechtsradikale Gruppen versuchen demnach, Mitglieder aus MilitĂ€r und Sicherheitsbehörden anzuwerben. Als Objekte des rechten Terrors werden Asylbewerber, Muslime, Politiker, politische Gegner aus dem linken Spektrum und sexuelle Minderheiten genannt. Das Thema steht Anfang Oktober 2019 auch auf der Tagesordnung der EU-Innen- und Justizministerkonferenz.[98][99]

Vereinigte Staaten

Ku-Klux-Klan-Symbol: das brennende Feuerkreuz

In den 1960er Jahren war die American Nazi Party (ANP) von grĂ¶ĂŸerer Bedeutung. Bis heute aktiv ist die National Alliance (NA). Auch der Ku-Klux-Klan ist heute noch vor allem in den SĂŒdstaaten aktiv. Die fundamentalistische Organisation richtet sich insbesondere gegen Afroamerikaner, Juden und Katholiken. Daneben gibt es die der NSDAP/AO nachempfundene NSDAP-Aufbauorganisation von Gary „Gerhard“ Lauck. In den USA werden aufgrund des dort besonders ausgeprĂ€gten Rechts auf Freiheit der MeinungsĂ€ußerung Menschen, die NS- und sonstiges rechtsextremes Gedankengut verbreiten, nicht rechtlich verfolgt.

Die mit der Militia-Bewegung sympathisierenden Terry Nichols und Timothy McVeigh verĂŒbten am 19. April 1995 einen Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City. Bei diesem bis zum 11. September 2001 schwersten Terroranschlag in der Geschichte der Vereinigten Staaten wurden 168 Menschen getötet. Beide TĂ€ter wurden mittlerweile verurteilt, McVeigh wurde hingerichtet. Der Hintergrund des Anschlages gilt als multikausal, rechtsextreme Motive werden nicht ausgeschlossen.

Das Southern Poverty Law Center schĂ€tzt in seinem Jahresbericht, dass die Anzahl der rechtsradikalen Gruppen 2008 um ĂŒber vier Prozent gestiegen ist. Die Gesamtzahl solcher Gruppen beziffert es auf 926.[100]

Am 7. April 2009 gab das Department of Homeland Security in Koordination mit dem Federal Bureau of Investigation ein nur zum Dienstgebrauch bestimmtes Memorandum ĂŒber Rechtsextremismus heraus.[101] Da es in diesem Zusammenhang amerikanische Veteranen erwĂ€hnte, kam es zu einer öffentlichen Kontroverse,[102] aufgrund deren United States Secretary of Homeland Security Janet Napolitano eine offizielle Stellungnahme veröffentlichte.[103] Schließlich kĂŒndigte Napolitano im Mai 2009 an, das Memorandum von den Webseiten des DHS entfernen und durch einen prĂ€ziseren Bericht ersetzen zu lassen.[104]

