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Tabletten als Arzneiform

Tabletten (von lat. tabuletta „TĂ€felchen“) sind portionierte und unter Druck zusammengepresste Pulver, Granulate oder Substrate. Sie werden auf Tablettenpressen gefertigt.

Tabletten als Arzneiform bestehen aus einzeldosierten Pulvern oder Granulaten und werden zum Teil mittels pharmazeutischer Technologie weiteren Prozeduren zugefĂŒhrt, um ihre Auflöseeigenschaften zu beeinflussen. Tabletten zur arzneilichen Verwendung zĂ€hlen zu den Arzneimitteln, in einer sonstigen gesundheitsbezogenen Verwendung sind sie den Medizinprodukten oder NahrungsergĂ€nzungsmitteln zuzurechnen. Unter den Arzneiformen nehmen Tabletten mit einem Anteil von nahezu 50 % eine besondere Stellung ein.

Sehr viele Wirkstoffe können tablettiert werden – einige direkt, das heißt ohne weitere Verarbeitung des Pulvers oder Pulvergemisches (Direkttablettierung), die meisten jedoch ĂŒber die Zwischenstufe des Granulats. In aller Regel werden neben dem eigentlichen Wirkstoff zusĂ€tzliche Hilfsstoffe benötigt.

Tabletten können unterschiedliche Formen aufweisen. Bei Tabletten zur Einnahme ist besonders die bikonvexe Form (rund, oben und unten gewölbt) verbreitet.

Ähnliche feste PrĂ€parateformen mit vermischten TrĂ€ger- und Hilfsstoffen wie Tabletten sind Komprimetten, Pellets, Arzneimittelkapseln, Geleekapseln und Kapletten.

Tabletten außerhalb der medizinischen und sonstigen gesundheitsbezogenen Verwendung

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Auch außerhalb der Medizin gibt es zahlreiche Anwendungen fĂŒr Tabletten:

  • Brennstofftabletten (sowohl bei der CampingausrĂŒstung als auch in der Kerntechnik)
  • Brausetabletten (ohne Wirkstoff, nur mit Farb-, Aroma- und SĂŒĂŸstoffen)
  • Chlortabletten (fĂŒr SchwimmbĂ€der)
  • Kohletabletten bzw. Kohle-Compretten (mit Aktivkohle zur Reinigung von FlĂŒssigkeiten und Gasen; zur Geruchsbindung)
  • Reinigungstabletten (fĂŒr Zahnprothesen, GeschirrspĂŒl- und Waschmaschinen, Kaffeeautomaten, Entkalkungstabletten; mit Reinigungsmitteln)
  • Futtertabletten (mit Futtermittel)
  • DĂŒngetabletten/-stĂ€bchen
  • Sauerstofftabletten (zur Teichwasserpflege und fĂŒr Aquarien)

Verfahrenstechnisch erfolgt die Herstellung all dieser verschiedenen Tabletten durch Komprimieren in Tablettenpressen (Tablettierung).

Geschichte der Tablette als Arzneiform

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Skulptur „Meilensteine der Medizin“ beim Berliner Walk of Ideas, links das Marie-Elisabeth-LĂŒders-Haus

Die Tablette wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingefĂŒhrt. Sie gilt als „eine der gewaltigsten UmwĂ€lzungen, die der Apothekerstand je erlebt hat“.[1] 1843 beantragte der EnglĂ€nder William Brockedon (1787–1854) das Patent fĂŒr diese und gilt somit als Erfinder. Dabei gab er ihnen anfangs den Namen „shaping pills“. Die ersten hergestellten PrĂ€parate bestanden aus Natron, Natriumchlorid und Kaliumchlorid und wurden bald „compress pills“ genannt. 1862 wurde die Bezeichnung „tablet“ eingefĂŒhrt, die fĂŒr Komprimate des Brockedonschen Typs verwendet wurde, wobei bereits frĂŒher Pastillen derartig bezeichnet wurden. 1883 vermarktete die Firma Burroughs Wellcome & Company den Begriff der Tablette fĂŒr kaufmĂ€nnische Zwecke. Dieser Terminus war ein geschĂŒtzter Warenname fĂŒr Arzneimittel mit runder, bikonkaver OberflĂ€che. Daraufhin ließ sich die Firma die Bezeichnung „tabloid“ schĂŒtzen. Dies war eine Verschmelzung von Tablette und Alkaloid und bezieht sich auf Komprimate mit hochwirksamen Arzneistoffen in konzentrierter Form. Die Technologie zur Herstellung der Tablette schaute sich Brockedon bei der Brikettzubereitung in Ziegel- und Tonfabriken ab.

