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Bitumen 👆 Click Here!
aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Aus Erdöl gewonnenes Bitumen ist bei Hitze flĂŒssig
NatĂŒrlich entstandenes Bitumen (Naturasphalt)

Bitumen (lateinisch Pix tumens, „ausschwitzendes Pech“, „Erdpech“, „GrĂ€berpech“)[1] ist (gemĂ€ĂŸ DIN EN 12597 / ÖNORM C9201) die Bezeichnung fĂŒr die bei der schonenden Aufbereitung von Erdölen gewonnenen, dunkelfarbigen, halbfesten bis harten, klebrigen Kohlenwasserstoff-Gemische. Es ist auch in Naturasphalt vorhanden. Bitumen haben wegen ihres geringen Gehalts an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) den frĂŒher eingesetzten Steinkohlenteer ersetzt und werden heutzutage mit dem gleichen Zweck vor allem im Straßenbau und fĂŒr Abdichtungsarbeiten eingesetzt. Bei Bitumen handelt es sich um ein kolloidales System aus einem Dispersionsmittel, den Maltenen, und den darin dispergierten Anteilen Asphaltene und Erdölharze.

Begriffsabgrenzung

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Nach der ÖNORM B 3636 bzw. nach DIN 55946 sind RĂŒckstĂ€nde, die bei der Pyrolyse kohlenstoffreicher Substanzen zurĂŒckbleiben, nicht als Bitumen, sondern als Teer zu bezeichnen. Da Teer, außer seinem typischen Teergeruch, durch die schwarze Farbe und die in erhitztem Zustand zĂ€hflĂŒssige Konsistenz Bitumen Ă€ußerlich sehr Ă€hnlich ist, werden beide Stoffe nicht selten miteinander gleichgesetzt oder verwechselt. So wird oft davon gesprochen, dass eine Straße „geteert“ wird, wenn die Fahrbahn eine neue Asphaltdecke erhĂ€lt. Teer unterscheidet sich allerdings in der Herstellung und chemischen Zusammensetzung deutlich von Bitumen. Teer wird nicht aus Erdöl, sondern vorwiegend aus Braunkohle und Steinkohle gewonnen und enthĂ€lt einen hohen Anteil an polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Da diese sehr gesundheitsschĂ€dlich sind, dĂŒrfen Teerprodukte in Deutschland nicht mehr als Baustoffe verwendet werden. Gemische aus Teer und Bitumen werden bereits seit den 1980er Jahren nicht mehr im Straßenbau genutzt.[2][3]

Die Gleichsetzung oder Verwechslung von Teer und Bitumen rĂŒhrt nicht zuletzt daher, dass bis 1983 sowohl Bitumen als auch Teer, Pech und Asphalt unter dem Oberbegriff bituminöse Stoffe zusammengefasst wurden. Heute wird eindeutig zwischen Bitumen und Steinkohlenteerpech unterschieden, da es sich um grundverschiedene Stoffgruppen handelt. Der Oberbegriff fĂŒr Bitumenprodukte lautet gemĂ€ĂŸ EN 12597 „Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel“. Auch mit „Asphalt“ dĂŒrfen nur bitumenhaltige, also teerfreie Gemische bezeichnet werden.[4]

Vorgeschichte und Geschichte

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Die Nutzung von Bitumen begann bereits in der Vorzeit in der Levante durch Neandertaler vor ĂŒber 50.000 Jahren[5][6] und moderne Menschen als Klebemittel zur SchĂ€ftung. Es wurde schon frĂŒh zu einem Handelsgut.[7] Im Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes wurde seit 12.000 Jahren Getreide in geflochtenen, mit Gips oder Bitumen verdichteten Körben transportiert.[8]

Relieffragment mit Spinnerin. Relief aus Bitumen

ArchĂ€ologen entdeckten in as-Sabiyah (Kuwait) Bitumenreste als Fragmente von Dichtmaterial, die mehr als 3000 Jahre Ă€lter sind als die in Ra’s al-Jins in Oman (2400–2300 v. Chr.) gefundenen. In einem neolithischen Dorf am Rand einer Lagune fanden sie neben den zu erwartenden arabischen Artefakten auch solche der mesopotamischen Obed-Kultur. 3000 v. Chr. wurde es in der Stadt HÄ«t an natĂŒrlichen Austrittsstellen gefördert. Zahlreichen Beschreibungen zufolge muss der Ort ein Zentrum der damaligen Asphaltindustrie gewesen sein. Im 26. Jahrhundert v. Chr. entstand im Irak eine Kalksteintafel, umrahmt mit Muscheln und Bitumen in Tell Asmar. In Assyrien wurde 2200 v. Chr. der Altar im Mausoleum von Bur-sin mit Bitumen bestrichen. Fast ausschließlich nur aus Susa, Hauptort des Reiches von Elam (heutiger Iran), sind Bitumenobjekte bekannt. Bitumen wurde erhitzt und formte dann eine harte Mastix-artige Masse, in die Szenen und Figuren geritzt wurden.[9]

Die hĂ€ngenden GĂ€rten sollen mit Bitumen abgedichtet gewesen sein. Herodot beschreibt 500 v. Chr. Fördermethoden von „Erdpech“ aus erdölhaltigen Brunnen auf Zakynthos. Strabo schreibt 100 v. Chr. ĂŒber die Gewinnung von „Erdpech“ am Toten Meer. Zur gleichen Zeit erwĂ€hnt Diodor die antike Bitumenindustrie. Nach dieser BlĂŒtezeit geriet Naturasphalt ĂŒber Jahrhunderte hinweg in Vergessenheit. Die Griechen hatten kein besonderes Interesse an dem Werkstoff, die Römer besaßen kaum Asphaltvorkommen. Bis ins Mittelalter spielten bituminöse Stoffe praktisch nur in der Magie, in der Heilkunde und in der Einbalsamierung von Mumien eine Rolle. Mit der Zeit der AufklĂ€rung und der Entdeckungsreisen (15. Jahrhundert) wurde Naturasphalt wiederentdeckt. In der Zeit der Renaissance waren DachgĂ€rten populĂ€r und diese wurden mit Bitumen abgedichtet.[10]

FrĂŒher wurden Bitumen asphaltum und Bitumen judaicum vom Toten Meer unterschieden.[11] Im Jahr 1556 schreibt Georgius Agricola in Deutschland ĂŒber die Eigenschaften von Bitumen und seine Gewinnung in bitumenhaltigen Quellen. 1704 beschreibt Michael Bernhard Valentini die Eigenschaften des Juden-Leim, Juden-Pech oder Asphaltum. Die Destillationsanlage der GebrĂŒder Dubinin liefert in Russland 1823 neben Petroleum kleine Mengen an Bitumen.

