



Die Plazenta (lat. placenta ,Kuchenâ, dt. auch Mutterkuchen oder âFruchtkuchenâ) ist ein bei allen weiblichen Höheren SĂ€ugetieren (Eutheria) einschlieĂlich des Menschen und mancher BeutelsĂ€uger (Metatheria) wĂ€hrend der TrĂ€chtigkeit (bzw. Schwangerschaft) sich entwickelndes Gewebe an der GebĂ€rmutterwand, das zum embryonalen Organismus gehört, von diesem gebildet wird und von BlutgefĂ€Ăen der Mutter und des Embryos durchwoben ist. DarĂŒber steht der Embryo (spĂ€ter der Fötus) mittelbar mit dem Blutkreislauf der Mutter in Verbindung, erhĂ€lt NĂ€hrstoffe und Sauerstoff und gibt Abfallprodukte ab. Nach der Entbindung wird die Plazenta gemeinsam mit der Eihaut als Nachgeburt ausgestoĂen. Eine analoge Struktur stellt die Dottersack-Plazenta der Grundhaie dar, die ebenso wie die Plazenta der SĂ€ugetiere der Versorgung der Embryonen dient.[1]
Funktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Plazenta besteht sowohl aus embryonalem bzw. fetalen (Placenta fetalis) als auch aus mĂŒtterlichem (Placenta materna) Gewebe. Die Plazenta entsteht, indem embryonales Gewebe in die GebĂ€rmutterschleimhaut (Endometrium bzw. Dezidua) einwĂ€chst. Sie stellt die Versorgung mit NĂ€hrstoffen, die Entsorgung von Exkretionsprodukten und den Gasaustausch des Embryos bzw. Fötus sicher. Die Verbindung zwischen Embryo und Plazenta erfolgt ĂŒber die Nabelschnur.
Anders als alle anderen SĂ€ugetier-Organe, die erst nach einer ausreichenden Entwicklungs- und Reifungsperiode ihre Funktion aufnehmen, muss die Plazenta ihr eigenes Wachstum steuern und parallel dazu volle FunktionstĂŒchtigkeit entwickeln. Dabei mĂŒssen in jedem Stadium der Schwangerschaft die jeweils spezifischen BedĂŒrfnisse des Kindes befriedigt werden. Neben der Versorgung des Kindes erfĂŒllt die Plazenta hormonelle Aufgaben. Noch kaum erforscht ist die FĂ€higkeit der Plazenta, das Immunsystem der Mutter so zu beeinflussen, dass es zwar funktionstĂŒchtig bleibt und die Mutter damit vor Infektionen schĂŒtzt, gleichzeitig aber daran gehindert wird, die Plazenta selbst und das Kind als Fremdgewebe abzustoĂen.
Aufbau
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Die menschliche Plazenta ist im ausgereiften Zustand ein circa 500 bis 600 Gramm schweres und im Durchmesser 15 bis 20 Zentimeter groĂes Organ, das sich nach der Einnistung (Nidation) der Blastozyste in der GebĂ€rmutter bildet. Sie entsteht aus dem fetalen Trophoblasten und aus der mĂŒtterlichen GebĂ€rmutterschleimhaut (Endometrium). Die fetale Seite der Plazenta â also Chorionplatte und Nabelschnur â ist mit weiĂlich trĂŒbem Amnionepithel bedeckt (siehe letztes Bild). Zwischen der Chorionplatte und der mĂŒtterlichen Basalplatte (Dezidua) befindet sich der mit mĂŒtterlichem Blut gefĂŒllte intervillöse Raum. Dieser wird durch bindegewebige Plazentasepten von der Basalplatte aus in 15 bis 20 Felder, die so genannten Kotyledonen, unterteilt. Aus dem Chorion wachsen PrimĂ€rzotten, die die SekundĂ€rzotten tragen, in diese blutgefĂŒllten Kotyledonen. Durch das Einsprossen von Kapillaren wird die SekundĂ€rzotte zur TertiĂ€rzotte und ist somit zum Stoffaustausch bereit. (In der Abbildung ist der gesamte Zottenbaum als Villus bezeichnet.) Zwischen den Kapillaren der TertiĂ€rzotten und dem intervillösen Raum findet auf Grund der Plazentaschranke (siehe unten) kein Blutaustausch statt. Der Stoffaustausch erfolgt ĂŒber Diffusion, erleichterte Diffusion, Pinozytose oder wird ĂŒber Rezeptoren vermittelt. Ab der vierten Schwangerschaftswoche, wenn das Herz des Kindes zu schlagen beginnt, wird die Frucht ĂŒber die Plazenta versorgt.