In Deutschland hingegen fĂŒhrte Isidor Rosenthal 1874 die Tablettenproduktion ein. Dabei wurden erstmals nur Tabletten fĂŒr Organtherapeutika produziert. Mit der sog. Tablettenverordnung von 1898 versuchte man die Herstellung in der Apotheke zu vereinfachen. Allerdings wurde bereits am Anfang der 1890er Jahre im großen Maßstab mit der industriellen Produktion begonnen.

SpĂ€ter in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts verstĂ€rkte man die Entwicklung von Arzneimitteln mit protrahierter Wirkung, d. h. Retard- oder Depotarzneiformen. Durch die Erforschung wurden anschließend Mehrschicht- und Manteltabletten sowie Duplextabletten in die Therapie eingefĂŒhrt.[1]

Vorteile von Tabletten

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  • billige und massenhafte Produktion auf geeigneten Maschinen möglich
  • gut zu verpacken und zu transportieren
  • hohe StabilitĂ€t des Wirkstoffes in der Arzneiform
  • genau dosierbar
  • einfache Einnahme
  • eine Tablette kann mehrere Wirkstoffe enthalten. Das senkt die Zahl der einzunehmenden Tabletten und verbessert damit die AdhĂ€renz. Beispielsweise empfiehlt die europĂ€ische kardiologische Gesellschaft, solche Single Pills fĂŒr die Behandlung der Hypertonie einzusetzen.[2]

Nachteile der Tabletten

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  • Bei Einnahme ohne ausreichend FlĂŒssigkeit gelangen die Tabletten nicht bis in den Magen, sondern bleiben eine Zeit lang in Rachen oder Speiseröhre „kleben“, was unter anderem unangenehme FremdkörpergefĂŒhle auslösen kann. Deshalb wird insbesondere bettlĂ€gerigen Patienten empfohlen, Medikamente in flĂŒssiger Darreichungsform einzunehmen.
  • Die Compliance bei der Medikamenteneinnahme in Form von besonders großen Tabletten ist reduziert, da einige Patienten Probleme haben, so große Tabletten zu schlucken.
  • Bei einigen Personen bleiben die Tabletten wĂ€hrend des Schluckvorgangs im Rachenbereich kleben

Direkttablettierung

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Unter Direkttablettierung versteht man das Verpressen der Pulver oder von Pulvergemischen mit oder ohne Zusatz von Hilfsstoffen ohne weitere Vorbehandlung. Sie erscheint damit einfach und billig. Nachteilig ist, dass nur wenige Substanzen die zur Direkttablettierung notwendigen Eigenschaften, insbesondere die FließfĂ€higkeit der Haufwerke und die BindungskrĂ€fte zwischen den Partikeln, besitzen.

Grob kristalline Pulver mit kubischen Kristallen lassen sich am besten verarbeiten. Eine KorngrĂ¶ĂŸe von 0,5 bis 1 mm ist optimal. Die Pulver sollen trocken sein, also eine Restfeuchte von max. 10 % aufweisen und in RĂ€umen verpresst werden, die eine maximale relative Luftfeuchtigkeit von 50 % aufweisen.

Zur Direkttablettierung geeignet

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  • Natriumchlorid (Kochsalz)
  • Kaliumchlorid
  • Zinksulfat
  • Ammoniumchlorid
  • Pflanzenpulver
  • Trockenextrakte
  • Mikrokristalline Cellulose
  • Pulvercellulose
  • Polyvinylpyrrolidon (PVP)

Hilfsstoffe

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Durch den Zusatz von Hilfsstoffen werden im Pulvergemisch die zur Tablettierung notwendigen Eigenschaften verbessert und die Eigenschaften der fertigen Tablette modifiziert.