Mit der erfolgreichen Erdölbohrung im US-Staat Pennsylvania 1859 begann der erste große Erdölboom des 19. Jahrhunderts. Aus dem Erdöl gewann man zunĂ€chst durch Destillation Leuchtöle fĂŒr Lampen. Etwas spĂ€ter fĂŒhrte man weitere Destillationen durch und erkannte, dass die DestillationsrĂŒckstĂ€nde verschiedene positive Eigenschaften haben. Im Jahr 1873 wurde mit der Anwendung der so genannten Blasendestillation die kontinuierliche Gewinnung von Bitumen industriell möglich. Im Jahr 1888 wurde schließlich mit dem Penetrationstest durch H. C. Bowen ein erstes PrĂŒfverfahren fĂŒr Bitumen entwickelt.

1906 wurde in Deutschland ein Patent auf die erste „Bitumenemulsion“ angemeldet. Bitumen fand sich wenige Jahre spĂ€ter als Isolation in elektrischen Anlagen, zur Abdichtung von ZĂŒndschnĂŒren und HausdĂ€chern. Auch im Wasserbau wurde das Bitumen zur Abdichtung von StaudĂ€mmen verwendet.

Im Jahr 1936 wurde erstmals die PrĂŒfung fĂŒr den Erweichungspunkt RuK, im folgenden Jahr die fĂŒr den Brechpunkt nach Fraaß entwickelt. Zudem fand es Verwendung als Klebstoff bei der Brikettherstellung und als Bestandteil von IsolierbĂ€ndern. Im Jahr 1957 kam es zur Entwicklung von Schaumbitumen. Zehn Jahre spĂ€ter wurde das fĂŒr die heutige Anwendung sehr wichtige „polymermodifizierte Bitumen“ entwickelt und getestet.

Die wichtigste Anwendung finden Bitumen im Straßenbau, in den 2000er Jahren lag der Anteil von Straßenbaubitumen bei ca. 75 %. Vor allem als in den 1970er Jahren die Verwendung von Teer im Asphalt in Westdeutschland verboten wurde und stattdessen Bitumen eingesetzt wurden, stieg die Nachfrage an Straßenbaubitumen rasant an.

Eigenschaften

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Bitumen sind kolloide Systeme aus drei unterschiedlichen MolekĂŒltypen. Ölige niedermolekulare Anteile, sogenannte Maltene, mit molaren Massen von 500 bis 1500 g/mol bilden das Dispersionsmittel. Darin sind zum einen schmelzbare, lösliche Erdölharze mit guter KlebfĂ€higkeit und einer Teilchenmasse von 1000 bis 1500 g/mol, und zum anderen sogenannte Asphaltene – unschmelzbare, unlösliche Bestandteile mit Teilchenmassen von 5000 bis 9000 g/mol – dispergiert.[12]

Bitumen besteht hauptsĂ€chlich aus vielen verschiedenen langkettigen Kohlenwasserstoffen (aliphatische sowie aromatische) und Kohlenwasserstoffderivaten. Der Massenanteil von Kohlenstoff liegt bei 80–85 %, von Wasserstoff bei 7–10 %. Weitere Bestandteile sind in geringen Anteilen Sauerstoff, Schwefel, Stickstoff und einige Spuren von Metallen.

Bitumen ist in Wasser praktisch unlöslich (hydrophob) und auch gegen Wasserdampf weitgehend undurchlĂ€ssig. Es wird daher beispielsweise verwendet, um empfindliche Stoffe und Bauteile gegen Wasser zu schĂŒtzen. Es lassen sich in der Praxis jahrelange Wassereinwirkungen nur an der OberflĂ€che nachweisen.

Die Eigenschaften des Bitumens beruhen auf der kolloiden Systemstruktur. Die Struktur Ă€ndert sich bei ErwĂ€rmung von einem Gel- zu einem Solzustand. Daher sind die meisten Eigenschaften von der Temperatur abhĂ€ngig. So gehört Bitumen zu den thermoplastischen Stoffen, das heißt, auch seine ViskositĂ€t ist temperaturabhĂ€ngig: Bei AbkĂŒhlung wird es spröde, bei ErwĂ€rmung durchlĂ€uft es stufenlos alle ZustĂ€nde von fest (glasartig) ĂŒber zĂ€hflĂŒssig und zwischen 150 Â°C und 200 Â°C dĂŒnnflĂŒssig. Bei steigenden Temperaturen fĂ€ngt es an langsam zu altern, die Ölanteile verdampfen und das Bitumen verhĂ€rtet sich. Bitumen verfĂŒgt ĂŒber keinen festen Schmelzpunkt wie z. B. Wasser, sondern es hat einen Schmelzbereich, weil die zahlreichen Komponenten der Kohlenwasserstoffmischung verschiedene Schmelzpunkte besitzen.

Auch das Verhalten gegenĂŒber Chemikalien und chemischen EinflĂŒssen ist bei Bitumen teilweise von der Temperatur abhĂ€ngig. Bei Raumtemperatur ist Bitumen gegenĂŒber den meisten Chemikalien praktisch resistent. Dazu gehören organische und anorganische Salze, stark polare Lösungsmittel wie Alkohol oder aggressive Wasser, sowie Basen und schwache SĂ€uren wie z. B. KohlensĂ€ure. Einige starke SĂ€uren wie SchwefelsĂ€ure und SalpetersĂ€ure können jedoch bei erhöhten Temperaturen Bitumen chemisch angreifen. Löslich ist Bitumen in Kohlenwasserstoffen gleicher Herkunft, also Benzin, Öl, Diesel, und auch in vielen anderen organischen Lösungsmitteln wie Benzol, Schwefelkohlenstoff, Trichlorethan, Toluol und so weiter. Bitumen gilt als schwer entflammbar. Der Flammpunkt liegt generell oberhalb von 220 Â°C. Im Gegensatz zu Straßenpech (Teer) enthĂ€lt Bitumen wesentlich weniger cancerogene, polycyclische Kohlenwasserstoffe und gilt im festen Zustand als biologisch unschĂ€dlich.

