Hauptfunktionen des Fensters: Belichtung, LĂŒftung, Aussicht, Wandgliederung (Moritz von Schwind: Morgenstunde, 1858)Gotisches Buntglas, um 1230â1235, in der Kathedrale von Chartres
Als Fenster (lateinischfenestra) wird im Bauwesen eine Lichtöffnung in einer Wand oder im Dach eines Bauwerkes sowie deren wind- und wetterdichter Verschluss bezeichnet. Fenster dienen der Belichtung, BelĂŒftung und der Ein- und Aussicht. Weiterhin zĂ€hlen Fenster zu den Ă€sthetischen Hauptelementen der Fassadengliederung und prĂ€gen das Design sowohl im ĂuĂeren als auch im Inneren des Bauwerks.
Historisch geht der Begriff âFensterâ auf âkleine TĂŒrâ, âTĂŒrchenâ zurĂŒck: (altgriechischÎžÏ ÏÎŻÏ, diminutiv von ΞÏÏαâTĂŒrâ). Die Möglichkeit, diese auch transparent zu schlieĂen, wurde erst beginnend mit dem zweiten Jahrhundert nach Christus entwickelt.
Fenster bestehen heute meist aus einem Rahmen und der glĂ€sernen FensterfĂŒllung. Der Rahmen wird in eine Ăffnung in einer Wand oder dem Dach eingesetzt. Die Wandöffnung wird meist durch vier Seiten gebildet: oben den Fenstersturz (oder einen Bogen), seitlich die Laibungen (manchmal auĂen zusĂ€tzlich gerahmt durch Faschen) und unten durch die BrĂŒstung. Ein beweglicher FensterflĂŒgel ermöglicht das LĂŒften der InnenrĂ€ume.
Als âFensterâ werden allseits umschlossene Ăffnungen in den Ă€uĂeren Begrenzungen von Strukturen mit dem Zweck, einen optischen Kontakt zwischen Innen- und AuĂenseite und/oder einen Lichteinfall zu ermöglichen, bezeichnet. Die Hauptverwendung von dem deutschen Begriff liegt im Bauwesen. GemÀà der Definition im Blatt 1 der VDI 4700 dienen Fenster zur Belichtung und in der Regel auch zur BelĂŒftung.[1] In Abgrenzung zur TĂŒr oder zum Tor fehlt dem Fenster die Funktion des Durchganges oder Einstiegs. Des Weiteren finden Fenster Verwendung in den HĂŒllen von Fahrzeugen, im Anlagenbau und in anderen technischen Einrichtungen. In den vorgenannten Themenfeldern können Fenster bloĂe Ăffnungen sein, sie sind aber meist mit Glas oder anderen lichtdurchlĂ€ssigen Materialien ausgefĂŒllt. Sie können fest sein oder ĂŒber konstruktive Vorrichtungen zum Ăffnen verfĂŒgen. Im ĂŒbertragenen Sinne bezeichnet man als âFensterâ auch andere Arten von eng umschriebenen DurchlĂ€ssen in ansonsten undurchlĂ€ssigen Strukturen. Im Computerbereich sind sogenannte âFensterâ ein grundlegendes Element grafischer BenutzeroberflĂ€chen; sie gaben dem Microsoft-Betriebssystem Windows seinen Namen.[2]
Das Substantiv Fenster gehört seit dem 8. Jahrhundert zum deutschen Standardwortschatz. Es ist von dem Lateinischen fenestra, dessen Entstehung dunkel ist, entlehnt. Das neutrale Genus stammt wohl von dem Ă€lteren ougatora fĂŒr âAugentorâ (Rundfenster).[3] Der altgermanische Begriff dafĂŒr bedeutete Wind-Auge (gotisch windauga), was sich im dĂ€nischen Begriff vindue und im englischen window erhalten hat.
FensterkrĂ€nze oder Fensterreihen gab es schon in den Basiliken oder den Thermen der Antike; sie sind jedoch mit Ausnahme der â spĂ€ter verĂ€nderten â Konstantinbasilika in Trier (4. Jahrhundert) allesamt nicht erhalten. Im frĂŒh- und hochmittelalterlichen Kirchenbau finden sich regelmĂ€Ăig Reihen mit gleichförmigen Fenstern. Der wichtigste Bau mit einem erhaltenen Fensterkranz ist die Hagia Sophia (6. Jahrhundert) in Konstantinopel/Istanbul. In der mittelalterlichen Architektur erscheinen sie manchmal an ChorumgĂ€ngen, an Apsiden oder in LaternentĂŒrmen.
Die Ă€ltesten menschlichen Wohn- oder Kultbauten (z. B. Göbekli Tepe) waren fensterlos; natĂŒrliche Lichtquellen waren der Eingang und der Rauchabzug im Dach. Eine indirekte BestĂ€tigung liefern sogenannte Hausurnen aus der Bronzezeit und Eisenzeit (ca. 2200 vor Chr. bis ca. 1000 n. Chr.), die neben der TĂŒröffnung allenfalls Dachöffnungen zur Entrauchung abbilden.
Gleichwohl gab es in einigen neolithischen HĂ€usern bereits schlitzartige Lichtöffnungen. In Persepolis fand man in der Lehmmauer eines 6000 Jahre alten Hauses Fensteröffnungen. Selbst die Wohn- und Kultbauten der Ăgypter sowie der Griechen und Römer waren nach auĂen hin weitestgehend fensterlos; Fenster fanden sich wohl hauptsĂ€chlich in Königs- und Markthallen (basilicae) sowie in Thermen. In Nordeuropa sind aus dem Neolithikum und der Bronzezeit ladenartige FensterverschlĂŒsse bekannt.
UrsprĂŒnglich handelte es sich bei Fenstern um rechteckige, bogenförmige, runde oder ovale Ăffnungen in WĂ€nden, die in einer spĂ€teren Phase mit HĂ€uten, Pergament oder Leinenstoff[4] bespannt wurden, um WitterungseinflĂŒsse zu reduzieren. Vorwiegend bei Sakralbauten wurde in die Wandöffnungen auch dĂŒnner, durchscheinender Alabaster eingesetzt.
Typische mittelalterliche âFensternischeâ im Bruchsteinmauerwerk. Steinstock aus sauber geglĂ€ttetem Werkstein, Fensterbank und schwerer Fenstersturz, Falz zum Anschlagen des Fensterverschlusses
Erste FensterglĂ€ser fĂŒr Glasfenster fanden sich in Aix-en-Provence und Herculaneum. Die Funde haben GröĂen von bis zu 80 cmÂČ. Allerdings erwĂ€hnt keine schriftliche Ăberlieferung das Herstellungsverfahren. FĂŒr das frĂŒhe, dickwandige und einseitig matte Fensterglas gibt es in der Fachwelt unterschiedliche Auffassungen zu dessen Herstellung. Einerseits wird eine manuelle Strecktechnik[5] vermutet. SpĂ€testens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. verwendeten die Römer Glas. ZunĂ€chst waren die Scheiben auf einer Seite rau und daher nicht durchsichtig. Erst im 2. Jahrhundert n. Chr. kam Glas auf, das auf beiden Seiten eine glatte OberflĂ€che hatte. Jedenfalls nördlich der Alpen wurde Fensterglas aber nur vereinzelt eingebaut, so seit dem 5. Jahrhundert im Kirchenbau.[6] Zu einer breiteren Verwendung kam es erst im 12. Jahrhundert,[7] als es sich als besonderer Luxus hin und wieder auch in PrivathĂ€usern fand; ansonsten blieb es bei der Tierhautbespannung oder bei offenen Fenstern mit verschlieĂbaren LĂ€den. Noch im 15. Jahrhundert waren die aus Waldglas gefertigten Butzenscheiben aber auch in StĂ€dten keineswegs selbstverstĂ€ndlich.[6] Zudem war die Herstellung von farblosem Glas nicht einfach, so dass im Mittelalter viele Glasfenster durch ihren Eisengehalt grĂŒn oder braun waren.[8]
Seit der Romanik gab es im reprĂ€sentativen Kirchenbau formal aufwĂ€ndige Dreipass- oder FĂ€cherfenster (z. B. Quirinus-MĂŒnster in Neuss), die bleiverglast waren. Die gröĂten (erhaltenen) frĂŒhgotischen Fenster sind die mit Windeisen versehenen Westfenster der Kathedralen von Chartres und Le Mans; in der gotischen Baukunst wurden die groĂen Fenster durch Stab- und MaĂwerk gegliedert.
Fensterglas dient auch als TrĂ€germaterial fĂŒr Glasmalerei oder wird bunt eingefĂ€rbt zu Ornament-Glas und Glas-Mosaiken zusammengefĂŒgt. Seit der Gotik werden mit dieser Technik Kirchenfenster, spĂ€ter auch Fenster an Profanbauten gestaltet. Die Herstellung groĂer Glastafeln ist erst seit der Industrialisierung möglich. Deshalb wurden Fensterscheiben jahrhundertelang aus mehreren kleineren GlasstĂŒcken zusammengesetzt.
Eine groĂe Vielfalt neuer Fensterformen brachte im 17. und 18. Jahrhundert die Architektur des Barock im Schloss- und Kirchenbau mit ihren komplexen Schweiffenstern, Bassgeigenfenstern, Rund- und Flachbogenfenstern, Ochsenaugen und vielen anderen, meist auf Kurven basierenden Formen. Zu verstehen ist dieser Innovationsschub vor dem Hintergrund, dass den Architekten der Zeit besonders daran gelegen war, viel Licht in die InnenrĂ€ume zu bringen und etwa Kirchenbesucher nicht nur mit dem Lichtreichtum an sich, sondern auch mit den Mitteln des Lichteinlasses zu ĂŒberraschen. Hier einige charakteristische Beispiele (alles Kirchenfenster):
GrĂŒnderzeitfassade mit besonders vielen verschiedenen Fenstern, Radebeul 1902
In WohngebĂ€uden wurden meist Holzfenster in Doppelkastenbauweise verwendet. Industrie- und sonstige Nutzbauten wurden entweder mit Holzfenstern oder Fenstern aus Gusseisen versehen. Regional wurden gleiche StandardmaĂe verwendet. Im Anschluss an die GrĂŒnderzeit begann das 20. Jahrhundert mit verschiedenen architektonischen Strömungen, die neue gestalterische Formen ausprobierten. Beim Neuen Bauen wurden ebenso wie beim eher traditionellen Stil der 20er und 30er Jahre die Fassadenöffnungen vermehrt zu FensterbĂ€ndern zusammengefasst.
In WohngebĂ€uden wurden meist Holzfenster als Verbundfenster verwendet. Industrie- und sonstige Nutzbauten wurden entweder mit Holzfenstern oder Fenstern aus Stahlprofilen versehen. Fenster wurden mit StandardmaĂen und Modulen in industrieller Fertigung hergestellt, z. B. den Frankfurter Normen des Neuen Frankfurt. AuĂerdem wurde das bis dahin in Europa unĂŒbliche Schiebefenster vermehrt eingebaut.
In WohngebĂ€uden wurden meist Holzfenster in Doppelkastenbauweise verwendet. Industrie- und sonstige Nutzbauten wurden entweder mit Holzfenstern oder Fenstern aus Stahlprofilen versehen. Fenster wurden mit StandardmaĂen und Modulen in industrieller Fertigung hergestellt. Auch weiterhin wurde das in Europa unĂŒbliche Schiebefenster vermehrt eingebaut.
Heinz Pasche entwickelte gemeinsam mit der Firma Dynamit Nobel aus Troisdorf das erste Kunststofffenster. Pasche war Metallbauer und wollte ĂŒber einen Metallrahmen einen KunststoffĂŒberzug, der wetterfest und unempfindlich war. Die Firma Dynamit Nobel war damals schon fĂŒr ihre Entwicklungen am Kunststoffmarkt bekannt und verfĂŒgte ĂŒber diverse Extruder. Daraus ging dann die Firma Trocal hervor, die 1954 das erste Kunststofffenster serienmĂ€Ăig auf den Markt brachte.[9]
In WohngebĂ€uden wurden Holz-, Aluminium- und Kunststofffenster als Einfachfenster mit Doppelverglasung(z. B.: 4-12-4) verwendet. In Nutzbauten wurden Holz-, Aluminium-, Stahl- und Kunststofffenster verbaut. Fenster wurden mit StandardmaĂen und Modulen in industrieller Fertigung hergestellt.
