
Erdgas ist ein brennbares, natĂŒrlich entstandenes Gasgemisch, das in unterirdischen LagerstĂ€tten vorkommt. Es tritt hĂ€ufig zusammen mit Erdöl auf, da es auf Ă€hnliche Weise entsteht. Erdgas besteht meist ĂŒberwiegend aus dem energiereichen Methan (CH4), die genaue Zusammensetzung ist aber von der LagerstĂ€tte abhĂ€ngig.
Mitunter ist eine Aufbereitung des Rohgases nötig, um giftige, korrosive, chemisch inerte oder nicht brennbare Bestandteile abzusondern bzw. um Methan anzureichern. Wenn allgemein oder in technischem Zusammenhang von âErdgasâ gesprochen wird, ist zumeist sehr methanreiches Erdgas in EndverbraucherqualitĂ€t gemeint.
Erdgas ist ein fossiler EnergietrĂ€ger. Es dient hauptsĂ€chlich der GebĂ€udeheizung,[1] als WĂ€rmelieferant fĂŒr thermische Prozesse in Gewerbe und Industrie (z. B. in GroĂbĂ€ckereien, Glaswerken, Ziegeleien, Zementwerken und in der Montan- und Schwerindustrie[2]), zur Stromerzeugung und als Treibstoff fĂŒr Schiffe und Kraftfahrzeuge.[3] Hinzu treten mengenmĂ€Ăig bedeutsame Anwendungen als Reaktionspartner in chemischen Prozessen, wo ebenfalls sein Energiegehalt genutzt wird. Diese sind beispielsweise die Ammoniaksynthese im Haber-Bosch-Verfahren (StickstoffdĂŒngemittel), die Erzreduktion oder die Herstellung von Wasserstoff.
Eigenschaften
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Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]NatĂŒrliches (rohes) Erdgas ist ein kohlenwasserstoffÂhaltiges Gasgemisch, dessen chemische Zusammensetzung je nach FundstĂ€tte betrĂ€chtlich schwankt,[4][5] begrĂŒndet durch die jeweils herrschenden Bedingungen wĂ€hrend Bildung, Migration und Verweilen in der LagerstĂ€tte.[6]
Der Hauptbestandteil ist meist Methan. Dessen Anteil liegt in vielen ErdgaslagerstĂ€tten zwischen 75 und 99 Mol-%. Rohgas mit erhöhten Anteilen an Ethan (1 % bis 15 %), Propan (1 % bis 10 %), Butan, Ethen und Pentanen wird nasses Erdgas genannt, was sich auf diese unter Druck leicht verflĂŒssigbaren gasförmigen Kohlenwasserstoffe bezieht, die im Englischen auch Natural Gas Liquids (NGL â nicht zu verwechseln mit LNG, Liquefied Natural Gas) genannt werden. Die Bezeichnung nasses Erdgas wird aber auch fĂŒr Rohgas mit einem relativ hohen Wasserdampfanteil verwendet (trockenes Erdgas hat einen generell niedrigen Anteil an leicht kondensierbaren Gasen, seien es NGL oder Wasserdampf). Rohgas mit einem sehr niedrigen Methan-Anteil (z. B. 30 %) wird Magergas genannt.
Weitere Nebenbestandteile von Rohgas können sein: Schwefelwasserstoff (hĂ€ufig zwischen 0 % und 35 %[7]), Stickstoff (hĂ€ufig zwischen 0 % und 15 %, in ExtremfĂ€llen bis zu 70 %[7]) und Kohlenstoffdioxid (hĂ€ufig zwischen 0 % und 10 %). Rohgas mit einem bedeutenden Schwefelwasserstoff-Gehalt wird Sauergas genannt. Zudem kann es einen erheblichen Gehalt an stark riechenden organischen Schwefelverbindungen (Alkanthiole, Carbonylsulfid) aufweisen.[8] Ferner enthĂ€lt rohes Erdgas Edelgase. Rohgas, das bis zu 7 % Helium enthĂ€lt, ist von groĂem Wert und Hauptquelle der Heliumgewinnung.
Schwefelwasserstoff, Kohlenstoffdioxid und Wasser mĂŒssen mit Verfahren wie der GaswĂ€sche (u. a. speziell der Entschwefelung) zunĂ€chst abgetrennt werden, da sie zum Teil giftig sind, zu Umweltschadstoffen (beispielsweise Schwefeldioxid) verbrennen, korrosiv wirken oder stĂ€rker als Methan zu Hydratbildung neigen.[9] Auf einer Offshore-Förderplattform können dabei tĂ€glich bis zu 28.000 Tonnen an Nebenbestandteilen anfallen.
Neben den genannten Gasen kann Rohgas auch feste Bestandteile wie Sandkörner oder Tonpartikel des LagerstĂ€ttengesteins sowie etwas elementaren Schwefel (einige Gramm pro Kubikmeter) und Quecksilber (wenige Milligramm pro Kubikmeter) enthalten.[10] Auch diese Stoffe mĂŒssen zuvor abgetrennt werden, da sie giftig sind und/oder SchĂ€den an Förder- und Transportanlagen hervorrufen.
Physikalisch-technische Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erdgas ist ein brennbares, farb- und in der Regel geruchloses Gas mit einer ZĂŒndtemperatur von rund 600 °C. Es besitzt eine geringere Dichte als Luft. Zur vollstĂ€ndigen Verbrennung von 1 Kubikmeter Erdgas werden ungefĂ€hr 10 Kubikmeter Luft benötigt. Bei der Verbrennung entstehen als Reaktionsprodukte im Wesentlichen Wasser und Kohlenstoffdioxid. Daneben können noch geringe Mengen Stickoxide, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Staub entstehen. Um eventuelle Leitungslecks riechen zu können, wird aufbereitetes Erdgas vor der Einspeisung ins Netz mit einem Duftstoff versehen. Bei dieser Odorierung werden vorrangig Thioether (beispielsweise Tetrahydrothiophen, THT) oder Alkanthiole (etwa Ethylmercaptan und tertiĂ€res Butylmercaptan) in geringsten Mengen zugesetzt. Diese Duftstoffe, und nicht die Hauptbestandteile des Erdgases, sind fĂŒr den klassischen Gasgeruch ursĂ€chlich.
Aus technischer Sicht ist Erdgas ein Brenngas. Innerhalb der Brenngase wird es gemÀà dem DVGW-Arbeitsblatt G260[11] zur Gasfamilie 2 (methanreiche Gase) gerechnet.[12] Diese werden nach ihrem Wobbe-Index, der ein MaĂ fĂŒr den Energiegehalt (Energiedichte) ist und von der genauen Zusammensetzung des Gases abhĂ€ngt, in zwei Typen unterschieden: H-Gas (von engl. high [calorific] gas, hoher Energiegehalt, auch Erdgas schwer genannt) hat einen höheren Anteil an Kohlenwasserstoffen und einen entsprechend geringen InertgasÂanteil (bei Erdgas vor allem Stickstoff und Kohlenstoffdioxid), wĂ€hrend L-Gas (von engl. low [calorific] gas, niedriger Energiegehalt, auch Erdgas leicht) einen höheren Inertgasanteil aufweist. In Deutschland verwendetes H-Erdgas aus den GUS-Staaten besteht aus circa 98 % Methan, 1 % weiteren Alkanen (Ethan, Propan, Butan, Pentan) und 1 % Inertgasen. H-Erdgas aus der Nordsee besteht aus circa 89 % Methan, 8 % weiteren Alkanen und 3 % Inertgasen. L-Erdgas aus den Niederlanden und Norddeutschland[13] besteht aus etwa 85 % Methan, 4 % weiteren Alkanen und 11 % Inertgasen. Der Brennwert Hs (frĂŒher Ho) variiert entsprechend zwischen 10 kWh/kg (36 MJ/kg) bzw. 8,2 kWh/mÂł (30 MJ/mÂł) bei L-Gas und 14 kWh/kg (50 MJ/kg) bzw. 11,1 kWh/mÂł (40 MJ/mÂł) bei H-Gas. Der Heizwert Hi (frĂŒher Hu) liegt jeweils etwa 10 % unter diesen Werten. Die Dichte variiert zwischen 0,700 kg/mÂł (H-Gas) und 0,840 kg/mÂł (L-Gas). Der Siedepunkt der kondensierten Kohlenwasserstofffraktion liegt im Allgemeinen etwas höher als der von reinem Methan (â161 °C).
Bei der Klassifikation von PrĂŒfgasen fĂŒr GasgerĂ€te wird nach (DIN) EN 437 Typ LL (low-low) und Typ E (Europe) unterschieden. Dabei entspricht Typ LL dem L-Gas und Typ E dem H-Gas.[14]
Entstehung
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Rohes Erdgas entsteht oft durch die gleichen geologischen Prozesse, die auch zur Entstehung von Erdöl fĂŒhren. Erdöl und Erdgas kommen daher nicht selten zusammen in einer LagerstĂ€tte vor. Dieses Erdgas entstand in geologischen ZeitrĂ€umen aus Massen von abgestorbenen und abgesunkenen marinen Kleinstlebewesen (ĂŒberwiegend einzellige Algen), die zunĂ€chst unter sauerstofffreien Bedingungen am Meeresboden in einen Faulschlamm (Sapropel) umgewandelt wurden. Im Laufe von Jahrmillionen kann dieser durch Subsidenz in tiefere Regionen der oberen Erdkruste versenkt und dort hohen DrĂŒcken und vor allem hohen Temperaturen ausgesetzt werden, die fĂŒr die Umwandlung der organischen Substanzen in Erdgas sorgen (siehe auch Entstehung von Erdöl). Auch SteinkohleÂflöze enthalten Erdgas. Dieses Gas stellt als schlagende Wetter eine groĂe Gefahr im Kohlebergbau dar. Als Kohleflözgas wird es mittels Bohrungen aus tiefliegenden Steinkohleflözen gewonnen (siehe auch LagerstĂ€ttentypen).
Wirtschaftlich lohnende Erdgasmengen können aber auch infolge einer mikrobiellen Zersetzung organischer Sedimente an Ort und Stelle entstehen, das heiĂt ohne bedeutende thermische Prozesse und ohne wesentliche Migration. Gasvorkommen mit dieser Entstehungsgeschichte finden sich zum Beispiel im Voralpenland Oberösterreichs und Oberbayerns sowie im Wiener Becken. Mit einem Alter von nur 20 Millionen Jahren handelt es sich um geologisch sehr junge LagerstĂ€tten.
