
Subduktion (lat. sub âunterâ und ducere âfĂŒhrenâ) ist ein fundamentaler Prozess der Plattentektonik. Der Begriff bezeichnet das Abtauchen ozeanischer LithosphĂ€re (Erdkruste und der oberste Teil des Erdmantels) am Rand einer tektonischen Platte in den darunter liegenden Teil des Erdmantels, wĂ€hrend dieser Plattenrand gleichzeitig von einer anderen, angrenzenden LithosphĂ€renplatte ĂŒberfahren wird. Beim Abtauchen der Platte erfahren deren Krustengesteine eine Metamorphose. Dabei steigt die Dichte des abgetauchten Teils derart an, dass er tief in den Erdmantel absinken kann.
Begriffe und Definitionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Damit Subduktion in diesem Sinne stattfinden kann, mĂŒssen sich zwei Platten aufeinander zubewegen. Man nennt ihren Kontaktbereich deshalb eine konvergierende Plattengrenze oder auch, weil dort LithosphĂ€renmaterial âvernichtetâ wird, eine destruktive Plattengrenze. Die abtauchende Platte heiĂt Unterplatte, die ĂŒberfahrende Oberplatte. Der in den Erdmantel abgetauchte Teil der Unterplatte wird Slab genannt, was im Englischen in etwa âPlatteâ[1] bedeutet. Der gesamte Bereich der LithosphĂ€re, der von der Subduktion unmittelbar beeinflusst wird, heiĂt Subduktionszone. Dort treten besondere tektonische und magmatische PhĂ€nomene auf.
Geodynamische Voraussetzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Subduktion, so wie sie heute stattfindet, erfordert einen festen (aber plastisch verformbaren) und relativ âkaltenâ Erdmantel. Deshalb tritt sie wahrscheinlich erst seit dem Mesoarchaikum auf, und nicht bereits seitdem sich im Hadaikum die erste LithosphĂ€re gebildet hatte.
FĂŒr ein Absinken ĂŒberschobener ozeanischer LithosphĂ€re in den Erdmantel ist wahrscheinlich eine Umwandlung der basischen ozeanischen Kruste in Eklogit notwendig (siehe Ursachen und Mechanismus der Subduktion und EntwĂ€sserung und Metamorphose der abtauchenden Platte). Ein geothermischer Gradient, bei dem sich LithosphĂ€renmaterial basaltischer Zusammensetzung (in erster Linie ozeanische Kruste) im Mantel in Eklogit umwandeln kann und so Subduktion und damit âechteâ Plattentektonik erst möglich wird, besteht anscheinend kontinuierlich und ĂŒberall auf der Erde erst seit ca. 3 Milliarden Jahren vor heute (mittleres Mesoarchaikum).[2][3][4] Davor war die Temperatur im oberen Mantel zu hoch, sodass die subduzierte Kruste bereits in relativ geringer Tiefe zu stark entwĂ€ssert wurde. Beim Erreichen der Tiefe, in der ausreichend hoher Druck herrschte, stand dann kein Wasser mehr fĂŒr den fĂŒr die Eklogitisierung notwendigen advektiven Ionentransport zur VerfĂŒgung, sodass kein Eklogit mehr entstehen konnte.[5]
Ursachen und Mechanismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ozeanische LithosphÀre verweilt, in erdgeschichtlichen ZeitrÀumen betrachtet, nur relativ kurze Zeit an der OberflÀche des Erdkörpers, weil sie weniger Auftrieb besitzt als kontinentale LithosphÀre und mit zunehmendem Alter auch noch fortwÀhrend an Auftrieb verliert. GegenwÀrtig gibt es deshalb keine ozeanische LithosphÀre, die Àlter ist als etwa 180 Millionen Jahre (Jura), denn Àlteres Material wurde bereits wieder subduziert. Eine Ausnahme ist das östliche Mittelmeer, das von Resten ozeanischer LithosphÀre der Neotethys unterlegt ist, die laut neueren palÀomagnetischen Untersuchungen bis zu 365 Millionen Jahre alt (Oberdevon) sein könnten.[6] Vorhergehende Modellierungen waren von einem permischen bis triassischen Alter (280 bis 230 Millionen Jahre) ausgegangen.[7]
Die Subduktion erfolgt an den Subduktionszonen, wo sich der Rand einer LithosphĂ€renplatte in mehr oder weniger steilem Winkel nach unten biegt. An vielen Stellen der Erde wurden solche in den Erdmantel hinunterâhĂ€ngendenâ Plattenenden (Slabs) mit seismologischen Verfahren nachgewiesen.[8]
