Technopedia Center
PMB University Brochure
Faculty of Engineering and Computer Science
S1 Informatics S1 Information Systems S1 Information Technology S1 Computer Engineering S1 Electrical Engineering S1 Civil Engineering

faculty of Economics and Business
S1 Management S1 Accountancy

Faculty of Letters and Educational Sciences
S1 English literature S1 English language education S1 Mathematics education S1 Sports Education
  • Registerasi
  • Brosur UTI
  • Kip Scholarship Information
  • Performance
  1. WeltenzyklopÀdie
  2. Karl Bonhoeffer
Karl Bonhoeffer 👆 Click Here!
aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Dieser Artikel befasst sich mit dem Psychiater und Neurologen Karl Bonhoeffer. Zu seinem Sohn, dem Chemiker selben Namens siehe Karl-Friedrich Bonhoeffer (1899–1957).
Karl Bonhoeffer, vor 1938
Wappen der Familie Bonhoeffer

Karl Ludwig Bonhoeffer (* 31. MĂ€rz 1868 in Neresheim, Königreich WĂŒrttemberg; † 4. Dezember 1948 in Berlin) war ein deutscher Psychiater und Neurologe, Geheimer Medizinalrat, Ordinarius fĂŒr Psychiatrie und Neurologie an der Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Berlin, Direktor der Klinik fĂŒr psychische und Nervenkrankheiten der CharitĂ© in Berlin.

Karl Bonhoeffer verlor seine Söhne Dietrich Bonhoeffer und Klaus Bonhoeffer sowie seine Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und RĂŒdiger Schleicher, die durch die NS-Justiz hingerichtet wurden.

Biografie

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit, Schule und MilitÀrdienst

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Bonhoeffer wurde 1868 in Neresheim als Sohn von Friedrich von Bonhoeffer (1828–1907), zuletzt königlich-wĂŒrttembergischer LandgerichtsprĂ€sident in Ulm, und Julie Bonhoeffer, geborene Tafel (1842–1936) geboren. Er ist ein Bruder von Gustav-Otto Bonhoeffer (1864–1932), der Chemiker bei Bayer-Leverkusen war.

Zitat zu Karl Bonhoeffer aus den Unterlagen der Kommission fĂŒr geschichtliche Landeskunde in Baden-WĂŒrttemberg: „Die Familie Bonhoeffer siedelte seit 1513 im WĂŒrttembergischen, nachdem sie aus dem niederlĂ€ndischen Nijmegen eingewandert war. Seine Vorfahren gehörten als Ratsherrn, Ärzte und Richter zu den Honoratioren und rĂŒhmten sich verwandtschaftlicher Beziehungen zur Mutter von Johann Wolfgang von Goethe, zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Christian Friedrich Daniel Schubart, Ludwig Uhland und David Friedrich Strauss“.

Von 1874 bis 1878 besuchte Karl Bonhoeffer in Heilbronn und Ravensburg die Elementarschule und von 1878 bis 1886 das Gymnasium in TĂŒbingen, wo er auch sein Abitur ablegte. Von 1886 bis 1887 leistete er in Stuttgart MilitĂ€rdienst.

Studium und berufliche Karriere

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonhoeffer studierte von 1887 bis 1892 Medizin. ZunĂ€chst an der Eberhard Karls UniversitĂ€t TĂŒbingen, wo er Mitglied der Studentenverbindung A. V. Igel wurde, dann an der Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Berlin und anschließend an der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen.

1892 wurde Karl Bonhoeffer von der Hohen medizinischen FakultĂ€t an der UniversitĂ€t TĂŒbingen zum Dr. med. promoviert. Sein Doktorvater war Paul GrĂŒtzner. Nachdem Bonhoeffer seine Approbation erhalten hatte, arbeitete er vertretungsweise im heimatlichen Heidenheim. Als approbierter und promovierter Mediziner wurde Bonhoeffer nach Absolvierung seines MilitĂ€rdienstes zum SanitĂ€tsoffizier befördert.

