
Marsch(land) (von urgermanisch *mariskaz, altsĂ€chsisch mersk) â auch Masch, Mersch oder Schwemmland genannt â bezeichnet einen nacheiszeitlich entstandenen geomorphologisch-pedologischen Landschaftstyp im Gebiet der nordwestdeutschen KĂŒsten und FlĂŒsse sowie Ă€hnliche Landschaften weltweit.



Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Marschen sind generell flache Landstriche ohne natĂŒrliche Erhebungen. Sie bestehen aus angeschwemmten Sedimenten und liegen in etwa auf Höhe des Meeresspiegels landeinwĂ€rts des Watts und der Salzwiesen und reichen bis zur Geest, die pleistozĂ€nen Ursprungs ist. Entstehungsgeschichtlich gehören sie zu den jĂŒngsten geologischen Formationen: Sie sind holozĂ€nen Ursprungs, also nacheiszeitlich. Wenige Dezimeter bis mehrere Meter unter dem Marschboden und flachen Meeresgebieten befinden sich glazial geformte Schichten,[1] die denen entsprechen, die in der Geest zutage liegen.
Ausgedehnte Marschgebiete gibt es in Nordwesteuropa nicht nur direkt an der Nordsee, sondern beispielsweise auch als Flussmarschen im Gezeiten-Einflussgebiet der TideflĂŒsse, insbesondere der Schelde, Maas, Ems, Weser, Elbe, Oste, Stör, Eider und Varde Ă sowie der Themse. Das Marschland der deutschen NordseekĂŒste bildet zusammen mit den benachbarten niederlĂ€ndischen und dĂ€nischen FlĂ€chen das gröĂte Marschgebiet weltweit. Die LĂ€ngsausdehnung des Marschlandes zwischen Den Helder (NL) und Esbjerg (DK) betrĂ€gt grob 500 km. Ein wichtiges GegenstĂŒck bilden die Marschen zwischen Hoek van Holland und Calais, die sich im MĂŒndungsgebiet von Rhein und Maas als reine Flussmarschen bis zur deutschen Grenze bei Emmerich ausdehnen.
Zwar werden auch weiter im Binnenland gelegene Niederungslandschaften umgangssprachlich oft als âMarschâ bezeichnet (oder Abwandlungen davon, z. B. Leinemasch in Hannover mit dem Maschsee, das Rhein-Maas-Delta, die Niederrheinische Bucht oder die Leieebene (Plaine de la Lys)), bodenkundlich und hydrologisch handelt es sich dabei aber prĂ€ziser um Flussauen. Auch die MĂŒndungsgebiete der Weichsel und Nogat (Ć»uĆawy WiĆlane), das Memeldelta und das Binnendelta des Oderbruchs werden gelegentlich als Marschland betrachtet.
Marschen werden auch feiner z. B. nach Alter oder Entfernung zum Meer unterschieden:
- Seemarschen
- Ăbergangs- und Brackmarschen
- Flussmarschen
- Moormarschen
- Jungmarsch und Altmarsch
Der heutige Begriff Marsch ist vor allem durch die deutsche Geographie geprĂ€gt. Es handelt sich um einen holistischen Begriff, der, im Gegensatz zu den meisten fremdsprachigen Ăquivalenten, sowohl bodenkundliche als auch landschaftliche und kulturgeographische Aspekte umfasst. Grundlegend waren die Reisebeschreibungen des Johann Georg Kohl (1808â1878), der ĂŒber âdie MarschlĂ€nde der Weltâ berichtete. Der Begriff Marsch ĂŒberschneidet sich mit verwandten Begriffen, wie Feuchtgebiet, Bruch, Niederung und Sumpf. WĂ€hrend er in Deutschland jedoch fast ausschlieĂlich auf die besiedelte Kulturlandschaft verweist, werden seine sprachlichen GegenstĂŒcke in anderen europĂ€ischen Sprachen eher benutzt, um unbesiedelte Feuchtgebiete mit SĂŒmpfen, BruchwĂ€ldern oder Salzwiesen anzudeuten. Die deutsche Terminologie wurde weitgehend in Skandinavien und Tschechien, jedoch nur teilweise im Baltikum und in Osteuropa ĂŒbernommen.[2] In den Niederlanden und Belgien werden dagegen Begriffe wie Kleibezirke und Polderland verwendet.
Die Bezeichnung der Marschen als Bodenart wurde 1770 von dem Botaniker Otto von MĂŒnchhausen eingefĂŒhrt, nachdem schwedische Naturforscher ĂŒber âSeetonâ (Söler) schrieben.
Es wird zwischen Seemarschen, Moormarschen, Flussmarschen, Flussauen, Salzwiesen, Taigawiesen, trockengelegten Seen (Polder) und Lagunen (bzw. Haffs und Limane) unterschieden. Die niedrigen Moormarschen, auch Sietland genannt, werden in den Niederlanden zu den Moorlandschaften gerechnet.
Entstehung
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Ursprung vieler Marschen ist das Watt. Die Marschen entstehen durch allmĂ€hliche Verlandung der Salzwiesen durch Sedimentation an Pionierpflanzen. Dieser natĂŒrliche Vorgang wurde von den KĂŒstenbewohnern in der Vergangenheit fĂŒr die Landgewinnung genutzt. Die Sedimentationsrate ist dann am höchsten, wenn die Marschen noch nicht zu hoch ĂŒber den Meeresspiegel gewachsen sind. Wenn Sturm- und Springtiden die Salzwiesen ĂŒberfluten, fĂ€llt das mitgefĂŒhrte Material am Ende der Brandungszone aus, weil die Transportkraft durch die verringerte Geschwindigkeit der Wellen kleiner wird.
