Ein Grafiktablett (auch Digitalisiertablett, Digitizer, Pen Tablet) ist ein ZeigegerĂ€t fĂŒr Computereingaben. Die Spitze eines speziellen Zeigewerkzeuges, meistens ein Stylus genannter Stift oder eine puckförmige Computermaus mit Fadenkreuz, wird auf dem Tablett bewegt. Vom ZeigegerĂ€t gehen Impulse aus, ĂŒber die das Tablett die Information ĂŒber die Koordinaten, den Stiftdruck und zusĂ€tzlich gedrĂŒckte Tasten an der jeweiligen Position erhĂ€lt. Diesen Vorgang Daten ĂŒber das Verfolgen des Stiftes oder durch Druck zu erfassen, nennt man auch Digitalisierung.[1] Bei fortgeschrittenen Modellen können weitere Informationen wie Stiftneigung, Stiftdrehung, Fingerdruck oder mehrere Werkzeuge erkannt werden. Im Gegensatz zu einem Touchscreen ohne Digitizer-Funktionen, der auch eine Stiftbedienung anbietet, kann auf einem reinen Grafiktablett oder Digitizer nichts dargestellt werden.

Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Je nach System und Hersteller kommen zur Positionserkennung unterschiedliche Techniken zu Anwendung â es ist dabei auch eine Kombination dieser Techniken möglich.
Bei kapazitiven Systemen wird durch eine VerĂ€nderung der elektrischen KapazitĂ€t in bestimmten Bereichen der OberflĂ€che eine Positionsbestimmung ermöglicht. Bei resistiven Tabletts erfolgt die Positionsbestimmung durch Druck auf die OberflĂ€che, welche eine VerĂ€nderung des elektrischen Widerstands in bestimmten Bereichen der OberflĂ€che auslöst und so eine Positionsbestimmung erlaubt. Eine bei Grafiktabletts verbreitete Methode ist das im Folgenden nĂ€her dargestellte induktive Ăbertragungssystem mit folgenden Eigenschaften:[2]
- Selektive, zweidimensionale Positionsbestimmung des Stiftes, welcher ĂŒber das Tablett gefĂŒhrt wird. Durch die SelektivitĂ€t werden Störungen, beispielsweise durch die Hand, unterdrĂŒckt. Die Positionsermittlung erfolgt in der Elektronik des Tablett, abgestimmt auf die Eigenschaften des Stiftes.
- Befindet sich in dem aktiven Eingabestift keine Batterie fĂŒr die Stromversorgung dient das induktive System zugleich auch zur Energieversorgung der Elektronik im Stift. Technisch ist dies mit einer induktiven Nahfeldkopplung realisiert. Dabei kommen Ă€hnliche Verfahren wie bei kontaktlosen RFID-Systemen, bei denen die Elektronik des Transponders wĂ€hrend des Auslesevorganges vom AuslesegerĂ€t mit elektrischer Energie versorgt wird, zum Einsatz.
- Einer geeigneten Form einer drahtlosen DatenĂŒbertragung zwischen Tablett und Stift, welche die Ăbermittlung zusĂ€tzlicher Informationen erlaubt. Dazu zĂ€hlen beispielsweise die Information ĂŒber unterschiedliche Tasten am Stift, die DruckintensitĂ€t die auf die Spitze ausgeĂŒbt wird und welche ĂŒber einen Drucksensor abgenommen wird, bei manchen Fabrikaten die Stiftneigung und ergĂ€nzende Informationen wie eindeutige Kennungen bestimmter Stifte zur automatischen Werkzeugumschaltung.
Das induktive System basierend auf RFID-Technik vermeidet Fehlerkennung wie beispielsweise durch die Hand oder Finger, welche sich im Bereich oder auf dem Tablett befinden. Der wesentliche Unterschied aus technischer Sicht zu einem RFID-System besteht dabei in der FĂ€higkeit zur genauen Positionsbestimmung des Stiftes, eine Eigenschaft, die bei RFID-Transpondern nicht notwendig ist.