→ Hauptartikel: Galenik

FĂŒllmittel

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Bei Verarbeitung sehr geringer Wirkstoffmengen (z. B. Alkaloide, Hormone, Vitamine usw.) werden FĂŒllmittel benötigt. FĂŒllmittel sorgen dafĂŒr, dass die Tablette die notwendige GrĂ¶ĂŸe/Masse erhĂ€lt. Eingesetzt werden StĂ€rken (Mais-, Kartoffel- und WeizenstĂ€rke) und Lactose. Weitere FĂŒllmittel sind: Glucose, Mannitol, Sorbitol. Fructose wird auf Grund ihres hohen Preises nur sehr selten verwendet. Saccharose wird vor allem fĂŒr Lutschtabletten verwendet. Nach ZufĂŒhrung von Gleit- und Schmiermitteln ist auch die direkte Tablettierung möglich.

Bindemittel

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Bindemittel sorgen fĂŒr den Zusammenhalt in Granulaten und neben dem Pressdruck fĂŒr die Festigkeit von Tabletten. Sie unterteilen sich in Trockenbindemittel wie z. B. MCC (mikrokristalline Cellulose) oder StĂ€rke und in Feuchtbindemittel/Klebstoffe fĂŒr die Granulierung wie z. B. StĂ€rkekleister, Celluloseether, Kollidon und Gelatine.

Sprengmittel (Zerfallsmittel)

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Sie verbessern das Verpressen zu haltbaren Tabletten (=Verbesserung der Partikelhaftung) und das spÀtere Zerfallen der Tabletten im Magen-Darm-Trakt.

Sprengmittel (Zerfallsmittel) wirken auf drei Arten:

  • Substanzen, die Feuchtigkeit absorbieren, die KapillaritĂ€t erhöhen und quellen
  • Verbindungen, die unter Einfluss von Feuchtigkeit Gase entwickeln und aufbrausen
  • Substanzen, die die Benetzbarkeit der Tabletten erhöhen (Hydrophilisierungsmittel)

Wichtige Sprengmittel sind Kartoffel- und MaisstÀrke, PVP, Carbomer und Magnesiumperoxid.

Die Gruppe der Sprengmittel oder auch zerfallsfördernde Mittel wird v. a. durch die quervernetzten PVP-Marken bestimmt (Kollidon CL).

Gleitmittel

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Gleitmittel werden nochmals in drei Untergruppen unterschieden:

Fließmittel verbessern die Fließeigenschaften des Haufwerkes. Dadurch kann sie bei der Tablettierung besser in die Matrize fließen, somit verbessern Fließmittel auch die Dosiergenauigkeit. Sie verringern die interpartikulĂ€ren Reibungen. Sie reduzieren die Feuchtigkeit auf der OberflĂ€che. Sie verringern Reibungs- und HaftkrĂ€fte zwischen den SchĂŒttgutteilchen.

Schmiermittel haben die Funktion, das Ausstoßen der Tablette aus der Matrize dadurch zu erleichtern, dass die Reibung zwischen Innenwand der Matrizenbohrung und TablettenseitenflĂ€che herabgesetzt wird. Zudem wird die Reibung zwischen der Matrizenbohrung und dem Unterstempel verringert, um ein Festfressen des Unterstempels zu verhindern.

Formentrennmittel sollen das Kleben der Tablettenmasse an den Stempeln und an der Matrizeninnenwand verhindern. Auch hier ist zu große Feuchtigkeit auszuschließen. Problematisch fĂŒr das Kleben können hygroskopische Substanzen sein. Verbindungen mit einem Schmelzbereich unter 75 Â°C kleben sehr stark und sind nicht ohne weiteres tablettierbar.

Typische Gleitmittel sind z. B. Magnesiumstearat und Calciumbehenat.