So entsteht eine leicht erhöhte Zone direkt an der KĂŒste bzw. am Flussufer; das sogenannte Hochland aus minerogenen Sedimenten. LandeinwĂ€rts findet keine Sedimentation statt, weshalb hier das tieferliegende Sietland entsteht. Durch den langsamen Anstieg des Meeresspiegels bzw. Senkung des Landes wĂ€chst der Höhenunterschied zwischen Hochland und Sietland und kann mehrere Meter betragen. Die OberflĂ€che kann aber auch bis unter den Stand des Tidenniedrigwassers sinken.
Zur Landgewinnung bzw. zum Hochwasserschutz wurden die Marschen frĂŒher eingedeicht. Diese durch Fluss- und Seedeiche geschĂŒtzten Gebiete werden als Koog (in Schleswig-Holstein), Groden oder Heller (in Niedersachsen) oder Polder (in den Niederlanden) bezeichnet. Wo kein Schutz durch Deiche vorhanden ist, zum Beispiel auf Halligen, wurden Gehöfte und Ansiedlungen wegen der Ăberflutungsgefahr auf einige Meter hohe aufgehĂ€ufte Warften oder Wurten (niederlĂ€ndisch: Terpen) gebaut.
Das Marschland wird durch ein EntwĂ€sserungssystem, bestehend aus GrĂ€ben, Wettern oder Wetterungen, Pumpstationen und Sielen trocken gehalten. Ohne diese stĂ€ndige EntwĂ€sserung wĂŒrden sich Moorgebiete entwickeln. Durch das Trockenlegen ist das Land (teilweise unter den Meeresspiegel) abgesackt. Die tiefste Landstelle Deutschlands liegt 3,54 Meter unter dem Meeresspiegel und befindet sich am Ortsrand von Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch westlich von Itzehoe in Schleswig-Holstein.
Klassifizierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Marschen bildeten nach der deutschen Bodensystematik bis 2024 die Klasse M in der Abteilung der semiterrestrischen Böden (Grundwasserböden), jetzt entweder Marschgley (Klasse GM) genannt oder zu den Pseudogleys (Klasse SS) gerechnet.
Die deutsche Bodensystematik war eine der wenigen Klassifizierungen weltweit, die die Marschböden als eigene Klasse ansprach. Die meisten Systeme â wie die WRB â sehen in ihnen nur Teile anderer Klassen. Diese Besonderheit mag darin begrĂŒndet sein, dass Marschen in Nordwestdeutschland eine groĂe FlĂ€che einnehmen. Die Niederlande, Belgien, Russland und seit 1995 auch Frankreich (thalassosols) kennen eine vergleichbare Systematik. Die erste Klassifizierung der Marschböden wurde 1827 vom hannöverischen Grundsteuerinspektor Andreas Wilhelm Stelzner unternommen. In den Niederlanden waren die Arbeiten der Agrarwirtschaftler Winand Staring (1856â1860) maĂgebend.
Alle Marschen weisen wie die ĂŒbrigen Gleye die Horizontierung A/Go/Gr auf. Zur Unterscheidung Gley-Marsch bzw. Marschgley liegen aber drei Besonderheiten vor, die alle erfĂŒllt werden mĂŒssen:
- Regionale Zuordnung in die Marschlandschaft
- Ausgangsmaterial sind litorale Sedimente aus der Brackwasserzone (Startpunkt Watt). Diese sind sehr schluffreich (selten liegt sogar reiner Schluff vor), sind in der Regel wegen zerschlagener Muschelschalen sehr kalkreich und weisen im gesamten Sedimentkörper bis zum pleistozĂ€nen Grund einen hohen Anteil organischer Substanz auf. Typisch fĂŒr litorale Sedimente sind zahlreiche sehr feine Schichten, die auf Sturmfluten zurĂŒckzufĂŒhren sind.
- Junger Boden aus dem HolozÀn.
Unmittelbar nach der Ablagerung der Sedimente setzt die Bodenbildung ein. Damit aus dem Watt eine Marsch wird, muss die FlÀche aber durch weitere Aufhöhung bei höher auflaufender Tide oberhalb des mittleren Tidenhubs liegen.
Die sieben in Deutschland unterschiedenen Bodentypen in der Klasse der Marschen bilden eine logische, zeitliche und rÀumliche Reihenfolge, die beim Watt startet. Die Stadien der Jungmarschen werden immer durchlaufen. Bei den Altmarschen wird einer der vier möglichen Typen erreicht.

- Jungmarschen
- Rohmarsch oder Salzmarsch, jetzt Rohmarschgley (gerade entstanden, Salzwiese)
- Kalkmarsch, jetzt Carbonatmarschgley (vor kurzem eingedeicht; maximal 300 Jahre)
- Kleimarsch, jetzt Normmarschgley (ca. 300 bis 600 Jahre)
- Altmarschen
Etwa ab 1000 Jahren. In Deutschland maximal 2500 Jahre.
- Dwogmarsch, jetzt Dwogpseudogley
- Knickmarsch, jetzt Knickpseudogley
- HaftnÀssemarsch, jetzt Marschnassgley
- Organomarsch, jetzt Organomarschgley
Untertypen oder andere gebrĂ€uchliche Bezeichnungen, die keinen eigenen Bodentyp darstellen, sind Moormarsch und Geestmarsch. Moormarschen bzw. Dwogmarschen werden in den Niederlanden vorwiegend unter die Moorböden gerechnet und als âKlei-auf-Moorâ (klei-op-veen) gekennzeichnet. Es sind auch ĂbergĂ€nge zwischen Jungmarschen und Altmarschen möglich, die als Subtypen des stĂ€rker ausgeprĂ€gten Bodentyps angesprochen werden.