Der Marktanteil von Kunststofffenstern wuchs.
Die Fenstersysteme unterscheiden sich in den einzelnen LĂ€ndern relativ stark, nachfolgend sind Fenster fĂŒr den zentralen Teil Europas beschrieben:
Seit Mitte der 1980er Jahre dominieren in Deutschland eindeutig Isolierglasfenster â Einfachfenster mit einer Zwei-Scheiben-Isolierverglasung und einem Drehkippbeschlag. Durch Metallbedampfung einer der beiden Scheiben wird die WĂ€rmedĂ€mmung des Glases wesentlich erhöht. Kunststofffenster gewinnen starke Marktanteile. Holzfenster werden im Gegenzug auĂen mit Alu-Rahmen verblendet, um den nötigen Witterungsschutz zu erreichen. Ab Anfang der 2000er Jahre werden Dreifach-IsolierglĂ€ser mit immer besserer WĂ€rmedĂ€mmung gebaut, die WĂ€rmedĂ€mmung der Fenster wird gesteigert und ermöglicht den Bau von Niedrig-Energie- und PassivhĂ€usern.
Sowohl im Wohnhausbau als auch bei Nutzbauten werden Fensterelemente groĂzĂŒgig eingesetzt, der Anteil von Glas an der AuĂenflĂ€che nimmt stark zu.
GroĂe Fenster mit Isolierverglasung oder WĂ€rmeschutzverglasung fĂŒr Bauwerke konnten bis ca. 1990 nur als ebene Scheiben hergestellt werden. Weiterentwickelte Fertigungsverfahren der Glasindustrie lieĂen nun auch gewölbte Scheiben wie im Automobilbau ĂŒblich zu. Fenster sind keine reinen Wandöffnungen mehr, sondern werden baukonstruktiv wie modularisierte Fassaden betrachtet. Dabei sind Fertigungsvorgaben, statische Bedingungen, die Funktion und die Baunormen zu berĂŒcksichtigen. Grundlage fĂŒr ein neues Fenster sind meist Baukastensysteme, das heiĂt, die Fensterprofile und das Zubehör sind schon erprobt und aufeinander abgestimmt, sie werden nur noch auf die korrekte LĂ€nge gebracht und zusammengesetzt.
Bei modernen GebĂ€uden wie dem Sony-Center in Berlin spricht man hĂ€ufig von âElementfassadenâ, da hier direkt Fenster an Fenster montiert werden. Gelegentlich werden horizontal aufgereihte Fenster auch als âBandfensterâ oder âFensterbĂ€nderâ (engl. ribbon windows) bezeichnet.[10]
Lichtarchitektonisch können Fenster auch dadurch zu entscheidend wichtigen Gestaltungselementen werden, dass sie Licht vom Innenraum nach auĂen durchlassen.
Zwei entgegengesetzte Prinzipien, an denen sich architektonisches Nachdenken ĂŒber Fensterpositionierung gut veranschaulichen lĂ€sst, sind im klassizistischen Bauen einerseits und im modernen Bauen andererseits zu finden. Charakteristisch fĂŒr das klassizistische Bauen waren â ebenso wie in der Renaissance- und in der barocken Architektur â achsensymmetrische Fassaden und eine Gestaltung des Hauses von auĂen nach innen. Letzteres bedeutet, dass die Konzeption des Hauses von der Fassade ausging, die ein bestimmtes Erscheinungsbild haben sollte, wĂ€hrend im Hausinneren der Grundriss und die Gestaltung der RĂ€ume den Vorgaben der Fassade folgen mussten.[11]
Eine groĂe neoÂklassizisÂtische Villa in England
Dies Ă€nderte sich in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, als â angeregt durch das Vorbild der viktorianischenLandhĂ€user in England â Architekten auch im deutschsprachigen Raum begannen, HĂ€user von innen nach auĂen zu designen, was unter anderem asymmetrische Fassaden und eine âBefreiungâ der Fenster zur Folge hatte, die nun so ausgewĂ€hlt und platziert wurden, wie der jeweilige Raum es erforderte.[11]
Design von innen nach auĂen
Eine viktorianische Villa in England
Ein Wohnhaus der klassischen Moderne in Hamburg
Beispiele mit ambitionierter FassadenÂgestaltung (San Francisco)
MissglĂŒcktes Beispiel ohne erkennÂbaren Versuch einer FassadenÂgestaltung (RĂŒckseite eines Millenium Mansion)
Bei rechtwinkligen Grundrissen bevorzugen Architekten eine Ausrichtung des GebĂ€udes auf einer West-Ost-Achse, sodass die langen Fassaden â und damit die Mehrzahl der Fenster â nach Norden bzw. SĂŒden weisen. Ost- und Westfenster gelten als wenig erstrebenswert, weil sie ausschlieĂlich dann direktes Sonnenlicht empfangen, wenn die Sonne (morgens und abends) tief steht, blendet und den Raum unter UmstĂ€nden mehr als gewĂŒnscht aufheizt.[12] RĂ€ume mit SĂŒdfenstern empfangen das meiste Sonnenlicht; da die Sonne um die Mitte des Tages hoch steht, vor allem im Sommer, wird das Licht jedoch mehr oder weniger stark gestreut, was fĂŒrs Wohnen ein Vorteil ist.[13] Durch Bauelemente wie z. B. einen weiten DachĂŒberhang oder Brise-Soleils kann die direkte Sonneneinstrahlung noch weiter reduziert werden.[14][15] RĂ€ume mit Nordfenstern empfangen das wenigste Sonnenlicht, sind aber unproblematisch in puncto Blendlicht oder unmĂ€Ăiger Aufheizung. Der Mangel an Lichtempfang kann durch Wahl groĂer Fenster etwas wettgemacht werden. Auch eine gute thermische Isolierung zahlt sich in RĂ€umen mit Nordfenstern besonders aus.[13]
Generell bevorzugen Architekten Layouts, bei denen ein Raum Fenster an zwei verschiedenen Seiten hat (als ideal gelten Fenster an der Nord- und an der SĂŒdseite).[13]
Die Sonnenbahn auf der nördlichen Erdhalbkugel
Blendendes Morgensonnenlicht in einem Ostfenster
Wenn Fenster an zwei oder mehr Raumseiten vorhanden sind, kann der Lichteinfall â etwa durch Gardinen â besser gesteuert werden als bei nur einer Fensterseite.
âŠhinten Ostfenster (gegen morgendliches Blendlicht von auĂen durch hohe Bambuspflanzen geschĂŒtzt), rechts Panorama-SĂŒdfenster (mit weitem DachĂŒberstand zum Schutz vor sommerlich hoher Mittagssonne)
Le Corbusier hat â abweichend vom Ăblichen â einige seiner WohnÂbauten nord-sĂŒdlich ausÂgerichtet, damit alle Wohnungen irgendÂwann am Tag direktes Sonnenlicht erhalten.
Französisches Fenster, kann als FenstertĂŒr bzw. BalkontĂŒr ohne Balkon beschrieben werden, da es wie eine TĂŒr mit einem unmittelbar vor der Ăffnung befestigten GelĂ€nder konstruiert ist (auch als Französischer Balkon bezeichnet)
Einsatzelement in Pfosten/Riegelfassaden
Innenfenster zum Treppenhaus, zum innenliegenden Bad oder sonstigen RĂ€umen
Der Ă€uĂere Rahmen, in welchen die zu öffnenden FlĂŒgel oder eine Festverglasung eingefĂŒgt werden, wird heute meist als Blendrahmen bezeichnet.
Der umlaufende Rahmen eines beweglichen FensterflĂŒgels wird entsprechend FlĂŒgelrahmen genannt.[16]
FlĂŒgel und Rahmen werden ĂŒber FensterbeschlĂ€ge miteinander verbunden.
Bei Holzfenstern setzen sich die Rahmen aus Rahmenhölzern zusammen, die in der Rohform Kanteln genannt werden. Vor dem ZusammenfĂŒgen zum Rahmen werden die Kanteln meistens durch das FrĂ€sen von Falzen bzw. Fasen, Nuten und Verzierungen profiliert und daher auch als Profile bezeichnet. Metall- und Kunststofffenster werden heute in der Regel aus Hohlkammerprofilen zusammengesetzt.
Das Oberlicht wird von den HauptflĂŒgeln durch einen horizontalen Riegel getrennt, der auch als KĂ€mpfer bezeichnet wird. Zwei nebeneinander platzierte FlĂŒgel werden durch einen senkrechten Pfosten separiert, der auch Setzholz genannt wird. Wenn auf diesen Pfosten verzichtet wird, schlĂ€gt der HauptflĂŒgel stattdessen am StulpflĂŒgel an, auf den hĂ€ufig eine sogenannte Schlagleiste aufgesetzt wird, die als zusĂ€tzlicher Anschlag dient.
Die Profilleisten zur frĂŒher ĂŒblichen Unterteilung der FensterflĂŒgel werden als Sprossen bezeichnet. Auch eine im Blendrahmen eingesetzte Festverglasung kann durch Sprossen unterteilt sein.
Bei gemauerten WĂ€nden entsteht das Problem, einen geeigneten oberen Abschluss der Maueröffnung (Fensterleibung) herzustellen, der die statischen DruckkrĂ€fte in der Wand um das Fenster herumleitet. Die fĂŒr den horizontalen oberen Abschluss (Fenstersturz) verwendeten Materialien mĂŒssen zudem der entstehenden Zugspannung standhalten können.
Man setzte Holzbalken oder FensterstĂŒrze aus Naturstein ein, wobei im darĂŒberliegenden Mauerwerk ein Entlastungsbogen gemauert werden musste, der den Fenstersturz entlastet. Fenster aus Werkstein mit freien Weiten ĂŒber einen Meter wurden selten gebaut, bevor Materialien wie Stahl oder Stahlbeton zur VerfĂŒgung standen.
Das Motiv eines halbrunden dreigeteilten (trichotomischen) Fensters geht auf die römische Architektur zurĂŒck, in der das Fenster wegen seiner GröĂe vor allem zur Belichtung der Thermenanlagen Verwendung fand, daher die Bezeichnung als Thermenfenster oder auch Diokletiansfenster. In der Renaissance-Architektur erscheint das Motiv bereits in der 1540 fertiggestellten Capella Paolina des Vatikans (Architekt: Antonio da Sangallo d. J.) sowie zuvor â als Wandmotiv ohne Fensterfunktion â in der 1531 fertiggestellten Sigismund-Kapelle des Krakauer Wawels. SpĂ€ter wurde das Motiv u. a. von Palladio ĂŒbernommen, nachdem er den Fenstertyp bei seinen Aufrissstudien der Thermen in Rom gesehen hatte.[18] Er verwendete es gleichermaĂen fĂŒr Profanbauten, wie beispielsweise die Villa Pisani (1560), und seine venezianischen Kirchen. Beim Umbau der Diokletiansthermen in die Kirche S. Maria degli Angeli e dei Martiri wurde der Fenstertyp fĂŒr den Barock adaptiert. SpĂ€ter fand er besonders im Klassizismus, im folgenden Historismus und Jugendstil Verwendung.
FĂŒr die gröĂeren Wandöffnungen waren bei traditioneller Mauertechnik echte Bögen notwendig, um die Last der darĂŒber liegenden Wand zu tragen. Aus der konstruktiven Form der Wandöffnung ergab sich dann auch die Gestaltung der Fensterrahmen und GlasflĂ€chen als Bogenfenster.
Breitere Fenster wurden aus mehreren aneinandergereihten Bogenfenstern gebaut, die durch SĂ€ulen oder Pfeiler getrennt sind, welche die Last tragen. Derartige Fenster sind z. B. die gekuppelten Bogenfenster der Romanik.