Die Eigenschaften bitumenhaltiger Baustoffe werden von folgenden typischen Merkmalen bestimmt:[13][14]

  • SchwerflĂŒchtiges, schwarzes, hoch-molekulares Kohlenwasserstoffgemisch
  • Geringe Dichte, d. h. 1,01 bis 1,07 kg/dm3 (wie Wasser, Oxidationsbitumen noch geringer)
  • Extreme Temperatur- und ZeitabhĂ€ngigkeit (visko-elasto-plastisch), daher auch geringe WĂ€rme- und FeuerbestĂ€ndigkeit
  • Gute Abdichtungseigenschaften gegen Wasser und Dampf (Diffusionswiderstand ÎŒ= 50000)[15]
  • Wasserabstoßend, geringe Wasserlöslichkeit (Löslichkeit Wasser in Bitumen 0.001 bis 0,1 %)
  • Gute Haft- und Klebeeigenschaften an trockenen FlĂ€chen (bei Emulsionen bedingt auch auf feuchten FlĂ€chen)
  • Geringe WĂ€rmeleitfĂ€higkeit (0,16 W/(m K))
  • Große thermische Ausdehnung (6 × 10−4/K)
  • Spezifische WĂ€rmekapazitĂ€t (1,7 kJ/(kg·K))[16]
  • Geringe Elektrische LeitfĂ€higkeit bei 30 Â°C betrĂ€gt sie lediglich 10−14 S/cm.[17]
  • Gute WitterungsbestĂ€ndigkeit (kaum Oxidation in Luft)
  • Bitumen enthĂ€lt im Gegensatz zu Steinkohlenteerpech sehr wenig PAKs
  • Weitgehend physiologisch unbedenklich
  • Rezyklierbar

Die Alterung des Bitumens lÀsst sich in drei Gruppen einteilen, die miteinander kommunizieren, durch Sauerstoff, Licht und WÀrme:[18]

  • Verdunstungsalterung (destillative Alterung): Durch WĂ€rme verdunsten immer mehr Ölanteile, es kommt zu einer Konzentrationserhöhung der Asphaltene.
  • Oxidative Alterung: Luftsauerstoff reagiert mit Kohlenwasserstoffen bzw. die C-H-Bindungen, was zu einer höheren Konzentration von Asphaltenen fĂŒhrt.
  • Strukturalterung: Durch Agglomeration werden Asphaltene und Harze vergrĂ¶ĂŸert.

Dies bewirkt, dass das Bitumen die „HaftfĂ€higkeit“ verliert, verhĂ€rtet und rissig wird.

Herstellung

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Tanks bei der Bitumina Spedition+Handel GmbH&Co in Worms

Bitumen wird hauptsĂ€chlich als RĂŒckstand bei der Vakuumdestillation von Erdöl gewonnen. Hierbei werden nur spezielle Rohöle zugelassen, fast ausschließlich hochschweflige, „schwere“ Rohöle, wie „Arab Heavy“, „Kuwait“, „Iran Heavy“, „Urals“, „Kirkuk“. Niedrigschweflige, leichte Rohöle wie z. B. Brent oder Forties sind gĂ€nzlich ungeeignet, da die erforderliche niedrige Nadelpenetration des VakuumrĂŒckstandes nicht erreicht werden kann. Die Spezial-Vakuumdestillation wird entweder „auf Pen“ gefahren, das heißt, das Sumpfprodukt entspricht bereits der gewĂŒnschten QualitĂ€t, oder die Nadelpenetration wird durch Mischen mit schwerem Vakuumgasöl eingestellt. In Deutschland wurden 2017 etwa 4.289.000 Tonnen Bitumen hergestellt.[19]

Die Bitumen werden nach dem Herstellungsverfahren unterschieden.

  • Destillationsbitumen bzw. Straßenbaubitumen wird auch als Penetrationsbitumen oder PrimĂ€rbitumen bezeichnet. Destillationsbitumen erhĂ€lt man durch Destillation von Rohöl in zwei Stufen. In der ersten Stufe wird bei atmosphĂ€rischem Druck Benzin, Petroleum, Diesel- und Heizöl verdampft. Der DestillationsrĂŒckstand wird danach in der zweiten Stufe unter vermindertem Druck (4 bis 7 kPa) bei Temperaturen von 350 Â°C bis 380 Â°C destilliert. Dabei verdampfen weitere Öle wie Maschinenöl oder Gasöl. Bei den nicht verdampften RĂŒckstĂ€nden handelt es sich um Bitumen. Auf diese Weise werden weiche und mittelharte Sorten gewonnen, die vor allem im Straßenbau Verwendung finden (nach DIN EN 12591 und DIN EN 13924).
  1. Standard-Straßenbaubitumen (Penetration zw. 20 und 330 [0,1 mm]).
  2. Harte Straßenbaubitumen (Penetration zw. 5 und 25 [0,1 mm]), Verwendung fĂŒr Asphalte mit hohem Modul.
  3. Weiche Straßenbaubitumen (Penetration zw. 250 und 900 [0,1 mm] oder kinematische ViskositĂ€t bei 60 Â°C von 1000 mmÂČ/s bis 16 000 mmÂČ/s), Verwendung bei extrem tiefen Temperaturen (Skandinavien).

Einsatz fĂŒr Heißmischgut im Straßenbau und in SonderfĂ€llen fĂŒr OberflĂ€chenbehandlungen, außerdem fĂŒr Elektro-Kabel, Emulsionen, Fugenvergussmassen.