Überzogene Tabletten (Dragees und Filmtabletten)

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Überzogene Tabletten bestehen aus einem Kern und einer gleichmĂ€ĂŸigen, lĂŒckenlosen Schicht. Der Kern besteht meistens aus einer Tablette oder einem Granulatkorn bzw. Pellet. Die aufgetragene Schicht besteht entweder aus Zucker (klassisches ZuckerdragĂ©e) oder aus einem anderen Filmbildner (Filmtablette). Die Schicht kann gefĂ€rbt sein und gegebenenfalls noch andere Substanzen enthalten, um die Eigenschaften der fertigen Arzneiform in der gewĂŒnschten Weise zu verĂ€ndern oder zu ĂŒberdecken, z. B. Geruch und Geschmack.

Das Dragieren ist der Produktionsschritt, bei dem der Kern mit Zuckerschichten umhĂŒllt wird. Mittlerweile werden auch andere Überzugsmaterialien verwendet, z. B. Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) und Polyacrylat-Methacrylat (PAMA).[3] Besteht die Schicht nur aus einem einzigen dĂŒnnen Film, spricht man von Filmtabletten.

Geschichte des Dragierens

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Anis de Flavigny in den einzelnen Herstellungsschritten vom Anissamen bis zum fertigen Dragée

In der Antike wurde in Griechenland tragemata (Naschwerk) hergestellt, das aus mit Honig und Harzen glasierten NĂŒssen bestand. Um das Jahr 1000 n. Chr. beschrieb der persische Gelehrte Ibn Sina in seinem Werk Kanon der Medizin das Überziehen von Pillen mit Zucker und Wachs; außerdem beobachtete er, dass die FĂ€rbung einer Pille eine psychologische Wirkung erzielt. Etwa um die gleiche Zeit begannen Benediktiner in Flavigny-sur-Ozerain mit dem Dragieren von Pflanzenteilen, darunter Anissamen. Die Anis de Flavigny-Dragees sind immer noch erhĂ€ltlich.

Jean de Renoult, ein Pariser Apotheker, stellte ab 1608 mit Zucker und Gold ĂŒberzogene, abgeflachte TĂ€felchen her. Apotheker kopierten die Herstellungsweise von französischen Konditoren, die bereits SĂŒĂŸigkeiten-Dragees herstellten: Verzuckerte Pillen brachte man in runde Becken, benetzte sie mit einer Gummi-arabicum-Lösung, bestreute sie mit Zuckerpulver und bewegte das mit einer Kordel an der Decke befestigte Becken hin und her, sodass die Pillen roulierten. Anschließend trocknete man diese auf einem Haarsieb bei 25 Â°C. Dieser gesamte Vorgang wurde dann noch zweimal wiederholt. In französischen Adelskreisen kam das Verzehren solcher Dragees in Mode, so dass die Produktion zur Bedarfsdeckung zunehmend mechanisiert wurde, bis hin zu einer industriellen Fertigung in Dragierkesseln. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die industrielle Produktion in den USA durch den Apotheker Warner, dem spĂ€teren GrĂŒnder von Warner-Lambert[3] (seit 2000 Pfizer).[4] Eine frĂŒhe Nutzung des Dragier-Verfahrens erfolgte auch in der Lebensmittelbranche, beispielhaft seien hier die Liebesperlen genannt.

Das Filmdragee, das man schon 1930 beschrieben hat, wurde in den 1950er Jahren kommerzialisiert. Die Firma Abbott Laboratories stellt Filmdragees seit 1953 in den USA her.[1]

GrĂŒnde fĂŒr das Überziehen von Tabletten

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  • Überdecken unangenehmen Geschmacks
  • Verbesserte Verarbeitung bei der Konfektionierung (Besseres Gleiten)
  • Verdecken eines unangenehmen oder uneinheitlichen Aussehens
  • Schutz der Arzneistoffe vor Ă€ußeren EinflĂŒssen
  • Erzielung einer Resistenz gegen Magensaft
  • Ganz allgemein Steuerung / Modifizierung der Wirkstofffreisetzung
  • Erleichtern des Schluckens
  • Erleichterung der Identifizierung (Arzneimittelsicherheit)

Zuckerdragierung

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Dies ist das klassische Dragieren, d. h. das Überziehen der Kerne mit Zuckerlösungen. Die hohen Produktionskosten, die Schwierigkeiten den Prozess zu standardisieren (automatisieren) und die lange Herstellungsdauer von bis zu einer Woche pro Charge lassen dieses Verfahren zugunsten der Filmtablette immer weiter zurĂŒcktreten.