Das Kreuzstockfenster, selten auch Steinkreuzfenster, ist die erste Weiterentwicklung, die Fensteröffnung in der Höhe zu erweitern und den Lichtdurchlass zu erhöhen. In den so entstehenden unterteilten Rahmen wurden jeweils angepasste Einzelfenster eingesetzt. Somit wurde es auch möglich Belichtung- und BelĂŒftungsfunktionen auf verschiedene Einzelfenster aufzuteilen. Entsprechend konnten unterschiedliche Verschlussmethoden genutzt werden (FensterflĂŒgel unten, Festverglasung oben; hĂ€ufig auch: massiver Holzladen unten, mit dĂŒnnem gegerbten Leder bespannter feststehender Holzrahmen oben). Fehlt der mittlere Pfosten wird das teilende KĂ€mpferholz namensgebend (Querstockfenster).
Die Gotik gestaltete die Fenster bei Kirchenbauten mit zusĂ€tzlichem filigranem Mauerwerk, dem MaĂwerk, das in die Fensteröffnung eingebaut war und auch Aufgaben eines steinernen bzw. schmiedeeisernen Fensterrahmens ĂŒbernahm. MaĂwerkfenster waren in der ursprĂŒnglichen AusfĂŒhrung als bunte Bleiglasfenster konzipiert und wesentlicher Bestandteil der gotischen Raumkonzeption in Sakralbauten. In der Renaissance wurde das Fenster, bei entsprechender GröĂe, durch einen vertikalen Stab aus Stein gestĂŒtzt, teilweise durch einen weiteren horizontalen Stab, was dann das sogenannte Steinkreuzfenster ergab. Ăhnliche Formen entwickelten sich im arabisch-indischen Raum, in dem die Fenster durch kompliziertes Filigran blickdicht aber lichtdurchlĂ€ssig verschlossen sind.
Steinernes Schiebefenster zur Steuerung der Temperatur im GemĂŒse-Vorratskeller, etwa 18./19. Jahrhundert
Steinerne Schiebefenster wurden vor allem in lĂ€ndlichen Gegenden fĂŒr die GewölbekellerbelĂŒftung eingesetzt. Bei zu groĂer KĂ€lte sowie im Sommer wurde es einfach zugeschoben. Ein Lichteinfall war nicht notwendig.
Eine weitere wichtige Entwicklung des Fensterbaus war die Fensterzarge (auch Fensterstock oder Fensterrahmen genannt), die zur Entwicklung des Zargenfensters gefĂŒhrt hat. Das Zargenfenster besitzt einen vom FensterflĂŒgel getrennten Fensterrahmen, wodurch ein sauberer winddichter Anschlag mit Ăberfalzung in der Zarge möglich wird. Bis etwa 1700 schlugen die FensterflĂŒgel ohne Ăberschlag stumpf oder mit einfachem Falz in die Zarge ein, sodass FlĂŒgel und Rahmen oberflĂ€chenbĂŒndig in einer Ebene liegen.[19]
Zargenfenster wurden am Blindstock befestigt, der aus Holzbalken oder Stein besteht. Sie haben im Laufe der Neuzeit das Steinrahmenfenster vollstÀndig verdrÀngt, indem auch in Steinrahmen eine Holzzarge eingesetzt wurde. Bei StÀllen und Industriebauten werden auch Rahmen und Zargen aus Stahlprofilen, Schmiedeeisen oder Gusseisen verwendet.
Eine spezielle Form der Zarge ist der Blendrahmen, der so bezeichnet wird, weil er dem eigentlichen tragenden Blindstockvorgeblendet ist. Beim heutigen maĂhaltigen Mauerwerk wird kein Blindstock zur Herstellung der Maueröffnung mehr benötigt. Der Blendrahmen wird bei modernen Fenstern verstĂ€rkt ausgefĂŒhrt, so dass auch hier auf die aussteifende Wirkung des Blindstocks verzichtet werden kann.
Indem der Rahmen des Fensters in der Tischlerwerkstatt passend zum FlĂŒgel angefertigt wird, können filigranere und ausgereiftere BeschlĂ€ge als die zuvor ĂŒblichen Angeln montiert werden. Neben dem dichtschlieĂenden Drehfenster werden das Kippfenster und Varianten wie das FlĂŒgelfenster und Schubfenster entwickelt.
Neben dem einflĂŒgeligen Fenster werden auch mehrflĂŒgelige Fenster mit oder ohne Zwischenpfosten gefertigt. Beim zweiflĂŒgeligen Fenster ohne Zwischenpfosten schlĂ€gt der HauptflĂŒgel, der StulpflĂŒgel, direkt im StandflĂŒgel an. Bei dreiflĂŒgeligen Konstruktionen kann der mittlere FlĂŒgel feststehend, als StulpflĂŒgel oder als einzelner FlĂŒgel ausgebildet sein.
Die einzelnen GlasstĂŒcke (Scheiben) sind beim Sprossenfenster kleiner als die FlĂ€che des FensterflĂŒgels. Zwischen den einzelnen Scheiben befinden sich zur Verbindung schmale StĂ€be aus Holz oder Metall, die Sprossen. Da es im 19. Jahrhundert noch schwierig war, groĂflĂ€chige Glasscheiben zu fertigen, wurden Verglasungen meist durch Sprossen unterteilt. Waagerechte Sprossen werden auch als Riegel bezeichnet, die senkrechten als Setzholz bzw. bei gröĂeren Querschnitten auch als Pfosten.
Die Gliederung der FensterflÀchen entwickelte sich zu einem Gestaltungselement, das besonders im Jugendstil zum Teil sehr aufwÀndig wurde.
Das Bleiglasfenster ist aus vielen einzelnen GlasstĂŒcken zusammengesetzt. Diese werden von H-förmigen Bleiprofilen zusammengehalten, die miteinander verlötet sind. Bleiprofil kann leicht gebogen werden, sodass nahezu beliebige GlasflĂ€chen möglich sind.
Auch die einzelnen StĂŒcke der Glas-Mosaiken werden mit dieser Technik verbunden.
Butzenscheiben sind kleine, rund gedrehte Glasscheiben, die mit Bleistegen und kleinen FĂŒllstĂŒcken zusammengesetzt werden, eine spezielle Form der Bleiverglasung.
Das Einfachfenster ist die Ă€lteste AusfĂŒhrung. Die FlĂŒgel sind auĂen oder innen angebracht, manchmal mit einem Fensterladen oder einem Jalousieladen mit der ausspreizbaren Sprossung kombiniert.[20]
Das Einfachfenster war bis 1820 die Regel und das Doppelfenster nur in AusnahmefÀllen anzutreffen.
Seit den 1950er-Jahren wurden doppeltverglaste, dann thermoverglaste Einfachfenstertypen entwickelt, sodass das Einfachfenster zurzeit in Europa wieder der am hÀufigsten verbaute Fenstertyp ist.
Einfachfenster mit Einscheibenverglasung sind bei beheizten Neubauten in Deutschland nicht mehr zugelassen.[21]
Einfachfenster mit Mehrscheiben-Isolierverglasung (Isolierglasfenster): verbreitetes Standardfenster
Die dritte wichtige Komponente zum modernen Fenster ist die Idee, an einer Zarge mehrere Fenster hintereinander anzuschlagen oder mehrere Glasscheiben in einen FensterflĂŒgel zu montieren, um mit dem entstehenden Zwischenraum zusĂ€tzliche WĂ€rmedĂ€mmung zu erreichen.
Ein Doppelfenster kann höhere Anforderungen an WĂ€rmedĂ€mmung, Winddichtheit und Schallschutz erfĂŒllen.
Winterfenster an einem Barockfenster in Bamberg, Michaelsberg (2017)
Das Vorfenster oder Winterfenster ist als zusĂ€tzliche zweite Fensterkonstruktion die frĂŒheste Form des Doppelfensters. Es wird bei Bedarf in der kalten Jahreszeit von auĂen vor das eigentliche Fenster eingesetzt. Das Vor- oder Winterfenster schafft Ă€hnlich wie ein dichtschlieĂender Fensterladen einen wĂ€rmedĂ€mmenden Luftraum. Der Zusatzrahmen kann mit wenigen Schrauben oder Haken befestigt werden.[22] Dabei wurde das Vorfenster frĂŒher in den Ladenfalz eingesetzt, so dass eine gleichzeitige Nutzung von Vorfenstern und FensterlĂ€den nicht möglich war.[22]
Historische Winterfenster gibt es heute nur noch selten. Sie wurden frĂŒher teilweise auch aus Ă€sthetischen GrĂŒnden kritisiert: âDurch diese Vorfenster, deren praktischen Nutzen wohl niemand bezweifelt, wird das ĂuĂere des Hauses in keiner Weise verschönert.â[23] Grund fĂŒr diese Aussage war wohl auch die einfach gewĂ€hlte Konstruktion und die reduzierte kunsthandwerkliche Bearbeitung dieser rein dem Nutzen dienenden Zusatzkonstruktion.
Vorfenster sind seit der Zeit um 1600 archivarisch ĂŒberliefert.[22][24] Der Ă€lteste erhaltene Baubefund von Doppelfenstern aus dem Jahre 1695 ist noch heute am Oberen Schloss in Ăpfingen bei Ulm zu finden, wo das einfache Fenster durch ein vorgesetztes Winterfenster zum Doppelfenster erweitert wurde.[25] Die Fensteröffnung wird mit zwei hintereinander angeordneten Einscheibenfenstern geschlossen.
In der gegenwÀrtigen Baudenkmalpflege wird zur energetischen Funktionswertverbesserung historischer Fenster als Variante des zusÀtzlichen Vorfensters der Einbau einer zusÀtzlichen Fensterebene auf der Innenseite empfohlen.[26]
Neue auf der AuĂenseite liegende Vorfenster finden dagegen nur dann Verwendung, wenn wertvolle bauzeitliche Fenster vor der Witterung geschĂŒtzt werden sollen. Hierbei muss der Denkmalwert der Fenster â beispielsweise bei Glasmalereien â als sehr hoch eingeschĂ€tzt werden, da diese die Fassade deutlich prĂ€gen.
Die beiden separaten, starren Rahmen des Doppelfensters sind hier konstruktiv zusammengefasst. Es ergibt sich ein geschlossener, kastenförmiger Hohlraum zwischen den beiden GlasflÀchen und dem Rahmen.[27]
Hamburger bzw. Grazer Fenster (auch Grazer Stockfenster): ĂuĂere FlĂŒgel schlagen nach auĂen, innere FlĂŒgel schlagen nach innen auf.[28]
Altberliner bzw. Wiener Kastenfenster (auch Wiener Stockfenster): Beide FlĂŒgel schlagen nach innen auf.
Bei der letzteren Konstruktion muss das Ă€uĂere Fenster kleiner sein als das innere, sodass es komplett durch dessen lichte Weite passt. Vorteil des Altberliner bzw. Wiener Fensters ist, dass das geöffnete Fenster nie im Wetter steht, und dass die einzelnen Fenster weniger als ihre lichte Breite voneinander entfernt sein können â wĂ€hrend bei nach auĂen zu öffnenden FensterflĂŒgeln diese im Offenstand jeweils an der AuĂenwand neben die des Nachbarfensters schlagen mĂŒssen: sonst mĂŒsste man beim SchlieĂen eine entsprechende Reihenfolge einhalten. Vorteil des Hamburger oder Grazer Fensters ist, dass die innere Laibung frei bleibt, wodurch die Fensternische gut benutzbar ist. Oftmals gibt es die Möglichkeit, die Ă€uĂeren FlĂŒgel im Sommerbetrieb durch FensterlĂ€den (in Ăsterreich auch âBalkenâ genannt) zu ersetzen.
In der Denkmalpflege wird der Umbau historischer Einfachfenster zu Kastenfenstern empfohlen. Hierdurch können die alten Fenster erhalten bleiben, wĂ€hrend gleichzeitig die WĂ€rmedĂ€mmung erheblich verbessert wird. Das innere Fenster muss dabei nicht unbedingt mit einer dem historischen ĂuĂeren entsprechenden Teilung versehen sein, was die Kosten fĂŒr den Umbau reduziert.