Durch das Abtauchen erhöht sich die Temperatur und der Druck im Slab, was Gesteinsumwandlungen insbesondere des Krustengesteins auslöst (siehe unten), wodurch dessen Dichte noch weiter ansteigt, statt durch die ErwĂ€rmung geringer zu werden. Ozeanische LithosphĂ€re behĂ€lt also im Abtauchen eine höhere Dichte als das Material des sublithosphĂ€rischen Mantels, aus dem sie einst hervorgegangen ist, und kehrt dadurch nicht unmittelbar in diesen zurĂŒck. Vielmehr zieht der Slab selbst in gröĂerer Tiefe den noch an der OberflĂ€che des Erdkörpers liegenden Teil der Platte gravitativ â durch seine Schwere â nach. Diese Antriebskraft der weiteren Subduktion wird auf Englisch slab pull (âPlattenzugâ) genannt. Der âPlattenzugâ gilt als ein möglicher Antriebsfaktor der Plattendrift und somit der gesamten Plattentektonik.[9] In welcher Tiefe und auf welche Weise das Absinken eines Slabs endet und was mit dem Slab danach passiert, ist noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Jedenfalls wurden seismische Anomalien, die man als Signaturen versinkender Slabs deutet, noch nahe der Kern-Mantel-Grenze festgestellt.[10][11]
Wenn irgendwo Material von der ErdoberflĂ€che verschwindet, muss irgendwo anders neues Material auftauchen, denn der OberflĂ€cheninhalt der Erdkugel ist konstant. Deshalb gibt es neben den Materialsenken der Subduktionszonen auch Materialquellen, vor allem ein Ă€hnlich ausgedehntes, erdumspannendes Netz von Spreizungszonen (siehe auch â Mittelozeanischer RĂŒcken), in denen fortwĂ€hrend aufdringendes AsthenosphĂ€renmaterial neue ozeanische LithosphĂ€re bildet. Daneben fördern auch von der Kern-Mantel-Grenze aufsteigende sogenannte Mantelplumes heiĂes Mantelmaterial bis an die Unterseite der LithosphĂ€re und bilden dort Hotspots, die eine besondere, von Plattengrenzen unabhĂ€ngige Form von Vulkanismus auslösen. Subduktion, Plattendrift, Ozeanbodenspreizung und Mantelplumes sind Ausdruck der Mantelkonvektion der Erde.
Beginn, Verlauf und Ende
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr die Entstehung einer Subduktionszone werden zwei Mechanismen in Betracht gezogen:[12]
- Vertikal forcierte oder âspontaneâ Subduktion. LithosphĂ€re besteht prinzipiell aus zwei Schichten. Die obere Schicht ist die Erdkruste und die untere ist der lithosphĂ€rische Mantel. Die Kruste ozeanischer LithosphĂ€re hat eine etwas geringere und der lithosphĂ€rische Mantel eine etwas höhere Dichte als die unterlagernde AsthenosphĂ€re. Ist sie noch jung und relativ warm, so hat die ozeanische LithosphĂ€re in der Summe genĂŒgend Auftrieb, um auf der dichteren AsthenosphĂ€re zu âschwimmenâ und damit an der ErdoberflĂ€che zu bleiben. Weil sie sich mit steigendem Alter und zunehmender Entfernung von der Spreizungszone abkĂŒhlt und deshalb dichter wird und der lithosphĂ€rische Mantel durch Anlagerung (Akkretion) von AsthenosphĂ€renmaterial zudem anwĂ€chst, schwindet im Laufe von Jahrmillionen ihr Auftrieb, sodass der alte, zu schwer gewordene Teil einer solchen Platte schlieĂlich âspontanâ (d. h. ohne Einwirkung horizontal gerichteter KrĂ€fte) in die AsthenosphĂ€re abzusinken beginnt. Dies geschieht â wahrscheinlich relativ selten â entweder an einem passiven Kontinentalrand oder an einer bereits vorhandenen intra-ozeanischen Bruchzone.[13][12]
- Horizontal forcierte oder âinduzierteâ Subduktion. Zwei PlattenrĂ€nder erfahren jeweils eine gegeneinander gerichtete horizontale Schubkraft, sodass sich ab einem bestimmten Punkt der schwerere der beiden PlattenrĂ€nder aktiv unter den anderen schiebt und letztlich in die AsthenosphĂ€re abtaucht. Das tektonische GegeneinanderdrĂŒcken der Platten ist angetrieben von Spannungen, die von teilweise sehr weit entfernten Bereichen der LithosphĂ€re ausgehen können, zum Beispiel von einem umfangreichen Riftsystem.[13]