Bei der induktiven Positionsbestimmung befinden sich im Tablett unter der OberflĂ€che eine Sensorleiterplatte mit mehreren, horizontal und vertikal ausgefĂŒhrten Leiterbahnen, wie in nebenstehender Abbildung dargestellt. Dabei werden die vertikalen Leiterbahnen auf einer Seite gefĂŒhrt, die horizontalen Leiterbahnen auf der gegenĂŒberliegenden Seite. Diese Leiterbahnen sind zu Gruppen von mehreren 10, durch die Elektronik des Tablett umschaltbaren Spulen geschaltet. Die Spulen sind auf der Position auf der Leiterplatte exakt bekannt und durch zyklische Umschaltung kurzer Wechselstromsignale lĂ€sst sich in der so gebildeten Anordnung die Position des Stiftes bestimmen.[3]
Unterschiedliche Werkzeuge
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Alternativ zum Stift kann auch ein sogenannter Puck verwendet werden, der wie eine Computermaus ĂŒber das Tablett bewegt wird und mit Hilfe eines Fadenkreuzes genaueres Zielen auf dem Tablett und damit die Digitalisierung von Vorlagen ermöglicht. Hierbei ist die Spule meist sichtbar um das Fadenkreuz herum gelegt. Einige Hersteller bieten verschiedene Stiftspitzen fĂŒr eine an das simulierte Werkzeug angepasste haptische Wahrnehmung an, bis hin zu Werkzeugen, die einer Airbrush nachempfunden sind.
Werden unterschiedliche Werkzeuge angeboten, so wird hĂ€ufig automatisch ein Identifikationssignal des Werkzeugs mit an das Tablett ĂŒbertragen, was das Umschalten des Werkzeugs per Hand erspart und individuelle Einstellungen fĂŒr jeden Stift ermöglicht, ganz wie bei klassischen Zeichenwerkzeugen.
Die meisten Grafiktabletts verfĂŒgen auĂerdem ĂŒber Tastenfelder neben der kontaktsensitiven FlĂ€che, teilweise auch virtuelle Tastenfelder am Rande der FlĂ€che, um schnell auf Programmfunktionen zurĂŒckgreifen oder Einstellungen des aktuellen Werkzeugs Ă€ndern zu können.
Vorteile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Genauigkeit und Handhabung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Steuern des Cursors durch einen Stift bringt einige Vorteile mit sich:
- Die Steuerung von Pinseln und vergleichbaren Werkzeugen in Grafikanwendungen ist mit einem Grafiktablett deutlich prÀziser möglich als mit der Maus.
- Wo mit einer Maus Formen nur angedeutet werden können, kann man nun ganze Bilder wirklich malen und exakt zeichnen. Der Stift wird von den empfindlich aufgebauten Muskeln der Finger und explizit des Zeigefingers gefĂŒhrt, wĂ€hrend die Maus von der gesamten Hand ĂŒber die Ellenbogenknochen und das Handgelenk gefĂŒhrt wird.
- Da das Signal des Stiftes Papier durchdringen kann, ist es möglich, auf Papier vorliegende Zeichnungen in den Computer durchzupausen.
- Einige Grafiktabletts ermöglichen zusÀtzlich die Erkennung, in welchem Winkel der Stift zum Tablett steht.
- Programmfunktionen lassen sich speziellen Tasten auf der TablettoberflÀche zuweisen.
- Die Bedienung ist intuitiver; es können auch Personen, die mit der Mausbedienung nicht vertraut sind (aber schreiben können) mit einem Eingabestift umgehen.
DrucksensitivitÀt
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Grafiktabletts oder deren Stifte können die DruckintensitĂ€t auswerten, um zum Beispiel in einer Grafiksoftware PinselgröĂe oder Deckkraft zu steuern (siehe Bild) sowie das Auf- und Abtragen von Material bzw. dessen Verformung im dreidimensionalen Raum zu steuern.
Absolute Positionierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anders als bei der PC-Maus, die nur relative Bewegungen erkennt, hat man beim Grafiktablett absolute Koordinaten, wobei ungefĂ€hr jeder Punkt auf dem Tablett einem Punkt auf dem Bildschirm entspricht. Bei der Maus hingegen wird der Mauszeiger jeweils von seiner aktuellen Position âweiter geschobenâ.
Beispiel: Will man einen Punkt auf dem Bildschirm auswĂ€hlen, muss man die Maus zunĂ€chst dorthin schieben. Bei einem Grafiktablett hingegen âdrĂŒcktâ man direkt auf die entsprechende Stelle. Dabei wird der Zeiger sofort platziert, wenn sich der Stift ohne Druck auf dem Tablett befindet oder in kurzer Entfernung drĂŒber schwebt. Etwas mehr Druck setzt dann einen Klick um.
Im professionellen Einsatz ermöglicht dies das exakte NachfĂŒhren der Striche von Papiervorlagen, um Zeichnungen, wie beispielsweise Bauzeichnungen, zu digitalisieren. Eine solche Arbeit ist mit der Maus ĂŒberhaupt nicht möglich.