Leitung der Psychiatrischen Klinik in Breslau, Habilitation

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einigen Jahren wurde Bonhoeffer Leiter der Psychiatrischen Klinik und der Beobachtungsstation fĂŒr „geisteskranke Verbrecher“ in Breslau. 1897 habilitierte er sich an der UniversitĂ€t Breslau bei Carl Wernicke fĂŒr das Fach Psychiatrie. Hier entstanden Bonhoeffers wissenschaftliche Arbeiten zu den Folgen der Alkoholerkrankungen, den degenerativen Hirnabbauprozessen und symptomatischen Psychosen, die seine Bedeutung als Wissenschaftler bis heute begrĂŒnden. Von 1903 bis 1904 arbeitete Bonhoeffer in Königsberg und Heidelberg. 1904 ĂŒbernahm Bonhoeffer in der Nachfolge von Carl Wernicke dessen Lehrstuhl an der UniversitĂ€t Breslau.

Ordinarius fĂŒr Psychiatrie und Neurologie an der Berliner CharitĂ©

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1912 wurde er Nachfolger von Theodor Ziehen als Ordinarius fĂŒr Psychiatrie und Neurologie an der Berliner CharitĂ©. Dieses Ordinariat hatte er bis zu seiner Emeritierung 1938 inne.

Bonhoeffer hatte das Ziel, die Psychiatrie als eigenstĂ€ndige Fachrichtung innerhalb der Medizin zu etablieren und neben der reinen „Anstaltsmedizin“ weiterzuentwickeln. Er setzte sich dafĂŒr ein, dass „Nerven- und GemĂŒtsleiden“ auch von niedergelassenen FachĂ€rzten behandelt werden sollten.

Zu allen Gebieten psychiatrischer Diagnostik seiner Zeit war Bonhoeffer als Gutachter zustĂ€ndig, so auch zur Diagnoseerstellung der „verminderten ZurechnungsfĂ€higkeit“, einem Terminus technicus, der zu seiner Zeit in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde.

Die von Emil Kraepelin eingefĂŒhrte Systematik psychischer Erkrankungen erweiterte Bonhoeffer und unterschied zwischen exogenen (etwa durch Infektionen oder Vergiftungen verursachte) und endogenen Psychosen.[1] 1912 fĂŒhrte Bonhoeffer den Begriff des „akuten exogenen Reaktionstyps“ in die medizinische Terminologie ein. Hiermit erweiterte Bonhoeffer die differenzialdiagnostischen Möglichkeiten zur Unterscheidung einer Schizophrenie und Paranoia von einem Delirium, einem Organischen Psychosyndrom.

Bonhoeffer forschte im Bereich der BekĂ€mpfung des Morphinismus, Kokainismus und weiterer Suchterkrankungen. Im Rahmen seiner GutachtertĂ€tigkeit zu Unfall- und Kriegsneurosen prĂ€gte er den Begriff „Rentenneurose“. Im Jahr 1936 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewĂ€hlt.

Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutachten zur Zwangssterilisierung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Reichsgesetzblatt, dem amtlichen VerkĂŒndungsblatt des Deutschen Reiches von 1871 bis 1945 wurde das Gesetz zur VerhĂŒtung erbkranken Nachwuchses, worin der Staat die Zwangssterilisation bei einer Reihe von Erkrankungen beschlossen hatte, veröffentlicht.

Karl Bonhoeffer wurde wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus, als Ordinarius fĂŒr Psychiatrie und Neurologie an der Berliner CharitĂ©, und auch noch nach seiner Emeritierung im Jahre 1936, als Gutachter zu Fragen der Erbgesundheit von Patienten herangezogen. Von 1934 bis Dezember 1941 soll Bonhoeffer mindestens 68 Gutachten erstellt haben, von denen knapp die HĂ€lfte die Empfehlung „Sterilisation“ enthalten hĂ€tten.

Bonhoeffer zĂ€hlte zu den Gutachtern, die am 9. Dezember 1941 die Zwangssterilisierung des als „Halbjuden“ klassifizierten Gottfried Hirschberg empfahlen. Nach Angaben von Bonhoeffer-Biografen erfolgten jedoch aus seiner Sprechstunde heraus keine Meldungen zur Zwangssterilisation, obwohl er gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wĂ€re.

Allgemein wurde in der Medizin seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Eugenik wissenschaftlich diskutiert, die sich nach Gregor Mendels Entdeckung der Mendelschen Regeln der Vererbung als neue Dimension der medizinischen Forschung etabliert hatte.