Einmal in Gang gekommen, wird die Subduktion zunehmend vom gravitativen Zug (slab pull) des bereits versunkenen Plattenteils (slab) angetrieben. Erfolgt die Bildung neuer LithosphĂ€re an der ozeanischen Spreizungszone der Unterplatte langsamer als die Subduktion, fĂŒhrt dies zur Einengung des entsprechenden Ozeanbeckens (unter âOzeanbeckenâ wird in plattentektonischem Zusammenhang immer ein von ozeanischer LithosphĂ€re unterlegter Bereich zwischen KontinentalrĂ€ndern oder konvergenten PlattenrĂ€ndern verstanden, was oft nicht dem geographischen VerstĂ€ndnis eines Ozeans entspricht). Solange diese Differenz fortbesteht, nĂ€hert sich die Spreizungszone mit ihrem Mittelozeanischen RĂŒcken mehr und mehr der Subduktionszone und wird schlieĂlich selbst auch subduziert. Auf Englisch wird dies als spreading ridge subduction bezeichnet. In einem solchen Fall wird die Subduktion abgebremst und der Rand der Oberplatte wird stĂ€rker deformiert als sonst. LĂŒcken im Slab entlang des subduzierten Teils der Spreizungsachse (engl.: slab windows) können derweil den Magmatismus auf der Oberplatte verstĂ€rken.[14] Weil der ozeanischen LithosphĂ€re eines Ozeanbeckens nach vollstĂ€ndiger Subduktion der Spreizungszone kein neues Material mehr hinzugefĂŒgt wird, erhöht sich damit die Geschwindigkeit der Einengung.
Wenn die Spreizungsachse weitgehend parallel zum Rand der Oberplatte verlĂ€uft und die Platte jenseits des RĂŒckens keine allzu starke, quer zum Rand der Oberplatte gerichtete Bewegungskomponente aufweist, kann das Auftreffen eines Mittelozeanischen RĂŒckens auf eine Subduktionszone zum Ende oder zumindest zu einer lĂ€nger andauernden Unterbrechung der Subduktion fĂŒhren. Grund dafĂŒr ist, dass die extrem junge ozeanische LithosphĂ€re unmittelbar jenseits des RĂŒckens eine sehr geringe Dichte hat und damit schlecht subduziert werden kann, vor allem auch weil sie keinen Slab besitzt, der einen gravitativen Zug ausĂŒben könnte. Entsprechendes ist im Verlauf des KĂ€nozoikums zumindest abschnittsweise am Westrand der Nordamerikanischen Platte passiert.[15][16]
Ozeanbecken im Sinne der Plattentektonik sind faktisch immer von lithosphĂ€rischen Bereichen begrenzt, die stĂ€rker differenzierte â also ânicht-ozeanischeâ â und verhĂ€ltnismĂ€Ăig mĂ€chtige, weit aufragende Kruste aufweisen. Es handelt sich dabei entweder um granitische kontinentale Kruste oder um siliziumĂ€rmere, magmatische Inselbögen. Vereinfachend können alle diese Bereiche als gröĂere oder kleinere Kontinentalblöcke betrachtet werden. Bei der Einengung eines Ozeanbeckens durch Subduktion kommen sich die BeckenrĂ€nder immer nĂ€her. Zuletzt, wenn sich das Ozeanbecken vollstĂ€ndig schlieĂt, gerĂ€t der Kontinentalblock des Beckenrandes der Unterplatte in die Subduktionszone und setzt der Plattenbewegung zunehmenden Widerstand entgegen, denn ein Kontinentalblock mit seinem hohen Auftrieb kann nicht tief subduziert werden. Somit kommt es zur Kollision der Kontinentalblöcke einschlieĂlich Gebirgsbildung und Abriss des Slabs. Aus der Subduktionszone ist eine Kollisionszone geworden.
Wird in der Endphase einer Subduktion bzw. der FrĂŒhphase einer Kollision auch kontinentale Kruste subduziert, neigt diese aufgrund ihrer deutlich geringeren Dichte dazu, wieder aufzusteigen. Ein solcher Vorgang wird allgemein als Exhumierung bezeichnet. Die Versenkung von Krustenkomplexen in 100â200 km Tiefe und deren anschlieĂende Exhumierung tritt bei Gebirgsbildungen regelmĂ€Ăig auf.[17] Heute sind Krustenabschnitte bekannt, die aus ĂŒber 350 km Tiefe wieder aufgestiegen sind.[18]
Die Kollision zweier Kontinentalblöcke bremst die Relativbewegung der beteiligten Platten stark ab und bringt sie schlieĂlich auf null. Dies hat Auswirkungen auf das Bewegungsmuster der benachbarten Platten, die sich nun einem neuen geometrischen Zwang ausgesetzt sehen. Kontinent-Kontinent- oder Kontinent-Inselbogen-Kollisionen lösen deshalb immer eine mehr oder weniger weitreichende Reorganisation der Plattenbewegungen aus. Deren AusmaĂ ist in der Regel umso gröĂer, je gröĂer die Kollisionspartner sind.