Chemische Dynamik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Watt entstehen unter anaeroben Bedingungen groĂe Mengen an Eisensulfid (FeS). Dieses fĂ€rbt den Boden intensiv schwarz und liegt auch in den Jungmarschen noch vor. In Bereichen mit dauerhaft hoher WassersĂ€ttigung bilden sich abgestorbene Pflanzen zu Torf um. Wachsen die Sedimente aus dem tĂ€glichen Ăberflutungsbereich heraus, kommt es zur BelĂŒftung des Bodens und zum Beginn der Sulfidoxidation. Bei dieser chemischen Reaktion wird SchwefelsĂ€ure freigesetzt und das schwarze Eisensulfid wird in brĂ€unliches Eisenoxidhydroxid umgewandelt, weshalb sich die Bodenfarbe rasch Ă€ndert. Dieser Prozess dauert an, bis das gesamte Eisensulfid oxidiert ist. Dadurch wird die in allen Böden eintretende Kalkauswaschung in Jungmarschen stark beschleunigt, da die SchwefelsĂ€ure die primĂ€r sedimentierten Carbonate zerstört.[3]
Daneben setzen bei der Bodenentwicklung weitere Prozesse wie Sackung und AussĂŒĂung ein. Im weiteren Verlauf werden die zu Beginn sehr salzreichen Böden der Rohmarsch entsalzt, das heiĂt, dass Magnesium- und vor allem Natrium-Ionen ausgewaschen werden. Infolge der zunehmenden BelĂŒftung intensivieren sich auch die oxidativen Prozesse, was zum Abbau der organischen Substanz und zur GefĂŒgeausbildung fĂŒhrt. Diese Prozesse fĂŒhren zur Bildung der Kalkmarschen und schlieĂlich nach der Entkalkung zur Kleimarsch.[4]
Die kalkarmen, humosen und eisenreichen Knickmarschen, die vor allem im Vorfeld der Hochmoore entstanden sind, wurden in nördlichen Niederlanden und Ostfriesland frĂŒher als Roodoorn oder Rodorn bezeichnet. Die humösen Erdschichten nannte man Darg (âDerrie, Dreckâ). Gelegentlich werden durch die Oxidierung von Eisensulfid oder Pyrit auch Eisenhydroxydsulfate gebildet, namentlich Jarosit, wodurch der Boden rapide versauert. Diese schwefelreichen Böden wurden Maibolt (NiederlĂ€ndisch: katteklei, Englisch cat clay, Französisch argiles fĂ©lioculines âKatzenaugenkleiâ) genannt. Die Namen sollen entweder auf den Verdacht der Hexerei hinweisen, die frĂŒher mit der eintretenden Verschlechterung der AnbauverhĂ€ltnisse verbunden wurde, oder mit der Farbe, der Textur und dem Geruch der Tonbestandteile, die sich Katzendreck angleichen. Volkskundler haben den Namen nachtrĂ€glich (und wohl zu Unrecht) mit Kobolden in Verbindung gebracht. Eng verwandt mit dem Maibolt ist die blauschwarze Pulvererde, die sich hĂ€ufig in tieferen Marschschichten befindet. Um die Bodenstruktur zu verbessern, wurden kalkhaltige Tonsorten aus dem Untergrund gehoben und ĂŒber das Land verteilt. Dieser Vorgang, sonst Mergeln genannt, hat man in den deutschen KĂŒsten- und Flussmarschen als WĂŒhlen oder Kuhlen bezeichnet.
SchwefelsĂ€ure Böden sind auch in Flussmarschen und MangrovenwĂ€ldern weit verbreitet. Sie bilden jedoch vor allem fĂŒr den tropischen Nassreisanbau wichtige Probleme. Um Bodendegradation zu verhindern, hat man deshalb terrassierte Reisfelder oder Sawahs gebaut. Die TotalflĂ€che der betroffenen Böden wird weltweit auf etwa 20 Millionen Hektar geschĂ€tzt.
Marschlandböden in regenreichen oder gewĂ€ssernahen Gebieten können aufgrund ihrer tonreichen, staunassen Eigenschaften zur Moorbildung beitragen, wenn die klimatischen und ökologischen Bedingungen ĂŒber einen langen Zeitraum stabil bleiben.
Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Marschgebiete Nordwestdeutschlands sind nahezu vollstĂ€ndig in Nutzung. Dabei sind je nach Bodentyp entweder GrĂŒnland oder Ackerbau vorherrschend (siehe auch unter den verschiedenen Bodentypen der Marschen). Die Marschgebiete der jungen Marsch sind in der Regel sehr fruchtbar. Neben der Viehhaltung werden sie auch fĂŒr den Ackerbau genutzt. So ist Dithmarschen vor allem fĂŒr den Kohl bekannt. Das Alte Land ist eines der gröĂten Obstbaugebiete Mitteleuropas, die Vierlande und Marschlande in Hamburg gehören zu den bedeutendsten Anbaugebieten fĂŒr GemĂŒse und Blumen. Durch die problematische EntwĂ€sserung ist auf dem Sietland jedoch meist GrĂŒnlandwirtschaft (Wiese, Weide) zu finden.
Die Fruchtbarkeit der Marschen beruht auf mehreren Faktoren: So sind die Klei-Böden schwer und durch Schwebstoffe feinkörnig und nĂ€hrstoffreich. Durch die kĂŒstennahe Lage ist das Klima ausgeglichener als im Binnenland, insbesondere sind Fröste seltener. Von besonderer Bedeutung fĂŒr das Mikroklima sind die zahlreichen EntwĂ€sserungsgrĂ€ben, die sowohl Schutz vor Frost im FrĂŒhjahr als auch vor starker Hitze im Sommer geben. AuĂerdem haben die Marschböden einen hohen Grundwasserspiegel, so dass die Wasserversorgung der Pflanzen weitaus besser als auf der Geest ist.