Emeritierung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Haus Marienburger Allee 43, heute Bonhoeffer-Haus, 1935 als Altersruhesitz fĂŒr Karl Bonhoeffer gebaut

Bonhoeffer wurde Ende MĂ€rz 1936 im Alter von 68 Jahren von seinen Lehrverpflichtungen entbunden, gleichzeitig aber von Minister Rust gebeten, das Amt vertretungsweise weiterzufĂŒhren. Der offizielle Emeritierungtermin im Sommersemester 1938 verstrich; Bonhoeffer blieb bis zur Berufung Max de Crinis’ zu seinem Nachfolger im Wintersemester 1938/39 noch der UniversitĂ€t verbunden. Noch nach seiner Emeritierung sprach er sich gegen die Wiederverheiratung einer als erblich-schizophren eingestuften Frau aus, obwohl diese vor Jahren bereits sterilisiert worden war.[2] Am 18. August 1942 wurde Bonhoeffer zum außerordentlichen Mitglied des wissenschaftlichen Senats des Heeres-SanitĂ€tswesens ernannt.

Nervenklinik der Charité in der Nachfolge von Karl Bonhoeffer unter Max de Crinis

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Emeritierung von Karl Bonhoeffer ĂŒbernahm Max de Crinis 1938 die Leitung der Psychiatrischen Abteilung an der CharitĂ©. Am 1. November 1938 trat Max de Crinis sein Amt als Ordinarius und Direktor der Psychiatrischen- und Nervenklinik der CharitĂ© in Berlin an. Der einzige Fachvertreter, der sich dezidiert fĂŒr de Crinis als Nachfolger von Karl Bonhoeffer ausgesprochen hatte, war Carl Schneider aus Heidelberg, der sich spĂ€ter als T4-Gutachter maßgebend an den nationalsozialistischen Krankenmorden beteiligte.

In den Jahren von 1934 bis 1942 ergingen um die zweitausend Gutachten zur Bewertung der Erbgesundheit an der CharitĂ©. In 862 FĂ€llen schien den behandelnden Ärzten der Klinik die Diagnose soweit gesichert, dass die Kriterien des Gesetzes der Erbkrankheit erfĂŒllt seien, sodass die Empfehlung zur „Zwangssterilisation“ ausgesprochen wurde.

Die ĂŒberwiegende Zahl der FĂ€lle betraf die Diagnosen „angeborener Schwachsinn“ und „Schizophrenie“, mit großem Abstand folgten „Epilepsie“ und „manisch-depressives Irresein“.[3]

Bonhoeffer befĂŒrwortete die Zielsetzung des „Gesetzes zur VerhĂŒtung erbkranken Nachwuchses“ von 1934, (vermeintlich) „erbkranke“ Menschen unfruchtbar zu machen. Er gab „Erbgesundheitskurse“ zur DurchfĂŒhrung des Gesetzes. Er ging jedoch restriktiv mit dem Gesetz um und schuf PrĂ€zedenzfĂ€lle fĂŒr einen vorsichtigen Umgang mit der Indikation.[4] In seinen Gutachten wurde hĂ€ufiger als sonst Kranken die Sterilisation erspart. Sicher achtete er darauf, dass die Empfehlung von der Forderung nach einer klaren psychiatrischen Diagnose begleitet war:

„Von der klinischen Diagnose hĂ€ngt ja die Entscheidung des Erbgerichts ab, die Sicherheit der Diagnose ist die erste Voraussetzung fĂŒr alles Weitere. Die Aufgabe des Arztes, insbesondere des Psychiaters, der die Diagnose zu stellen hat, ist also eine Ă€ußerst verantwortliche. Es sind nicht bloß die differentiellen Schwierigkeiten der Artdiagnose [
], sondern vielleicht mehr noch solche der quantitativen Ausbildung der Erkrankung. Denn wo die Grenze zwischen einer erbbiologisch unbedenklichen DebilitĂ€t und einem sicher auszumerzenden Schwachsinn gelegen ist, [
] lĂ€ĂŸt sich nicht mit der SchĂ€rfe einer Paralysediagnose abgrenzen. [
] Durch das Gesetz [zur VerhĂŒtung erbkranken Nachwuchses] sind fĂŒr die psychiatrische Forschung starke Anregungen gegeben worden. So ist eine weitere KlĂ€rung der Kenntnis der Umgrenzung und auch der Verursachung der Schizophrenien und der Epilepsien mehr denn je Erfordernis. Das Studium der Manifestationstendenz von krankhaften Anlagen, ihre Beeinflußbarkeit durch exogene Faktoren gewinnt an Wichtigkeit. [
] Die Verkoppelung von krankhaftem mit eugenisch wertvollem Erbgut in demselben Individuum stellt besondere Aufgaben.“