Als Organ dient die Plazenta nur eine begrenzte Zeit. Sie zeichnet sich durch den geringsten Gehalt an straffem Bindegewebe aller Organe aus. AuĂerdem ist die Plazenta nicht mit Nerven durchzogen.
Plazentaschranke
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Eine der Funktionen der Plazenta ist die Plazentaschranke mit dem vom Trophoblasten abstammenden Synzytiotrophoblast, einer vielkernigen Lage ohne Zellgrenzen (Synzytium).[2] Dies stellt eine passive Filtermembran dar, die mĂŒtterliches und kindliches Blut trennt und den Ăbertritt von verschiedenen im Blut gelösten Substanzen ermöglicht oder verhindert. Die dafĂŒr verwendeten Mechanismen sind Diffusion und erleichterte Diffusion, aktiver Transport, Diapedese und Pinozytose. Durch Diffusion gelangen Sauerstoff, Wasser, einige Vitamine, aber auch Alkohol, Gifte, Drogen und Medikamente in den Fötus. Glukose, AminosĂ€uren und Elektrolyte gelangen ĂŒber erleichterte Diffusion und aktive Transportprozesse in das Kind. Proteine, Antikörper vom Typ IgG und Fette werden ĂŒber Pinozytose transportiert. Viren und Bakterien können sich per Diapedese Zugang zum Kind verschaffen. Die Ăbertragung mĂŒtterlicher IgG-Antikörper ist besonders wichtig, da das Kind bis einige Monate nach der Geburt nicht ausreichend eigene Antikörper bilden kann (Nestschutz).
Durch Mikrotraumen in der Plazenta kann es zum Ăbertritt kindlichen Blutes in den mĂŒtterlichen Kreislauf kommen. Dies ist normalerweise ungefĂ€hrlich, es sei denn, das Kind ist Rhesus-positiv, die Mutter jedoch negativ. In einem solchen Fall kann es zur Sensibilisierung der Mutter gegen kindliche Antigene kommen. Die Mutter bildet Antikörper vom plazentagĂ€ngigen IgG-Typ gegen das rhesuspositive Blut, welche bei einer Folgeschwangerschaft in den fötalen Kreislauf gelangen und dort das Krankheitsbild des Morbus haemolyticus neonatorum auslösen.
Plazenta als endokrines Organ
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Plazenta produziert das Hormon Chorion-Gonadotropin und etwa ab dem vierten Monat auch das Gelbkörperhormon Progesteron, nachdem der Gelbkörper im Eierstock die Produktion eingestellt hat. Das Gelbkörperhormon unterdrĂŒckt die Regelblutung und ermöglicht somit das Weiterbestehen der Schwangerschaft.
Zudem bildet die Plazenta das humane Plazentalaktogen (HPL). HPL kann ab der 8. Schwangerschaftswoche im Serum der Mutter nachgewiesen werden und nimmt dann bis zur Geburt kontinuierlich um bis zu 2 g tĂ€glich zu. Aufgabe von HPL ist es die BrĂŒste zu entwickeln und fĂŒr die Laktation vorzubereiten. Zudem reguliert es den Metabolismus und hat anabole Effekte.[3]

PlazentaverÀnderungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Plazenta kann individuell sehr unterschiedlich sein. Form und GröĂe des Organs variieren ebenso, wie der Ansatz (Insertionsstelle) der Nabelschnur.
Zu den Formvarianten zĂ€hlen die Placenta succenturiata (Nebenplazenta), die Placenta bilobata/multilobata (zweifach/mehrfach gelappte Plazenta), die Placenta anularis (Ring- oder gĂŒrtelförmige Plazenta), die Placenta fenestrata, sowie die Placenta membranacea. Eine Nebenplazenta oder gelappte Plazenta beeintrĂ€chtigt die fetale Entwicklung nicht.
Als Folgen einer Plazentationsstörung entstehen Formen, wie die Placenta accreta, die Placenta increta, sowie die Placenta percreta. Dabei wachsen die Zotten durch teilweise oder völlig fehlende Dezidua in das Myometrium ein. Die Folge sind Plazentalösungsstörungen nach der Geburt des Kindes.
Auch LageverÀnderungen, wie die unterschiedlichen Formen der Placenta praevia, kommen vor.
Tumoren der Plazenta sind insgesamt sehr selten. Der hÀufigste ist das Chorangiom.[4][5] Weitere Tumoren können sein: Chorangiomatose, Teratom und Plazentabett-Tumor (Placental site trophoblastic tumor).[6]
Nachgeburt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Plazenta mit der Eihaut wird kurz nach der Geburt des Kindes als Nachgeburt geboren.