Beim Kaltdragieren wird die Zuckerlösung bei normaler Zimmertemperatur aufgetragen, beim Warmdragieren (Heißdragieren) wird der erwĂ€rmte Zuckersirup verwendet (ca. 50–60 Â°C).

Der Vorgang findet in Dragierkesseln statt, in der die Kerne durch Rotation der Trommel ins Rollen gebracht werden. Die DragierflĂŒssigkeit wird zugesetzt und ĂŒberzieht nach und nach die Kerne. Gleichzeitig wird vorsichtig getrocknet (Warmluft oder IR-Strahler). Der Vorgang wird so lange wiederholt bis sich eine ausreichend dicke und stabile Schicht um den Kern gebildet hat. Dies kann bis zu 50 DragiervorgĂ€nge erfordern. Die Kerne erfahren dadurch eine Gewichts- und Volumenzunahme.

Dragierprozess im Einzelnen

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  • ImprĂ€gnieren
    • zum Schutz vor dem Eindringen der DragierflĂŒssigkeit in den Kern; z. B. mit Schellacklösungen oder Polymerisaten.
  • Andecken
    • zum mechanischen Schutz und zum Vorbereiten des Auftragens. Andecksirup enthĂ€lt neben dem Zucker noch Bindemittel (PVP, Cellulose usw.)
  • Auftragen (bis zu 50-mal)
    • Das Auftragen ist der eigentliche Dragiervorgang. Wird bis zum Erreichen der gewĂŒnschten Dicke wiederholt.
  • FĂ€rben
    • Zum FĂ€rben wird der letzten Auftragsschicht Farbstoff zugesetzt (1–3 %).
  • GlĂ€tten
    • Der GlĂ€ttsirup wird aufgetragen, um Unebenheiten zu beseitigen. Langsames Trocknen ist wichtig, daher keine WĂ€rmezufuhr.
  • Polieren
    • Zur Verbesserung des Aussehens werden die Dragees in besonderen, mit Filz ausgeschlagenen Trommeln unter Verwendung von Öl oder Polierwachs weiterverarbeitet.

Schnelldragierung

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Die Schnelldragierung entspricht in ihren wesentlichen ArbeitsgĂ€ngen der oben beschriebenen Dragierung. Die Zeitersparnis wird dadurch realisiert, dass man sich mit einer um 70 – 90 % geringeren Schichtdicke zufriedengibt. Ferner werden zum Schnelldragieren Dragieremulsionen verwendet. In wenigen Stunden lassen sich so Dragees herstellen.

Filmtabletten (Filmdragees) / film coated tablets

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→ Hauptartikel: Filmtablette

Der Unterschied zur Dragierung liegt darin, dass die Kerne mit einer einzigen, durchgehenden, gefĂ€rbten Schicht aus besonderen Überzugsmaterialien ĂŒberzogen werden. Weder das Volumen noch die Form des Kerns wird dabei verĂ€ndert. Gravuren bleiben sichtbar. Obwohl diese Schicht nur sehr dĂŒnn ist, soll sie doch alle wesentlichen Vorteile der unter „GrĂŒnde fĂŒr das Überziehen“ genannten Eigenschaften erhalten.

Der entscheidende Vorteil der FilmĂŒberzĂŒge ist Zeitersparnis.

Überzugsmaterialien

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Überzugsmaterialien werden ĂŒblicherweise nach chemischen oder funktionellen Gesichtspunkten eingeteilt.

Chemische Unterteilung

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  • Cellulose und Cellulosederivate
  • MethacrylsĂ€urecopolymere
  • Polyvinylpyrrolidon (PVP) und Derivate

Funktionelle Einteilung

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Schnelllösliche Filmbildner
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  • Methylcellulose
  • PVP
  • Polyvidonacetat
Magensaftresistente und dĂŒnndarmlösliche Filmbildner
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  • Hydroxypropylmethylcellulosephthalat
  • Carboxymethylcellulose
  • Polyvinylacetatphthalat
  • Schellack
  • MethacrylsĂ€ureester
Unlösliche Filmbildner
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  • Ethylcellulose
  • MethacrylsĂ€ureester

Andere Hilfsstoffe wie Weichmacher (CitronensĂ€ureester, PhthalsĂ€ureester, Polyalkohole, Polyoxyethylenderivate) erhöhen die FlexibilitĂ€t des Filmes und setzen die Sprödigkeit herab. Als Farbstoffe werden (mit EinschrĂ€nkungen) die ĂŒblichen Lebensmittelfarbstoffe verwendet. Die Verwendung von Farbstoffen in Arzneimitteln ist in der Arzneimittelfarbstoffverordnung (AMFarbV) geregelt.