– Bonhoeffer: im Vorwort eines 1934 erschienenen Buches, das in der NS-Zeit zum Standardwerk wurde[5]

Haltung zum Euthanasieprogramm

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonhoeffers Haltung und sein Handeln im Zusammenhang mit den NS-Krankenmorden, wobei psychisch Kranke in großem Maßstab getötet wurden, wird unterschiedlich gesehen. Nach Auffassung einiger Historiker „distanzierte [er] sich von Zwangssterilisationen und Euthanasie“[6] und leistete hiergegen Widerstand, indem er sowohl mit den damals Verantwortlichen als auch mit Gegnern der „Aktion T4“, zum Beispiel mit Friedrich von Bodelschwingh, Kontakt aufnahm. Dieser zeigte sich allerdings in einem Brief enttĂ€uscht ĂŒber die ZurĂŒckhaltung Bonhoeffers in diesen Fragen.

Weiteres

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonhoeffer verfasste das psychiatrische Gutachten ĂŒber den nach dem Reichstagsbrand (1933) von den nationalsozialistischen Machthabern der Brandstiftung beschuldigten Marinus van der Lubbe, in dem er diesem geistige ZurechnungsfĂ€higkeit bescheinigte.[7]

Ihm gelang es nicht, bei der Verwaltung der CharitĂ© die Entlassung der jĂŒdischen Ärzte Paul Jossmann (1891–1978), Arthur Kronfeld (1886–1941), Franz Kramer (1878–1967), Erwin W. Straus (1891–1975) und anderer zu verhindern.

Nachkriegsjahre

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Aufnahme Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, VerwaltungsgebÀude der Nervenklinik, erbaut 1880

Im Oktober 1945 wandte sich Karl Bonhoeffer im hohen Alter von 77 Jahren mit der Bitte um einen Forschungsauftrag an den designierten Rektor der Berliner UniversitÀt Johannes Stroux, um zum Lebensunterhalt der Familien seiner unversorgten Enkelkinder, die durch die Hinrichtung ihrer VÀter ihre ErnÀhrer verloren hatten, beitragen zu können.

Am 29. Januar 1946 wurde Bonhoeffer auch von der Deutschen Verwaltung fĂŒr Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone als Hochschullehrer anerkannt. Karl Bonhoeffer arbeitete als Konsiliarius und Gutachter im Fachbereich Psychiatrie und Nervenheilkunde auch fĂŒr die HeilstĂ€tten Wittenau.

Seine 1947 als Fahnenabzug fertiggestellte Arbeit FĂŒhrerpersönlichkeit und Massenwahn erschien posthum 1968.

Privatleben und Tod

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Bonhoeffer vermĂ€hlte sich 1898 mit Paula von Hase (1876–1951), einer Tochter des Konsistorialrats Karl Alfred von Hase und damit Enkelin des Theologen Karl von Hase. In der Ehe kamen acht Kinder zur Welt: Karl Friedrich, Walter, Klaus, Ursula, verheiratete Schleicher, Christine, verheiratete von Dohnanyi, Dietrich und dessen Zwillingsschwester Sabine, verheiratete Leibholz-Bonhoeffer, und schließlich Susanne, verheiratete Dreß.

Karl Bonhoeffer und seine Familie lebten bis 1912 in Breslau, von 1912 bis 1916 in der BrĂŒckenallee[8] im Berliner Hansa-Viertel, vom 1. April 1916 bis 1935 in der Wangenheimstraße[9] in Grunewald sowie von 1935 bis zu seinem Tode in der Marienburger Allee[10] in der Siedlung Heerstraße im heutigen Bonhoeffer-Haus.