Oft ist es möglich, die Plazenta ausgehĂ€ndigt zu bekommen. Kommerzielle Anbieter stellen daraus sog. Globuli (ursprĂŒnglich homöopathische Medikamente) her. Manche Menschen vergraben sie in der Erde, meist unter einem Baum. Dieser Brauch war und ist in unterschiedlichsten Regionen der Welt verbreitet.
In China wurde die Plazenta im 16. Jahrhundert gegen Unfruchtbarkeit und Impotenz bei MĂ€nnern empfohlen.[7] In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts wurden Plazenten auch an die Kosmetikindustrie verkauft. Daraus hergestellte Cremes sollten der HautverjĂŒngung dienen, wissenschaftliche Studien hierzu gibt es keine. Diese Praxis ist unter anderem wegen der Angst vor HIV/AIDS und anderen Infektionen ĂŒberholt.[8]
Die aus den Plazenten gewonnenen Inhaltsstoffe werden heute aus anderen Quellen oder synthetisch hergestellt bzw. durch alternative Stoffe ersetzt.
Plazentophagie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]WĂ€hrend fast alle sogenannten Plazentatiere ihre Nachgeburt verzehren, ist lediglich von Menschen und Kamelen dokumentiert, dass diese Verhaltensweise bei ihnen nicht die Norm ist.[9]
Doch auch in einigen menschlichen Gesellschaften hat der Verzehr der Plazenta eine lange Geschichte, da diese oft als individuelles Heilmittel im Wochenbett gilt. Sowohl in Nordamerika, als auch in Ozeanien, Europa, Teilen SĂŒdamerikas und Asien verzehrt ein Teil der MĂŒtter ihre Plazentas, wobei Forscher feststellen, dass die Zahlen offenbar steigen. In den USA verzehrte 2018 jede dritte Frau, die ihr Kind nicht im Krankenhaus zur Welt brachte ihre eigene Plazenta. Die traditionelle chinesische Medizin verwendet getrocknetes Plazentapulver sowohl zum Anregen der Laktation als auch zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen.[10] WĂ€hrend ein Teil der möglichen Risiken noch nicht erforscht ist, konnte nachgewiesen werden, dass die in getrockneter Plazenta enthaltenen Hormone bei 86 Prozent der untersuchten Frauen zu vermehrter Milchbildung fĂŒhrten.[9]
Plazenta kann roh verzehrt, als BrĂŒhe oder Sud, zubereitet werden, oder auch als Pulver oder Kapsel eingenommen werden. Im Handel erhĂ€ltliche Produkte mĂŒssen unter bestimmten HygienemaĂnahmen und unter Einhaltung vorgegebener Verarbeitungsschritte erzeugt werden, wobei frische Plazenta innerhalb weniger Stunden nach der Geburt verarbeitet werden muss.[9]
Die Literaturstudie von Cynthia W. Coyle u. a. (Northwestern University Feinberg) von Juni 2015 ĂŒber Plazentophagie in den Jahren 1950 bis 2014 kommt zum Schluss, dass Nutzen und Risiken erst noch erforscht werden mĂŒssen, um fundierte Aussagen treffen zu können.[11][12]
In einer Einzelfallstudie berichten Forscher der US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) von einem Kind, das sich mit Streptokokken infizierte, nachdem seine Mutter ihre eigene Plazenta in Form von Kapseln zu sich genommen hatte.[13] Die nachgewiesenen Streptokokken der Gruppe B wurden zwar sowohl im getrockneten Plazentagewebe als auch im Blut des Neugeborenen nachgewiesen, nicht aber in der Muttermilch.[9]
Stammzellgewinnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Inzwischen ist bekannt, dass sowohl aus der Plazenta selbst, der Nabelschnur als auch dem darin befindlichen Nabelschnurblut Nabelschnurblutstammzellen extrahiert werden können. In der Plazenta und Nabelschnur wurden vor allem mesenchymale,[14] im Nabelschnurblut vorrangig blutbildende, also hĂ€matopoetische Stammzellen nachgewiesen. WĂ€hrend die Stammzellen der Nabelschnur derzeit nur zu experimentellen und Forschungszwecken gewonnen werden, können Nabelschnurblutstammzellen routinemĂ€Ăig gewonnen, konserviert und medizinisch verwendet werden. HĂ€ufigstes Verwendungsgebiet war 2001 die Stammzelltransplantation zur Behandlung von LeukĂ€mie[15]. Allerdings befindet sich die Forschung zur Anwendung von Nabelschnurblut noch in den AnfĂ€ngen, speziell in der Regenerativen Medizin und beim HeranzĂŒchten von Gewebe, Knorpeln- und Knochenteile wurden 2013 viele Studien durchgefĂŒhrt.