Nachteile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wer sowohl mit Tastatur wie Tablett arbeitet, muss erst den Stift ablegen, bevor er beidhÀndig tippt. Das erneute Aufnehmen und Positionieren des Stiftes ist aufwÀndiger als der Griff nach der Maus, bei der das Neupositionieren entfÀllt.
- GroĂe Grafiktabletts benötigen viel Platz auf dem Schreibtisch, wĂ€hrend bei kleineren Modellen der nutzbare Bereich eingeschrĂ€nkt ist.
- In Verbindung mit einem hochauflösenden Monitor sollte kein kleines Tablett verwendet werden, weil genaues Positionieren durch den GröĂenunterschied (mehr Bildpunkte auf einem Bereich des Tabletts) sehr anstrengt und schnell ermĂŒdet.
- Programme, die das Verhalten der Maus beeinflussen, funktionieren nicht richtig. So wird etwa in manchen Spielen die Position des Cursors verÀndert. Da dies mit einem Tablett nicht möglich ist, kommt es zu einem Fehlverhalten des Programms, wenn z. B. die unverÀnderte Stellung des Cursors als erneute Bewegung verarbeitet wird.
- Werden immer gleiche MenĂŒpunkte gewĂ€hlt oder Aktionen durchgefĂŒhrt, zerkratzt die OberflĂ€che des Tabletts an bestimmten Stellen stĂ€rker. Dadurch nutzt sich wiederum der Stift stĂ€rker ab, und es leidet die SensitivitĂ€t.
Anwendungsbereiche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Grafiktabletts haben teilweise TÀtigkeiten (z. B. Malen, Zeichnen am PC etc.) erst möglich gemacht und sind in folgenden Bereichen ein bedeutendes Hilfsmittel geworden:
- Digitale Bildbearbeitung und Digitales Malen: Modi (Werkzeuge) können deutlich schneller ausgewĂ€hlt und Korrekturen prĂ€ziser durchgefĂŒhrt werden. Die Belichtung kann punktgenau und dosiert verbessert werden.
- Design (Grafik-, Industrie-, Textil- und Modedesign): Schnelle Skizzen fĂŒr das Veranschaulichen von Ideen werden teilweise nur digital angefertigt. Der Vorteil hierbei liegt im schnellen digitalen Austausch der EntwĂŒrfe (gegenĂŒber Papierskizzen kein Einscannen notwendig). Gleiches gilt fĂŒr Illustrationen. Moderne CAD-Software bietet teilweise schon spezielle programminterne Funktionen fĂŒr die neue Arbeitsweise â die Umsetzung von Skizze zu fertigem Objekt erfolgt schneller und intuitiver.
- Audio- und Videobearbeitung (Film und Fernsehen): Matte Paintings (digital gemalte Filmsets) sind schon lange fester Bestandteil von Filmen und werden nun fast nur noch in digitaler Form angefertigt. Dabei liegen die Vorteile im flexiblen Arbeiten mit Ebenen und dem Wegfall aufwendiger Scans.
- PrĂ€sentation: Bei einer PrĂ€sentation ĂŒber einen Beamer sind mit einem Grafiktablett schnell Anmerkungen eingefĂŒgt oder, gerade wĂ€hrend Vorlesungen, schnell mathematische Berechnungen vorgerechnet und gleichzeitig digital gespeichert.
- Online-Nachhilfe in virtuellen Klassenzimmern: Neuere Formen des Nachhilfeunterrichts â im Speziellen, wenn Lernbegleitung outgesourct wird (vgl. Offshore Tutoring), verlangen das Arbeiten mit einem Grafiktablett und der Visualisierung des Geschriebenen ĂŒber ein âShared Whiteboardâ. Dies geschieht meistens in einem virtuellen Klassenzimmer (bzw. virtuellen Konferenzraum). Diese Kombination des âApplication Sharingâ und dem Grafiktablett ersetzen Stift und Papier. Online-Nachhilfe in Form von âLive E-Learningâ findet vor allem im englischen Sprachraum zunehmend Akzeptanz. Im deutschen Sprachraum ist diese neue Form des Nachhilfeunterrichts vergleichsweise wenig verbreitet.