Karl Bonhoeffer erlitt im November 1948, im Alter von 80 Jahren, einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am 4. Dezember 1948 verstarb.

Er fand seine letzte Ruhe auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend (Grablage: II-W-12-286/287).[11] Hier wurde auch seine am 1. Februar 1951 verstorbene Ehefrau Paula geb. von Hase beigesetzt.

Schicksal von Bonhoeffers Söhnen und Schwiegersöhnen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gedenktafel fĂŒr Karl und Dietrich Bonhoeffer in der Wangenheimstraße 14, Berlin-Grunewald, von 1916 bis 1935 Wohnsitz der Familie Bonhoeffer.
Das Sterbedatum Karl Bonhoeffers ist auf der Tafel falsch angegeben.[12]

Karl Bonhoeffers 1906 geborener Sohn Dietrich Bonhoeffer wurde als protestantischer Theologe und Mitglied in der Bekennenden Kirche im April 1943 verhaftet und kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 im KZ FlossenbĂŒrg als WiderstandskĂ€mpfer erhĂ€ngt. Ebenfalls am 9. April wurde sein Schwiegersohn Hans von Dohnanyi, der Mann der Tochter Christine, im KZ Sachsenhausen erhĂ€ngt. Ein weiterer Sohn, Klaus Bonhoeffer, sowie der Schwiegersohn RĂŒdiger Schleicher, der Mann der Tochter Ursula, wurden am 23. April 1945 von der SS in der NĂ€he des Lehrter Bahnhofs erschossen.

Ehrenmitgliedschaften und Ehrungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ehrengrab von Karl Bonhoeffer auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend
  • Ehrenmitgliedschaft: Gesellschaft der Ärzte in Wien
  • Ehrenmitgliedschaft: Wiener Verein fĂŒr Psychiatrie und Neurologie
  • Ehrenmitgliedschaft: Schweizerische Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie
  • Ehrenmitgliedschaft: RumĂ€nische Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie
  • Ehrenmitgliedschaft: Royal Society of Medicine (London)
  • Ehrenmitgliedschaft: Interstate Postgraduate Medical Association of North America
  • Ehrenmitgliedschaft: Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater
  • Ehrenmitgliedschaft: Berliner Gesellschaft fĂŒr Neurologie und Psychiatrie
  • Ehrenmitgliedschaft: American Psychiatric Association[13]
  • 1943: Goethe-Medaille fĂŒr Kunst und Wissenschaft.[14]
  • 1948: Ehrenmitgliedschaft der nach 1945 wiedergegrĂŒndete Berliner Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie und Neurologie, die Karl Bonhoeffer von 1920 bis 1934 geleitet hatte
  • Seit 1956 tragen die ehemaligen HeilstĂ€tten Wittenau den Namen (Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik).
  • 1984 erkannte der Berliner Senat die letzte RuhestĂ€tte von Karl Bonhoeffer auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend als Ehrengrab des Landes Berlin an. Die Widmung wurde 2005 um die ĂŒbliche Frist von zwanzig Jahren verlĂ€ngert.[15]
  • 1986: Eröffnung Karl-Bonhoeffer-Haus in den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal (Bernau).