VerÀnderte Wirkstofffreisetzung

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Tabletten mit verĂ€nderter Wirkstofffreisetzung können sowohl ĂŒberzogen oder nicht ĂŒberzogen sein. Sie werden durch spezielle Verfahren (z. B. Hydroxpropylmethylcellulose als Matrix) oder unter Verwendung bestimmter Hilfsstoffe (z. B. ÜberzĂŒge) hergestellt. Ferner können auch Kombinationen dieser vorgenommen werden. Ziel dieser Art der Tablettenherstellung ist es, den Ort, den Zeitpunkt oder die Wirkstofffreisetzungsgeschwindigkeit gezielt zu verĂ€ndern. Das europĂ€ische Arzneibuch inkludiert zu Tabletten mit verĂ€nderter Wirkstofffreisetzung verschiedene Wirkstofffreisetzungsprofile, wie verzögerte, verlĂ€ngerte oder pulsierende Wirkstofffreisetzung.[5][6][7]

Verzögerte Wirkstofffreisetzung

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Tabletten mit verzögerter Wirkstofffreisetzung sind meist Tabletten, die ihren Wirkstoff erst im Darmlumen freisetzen. Dies bedeutet, dass sie im Magensaft resistent gegenĂŒber dem sauren Milieu sind. Sie können entweder als ganze Tablette mit einem oder mehreren Schichten ĂŒberzogen sein oder durch bereits ĂŒberzogenen Granulaten hergestellt werden.[1]

VerlÀngerte Wirkstofffreisetzung

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Bei Tabletten mit verlĂ€ngerter Wirkstofffreisetzung handelt es sich um Langzeitarzneiformen. Diese sind derartig modifiziert, dass sie entweder ihren Wirkstoff StĂŒck fĂŒr StĂŒck freisetzen (z. B. langsame Wirkstoffauflösung oder Errichtung einer Diffusionsbarriere) oder die Biotransformation und Elimination verzögert sind, um dadurch eine lange biologische Halbwertszeit zu erzielen. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen Retard-/ und Depotarzneiformen, wobei die Depotarzneiformen wiederum in Sustained-release Type (hinhaltende Wirkstofffreigabe), Prolonged-release Type (protahierte Wirkstofffreigabe), Repeat-release Type (gestaffelte Wirkstofffreigabe) und Delayed-release Type (verzögerte Wirkstofffreisetzung) unterteilt werden.[8]

Pulsierende Wirkstofffreisetzung

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Bei dieser gestaffelten Art der Wirkstofffreisetzung wird zunĂ€chst eine Initialdosis und nach einer gewissen Zeit weitere Einzeldosen freigesetzt. Sie beinhalten im Ă€ußeren Teil eine Dosierung fĂŒr die Initialwirkung und im Kern eine Dosis fĂŒr die Langzeitwirkung. Somit entsteht ein Gebilde von einer Tablette in einer Tablette.

Diese Art der Wirkstofffreisetzung ist das Prinzip von z. B. OROS (osmotic release oral system). Hier wird der Wirkstoff mit einem stark osmotischen Hilfsstoff (z. B. Mannitol oder NaCl) gemischt und zusammen verpresst. Die fertige Tablette wird anschließend mit einer semipermeablen Membran ĂŒberzogen, welche den Wirkstoff nicht passieren lĂ€sst. Durch einen Laser wird in die Tablette ein Loch gebohrt, durch welches der Wirkstoff freigesetzt werden kann. Durch den herrschenden osmotischen Druck strömt Wasser in die Tablette, worin sich der Wirkstoff löst und durch das gebohrte Loch freigesetzt werden kann.[8][1]