Das rheologische Verhalten der Bitumen kann man auf verschiedene Weise beeinflussen:

  • Polymermodifizierte Bitumen DIN EN 14023 / TL PmB

Polymermodifizierte Bitumen (PmB) sind Bitumen, die durch das Mischen von Destillationsbitumen und Polymeren hergestellt werden, wobei sich das thermoviskose und elastoviskose Verhalten verĂ€ndert. Der Zusatz von Polymeren (Kunststoffe) im Bitumen soll im Wesentlichen zu einer Erweiterung der PlastizitĂ€tsspanne fĂŒhren, die Standfestigkeit bei höheren Temperaturen verbessern, weisen eine geringere Alterung und eine große elastische RĂŒckformung nach Entlastung auf. ZusĂ€tzlich wird durch die Polymerzugabe eine wirksamere Haftung an Mineralstoffen angestrebt.[20]

Die Bezeichnung fĂŒr PmB erfolgt mit einem zusĂ€tzlichen Buchstaben gemĂ€ĂŸ der „Technischen Lieferbedingungen fĂŒr polymermodifizierte Bitumen in Asphaltschichten im Heißeinbau“ (TL PmB). Dabei stehen die Buchstaben A (Asphaltbeton, insbesondere fĂŒr Deckschichten AC deck und Binderschichten AC binder) und B fĂŒr Modifizierung mit Elastomeren, der Buchstabe C (classic) fĂŒr Standardanwendungen, wie Bauwerksabdichtungen (z. B. FlachdĂ€cher) durch eine Modifizierung mit Thermoplasten, PmB Klasse E (erhöht) fĂŒr erhöhte Anforderungen, der Buchstabe H fĂŒr höherpolymerisierte Modifizierung und - Klasse PmOB fĂŒr OberflĂ€chenbehandlungen. Polymermodifizierte Bitumen bestehen in der Regel aus Straßenbaubitumen, in das 3 bis 5 % Polymere eingearbeitet werden.[21] Die verwendeten Polymere können aus linear oder radial vernetzten kettenförmigen MolekĂŒlen bestehen. Aufgrund des VerknĂŒpfungsbestrebens der Polymere bilden sich vernetzte Raumstrukturen aus. Daraus resultiert die VerĂ€nderung des Fließverhaltens des polymermodifizierten Bitumens. Die wichtigsten Polymergruppen, die zur PmB - Herstellung genutzt werden, sind PE (Polyethylen), SBS (Styrol-Butadien-Styrol), EPDM (Ethylen - Propylen - Dien – Terpolymer), EVA (Ethylen - Venylacetat – Copolymer) und ACM (Ethylen - Acrylester – Copolymer).[20]

Gummimodifizierte Bitumen (GmB) werden vorwiegend eingesetzt, um die AlterungsstabilitĂ€t des Asphalts zu erhöhen und seine Eigenschaften, besonders im Bereich der ElastizitĂ€t zu verbessern. Das Material der recycelten Altreifen als Bitumenzusatz wird in Form von Gummigranulat oder Gummimehl eingesetzt. Die Eigenschaften des gummimodifizierten Bitumens werden durch Zeitraum und Temperatur beeinflusst, bei der die Reaktion zwischen Gummigranulat und Bindemittel stattfindet. WĂ€hrend des Reaktionsprozesses quellen die Gummipartikel bei hohen Temperaturen durch die Absorption der leichten Fraktionen im Bitumen bis zu ihrer dreifachen GrĂ¶ĂŸe an und bilden eine gelartige Substanz.[22][20] Die Wachsmodifizierten Bitumen (WmB) haben eine reduzierte ViskositĂ€t, eine reduzierte Nadelpenetration und einen stark erhöhten Erweichungspunkt. Das Fischer-Tropsch Paraffin ist ein Gemisch aus synthetischen, aliphatischen Kohlenwasserstoffen, das vorwiegend zur verbesserten Verarbeitbarkeit und Erhöhung des Verformungswiderstandes dient.[20]

Konventionelle Mischverfahren weisen bei der Herstellung von polymermodifiziertem Bitumen wegen der schwierigen Verarbeitbarkeit des zĂ€hflĂŒssigen Bitumens und der festen PolymerzusĂ€tze Probleme auf. Bitumen muss auf sehr hohe Temperaturen erhitzt werden, damit es fließfĂ€hig wird, wĂ€hrend die Polymeradditive oft nur langsam quellen oder sich unvollstĂ€ndig auflösen. Ohne ausreichend Transvektion bilden sich Brocken oder nur grob verteilte Polymerinseln im Bitumen, was zu InhomogenitĂ€ten und unzureichenden Materialeigenschaften fĂŒhrt. Bei herkömmlichen RĂŒhrbehĂ€ltern kann zĂ€hes PmB an BehĂ€lterwĂ€nden und Mischwerkzeugen kleben bleiben. Dies verursacht Materialverluste, lĂ€ngere Reinigungszeiten und erhöhte Wartungskosten. Die Produktion von PmB kann sehr zeitaufwendig sein, wenn sich das Polymer nur langsam verteilt oder wenn mehrere Verarbeitungsschritte (Vormischen, Aufschmelzen, Homogenisieren) in unterschiedlichen Maschinen erforderlich sind.[23]

Das Fraunhofer ICT hat in der Zusammenarbeit mit der UniversitĂ€t Kassel ein Bitumen-Additiv entwickelt, das nicht aus neuproduzierte Kunststoffen besteht. PlastikabfĂ€lle aller Art werden gereinigt, zerkleinert, erhitzt und zu EcoFlakes, ca. 2–3 mm großen Plastikschnipsel, verarbeitet.[24] Der mit EcoFlakes modifizierter Asphalt zeigt die gleiche Performance mit höherer Lebensdauer, da er langsamer altert als Asphalt mit Neukunststoffen. In Europa werden jĂ€hrlich rund zwanzig Millionen Tonnen Kunststoff deponiert oder verbrannt, in Deutschland sind es mehr als drei Millionen Tonnen. Mit dieser Menge könnte der gesamte Straßenbau Deutschlands versorgt werden und die CO₂-Emissionen um bis zu 30 % und die Materialkosten um fĂŒnf Euro pro Tonne Asphalt reduziert werden.[25] Bislang wird Eco-Flakes-Asphalt u. a. in Potsdam, Kiel oder Aschaffenburg auf mehreren Teststraßen eingesetzt. Die Methode wurde nach einem schweren Erdbeben in Nepal weiterentwickelt, dort wurde zum Wiederaufbau der Infrastruktur von Einheimischen herumliegender MĂŒll eingeschmolzen, um daraus neuen Straßenbelag zu gewinnen.[26]

  • Industriebitumen: Bitumen, die nicht im Straßenbau eingesetzt werden:
    • Oxidationsbitumen DIN EN 13304

Oxidationsbitumen oder Blasbitumen (Mineralgummi, Mineralkautschuk; Mineral rubber) werden in speziellen Reaktoren („Blasanlage“ Blasturm) hergestellt, indem weiche Destillationsbitumen bei Temperaturen zwischen 230 Â°C und 290 Â°C durch Einblasen von Luft weiterbehandelt werden. Durch das Einblasen von Luft verĂ€ndert sich die Struktur der dispergierten Anteile und es bildet sich aus ihnen ein zusammenhĂ€ngendes GerĂŒst (Gel-Zustand). Hierdurch wird die Nadelpenetration erheblich reduziert, die PlastizitĂ€tsspanne erweitert sich, das Bitumen hochschmelzender und fester. Je nach Einsatzprodukt, Temperatur und Blaszeit gewinnt man Bitumensorten mit verbesserter BestĂ€ndigkeit gegen KĂ€lte und WĂ€rme.