Das im Erdgas enthaltene Helium entstammt radioaktivem Alpha-Zerfall von Elementen, die als Bestandteile von Mineralen in den magmatischen Gesteinen des Grundgebirges eines Sedimentbeckens enthalten sind. Das sehr mobile Helium migriert, wie die gasförmigen Kohlenwasserstoffe, im Poren- und Kluftraum der Gesteine in Richtung der ErdoberflÀche und reichert sich in konventionellen ErdgaslagerstÀtten an.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geschichte als Energierohstoff
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. soll in der chinesischen Provinz Sichuan erstmals Erdgas aus einer Bohrung gefördert und dazu genutzt worden sein, um Salzsiedepfannen zu befeuern.[15] Die darin eingedampfte Sole wurde ebenfalls aus Bohrungen gewonnen und die Erdgasfunde waren lediglich ein Nebeneffekt der Suche nach Sole.[16] Andere Quellen nennen das 11. Jahrhundert n. Chr. als frĂŒhesten Zeitraum fĂŒr die Nutzung von Erdgas als Brennstoff in den Siedesalinen von Sichuan.[16][17] Ab dem 16. Jahrhundert erlaubte es der Stand der Technik Erdgas aufzufangen, das direkt aus den zunehmend tiefer hinabreichenden Solebohrungen entwich.[17]
Im Jahr 1626 berichteten französische Missionare ĂŒber âbrennende Quellenâ in flachen GewĂ€ssern von Nordamerika. Eine gröĂere industrielle Nutzung von Erdgas begann in den USA im Jahr 1825 im Ort Fredonia im Westen des Bundesstaates New York. Hier legte ein gewisser William H. Hart einen Schacht zur Erdgasgewinnung fĂŒr die Beleuchtung einer MĂŒhle und eines Wohnhauses an. Hart nutzte Erdgas auch zur Beleuchtung eines Leuchtturms am Eriesee. Er grĂŒndete im Jahr 1858 die erste Erdgasgesellschaft, die Fredonia Gas Light Company. Ab 1884 wurde Erdgas in Pittsburgh in der Glas- und Stahlindustrie verwendet. Das Gas wurde via Pipeline aus Murrysville, heute etwa 35 km östlich von Pittsburgh gelegen, in die Stadt geliefert. Damit war Pittsburgh die erste Stadt der Welt, die an eine Erdgaspipeline angeschlossen war.[18]
Nordamerika, insbesondere die USA, hatte bis zum Jahr 1950 die höchste Nutzung von Erdgas der Welt (US-Förderanteil 1950 etwa 92 % der Weltproduktion, 1960 US-Förderanteil der Weltproduktion 80,2 %).[19] In der Bundesrepublik Deutschland betrug die Energienutzung von Erdgas Anfang der 1960er Jahre nur 1 % der fossilen PrimÀrenergie, 1970 waren es etwa 5 %.[19]
Erdgas wurde ursprĂŒnglich bei der Gewinnung von Erdöl lediglich abgefackelt.[20] ZunĂ€chst wurde Erdgas in den USA (seit Anfang der 1920er Jahre) und spĂ€ter in Europa (seit den 1960er Jahren) als Energierohstoff fĂŒr die Wirtschaft genutzt.
In einigen LÀndern wird Erdgas auch heute noch abgefackelt, da der Transport des Gases kostenaufwÀndig ist. In den USA wurden in den letzten Jahren viele Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke zur Stromgewinnung auf Erdgasbasis gebaut, diese haben einen sehr hohen Wirkungsgrad (rund 60 %) und können dazu noch die AbwÀrme als FernwÀrme zur Beheizung von WohnhÀusern nutzen.
Nutzung
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Erdgasverbrauch nach Verwendungszwecken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erdgas wird in Deutschland und in vielen anderen IndustrielÀndern hauptsÀchlich zur Versorgung mit NutzwÀrme in der Industrie und in WohngebÀuden genutzt. Um den Erdgasverbrauch zu senken, ist somit eine neue Strategie in der WÀrmeversorgung, d. h. eine WÀrmewende, erforderlich.
Gasverbrauch in Deutschland 2019, Zahlen: AG Energiebilanzen, Energiebilanz 2019
In Deutschland wird nach Energiebilanz ca. 40 % des PrimĂ€renergiebedarfs an Erdgas von Haushalt und Gewerbe verwendet, 29 % allein fĂŒr die Heizung privater Haushalte. Dagegen betrĂ€gt der gesamte industrielle Bedarf (Stand 2019) nur 24 % des PrimĂ€renergiebedarfs.[21]
Erdgas wird weiterhin in Gasturbinenkraftwerken, GuD-Kraftwerken sowie Gasmotorkraftwerken in Kraft-WĂ€rme-Kopplung verstromt. Diese Kraftwerke werden in Deutschland unter anderem zur Deckung von Spitzenlast verwendet, die Leistung der dort genutzten Blockheizkraftwerke und Gasturbinen kann â im Vergleich zu Kohle- und den inzwischen abgeschalteten Kernkraftwerken â gut (das heiĂt: zeitnah) geregelt werden. Nach der Energiebilanz Deutschlands von 2023 ging ca. 23 % des PrimĂ€renergiebedarfs an Erdgas in Deutschland in die Stromerzeugung. Er ist durch die Energiewende und auch durch den russischen Einmarsch in die Ukraine und dem daraus resultierenden Bezugsstopp von russischem Erdgas nicht wesentlich gesunken.[22] In einigen LĂ€ndern spielt die Stromproduktion aus Gas eine gröĂere Rolle, so wird in Russland: ca. 50 % des Stroms aus Gas erzeugt.[23]
Mit einem Anteil von 25,6 % haben Gase, die neben Erdgas auch FlĂŒssiggas, Raffineriegas, Kokereigas und Gichtgas beinhalten, den zweitgröĂten Anteil vom Endenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2018. Strom hĂ€lt im Vergleich dazu nur etwa 20 % am Endenergieverbrauch.[24] Den gröĂten Anteil hatten mit 30 % Kraftstoffe und ĂŒbrige Mineralölprodukte ohne Heizöle. In der Schweiz lag der Anteil am Endenergieverbrauch 2018 bei 13,5 %.[25]
Treibstoff fĂŒr Kraftfahrzeuge
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Erdgas wird seit einigen Jahren auch verstĂ€rkt als Kraftstoff fĂŒr entsprechend motorisierte Kraftfahrzeuge verwendet. Lagerung, Transport und Betankung erfolgen entweder als Compressed Natural Gas (CNG, komprimiertes Erdgas), das heiĂt stark verdichtetes, aber nach wie vor gasförmiges Erdgas, oder als Liquefied Natural Gas (LNG, verflĂŒssigtes Erdgas), das heiĂt durch starke AbkĂŒhlung verflĂŒssigtes und durch Lagerung in speziellen Kryotanks kĂŒhl und flĂŒssig gehaltenes Erdgas.
Erdgas als Treibstoff fĂŒr Autos ist nicht zu verwechseln mit Autogas. Dieser auch mit NGL (Natural Gas Liquids) oder LPG (Liquefied Petroleum Gas) abgekĂŒrzte Brennstoff enthĂ€lt kein Methan, sondern besteht ĂŒberwiegend aus den langkettigeren Alkanen Propan und Butan, die im Erdgas nur in geringen Mengen vorhanden sind. Das an Tankstellen angebotene Autogas entstammt meistens der Erdölraffination.
Der Vorteil von Erdgas und Autogas liegt in der gegenĂŒber Benzin und Diesel saubereren Verbrennung. Dies liegt im Fall von Erdgas/CNG einerseits daran, dass der Kraftstoff im Verbrennungsraum bereits homogen gasförmig vorliegt, und nicht in zerstĂ€ubter Form wie im Fall von Benzin und Diesel, andererseits daran, dass die MolekĂŒlketten nur ca. halb so viel Kohlenstoffatome im VerhĂ€ltnis zu den Wasserstoffatomen enthalten wie in Benzin und Diesel, also bei der Verbrennung mit Sauerstoff mehr Wasser (H2O) und weniger Kohlendioxid (CO2) und RuĂ entsteht. Daher genieĂen beide Kraftstoffe in Deutschland steuerliche VergĂŒnstigungen. Mit Beschluss des Bundestages vom 27. August 2017 zum zweiten Ănderungsgesetz unter anderem des Energiesteuergesetzes wurde die steuerliche BegĂŒnstigung von Erdgas als Kraftstoff zwar ĂŒber das Jahr 2018 hinaus verlĂ€ngert, jedoch wird sich der reduzierte Steuersatz von derzeit 13,9 Euro/MWh (ca. 0,18 Euro/kg, H-Gas-QualitĂ€t *) ab dem 1. Januar 2024 bis zum 31. Dezember 2026 schrittweise auf 27,33 Euro/MWh (ca. 0,35 Euro/kg) erhöhen.[26][27] Zum Vergleich: bei Benzin liegt der Steuersatz aktuell (2018) bei rund 77,00 Euro/MWh.[27] In Deutschland kann Erdgas (CNG) fĂŒr Preise zwischen 0,79 Euro/kg und 1,27 Euro/kg getankt werden. Der Durchschnittspreis betrĂ€gt 1,06 Euro/kg (Stand August 2018).[28]
Eine Alternative zu reinem Erdgas ist HCNG, eine Mischung aus komprimiertem Erdgas und Wasserstoff, mit der jedes Fahrzeug betrieben werden kann, das ĂŒber einen herkömmlichen Erdgasmotor verfĂŒgt. Das Gleiche gilt fĂŒr Biogas.