KurzĂŒbersicht ĂŒber weitere LĂ€nder

Historische Besonderheiten

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Es gibt keine Belege zur Behauptung ukrainische Rechtsextremisten wĂ€ren gegen eine Zusammenarbeit mit polnischen und rumĂ€nischen Nationalisten pflegen. Auch die Forderung nach der GrĂŒndung eines "„Slawischen Staatenbund“ unter Ausschluss Russlands mit Kiew als Hauptstadt" ist unbelegt.
Land Historische Besonderheiten
Albanien Rechtsextremisten in Albanien streben ein ethnisch homogenes Großalbanien an. Dazu gehören Teile Makedoniens und Griechenlands. Von einer extremen Minderheitsposition ist hier nur bedingt auszugehen, da Teile der albanischen Bevölkerung diese Ziele begrĂŒĂŸen und sich zumindest die Vereinigung mit dem Kosovo wĂŒnschen.
Baltikum Rechtsextremisten sehen zuvorderst in den russischen Revisionisten ihren Feind.
Bulgarien In Bulgarien gibt es eine traditionalistische rechtsextreme Bewegung, die an die faschistischen UnterstĂŒtzer Hitlers anknĂŒpft. Der jĂ€hrliche Lukow-Marsch im Februar, zu Ehren Christo Lukows, ist in den letzten Jahren ein Anziehungspunkt fĂŒr Neonazis aus ganz Europa geworden.[105]
DĂ€nemark In DĂ€nemark werden durch die liberale Gesetzgebung rechtsextremer BetĂ€tigung kaum juristische Schranken gesetzt. So fanden in den letzten Jahren grĂ¶ĂŸere Kundgebungen der europĂ€ischen Rechten, wie zum Beispiel die Rudolf-Heß-GedenkmĂ€rsche, in DĂ€nemark statt. Die dĂ€nische NS-Bewegung wird von ihren Gegnern als „NullitĂ€t“ verspottet, die Aktivisten geben als Hauptziel die auslĂ€ndischen Propagandisten an.
Griechenland Von 1967 bis 1974 ĂŒbernahmen rechtsextreme Offiziere unter Georgios Papadopoulos durch den Obristenputsch die Macht in Griechenland und errichtete eine MilitĂ€rdiktatur. Neben der, von der Friedrich-Ebert-Stiftung als rechtsextrem eingestuften, Partei Laikos Orthodoxos Synagermos gibt es eine Vielzahl von Splittergruppen mit rechtsextremem bis faschistischem Hintergrund. Im Zuge der Finanzkrise verzeichnete insbesondere die Chrysi Avgi großen Zulauf.[106]
Irland In Irland und Nordirland gibt es einen sehr ambivalenten Nationalismus, der sich von links nach rechts durch das Parteienspektrum und die politischen Kampfgruppen zieht. Rechtsradikale Positionen lassen sich z. B. bei den loyalistischen Terrororganisationen UVF und LVF feststellen. Die republikanischen Kampfgruppen wie die IRA oder die INLA verfolgen aber, trotz des stark ausgeprĂ€gten Nationalismus, sozialistische Ziele.
Israel Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten jĂŒdische Rechtsextremisten die Versöhnung mit Deutschland zu verhindern und lehnten deshalb deutsche Wiedergutmachungsleistungen ab. So versuchten Aktivisten der Irgun 1952 Konrad Adenauer durch eine Paketbombe zu ermorden. Heutzutage richten sich die Aktionen (jĂŒdischer) Rechtsextremisten in Israel meistens gegen die VerstĂ€ndigungspolitik mit den PalĂ€stinensern. Es werden territoriale AnsprĂŒche erhoben. Teile der jĂŒdischen Siedlerbewegung sind rechtsextrem beeinflusst. Als rechtsextrem gelten die Parteien Eretz Jisra’el Shelanu und Otzma LeJisra’el sowie die Untergrundorganisationen Kach und Kahane Chai. Zu den AnschlĂ€gen, die Rechtsextremisten in Israel verĂŒbten, gehören u. a. das Massaker des Baruch Goldstein 1994, die Ermordung des israelischen MinisterprĂ€sidenten Jitzchak Rabin durch Jigal Amir 1995, die Schießerei von Schefar’am durch Eden Natan-Zada 2005 wie auch ein Anschlag im westjordanischen Dorf Duma 2015.[107]