Das Zargen-Doppelfenster unterscheidet sich vom Kastenfenster dadurch, dass die FensterflĂŒgel der Ă€uĂeren und der inneren Fensterebene an einem einzigen Zargenrahmen so angeschlagen sind, dass die Ă€uĂeren FlĂŒgel nach auĂen und die inneren nach innen aufschlagen.[29]
Das Verbundfenster ist eine Weiterentwicklung des Doppelfensters und stellt den Ăbergang zum modernen Einfachfenster mit Isolierverglasung dar. Beide FlĂŒgel werden miteinander verbunden und haben einen gemeinsamen Drehpunkt im Fensterrahmen. Dieser Fenstertyp weist ausreichend gute Werte beim WĂ€rmeschutz auf, da die Luftschicht zwischen den Fensterebenen einen WĂ€rmedurchgang (WĂ€rmetransmission) von innen nach auĂen verringert (gute Fensterdichtung vorausgesetzt). Zum Ăffnen des Fensters wird nur noch ein verbundener FlĂŒgel geöffnet, zum Putzen kann der VerbundflĂŒgel aber geöffnet werden. Verbundfenster wurden bereits in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts entwickelt,[30] konnten sich aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg durchsetzen. Seit der Marktreife von deutschen Isolierglasscheiben im Jahr 1959 wurden Verbundfenster immer mehr von Isolierglasfenstern verdrĂ€ngt.[31] Verbundfenster sind nicht zu verwechseln mit Verbundglas.
Eine Sonderform des Fensters ist das als Wandnische ausgebildete Blindfenster (auch Blendfenster, Scheinfenster), das keinerlei Licht- und Luftöffnung bietet. Sofern sie nicht Ergebnis spĂ€terer Umbauten sind, wurden Blindfenster oft zur Ă€sthetisch gewĂŒnschten regelmĂ€Ăigen Fassadengestaltung angebracht, weil Innenaufteilung oder Nutzung des GebĂ€udes an dieser Stelle keine echten Fensteröffnungen zulieĂen. Blindfenster wurden zudem aus statischen GrĂŒnden gebaut, um einen besseren Lastverteilungswinkel um bestehende Fensteröffnungen herum zu ermöglichen. Das Vorhandensein einer Fenstersteuer fĂŒr jedes echte Fenster könnte ein weiterer Grund gewesen sein.
In seltenen FÀllen kamen Blind- oder Scheinfenster auch in InnenrÀumen zum Einsatz, wenn die WÀnde im Innern reprÀsentative Schaubilder darstellen.[32]
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde mit malerischen Mitteln versucht, in den Blindfenster-Wandnischen echte Fenster in Form und Erscheinungsbild akkurat nachzubilden. Genau dies hatte der Architekturtheoretiker Johann Friedrich Penther 1744 kritisiert, weil aufgemalte Fenster weggewittert wĂŒrden, so dass er âin das Feld wĂŒrcklich ein rechtes Fensterâ eingesetzt sehen wollte und, dass âdie Wand dahinter schwartz angestrichen wirdâ.[33]
FensterflĂŒgel werden nach den Bewegungsmöglichkeiten beim Ăffnen unterschieden:
WendeflĂŒgelfenster mit Festverglasungen und unten Kippfenster (Humboldt-Gymnasium Trier, 2018)DrehflĂŒgel: FlĂŒgel mit vertikaler Drehachse. Zur erleichterten Reinigung meist nach innen öffnend, in windigen Gegenden aufgrund der gröĂeren Dichtigkeit bei traditioneller Bauweise auch nach auĂen öffnend.
WendeflĂŒgel: Bei DrehflĂŒgeln mit mittig angeordneter Drehachse schlĂ€gt ein Teil des FlĂŒgels nach auĂen und ein anderer nach innen. Durch einen zusĂ€tzlichen Hebelarm und verschieblich gelagerter Drehachse oder einen Scherentrieb[34] ist es alternativ auch möglich, den FlĂŒgel vollstĂ€ndig auf der AuĂenseite zu wenden, ohne dass ein Teil des FlĂŒgels nach innen schlĂ€gt (oder umgekehrt). WendeflĂŒgel erleichtern die Reinigung der AuĂenflĂ€che. Bei mittig angeordneter Drehachse verringern sich Schwenkbereich und Platzbedarf. Die Luftdichtigkeit ist schwieriger herzustellen. Die Konstruktion von sehr groĂen FensterflĂŒgeln wird erleichtert. GegenĂŒber nach innen öffnenden DrehflĂŒgeln ist der Platzbedarf geringer.
KippflĂŒgel: FlĂŒgel mit horizontaler Drehachse unten, zur erleichterten Reinigung und dem Ablaufen des Regenwassers meist nach innen kippend. HĂ€ufige Funktion an Oberlicht-Fenstern, die sich dann zur Reinigung auf dem unteren DrehflĂŒgel ablegen oder vollstĂ€ndig umschlagen lassen.
DrehkippflĂŒgel: Durch einen Hebelgriff oder mehrere Riegel kann zwischen Kipp- und Drehfunktion gewĂ€hlt werden.
KlappflĂŒgel: mit horizontaler, obenliegender Drehachse, oft nach auĂen aufschlagend, um den Eintritt von Regenwasser zu verhindern. Nach auĂen klappende Oberlichter wurden in windigen Gegenden oft als Alternative zum weniger dicht schlieĂenden nach innen kippenden FlĂŒgel gewĂ€hlt.
SchwingflĂŒgelfenster (EmpfangsgebĂ€ude Schweinfurt Hauptbahnhof, 2015)SchwingflĂŒgel: Der SchwingflĂŒgel ist ein KlappflĂŒgel, dessen horizontale Drehachse mittig liegt, so dass ein Teil des FlĂŒgels nach auĂen und ein anderer nach innen öffnet. Dies erleichtert die Reinigung. Auch sehr groĂe Fenster lassen sich als Schwingfenster leicht öffnen und schrĂ€nken in geöffneter Stellung die nutzbare GrundflĂ€che kaum ein.
SenkklappflĂŒgel: durch einen zusĂ€tzlichen Hebelarm und verschieblich gelagerter Drehachse oder einen Scherentrieb[34] bewegt sich die Oberkante des FlĂŒgels wĂ€hrend des Hochklappens nach unten. Zur erleichterten Reinigung der Ă€uĂeren GlasflĂ€che lassen sich viele DachflĂ€chenfenster und andere nach auĂen öffnende Fenster so oft vollstĂ€ndig nach innen umschlagen.
SchiebeflĂŒgel
horizontal schiebend: oft als Parallel-Schiebe-Fenster, Parallel-Schiebe-Kipp-TĂŒr, Hebe-Schiebe-TĂŒr, Hebe-Schiebe-Kipp-TĂŒr, Parallel-Ausstell-Schiebe-Fenster bzw. -TĂŒr bezeichnet; AllgĂ€uer Fenster sind Sprossenfenster mit kleinem LĂŒftungsflĂŒgel, der seitlich verschoben werden kann.
vertikal schiebend: Oft wird durch Federn oder an SeilzĂŒgen angebrachte Gegengewichte die Ăffnung bzw. SchlieĂung des FlĂŒgels erleichtert
FaltflĂŒgel: wie FalttĂŒren in der Regel an vertikalen Drehachsen befestigt und zusĂ€tzlich paarweise gelenkig verbunden.
Lamellenfenster: Schmale Glasstreifen drehen um eine Drehachse an ihren Schmalseiten (Ă€hnlich einer Jalousie). Wenn die Lamellen einen eigenen Rahmen besitzen, kann auch Isolierglas verwendet werden.
Nach innen öffnende Drehkippfenster sind heute der in Deutschland verbreitete Standard. Sie sind einfach zu bedienen und zu reinigen, erfordern jedoch bei verdeckt liegenden BeschlĂ€gen eine aufwĂ€ndige Mechanik und vergröĂerte ProfilstĂ€rken. In Norddeutschland und den skandinavischen LĂ€ndern werden vielfach noch nach auĂen öffnende Fenster verwendet, die den Vorteil haben, bei stĂ€rkerem Winddruck an den Rahmen angepresst zu werden, wodurch sich Zugluft und LĂŒftungswĂ€rmeverluste verringern.
Vertikalschiebefenster sind beispielsweise in GroĂbritannien und den USA verbreitet.
Beide FensterflĂŒgel lassen sich vertikal verschieben und werden ĂŒber Gegengewichte in beliebiger Stellung gehalten (1904)
Die Bedienung von Fenstern geschah ursprĂŒnglich ĂŒber Vorreiber und Griffoliven. SpĂ€ter verbreiten sich auĂenliegende GestĂ€nge (Espagnolette und Treibstangenverschluss), die es ermöglichten, den FensterflĂŒgel mit einer Handbewegung an drei Stellen zu arretieren. Inzwischen werden die GestĂ€nge verdeckt in Beschlagsnuten eingelassen und ĂŒber Eckumlenkungen kann eine Verriegelung an mehreren Seiten des FensterflĂŒgels zugleich stattfinden.
Die Ăffnung von hochliegenden Oberlichtern geschieht ĂŒber Handhebel mit GestĂ€nge oder ĂŒber elektromechanische Aktoren und Fernbedienung.
Die RAL-GĂŒtegemeinschaft Fenster und HaustĂŒren veröffentlicht Richtlinien zum Einbau von Fenstern, welche die allgemein anerkannten Regeln der Technik (aRdT) wiedergeben möchten und vielfach kurz als RAL-Montage bezeichnet werden. Gemeinsam geben RAL und das Ift Rosenheim einen umfangreichen Leitfaden zur Planung und AusfĂŒhrung der Montage von Fenstern und HaustĂŒren heraus.[35] Zudem werden im Teil C der VOB die Allgemeinen technischen Vertragsbedingungen (ATV) zusammengefasst, welche primĂ€r von öffentlichen Auftraggebern bei der Auftragsvergabe zugrunde gelegt werden. Konkret befasst sich die VOB ATV DIN 18355 / 2005-01 â âTischlerarbeitenâ u. a. mit dem Einbau von Fenstern.[36]
In Altbauten wurde frĂŒher die in InnenrĂ€umen entstehende Luftfeuchtigkeit ĂŒber eine Vielzahl von Undichtigkeiten unkontrolliert nach auĂen abgefĂŒhrt. In modernen luftdichten GebĂ€uden geschieht dies durch die kontrollierte WohnraumlĂŒftung. Wenn bei ungenĂŒgender Funktion oder im Falle eines Defekts Raumluft durch undichte Anschlussfugen nach auĂen strömt, können sich dabei in der kalten Jahreszeit gröĂere Mengen Kondensat in der Fensterlaibung bilden. Je luftdichter die GebĂ€udehĂŒlle insgesamt ausgefĂŒhrt wird, desto wichtiger wird es, auch die Anschlussfugen luft- und dampfdicht auszubilden.[37] Werden neue hochdĂ€mmende Fenster in AltbauwĂ€nde mit schlechtem oder mĂ€Ăigem DĂ€mmwert eingebaut, so kondensiert die Luftfeuchte aus der Raumluft im Winter nicht mehr an Fensterglas oder Fensterrahmen, sondern in der Regel an der Fensterlaibung oder an anderen KĂ€ltebrĂŒcken der AuĂenwand. Zur Vermeidung von Feuchte- und SchimmelschĂ€den empfiehlt es sich, die Laibung zu dĂ€mmen. Da meist wenig Platz zur VerfĂŒgung steht, sollte das verwendete Material einen auĂergewöhnlich guten DĂ€mmwert aufweisen. Wenn die AuĂenwandkonstruktion nicht durchgĂ€ngig kapillar und diffusionsoffen ausgebildet ist, sollte zusĂ€tzlich ein innenseitig erhöhter Dampfdiffusionswiderstand erreicht werden.[38]
Der Anschluss des Blendrahmens an die umgebende Wandöffnung soll folgende Anforderungen erfĂŒllen:
Zusammen mit den wĂ€rmedĂ€mmenden Baumaterialien, die gegebenenfalls den Fugenbereich ĂŒberdecken, sollte das Material, mit dem die Fuge ausgefĂŒllt wird, mindestens den WĂ€rmedurchgangskoeffizient des Fensterrahmens erreichen, damit sich an der Innenseite der Fuge kein Kondensat bildet.
Der Anschluss des Fensterrahmens an die umgebende Wand sollte luftdicht erfolgen, damit bei Druckunterschieden zwischen innen und auĂen keine kalte Luft ins GebĂ€ude dringt und auch keine feucht-warme Luft von innen in den Fugenbereich tritt und dort Kondensat hervorruft.