Preisentwicklung
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(in US-Dollar pro Mio. Btu)
Die Gaspreise erreichten 2008/09 einen Höhepunkt. Der anschlieĂend einsetzende Schiefergas-Boom in den USA sorgte dort fĂŒr deutlich niedrigere Erdgaspreise als im Rest der Welt.[29]
Zum Jahresende 2015 war jedoch ein globales Ăberangebot erreicht. Mit den zunehmenden Möglichkeiten des LNG-Imports mit Schiffen nach Europa kam es auch hier zu einem Zusammenbruch der GroĂhandelspreise.[30]
Im Jahr 2016 nahm die US-Firma Cheniere Energy den LNG-Export nach Europa auf.[30] Die Chemiefirma Ineos bezieht seit September 2016 Ethan aus den USA.[31]

Nach dem russischen Ăberfall auf die Ukraine stieg der Preis fĂŒr eine Megawattstunde Erdgas zur Lieferung im April 2022 am niederlĂ€ndischen Referenzmarkt TTF am 2. MĂ€rz 2022 auf fast 194 Euro und somit auf ein neues Allzeithoch.[33]
Am 18. August 2022 kĂŒndigte die deutsche Bundesregierung fĂŒr Erdgas eine befristete Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent an.[34]
Bereits erfolgte Steuersenkungen fĂŒr Benzin, Diesel und Erdgas (Tankrabatt) hatten indes wenig Wirksamkeit gezeigt und stehen unter anderem daher in der Kritik.[35]
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1844 wurde in Europa erstmals Erdgas im Gebiet des Wiener Ostbahnhofs gefunden. 1892 folgten Funde bei Wels. Im 20. und 21. Jahrhundert ausgebeutete groĂe Gasfelder sind das Troll-Feld in Norwegen, das Nord-Feld in Katar und das Gasfeld Urengoi in Russland. Des Weiteren werden noch groĂe, unerschlossene Gasfelder im Iran vermutet. Methan in Gashydraten wird in groĂer Menge nicht nur im Bereich des Kontinentalschelfs vermutet, sondern auch in Permafrostböden in Sibirien, Kanada und Alaska.
Die Vereinigten Staaten sind neben Russland das Land mit der höchsten Förderrate fĂŒr Erdgas. Sie förderten im Jahr 2006 etwa 524 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Bis zum Jahr 1999 hatten sie 94.000 Bohrungen im eigenen Land vorgenommen.[36]
Suche nach LagerstÀtten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ziel der Erdgasexploration ist das Auffinden von ErdgaslagerstĂ€tten. Im Vordergrund des Interesses stehen LagerstĂ€ttentypen, die mittels herkömmlicher Förderverfahren mit verhĂ€ltnismĂ€Ăig geringem Aufwand ausgebeutet werden können. Solche Vorkommen werden entsprechend als konventionelle Vorkommen bezeichnet. Erkundungen, die von Geologen und Geophysikern privater oder staatlicher Erdöl- und Erdgasfirmen unternommen werden, konzentrieren sich daher auf die Identifizierung geologischer VerhĂ€ltnisse, die die Anwesenheit konventioneller Vorkommen im Untergrund wahrscheinlich machen.
Konventionelle Erdgasvorkommen bestehen aus einem porösen und permeablen, mit Erdgas gesĂ€ttigten Speichergestein, das sich unterhalb einer geringporösen impermeablen Gesteinsschicht, dem Deckgestein, befindet. Speicher und Deckgestein mĂŒssen zusĂ€tzlich Teil einer geologischen Struktur sein, die erst die Anreicherung von Gas zu abbauwĂŒrdigen Mengen ermöglicht. Solche Strukturen heiĂen Erdgasfallen. Das Erdgas kann so weder nach oben noch seitlich entweichen und steht, da es sich tief unter der Erde befindet, unter hohem Druck.
Die Auswertung von Satelliten- oder Luftbildern oder die mittels klassischer Kartierung aufgenommene OberflĂ€chengeologie können dazu dienen, fossile Sedimentbecken zu identifizieren. Möglicherweise geben im GelĂ€nde angetroffene Erdgas-Austritte (z. B. Schlammvulkane) direkte Hinweise auf Gasvorkommen im Untergrund. Erste nĂ€here Untersuchungen der Geologie des tieferen Untergrundes erfolgen oft durch seismische Messungen. Dabei werden Druckwellen (im Prinzip Schall), erzeugt mittels Sprengungen in flachen Bohrlöchern oder mit Hilfe von Vibratoren, in den Erdboden geschickt. Die Schallwellen werden dabei von bestimmten Erdschichten, sogenannten Reflektoren, zur ErdoberflĂ€che zurĂŒckgeworfen, wo sie von hochsensiblen ErschĂŒtterungsmessern, sogenannten Geophonen registriert werden. Aus den Zeitdifferenzen zwischen âAbschussâ der Welle und Registrierung durch die Geophone ergibt sich die Tiefenlage einzelner Reflektoren. Wenn Schallquellen und Messstellen netzförmig an der ErdoberflĂ€che angeordnet sind, kann aus den ermittelten Daten ein dreidimensionales seismisches Modell des Untergrundes erstellt werden (3D-Seismik).[36] Aus diesem Modell lassen sich Erkenntnisse ĂŒber die Geologie des Untergrundes gewinnen, anhand derer festgelegt wird, auf welche Bereiche der seismisch erkundeten Region sich die weitere Explorationsarbeit konzentriert.
An besonders vielversprechenden Stellen werden Probebohrungen niedergebracht. Hierbei wird die Interpretation des seismischen Modells mit der tatsÀchlich erbohrten Geologie abgeglichen und entsprechend verfeinert. Das Antreffen gasgesÀttigten Sedimentgesteins in einer vorhergesagten Tiefe bestÀtigt dann die Interpretation einer im seismischen Profil erkennbaren Struktur als Erdgasfalle.
Interessiert man sich nach Beginn der Förderung fĂŒr VerĂ€nderungen des Fluidgehalts einer LagerstĂ€tte, kann eine so genannte 4D-Seismik durchgefĂŒhrt werden.[36] Hierbei erkennt man die durch die Förderung entstehenden VerĂ€nderungen oder noch vorhandene VorrĂ€te einer LagerstĂ€tte.
LagerstÀttentypen
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Konventionelle LagerstÀtten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der bisher am hĂ€ufigsten erschlossene ErdgaslagerstĂ€ttentyp sind Gasvorkommen in porösen und permeablen Gesteinen (z. B. Sandsteine, Massenkalke) unterhalb geringporöser, impermeabler Gesteine (Tonsteine, Mergelsteine, feinkörnige Kalksteine). Das Gas ist hierbei im Porenraum der permeablen Gesteine aus noch gröĂerer Tiefe nach oben gestiegen (migriert), wo der weitere direkte Aufstieg durch das impermeable Deckgestein verhindert wird. Besondere Voraussetzung fĂŒr die Bildung einer LagerstĂ€tte ist jedoch die Existenz geologischer Strukturen, die eine seitliche Migration des Gases unterhalb des Deckgesteins verhindern und somit ĂŒberhaupt erst eine Anreicherung gröĂerer Gasmengen im dann als Speichergestein bezeichneten porösen Gestein ermöglichen. Solche Strukturen, die sowohl sedimentĂ€ren als auch tektonischen Ursprungs sein können, werden Erdgasfallen genannt. Dies können u. a. âertrunkeneâ fossile Riffkörper sein oder die Flanken eines Salzstockes.
Sehr hĂ€ufig tritt Erdgas aufgrund seiner geringeren Dichte in den obersten Bereichen einer konventionellen ErdöllagerstĂ€tte auf. Man spricht hierbei von assoziiertem (âmit Ăl vergesellschaftetemâ) Erdgas. Reine ErdöllagerstĂ€tten ohne Gas sind eher die Ausnahme, da sich in Erdölmuttergesteinen stets auch Gas bildet und beides zusammen in die LagerstĂ€tten migriert. Das bei der Erdölgewinnung anfallende Erdgas wird abgetrennt und gesondert verarbeitet oder aber, insbesondere bei der Offshore-Ălförderung, einfach abgefackelt (d. h., noch an Ort und Stelle der Förderung mit einer Gasfackel verbrannt). Weil Erdgas eine deutlich höhere MobilitĂ€t als Erdöl besitzt, lĂ€uft dessen Migration leichter ab. Deshalb sind reine ErdgaslagerstĂ€tten konventionellen Typs, sogenanntes nicht-assoziiertes Erdgas, relativ hĂ€ufig.
Unkonventionelle LagerstÀtten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als unkonventionell werden LagerstÀtten bezeichnet, die nicht dem konventionellen Erdgasfallen-Typ entsprechen und aus denen meist nur mit erheblichem Aufwand Gas gefördert werden kann (z. B. durch sogenanntes Fracking). In den USA wurden bereits 2010 40 % der gesamten Gasproduktion aus unkonventionellen Vorkommen gefördert.[37] Die Fördermengen schwanken stark mit dem Marktpreis.[38]
Kohleflözgas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch in Kohleflözen ist Erdgas gebunden, welches auch als Grubengas bezeichnet wird. Methan wird von Kohle an seiner groĂen inneren OberflĂ€che in bedeutendem Umfang adsorbiert. In gröĂeren Tiefen kann durch den höheren Druck Kohle proportional mehr Erdgas enthalten und entsprechend mehr durch Entspannen und Abpumpen gefördert werden. Kohleflöze können auch durch Untertagevergasung in ein erdgasĂ€hnliches Brenngas umgewandelt werden.
In den USA werden 10 % des Erdgases aus Kohleflözen gewonnen, dies waren im Jahr 2002 etwa 40 Milliarden Kubikmeter. In den USA wurden 11.000 Bohrungen durchgefĂŒhrt, um diesen LagerstĂ€ttentyp zu erschlieĂen. In Deutschland werden die Erdgasreserven in Kohleflözen auf etwa 3.000 Milliarden Kubikmeter geschĂ€tzt.[36] Weltweit schĂ€tzt man die Erdgasreserven in Kohleflözen auf 92.000 bis 195.000 Milliarden Kubikmeter.
Gashydrate
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei hohem Druck und tiefen Temperaturen bildet Methan zusammen mit Wasser einen eisĂ€hnlichen Feststoff, sogenanntes Methanhydrat. Ein Kubikmeter Gashydrat enthĂ€lt etwa 164 Kubikmeter Methangas. In den Meeresböden der heutigen Kontinentalschelfe und -hĂ€nge, ab etwa 300 Meter unterhalb des Meeresspiegels, sowie in Permafrostböden gibt es erhebliche Vorkommen. Das Methan stammt aber vermutlich nur teilweise aus âundichtenâ ErdgaslagerstĂ€tten. Der andere Teil entstammt der TĂ€tigkeit von Mikroorganismen im Boden bzw. Meeresboden.