Schriften (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Ein Beitrag zur Kenntnis des großstĂ€dtischen Bettel- und Vagabundentums. Eine psychiatrische Untersuchung. In: Zeitschrift fĂŒr das gesamte Strafrechtswesen. Band 21, (Berlin) 1900, S. 1–65.
  • Die akuten Geisteskrankheiten der Gewohnheitstrinker. Jena 1901.
  • Die symptomatischen Psychosen im Gefolge von akuten Infektionen und inneren Erkrankungen. Deuticke, Leipzig/Wien 1910. – Volltext unter Bonhoeffer, Karl (1910) auf Wikiversity
  • Die Psychosen im Gefolge von akuten Infektionen, Allgemeinerkrankungen und inneren Erkrankungen. In: Handbuch der Psychiatrie. Spezieller Teil. 3:1. Deuticke, Leipzig/Wien 1912, S. 1–120.
  • Die exogenen Reaktionstypen. Archiv fĂŒr Psychiatrie und Nervenkrankheiten 58, Berlin 1917, S. 50–70.
  • mit P. Jossmann (Hrsg.): Ergebnisse der Reiztherapie bei progressiver Paralyse. 1932.
  • mit K. Albrecht u. a. (Hrsg.): Die psychiatrischen Aufgaben bei der AusfĂŒhrung des Gesetzes zur VerhĂŒtung erbkranken Nachwuchses. Mit einem Anhang Die Technik der Unfruchtbarmachung. Klinische VortrĂ€ge im erbbiologischen Kurs. Karger, Berlin 1934.
  • (Hrsg.): Die Erbkrankheiten. Klinische VortrĂ€ge im 2. erbbiologischen Kurs. 1936.
  • Die zentralen Bewegungsstörungen. Die akuten und chronischen choreatischen Erkrankungen und die Myoklonien. In: S. A. Kinnier-Wilson: Die zentralen Bewegungsstörungen. 1936.
  • Die Geschichte der Psychiatrie an der CharitĂ© im 19. Jahrhundert, Zeitschrift fĂŒr die gesamte Neurologie und Psychiatrie, Band 168, 1940, Heft 1, S. 37–64
  • Ein RĂŒckblick auf die Auswirkung und die Handhabung des nationalsozialistischen Sterilisationsgesetzes. In: Der Nervenarzt, Band 20, 1949, S. 1–5.
  • Silvestertagebuch. Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Jutta Koslowski. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2022, ISBN 978-3-579-07189-3.

Siehe auch

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Sterilisationsgesetze
  • Bonhoeffer-Haus – 1935 als Alterswohnsitz fĂŒr Karl Bonhoeffer und seine Frau gebaut, seit 1987 „StĂ€tte der Begegnung und des Gedenkens“ an Dietrich Bonhoeffer