Oxidationsbitumen werden im Industriebereich bei extremen Temperaturen eingesetzt. Auch zur Herstellung von Dach- und Dichtungsbahnen, von Klebemassen und zur Isolierung von Rohrleitungen werden sie eingesetzt. In der Gummiindustrie finden sie Anwendung als Weichmacher fĂŒr Kautschuk. Bei der Bezeichnung von Oxidationsbitumen wird ĂŒblicherweise der Erweichungspunkt Ring und Kugel (RuK) und die maximale Nadelpenetration angegeben.

    • Hochvakuum- und Hartbitumen DIN EN 13305

Hochvakuum- und Hartbitumen, auch Sprödbitumen genannt, fallen bei der Weiterbehandlung von Destillationsbitumen in einer zusĂ€tzlichen Bearbeitungsstufe an auch durch Cracken in speziellen „Visbreaker-Anlagen“. Sie zeigen eine harte bis springharte Konsistenz. Als Hartbitumina gelten allgemein Bitumensorten mit einer Nadelpenetration < 10. Die Klassifikation erfolgt ĂŒber den Bereich zwischen Ober- und Untergrenze bei den im Versuch Ring und Kugel ermittelten Erweichungspunkt.

Diese Bitumensorten finden Verwendung bei der Herstellung von Gussasphalt fĂŒr Estriche im Hoch- und Industriebau und bei der Produktion von Lacken, Gummiwaren und Isoliermaterialien.

Aus Bitumen abgeleitete Produkte:

  • Bitumenlösungen
    • Fluxbitumen: Sogenannte Fluxbitumen (frĂŒher Verschnittbitumen) werden aus einer Mischung von bestimmten Fluxölen (Erdöldestillate) mit weichen Straßenbaubitumen hergestellt.
    • Kaltbitumen: Kaltbitumen sind Bitumenlösungen aus weichen bis mittelharten Straßenbaubitumen mit leichtflĂŒchtigen Lösemitteln.
  • Bitumenemulsionen
    • Anionische Emulsionen: Bitumen werden in Tropfenform zerteilt und unter Zugabe eines alkalischen Emulgators in heißem Wasser dispergiert.
    • Kationische Emulsionen: Bitumen werden in Tropfenform zerteilt und unter Zugabe eines sauren Emulgators in heißem Wasser dispergiert.
  • Bitumenanstrichmittel: Bitumenanstrichmittel können wie Bitumenlösungen oder -emulsionen hergestellt werden. Meist wird jedoch ein hĂ€rteres Straßenbaubitumen verwendet.

NatĂŒrliche Vorkommen

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Der grĂ¶ĂŸte Anteil von Bitumen wird aus Rohöl gewonnen. Bitumen kommen allerdings auch in natĂŒrlicher Weise auf der Erde vor. Sie entstehen dort im Prinzip wie Erdöl: Über Hunderttausende Jahre entstehen sie aus den Überresten von organischem Material, wie Kleinstlebewesen, bei erhöhten Temperaturen und Druck unter den oberen Erdschichten.

Bitumen kommt so in dem Porenraum einiger Sedimentgesteine (primĂ€r etwa in Schwarztonsteinen wie dem Kupferschiefer) vor. Zudem gibt es natĂŒrliche Asphaltseen mit einem nennenswerten Anteil an Bitumen. Der grĂ¶ĂŸte natĂŒrliche Asphaltsee ist der „Pitch Lake“ auf der Karibikinsel Trinidad. Des Weiteren kommt Bitumen auch in sogenannten Ölsanden gemischt mit Sand und Wasser vor. Die grĂ¶ĂŸten Ölsandvorkommen liegen in Kanada, zum Beispiel die Athabasca-Ölsande, und in Venezuela.

Einteilung

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Kenndaten von Straßenbaubitumen[27]
Sorte EP RuK in °C Penetration in 1/10 mm Veraltete Bezeichnung
160/220 35–43 (37–43) 160–220 B 200
70/100 43–51 (43–49) 70–100 B 80
50/70 46–54 (48–54) 50–70 B 65
30/45 52–60 (53–59) 30–45 B 45
20/30 55–63 (57–63) 20–30 B 25

Die Eigenschaften verschiedener Bitumenarten werden durch besondere PrĂŒfverfahren untersucht. Diese sind festgelegt in den DIN-Normen fĂŒr Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel.[28]

Die wichtigsten Kennzahlen sind: der Erweichungspunkt RuK (EP RuK) DIN EN 1427, der Brechpunkt nach Fraaß DIN EN 12593 und die Werte der Nadelpenetration DIN EN 1426, diese werden fĂŒr die Bezeichnung der Bitumensorte benutzt (siehe Tabelle).

Eine Analyse weiterer Bitumeneigenschaften kann erfolgen durch:

  • einen DĂŒnnfilm-PrĂŒfofen DIN EN 12607-1 (RTFOT) zur Messung des Luft- und Temperatureffektes auf Bitumen
  • einen DruckalterungsbehĂ€lter (PAV) (DIN EN 14769) zur Untersuchung der Langzeitalterung von Bitumen nach 5 bis 10 Jahren
  • einen Dynamischen Scherrheometer (DSR) (DIN EN 14770) zur Bestimmung der Fließeigenschaften
  • einen Biegebalkenrheometer zur Ermittlung des KĂ€lteverhaltens und der Biegekriechsteifigkeit (DIN EN 14771)
  • ein Vakuum-Kapillar-Viskosimeter zur Bestimmung der dynamischen ViskositĂ€t (DIN EN 12 596)
  • ein Verfahren zur Bestimmung der kinematischen ViskositĂ€t (DIN EN 12 595)
  • ein Duktilometer zur Bestimmung der elastischen RĂŒckstellung, insbesondere von polymermodifizierten Bitumen (DIN EN 13 398)
  • ein Verfahren zur Bestimmung der Streckeigenschaften, insbesondere von polymermodifizierten Bitumen, mit einer Kraft-DuktilitĂ€ts-PrĂŒfung (DIN EN 13 589)

Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel werden nach DIN EN 12597 folgendermaßen unterschieden:

  • Straßenbaubitumen (Destillationsbitumen) DIN EN 12591
  • Spezielle Straßenbaubitumen
    • Harte Straßenbaubitumen DIN EN 13924-1
    • Multigrade Straßenbaubitumen DIN EN 13924-2
  • Polymermodifiziertes Bitumen (PmB) DIN EN 14023
  • Verschnittene und gefluxte Bitumen DIN EN 15322
  • Bitumenemulsionen
    • Kationische Bitumenemulsionen DIN EN 13808
    • Anionische Bitumenemulsionen
  • Industriebitumen
    • Oxdiertes Bitumen (Oxidationsbitumen) DIN EN 13304
    • Hartbitumen DIN EN 13305
  • Spezialbitumen
Kenndaten von polymermodifiziertem Bitumen[29]
Sorte 120/200-40A 45/80-50A 25/55-55A 10/40-65A 40/100-65A 45/80-50C 25/55-55C 10/40-65C
Nadelpenetration in 1/10 mm 120–200 45–80 25–55 10–40 40–100 45–80 25–55 10–40
EP RuK in °C ≄ 40 ≄ 50 ≄ 55 ≄ 65 ≄ 65 ≄ 50 ≄ 55 ≄ 65
Brechpunkt in °C ≀ −20 ≀ −15 ≀ −10 ≀ −5 ≀ −15 ≀ −10 ≀ −5 ≀ −15
KraftduktilitĂ€t in J/cmÂČ â‰„ 2 ≄ 2 ≄ 3 ≄ 2 ≄ 3 ≄ 2 ≄ 3 ≄ 2
(bei 0 Â°C) (bei 5 Â°C) (bei 5 Â°C) (bei 10 Â°C) (bei 5 Â°C) (bei 5 Â°C) (bei 5 Â°C) (bei 10 Â°C)
Elastische RĂŒckstellung bei 25 Â°C in % ≄ 50 ≄ 50 ≄ 50 ≄50 ≄ 70 NR NR NR
Biegebalkenrheometerwert bei −16 Â°C in MPa 200 250 300 350 250 300 350 200
alte Bezeichnung (bis 2007) PmB 130 A PmB 65 A PmB 45 A PmB 25 A PmB 40/100-65 H

Der Bereich zwischen KĂ€ltesprödigkeit (Brechpunkt) und Erweichen (Erweichungspunkt) wird als „PlastizitĂ€tsspanne“ bezeichnet. Straßenbaubitumen nach DIN EN 12591 weisen in der Regel eine „PlastizitĂ€tsspanne“ von etwa 60 Â°C auf. GrĂ¶ĂŸere Spannen bieten beispielsweise polymermodifizierte Bitumensorten nach DIN EN 14023.

Asphalttanker Bitumina III

Verarbeitung

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Die meisten Bitumenprodukte sind bei normaler Umgebungstemperatur nicht verarbeitbar oder förderbar, da Bitumen bei Umgebungstemperatur normalerweise fest ist. Zum Verarbeiten von Bitumen in ein Endprodukt sind somit Hilfsmittel erforderlich. Die bekannteste Möglichkeit ist das Erhitzen von Bitumen bis zum flĂŒssigen Zustand. Bei Asphalt, der Hauptanwendung von Bitumen, spielt die Verarbeitbarkeit eine große Rolle. Daher gibt es eine Verarbeitungsfrist. Das ist der Zeitraum, in dem das Mischgut so weit abkĂŒhlt, bis eine einwandfreie Verarbeitung gerade noch möglich ist. Sie ist abhĂ€ngig von der Witterung, der Bitumensorte sowie der Einbaudicke.

Bitumenemulsionen (Bitumen in Wasser emulgiert) entstehen durch Zugabe von Wasser und Luft (Schaumbitumen). Auch durch die Zugabe von Lösemitteln, sogenannten Fluxmitteln, kann die Verarbeitungstemperatur des Bitumens abgesenkt werden. Beide Produkte sind bei niedrigeren Temperaturen zu verarbeiten. Bei den Fluxmitteln handelt es sich um schwerflĂŒchtige Öle (Fluxöle). Eine Erhitzung des so entstandenen gefluxten Bitumens (Fluxbitumen) zur weiteren Verarbeitung bleibt weiterhin notwendig. Seit 2003 werden die petrostĂ€mmigen (aus Erdöl gewonnenen) Fluxmittel auch durch Pflanzenöle ersetzt.

Aerosol-Grenzwert

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Verarbeitung von Bitumen-Schweißbahnen zur Abdichtung eines Flachdaches

WĂ€hrend ausgehĂ€rtete Bitumenmassen als unbedenklich gelten, sind die bei Verarbeitung oder Brand entstehenden Aerosole gesundheitsschĂ€dlich. Der maximale Aerosol-Gehalt am Arbeitsplatz (Arbeitsplatzgrenzwert, Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) wurde 2018 auf 1,5 mg/mÂł Luft gesenkt. Fluxöle leisten wegen der verringerten Verarbeitungstemperatur zwar einen Beitrag zur Verringerung der Aerosolbelastung, die Grenzwerte werden bei der Verarbeitung jedoch regelmĂ€ĂŸig ĂŒberschritten (Stand 2020).[30]

DĂ€mpfe und Aerosole aus Oxidationsbitumen wurden 2011 von der Internationalen Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC) in Kategorie 2A (Substanz ist wahrscheinlich krebserzeugend fĂŒr den Menschen) eingestuft, DĂ€mpfe und Aerosole aus Destillationsbitumen und aus angeblasenem Bitumen in Kategorie 2B (Substanz ist möglicherweise krebserzeugend fĂŒr den Menschen).[31]