Japan Hauptartikel: Uyoku (jap. ćłçżŒ, deutsch ‚Rechter FlĂŒgel‘) ist ein Oberbegriff fĂŒr die politische extreme Rechte in Japan, deren knapp hunderttausend Aktivisten und mehrere hundert Gruppen ebenfalls mit diesem Begriff bezeichnet werden. Etwa 800 dieser Gruppen sind organisiert im Dachverband Alljapanische Konferenz Patriotischer VerbĂ€nde, die wĂ€hrend ihrer Geschichte stark mit der Yakuza zusammenarbeitete.[108][109] Synonym wird auch der Begriff Ultranationalismus (è¶…ć›œćź¶äž»çŸ©, chƍ kokka shugi) verwendet, um die Ideologie dieser Bewegung zu charakterisieren.
Jugoslawien (ehemals) Im Zerfall des ehemaligen Vielvölkerstaats Jugoslawien seit 1989 traten in allen Teilregionen Revanchismus und Nationalismus hervor. Sowohl die großen Bevölkerungsgruppen der orthodox-slawischen Serben („Großserbien“-Ideologie u. a. von Slobodan MiloĆĄević), Makedonier und Montenegriner, der katholischen Kroaten und Slowenen (hier aufgrund der friedlichen Trennung vom Rest Jugoslawiens und der guten Zusammenarbeit mit Österreich und Italien relativ schwach ausgeprĂ€gt) und bosnischen und montenegrinischen Muslime als auch die albanischen und ungarischen Minderheiten verfĂŒgen ĂŒber starke nationalistische Gruppen und zum Teil ParamilitĂ€rs sowie eine nationalistisch gesinnte Bevölkerung.
Kroatien Die Regierung Tuđman in Kroatien wurde von Oppositionellen als erstes faschistisches Regime bezeichnet, das das postkommunistische Osteuropa hervorgebracht hat. Kroatische Rechtsextremisten ehren die Mitglieder der faschistischen Ustascha-Bewegung, die an der Seite Hitlers grausam gegen die Serben vorging, und pflegen gerade seit der Anerkennung Kroatiens durch Deutschland wieder enge Kontakte zur rechtsextremen Szene.
Luxemburg Luxemburg ist von Angehörigen fast aller europĂ€ischer Nationen besiedelt und besitzt keine rechtsextremen Parteien oder Gruppen. Allerdings gibt es immer mehr Menschen, zumeist Jugendliche, die sich nationalistischem Gedankengut anschließen und zum Teil auch offen gegen den hohen AuslĂ€nderanteil protestieren. Bislang gab es jedoch keine Ausschreitungen. Zwischen 1987 und 1995 existierte in Luxemburg die rechtsextreme National-Bewegong um den Volkswirt Pierre Peters, die bei Wahlen erfolglos blieb. Der Initiative Wee2050, die unter anderem fĂŒr den Erhalt der luxemburgischen Sprache und gegen ĂŒbermĂ€ĂŸiges Bevölkerungswachstum durch AuslĂ€nder und „GrenzgĂ€nger“ eintritt und bei der Parlamentswahl 2018 in einem BĂŒndnis mit der nationalkonservativen Alternativ Demokratesch Reformpartei antrat, wird teilweise eine mangelnde Distanzierung zu rechtsextremen Positionen vorgeworfen. In der Nacht auf den 1. MĂ€rz 2020 erfolgte ein Zugriff mit 60 Beamten auf ein Einfamilienhaus in HauptstadtnĂ€he; dabei wurde ein 18-JĂ€hriger verhaftet, der verdĂ€chtigt wird, sich durch Propaganda im Darknet fanatisiert zu haben, und im Besitz von bombenfĂ€higem Material gewesen sein könnte.[110][111][112]
Österreich Laut Auskunft des Bundesministeriums fĂŒr Inneres geht vom Rechtsextremismus in Österreich keine Gefahr fĂŒr die Demokratie aus. Im europĂ€ischen Vergleich bewege sich der Rechtsextremismus in Österreich auf niedrigem Niveau. Seit 2004 lĂ€sst sich jedoch ein verstĂ€rktes ZusammenrĂŒcken innerhalb der rechtsextremen Szene erkennen. Als rechtsextremes Sammelbecken gilt die Arbeitsgemeinschaft fĂŒr demokratische Politik (AFP) mit ihrer Jugendorganisation Bund freier Jugend (BfJ). Die rechtsextreme Skinheadszene zeichnet ein hohes Gewaltpotential aus. Es gibt Überschneidungen mit der gewaltbereiten Hooliganszene. In der Neonaziszene lĂ€sst sich ein Nachwuchsmangel erkennen, der existenzgefĂ€hrdend fĂŒr einige rechtsextreme Gruppen ist.[113]
Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2007 nicht mehr aktuell zu sein:
Sicherheitsbericht von 2007!
Bitte hilf uns, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufĂŒgen.