Literatur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Heinz David: 275 Jahre CharitĂ© und die Verantwortung des Mediziners in der Gesellschaft. In: CharitĂ©-Annalen. Neue Folge, Band 6, 1986, S. 16.
  • Robert Gaupp: Zum 70. Geburtstag. In: Allgemeine Zeitschrift fĂŒr Psychiatrie. Band 107, 1938, nach S. 208.
  • Uwe Gerrens: Medizinisches Ethos und Theologische Ethik: Karl und Dietrich Bonhoeffer in der Auseinandersetzung um Zwangssterilisation und „Euthanasie“ im Nationalsozialismus. Oldenbourg, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-486-64573-0 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Uwe Gerrens: Karl Bonhoeffer. In: Maria Magdalena RĂŒckert (Hrsg.): WĂŒrttembergische Biographien unter Einbeziehung hohenzollerischer Persönlichkeiten. Band I. Im Auftrag der Kommission fĂŒr geschichtliche Landeskunde in Baden-WĂŒrttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018500-4, S. 26–29 (online).
  • Christof Gestrich: Der Wert menschlichen Lebens: Medizinische Ethik bei Karl Bonhoeffer und Dietrich Bonhoeffer. Wichern, Berlin 2006, ISBN 3-88981-207-4.
  • Brigitte Kaderas: Karl Abrahams BemĂŒhungen um einen Lehrauftrag fĂŒr Psychoanalyse an der Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t: Quellenedition der „Denkschrift der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung betreffend EinfĂŒhrung des psychoanalytischen Unterrichts an der Berliner UniversitĂ€t“ und ihrer Ablehnung. In: Jahrbuch fĂŒr UniversitĂ€tsgeschichte, Band 1, 1998.
  • Bernd Luther u. a.: Zur Entwicklung der Neurologie/Psychiatrie in Berlin, insbesondere am CharitĂ©-Krankenhaus. In: CharitĂ©-Annalen. Neue Folge, Band 2, 1982, S. 284 ff.
  • Dag Moskopp et al. (Hrsg.): Karl Bonhoeffer – ein Nervenarzt: VortrĂ€ge zum 60. Todestag. Wichern, Berlin 2009, ISBN 978-3-88981-275-9.
  • Klaus-JĂŒrgen NeumĂ€rker: Der Exodus von 1933 und die Berliner Neurologie und Psychiatrie. Akademische Gedenkveranstaltung der Medizinischen FakultĂ€t des Wissenschaftlichen Rates der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin am 2. November 1988 aus Anlass des 50. Jahrestages der faschistischen Pogromnacht. In: CharitĂ©-Annalen. Neue Folge, Band 8, 1988, S. 226 (darin wird Bonhoeffers Brief an Ministerialrat Achelis wegen Entlassung des jĂŒdischen Professors Franz Kramer vom 29. November 1933 auszugsweise zitiert).
  • Klaus-JĂŒrgen NeumĂ€rker: Karl Bonhoeffer. Leben und Werk eines deutschen Psychiaters und Neurologen in seiner Zeit. Springer, Berlin 1990, ISBN 3-540-50454-0.
  • Heinz A. F. Schulze: Karl Bonhoeffer, seine Persönlichkeit, sein Werk, seine Wirkung. In: Psychiatrie, Neurologie und medizinische Psychologie. Band 33, 1981, S. 321–326.
  • Manfred Vasold: Bonhoeffer, Karl. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 199. (Google Books)
  • JĂŒrg Zutt, Erwin W. Straus, Heinrich Scheller: Karl Bonhoeffer zum hundertsten Geburtstag am 31. MĂ€rz 1968. Springer, Berlin 1969 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Commons: Karl Bonhoeffer â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Literatur von und ĂŒber Karl Bonhoeffer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Julian Schwarz: Biografie von K. Bonhoeffer. In: Biographisches Archiv der Psychiatrie (BIAPSY), 2015.
  • Bernhard Meyer: 26 Jahre auf dem Psychiatrie-Lehrstuhl – Der Arzt Karl Bonhoeffer (1868–1948). In: Berlinische Monatsschrift (LuisenstĂ€dtischer Bildungsverein). Heft 9, 2000, ISSN 0944-5560, S. 124–132 (luise-berlin.de). 
  • Karl Bonhoeffer: Gutachten ĂŒber Gottfried Hirschberg vom 9. Dezember 1941. Originalkopie
  • Bonhoeffer-Haus in Berlin-Grunewald
  • Biografie Karl Bonhoeffer. Wissenschaftliche Sammlungen an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Manfred Vasold: Bonhoeffer, Karl. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, S. 199.
  2. ↑ Henry Friedlander: Der Weg zum NS-Genozid. Berlin 1997, ISBN 3-8270-0265-6, S. 212.
  3. ↑ Christel Roggenbau: Über die Krankenbewegung an der Berliner UniversitĂ€ts-Nervenklinik in den Jahren 1933–1945. In: Psychiatrie, Neurologie und Medizinische Psychologie. 1 (1949), S. 129–132.
  4. ↑ Bonhoeffers Position zur Sterilisation psychisch Kranker. H. Helmchen, Der Nervenarzt 1 2015, pp. 77, Springer-Verlag
  5. ↑ mit K. Albrecht u. a. (Hrsg.): Die psychiatrischen Aufgaben bei der AusfĂŒhrung des Gesetzes zur VerhĂŒtung erbkranken Nachwuchses – Mit einem Anhang: Die Technik der Unfruchtbarmachung. Klinische VortrĂ€ge im erbbiologischen Kurs. Karger, Berlin 1934. Auszug Online.
  6. ↑ Manfred Vasold: Bonhoeffer, Karl. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, S. 199.
  7. ↑ T. Nefeklus (Prag): Zum Bonhoeffer-Gutachten im Fall Lubbe. In: Internationales Ă€rztliches Bulletin. Prag, 1. Jg. (1934), Heft 2 (Februar), S. 21–23; Textarchiv â€“ Internet Archive
  8. ↑ Bonhoeffer, Karl. In: Berliner Adreßbuch, 1913, 1, S. 284. „Prof., Geh. Mediz. Rat, Direkt. d. psychiat. u Nerven-Klinik d. CharitĂ©â€œ.
  9. ↑ Bonhoeffer, Karl. In: Berliner Adreßbuch, 1916, 1, S. 271. „Dr., o. Prof., Geh. Mediz. Rat, Direkt. d. Kgl. Universit. Nerven-Klinik“.
  10. ↑ Bonhoeffer, Karl. In: Berliner Adreßbuch, 1936, 1, S. 247. „Prof Nervenarzt“.
  11. ↑ Hans-JĂŒrgen Mende: Lexikon Berliner BegrĂ€bnisstĂ€tten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 484.
  12. ↑ Quelle: Lexikon: Charlottenburg-Wilmersdorf von A bis Z: Gedenktafel fĂŒr Karl und Dietrich Bonhoeffer. Website der Stadt Berlin, abgerufen am 1. April 2014.
  13. ↑ Quelle aller neu eingepflegten Ehrenmitgliedschaften: „Kommission fĂŒr geschichtliche Landeskunde in Baden-WĂŒrttemberg“
  14. ↑ Hartmut Heyck: Goethe – Hindenburg – Hitler. Die Entstehungs- und Verleihungsgeschichte der Goethe-Medaille fĂŒr Kunst und Wissenschaft (1932–1944) mit den Namen von 600 EmpfĂ€ngern. Selbstverlag, Gloucester 2009, S. 36.
  15. ↑ EhrengrabstĂ€tten des Landes Berlin (Stand: November 2018). (PDF, 413 kB), S. 9. Abgerufen am 19. November 2019. Vorlage – zur Kenntnisnahme – EhrengrabstĂ€tten des Landes Berlin. (PDF; 148 kB) Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 15/4601 vom 27. Dezember 2005, S. 1. Abgerufen am 19. November 2019.
Direktoren der Psychiatrischen UniversitÀtsklinik Heidelberg