Tight Gas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âTight Gasâ findet sich in âzerstörtenâ Speichergesteinen (sogenannten tight gas sands oder tight gas carbonates), d. h. in Gesteinen, die einst porös und permeabel genug waren, dass Erdgas dort hinein migrieren konnte. Fortschreitende Diagenese mit verstĂ€rkter Kompaktion des Speichergesteins bzw. zusĂ€tzlichem Wachstum von Mineralkörnern fĂŒhrte zu einer deutlichen Verringerung des Porenraumes und einem Verlust der PoreninterkonnektivitĂ€t. Durch den damit einhergehenden Verlust der PermeabilitĂ€t ist eine ökonomisch sinnvolle Erdgasförderung mit konventionellen Methoden aus diesen Gesteinen unmöglich.[39]
Nach einer allgemeineren Definition von Tight-Gas-LagerstĂ€tten bezeichnet der Begriff alle nicht-konventionellen Vorkommen, die zwar tief unter der Erde liegen, aber durch herkömmliche Förderverfahren nicht rentabel bewirtschaftet werden können bzw. keine wirtschaftlich lohnenden Mengen an Erdgas liefern.[40] Unter diese Definitionen fallen nicht nur ErdgaslagerstĂ€tten in diagenetisch âzerstörtenâ Speichergesteinen, sondern auch Schiefergas- und Kohleflözgas-LagerstĂ€tten.
Schiefergas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Gegensatz zu Tight Gas im engeren Sinne ist Schiefergas (âShale Gasâ) gar nicht erst dazu gekommen, in ein (ursprĂŒnglich) poröseres Gestein zu migrieren, sondern befindet sich noch in seinem Muttergestein, einem primĂ€r kohlenstoffreichen Tonstein (âĂlschieferâ im weitesten Sinn).[41]
Aquifergas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]AuĂerdem kann eine erhebliche Erdgasmenge in sehr tiefen Grundwasserschichten eines Aquifers gelöst sein.
VorrÀte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Menge des in LagerstĂ€tten enthaltenen Erdgases liegt laut SchĂ€tzungen der Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe ĂŒber die weltweiten Erdgasressourcen und -reserven bei 819.000 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Dabei liegen Erdgasreserven, d. h. derzeit technisch und wirtschaftlich gewinnbare Mengen, bei 192.000 Milliarden Kubikmetern. Bei weltweit gleichbleibender Erdgasförderung von etwa 3.200 Milliarden Kubikmetern pro Jahr entspricht dies einer statischen Reichweite von etwa 60 Jahren.[42] Diese Zahlen beinhalten die gemeinsame Betrachtung von konventionellem und dem bereits seit einigen Jahren wirtschaftlich geförderten nicht-konventionellen Erdgas und umfasst Schiefergas (Shale Gas), Kohleflözgas (coal bed methane, CBM) sowie Erdgas in dichten Sandsteinen und Karbonaten (Tight Gas). Tight Gas wird derzeit ĂŒberwiegend in den Vereinigten Staaten gefördert, wobei eine strikte Abgrenzung vom konventionellen Erdgas nicht mehr stattfindet. Auch in Deutschland wird seit Jahren Erdgas aus dichten Sandsteinen produziert und gemeinsam mit konventionellem Erdgas ausgewiesen. Nicht enthalten sind darin die Ressourcen von Aquifergas und Erdgas aus Gashydrat, da derzeit noch offen ist, ob und wann dieses Potenzial kommerziell genutzt werden kann. Insgesamt gibt es hier ein Potenzial von bis zu 1.800.000 Milliarden Kubikmeter.[42]
Zur Lage der konventionellen und unkonventionellen Vorkommen von Erdöl und Erdgas auf der Erde siehe auch Erdölgewinnung.
Erdgasindustrie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gewinnung
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Erdgas wird durch Bohrungen entweder in reinen Erdgasfeldern gewonnen oder als Nebenprodukt bei der Erdölförderung. Da das Erdgas in der Regel unter hohem Druck (manchmal circa 600 bar) steht, fördert es sich sozusagen von selbst, sobald das Reservoir einmal geöffnet ist.
Im Laufe der Zeit nimmt der Gasdruck der LagerstĂ€tte stetig ab. Die Exploration erfolgt heutzutage zunĂ€chst mit dreidimensionalen physikalischen Seismographen, dann durch geochemische Methoden und schlieĂlich durch eine Erdbohrung.
ErschlieĂung und Förderung an Land (Onshore)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unkonventionelles Erdgas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konventionelles Erdgas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim Bohren nach Erdgas wird hĂ€ufig eine Tiefe von 4â6 Kilometer, bei Erkundungsbohrungen manchmal bis 10 Kilometer erreicht. Es gibt auch Bohrer, die nicht nur senkrecht, sondern auch schrĂ€g bis horizontal ins Gestein bohren können (insbesondere fĂŒr Offshore-Bohrungen entwickelt). Beim Bohren muss das Gestein zerkleinert und nach oben befördert werden, ein Mantel muss den Bohrhohlraum schĂŒtzen.
Im sogenannten Rotary-Bohrverfahren befindet sich der BohrmeiĂel in einem ummantelten BohrgestĂ€nge, das an einem Flaschenzug im Bohrturm (Höhe: 20 bis 40 Meter) befestigt ist.[36]
Beim Bohren können InstabilitĂ€ten im Gestein und ein Verlust an BohrflĂŒssigkeit auftreten, daher mĂŒssen zur Stabilisierung RohrstrĂ€nge (auch Casing genannt) in die Bohrung eingebracht werden. Nachfolgend wird dann mit einem geringeren Durchmesser weitergebohrt.[43]
Der Bohrloch-Durchmesser nimmt mit zunehmender Tiefe ab (von etwa 70 cm auf 10 cm). In der Mantelschicht (zwischen BohrgestĂ€nge und dessen Ummantelung) strömt eine wĂ€ssrige Tonsuspension (âBohrschlammâ) zur KĂŒhlung des BohrmeiĂels, zur Stabilisierung des Bohrlochs und zur Förderung des Bohrkleins. Im Zuge der Komplettierung der Bohrung wird zwischen dem Förderstrang und der Bohrlochauskleidung (Casing) knapp oberhalb der Erdgas fĂŒhrenden Schicht eine Dichtungsmanschette â Packer genannt â im Bohrloch platziert. Eine fertig ausgebaute und zur Förderung genutzte Bohrung mitsamt ihrer oberirdischen Aufbauten wird als Sonde bezeichnet. Zu diesen Aufbauten gehört speziell das Eruptionskreuz, das die Bohrung an ihrem oberen Ende, am sogenannten Bohrlochkopf, abschlieĂt. Es umfasst zwei Hauptschieber, von denen einer als automatischer Sicherheitsabsperrschieber ausgerĂŒstet ist, der bei kritischen Betriebsbedingungen die Sonde automatisch sperrt. Vom Bohrloch weg erfolgt die Ableitung des Gases ĂŒber weitere Schieber und den DĂŒsenstock â in der Regel mit einem Betriebsdruck von etwa 70 bar â zur Sammelstelle (onshore ist das zunĂ€chst eine Feldstation, von wo aus das Gas zu einer zentralen Verdichterstation weitergeleitet wird, wo in der Regel zumindest bereits eine Teilaufbereitung und auch ggf. Verschnitt und die Einspeisung ins Netz erfolgen).
Die Bohrkosten machen bis zu 80 % der Aufwendungen bei den ErschlieĂungskosten einer ErdgaslagerstĂ€tte aus.
Induzierte SeismizitÀt
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Die Förderung konventionellen Erdgases kann zu leichten, quasi-menschgemachten Erdbeben fĂŒhren, wenn sich durch die Druckentlastung und einhergehende Kompaktion der LagerstĂ€ttengesteine die SpannungsverhĂ€ltnisse im Bereich der LagerstĂ€tte derart stark Ă€ndern, dass es an nahegelegenen Verwerfungen zu Bewegungen kommt. Ein Beispiel gibt das Gasfeld Groningen in der gleichnamigen Provinz im gemeinhin als aseismisch geltenden Norden der Niederlande. Nach fast 30 Jahren Förderung aus Oberrotliegend-Sandsteinen in 2600 bis 3200 m Tiefe wurde dort Ende 1991 erstmals seismische AktivitĂ€t verzeichnet, deren HĂ€ufigkeit und HöchststĂ€rke in den Folgejahren erheblich zunahm.[44][45] Die bislang stĂ€rksten Beben ereigneten sich am 8. August 2006 (ML 3,5), am 16. August 2012 (ML 3,6) sowie am 8. Januar 2018 und am 22. Mai 2019 (jeweils ML 3,4).[46] Zwar hat die niederlĂ€ndische Regierung die genehmigten Fördermengen bereits im Jahr 2016 auf 24 Milliarden mÂł/Jahr etwa halbiert und ab dem 1. Oktober 2017 um weitere 10 % auf 21,4 Milliarden mÂł/Jahr gekĂŒrzt,[47] aber die Kosten fĂŒr die Behebung der SchĂ€den (u. a. Risse in GebĂ€uden) belaufen sich inzwischen (Stand 2018) auf rund 1,5 Milliarden Euro.[48] Unklar ist, ob das AusmaĂ der seismischen AktivitĂ€t stĂ€rker mit der kumulierten Gesamtfördermenge zusammenhĂ€ngt oder mit der Förderrate (Fördermenge pro Zeitspanne).[44][45] WĂ€hrend ein zunehmend ausgeförderter Speichergesteinskörper generell anfĂ€lliger fĂŒr seismische Reaktionen zu sein scheint, könnten konstante niedrige Förderraten dafĂŒr sorgen, dass der Abbau von Spannungen in der LagerstĂ€tte vorwiegend nur durch âaseismisches Kriechenâ erfolgt.[45] Ein weiteres der stĂ€rksten induzierten Erdbeben in den Niederlanden ereignete sich am 9. September 2001 (ML 3,5) in dem im Vergleich zu Groningen deutlich kleineren und auch seismisch deutlich weniger aktiven Erdgasfeld Bergenermeer bei Alkmaar in der Provinz Noord-Holland. Auch aus den Erdgasfeldern Nordwestdeutschlands, aus der Gegend um Cloppenburg, ist seismische AktivitĂ€t mit Magnituden von ML 2,5 bis 3,0 bekannt.[49]
ErschlieĂung und Förderung im Meer (Offshore)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaftlich sinnvoll förderbare Erdgasvorkommen finden sich nicht nur im Untergrund der FestlÀnder, sondern auch in jenen Bereichen der oberen kontinentalen Erdkruste, die vom Meer bedeckt sind, den sogenannten Schelfen. Die ersten Offshore-Bohrungen wurden im Jahr 1947 von den USA vorgenommen. SpÀter wurden fixe Bohrplattformen mit ausfahrbaren Beinen konstruiert. Es konnten Wassertiefen von mehreren hundert Metern erreicht werden.