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2007
Portugal Im Jahr 2006 stufte der portugiesische Geheimdienst Neonazis als „ernstzunehmende Bedrohung der nationalen Sicherheit des Landes“ ein. Insbesondere gehe die Gefahr von vermehrten Aufrufen zur Gewalt aus.[114]
RumĂ€nien Die Mehrheit der rumĂ€nischen Rechtsextremisten fordert ein GroßrumĂ€nien, das auch Moldawien und die zur Ukraine gehörende Nordbukowina und SĂŒd-Bessarabien umfassen soll.
Schweiz Rechtsextremismus in der Schweiz wird zumeist mit gewaltbereiten Neonazi-Skinheads assoziiert; fĂŒr andere Gruppen wird die Bezeichnung national- oder rechtskonservativ verwendet.[115]
Serbien Vor allem nationale Minderheiten sind Zielgruppe von Gewalttaten serbischer Rechtsextremisten. Diese zeichnen sich durch anti-europĂ€ische und antiwestliche Einstellungen aus. Ein Unterschied zu rechtsextremen Strukturen im Westen ist die NĂ€he serbischer Rechtsradikaler zur serbisch-orthodoxen Kirche, wobei einerseits kirchliche Mythologie und Symbole ĂŒbernommen werden und andererseits Teile des Klerus mit den rechtsnationalistischen Ideen sympathisieren.[116]
Slowakei In der Slowakei ist die rechtsextreme Bewegung traditionalistisch ausgerichtet und speist sich aus der Verehrung des PrĂ€laten Jozef Tiso, der PrĂ€sident des von Hitler nach der Besetzung der Tschechoslowakei errichteten slowakischen Satellitenstaates war. In der Slowakei wurde immer wieder, zum Teil mit Erfolg, versucht, die Minderheiten in ihren Rechten einzuschrĂ€nken und zu unterdrĂŒcken. Historisches Feindbild liefert die ungarische Minderheit ab, da die Slowakei bis 1918 zum ungarischen Königreich gehörte.[117]
Slowenien Neben der (auch im Parlament vertretenen) Slowenischen Nationalen Partei SNS gibt es die Nationale Arbeitspartei NSD mit guten Kontakten ins rechtsextreme Milieu und als Organisation mit paramilitĂ€rischen Einheiten die Nationalsoziale Union Sloweniens NSZS. Ein beherrschendes Thema der slowenischen Rechtsextremen ist neben Ablehnung von Einwanderung, Hetze gegen Minderheiten und der Propagierung einer „Reinhaltung Sloweniens“ vor allem Feindschaft gegenĂŒber Österreich, die sich insbesondere auf GebietsansprĂŒche grĂŒndet. Daneben spielen VorwĂŒrfe an Österreich wegen dessen angeblich antislowenischer Politik (auch gegenĂŒber der slowenischen Minderheit) eine Rolle.
SĂŒdafrika Rechtsextreme Parteien gab es in SĂŒdafrika vor allem unter dem Apartheids-Regime. Nach dessen Ende ist ihre Bedeutung jedoch stark gesunken. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen vor allem die Buren.
Tschechien Das Oberste Verwaltungsgericht in BrĂŒnn hat am 17. Februar 2010 die Auflösung der rechtsextremen „DělnickĂĄ strana“ (Arbeiterpartei, DS) angeordnet.[118] Vereinzelt kommt es zu Übergriffen auf Roma und Asylbewerber anderer Hautfarbe. FĂŒr die rechtsextreme Szene stellt Tschechien einen Umschlagplatz fĂŒr illegales Propagandamaterial und militĂ€rische AusrĂŒstung dar. Des Weiteren ist es Austragungsort von Konzerten und Treffen der Szene.
Ukraine Die ukrainischen Rechtsextremisten arbeiten mit Gleichgesinnten aus Moldawien und Georgien zusammen gegen die AnsprĂŒche polnischer, russischer und rumĂ€nischer Nationalisten. Zu den wichtigen Akteuren der rechtsextremen Szene zĂ€hlen die Partei Allukrainische Vereinigung „Swoboda“ sowie die paramilitĂ€rische Organisation und Partei Prawyj Sektor. Im Krieg in der Ukraine seit 2014 spielten oder spielen teilweise rechtsextreme Freiwilligenbataillone eine wichtige Rolle. Auch die populistische Radikale Partei Oleh Ljaschkos hatte Verbindungen zu Rechtsextremen, wird aber meist nicht als rechtsextrem eingeordnet.