Die fruchtbaren Böden sind ein wesentlicher Grund fĂŒr eigenstĂ€ndige kulturelle und historische Entwicklungen in den Marschgebieten, beispielsweise fĂŒr die lange Periode der SelbstĂ€ndigkeit von Dithmarschen und anderen sogenannten Bauernrepubliken. Vielfach grenzten sich die Marschbewohner bis in das 20. Jahrhundert von den Ă€rmeren Bewohnern der Geest ab, beispielsweise in der Heiratspolitik. Es galt als unschicklich, einen Bewohner aus der Geest zu heiraten, teilweise kam es zur Enterbung oder zum VerstoĂ aus der Familie bzw. dem Ort.[5]
Marschgebiete in Europa und Nordamerika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Besiedelte Regionen, die als Marschbezirke (bzw. marshes oder marais) zu deuten sind, gibt es vor allem an den KĂŒsten der Nordsee und des Atlantik. Damit gut zu vergleichen sind die Flussdeltas, ausgetrockneten Seen und Lagunen in SĂŒdeuropa und im Baltikum. In den Vereinigten Staaten und Kanada befinden sich ausgedehnte Marschenbezirke am Sankt-Lorenz-Golf, in Louisiana und im Sacramento-San Joaquin River Delta in Kalifornien. Die beiden ersten kennzeichnen sich durch Marschhufensiedlungen, die vor allem an französischen Beispielen entlehnt worden sind. Die kalifornischen Marschen bilden dagegen eine riesige Polderebene.[6] Die Holland Marsh in Ontario betrifft eine neu urbargemachte Moorlandschaft.
Vereinigtes Königreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]England
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- North Yorkshire
- Tees Marshes
- Humber Estuary: Sunk Island, Holderness (East Riding)
- South Yorkshire
- Humber Estuary: Hatfield Chase und Isle of Axholme
- Lincolnshire
- Lincolnshire Marshes, mit Branston Island
- Cambridgeshire, Lincolnshire und Norfolk
- Norfolk
- Suffolk
- Essex
- Themse-Ăstuar: Essex Marshes (Dengie Peninsula), Foulness Island, Canvey Island
- Benfleet and Southend Marshes
- Kent
- Themse-Ăstuar: North Kent Marshes, Medway Marshes, Isle of Sheppey
- Sandwich Bay to Hacklinge Marshes
- Romney Marsh, Denge Marsh, Walland Marsh (Kent und East Sussex)
- East Sussex
- Pevensey Levels
- West Sussex
- Hampshire
- Chichester, Langstone und Portsmouth Harbours
- Southampton Water: North Solent Marshes
- Dorset
- Poole Harbour Marshes und River-Frome-Flussaue
- Cornwall
- Morazion Marsh (Morva Marazion)
- Somerset
- Somerset Levels und North Somerset Levels
- Southern Severn Estuary (teils Gloucestershire)
- South Wales
- Usk Estuary: Gwent Levels (Morfa Gwent) (Caldicot and Wentloog Levels)
- Pembrokeshire
- Gwynedd
- Morfa Harlech
- Traeth Mawr
- Conwy County Borough
- Kinmel Bay and Towyn: Morfa Rhuddlan, Morfa Conwy
- Cheshire
- Dee Estuary: Dee Marshes
- Mersey Estuary: Lordship und Frodsham Marsh
- Lancashire
- Ribble Marshes
- Morecambe Bay: River Wyre und River Lune Estuaries (Thornton, Pilling, Carnforth, Arnside und Silverdale Marshes)
- Cumbria
- Maethop, Millom und Flookburgh Marshes
- Solway Coast
- Burgh und Rockcliffe Marshes
Schottland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Solway Firth
- Solway Marshes: Ruthwell, Blackshaw und Glencaple Marshes
- Cromarty Firth
- Meddatt Marsh
- Moray Firth
- Firth of Tay
- Mugdrum Island
- Firth of Forth
- Skinflats
Nordirland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lough Foyle: Myroe Level, Donnybrewer Level, Ballykelly Bank und weitere âSloblandsâ
- Belfast Lough: Ballyhackamore, County Down und weitere âSloblandsâ
- Lough Swilly: Inseln und Ufer
Irland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frankreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Marschen des Mittelmeers
- Var
- Bouches-du-RhĂŽne und Gard
- Ătang de Berre
- Camargue
- Ătang de Rochefort-Pujaut
- Languedoc-Roussillon
- Ătang de Thau, Ătang du MĂ©jean usw.
Marschen der atlantischen KĂŒste
- Gironde
- Rives de la Gironde: Les marais du Médoc, Palus de Moron
- Charente-Maritime
- Rives de la Gironde
- Marais charentais: Marais de Rochefort, Marais de la Petite Flandre, Marais d'Yves
- Ăle de RĂ©
- Marais Poitevin (Charente und Vendée)
- La Vendée
- Marais dâOlonne
- Marais de Monts
- Marais breton (Vendée und Loire)
- Loire-Atlantique
- Marais salants de Guérande
- Ăle de Noirmoutier
- La BriĂšre
Marschen des Ărmelkanals
- Département Ille-et-Vilaine
- Manche
- Baie du Mont-Saint-Michel
- Marais du Cotentin et du Bessin (Manche und Calvados)
- Calvados
- Marais de la Dives
- Eure
- Estuaire de la Seine
- Marais-Vernier
- Somme
- Bas-Champs picards
- Picardische Ăstuare: Somme-Bucht
- Pas-de-Calais
- Picardische Ăstuare: Baie dâAuthie, Baie de Canche
Flandre maritime
- Département Nord
- Westhoek (Dunkerque, auch: Les Wateringues)
- Marais audomarois
- Les Moëres
Belgien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Westflandern
- De Polders: Westhoek (Veurne-Ambacht), Brugse Vrije
- Ostflandern
- Scheldepolders: Land van Beveren, Land van Waas