Methoden zur Herstellung

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Tabletten mit verĂ€nderter Wirkstofffreisetzung können auf verschiedene Weisen hergestellt werden. Sie können einerseits ĂŒberzogen werden, welche entweder „nur“ die Magensaftresistenz gewĂ€hrleisten, eine Retardwirkung ausfĂŒhren oder andererseits mit Hilfe weiterer Hilfsstoffe zu einem oralen osmotischen System fĂŒhren. Weiterhin kann der Wirkstoff in einer Matrix eingebettet sein, welcher sich stĂŒckchenweise auflöst und somit zu einer verlĂ€ngerten Wirkstofffreisetzung fĂŒhrt.

ÜberzĂŒge

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Bestimmte ÜberzĂŒge auf einer Tablette bewirken, dass sie sich nicht im Magen auflöst. Solche magensaftresistente Tabletten (mit ÜberzĂŒgen wie z. B. Eudragit L, Eudragit S und Eudragit FS) setzen ihren Wirkstoff erst im Darmlumen frei. Arzneiformen mit retardierenden ÜberzĂŒgen setzen den Wirkstoff zeitlich verzögert frei, wie z. B. mit den ÜberzĂŒgen Eudragit RL, Eudragit RS, Eudragit NM und Eudragit NE.[9]

RetardĂŒberzĂŒge

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Einige bestimmte Polymethacrylate – Handelsname u. a. Eudragit – können aufgrund ihrer Struktur dazu fĂŒhren, dass eine Tablette nicht vom Magensaft angegriffen wird und durch ihre quellende Eigenschaft eine Retardwirkung entsteht.[1]

Die Eudragite RL/RS beinhalten quartĂ€re Ammoniumverbindungen, deren Gegenion ein Chlorid-Ion ist. Diese Chlorid-Ionen werden im Magen-Darm-Trakt durch ein Phosphat ersetzt. Dieses Phosphat-Ion entwickelt eine HydrathĂŒlle, welche zur Quellung des Überzugs fĂŒhrt. Diese Quellung fĂŒhrt zu „Rissen“ in der Überzugsschicht, aus welchen der Arzneistoff nun entweichen kann.

Der Unterschied beider Eudragite liegt im Ammoniumgehalt. Eudragit RL (Leicht Retardierend) hat einen 10%igen Ammoniumgehalt, wobei Eudragit RS (Stark Retardierend) nur einen 5%igen, wodurch ein unterschiedlicher Quelleffekt zustande kommt.[9]

Orales Osmotisches System

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Eine weitere Möglichkeit, die Wirkstofffreisetzung einer Tablette zu beeinflussen, bietet das orale osmotische System. Durch eine osmotisch aktive Substanz gelangt dabei Wasser in die Arzneiform. Der dadurch ansteigende Druck presst den Wirkstoff durch ein lasergebohrtes Loch durch die semipermeable Membran ins Darmlumen.

Ablauf der Tablettenherstellung

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In einer Tablettenfabrik (1904)
Drageeturbine

Tabletten werden aus Pulvergemischen gepresst. Meist – wenn auch nicht immer – werden diese Gemische vor dem Verpressen granuliert, d. h. in gröbere Teilchen ĂŒberfĂŒhrt. Der wichtigere Grund dafĂŒr soll an einem Beispiel veranschaulicht werden:

Neigt man eine Schaufel mit feinem Mehl immer stĂ€rker, so geschieht zunĂ€chst gar nichts, bis bei starker Neigung plötzlich das ganze Mehl auf einmal in einer großen Staubwolke herabfĂ€llt. Nimmt man dagegen eine Schaufel mit körnigem Zucker, so gerĂ€t er viel frĂŒher und gleichmĂ€ĂŸiger ins Fließen.