Verwendung

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Die stofflichen Eigenschaften von Bitumen erlauben eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Bitumen wird besonders wegen seines abdichtenden Charakters und seiner KlebefĂ€higkeit eingesetzt. Mit ca. 80 % beansprucht der Straßenbau den grĂ¶ĂŸten Anteil der Bitumenproduktion.[32] Daneben spielt Bitumen auch im Wasserbau und in der Dach- und Dichtungsbahnen-Industrie eine wichtige Rolle. Im Hochbau wird Bitumen beispielsweise zum Schutz von empfindlichen GebĂ€udeteilen gegen Wasser verwendet. Dabei kommen Bitumenanstriche zur Verwendung oder verschiedene Bitumenwerkstoffe, z. B. Bitumen-Schweißbahn als Dachabdichtung. Es gibt sie als Bitumenbahnen (TrĂ€gereinlagen mit beidseitigen Bitumen-Deckschichten) oder als Polymerbitumenbahnen (Elastomer-(PYE) und Plastomer-(PYP) Bitumenbahnen). Bei der Außenabdichtung von Kellergeschossen kommt unter anderem eine Bitumendickbeschichtung zum Einsatz. Verschiedene Bitumen- oder Butylkautschuk-beschichtete Folien- (Aluminium oder Kunststoff) und Vlies-BĂ€nder werden zur Verklebung, Abdichtung oder SchalldĂ€mmung im Bauwesen, Handwerk und Kraftfahrzeugbau eingesetzt.

Eine so genannte bitumenhaltige Haftschicht wird ebenfalls im Hochbau eingesetzt. Sie verbindet z. B. einen BrĂŒckenbelag mit dem Stahlunterbau und schĂŒtzt den Stahl zugleich gegen Korrosion. In anderer Form findet Bitumen Verwendung als RĂŒckenbeschichtung von Teppichfliesen.

Ist Bitumen dauerhaft der Witterung ausgesetzt, wird es aufgrund von OxidationsvorgĂ€ngen spröde und rissig. OberflĂ€chenschutzsysteme oder die Beimischung von Kunststoffen können die Wirkungsdauer der Abdichtung wesentlich verlĂ€ngern. Bitumenabdichtungen sollten im Normalfall mit einem GefĂ€lle von mindestens 2 % ausgefĂŒhrt werden, damit das Wasser abfließen kann. Bei geringerem GefĂ€lle kann Wasser stehen bleiben. Wasser beschleunigt den biologischen und chemischen Abbau des Bitumens. Physikalisch schadet das stehen gebliebene Wasser durch Nass-Trockenzonen im Sommer und Eisbildung im Winter.

Verwendung im Straßenbau

Im Straßenbau bildet das Bitumen als Bindemittel zusammen mit den Gesteinskörnungen den Asphalt. Diese Rolle ĂŒbernahm bis in die 1970er Jahre neben dem Bitumen der Teer, der heute wegen seiner krebserregenden (karzinogenen) Wirkung fĂŒr den Straßenbau verboten ist.

FĂŒr die Herstellung von Asphalt werden immer hĂ€ufiger „Bitumina“ verwendet, die mit Polymeren modifiziert sind. Diese tragen den Namen polymermodifiziertes Bitumen oder kurz PmB. Durch die Zugabe von Naturkautschuk, synthetischen Polymeren oder Schwefel können die Bitumeneigenschaften deutlich beeinflusst werden. So verbessert sich je nach Zugabemenge und Zugabeart die Standfestigkeit und die Haftung an der Gesteinskörnung. Diese Bitumensorte wird daher insbesondere fĂŒr FahrbahnbelĂ€ge mit hoher Verkehrsbeanspruchung verwendet.

Im Wasserbau wird Bitumen z. B. zum KĂŒstenschutz benutzt, um Buhnen (Wellenbrecher) aus Steinen zusammen zu halten, also zu stabilisieren. Aber auch in StaudĂ€mmen und Pumpspeicherbecken werden Bitumenwerkstoffe verwendet, hier wird die wasserdichte Eigenschaft des Werkstoffes ausgenutzt.

Bitumenplatten werden durch ihr hohes Gewicht und die ZĂ€higkeit auch als gerĂ€uschdĂ€mpfende Beschichtung in Kraftfahrzeugen, Raumtrennsystemen, an Dusch- und Badewannen, GeschirrspĂŒlern sowie StahlspĂŒlbecken verwendet. Einseitig selbstklebend beschichtet, kann man Bitumenplatten als Anti-Dröhn-Matte zum NachrĂŒsten kaufen. Auch werden Bitumen-Holzfaserplatten hergestellt, diese haben gute wasserresistente Eigenschaften.[33]

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Bitumen ist die Kabel- und Elektroindustrie. Sie nutzt die geringe elektrische LeitfÀhigkeit von Bitumen als Isolierungsmittel aus. Daneben gibt es noch viele weitere sonstige Verwendungen von Bitumen, zum Beispiel auch in der Papierindustrie.

In Deutschland wurden 2017 etwa 2.146.000 Tonnen Bitumen verbraucht; 2.020.000 Tonnen wurden exportiert.[19]

Literatur

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  • Georg Hansen: Saft, der aus dem Berg ausschwitzt. In: Der Anschnitt. Zeitschrift fĂŒr Kunst und Kultur im Bergbau. Jg. 20, Nr. 6, 1966, S. 26 ff.
  • Cinzia Dal Maso: Die schwarzen Schiffe von Magan. In: Spektrum der Wissenschaft Spezial. Nr. 2, 2003, S. 34 ff.
  • Edeltraud Straube, Klaus Krass: Straßenbau und Straßenerhaltung. Ein Handbuch fĂŒr Studium und Praxis. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-503-09067-3.
  • Asphalt und Bitumen (PDF; 4,4 MB), auf ifb.ethz.ch, abgerufen am 31. August 2016.
  • Bitumen. (PDF; 2,3 MB), auf unibw.de, abgerufen am 24. September 2016.