Carl FĂŒrstner (1878–1890) | Emil Kraepelin (1891–1903) | Karl Bonhoeffer (1903) | Franz Nissl (1903–1918) | Karl Wilmanns (1918–1933) | Carl Schneider (1933–1945) | Kurt Schneider (1945–1955) | Walter Ritter von Baeyer (1955–1972) | Werner Janzarik (1974–1988) | Christoph Mundt (1989–2009) | Sabine C. Herpertz (seit 2009)

Normdaten (Person): GND: 118661442 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: n84805696 | VIAF: 27865188 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Bonhoeffer, Karl
ALTERNATIVNAMEN Bonhoeffer, Karl Ludwig (vollstÀndiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Psychiater und Neurologe
GEBURTSDATUM 31. MĂ€rz 1868
GEBURTSORT Neresheim, Königreich WĂŒrttemberg
STERBEDATUM 4. Dezember 1948
STERBEORT Berlin
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Bonhoeffer&oldid=264423474“
Kategorien:
  • Psychiater
  • Neurologe
  • Mediziner (19. Jahrhundert)
  • Mediziner (20. Jahrhundert)
  • Hochschullehrer (UniversitĂ€t Breslau)
  • Hochschullehrer (Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin)
  • Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)
  • Bestattet in einem Ehrengrab des Landes Berlin
  • Absolvent der Eberhard Karls UniversitĂ€t TĂŒbingen
  • Korporierter (Studentenverbindung)
  • Familienmitglied (Dietrich Bonhoeffer)
  • Elternteil einer berĂŒhmten Person
  • Hochschullehrer (CharitĂ©)
  • WĂŒrttemberger
  • Deutscher
  • Geboren 1868
  • Gestorben 1948
  • Mann

  • indonesia
  • Polski
  • Ű§Ù„ŰčŰ±ŰšÙŠŰ©
  • Deutsch
  • English
  • Español
  • Français
  • Italiano
  • Ù…Ű”Ű±Ù‰
  • Nederlands
  • æ—„æœŹèȘž
  • PortuguĂȘs
  • Sinugboanong Binisaya
  • Svenska
  • ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœŃŃŒĐșа
  • Tiáșżng Việt
  • Winaray
  • äž­æ–‡
  • РуссĐșĐžĐč
Sunting pranala
Pusat Layanan

UNIVERSITAS TEKNOKRAT INDONESIA | ASEAN's Best Private University
Jl. ZA. Pagar Alam No.9 -11, Labuhan Ratu, Kec. Kedaton, Kota Bandar Lampung, Lampung 35132
Phone: (0721) 702022
Email: pmb@teknokrat.ac.id