Infolge eines zunehmenden Interesses an der Exploration der Ă€uĂeren Schelfbereiche und des Kontinentalhangs wurden schwimmende Bohrplattformen (âOffshore-Drilling Unitsâ) und Bohrschiffe entwickelt. Dabei wird der Bohrlochkopf auf den Meeresgrund verlagert. Mit derartigen Anlagen ist es gelungen, bis in 3.000 Meter Wassertiefe vorzustoĂen.[36]
Verarbeitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trocknung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erdgastrocknung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Trocknung von Erdgas, d. h. der Entzug von Wasser oder höheren Kohlenwasserstoffen, ist ein wesentlicher Vorgang bei der Erdgasaufbereitung.
Bei ungenĂŒgender Trocknung kann es zur Bildung von Methanhydraten kommen. Die festen Methanhydrate können zu einem extremen Druckabfall in der Pipeline beitragen und die Ventile und Rohrleitungen beschĂ€digen. Die Trocknung garantiert auch einen gleich bleibenden Brennwert des Gases bei der Einspeisung in das öffentliche Gasnetz.
Gemessen wird der Trocknungsgrad von Erdgas mit dem Taupunkt. In der Regel wird ein Druck-Taupunkt unter â8 °C angestrebt.
Zur Gastrocknung sind unter anderem folgende Verfahren bekannt:
Absorptionstrocknung mit Triethylenglycol
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Absorptionstrocknung wird Erdgas in einer Absorptions-Kolonne mit Triethylenglycol (TEG) in Kontakt gebracht. TEG ist stark hygroskopisch und entzieht dadurch dem Gas das Wasser.
Der Kontakt beider Medien erfolgt im Gegenstrom. Das Gas strömt in der Kolonne von unten nach oben. Entgegen hierzu wird das Triethylenglycol in der Kolonne oben eingebracht und unten wieder ausgeschleust. Voraussetzung fĂŒr eine gute Wasseraufnahme ist eine groĂe KontaktflĂ€che zwischen TEG und Gas, weshalb in der Kolonne eine strukturierte Packung eingebaut ist. In der Packung verteilt sich das TEG weitrĂ€umig.
Das aus der Kolonne ausgeschleuste Triethylenglycol wird in einer Regenerationsanlage wieder aufbereitet. In einem Verdampfer werden durch Erhitzen das aufgenommene Wasser sowie in geringeren Mengen auch Kohlenwasserstoffe aus dem Triethylenglycol entfernt.
Der Verdampfer wird ĂŒber heiĂe Verbrennungsgase beheizt, welche in einer separat aufgestellten Brennkammer erzeugt werden. In der Brennkammer werden auch die bei der Regeneration entstehenden BrĂŒdengase verbrannt. Dadurch wird der Bedarf an zusĂ€tzlich eingespeisten Brennstoff reduziert. AuĂerdem mĂŒssen die BrĂŒdengase nicht aufwĂ€ndig kondensiert und entsorgt werden.
Trocknung mittels Molekularsieb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Trocknungsprozess von Gasen mittels Molekularsieb erfolgt in der Regel in verschiedenen Stufen:
In einer ersten Stufe erfolgt die Vortrocknung durch WĂ€rmeĂŒbertrager oder andere Arten von Wasserabscheidern. Hierbei wird das Gas gekĂŒhlt und durch Abscheider groĂe Mengen an Wasser entzogen. Der Restwassergehalt im Gas ist nach diesem Prozess allerdings noch zu hoch, um es genĂŒgend komprimieren und damit verflĂŒssigen zu können.
Nach der Vortrocknung gelangt das Gas in sogenannte Adsorber. Dies sind mindestens zwei Tanks, welche mit einem Molekularsieb gefĂŒllt sind. Das Gas wird zunĂ€chst durch Adsorber Nr. 1 geleitet. Der Wasserdampf wird vom Molekularsieb aufgenommen (adsorbiert). Dieser Adsorptionszyklus kann bis zu 12 Stunden oder mehr dauern. AnschlieĂend wird der Gasstrom durch Adsorber Nr. 2 geleitet und der Adsorber Nr. 1 âgehtâ in die Regenerationsphase. Bei der Regenerierung wird heiĂe Luft, Stickstoff oder das Erdgas mit einer Temperatur ab ca. 280 °C durch den Adsorber gepresst. Hierdurch werden die vom Molekularsieb zurĂŒckgehaltenen WasserdampfmolekĂŒle wieder abgegeben und aus dem Tank heraus befördert. Danach erfolgt die KĂŒhlung des Molekularsiebes ĂŒber mehrere Minuten bis Stunden. Eine Adsorptions- und Regenerationsphase nennt man Zyklus.
Am Gasaustritt kann ein Taupunkt von bis zu â110 °C erreicht werden.
Die bei der Erdgastrocknung eingesetzten Molekularsiebe werden speziell fĂŒr die verschiedensten Gaszusammensetzungen entwickelt. Oft mĂŒssen nicht nur WassermolekĂŒle, sondern auch Schwefelwasserstoff oder Kohlenwasserstoffe aus dem Gas entfernt werden. In den meisten FĂ€llen kommt ein 4A Molekularsieb (mit einer Porenöffnung von 4 Ă Durchmesser) zum Einsatz. Es gibt auch Situationen, fĂŒr welche eine Kombination aus verschiedenen Typen zur Anwendung gelangt.
Abtrennung von Kohlenstoffdioxid und Schwefelwasserstoff
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Abtrennung von Kohlenstoffdioxid und Schwefelwasserstoff erfolgt auf chemischem oder physikalischem Weg. Die beiden Gase können zusammen mit einer Base wie N-Methyl-Pyrrolidon (Purisol-Verfahren) in einem hochsiedenden Lösungsmittel gebunden werden.
Bei der physikalischen Abtrennung, beispielsweise dem Sulfinol-Prozess, wird eine hochsiedende polare organische FlĂŒssigkeit, die etwas Wasser enthĂ€lt, eingesetzt. Beim Sulfinol-Prozess verwendet man als Lösungsmittel eine Mischung aus Diisopropanolamin (DIPA), Tetrahydrothiophendioxid (Sulfolan) und Wasser.
Der Schwefelwasserstoff aus dem Erdgas wird unter hoher Hitze mit Sauerstoff zu Schwefel umgesetzt (Claus-Verfahren).
Abtrennung von Stickstoff
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stickstoff und Helium können durch Tieftemperaturtrennung vom Erdgas abgeschieden werden. In einer Hochdrucktrennapparatur steigt ein mit Stickstoff angereicherter Gasstrom nach oben, Methangas strömt zum Sumpf der Kolonne. Dieser Verfahrensschritt kann mit der FlĂŒssigerdgasherstellung (LNG) gekoppelt werden.
Radioaktiver Abfall
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Dezember 2009 wurde der Ăffentlichkeit bekannt, dass bei der Erdöl- und Erdgasförderung jĂ€hrlich Millionen Tonnen radioaktiver RĂŒckstĂ€nde anfallen, fĂŒr deren Entsorgung gröĂtenteils der Nachweis fehlt.[50] Im Rahmen der Förderung an die ErdoberflĂ€che gepumpte SchlĂ€mme und AbwĂ€sser enthalten NORM-Stoffe (Naturally occurring radioactive material), auch das hochgiftige und extrem langlebige Radium 226 sowie Polonium 210. Die spezifische AktivitĂ€t der AbfĂ€lle betrĂ€gt zwischen 0,1 und 15.000 Becquerel (Bq) pro Gramm. In Deutschland, wo etwa 1.000 bis 2.000 Tonnen Trockenmasse im Jahr anfallen, ist das Material laut der Strahlenschutzverordnung von 2001 bereits ab einem Bq pro Gramm ĂŒberwachungsbedĂŒrftig und mĂŒsste gesondert entsorgt werden. Die Umsetzung dieser Verordnung wurde der Eigenverantwortung der Industrie ĂŒberlassen, wodurch die AbfĂ€lle letztlich ĂŒber Jahrzehnte hinweg sorglos und unsachgemÀà beseitigt wurden. Es sind FĂ€lle dokumentiert, in welchen AbfĂ€lle mit durchschnittlich 40 Bq/g ohne jede Kennzeichnung auf einem BetriebsgelĂ€nde gelagert wurden und auch nicht fĂŒr den Transport besonders gekennzeichnet werden sollten.[51]
In LĂ€ndern mit gröĂeren geförderten Mengen von Ăl oder Gas entstehen deutlich mehr AbfĂ€lle als in Deutschland, jedoch existiert in keinem Land eine unabhĂ€ngige, kontinuierliche und lĂŒckenlose Erfassung und Ăberwachung der kontaminierten RĂŒckstĂ€nde aus der Ăl- und Gasproduktion. Die Industrie geht mit dem Material unterschiedlich um: In Kasachstan sind weite Landstriche durch diese AbfĂ€lle verseucht, in GroĂbritannien werden die radioaktiven RĂŒckstĂ€nde in die Nordsee geleitet.[50][51] In den Vereinigten Staaten gibt es in fast allen Bundesstaaten aufgrund der radioaktiven Altlasten aus der Erdölförderung zunehmend Probleme. In Martha, einer Gemeinde in Kentucky, hat das Unternehmen Ashland Inc. tausende kontaminierte Förderrohre an Farmer, KindergĂ€rten und Schulen verkauft, ohne diese ĂŒber die Kontamination zu informieren. Es wurden bis zu 1.100 Mikroröntgen pro Stunde gemessen, so dass die Grundschule und einige WohnhĂ€user nach Entdeckung der Strahlung sofort gerĂ€umt werden mussten.[52]
Transport
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Erdgas wird ĂŒberwiegend ĂŒber Erdgasleitungen auch ĂŒber groĂe Distanzen transportiert, daher auch der Begriff âFerngasâ. Bedeutende Pipelines fĂŒr die Anbindung von Westeuropa, dessen Erdgas bis zum Ăberfall Russlands auf die Ukraine Ende Februar 2022 gröĂtenteils aus Russland bezogen wurde, sind unter anderen die Erdgasleitung JamalâEuropa, Nord Stream (North European Gas Pipeline), die Sojus-Pipeline oder der âsĂŒdliche Gaskorridorâ.[53]
- Siehe auch: âWichtige Erdgaspipelines in Deutschlandâ
DarĂŒber hinaus kann Erdgas durch physikalisch-technische Verfahren komprimiert (CNG, Compressed Natural Gas) oder in den flĂŒssigen Aggregatzustand ĂŒberfĂŒhrt werden (LNG, Liquified Natural Gas). Gemeinsam ist diesen Verfahren (siehe Treibstoff fĂŒr Kraftfahrzeuge) eine Verringerung des Volumens bzw. eine Erhöhung der Dichte, wodurch gröĂere Mengen an Erdgas auf kleinerem Raum gelagert oder pro Zeitspanne transportiert werden können.
Rohrleitungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Druck in Gasleitungsrohren gestaltet sich je nach Transport und Verteilung unterschiedlich.
Die aus Stahl bestehenden Ferntransport-Rohrleitungen auf dem Festland haben einen Nenndurchmesser von 600 bis 1400 Millimeter, stehen unter einem Nenndruck von etwa 75 bis 84 bar und sind in der Regel etwa einen Meter unter der Erde verlegt. Alle 100 bis 150 Kilometer muss eine Kompressorstation fĂŒr Druckerhöhung sorgen. Ein weiter Transport von Erdgas kann â je nach Auslegung, Höhenverlauf und Durchflussrate einer Leitung â zu einem erheblichen Energieverbrauch durch Pumpen fĂŒhren. Bei 4.700 Kilometern mĂŒssen etwa 10 % der Energie des Erdgases fĂŒr den Pumpenbetrieb verwendet werden.[43] Zur Begrenzung von Gefahren durch Lecks, die einen ungehinderten Gasaustritt ermöglichen könnten, werden auĂerdem in gewissen AbstĂ€nden Schieber in einer Pipeline angebracht. In einer Steuerzentrale kann der Rohrdruck des Gasnetzes fernĂŒberwacht werden. Dieses Netz wird von den Fernleitungsnetzbetreibern betrieben.
FĂŒr die regionale Verteilung von Erdgas gibt es ein spezielles, dichteres Netzsystem von regionalen Betreibern mit einem Rohrleitungsdruck von etwa 16 bar. FĂŒr den Transport von Erdgas an die regionalen Kommunen gibt es ein drittes Netz, das nur noch einen Erdgas-Ăberdruck von weniger als 1 bar hat und fĂŒr private Haushalte einen Ăberdruck von nur noch 20 mbar aufweist. Bis zu einem Druck von 10 bar sind heute fĂŒr Gasleitungen Rohre aus Kunststoff (Polyethylen) ĂŒblich.[43]
In Deutschland hatte das Hochdruck-Erdgasnetz im Jahr 2002 eine LĂ€nge von etwa 50.000 Kilometer, das Netz mit Niederdruckleitungen zu den HausanschlĂŒssen hatte eine LĂ€nge von 370.000 Kilometer.
FĂŒr die Errichtung und den Betrieb von Erdgasnetzen mĂŒssen, je nach Baugrund (Fels, Sand) und Geografie (Querung von FlĂŒssen mit DĂŒkern, Bahnleitungen, Autobahnen etc.) hohe BetrĂ€ge aufgebracht werden. Der Beschaffungs- oder Zeitwert eines Erdgasnetzes ist insofern schwer abzuschĂ€tzen und hĂ€ngt auch vom GeschĂ€ftsmodell ab (zukĂŒnftiger Ertragswert).
Die fĂŒnf Erdgastransitleitungen in Ăsterreich wiesen 2006 durchwegs einen Nenndruck von 70 bar und folgende Nenndurchmesser auf: Trans Austria Gasleitung mit drei Parallel-StrĂ€ngen (etwa 380 Kilometer lang) mit 900 bis 1.050 Millimetern, West-Austria-Gasleitung (245 Kilometer) 800 Millimeter, (kĂŒrzer als 100 Kilometer) Hungarian-Austria-Gasleitung und Penta-West 700 Millimeter und SĂŒd-Ost-Gasleitung 500 Millimeter.[54] TAG erhielt (um 2006 bei Wildon) eine zweite Röhre, TAG aus 1970 stammend erhielt 2009 und 2011 neue Verdichter in Neustift und Baumgarten.
LNG-Transportschiffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr den Schifftransport wird das Erdgas durch AbkĂŒhlen auf â160 °C verflĂŒssigt (engl. Liquefied Natural Gas, LNG). Im Jahr 2014 konnten die gröĂten LNG-Tanker der Q-Max-Klasse ĂŒber 266.000 mÂł LNG transportieren. FĂŒr LNG-Tanker gibt es zwei Bauarten: Die Kugel- und die Membran-Tanker.[55] Insgesamt 130 LNG-Tanker wurden bis zum Jahr 2000 konstruiert.[36]
Als grobe GröĂenordnung ist diese Transportart ab 4.000 Kilometer Landweg oder 2.000 Kilometer Seeweg ökonomisch gĂŒnstiger als der Transport ĂŒber ein Rohrleitungssystem.[43]
Umwandlung in synthetische FlĂŒssigbrennstoffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weil Mineralöle wie Benzin und Diesel keine DruckbehĂ€lter fĂŒr Lagerung und Transport benötigen, ist die chemisch-technische Umwandlung in langkettige, bei Raumtemperatur flĂŒssige Kohlenwasserstoffe (sogenannte GtL-Verfahren) eine Möglichkeit, Erdgas in eine relativ leicht handhabbare und platzsparende Form zu ĂŒberfĂŒhren. Solche synthetischen Mineralöle sind frei von Schwefel und Schwermetallen und somit zudem umweltvertrĂ€glicher als Mineralöle aus natĂŒrlichem Rohöl. Die Unternehmen Sasol (SĂŒdafrika) und Shell (Malaysia) stellten bereits im Jahr 1997 aus Erdgas ein synthetisches Mineralöl her, das als Dieselzusatz Verwendung fand. Grundlage war die Umwandlung von Methan mit Sauerstoff zu Synthesegas (2 CH4 + O2 â 2 CO + 4 H2). Synthesegas lĂ€sst sich unter hohem Druck und hohen Temperaturen mittels des Fischer-Tropsch-Verfahren in synthetische Mineralöle umwandeln.
Da der Prozess hohe Temperaturen, DrĂŒcke und reinen Sauerstoff erforderte, versuchte man schon bald, die Reaktionsbedingungen fĂŒr die Umwandlung zu verbessern. Die Firma Syntroleum Company (in Tulsa, USA) entwickelte ein Verfahren, das mit Luft anstatt reinem Sauerstoff gute Rohölausbeuten brachte. Entscheidend in Bezug auf die Kosten sind möglichst niedrige Umwandlungstemperaturen. Es wurde eine Vielzahl von Katalysatoren fĂŒr eine derartige Umwandlung erprobt. Die Unternehmen möchten gerne auch die Umwandlung von Erdgas in einem einzigen Reaktionsschritt erreichen.
An der Pennsylvania State University war im Jahr 1999 ein Verfahren entwickelt worden, mittels eines Katalysators Methan bei weniger als 100 °C in Methanol umzuwandeln.[56]
- siehe auch Alternative Kraftstoffe
Speicherung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Ausgleich von Lastschwankungen bei der Erdgasversorgung wurden Untergrund-Erdgasspeicher errichtet. Ein BDEW-Sprecher teilte mit, dass es in Deutschland 46 Untertage-Gasspeicher gebe. Ihre AufnahmekapazitĂ€t betrage knapp 20 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas. Das entspreche fast einem Viertel des im Jahr 2007 in Deutschland verbrauchten Erdgases.[57] In Ăsterreich liegt die KapazitĂ€t bei fĂŒnf Milliarden Kubikmeter und ist damit prozentual noch höher.
Mitunter dienen untertĂ€gige Salzkavernen als Speicherort fĂŒr Erdgas. Zur Erstellung des Speicherhohlraums pumpt man Wasser durch eine Bohrung in eine geologische Salzformation. Hierbei löst sich das Salz in einem gesteuerten Prozess und die entstandene Salzsole wird durch die gleiche Bohrung abgeleitet. Als sogenannte Porenspeicher können aber auch entleerte Erdöl- und ErdgaslagerstĂ€tten dienen. Kurzfristige KapazitĂ€t haben sogenannte Röhrenspeicher mit 50 bis 100 bar, die mĂ€anderförmig einige Meter tief im Boden verlegt werden, beispielsweise Teil einer stillgelegten Erdgasleitung sein können.
Die wesentlich kleineren Ăbertage-Gasspeicher werden vorwiegend fĂŒr tĂ€gliche Bedarfsschwankungen verwendet. Statt der frĂŒheren turmhohen Gasometer (meist Teleskop- und ScheibengasbehĂ€lter) werden nun Hochdruck-KugelgasbehĂ€lter eingesetzt, die mit etwa 10 bar Ăberdruck betrieben werden.
Handel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ebenso wie Strom wird Erdgas in Europa und international an der Börse und ĂŒber OTC-MĂ€rkte mit Standardprodukten gehandelt. Langfristiger werden Jahre, Saisons, Quartale und Monate gehandelt. Der kurzfristige Mengenausgleich erfolgt im Spotmarkt ĂŒber Tages- und Stundenprodukte. Die Bedeutung klassischer langfristiger internationaler ImportvertrĂ€ge mit Take-or-Pay-Klauseln ist infolge der Liberalisierung der GasmĂ€rkte in Europa stark gesunken.
Versorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weltförderungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Netto-Weltförderung von Erdgas (Naturgas) abzĂŒglich zurĂŒckgepresstes und abgefackeltes Gas betrug im Jahr 2017 rund 3.680,4 Milliarden Kubikmeter, davon sind die USA mit 20,0 % (entspricht 734,5 Mrd. Kubikmetern Erdgas) und Russland mit 17,3 % (635,6 Mrd. Kubikmeter) Weltmarktanteil die HauptförderlĂ€nder. Im Jahr 2010 lag Russland in Sachen Erdgasförderung bislang das letzte Mal vor den USA. Unter den FörderlĂ€ndern belegt der Iran mit 6,1 % (223,9 Mrd. Kubikmeter) den dritten Platz.[58]
Damit deckte Erdgas im Jahr 2017 mit leichtem AufwĂ€rtstrend etwa 24 % des weltweiten Energieverbrauchs ab. Mit 739,5 Mrd. Kubikmetern, das entspricht 20,1 % des weltweiten Erdgasverbrauchs, fĂŒhren die USA auch die Liste der Verbraucher an. Dort liegt der Verbrauch also etwa fĂŒnf Milliarden Kubikmeter ĂŒber der eigenen Produktion. Russland verbrauchte zuletzt 424,8 Mrd. Kubikmeter Erdgas (11,6 % des weltweiten Erdgasverbrauchs) und ist damit ein Erdgas-Nettoproduzent. Auf Platz drei unter den Erdgaskonsumenten rangiert China mit 240,4 Mrd. Kubikmetern, was 6,6 % des Weltverbrauchs entspricht.[58]
Situation in Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Versorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis Anfang der 1980er Jahre wurde die Gasversorgung der meisten westdeutschen StĂ€dte von Stadtgas, das wegen des hohen Anteils von Kohlenstoffmonoxid giftig ist, auf Erdgas umgestellt. Dies war ohne gröĂere Umbauten möglich. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR vollzog man die Umstellung ĂŒberwiegend erst in den 1990er Jahren.