Der innere Abschluss der Fuge soll dampfdicht ausgefĂŒhrt werden, damit keine Feuchtigkeit aus der Raumluft in den Fugenbereich diffundiert und dort kondensiert. Der Ă€uĂere Abschluss ist weniger dampfdicht auszufĂŒhren als der innere, damit dennoch entstehendes Kondensat nach auĂen abtrocknen kann.[38]
Der Fugenbereich wurde traditionell mit Stopfwolle oder vorbereiteten BĂ€ndern aus Hanf- oder Sisalfaser aufgefĂŒllt, teilweise imprĂ€gniert in Form eines Teerstricks. Heute wird hĂ€ufig mit Mineralfaser ausgestopft (wie von der DIN 18355 gefordert) und der Ă€uĂere Abschluss wird mit Kompriband hergestellt, welches sich nach dem Abrollen ausdehnt und an Unebenheiten anpasst. Diese Materialien wirkend wĂ€rmedĂ€mmend, sind jedoch nicht dampfdicht und nur bei stĂ€rkerer Pressung luftdicht. Kompriband eignet sich auch fĂŒr den Ă€uĂeren Abschluss der Fuge, wenn es vom Hersteller dafĂŒr vorgesehen ist. Wenn wie im Holzbau mit kleinen Bewegungen der Bauteile relativ zueinander gerechnet werden muss, kann die Dampf- und Luftdichtigkeit auf der Innenseite durch ein flexibles Dichtband erfolgen, welches einerseits auf dem Fensterrahmen und andererseits auf der anschlieĂenden Fensterlaibung verklebt wird. Wenn die LaibungsflĂ€che uneben ist, sollte sie zunĂ€chst glatt verputzt werden. Alternativ sind Verwahrschienen erhĂ€ltlich, die angeschraubt oder -geklebt werden und wiederum die Folie aufnehmen.[39] Die innere Dampfdichtigkeit kann bei schmalen Fugen durch elastische Dichtstoffe oder bituminösenFugenabdichtungen hergestellt werden. Da die ElastizitĂ€t begrenzt und sich die Fugendichtstoffe im Laufe der Zeit insbesondere von hölzernen Fensterrahmen hĂ€ufig ablösen, sollte noch eine zusĂ€tzliche Abdichtung von der Innenseite vorgenommen werden. Durch einfaches Anputzen lĂ€sst sich dies einigermaĂen luft- und mĂ€Ăig dampfdicht ausfĂŒhren. Es sind spezielle Anputzprofile erhĂ€ltlich, die am Fensterrahmen verklebt und anschlieĂend eingeputzt werden oder als Anschlag fĂŒr Trockenbauplatten oder Holzleisten dienen und eine gewisse Bewegung des Rahmenholzes zulassen, ohne dass sich ein Luftspalt öffnet. Breitere Fugen werden oft durch Leisten aus Holz oder anderem Material abgedeckt.
Montageschaum wird gelegentlich zur Befestigung und gleichzeitigen Abdichtung der Anschlussfuge eingesetzt. Da gewöhnlicher Bauschaum oft nicht dauerhaft formstÀndig ist, sollte spezieller Zargenschaum verwendet werden, der eine bessere LuftschalldÀmmung und Haltbarkeit gewÀhrleistet und hÀufig aus zwei Komponenten besteht. Da auch Zargenschaum nicht dampfdicht und nicht völlig luftdicht ist, sollte noch eine zusÀtzliche innere Abdichtung gegen die Dampfdiffusion vorgenommen werden.[36] In der Regel ist immer eine zusÀtzliche Fixierung des Rahmens mit metallischen Befestigungsmitteln oder durch Einputzen erforderlich.
Die Befestigung des Fensterrahmens erfolgt zumeist ĂŒber SpreizdĂŒbel, Mauerpratzen oder mit Metalllaschen aus gekröpftem Flachstahl, sogenannten Fensterankern. Auch werden spezielle Fensterbauschrauben verwendet, deren besonders kleiner Kopf sich in das Blendrahmenprofil hineinzieht. Dabei wird mit einem etwas kleineren Bohrer vorgebohrt. Das durchgehende Gewinde der Schraube schneidet zunĂ€chst in den Rahmen und dann in den Stein. Dies hat den Vorteil, dass kein Zug auf den Rahmen ausgeĂŒbt wird. Vor dem endgĂŒltigen Befestigen wird die genaue Position des Fensters durch paarweise gegenlĂ€ufig in die Fuge geschobene Keile sowie durch UnterlagplĂ€ttchen (auch Verglasungsklötze genannt) unterschiedlicher Dicke festgelegt. Um eine Verschiebung und Verwindung des Fensterrahmens zu vermeiden, sollte unmittelbar bei jeder Schraubverbindungen zur AuĂenwand eine Verkeilung erfolgen.
Querschnitt durch Fensterkonstruktionen fĂŒr PassivhĂ€user. Ein Kunststofffenster mit ausgeschĂ€umten Profilen (gelb), Stahlrohreinlagen zur Stabilisierung und drei umlaufenden Dichtprofilen (alle schwarz). Ein Holzfenster mit vorgeblendeten, austauschbaren Holzprofilen auf der AuĂenseite, vierfach abgestuftem Falz und zwei umlaufenden Dichtprofilen. Gestrichelt eingezeichnet ist die Trennlinie zwischen FlĂŒgel und Blendrahmen.Horizontalschnitt durch einen Stulp mit Draufsicht auf den Espagnolettenverschluss (1904)
Holz ist der Ă€lteste Werkstoff fĂŒr Fenster. Die gute WĂ€rmedĂ€mmung und leichte Bearbeitbarkeit sind die wichtigsten Vorteile. Viele noch erhaltene historische Fenster zeigen, dass Holzfenster bei guter Pflege oder geringem Witterungseinfluss ein Alter von deutlich ĂŒber 100 Jahren erreichen können. In exponierter Lage sowie an der Wetterseite des GebĂ€udes altern Holzfenster wesentlich schneller. Hier bietet sich etwa die Verwendung von Holz-Aluminiumfenster an. In der Regel wird den tragenden Fensterprofilen aus Holz eine witterungsbestĂ€ndigen Schale aus Aluminium vorgeblendet, so dass innen der wohnliche Charakter des Holzes erhalten bleibt.
Aluminiumfenster werden aufgrund ihrer StrapazierfĂ€higkeit und der guten statischen Eigenschaften von Strangpressprofilen vor allem in öffentlichen GebĂ€uden und BĂŒros verbaut. FĂŒr Glasfassaden sind ebenfalls Aluminiumprofile ĂŒblich. Bei Fenstern mit Isolierverglasung werden Innen- und AuĂenschale durch eingewalzte Kunststoffstege voneinander getrennt (âthermische Trennungâ).
Eloxiertes Aluminium ist witterungsbestÀndig, langlebig, robust und wartungsarm. Aluminium kann sehr leicht bearbeitet und in Form gebracht werden, ist jedoch energieaufwÀndig in der Herstellung.
Kunststofffenster enthalten im Innern des Rahmens und des FlĂŒgels meist VerstĂ€rkungen aus Aluminium, Stahl oder glasfaserverstĂ€rktem Kunststoff (GFK). Nachteilig kann die relativ groĂe RahmenstĂ€rke im VerhĂ€ltnis zur GlasflĂ€che sein.
Stahlfenster aus einfachen Winkelprofilen werden gelegentlich noch fĂŒr einfache Fenster ohne AnsprĂŒche an WĂ€rme- und GerĂ€uschdĂ€mmung verwendet. In AusfĂŒhrungen mit thermischer Trennung zwischen innerem und Ă€uĂerem Teil-Profil werden sie aufgrund ihrer hohen Festigkeit auch in öffentlichen Bereichen mit erhöhten Beanspruchungen eingesetzt oder wenn besonders schlanke Rahmen und Sprossen gefordert sind.
Verglasungen ab einer gewissen Absturzhöhe mĂŒssen, wenn eine entsprechende Absturzsicherung fehlt, so ausgefĂŒhrt werden, wie es die Technischen Regeln fĂŒr die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen (TRAV) vorsehen. Der Höhenunterschied wird als TRAV-Höhe bezeichnet und ist in von Bundesland zu Bundesland verschieden. Sie ist in der jeweiligen Landesbauordnung (LBO) nachzulesen. Die Verglasung ist in der Regel so aufgebaut, dass innen ein Einscheibensicherheitsglas und auĂen ein Verbundsicherheitsglas verwendet wird. In GebĂ€uden, aus denen Personen nicht ausbrechen dĂŒrfen (GefĂ€ngnisse, geschlossene Krankenhausabteilungen und dgl.), ist es erforderlich, die Fenster durch geeignete MaĂnahmen ausbruchsicher zu konstruieren. Auch hier finden einerseits die VSG-GlĂ€ser Anwendung und andererseits BeschlĂ€ge mit erhöhter Festigkeit, abschlieĂbare oder demontierbare Griffe sowie BĂ€nder mit Schutz gegen das AushĂ€ngen.
Die Herstellung des thermisch vorgespannten Einscheibensicherheitsglases (ESG) umfasst eine spezielle WĂ€rmebehandlung. Dabei wird eine Glasscheibe gleichmĂ€Ăig innerhalb von wenigen Sekunden auf >600 °C erhitzt und ebenfalls schnell abgekĂŒhlt.[40] Die charakteristische Spannungsverteilung durch die Erhitzung bewirkt einen Bruch in kleine, stumpfkantige GlasstĂŒcke. Neben der Sicherheit bietet ESG im Vergleich zu ĂŒblichen Glasscheiben eine erhöhte Biege-, StoĂ und Schlagfestigkeit. ESG findet vielerlei Anwendungen beispielsweise in SchwimmbĂ€dern und Turnhallen, oder als transparentes Element in Brandschutzverkleidungen, Duschen und BalkontĂŒren.
Das Verbundsicherheitsglas (VSG) bietet im Gegenzug zum ESG einen erhöhten Schutz. Die Herstellung von VSG beinhaltet die Erzeugung eines glasklaren Verbunds aus Glasplatten und Folien aus Kunststoff.[41] Dieses bewirkt eine Reduktion der Splitterbildung der Scheibe im Falle der Zerstörung.
Vor EinfĂŒhrung moderner Lochfassaden waren Ăffnungen nicht nur von TĂŒren, sondern auch von Fenstern in der Regel mit einer Umrahmung versehen; sie dienen dem Verschluss der Fugen zwischen Fenster und Wand sowie zur gestalterischen Verzierung der Fassade.[42] Vgl. auch: Fasche, Ohrung
Bildergalerie: Fensterumrahmungen
Profilierte Steinrahmung eines Barockfensters
Profilierte Fensterumrahmung an einer barocken Fachwerkfassade
Musterhafte Fensterumrahmungen aus Holzbrettern in einem Zimmermanns-Fachbuch von 1893[43]
â zu bauphysikalischen Eigenschaften historischer Fenster siehe auch:Fensterinstandsetzung
Bei der Auslegung von FensterflÀche und bauphysikalischen Eigenschaften sind verschiedene Parameter zu beachten:
die FensterflÀche sollte mindestens 1/10 bis 1/8 der RaumflÀche betragen; bei Verschattung gegebenenfalls mehr; DachflÀchenfenster bewirken einen stÀrkeren Lichteinfall
Fenster an der Nordseite verursachen höhere Energieverluste durch Abstrahlung
besonnte Fenster an der SĂŒdseite erbringen gröĂere Energiegewinne
groĂe GlasflĂ€chen an Ost- und insbesondere an SĂŒd- und Westseiten bedĂŒrfen im Sommer einer Verschattung oder einer leistungsstarken LĂŒftung zur Abfuhr ĂŒberschĂŒssiger WĂ€rme; wenn ArbeitsplĂ€tze zum Fenster hin ausgerichtet sind, sollte eine Verschattung vorgesehen werden, um Blendung durch Sonneneinfall zu vermeiden
die BrĂŒstungshöhe sollte niedrig genug sein, um sitzend die Umgebung einsehen zu können, ĂŒblich sind 60 bis 80 cm
der Sturz sollte hoch genug liegen, um stehend den Himmel ĂŒber dem Horizont sehen zu können, ĂŒblich sind 1,9 bis 2,6 m; um eine gleichmĂ€Ăige Ausleuchtung zu erreichen, sollten die Fenster umso höher ausfallen, je gröĂer die Raumtiefe ist
Fensterlaibungen sollten eine besonders leistungsfĂ€hige DĂ€mmung in einer StĂ€rke von 40 bis 80 mm erhalten, um WĂ€rmebrĂŒcken zu vermeiden. HĂ€ufig werden Hartschaum-, bei InnendĂ€mmung auch Holzfaser-DĂ€mmplatten gewĂ€hlt. Besonders robust sind Glasschaum-Platten.[44]
Bauphysikalische Anforderungen:
BestĂ€ndigkeit gegen Witterung von auĂen und gegen Wasserdampf und Kondensat von innen
mechanische Festigkeit gegenĂŒber Windlast und Einbruch von auĂen sowie Einwirkung durch die Nutzer des GebĂ€udes von innen
WĂ€rmeschutz, gegebenenfalls Sonnen- und Blendschutz
Die Undichtigkeit historischer Holzfenster verbunden mit dem leichten aber dauerhaften Sog der frĂŒher ĂŒblichen Feuerstellen garantierte in der kalten Jahreszeit einen gewissen Mindestluftwechsel, durch den die heute hĂ€ufig auftretenden Schimmelprobleme nicht auftraten.