Zucker ist zwar kein Granulat, aber seine Kristalle fließen Ă€hnlich gut wie Granulate. Ein solches Fließen ist fĂŒr die Verarbeitung auf den Tablettenpressen sehr wichtig, denn wenn die Masse ins Stocken gerĂ€t, entstehen zu leichte Tabletten. Ein anderer Grund fĂŒr das Granulieren liegt darin, dass im Granulat die verschiedenen Bestandteile aneinander haften und sich nicht wieder entmischen können. Uneinheitliche Gemische fĂŒhren zu Schwankungen im Wirkstoffgehalt. Manchmal allerdings kann man auch auf das Granulieren verzichten und die Tabletten direkt aus den Pulvergemischen pressen. Diese Herstellungsart nennt man Direktverpressung. Insgesamt wendet man folgende Verfahren zur Herstellung von Tablettenmassen an:

  • Pulvermischung (zur Direktverpressung)
  • Feuchtgranulierung
  • Wirbelschichtgranulierung
  • Trockengranulierung

Die Direktverpressung ist die wirtschaftlichste und eleganteste Methode, sie lÀsst sich aber nur bei einem Teil der Tabletten verwirklichen, da Pulvergemische sich oft schlecht verarbeiten lassen.

Die Feuchtgranulierung ist das verbreitetste Verfahren zur Vorbereitung von Pressmassen. Dabei stellt man eine Art Teig her, der durch ein Sieb gepresst wird und getrocknet wird. Die Wirbelschichtgranulierung stellt eine Sonderform der Feuchtgranulierung dar. Die Trockengranulierung wird notwendig, wenn die Mischung feuchtigkeitsempfindlich ist.

Der Ablauf der Tablettenherstellung gliedert sich in die Schritte

  1. Vorbereitung der Substanzen und Einwaage,
  2. Granulierung
  3. Verpressung.

Bei der Verpressung können eine oder zwei im 90°-Winkel angeordnete Rillen, sogenannte Bruchkerben in die Tablette eingepresst werden, um das Zerteilen der Tablette zu erleichtern. Zum Zerteilen von Tabletten, was besonders Ă€lteren Personen mit Sehbehinderungen und manuellen Behinderungen schwer fallen kann, kann auch ein Tablettenteiler verwendet werden. Schmuckkerben dienen dagegen der Identifizierung von Tabletten. Sie sind reine Zierkerben und ihre TeilstĂŒcke sind zumeist nicht gleichförmig, d. h. diese TeilstĂŒcke können zu Über- oder Unterdosierung fĂŒhren.

Literatur

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  • Annette Bauer-Brandl, Wolfgang A. Ritschel: Die Tablette. Handbuch der Entwicklung, Herstellung und QualitĂ€tssicherung. 3. Auflage, Editio Cantor, Aulendorf 2011, ISBN 3-87193-407-0.

Weblinks

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Commons: Tabletten â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Tablette â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ a b c d e f Wolf-Dieter MĂŒller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., ĂŒberarb. und erw. Auflage. Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S. 31 ff. 
  2. ↑ Peter Overbeck: Hypertonie: Besserer Schutz bei leitliniengerechter initialer „Single Pill“-Therapie. Kardiologie.org, 1. November 2018; abgerufen am 28. MĂ€rz 2022.
  3. ↑ a b Gerhard Waßmann, Mont Kumpugdee-Vollrath, Jens-Peter Krause: EinfĂŒhrung und Geschichte des Coatings. In: Easy Coating: Grundlagen und Trends beim Coating pharmazeutischer Produkte. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2011, S. 2–5
  4. ↑ Warner Lambert. 2000: Pfizer joins Forces with Warner-Lambert. pfizer.com, 2018; abgerufen am 28. Januar 2020
  5. ↑ EuropĂ€isches Arzneibuch. Band 8.0. 
  6. ↑ Voigt: Pharmazeutische Technologie. Hrsg.: Deutscher Apotheker Verlag. 2015, ISBN 978-3-7692-6194-3. 
  7. ↑ American Pharmaceutical Association (Hrsg.): Handbook of Pharmaceutical Exciepients. USA. 
  8. ↑ a b pharmaceutical industry – Drug discovery and development. In: Encyclopedia Britannica. (britannica.com [abgerufen am 22. Januar 2017]). 
  9. ↑ a b Evonik Nutrition & Care GmbH (Hrsg.): EudragitÂź. (evonik.com [PDF]). 
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tablette&oldid=256411813“
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