Parteien und Gruppen

→ Hauptartikel: Liste rechtsextremer Parteien und Organisationen

Protagonisten

Land Protagonisten
Belgien
  • LĂ©on Degrelle
  • Karel Dillen
  • Frank Vanhecke
Israel
  • Effi Eitam
  • Meir Kahane
  • Mike Guzovsky
  • Baruch Marzel
Lettland
  • Joachim Siegerist (LNNK)
Slowakei
  • Jan Slota griff in seiner Zeit als Parteivorsitzender der SNS in seinen Reden faschistische Losungen und Begriffe auf
SĂŒdafrika
  • EugĂšne Terre’Blanche
Ungarn
  • GĂĄbor Vona
  • IstvĂĄn Csurka

Siehe auch

Portal: Rechtsextremismus â€“ Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Rechtsextremismus
  • Faschismus in Europa bis 1945
  • Faschismustheorie
  • Liste rechtsextremer Kampfbegriffe
  • Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Mitte-Studien der UniversitĂ€t Leipzig
  • Rechtspopulismus
  • Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland

Literatur

Allgemein

  • Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-58737-9.
  • Kai Arzheimer: Die WĂ€hler der Extremen Rechten 1980–2002. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16065-8.
  • Uwe Backes, Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europe. Current Trends and Perspectives (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fĂŒr Totalitarismusforschung. Band 46). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-36922-7.
  • Gideon Botsch: Die extreme Rechte in der Bundesrepublik 1949 bis heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-23832-3.
  • Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar BrĂ€hler: Rechtsextremismus der Mitte. Eine sozialpsychologische Gegenwartsdiagnose. Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, ISBN 978-3-8379-2294-3 (socialnet.de [abgerufen am 2. Dezember 2023] Rezension von Andreas Siegert). 
  • Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar BrĂ€hler (Hrsg.): Rechtsextremismus der Mitte und sekundĂ€rer Autoritarismus. Psychosozial-Verlag, Gießen 2015, ISBN 978-3-8379-2490-9. 
  • Rainer Fromm: Rechtsextremismus in ThĂŒringen. 2. Auflage. SchĂŒren, Marburg 1993, ISBN 3-89472-082-4.
  • Leo Roepert (Hrsg.): Kritische Theorie der extremen Rechten. Analysen im Anschluss an Adorno, Horkheimer und Co. Transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6292-4.
  • Samuel Salzborn: Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und ErklĂ€rungsansĂ€tze (= UTB. 4162). 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Nomos (UTB), Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8252-4476-7.
  • Werner Seppmann: Der Schlaf der Vernunft. Mangroven-Verlag, Kassel 2025, ISBN 978-3-946946-23-6. 
  • Richard Stöss: Der rechte Rand Europas. Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus bei den Wahlen zum EuropĂ€ischen Parlament 1979 bis 2024. Barbara Budrich, Opladen/Berlin/Toronto 2025, ISBN 978-3-8474-3129-9.
  • Fabian Virchow, Alexander HĂ€usler (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus (= Edition Rechtsextremismus). Band 1: Analysen. Springer VS, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18411-1.

Ideologie

  • Uwe Backes (Hrsg.): Rechtsextreme Ideologien in Geschichte und Gegenwart (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fĂŒr Totalitarismusforschung. Bd. 23). Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-03703-6.
  • Peter Glanninger: Rassismus und Rechtsextremismus. Rassistische Argumentationsmuster und ihre historischen Entwicklungslinien (Mensch und Gesellschaft. Schriftenreihe fĂŒr Sozialmedizin, Sozialpsychiatrie und medizinische Anthropologie, Bd. 16). Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-57501-7.
  • Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow (Hrsg.): Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2015, ISBN 978-3-7344-0155-8.
  • Andreas Lienkamp: Zum Widerstand verpflichtet. Rechtsextremismus als Herausforderung fĂŒr Christinnen und Christen. In: Herder Korrespondenz 63, 9/2009, S. 477–480 (online).
  • Fabian Virchow: Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und MilitĂ€r in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten. VS Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15007-3.

Parteien

  • Henrik Steglich: Rechtsaußenparteien in Deutschland. Bedingungen ihres Erfolgs und Scheiterns (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fĂŒr Totalitarismusforschung. Bd. 39). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-36915-9.

Frauen und Rechtsextremismus

  • Christel Eckart (Hrsg.): Sackgassen der Selbstbehauptung. Feministische Analysen zu Rechtsradikalismus und Gewalt. Jenior & Pressler, Kassel 1995.
  • Ulrike Prokop: Mythen der Rechten – ihre Faszination fĂŒr junge Frauen in der Adoleszenz, dargestellt an einem GesprĂ€ch von Franziska Tenner (PDF; 878 kB).
  • Regina Weber: Rechtsextremistinnen. Zwischen Kindererziehung und nationalem Kampfauftrag. Metropol-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-075-2.

Heimat- und Naturschutz

  • Oliver Geden: Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus. Elefanten-Press-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-88520-576-9.

Internationale Vernetzungen

  • Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft. 2010, ISBN 978-3-933247-50-6, S. 70. 
  • JĂłzsef Bayer: Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Ostmitteleuropa. In: Österreichische Zeitschrift fĂŒr Politikwissenschaft. Band 31, 2002, S. 265–280 (archive.org [PDF]). 
  • Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Neue Entwicklungen des Rechtsextremismus. Internationalisierung und Entdeckung der sozialen Frage. Berlin 2006, ISBN 3-89892-492-0 (fes.de [PDF; 945 kB]). 
  • Thomas Greven, Thomas Grumke (Hrsg.): Globalisierter Rechtsextremismus? Die extreme Rechte in der Ära der Globalisierung. VS Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14514-2. 
  • Wolfgang Kowalsky, Wolfgang Schroeder (Hrsg.): Rechtsextremismus, EinfĂŒhrung und Forschungsbilanz. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, ISBN 3-531-12561-3, S. 185–276. 