Durch die inzwischen ĂŒblichen Gummilippendichtungen muss heute das Fenster geöffnet werden, um eine ausreichende LĂŒftung zu erreichen. Alternativ kann eine mechanische LĂŒftungsanlage installiert werden.
Andernfalls kann Feuchtigkeit aus der Raumluft an kalten Bauteilen kondensieren. Bei einfach verglasten Fenstern ist die Glasscheibe die kĂ€lteste OberflĂ€che und die Luftfeuchtigkeit schlĂ€gt sich an der Scheibe sichtbar nieder. Wird ein modernes wĂ€rmegedĂ€mmtes Fenster in eine ungedĂ€mmte AuĂenwand eingebaut, kondensiert die Luftfeuchte an WĂ€rmebrĂŒcken rund um den Fensterrahmen oder in Raumecken, die dadurch auffeuchten und zu Schimmel neigen.
Fenster als schwĂ€chstes Glied reduzieren das SchalldĂ€mmmaĂ schwerer AuĂenwĂ€nde erheblich. Die AbschwĂ€chung des SchalldĂ€mmwertes der Wand wird in der Bauphysik in einer Formel mit dekadischem Logarithmus berechnet. Der GerĂ€uschpegel des StraĂenverkehrs kann tabellarisch erfasst[45] werden, um daraus das notwendige SchalldĂ€mmmaĂ des Fensters zu ermitteln.
Durch Verbundglasscheiben mit speziellen schallschluckenden Folien wird die innere DĂ€mpfung der Scheibe erhöht, damit das SchalldĂ€mmmaĂ erhöht. Vor einigen Jahren wurde der Scheibenzwischenraum mit einem Gas, welches schwerer als Luft ist, gefĂŒllt beispielsweise SF6. SF6 ist aber wegen seiner ozonschĂ€digenden Eigenschaften aufgrund des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz in den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern mittlerweile verboten. Stattdessen werden nun Argon oder Krypton verwendet.
Weitere Verbesserungen im Schallschutz können erreicht werden durch:
die Erhöhung der Masse von Fensterscheibe und -rahmen
die Kombination von einer stĂ€rkeren mit einer dĂŒnneren Glasscheibe
VergröĂerung des Abstands zwischen den Scheiben
mehrfache Dichtungsebenen zwischen FlĂŒgel und Rahmen aus Gummiprofilen
Neben der Art der Verglasung sind die AusfĂŒhrung von FlĂŒgel und Rahmen fĂŒr die Energiebilanz des Fensters entscheidend. Die WĂ€rmedĂ€mmung heutiger Fensterkonstruktionen hĂ€ngt allerdings nicht mehr so stark vom Material von FlĂŒgel und Rahmen ab, wie zuvor, da auch die Innen- und AuĂenseiten von Stahl- und Aluminiumprofile durch Einlagen aus Kunststoff thermisch entkoppelt werden. Insgesamt können die Fenster jedoch immer noch eine Schwachstelle in der thermischen HĂŒlle des GebĂ€udes darstellen, auch wenn sich das MissverhĂ€ltnis des WĂ€rmeverlustkoeffizienten der Fenster zur AuĂenwand stark angeglichen hat. Dabei wirken sich die solaren WĂ€rmegewinne von Fenstern wĂ€hrend der Heizperiode und die Einsparungen von elektrischem Licht durch natĂŒrliche Belichtung positiv in der Bilanz aus. Die Herstellung von Glas, Aluminium, Stahl und Kunststoffen ist sehr energieaufwendig, die Verwendung von Tropenhölzern problematisch. Die Energiebilanz des Bauteils Fenster sollte auch nicht gĂ€nzlich ohne die Einbeziehung des Heizsystems beurteilt werden.[46]
Die Verwendung von beschichtetem Mehrscheiben-Isolierglas (MIG) ist heute Standard. Nur so können die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfĂŒllt werden.[47] Eine zusĂ€tzliche Verbesserung ist möglich durch:
Isolierglasfenster mit Dreifach-Verglasung, das wegen der Dicke und des Gewichts höhere Anforderungen an die Fensterkonstruktion stellt.
Isolierglasfenster mit vorgeblendeter dritter Scheibe: Diese Konstruktion ist mit einem Verbundfenster vergleichbar, bei dem eine Scheibe durch Isolierglas ersetzt ist. Im Zwischenraum können Jalousien geschĂŒtzt untergebracht werden.
Isolierglas-Kastenfenster: Aufbau wie bei einem klassischen Kastenfenster, nur dass die beiden Teilfenster keine einfache Scheibe, sondern eine Isolierglasscheibe enthalten.
Isolierglas hat eine begrenzte Lebensdauer. Die DIN 18545-1 (Abdichten von Verglasungen mit Dichtstoffen; Anforderungen an Glasfalze) erlaubt eine geringe Leckage der Abdichtung des Zwischenraums. Ein Erblinden oder gar das Bilden von Kondensat zwischen den Scheiben ist allerdings eher selten. Eine Lebensdauer von 30 Jahren und mehr ist keine Seltenheit.
Als Notbehelf zur Verbesserung der DĂ€mmeigenschaften von einfach verglasten Fenstern werden spezielle Folien angeboten, die ringsum am FlĂŒgel angeklebt und anschlieĂend durch Befeuchtung gespannt werden, so dass sie kaum noch sichtbar sind.
Die einzelnen Scheiben eines Isolierglasfenster sind mit einem gasdichten Randverbund aus Glasabstandhalter und Dichtmasse miteinander verbunden (Mehrscheiben-Isolierglas). Im Scheibenzwischenraum befindet sich Luft oder Edelgas, (Argon, Krypton oder Xenon). Zusammen mit aufgedampften Schichten zur Reflexion von WĂ€rmestrahlung ist es gelungen, den WĂ€rmedurchgangskoeffizienten von 3,0 W/(mÂČ·K) bei den frĂŒhen IsolierglĂ€sern auf 0,9 bei Zweifach-WĂ€rmeschutzglĂ€sern und 0,5 bei Dreischeibenverglasungen zu reduzieren. Mit einer Zweischeiben-WĂ€rmeschutzverglasung können die Energieverluste heute gegenĂŒber einer Einfachverglasung auf ein FĂŒnftel, mit einer Dreischeiben-WĂ€rmeschutzverglasung auf ein Zehntel gesenkt werden. Der WĂ€rmeverlust bei herkömmlichen Isolierglasscheiben setzt sich zusammen aus 2/3 WĂ€rmestrahlung und 1/3 Konvektion. Durch den Einsatz von WĂ€rmeschutzverglasung, sogenanntem Low-E-Glas (Low-Emissivity-Glas), lassen sich diese WĂ€rmeverluste stark reduzieren. Wird als Gas Argon verwendet, dann wird dieser Verlust nochmals geringer.
Weiter treten entlang der Glasscheibe sogenannte WĂ€rmebrĂŒckenverluste auf (siehe U-Werte). Diese können ebenso durch den Einsatz von geeigneten Glasabstandhaltern, wie z. B. warmen Kanten, minimiert werden (siehe Glasabstandhalter).
Der Rahmen muss aufgrund des höheren Gewichtes und zur Vermeidung von Scherbelastung im Randverbund der WĂ€rmedĂ€mmverglasung stabiler gebaut sein als ein Rahmen fĂŒr eine Einscheibenverglasung. Der Rahmen sollte einen Ă€hnlich geringen WĂ€rmedurchlasswiderstand, wie die eingesetzte Verglasung haben. Bei hochdĂ€mmenden GlĂ€sern hat regelmĂ€Ăig der Rahmen und bei schlecht dĂ€mmenden GlĂ€sern die Verglasung den geringeren WĂ€rmedurchlasswiderstand.
Der gesamte WĂ€rmedurchgangskoeffizient eines Fensters setzt sich aus dem U-Wert des Glases und dem U-Wert des Rahmens zusammen. Dabei werden folgende Bezeichnungen verwendet:
Der U-Wert wird in W/(mÂČ·K) angegeben. Der Gesamt-Uw-Wert eines Fensters wird aus drei verschiedenen Faktoren berechnet: aus dem Uf-Wert, dem Ug-Wert und dem Ăbergangsbereich zwischen Verglasung und Rahmen, dieser Wert wird als WĂ€rmebrĂŒckenverlustkoeffizient Κg (sprich: psi) des Glasrandes bezeichnet. AuĂerdem muss in die Berechnung natĂŒrlich auch die FenstergröĂe mit einbezogen werden.
Dabei gilt: Je niedriger der Uw-Wert, umso besser. Ab einem Uw-Wert von 0,8 W/(mÂČ·K) oder besser darf ein Fenster als Passivhausfenster bezeichnet werden.[48]
In Deutschland flieĂen beim Energieverbrauchs-Nachweis verschiedene technischen KenngröĂen (UW-Wert, gâŽ-Wert, gtot-Wert, Orientierung und Neigung) der transparenten Bauteile wie Fenster und TĂŒren des betrachteten GebĂ€udes ein.[49] So werden die TransmissionswĂ€rmeverlust und die solaren WĂ€rmegewinnen bei der Ermittlung der Energiebilanz nach DIN V 18599 herangezogen. Weiterhin muss eine normgerechte natĂŒrliche Belichtung nachgewiesen werden. Sollte der Nachweis zum sommerliche WĂ€rmeschutz durch die geplanten Fenster nicht erreicht werden, sind auĂenliegende Beschattungselemente vorzusehen.
Vorhangfassade aus GlasHohe Fenster im Eingang zu einem Wohnhaus in Ystad 2021
Hoch wĂ€rmedĂ€mmende Fenster lassen weniger Licht einfallen, da Rahmen- und FlĂŒgelprofile mehr Platz einnehmen und ein gröĂerer Anteil des Lichts aufgrund der gröĂeren Anzahl von Scheiben, der gröĂeren Gesamt-GlasstĂ€rke sowie der aufgedampften reflektiven Schichten nach auĂen zurĂŒckgeworfen wird.
Im Neubau können die Fensteröffnungen entsprechend groĂ vorgesehen werden. Beim Austausch von bestehenden Fenstern sollte gegebenenfalls auf die Breite von Rahmen- und FlĂŒgelprofilen geachtet werden, damit sich die resultierende freie GlasflĂ€che der neuen Fenster nicht bedeutend reduziert. Auch sind WĂ€rmedĂ€mmglĂ€ser erhĂ€ltlich, die einen höheren Licht-Durchlassgrad aufweisen, als die Standard-Verglasung.
Rahmenanteil
Durch die Standardisierung der Fensterprofile sowie gröĂere Anforderungen an Belastbarkeit, Bedienungskomfort, Dichtheit, WĂ€rme-, Schall- und Einbruchschutz sind heutige Fensterprofile vergleichsweise breit und tief. Damit geht immer mehr GlasflĂ€che im VerhĂ€ltnis zum RohbaumaĂ des Fensters verloren. Werden Fenster aus Standardprofilen in besonders kleine Wandöffnungen eingesetzt, wie sie in manchen historischen GebĂ€uden aus gestalterischen GrĂŒnden oder aus Geldknappheit vorgesehen wurden, so verbleibt unter UmstĂ€nden nur noch ein Bruchteil der Maueröffnung fĂŒr die Verglasung.