- Antwerpen
- Scheldepolders (Rechterufer)
Niederlande
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zeeland: Zeeuws-Vlaanderen, Walcheren, Zuid-Beveland, Noord-Beveland, Schouwen-Duiveland, Tholen
- Zuid-Holland
- Marschinseln: Goeree-Overflakkee, Voorne-Putten, Hoeksche Waard, IJsselmonde, Eiland van Dordrecht
- Polderbezirke: Zuidplaspolder, Prins Alexanderpolder
- Noord-Brabant: Noordwest-Brabant, Land van Heusden en Altena, Langstraat, De Biesbosch
- Gelderland: Bommelerwaard, Neder-Betuwe, Over-Betuwe, Tielerwaard, Land van Maas en Waal
- Noord-Holland
- Polderbezirke: Haarlemmermeer, IJpolders, Beemster, Purmer, Schermer, Heerhugowaard
- West-Friesland, Kop van Noord-Holland
- Wieringermeer
- Overijssel
- Flevoland: SĂŒdliches Flevoland, Ăstliches Flevoland, Noordoostpolder
- FryslĂąn
- Westergo; Het Bildt
- Oostergo (teils); Marschen der ehemaligen Lauwerszee
- Groningen
- Westerkwartier: Humsterland, Middag
- Hogeland: De Marne, Hunsingo, Fivelingo, Centrale Woldgebied
- Oldambt (Dollartmarsch)
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Niedersachsen:
- Emsmarschen: Rheiderland, östliches Emsufer (Westoverledingen, Leer, Moormerland), Leda-Marsch
- Ostfriesische Seemarschen: Emden, Krummhörn, Wester- und Ostermarsch, Hagermarsch, Dornum, Harlingerland, Bedekaspeler Marsch
- Jeverland
- Wilhelmshaven
- Wesermarschen: Jader Marsch, Butjadingen, Stadland, Stedingen, Moorriem, WĂŒstenland, Flussmarschen der Mittelweserregion, Osterstade, LandwĂŒrden, Stoteler Marsch, Land Wursten
- Elbmarschen: RitzebĂŒttel, Land Hadeln, Ostemarsch (Neuhaus), Ostemarsch (Osten), Kehdingen, Altes Land, Harburger Marsch, Winsener Neuland, Winsener Marsch, Artlenburger Marsch, Bleckeder Marsch, Dannenberger Marsch (Elbtalaue)
- Freie Hansestadt Bremen:
- Niedervieland, Obervieland, Oberneuland, Horn-Lehe, Hollerland, Blockland, Gröpelingen, Werderland, Weddewarden (Land Wursten).
- Freie- und Hansestadt Hamburg:
- Mecklenburg-Vorpommern
- Schleswig-Holstein:
- Elbmarschen: Haseldorfer Marsch, SeestermĂŒher Marsch, Kremper Marsch, Breitenburger- oder Störmarsch, Wilstermarsch
- Dithmarschen (Teile)
- Teile des Kreises Nordfriesland: Friedrichstadt, Stapelholm, Eider-Treene-Sorge-Niederung, SĂŒdermarsch, Eiderstedt, Hattstedtermarsch, Nordstrand, Pellworm, der nördliche Teil der Insel Föhr, Halligen, Oktroyierte Köge, Bökingharde, Wiedingharde
DĂ€nemark
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Region Syddanmark
- TĂžndermarsken, Rejsbymarsken, Ballummarsken, Ribemarsken, TjĂŠreborgmarsken, Darummarsken, Varde Ă -Tal, Ho Bugt enge
- FilsĂž
- Region Midtjylland
- Region Nordjylland
- RĂžnnerne auf LĂŠsĂž
- Region SjĂŠlland
- Lammefjord, SaltbĂŠk Vig
Polen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Litauen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Memeldelta bzw. Tilsiter oder Elchniederung (teils Russland)
Lettland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Engure-See: Ä¶Ć«ÄŒciema Polderis
- VecbÄrzes Polderis
- BabÄ«te-See: BabÄ«te Polderis, Dzilnupes Polderis, TrenÄu Polderis, GÄtupes Polderis
- Lielupe Polders
Estland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Matsalubucht (Nationalpark Matsalu)
- Salzwiesen: Hiiumaa (Dagö) und Saaremaa (Ăsel)
- Audru Polder, RĂ€pina Polder, Aardla Polder, Tarvastu Polder
Portugal
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Spanien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Baskenland
- Urdaibai-Ăstuar
- Andalusien
- Las Marismas del Guadalquivir (Coto de Doñana)
- Chosas de la Paleosa
- Marismas de Isla Cristina
- Valencia
- LâAlbufera de ValĂšncia
- Katalonien
Italien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ligurien
- Florenz
- Padule di Fucecchio
- Latium
- Pontinische Ebene
- Pantano di Cellole
- Kampanien
- MĂŒndung des Garigliano
- Valli di Mare Morte (Lago Miseno)
- Abruzzen
- Lombardei
- Valle di Sermide
- Emilia-Romagna
- Polesine di Ferrare (Valle Padusa)
- Polesine San Giorgio
- Bonifica Bentivoglio
- Valli di Comacchio, Valle del Mezzano
- Venetien
- Polesine di Rovigo
- Polesine Camerini
- Lagune von Venedig
- Valle del Piave
- Brussa (Valle Vecchia)
- Friaul-Julisch Venetien
- Valle di Tagliamento
- Laguna di Grado
- Laguna di Marano
Montenegro
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Albanien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vjosa: FlussmĂŒndung und Lagune von Narta (Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta)
- Lagune von Karavasta (Nationalpark Divjaka-Karavasta)
- Lagune von ShĂ«ngjin, FlussmĂŒndungen der Drin und Mat (Naturreservat Kune-Vain-Tale)
- Lagune von Velipoja und Flussdelta der Buna
Nordmazedonien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vardar: Marschen und SĂŒmpfe (Binnendelta)
Bulgarien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]RumÀnien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dobrudscha (Kreise ConstanÈa und Tulcea)