- 3D-Computergrafik: In diesem Bereich gestalten Programme wie ZBrush oder Mudbox das Erstellen detaillierter Modelle deutlich einfacher. In dieser Art von Programmen malt man und beeinflusst die Geometrie durch Werkzeuge, deren Auswirkungen ganz besonders von der DruckstÀrke abhÀngig sind.
- Eine heute unĂŒblich gewordene Anwendung ist die Verwendung eines Grafiktabletts als BenutzeroberflĂ€che fĂŒr ein CAD-Programm. Hierbei wurde nur ein kleiner Teil des Tabletts als EingabeflĂ€che fĂŒr den Bildschirm genutzt, wĂ€hrend um diese FlĂ€che herum die SchaltflĂ€chen zur Bedienung des Programms angeordnet waren.
Die fĂŒr diesen Zweck verwendeten Tabletts hatten typischerweise eine ArbeitsflĂ€che von 12" Ă 12" (rund 305 mm Ă 305 mm) oder 12" Ă 18" (rund 305 mm Ă 457 mm). Die BenutzeroberflĂ€che befand sich dabei in Form eines Aufdrucks auf einem Papier- oder Kunststoffblatt, welches unter die transparente Abdeckung des Tabletts gelegt wurde. Entsprechende Auflagen fĂŒr gĂ€ngige Programme wie AutoCAD wurden mit dem Tablett mitgeliefert, ebenso waren bei den Softwarepaketen Tablettauflagen enthalten. FĂŒr diese wurden mit der Software auch die dazugehörigen Zeichnungsdateien bereitgestellt, so dass man die BenutzeroberflĂ€che auf die eigenen BedĂŒrfnisse anpassen und ausdrucken konnte.
Aufgrund ihrer Aufgabe als Ersatz fĂŒr die Maus verfĂŒgten diese Tabletts normalerweise nicht ĂŒber eine Erkennung der AndruckstĂ€rke. Als EingabegerĂ€t kamen Pucks mit 4 oder 16 Tasten sowie Stifte mit zwei oder drei Tasten zur Anwendung. GĂ€ngige Hersteller dieser Tabletts waren beispielsweise Summagraphics / Calcomp, Acecad oder Genius (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen CAD-Softwarehersteller).
Nachdem ab etwa Mitte der 1990er Jahre bei CAD-Programmen die ursprĂŒnglich menĂŒbasierte BenutzerfĂŒhrung auf grafische BenutzeroberflĂ€chen umgestellt wurde, werden heute Grafiktabletts, die einst ein beinahe unverzichtbares Zubehör eines leistungsfĂ€higen CAD-Arbeitsplatzes darstellten, im Alltag so gut wie nicht mehr fĂŒr diesen Zweck eingesetzt. Bei modernen 3D-CAD-Systemen wird heute neben der Maus als EingabegerĂ€t oftmals eine 3D-Maus zur bequemeren Navigation eingesetzt.
Software
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]GrundsĂ€tzlich kann man mit einem Grafiktablett jede Art von Software mit grafischer BenutzeroberflĂ€che bedienen, die sich auch mit einer Maus bedienen lĂ€sst. Spezielle Anwendungen aus dem Bereich der Grafiksoftware nutzen die technischen Möglichkeiten entsprechend aus. FĂŒr Tablet-PCs wurden von Microsoft-Windows-Betriebssystemen entsprechende Varianten entwickelt, die auf ein tastaturloses Arbeiten mit dem Stift optimiert sind. Es ist eine Handschrifterkennung integriert, die auch biomechanische Eigenschaften wie Schreibdruck und Stiftneigung auswertet (sofern vorhanden), allgemein wurden die Betriebssysteme durch verschiedene Besonderheiten auf die Bedienung ohne die sonst ĂŒbliche Tastatur angepasst. Software, die auf die Bedienung mit einem Stift abgestimmt ist, gibt es auch von anderen Herstellern. FĂŒr Apple Macintosh wurde in das Betriebssystem Mac OS X die Handschrifterkennung Inkwell integriert.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â What is digitizing tablet? Webopedia Definition. Abgerufen am 19. Juni 2018 (englisch).
- â JĂŒrgen Steimle: Pen-and-Paper User Interfaces: Integrating Printed and Digital Documents. Springer Science & Business Media, 2012, ISBN 978-3-642-20276-6.
- â Patent US4878553: Position Detecting Apparatus. Angemeldet am 14. September 1987, veröffentlicht am 7. November 1989, Anmelder: Wacom, Ltd, Saitama, Japan, Erfinder: Tsuguya Yamanami, Takahiko Funahashi, Toshiaki Senda.â