Erhöhte Reflexion
An der GrenzflÀche zwischen Luft und Glas werden etwa 4 % des einfallenden Lichtes bei senkrechtem Einfall reflektiert, bei schrÀgem Einfall noch deutlich mehr. Eine Glasscheibe reflektiert an ihren zwei GrenzflÀchen somit rund 8 % des einfallenden Lichtes. Eine doppelte Verglasung verliert bereits 15 %, die Dreifachverglasung sogar 22 % des einfallenden Lichtes. Eine Beschichtung der GlasflÀchen kann die Reflexion noch auf etwa 29 % verstÀrken.
Dieser Effekt kann bei Neubauten jedoch durch groĂe Glasscheibenabmessungen und einen gröĂeren GlasflĂ€chenanteil ausgeglichen werden. Die quantitative Beziehung zwischen der Art des Fensters beziehungsweise der Verglasung und dessen FĂ€higkeit zur WĂ€rmedĂ€mmung wird durch den WĂ€rmedurchgangskoeffizienten beschrieben.
Luftdichte Fenster
EnEV und das neue GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) fordern eine luftundurchlĂ€ssige GebĂ€udehĂŒlle. Deswegen enthalten moderne Fenster Dichtlippen. Die PrĂŒfung der GebĂ€udehĂŒlle auf etwaige LuftdurchlĂ€ssigkeiten kann mit Hilfe einer sogenannten LuftdurchlĂ€ssigkeitsmessung durchgefĂŒhrt werden. Sie ist auch als BlowerDoor-Messung bekannt.
Fenster, die einen Uw-Wert von 0,80 W/(mÂČ·K) oder besser haben, dĂŒrfen als Passivhausfenster bezeichnet werden. Diese Werte werden durch die Verwendung einer 3-fach-Verglasung mit thermisch getrennten Glasabstandhaltern (der sogenannten âwarmen Kanteâ), eines stark gedĂ€mmten Rahmen- und FlĂŒgelprofils sowie gegebenenfalls eines dritten umlaufenden Dichtungsprofils und eines vergröĂerten Glasfalzeinstandes erreicht.
Bei Kunststofffenstern spielt auch die Anzahl der Luftkammern eine Rolle.
Um sowohl den WĂ€rmeverlust zu minimieren als auch einen ausreichenden Luftaustausch zu gewĂ€hrleisten, wird fĂŒr PassivhĂ€user ein angepasstes LĂŒftungskonzept gefordert.[50]
Energiegewinn, da durch Glas nicht nur WĂ€rme verloren geht, sondern auch bei gĂŒnstiger Sonnenausrichtung Energie eingefangen wird. Quantifiziert wird diese Art der passiven Sonnenenergienutzung durch den Energiedurchlassgrad (g-Wert). Dieser Effekt wird im Winter bei groĂzĂŒgig dimensionierten SĂŒdverglasungen genutzt, wenn die Sonne flach steht und direkt in den Raum strahlt. Hingegen mĂŒssen diese GlasflĂ€chen im Sommer, wenn die Sonne steil steht, durch VordĂ€cher, auĂenliegende Jalousien oder Doppelfassaden beschattet werden, um die RĂ€ume vor Ăberhitzung zu schĂŒtzen. Nordseitig soll die FensterflĂ€che gering gehalten werden, z. B.: durch Oberlichtfenster, da hier kein solarer WĂ€rmegewinn möglich ist.
Sonnenschutz als Schutz vor sommerlicher Ăberhitzung, dies ist besonders bei einem groĂen FensterflĂ€chenanteil in Ost-, SĂŒd- und Westausrichtung und typischerweise auch bei WintergĂ€rten von Bedeutung. Bei einer Ost- und Westausrichtung kann der Sonneneintrag aufgrund der tieferstehende Sonne höher sein als bei einer SĂŒdausrichtung, da bei einem hohen Sonnenstand eine vertikale FensterflĂ€che nicht den vollstĂ€ndigen Sonneneintrag abbekommt. Von Nachteil können nach Westen ausgerichtete Fenster insbesondere im DachgeschoĂ sein, wenn vorhandene DachschrĂ€gen und geringe Speichermasse bereits zu einer Temperaturerhöhung wĂ€hrend des Tages fĂŒhren, die sich mit zusĂ€tzlichem solarem WĂ€rmeeintrag durch GlasflĂ€chen am Nachmittag ĂŒberlagert.
In höheren Breitengraden haben FensterflÀchen sogar bei Nordausrichtung eine gewisse Ost- und West-Komponente(vgl. DIN 4108-2:2013-02, Tabelle 7).
Eine WÀrmeschutzverglasung ist eine Scheibe mit einer stark reflektierenden Beschichtung. Diese kann aus einer Metallbedampfung oder einer nachtrÀglich aufgeklebten Sonnenschutzfolie bestehen.
Der Einsatz von schaltbaren GlĂ€sern ermöglicht eine automatische oder nutzergesteuerte Ănderung der Licht- und EnergiedurchlĂ€ssigkeit von Verglasungen und damit eine Anpassung an die IntensitĂ€t der Sonneneinstrahlung.
Eine moderne Methode zur Reduktion der direkten Sonneneinstrahlung ist die Verwendung von Brise soleils.
AuĂer durch die gezielte Wahl eines bestimmten Fenstertyps kann die direkte Sonneneinstrahlung u. a. auch durch folgende Bauteile oder MaĂnahmen reduziert werden:[51]
Bepflanzung des GrundstĂŒcks mit reifen BĂ€umen oder hohen Hecken
AuĂenliegende Jalousien fĂŒhren zu einer Abminderung des WĂ€rmeeintrags um bis zu 85 %.
Innenliegende Jalousien bewirken lediglich eine Abminderung um 10 bis 35 %. Sie dienen eher als Sicht- oder Blendschutz.
Weite DachĂŒberstĂ€nde
Oberhalb der GlasflĂ€chen liegende Balkone oder VordĂ€cher schĂŒtzen vorrangig vor der hochstehenden sommerlichen Mittagssonne. Sonne aus Ost- und Westrichtung wird nur teilweise abgeschirmt.
Die Förderprogramme der KfW zielen mitunter auf die verbesserte WĂ€rmedĂ€mmung von Fenstern ab. Gefördert werden BaumaĂnahmen mit vergĂŒnstigten Darlehen oder ZuschĂŒssen. Beantragt werden können die Förderungen sowohl von Privatpersonen als auch von Wohnungsunternehmen oder Gemeinden. HierfĂŒr gibt es diverse Förderprogramme, die bei der KfW selbst erfragt werden können.
In den Vereinigten Staaten wird das KĂŒchen-SpĂŒlbecken traditionell immer vor ein Fenster eingebaut.
WohnhĂ€user in den Niederlanden, in GroĂbritannien und den Vereinigten Staaten werden traditionell oft mit Schiebefenstern mit zwei FensterflĂŒgeln in liegendem Format ausgestattet. Moderne Varianten sind meist aus PVC gefertigt, seltener aus GFK oder Aluminium. Zum LĂŒften können sie hĂ€ufig angekippt und zum Putzen in der Regel aufgeklappt werden.
Eine amerikanische Besonderheit ist, dass Fenster, die geöffnet werden können und zum LĂŒften bestimmt sind, regelmĂ€Ăig mit fest installierten Fliegengittern ausgestattet sind. Besonders einfach ist dies bei Schiebefenstern möglich. Bei Scharnierfenstern, die nach auĂen geöffnet werden, ermöglicht ein Kurbelmechanismus ein Ăffnen und SchlieĂen des Fensters. Eine weitere Besonderheit ist eine weite Verbreitung von Hung Windows â vertikalen Schiebefenstern â, die ihre Beliebtheit unter anderem der Tatsache verdanken, dass hier in der heiĂen Jahreszeit ein mobiles KlimagerĂ€t oder ein Fensterventilator eingehĂ€ngt werden kann. Weitaus ĂŒblicher als in Mitteleuropa sind in den USA (heute rein dekorative) Fensterkreuze.
Die Rahmen sind heute meist aus PVC (engl. Vinyl), Holz, Glasfaser, Aluminium oder Kombinationen aus diesen Materialien. Bei Teilholzrahmen (Wood Clad) wird ein Holzkern von auĂen durch Aluminium, PVC oder Glasfaser wetter- und lichtbestĂ€ndig gemacht.[52] Bei Holzrahmen hĂ€ngt die bevorzugte Holzsorte u. a. vom Klima der jeweiligen Region ab.
Die verschiedenen Materialien bestimmen nicht nur das Aussehen, die Haltbarkeit und die thermischen Eigenschaften des Fensters, sondern unterstĂŒtzen auch unterschiedliche Bauformen. So haben Glasfaser und Aluminium gröĂere StabilitĂ€t als PVC und Holz und werden in Rahmen verbaut, die besonders schlank sind.[53][54]
Aluminiumrahmen werden in den USA seit den 1930er Jahren verwendet. Sie sind typisch fĂŒr die Mid-Century-Architektur, werden aber auch heute noch in HĂ€usern im Modern-Contemporary-Stil verbaut.[55] Anders als PVC-Rahmen sind Aluminiumrahmen sehr schlank und haben keine sichtbaren NĂ€hte. Die OberflĂ€che kann anodisiert, emailliert (baked enamel coated) oder farbbeschichtet (powder coated, paint coated) sein, wobei Farbbeschichtung sich bereits nach einigen Jahren aufzulösen beginnt.[56] Bei fehlender oder schlechter OberflĂ€chenbehandlung korrodieren Aluminiumrahmen ĂŒber die Jahre auch. Aufgrund ihrer hohen Masse leisten Aluminiumrahmen bessere SchalldĂ€mmung als PVC-Rahmen, sind durch die hohe WĂ€rmeleitfĂ€higkeit des Materials aber weniger energieeffizient und eher fĂŒr warme Regionen geeignet; fĂŒr winterkalte Regionen werden aber Aluminiumrahmen mit thermischer Barriere (thermal break) angeboten. Fenster mit Aluminiumrahmen sind in den USA gut 30 % teurer als solche mit PVC-Rahmen.[57]
PVC-Rahmen
Vollholzrahmen
Im SĂŒden der USA werden oft sehr schlanke Aluminiumrahmen verwendet
Da ein erheblicher Teil der WohnhĂ€user in den USA bis heute in historisierenden Stilrichtungen erbaut wird, werden â zum jeweiligen Stil passend â Fenster sehr oft mit Fensterkreuzen (Muntins, Glazing Bars, Sash Bars) geliefert, die heute in der Regel jedoch rein dekorativ sind, die Glasscheibe also virtuell, aber nicht physisch unterbrechen. Bei Plastikgittern, die Fensterkreuze imitieren, spricht man auch von Grilles.[58][59][60]
Fensterkreuze in einem Altbau, angelehnt an den Stil des 17. Jahrhunderts
Fensterkreuze in einem Altbau, angelehnt an den Stil des 18./frĂŒhen 19. Jahrhunderts
Fensterkreuze in einem Altbau
AuĂen aufmontiertes Fensterkreuz auf einem modernen Fenster
AuĂen aufmontiertes Fensterkreuz auf einem modernen Fenster (Detail)
Modernes Fenster mit einem Fensterkreuz, das zwischen den Glasscheiben montiert ist (Detail)
Moderne Fenster haben in den Vereinigten Staaten mindestens Doppel-, oft auch Dreifachverglasung, wobei Dreifachverglasung sich insbesondere in winterkalten Regionen lohnt.[61] Die HohlrĂ€ume zwischen den Glasscheiben sind heute meist mit Argon, seltener mit dem teureren Krypton gefĂŒllt.[62][63]
Die USA sind ein Land mit extrem unterschiedlichen Klimazonen. Um es KĂ€ufern zu erleichtern, die fĂŒr ihre Klimazone am besten geeigneten Fenster zu finden, sind diese im Rahmen des Energy-Star-Programms entsprechend ausgewiesen.[64] In winterkalten Zonen (Klimazonen 5â8) sollen die Scheiben WĂ€rmestrahlung zwar einlassen, idealerweise aber nicht wieder auslassen. In Klimazone 4 sollen Fenster dazu beitragen, das Haus im Winter warm und im Sommer kĂŒhl zu halten. In Klimazone 3 steht der Schutz vor WĂ€rme im Vordergrund, doch mĂŒssen die Fenster im Winter auch WĂ€rme bewahren können. In den sĂŒdlichsten Zonen ist die Hauptanforderung das Fernhalten von WĂ€rmestrahlung.[65] Diese Charakteristiken werden unter anderem durch spezielle Beschichtung des Glases erreicht.[66] Der U-Wert (engl. U-Factor, WĂ€rmedurchlĂ€ssigkeit) soll je nach Region maximal 0,4 bis hin zu 0,27 betragen, der g-Wert (engl. Solar Heat Gain Coefficient, SHGC) je nach Region höchstens 0,25 bis hin zu mindestens 0,32.[67][68]
Der in den Vereinigten Staaten am meisten verbreitete Fenstertyp: Vertikale Schiebefenster im Hochformat mit zwei FlĂŒgeln. Der untere FlĂŒgel (engl.sash) kann nach oben geschoben werden; anders als bei einem Single Hung Window kann auch der obere FlĂŒgel nach unten geschoben werden.[69] Bei neueren Fenstern ist es möglich, sowohl den oberen als auch den unteren FlĂŒgel zum Reinigen nach innen zu klappen.[70]
Single Hung Windows
Wie Double Hung Windows, der obere FlĂŒgel ist jedoch unbeweglich. Dieser Fenstertyp ist nicht mehr handelsĂŒblich, kommt in Altbauten aber noch vor.[70]
Sliding Windows
Horizontale Schiebefenster im Querformat mit einem FlĂŒgel, der zur Seite geschoben werden kann, wĂ€hrend der zweite unbeweglich ist.[70] Mit etwas Aufwand können auch viele Sliding Windows ein mobiles KlimagerĂ€t aufnehmen.[71]
Traditionelles Double Hung Window
Traditionelle Double Hung Windows, mit Fensterkreuz
Modernes Double Hung Window mit eingehÀngtem KlimagerÀt
Fensterkurbel an der Innenseite eines modernen Casement Window. Bei geschlossenem Fenster wird sie zur Seite geklappt.