Weblinks

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Wiktionary: Bitumen â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Bitumen â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Bitumen-Artikel Berufsgenossenschaftliches Forschungsinstitut fĂŒr Arbeitsmedizin
  • Arbeitsgemeinschaft der Bitumen-Industrie e. V.
  • das aktuelle wissenschaftliche Magazin zum Thema Bitumen.
  • Der Dichte Bau Infoseite des vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e. V.
  • bga – Beratungsstelle fĂŒr Gussasphaltanwendung e. V.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Bitumen lat.
  2. ↑ Bauwerksabdichtung in der Altbausanierung. Vieweg & Teubner Verlag, ISBN 978-3-8348-8222-6, S. 11 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  3. ↑ G. Stehno: Baustoffe und BaustoffprĂŒfung. Springer Vienna, 2013, ISBN 978-3-7091-8632-9, S. 177 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  4. ↑ Roland Benedix: Bauchemie. Vieweg & Teubner Verlag, 2009, ISBN 978-3-8348-9549-3, S. 419 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  5. ↑ Eric BoĂ«da, Jacques Connan, Sultan Muhesen: Bitumen as hafting material on Middle Paleolithic artifacts from the El Kowm Basin, Syria. In: Takeru Akazawa, Kenichi Aoki, Ofer Bar-Yosef (Hrsg.): Neandertals and Modern Humans in Western Asia. New York 2002, ISBN 0-306-47153-1, S. 181–204. (accesbib.uqam.ca)
  6. ↑ Thomas C. Hauck, Jacques Connan, Armelle CharriĂ©-Duhaut, Jean-Marie Le Tensorer, Heba al Sakhel: Molecular evidence of bitumen in the Mousterian lithic assemblage of Hummal (Central Syria). In: Journal of Archaeological Science. Band 40, Nr. 8, August 2013, S. 3252–3262, doi:10.1016/j.jas.2013.03.022.
  7. ↑ J. Connan: Use and trade of bitumen in antiquity and prehistory: molecular archaeology reveals secrets of past civilizations. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Series B: Biological Sciences. Band 354, Nr. 1379, Januar 1999, S. 33–50, doi:10.1098/rstb.1999.0358.
  8. ↑ Tom Standage: Sechs GetrĂ€nke, die die Welt bewegten. Patmos, DĂŒsseldorf/ZĂŒrich 2006, ISBN 3-538-07234-5, S. 19 und S. 20.
  9. ↑ Daniel T. Potts, in: Touraj Daryaee (Hrsg.): The Oxford Handbook of Iranian History. Oxford / New York 2012, ISBN 978-0-19-973215-9, S. 49.
  10. ↑ Manfred Hegger, Volker Auch-Schwelk, Matthias Fuchs, Thorsten Rosenkranz: Construction Materials Manual. BirkhĂ€user, 2006, ISBN 3-7643-7570-1, S. 62.
  11. ↑ Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft fĂŒr Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 135 (Asphaltos).
  12. ↑ Wendehorst Baustoffkunde. 2011, doi:10.1007/978-3-8348-9919-4. 
  13. ↑ Roland Benedix: Bauchemie fĂŒr das Bachelor-Studium: Springer Vieweg, 2014, ISBN 978-3-658-05423-6.
  14. ↑ Konrad Zilch, Claus JĂŒrgen Diederichs, Rolf Katzenbach, Klaus J. Beckmann (Hrsg.): Konstruktiver Ingenieurbau und Hochbau. Springer, 2013, ISBN 978-3-642-41839-6, S. 1031.
  15. ↑ Ekkehard Richter, Richard Jenisch, Hanns Freymuth, Martin Stohrer: Lehrbuch der Bauphysik:. 6. Auflage. Vieweg & Teuber, 2008, ISBN 978-3-519-55014-3, S. 235.
  16. ↑ Nabil A. Fouad: Bauphysik-Kalender 2016: Schwerpunkt: Bauwerksabdichtung. Ernst & Sohn, 2016, ISBN 978-3-433-03128-5, S. 641.
  17. ↑ John Read, David Whiteoak: The Shell Bitumen Handbook. Fifth Edition, Thomas Telford Publishing, 2003, ISBN 0-7277-3220-X, S. 435.
  18. ↑ Norbert Welsch, JĂŒrgen Schwab, Claus Liebmann: Materie: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Springer, 2013, ISBN 978-3-8274-1888-3, S. 251.
  19. ↑ a b Jahresbericht 2018. (PDF; 7,44 MB) Mineralölwirtschaftsverband, Juli 2018, archiviert vom Original am 26. MĂ€rz 2020; abgerufen am 7. April 2019. 
  20. ↑ a b c d Stephan Korn: Modifizierte Bitumen / Bitumensorten. Diplomarbeit 2004 zum Thema Beurteilung der Benetzbarkeit und des AdhĂ€sionsvermögens von Bitumen an Mineralstoffen mittels Kontaktwinkelmessungen. 1. Januar 2014, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  21. ↑ Asphalt-Kennzeichnungen. Asphaltbau und Mischwerke GmbH, 1. Januar 2025, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  22. ↑ Otto Vogel: Gummimodifizierung mit Granulate Rubber Modified (GRM). Was ist eine hochwertige Gummimodifizierung. CTS Bitumen GmbH, 1. Januar 2025, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  23. ↑ Maschinen zur Herstellung von polymermodifizierten Bitumen (PmB). Cavitron vom Hagen und Funke Verfahrenstechnik GmbH, 1. Oktober 2023, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  24. ↑ Sibel: Straßenbelag aus PlastikmĂŒll – eine nachhaltige Option fĂŒr unsere Straßen? Vaillant, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  25. ↑ Patrick Schroeder: Aus PlastikmĂŒll wird hochbelastbarer Asphalt fĂŒr Straßenbau. VDI Nachrichten, 4. November 2022, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  26. ↑ Ivo Ziemann: Recycling: Straßenbelag aus PlastikmĂŒll. Norddeutscher Rundfunk, 23. November 2021, abgerufen am 18. Juni 2025. 
  27. ↑ Straube, S. 94.
  28. ↑ DIN Normen Bitumen auf arbit.de, abgerufen am 19. August 2016.
  29. ↑ Straube, S. 96.
  30. ↑ DGUV forum 4/2020: Der neue Arbeitsplatzgrenzwert fĂŒr Bitumen – Schritte zur Umsetzung, Mitteilung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, abgerufen am 8. August 2022.
  31. ↑ Reinhold RĂŒhl: DĂ€mpfe und Aerosole aus Bitumen - Nationale und internationale Einstufungen. Mitteilung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, Februar 2018, abgerufen am 8. August 2022. (bgbau.de)
  32. ↑ U. Musanke, R. RĂŒhl, D. Höber, R. Mansfeld: Einsatz von Bitumen im Straßenbau. Sonderheft Bitumen bei Gefahrstoffen – Reinhaltung der Luft. 2010, 7/8.
  33. ↑ Bitumen-Holzfaserplatten auf materialarchiv.ch, abgerufen am 9. Januar 2025.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4145773-0 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)
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