[16] FĂ€lle, in denen Nabelschnurblut fĂŒr eine Stammzelltherapie benötigt wird, sind selten. Als Beleg dafĂŒr können die Angaben der gröĂten Stammzellenbank Vita 34 herangezogen werden: 30 medizinische Verwendungen bei ĂŒber 200 000 Einlagerungen. AuĂerdem ist die Verwendung eigener blutbildender Stammzellen aus Blut oder Knochenmark meist möglich.[17] Ein weiterer Kritikpunkt sind die kurzen Abnabelungszeiten, die im Falle einer Stammzellengewinnung auftreten, und deutlich geringer als die von Seiten der WHO empfohlenen Abnabelungsdauer sind. In diesem Zusammenhang wird oft vom âAuspulsierenâ des Nabelschnurblutes gesprochen, die positiven Effekte dieser Methode sind teilweise bewiesen z. B. eine höhere Eisenmenge im Blut des SĂ€uglings.[18]
Bei Tieren
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Bei SĂ€ugetieren gibt es verschiedene Plazentatypen. Kommt es zu einem umfangreichen Abbau der GebĂ€rmutterschleimhaut, spricht man von einer Vollplazenta (Placenta vera). Dies ist bei Primaten, Nagetieren und Raubtieren der Fall. Nach Verteilung der Kontaktstellen unterteilt man diese in die GĂŒrtelplazenta (Placenta zonaria, histologisch: endotheliochorial, das Chorion hat mit den mĂŒtterlichen Endothelzellen Kontakt) bei Raubtieren und die Scheibenplazenta (Placenta discoidalis, histologisch: hĂ€mochorial, direkter Kontakt mit dem Blut der Mutter) bei Nagetieren und Primaten.[19]
Unterbleibt dieser umfangreiche Abbau der GebĂ€rmutterschleimhaut, spricht man von einer Halbplazenta (Semiplacenta). Bei Unpaarhufern und Walen sind die Kontaktstellen gleichmĂ€Ăig verteilt (Placenta diffusa, histologisch: epitheliochorial, also das Chorion steht mit dem Epithel der GebĂ€rmutterschleimhaut in Kontakt), bei Schweinen nicht ĂŒber die gesamte KontaktflĂ€che (Placenta diffusa incompleta, histologisch ebenfalls epitheliochorial) und bei WiederkĂ€uern an lokal erhabenen drĂŒsenlosen KontaktflĂ€chen, den Karunkeln (Placenta multiplex s. cotyledonaria).[19]
Beuteltiere besitzen eine unvollkommene Dottersackplazenta, da sie nur eine geringe Tragezeit von 8 bis 40 Tagen haben.
Von ĂŒber 4.000 SĂ€ugetierarten ist bekannt, dass sie ihre eigene Plazenta verzehren.[9] Darunter sind auch zahlreiche Tiere, die sonst selbst rein vegetarisch oder vegan leben. FĂŒr den Verzehr der Nachgeburt werden unterschiedliche GrĂŒnde angegeben, zu denen der Schutz des Jungtieres vor Raubtieren zĂ€hlt, da diese die Duftspur wahrnehmen könnten oder auch Versorgung mit Mineralstoffen, Vitaminen und anderen wichtigen NĂ€hrstoffen, deren VerfĂŒgbarkeit in der freien Natur begrenzt ist.
Evolution der Plazenta
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Plazenta ist eine SchlĂŒsselinnovation der SĂ€ugetiere (Evolution der SĂ€ugetiere), von ihren AnfĂ€ngen bis heute. Sie stellt ein neues Organ dar, das es bei den eierlegenden Tieren davor nicht gab. Neben der Innovation der Muttermilch, der MilchdrĂŒse und der Mutterbindung musste eine ErnĂ€hrungsverbindung vom Ei des Embryos im Mutterleib zur Mutter evolvieren, um das Wachstum des Embryos im Mutterleib zu ermöglichen. Dieses Wachstum war ein entscheidender selektiver Vorteil. Die Plazenta steigerte die Ăberlebenschancen des Ungeborenen in der Zeit der Dinosaurier vor etwa 160 Millionen Jahren.