Spanien

  • JosĂ© L. RodrĂ­guez JimĂ©nez: Antisemitism and the Extreme Right in Spain (1962–1997). In: Analysis of Current Trends in Antisemitism, 1999, Nr. 15.

Weblinks

Wiktionary: Rechtsextremismus â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Rechtsextremismus â€“ Zitate
 Wikinews: Rechtsextremismus â€“ in den Nachrichten
Allgemein
  • Dossier zum Rechtsextremismus auf tagesschau.de (Memento vom 29. August 2008 im Internet Archive)
  • Tagesschau (17. Januar 2017): Hintergrund: Was ist eigentlich Rechtsextremismus? (Memento vom 20. April 2019 im Internet Archive) Ein Übersichtsartikel, der verschiedene Aspekte wie eine Definition des Rechtsextremismus oder Rechtsextremismus als Problem thematisiert. Archiviert vom Original am 20. April 2019. Abgerufen am 4. Mai 2019.
  • Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, bpb.de: Dossier Rechtsextremismus
  • Bayerischer Rundfunk, br.de: #rechtsaussen
  • eofa-ausstellung.vvn-bda.de: Ausstellung Neofaschismus in Deutschland
  • Informationsportal zur politischen Bildung, politische-bildung.de: Rechtsextremismus
  • spiegel.de: Thema Rechtsextremismus
  • Dokumentationsstelle Rechtsextremismus beim Landesarchiv Baden-WĂŒrttemberg mit Vierteljahreszeitschrift Rechts.Geschehen
Internationale Vernetzungen
  • bpb.de: Internationale rechtsextreme Netzwerke
  • kai-arzheimer.com: Rechtsextremismus in Westeuropa (Wissenschaftliche Texte, PrĂ€sentationen, Materialien und Links zu rechtsextremen Parteien und ihren WĂ€hlern in Westeuropa)
  • Netzwerk fĂŒr Osteuropa-Berichterstattung, n-ost.org/: Rechtsextremismus und Antisemitismus in Mittel-, Ost- und SĂŒdosteuropa
  • projekt-entgrenzt.de: TranseuropĂ€ische Perspektiven auf die extreme Rechte

Einzelnachweise

  1. ↑ Gabriele Nandlinger: Wann spricht man von Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus oder Neonazismus â€Š? Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 2008.
  2. ↑ Brigitte Bailer-Galanda: Zum Begriff des Rechtsextremismus (Memento vom 10. Mai 2008 im Internet Archive)
  3. ↑ Geheimorganisationen in Deutschland: 73 rechtsradikale VerbĂ€nde. In: Erste Beilage zur Vossischen Zeitung. Nr. 178, 1924.
  4. ↑ Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz: HĂ€ufig gestellte Fragen: „Was ist der Unterschied zwischen radikal und extremistisch?“
  5. ↑ Gero Neugebauer (2008): Extremismus – Rechtsextremismus – Linksextremismus: Einige Anmerkungen zu Begriffen, Forschungskonzepten, Forschungsfragen und Forschungsergebnissen, S. 3.
  6. ↑ Tanja Wolf: Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien in Europa. Typologisierung und Vergleich. Springer VS, Wiesbaden 2019, S. 3, 411 u. 414; JĂŒrgen Boelcke, Bernhard Straub, Paul Thiele: Wirtschaftswörterbuch Französisch-Deutsch/Deutsch-Französisch. Band 2. 2. neubearbeitete und erweiterte Auflage, Springer Verlag, Wiesbaden 1990, S. 122.
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    Christopher B. Krebs: Ein gefĂ€hrliches Buch. Die Germania des Tacitus und die Erfindung der Deutschen. Deutsche Verlagsanstalt, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-421-04211-8, S. 17, 248.
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In Deutschland verbotene rechtsextreme Organisationen

Sozialistische Reichspartei (SRP) | Bund Deutscher Nationalsozialisten (BDNS) | Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) | Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) | Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) | Nationale Sammlung (NS) | Nationalistische Front (NF) | Deutsche Alternative (DA) | Nationale Offensive (NO) | Wiking-Jugend (WJ) | Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) | Blood and Honour (B&H) | Collegium Humanum (CH) | Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten (VRBHV) | Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) | Hilfsorganisation fĂŒr nationale politische Gefangene und deren Angehörige (HNG) | Altermedia Deutschland | Weisse Wölfe Terrorcrew | Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemĂ€ĂŸer Lebensgestaltung | Hammerskins

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