- Razim-See
- Donaudelta (teils Ukraine)
Ukraine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Oblast Odessa
- Budschak (Bessarabien): Sassyksee, Tuzley-Lagunen, Budaki-Liman
- Dnister-Delta und Dnister-Liman
- Tylihul-Liman
- Oblaste Cherson und Mykolajiw
- Dnepr-Bug-Liman
- Sywasch (seit 2014 gröĂtenteils unter russischer Verwaltung)
Russland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kaliningrad
- Memeldelta (teils Litauen)
- Elch- oder Tilsiter Niederung
- Leningrad (Karelien)
- Swir-Oyat-Polder
- WeiĂer See: arktischer KĂŒstensaum
- Archangelsk
- Barentssee und Karasee: arktischer KĂŒstensaum
- Petschora: Flussdelta
- Rostow
- Don: Flussebene (historisch: Maiotische Marschen)
- Krasnodar
- Astrachan
- Wolga: Flussdelta, Flussmarschen und Salzwiesen
- Dagestan
- Terek: Flussdelta und Salzwiesen
Georgien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Abchasien
- Pizunda-SĂŒmpfe
- Otschamtschire-SĂŒmpfe
- Georgien
Etymologie und Synonyme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wort Marsch ist ebenso wie sein englischer Kognat marsh vermutlich im westfrĂ€nkischen Bereich entstanden. Es bezeichnet unbesiedelte Feuchtgebiete, die zum herrschaftlichen Wald- und Wildbann gehörten, und ist in diesem Sinne bedeutungsverwandt mit dem althochdeutschen Wort bruoh (das Bruch). Die Marsch, ursprĂŒnglich ein Maskulinum, geht auf urgermanisch *mariskaz (âzum Meer gehörig, Wasserland, Weidelandâ) zurĂŒck, abgeleitet vom Substantiv *mari (âBinnengewĂ€sserâ, âMoorâ, âSeeâ) mit dem Suffix -iskaz. Aus dem Germanischen ins Romanische entlehnt sind altfranzösisch mareis oder maresc ('Sumpf') und mittellateinisch mariscum, woraus sich französisch marais sowie marĂ©cage (âBruchâ) und durch RĂŒckentlehnung ĂŒber das NiederlĂ€ndische Morast entwickelten. Toponyme mit *marisk- und *mari- sind in Nordwesteuropa weit verbreitet, fehlen jedoch in Skandinavien.[7] In Orts- und Flurnamen erscheinen gemeinsam mit dem lateinischen mariscum, volkssprachig mersc und merisc seit dem 7. Jahrhundert, in England insbesondere fĂŒr Salzwiesen verwendet. Die Bewohner der Romney Marsh werden in mittelalterlichen Quellen als Merscware (âMarschbewohnerâ) bezeichnet. Im Testament Willibrords von 727 wird ein hollĂ€ndischer Gau Marsum (wohl mit der Wurzel *marisk- und dem Suffix -heim 'WohnstĂ€tte') an der MaasmĂŒndung erwĂ€hnt, wo sich Marschen (mariscus) und Schafweiden befanden. Die nordfranzösischen Erstbelege (darunter die Reichenauer Glossen) datieren etwas spĂ€ter. FrĂŒhe Beispiele sind Stodmarsh, Burmarsh, Denge Marsh, Rebais (Mercasius), Marest, Mercheseuil, Marissel, MarchĂ©ville-en-WoĂ«vre, Mersch, Rheinstetten-Mörsch, Mörsch (Frankenthal) sowie einige unidentifizierte Ărter in Holland, Friesland und Flandern und eine terra Marisca in der Lombardei.[8] Der Gau Dithmarschen wird in der Vita Willehadi (Mitte 9. Jahrhundert) namhaft gemacht, allerdings in der Form Thiatmaresgaho; erst 1059 wird daraus Thietmaresca.[9] Die ĂŒbrigen norddeutschen Beispiele mit *-mariskaz datieren (im Gegensatz zu den Ă€lteren Formen mit *-mari) erst aus dem 11. Jahrhundert.
Seit etwa dem 11. Jahrhundert wandelte sich die Wortbedeutung, ebenso die der lateinischen Entsprechungen mariscum und palĆ«s (âSumpf, Bruchwaldâ). Zunehmend wurden damit nicht allein SĂŒmpfe und Salzwiesen bezeichnet, sondern auch besiedeltes und bedeichtes Marschland. Ein Gebrauch mit der letztgenannten Bedeutung hat sich frĂŒhzeitig in Deutschland, England und Nordfrankreich durchgesetzt, jedoch nur sehr beschrĂ€nkt in Belgien und den Niederlanden. Die mittelniederlĂ€ndische Sprache verwendet meers vor allem fĂŒr Flussauen und Heuwiesen, die mittelniederdeutsche Sprache dagegen hierfĂŒr wisch. Das Wort Marsch bzw. mersch ist in Norddeutschland erst relativ spĂ€t belegt, nĂ€mlich 1139 in Westfalen; die Wortform Marschland bzw. merscheland begegnet 1280 in einem GĂŒterverzeichnis fĂŒr die Elbmarschen. Die Landschaftsnamen Kremper Marsch und Wilstermarsch sind 1361 bzw. 1391 belegt, doch wurden diese Bezirke bereits frĂŒher als in palude Crimpen (1312) und de palude Wilstrie (1331) benannt. Der Chronist Helmold von Bosau erwĂ€hnt die Elbmarschen 1164 als terra palustrem Albie, die zuvor bereits 795 in der Lorscher Annalen sowie durch Einhard als paludes Albiae erwĂ€hnt sind.
Marsch und Moor werden mit hÀufig mit vergleichbarer Bedeutung gebraucht. In die Marschen von Dol-de-Bretagne wird zwischen marais blanc und marais noir unterschieden.[10] Auch der englische Begriff des Fens umfasst sowohl See- und Brackmarsch (white fens oder silt fens) als auch Moorböden (black fens oder peat fens). Die Seemarschen der Somerset Levels werden als Flachland (levels) bezeichnet, die Moormarschen dagegen als moors. Dagegen umfasst das great level (oder bedford level) der Fens sowohl Marsch als auch Moor.