| Jahr | in Petajoule | in Milliarden Kubikmeter
(1 mÂł entspricht 35,169 MJ Heizwert) |
|---|---|---|
| 2000 | 2.204,0 | 62,67 |
| 2002 | 2.290,2 | 65,12 |
| 2004 | 2.216,7 | 63,03 |
| 2006 | 2.189,1 | 62,25 |
| 2008 | 2.176,9 | 61,90 |
| 2010 | 2.247,3 | 63,90 |
| 2011 | 2.038,2 | 57,96 |
| 2012 | 2.122,7 | 60,36 |
| 2013 | 2.184,3 | 62,11 |
| 2014 | 1.956,5 | 55,63 |
| 2015 | 2.056.5 | 58,48 |
| 2016 | 2.130,5 | 60,58 |
| 2017 | 2.149,3 | 61,11 |
| 2018 | 2.082,7 | 59,22 |
| 2019 | 2.084,9 | 59,28 |
| 2020 | 2.007,9 | 57,09 |
Zur Spitzendeckung sowie zum Ausgleich kurzfristiger Importstörungen und Bedarfsschwankungen werden etwa 18,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Untergrundspeichern gelagert.
Die Verwendung von Erdgas unterliegt einer Erdgassteuer, deren Normalsatz zurzeit bei 5,50 ⏠je Megawattstunde (das sind 0,55 Cent pro kWh) liegt.
Bei der Preisbildung fĂŒr Erdgas spielt die Ălpreisbindung immer noch eine groĂe Rolle. SpĂ€testens seit 2006 ist es jedoch den Versorgern möglich, ihren Gasbedarf ĂŒber den Gashandel an der Börse oder auf Brokerplattformen zu decken. Das Kartellamt untersagte den Versorgern im Oktober 2006 den Gasbedarf fĂŒr ihre Versorgungsgebiete (sogenanntes Kommunalgas) ausschlieĂlich ĂŒber langfristige ölgebundene VertrĂ€ge zu beschaffen.[61] Die LiquiditĂ€t an den GashandelsmĂ€rkten stieg seither in jedem Jahr deutlich an.[62] Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied am 24. MĂ€rz 2010 weiterhin, dass Gasversorger ihre Endkundenpreise nicht mehr ausschlieĂlich an die Entwicklung des Ălpreises binden dĂŒrfen.[63]
Vom Bundesamt fĂŒr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden die Einfuhr- und Ausfuhrpreise von Erdgas monatlich registriert, ferner werden die Abnahmemengen fĂŒr einzelne LieferlĂ€nder verzeichnet. Zwischen 1991 und 1999 lag der Importpreis fĂŒr Erdgas je Terajoule durchschnittlich etwa zwischen 1.700 und 2.200 âŹ. Zwischen 2001 und 2004 lag der Erdgasimportpreis je Terajoule zwischen 3.200 und 4.200 âŹ. Im Jahr 2006 stieg der Erdgasimportpreis je Terajoule zeitweise auf ĂŒber 6.000 ⏠an. Im November 2008 lag der Importpreis fĂŒr Erdgas bei 8.748 ⏠je Terajoule, im September 2009 bei 4.671 âŹ. PreissprĂŒnge beim Erdgas sind fĂŒr die Verbraucher intransparent.
Herkunft
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Das in Deutschland geförderte Erdgas betrug (in % des Verbrauchs im jeweiligen Jahr):[65]
- 2001: 21 %
- 2011: 14 %
- 2021: 5 %
Die Herkunft des importierten Erdgases durfte seit 2015 zeitweise nicht mehr veröffentlicht werden. Das liegt an den Vorschriften des § 16 Bundesstatistikgesetz in Verbindung mit § 11 Abs. 2 und 5 AuĂenwirtschaftsgesetz, denn die Weitergabe der Daten könnte einzelne Unternehmen in ihrem Betriebs- und GeschĂ€ftsgeheimnis berĂŒhren.[66]
Der letzte verfĂŒgbare Stand des Bundesministeriums fĂŒr Wirtschaft und Energie aus dem Jahr 2015 setzt sich wie folgt zusammen:
Das importierte Erdgas kam zu 34,7 % aus der Russischen Föderation, zu 34,1 % aus Norwegen und zu 28,8 % aus den Niederlanden. Die ĂŒbrigen 2,5 % stammten aus âsonstigen LĂ€ndernâ.[60] Dabei handelt es sich um die ĂbergabelĂ€nder, aus denen das Erdgas nach Deutschland kommt, und nicht um das Förderland. So kommt das Erdgas aus den Niederlanden zum Teil aus dem Vereinigten Königreich als FlĂŒssiggaslieferungen, bevor es nach Deutschland geleitet wird.[67]
Im MĂ€rz 2022 legte die EU-Kommission einen Plan vor, um Einfuhren von Gas aus Russland bis Ende 2022 um zwei Drittel zu reduzieren. Bis âdeutlich vor 2030â soll die EU komplett unabhĂ€ngig von russischen fossilen Brennstoffen sein.[68]
Deutsche Erdgasunternehmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der weltweit gröĂte Erdgasproduzent mit Sitz in Deutschland ist die BASF-Tochter Wintershall.[69] Die gröĂten Erdgas-Versorgungsunternehmen in Deutschland sind E.ON Ruhrgas (Essen), RWE Energy (Dortmund), VNG â Verbundnetz Gas (Leipzig), Wingas (Kassel), Shell (Hamburg) und ExxonMobil (Hannover). Der Transport (Pipelines) wird von sog. Fernleitungsnetzbetreibern sichergestellt, darunter Open Grid Europe (Essen), bayernets (MĂŒnchen), Ontras (Leipzig), Gascade (Kassel) und Terranets BW (Stuttgart).
Der Vertrieb an die Endverbraucher erfolgt ĂŒber circa 700 Gasversorgungsunternehmen, insbesondere Stadtwerke. Den gröĂten Teil des bezogenen Erdgas erwirbt E.ON Ruhrgas von dem russischen Unternehmen Gazprom sowie von der niederlĂ€ndischen Gasunie und den norwegischen Produzenten.
Messung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Messung beim Endkunden erfolgt volumetrisch, also durch Volumenmessung. Um aus dem Volumen auf die Gasmenge (Masse) zu schlieĂen, benötigt man die Dichte, also den absoluten Druck, und die Temperatur des Gases. Daher liegt hĂ€ufig unmittelbar vor dem sogenannten GaszĂ€hler ein Druckregler, der den Ăberdruck gegenĂŒber dem AuĂendruck in einer letzten Stufe reguliert. In Leitungsnetzen, die oft mit abwĂ€rts abgestuften Druckniveaus betrieben werden, verursachen schwankende Verbrauchsraten und unterschiedliche Leitungsvolumina nĂ€mlich einen unkalkulierbaren Druckabfall, der durch den Druckregler ausgeglichen wird. Die Temperaturschwankung wird durch Aufstellung innerhalb eines GebĂ€udes möglichst gering gehalten.
Druckregler am GaszĂ€hler mĂŒssen geeicht werden, wie die Volumenmesseinrichtung selbst. Der Ă€uĂere Luftdruck als Referenz wird unter UmstĂ€nden nach der Meereshöhe des individuellen ZĂ€hlers oder pauschal des Ortes oder Bezirks berĂŒcksichtigt (100 m Höhenunterschied machen etwas weniger als 1 % Gasdruck-Unterschied aus, meteorologische Schwankungen werden nicht berĂŒcksichtigt). Daraufhin wird der Energiegehalt pro kg Gas ermittelt, durch Mischen eingestellt und zu Verrechnungszwecken berĂŒcksichtigt.
Gasabsperrung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im internationalen Gashandel sind Gasabsperrung oder Reduktion von Liefermengen (Raten) Gegenstand politischer Verhandlungen.
Marktraumumstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]L-Gas aus deutscher und niederlĂ€ndischer Produktion bedient gegenwĂ€rtig ca. 30 % des deutschen Erdgasmarktes. Jedoch sind die Fördermengen rĂŒcklĂ€ufig, so dass in den folgenden Jahren bis voraussichtlich 2030 sĂ€mtliche betroffenen Netzgebiete auf H-Gas umgestellt werden mĂŒssen, welches langfristig verfĂŒgbar ist. Diese MaĂnahme dient der Versorgungssicherheit in den BundeslĂ€ndern Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Rheinland-Pfalz.
Im Zuge dieser sogenannten Marktraumumstellung mĂŒssen bei allen Verbrauchern die mit Erdgas betriebenen GerĂ€te an die Nutzung von H-Gas angepasst werden. Dies gilt gleichermaĂen fĂŒr private Haushalte wie fĂŒr Unternehmen. Im Vorfeld der eigentlichen Anpassungen findet eine Vollerhebung aller GasgerĂ€te â wie beispielsweise Gasherde und Heizkessel â im jeweiligen Netzgebiet statt, um eine Ăbersicht ĂŒber die insgesamt vorhandenen GasgerĂ€te zu erlangen.
Die bei der Anpassung der GasgerĂ€te anfallenden Kosten werden ĂŒber die Regulierung der Netzentgelte gem. §§ 21 ff. EnWG auf alle Endverbraucher umgelegt (WĂ€lzung der Kosten).[70] Die Netzentgeltregulierung berĂŒcksichtigt insbesondere den Umstand, dass der Betrieb eines Gasversorgungsnetzes ein natĂŒrliches Monopol darstellt, welches ohne eine gesetzliche Regulierung die Preise fĂŒr die Netznutzung frei bestimmen und insofern ĂŒbermĂ€Ăig hoch ansetzen könnte.