Als wichtiges Gen fĂŒr die Ausbildung der Plazenta wurde das Gen Paternally expressed gene Peg10 identifiziert. Dieses Gen wurde wahrscheinlich durch ein Retrovirus in die DNA der Keimzellen frĂŒher SĂ€uger kodiert,[20] eine virale Invasion und ein Prozess vergleichbar dem, der beim rezenten Koala mit dem krankheitserregenden KoRV-Gen beobachtet wurde. Ein Gen-Knockout von Peg10 bei der Maus im Labor fĂŒhrt zum Stillstand des Wachstums der Plazenta und zum frĂŒhen Tod des Embryos.[21]
Peg10 ist also dafĂŒr verantwortlich, die Plazenta zu bilden. Das Gen unterbindet die Immunabwehr der Mutter und verhindert damit, dass der Embryo beim Aufbau der physischen Mutter-Kind-Verbindung wieder abgestoĂen wird. Erst fĂŒr den weiteren Verlauf der Evolution wird angenommen, dass die Nahrungsversorgung des Embryos mittels der Plazenta zum Immunabwehrschutz hinzukam. Im Verlauf der Evolution wurde die Plazenta gröĂer, die Tragezeit des Embryos konnte verlĂ€ngert werden. Eine lĂ€ngere Schwangerschaft war hilfreich fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit der Mutter vor Fressfeinden, und Tiere begannen, lebende SĂ€uger auszutragen.
FĂŒr die Bildung des Synzytiotrophoblasten ist das env-Gen des endogenen Retrovirus HERV-W verantwortlich. Dieses und weitere beteiligte ERVs mĂŒssen die gemeinsamen Vorfahren der Höheren SĂ€ugetiere erworben haben, da sie Beuteltieren und Kloakentieren (eierlegenden SĂ€ugetieren) fehlen.[22] Insbesondere ist das Protein Syncytin (Syncytin 1 und 2) viralen Ursprungs.[23][24][25][26][27]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lois Jovanovic, Genell J. Subak-Sharpe: Hormone. Das medizinische Handbuch fĂŒr Frauen. (Originalausgabe: Hormones. The Womanâs Answerbook. Atheneum, New York 1987) Aus dem Amerikanischen von Margaret Auer, Kabel, Hamburg 1989, ISBN 3-8225-0100-X, S. 177 f., 383 f. und öfter.
- Andrea Stiefel, Karin Brendel, Nicole H. Bauer et al.: Hebammenkunde, Lehrbuch fĂŒr Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hrsg.: Andrea Stiefel, Karin Brendel, Nicole H. Bauer et al. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-13-240450-2, S. 1141.
- Fritz Strauss: Kurzgeschichte der Placentarforschung. In: Gesnerus 45 (1988) 381-410.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Leonard Compagno, Marc Dando, Sarah Fowler: Sharks of the World. Princeton Field Guides, Princeton University Press, Princeton/Oxford 2005, ISBN 0-691-12072-2, S. 335.
- â Synzytiotrophoblast, auf: DocCheck Flexikon
- â Klaus Diedrich u. a. (Hrsg.): GynĂ€kologie und Geburtshilfe. 2., völlig neu bearb. Auflage. Springer, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-32867-4.
- â Kurt Benirschke, Shirley G. Driscoll: Tumors of the Placenta. In: Springer eBooks. 1967, S. 477â526 doi:10.1007/978-1-4612-9809-0_14.
- â A. Kirkpatrick, Daniel J. Podberesky, Anne E. Gray, Joseph H. Mcdermott: Placental Chorioangioma. In: Radiographics. 2007, Band 27, Nummer 4, S. 1187â1190 doi:10.1148/rg.274065207.
- â Radiopaedia
- â StudienĂŒberblick: Nein, Sie mĂŒssen Ihre Plazenta nicht essen. Auf: Spiegel Online, 8. Juni 2015.
- â Franziska Zoidl: Umstritten: Lasagne mit Mutterkuchen. In: Der Standard. 19. Juni 2015.
- â a b c d e Sophia K. Johnson, Jana Pastuschek, JĂŒrgen Rödel, Udo R. Markert, Tanja Groten: Mutterkuchen â mal versuchen? Humane maternale Plazentophagie: möglicher Nutzen und potenzielle Risiken doi:10.1055/a-0674-6275 Thieme Verlag, abgerufen am 12. Dezember 2023
- â R. Botelle & C. Willott (2020): Birth, attitudes and placentophagy: a thematic discourse analysis of discussions on UK parenting forums. BMC Pregnancy & Childbirth, 14712393, 3/6/2020, Bd./Jhrg. 20, Ausgabe 1 doi:10.1186/s12884-020-2824-3
- â Christina Hucklenbroich: Geburtsmedizin: Der Verzehr der Plazenta â ein neuer Trend? faz.net vom 15. Juli 2015, abgerufen am 2. September 2015.
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