Casement Windows (FlĂŒgelfenster)
Rechteckige Scharnierfenster im Hochformat, deren FlĂŒgel nach links oder rechts (meist nach auĂen) geklappt werden. Neben einflĂŒgeligen Versionen existieren Kombinationsfenster mit zwei FlĂŒgeln, die durch ein Setzholz getrennt sind.[72] Viele Casement Windows werden mit Hilfe eines Kurbelmechanismus geöffnet und geschlossen, was gegenĂŒber der Bedienung von Hand die Vorteile hat, dass erstens der geöffnete FlĂŒgel in der gewĂ€hlten Stellung fixiert ist und zweitens ein Fliegengitter verwendet werden kann.
Awning Windows (âMarkisenfensterâ)
Rechteckige Scharnierfenster im Querformat mit einem einzigen FlĂŒgel, der nach oben (nach auĂen; maximal ca. 45 Grad) geklappt wird. Awning Windows werden meist auf- und zugekurbelt, insbesondere wenn sie ein Fliegengitter aufnehmen. Eingesetzt werden Awning Windows hauptsĂ€chlich in höhergelegenen Wandbereichen, wo Fenster relativ schwer zu erreichen und zu bedienen sind.[72] Beliebt sind Awning Windows auch in regenreichen Regionen, wo sie bei Regen offen gehalten werden können, ohne dass Feuchtigkeit ins Haus gelangt.[73]
Hopper Windows (Kippfenster)
Rechteckige Scharnierfenster im Querformat mit einem einzigen FlĂŒgel, der nach unten (nach innen; maximal ca. 45 Grad) geklappt wird. Eingesetzt werden Hopper Windows hauptsĂ€chlich als Kellerfenster.[73] Weil das Fenster nach innen geöffnet wird, kann dahinter ein Fliegengitter installiert sein.
Sehr groĂe Fenster, die oft die volle Raumhöhe einnehmen und an passender Stelle einen ungehinderten Blick auf eine besonders sehenswerte Umgebung bieten sollen. Von einem Picture Window spricht man bei einem Einzelfenster, das wie ein ĂŒberdimensionierter Bilderrahmen in die Wand eingelassen ist. Picture Windows und Panoramafenster haben nur einen minimalen Rahmen, können in der Regel nicht geöffnet werden und bieten damit auch keine BelĂŒftung.[74][75] In WohnhĂ€usern zĂ€hlten sehr groĂe Fenster zum Formenbestand insbesondere des Mid-century-modern-Stils.
Arch Windows
Bogenfenster werden in WohnhĂ€usern im Colonial-Stil bis heute vielfach verbaut. Oft handelt es sich dabei um Akzentfenster, die Licht einlassen und gut aussehen, aber nicht geöffnet werden sollen. Andere Bogenfenster kombinieren Schiebe- oder Scharnierfenster mit einem darĂŒber liegenden Bogen. Bogenfenster sind nicht Baumarkt-handelsĂŒblich, sondern können nur von Spezialherstellern bezogen werden.[76]
Sonstige Shaped Windows
Baumarkt-handelsĂŒblich sind bei den nicht-rechteckigen Fenstern heute vor allem runde, ovale und achteckige Formen. Meist handelt es sich hier um reine Akzentfenster, die Licht einlassen, aber nicht geöffnet werden können.
Transom Windows
Fenster, die direkt ĂŒber einer TĂŒr oder einem anderen Fenster installiert sind (vgl. KĂ€mpferfenster). Bei historisierenden Baustilen werden solche Fenster bis in die Gegenwart verwendet. Sie können in der Regel nicht geöffnet werden.[77][78][79]
Picture Window
Panoramafenster
Abgewinkeltes Panoramafenster in Frank Lloyd Wrights Fallingwater
Modernes Bogenfenster (Akzentfenster)
Modernes Bogenfenster (Akzentfenster)
Modernes Rundfenster
Transom Window ĂŒber einer HaustĂŒr
Transom Window ĂŒber einem Double Hung Window
Transom Window ĂŒber einem dreiflĂŒgeligen Fenster
Bay windows sind dreiteilige aus der Fassade vortrende Fenster, deren FlĂ€chen je nach Tiefe des Erkers um jeweils 15, 30 oder 45 Grad zueinander versetzt sind. Der mittlere Teil ist manchmal breiter als die beiden Ă€uĂeren.[80] Bay windows können die RaumflĂ€che vergröĂern (dann spricht man von Oriel Windows), in vielen FĂ€llen beginnt die Erweiterung des Raumes aber erst auf Höhe der Fensterbank. Bay windows waren vor allem in der viktorianischen Architektur beliebt, bis heute werden sie in HĂ€usern im Colonial-Stil verbaut. Sie sind daher auch heute noch handelsĂŒblich. Bei den Seitenteilen handelt es sich heute oft um Hung Windows, die geöffnet werden können. Varianten sind Bow windows (Bogenfenster): mehrteilige Fenster, oft mit gewölbten Fensterscheiben, die an einer gewölbten Wand Licht einlassen, und Garden windows (âGartenfensterâ), die aus der Hauswand herausragen, um Zimmerpflanzen Raum und Sonnenlicht zu bieten.[70]
Venetian windows (Venezianische Fenster)
Spiegelsymmetrische dreiteilige Fenster, deren Mittelteil von einem Bogen gekrönt wird, wĂ€hrend die flankierenden Teile niedriger abschlieĂen. Venezianische Fenster waren stilbildende Elemente in vielen Richtungen der viktorianischen Architektur und werden noch heute in WohnhĂ€usern im Colonial-Stil verbaut. Sie sind nicht Baumarkt-handelsĂŒblich, sondern nur ĂŒber den Spezialhandel zu beziehen. Bei heutigen Produkten besteht der Mittelteil gelegentlich aus einem Double Hung Window mit aufgesetztem Bogen.[70]
Galerie: Bay windows und Venetian windows
Bay Windows in einem Altbau
Bay Window in einem Neubau
Bay Window; die âBuchtâ beginnt hier erst auf der Höhe der Fensterbank
Die Breite von Fenstern fĂŒr DachschrĂ€gen wird in den Vereinigten Staaten vom Abstand der Dachsparren bestimmt, der je nach Region 12, 16 oder 24 Zoll betrĂ€gt.[81] Um die Sparren nicht unnötig zu unterbrechen, werden mehrheitlich Hochkantfenster verbaut. Deren FlĂŒgel sind entweder starr oder können wie bei einem Awning Window oder Casement Window geöffnet werden.[82][83] Je nach DachschrĂ€ge werden unterschiedliche Montageformen und Produkttypen gewĂ€hlt (Curb Mounted vs. Deck Mounted).[84] In RĂ€ume, die vom Dach durch einen niedrigen Dachbodenraum getrennt sind, können Lichtröhren (Tubular Skylights) eingebaut werden; das Tageslicht wird hier durch eine Röhre eingespeist.[85]
Egress windows
Kellerfenster (Schiebe- oder Scharnierfenster), die als Fluchtweg fĂŒr den Notfall eingerichtet sind. Anders als ein gewöhnliches Kellerfenster (meist ein Hopper Window) lĂ€sst ein Egress Window sie sich so weit öffnen, dass eine Person hindurchsteigen kann. Der vor dem Fenster gelegene kurze Schacht (Egress Well) kann mit einigen Stufen ausgestattet sein.[86]
Storm windows
âSturmfensterâ sind Fenster, die zur thermischen oder akustischen Verbesserung auĂen oder innen auf ein (unzureichendes) vorhandenes Fenster gesetzt werden. Die Montage erfolgt permanent oder jahreszeitlich. Obwohl der Name dies suggeriert, werden Storm Windows auch in Hurricanregionen nicht zur PrĂ€vention von SturmschĂ€den eingesetzt.[87][88]
Witch windows
Hexenfenster (auch Vermont Windows) sind Fenster, die an der Giebelseite eines Hauses parallel zur DachschrĂ€ge eingebaut sind, also schrĂ€g. Zweck des schrĂ€gen Einbaus ist die maximale FlĂ€chenausnutzung auf der schmalen Giebelwand, die zwei parallele Dachlinien voneinander scheidet. Witch Windows existieren fast ausschlieĂlich im Bundesstaat Vermont und auch dort fast nur in Altbauten.
Glass block windows
Fenster aus Glasbausteinen werden in den Vereinigten Staaten seit dem frĂŒhen 20. Jahrhundert verwendet. Noch heute gibt es sie vor allem in Badezimmern, wo sie Licht, aber keine Blicke einlassen sollen. Sowohl aufgrund ihres Aussehens als auch weil sie keine BelĂŒftung bieten, gelten sie heute oft als obsolet.[89]
In Florenz (Toskana) gibt es seit dem 17. Jahrhundert nur in AdelspalĂ€sten sogenannte Weinfenster (Weinlöcher, italienisch buchette del vino), von denen heute noch 170 erhalten sind.[90] Es handelt sich um an der StraĂenseite niedrig angebrachte, kleine Wandöffnungen, die im Erdgeschoss mit dem Keller verbunden waren. Durch die Wandöffnung wurden vom Hausdiener zu bestimmten Tageszeiten diskret Weinflaschen verkauft. Ăkonomischer Hintergrund war die Umgehung des besteuerten GaststĂ€ttenverkaufs durch die Palastbesitzer und WeingĂŒterbesitzer.[90][91]
WĂ€hrend der Covid-Pandemie 2020 wurden viele der buchette del vino (an unterdessen zu GasthĂ€usern umgenutzten Bauten) wiederentdeckt und geöffnet, um den zahlenden GĂ€sten ohne groĂes Ansteckungsrisiko alkoholische GetrĂ€nke und Speise zu reichen. In diesem Zusammenhang kam die ErklĂ€rung auf, dass bereits die alten Weinfenster das Ansteckungsrisiko wĂ€hrend der Zeit der GroĂen Pest mindern sollten.[92][93][94][95]
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