Situation in Ăsterreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits ab 1943 wurde in Ăsterreich Erdgas dem Stadtgas beigemischt. In den StĂ€dten (z. B. Baden, Stockerau, Wien, Wiener Neustadt) erfolgte ab Ende der 60er bis hinein in die 80er Jahre die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas.
| Jahr | in Terajoule | in Millionen Kubikmeter
(1 m³ entspricht ungefÀhr 36,3 MJ Heizwert) |
|---|---|---|
| 2000 | 167.475 | 4.647,39 |
| 2005 | 194.044 | 5.393,30 |
| 2010 | 198.368 | 5.473,57 |
| 2011 | 189.854 | 5.241,94 |
| 2012 | 190.051 | 5.241,97 |
| 2013 | 197.409 | 5.440,08 |
| 2014 | 180.736 | 4.980,61 |
| 2015 | 189.524 | 5.222,78 |
| 2016 | 196.780 | 5.422,73 |
| 2017 | 200.498 | 5.476,29 |
| 2018 | 197.535 | 5.395,37 |
Endkonsumenten, insbesondere privaten Haushalten, wird bei Zahlungsverzug nach zumindest zweimaliger Mahnung â um rasches Wiedereinschalten zu ermöglichen, jedoch nicht vor Feiertagen â die Gaslieferung vom Gasversorger abgesperrt. 2013 wurde 8.457 Privathaushalten in Ăsterreich, 6.081 davon in Wien, das Gas âabgedrehtâ, meldete die Regulierungsbehörde E-Control erstmals im Mai 2014 aufgrund der Gasmonitoringverordnung. Zahlen von Stromsperrungen aus demselben Grund wĂŒrden von den Versorgern meist âschubladisiertâ.[72]
Klima- und Umweltaspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch die geringen Verunreinigungen verbrennt Erdgas generell gegenĂŒber anderen fossilen Brennstoffen sauberer. Durch das höhere Wasserstoff/Kohlenstoff-VerhĂ€ltnis wird beim Verbrennen von Erdgas weniger Kohlendioxid freigesetzt als bei leichtem Heizöl. Im Jahr 2020 betrug diese Differenz in Deutschland 24,6 % (der Emissionsfaktor von Erdgas lag bei 55,8 t CO2/TJ und der von leichtem Heizöl bei 74,0 t CO2/TJ).[73] Trotzdem tragen Förderung, Transport, Verarbeitung und Verbrennung von Erdgas zur Freisetzung der Treibhausgase Methan und Kohlendioxid bei, insbesondere, wenn es sich dabei um sogenanntes Schiefergas handelt (siehe auch Treibhausgas-Emission durch Fracking).
Durch undichte Stellen in Förderanlagen und Rohrleitungen entwichene Bestandteile des Erdgases gehen entweder direkt in die ErdatmosphĂ€re bzw. lösen sich einige Bestandteile, sofern das Gas aus unterseeischen Leitungen entweicht, im Meerwasser. Bei ausreichender Tiefe und entsprechend hohem Druck sowie ausreichend tiefer Temperatur kann sich der Methan-Anteil des Erdgases als festes Methanhydrat am Meeresboden ablagern, wobei dies fĂŒr den bei weitem gröĂten Teil der Erdgasinfrastruktur unerheblich ist, da sich diese in erster Linie auf dem Land erstreckt (Verteilnetze etc.).
Die Förderung unkonventionellen Erdgases mittels Hydraulic Fracturing ist mit einigen zusĂ€tzlichen Umweltrisiken verbunden, insbesondere hinsichtlich der den Frackfluiden zugesetzten Chemikalien und dem Entweichen von im Erdgas enthaltenen gesundheitsschĂ€dlichen Stoffen aus in offenen Tanks gelagertem Flowback und LagerstĂ€ttenwasser. Problematischer ist jedoch die starke Zunahme der Erdgasförderung in der FlĂ€che infolge des Fracking-Booms, wie sie ab dem Jahr 2000 vor allem in den USA zu beobachten ist. Diese fĂŒhrt zu einer VerstĂ€rkung der allgemein mit der Erdgasförderung verbundenen Umweltbelastungen.
Die unbeabsichtigte Freisetzung von Methan bildet einen GroĂteil der effektiven Treibhausgasemissionen innerhalb der Erdgas-Wertschöpfungs- und -Lieferkette. Dies wurde in der Vergangenheit teilweise unterschĂ€tzt und stellt den Nutzen von Erdgas als âBrĂŒckentechnologieâ in Frage. Die Ausweitung der Erdgasförderung besonders in den USA kann daher das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens gefĂ€hrden.[74][75]
Ăkologisch wie ökonomisch unsinnig ist, wenn Erdgas als Nebenprodukt der Erdölförderung nicht gewinnbringend abgesetzt oder zurĂŒck in die Erde gepumpt werden kann, sondern abgefackelt werden muss. Durch verschiedene flare-down-Programme der Erdölindustrie soll das Abfackeln vermindert und das Erdgas der Verarbeitung und einer kontrollierten, saubereren energetischen Nutzung zugefĂŒhrt werden und dabei andere EnergietrĂ€ger ersetzen. Dies bewirkt eine erhebliche Verbesserung der globalen Ăkobilanz und wird daher durch Steuervorteile gefördert, bleibt jedoch mit Blick auf die weltweiten Klimaziele fragwĂŒrdig.
Sicherheitsaspekte
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Erdgas birgt durch seine ExplosivitĂ€t gewisse Unfallrisiken, was bei unsachgemĂ€Ăem Gebrauch z. B. in Haushalten von UnfĂ€llen bis hin zu katastrophalen Ereignissen (Bsp. Gasexplosion von Chuandongbei, Gasexplosion von Belgien) fĂŒhren kann. Bei Verwendung in Haushalten ist die Odorierung daher Vorschrift.
Am 25. MĂ€rz 2012 wurde entdeckt, dass aus einem Leck an der Gas- (und Ăl-)Förderplattform Elgin PUQ des Konzerns Total in der Nordsee unter Wasser Gas ausströmte. ZunĂ€chst strömten nach Angaben des Betreibers tĂ€glich 200.000 Kubikmeter Gas aus dem Leck 25 Meter ĂŒber dem Wasserspiegel ins Freie, spĂ€ter habe sich die Menge auf etwa ein Drittel verringert. Wegen der Brand- und Explosionsgefahr durch an die Luft gelangtes Gas und der Giftigkeit von im Gas enthaltenem Schwefelwasserstoff wurden fĂŒr Schiffe und Flugzeuge Sicherheitszonen von bis zu 5,6 km Radius eingerichtet und benachbarte Plattformen evakuiert.[76] 50 Tage spĂ€ter, Mitte April 2012, teilte der Konzern mit, dass das Leck wieder geschlossen sei.[77]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Erdgas/Tabellen und Grafiken
- Take-or-Pay-Vertrag
- Synthetisches Erdgas
- Journal of Natural Gas Chemistry
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Holger Kulke: Der EnergietrĂ€ger Erdgas. Geowissenschaften. Bd. 12, Nr. 2, 1994, S. 41â47, doi:10.2312/geowissenschaften.1994.12.41.
- Stefan Ueberhorst: EnergietrĂ€ger Erdgas â Exploration, Produktion, Versorgung. Bibliothek der Technik, Band 102, Verlag Moderne Industrien, Landsberg 1994, 2. Aufl., ISBN 3-478-93105-3.
- GĂŒnther Cerbe: Grundlagen der Gastechnik â Gasbeschaffung, Gasverteilung, Gasverwendung. Hanser Verlag, MĂŒnchen/Wien 2004, 6. Aufl., ISBN 3-446-22803-9.
- Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft, BGW: Die Erdgasversorgung der Zukunft, Informationen und HintergrĂŒnde zum deutschen Erdgasmarkt; 2006 PDF-Datei
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Erdgas im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- bgr.bund.de Erdgas â Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
- bveg.de â Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG)
- bdew.de â Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
- dvgw.de â Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW)
- Bundesnetzagentur - Aktuelle Lage Gasversorgung. Abgerufen am 12. Dezember 2022.
- JahresrĂŒckblick âErdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschlandâ (LBEG), jeweils veröffentlicht in der Zeitschrift Erdöl Erdgas Kohle (Liste mit Artikel-Downloadlinks ab dem Jahr 2002 auf der Website des LBEG)
Ăsterreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zukunft GrĂŒnes Gas â Fachverband der Gas- und WĂ€rmeversorgungsunternehmungen (FGW), Ăsterreichische Vereinigung fĂŒr das Gas- und Wasserfach (ĂVGW)
Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gazenergie.ch â Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG)
- Erdgas â Informationen des Bundesamts fĂŒr Energie
Weitere Informationsquellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Livia Beier, Christian Bantle (Red.): Wie heizt Deutschland? BDEW-Studie zum Heizungsmarkt. Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V., Berlin 2015 (PDF 3,3 MB).
- â fĂŒr einige Beispiele in Ăsterreich siehe Ute Kutschera und 32 weitere Autoren: MedienĂŒbergreifende Umweltkontrolle in ausgewĂ€hlten Gebieten. Monographien, M-168. Umweltbundesamt, Wien 2004 (PDF 19 MB).
- â Erdgaseinsatz fĂŒr Busse: EVN Erdgastankstelle St. Pölten ( vom 28. Oktober 2020 im Internet Archive), Pressetext der EVN AG vom 18. Dezember 2006.
- â Natural Gas Composition and Specifications. John A. Dutton e-Education Institute, PennState College of Earth and Mineral Sciences (abgerufen am 31. MĂ€rz 2018)
- â Overview of Natural Gas â Background. naturalgas.org (abgerufen am 31. MĂ€rz 2018)
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- â RamĂłn A. Alvarez, Daniel Zavala-Araiza, David R. Lyon, David T. Allen, Zachary R. Barkley, Adam R. Brandt, Kenneth J. Davis, Scott C. Herndon, Daniel J. Jacob, Anna Karion, Eric A. Kort, Brian K. Lamb, Thomas Lauvaux, Joannes D. Maasakkers, Anthony J. Marchese, Mark Omara, Stephen W. Pacala, Jeff Peischl, Allen L. Robinson, Paul B. Shepson, Colm Sweeney, Amy Townsend-Small, Steven C. Wofsy, Steven P. Hamburg: Assessment of methane emissions from the U.S. oil and gas supply chain. In: Science. Band 361, Nr. 6398, 2018, S. 186â188, doi:10.1126/science.aar7204, PMID 29930092, PMC 6223263 (freier Volltext).
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- â Gas strömt unkontrolliert aus, ORF.at vom 27. MĂ€rz 2012.
- â âElginâ-Gasleck ist gestopft Der Spiegel vom 16. April 2012.