Eine solche Mehrdeutigkeit gibt es auch in anderen Sprachen: Das niederlĂ€ndische Wort veen, altniederlĂ€ndisch feni bedeutet z. B. âMoorâ bzw. âHochmoorâ, sĂŒdniederlĂ€ndisch venne jedoch auch âTĂŒmpelâ; das friesische GegenstĂŒck finne oder fenne wurde im SpĂ€tmittelalter umgedeutet im Sinne von âMarschweideâ.[11] Das niederlĂ€ndische Wörterbuch von Kiliaen gibt 1599 fĂŒr das Wort moeras auch palus nigra an, âschwarzer Sumpfâ. Auch das Wort Bruch im Sinne von âSumpfwaldâ, althochdeutsch bruoh, wurde in der Regel mit palĆ«s ins Lateinische ĂŒbersetzt. Im Zuge des Landesausbaus wĂ€hrend des 11. und 12. Jahrhunderts wurden viele neue Moor- und Marschhufensiedlungen mit -bruch benannt.
Italienische, provenzalische, spanische und portugiesische Synonyme â ĂŒblich seit dem 10. Jahrhundert â sind palude oder padule, aus dem lateinischen palĆ«s.[12] Mit den Wörtern palud, palus oder palun werden etwa im SĂŒdwesten Frankreichs ebenfalls die kultivierten Marschen angedeutet, die im 19. Jahrhundert mit Weinreben bepflanzt wurden. Diese Wörter sind wiederum mit einem griechischen ÏηλÏÏ (pÄlĂłs, âSchlamm, Kleiâ), litauischen pelkÄ (âSumpf, Moorâ), lettischen paliene (âMarschâ) und sanskritischen palvala (âMarsch, Sumpfâ) verwandt. Sie sind auf eine gemeinsame indogermanische Wurzel *pelHk- oder *palw- (âKlei, Schlamm, Sumpfâ) zurĂŒckzufĂŒhren. Gleichbedeutend ist das spanische marisma (vom lateinischen maritima âMeereskĂŒsteâ); verwandt damit sind die Namen der italienischen, katalanischen und andalusischen KĂŒstenregionen Maremma, Costa del Maresme und Las Marismas del Guadalquivir sowie das StĂ€dtchen Marennes in SĂŒdwestfrankreich. Die spanische Bezeichnung (al)marjal stammt dagegen vom arabischen al-marj âdie Wieseâ. Bekannt sind die Marsch-Araber im Marschland von Al-Ahwar (SĂŒdirak). In der Po-Ebene wurden die Marschregionen seit dem 15. Jahrhundert als polesine angedeutet, nach dem mittellateinischen pollicinum oder policinum (âSumpfâ). Dieses war wiederum an dem byzantinischen ÏολÏÎșÎ”ÎœÎżÏ (polĂœkenos âmit vielen LĂŒckenâ) entlehnt, wobei allerdings eine Kontamination mit pullus âweichâ auftrat. Die Marschen bildeten also ein Gebiet, das âmit vielen seichten oder wĂ€ssrigen Stellenâ besĂ€t war. Die Lagunen (paludes) und Flussmarschen werden hier traditionell als valli dolci und valli salse (SĂŒĂ- bzw. Brackwasserlagunen) angedeutet; die höheren Uferbereiche heiĂen barene âBĂ€nkeâ. Die Flussmarschen des Weichseldeltas (auf Deutsch auch Weichselmarschen) werden auf Polnisch als ĆŒuĆawy (âWerder, Flussinselâ) benannt (nach einem gemeinslavischen zuliv âMeeresbucht, Haffâ). Die Flussebene der Memel heiĂen auf Litauisch salpĂ (vgl. salpas âMeeresbuchtâ). Das rekonstruierte Bestimmungswort fĂŒr diese Wörter (*sel-) dĂŒrfte âSumpfâ oder âSchlammâ bedeutet haben. Die Donaumarschen werden auf RumĂ€nisch als mlaÈtini (nach einem sĂŒdslavischen mlaka âSumpfâ) angedeutet.
Ein weit verbreitetes Sumpfwort ist italienisches pantano, lombardisches palta (âschlammiger, sumpfiger Ortâ), katalanisch pantĂ , spanisch pantano und portugiesisches pĂąntano, wohl von einem illyrischen Substratwort *palta (âSumpfâ). Das Pantanal in SĂŒdamerika ist vielleicht das gröĂte Feuchtgebiet der Erde. Das Wort Pantano ist wiederum mit dem urslawischen *balta, serbokroatischen блаŃĐŸ (blato âSeeâ), russischen Đ±ĐŸĐ»ĐŸŃĐŸ (boloto âSumpf, Marschâ), tschechischen blĂĄto und polnischen bĆoto (âSumpf, Schlammâ) verwandt.[13] Baltische Kognate sind litauisches bĂĄltas (âweiĂâ), balĂ (âSumpfâ) und lettisches ballen (âweiĂâ). SĂ€mtliche Wörter sollen, zusammen mit dem germanischen *pĆlaz (âPfuhlâ), englischen pool, niederlĂ€ndischen poel (âPfuhl, TĂŒmpelâ), gallischen pal oder pol (âSee, Sumpfâ), walisischen pwll (âPfuhl, TĂŒmpelâ) auf eine indogermanische Wurzel *bʰel- oder *balÇ- (âglĂ€nzend, weiĂâ) zurĂŒckzufĂŒhren sein. Aus dieser Wurzel entstand ebenfalls das Wort Polder. Die semantische Verbindung zwischen âweiĂâ und âSumpf, Schlammâ ist nicht offensichtlich, sie wurde aber in vielen Sprachen nachgewiesen. Dies liegt wahrscheinlich entweder an der weit verbreiteten PrĂ€senz des Sumpfgrases namens Wollgras, dessen flaumige Samenköpfe weiĂ sind, oder an der Farbe des getrockneten Tons, der je nach Boden einen hellen Farbton annimmt.[14]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Salzwiese
- Polder
- Niederung
- Binnendelta
- Sumpf
- Geschichte der Besiedlung der Marschen
- Marschland (al-Ahwar) im SĂŒdirak: Schutzgebiet der Artenvielfalt und Reliktlandschaft mesopotamischer StĂ€dte
- NaturrĂ€umliche GroĂregionen Deutschlands
- NaturrÀumliche Haupteinheiten Deutschlands
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Piet van Cruyningen: Farming the North Sea Coast, 900-2000. Managing Water, Reclaiming the Land. The Boydel Press, Woodbridge, 2025
- Norbert Fischer: Marschland. KJM Buchverlag, Hamburg, 2024 (European Essays on Nature and Landscape), ISBN 978-3-96194-246-6
- H. Liedtke, J. Marcinek (Hrsg.): Physische Geographie Deutschlands. 1995, ISBN 3-623-00840-0
- Ad-Hoc Arbeitsgruppe Boden: Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Auflage. 2005, ISBN 3-510-95920-5
- F. Scheffer, P. Schachtschnabel: Lehrbuch der Bodenkunde. 15. Auflage. 2002, ISBN 3-8274-1324-9
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Marschland im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Marschen â Aus Watt wird Land
- LancewadPlan (2005-07): Entwicklung des kulturellen Erbes der Wattenmeerregion, Schleswig-Holsteinische Seite ( vom 10. MĂ€rz 2009 im Internet Archive)
- LancewadPlan (englisch)
Einzelnachweise und Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â NIBIS-Kartenserver des Landesamtes fĂŒr Bergbau, Energie und Geologie â Geozentrum Hannover: http://nibis.lbeg.de/cardomap3/ â Geologie â Geologische KĂŒstenkarte 1:25 000 â Relief der HolozĂ€nbasis
- â Die Kategorie der âMarschbödenâ wurde in Polen, Russland und den baltischen Staaten hĂ€ufig im formalen System der Bodenklassifikation aufgenommen. Zur Charakterisierung von Naturlandschaften werden die Begriffe âMarschâ und âMarschlandâ dagegen in Osteuropa nur fĂŒr Salzwiesen benutzt, nicht fĂŒr die eingedeichten Marschen.
- â Leendert Japhet Pons: Outline of the Genesis, Characteristics, Classification and Improvement of Acid Sulphate Soils. In: H. Dost (Hrsg.): Acid Sulphate Soils. Proceedings of the International Symposium on Acid Sulphate Soils 13-20 August 1972. Teil 1: Introductory Papers and Bibliography. Wageningen 1973, S. 3â27; wur.nl
- â Sven Kruse-Irmer: Böden: mehr als der Dreck unter unseren FĂŒĂen. Virtueller Bodenlehrpfad. In: Bodenkunde. Institut fĂŒr Biologie und Umweltwissenschaften (IBU) an der Carl von Ossietzky UniversitĂ€t Oldenburg, 9. Januar 2007, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 21. MĂ€rz 2008; abgerufen am 12. Januar 2018.
- â Detlef Dethefsen: Geschichte der Holsteinischen Elbmarschen. 1891.
- â Kevin Leonard: The Origin and Dispersal of Dykeland Technology. In: Les Cahiers de la SociĂ©tĂ© Historique Acadienne, 1991, 22, S. 31â59; academia.edu ( vom 31. Mai 2019 im Internet Archive). Fritz Bartz: Französische EinflĂŒsse im Bilde der Kulturlandschaft Nordamerikas: Hufensiedlungen und Marschpolder in Kanada und in Louisiana. In: Erdkunde, 1955, 9, S. 286â305.
- â JĂŒrgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem. Berlin / New York 1994, S. 364â374, 772, 837.
- â Kirstin Casemir, JĂŒrgen Udolph: Zum Ortsnamen Merseburg. In: Namenkundliche Informationen (NI), 2017, 109/110, S. 108â146; qucosa.de ( vom 6. Juni 2020 im Internet Archive). Ernst NĂšgre: Toponymie gĂ©nĂ©rale de la France. Band 2: Formations non-romanes; formations dialectales. Paris 1996, S. 729, 1092â1093. Band 3, 1998, S. 1428.
- â Der Ă€lteste Beleg â eine Kopie des 12. Jahrhunderts â dĂŒrfte verderbt oder Ergebnis einer Umdeutung sein.
- â Der Ort Marchenoir wird 1104 erstmals als Marchassus negrus erwĂ€hnt. Bretonische Beispiele sind die Ărter Le Pouliguen (âweiĂer Sumpfâ) und Noirpalu (âschwarzer Sumpfâ, 1186 apud Nigrum paludem), mit dem festlandkeltischen Wurzel pol (âTĂŒmpelâ, âSeeâ, âSumpfâ). StĂ©phane Gendron: Le gaulois *pol-, âĂ©tang, maraisâ en Indre-et-Loire. In: Bulletin de la SociĂ©tĂ© archĂ©ologique de Touraine 42 (1992), S. 385â416.
- â Ward van Osta: Veen, ven en peel. In: Naamkunde, 1997, 29, S. 31â61; users.telenet.be/wardvanosta ( vom 20. Februar 2022 im Internet Archive; PDF). Die Umdeutung von fenne zu âMarschweideâ gibt es auch in Nordfriesland; in Ostfriesland dagegen die Ă€ltere Bedeutung âMoorwieseâ.
- â Walter Berschin: Mittellateinische Studien. Band 1. Heidelberg 2005, S. 959. Vgl. altenglisches pidele âmarsh, fenâ.
- â Charles J. Donnovan: Chartae Fabrianenses. Commentaries. In: Archivum Latinitatis Medii Aevi, 2003, 61, S. 223â288, hier S. 255; inist.fr ( vom 24. April 2019 im Internet Archive; PDF)
- â Reconstruction:Proto-Slavic/bolto. Wiktionary (englisch):. Pietro U. Dini: Foundations of the Baltic Language. (PDF) Vilnius 2004, S. 41â42.