Aufbau einer Subduktionszone
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Man unterscheidet zwei Arten von Subduktion: Bei der Ozean-Kontinent-Subduktion schiebt sich ozeanische LithosphÀre aufgrund ihrer höheren Dichte unter einen Kontinentalblock; man spricht hier auch von einem aktiven Kontinentalrand. Bei der Ozean-Ozean-Subduktion dagegen taucht ozeanische LithosphÀre unter die ebenfalls ozeanische LithosphÀre einer anderen Platte ab.
Im Abtauchbereich ozeanischer Kruste bilden sich Tiefseerinnen wie z. B. die mit bis zu 11.034 m tiefste submarine Rinne der Erde, der Marianengraben. AuĂerdem entsteht auf der Kontinentalscholle ĂŒber der Subduktionszone ein Vulkangebirge, wie z. B. die Anden. Bisweilen kann es auch zusĂ€tzlich zur Hebung des Randes der Oberplatte kommen, wie im Beispiel der Zentralanden. Ist ausschlieĂlich ozeanische LithosphĂ€re an der Subduktion beteiligt, entsteht ĂŒber der Subduktionszone ein Inselbogen.
Eintauchwinkel und Subduktionsgeschwindigkeit der Unterplatte haben Einfluss auf die tektonischen VorgĂ€nge im Hinterland des Inselbogens oder des kontinentalen Vulkangebirges, dem sogenannten Backarc (wörtlich: âRĂŒckseite des Bogensâ). Ist die Subduktionsgeschwindigkeit niedrig und der Eintauchwinkel steil (> 50°), findet im Backarc oft Dehnung der LithosphĂ€re mit Bildung eines Backarc-Beckens statt, was bis hin zur Entstehung eines kleinen Ozeanbeckens mit mittelozeanischem RĂŒcken fĂŒhren kann (Backarc-Spreizung). Besonders hĂ€ufig tritt Backarc-Spreizung rezent an den Ozean-Ozean-Subduktionszonen des Westpazifik auf (Marianen-Typ-Konvergenz). Ist die Subduktionsgeschwindigkeit hoch und der Eintauchwinkel flach (< 30°), wird der Backarc-Bereich gestaucht und dort entsteht ein Falten- und ĂberschiebungsgĂŒrtel. Dies ist rezent an den Ozean-Kontinent-Subduktionszonen am Ostrand des Pazifiks der Fall (Anden-Typ-Konvergenz).[19]
Erdbeben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Subduktionszonen sind infolge der gegeneinander gerichteten Plattenbewegungen erdbebengefĂ€hrdet. Beim Abtauchen verhaken sich die beiden Platten und bauen erhebliche Spannungen im Gestein auf, deren ruckartige Freisetzung an der ErdoberflĂ€che zu Erdbeben und untermeerischen Beben (auch Seebeben genannt) mit Tsunamis fĂŒhren kann. Ein solches Beben einer Subduktionszone ereignete sich am 26. Dezember 2004 im Sundagraben (siehe auch Seebeben im Indischen Ozean 2004). Auch das schwere TĆhoku-Beben vom 11. MĂ€rz 2011, das mit einem verheerenden Tsunami einherging, hatte seine Ursachen in der Subduktion. Die Zone, in der diese Erdbeben entstehen, heiĂt Wadati-Benioff-Zone.
EntwÀsserung und Metamorphose der abtauchenden Platte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ozeanische LithosphĂ€re enthĂ€lt groĂe Mengen an Wasser. Dieses liegt entweder ungebunden vor â z. B. im Spaltenraum von Störungen[20] oder im Porenraum der Meeressedimente, die sich auf ihr angesammelt haben â oder gebunden in Mineralen. Das Wasser sowie andere leicht flĂŒchtige (volatile) Verbindungen (wie z. B. CO2) werden beim Subduktionsvorgang durch die Zunahme von Druck und Temperatur in mehreren Phasen in Form sogenannter Fluide freigesetzt (Devolatilisierung): Durch die Erhöhung des Drucks âverlassenâ immer wieder Minerale ihr StabilitĂ€tsfeld und setzen volatile Elementverbindungen frei (z. B. Wasser). Diese Devolatisierung ist ein Teilprozess der schrittweisen Metamorphose der subduzierten Gesteine der ozeanischen Kruste. Je nach den herrschenden Temperaturbedingungen durchlaufen MORB-Basalt, Dolerit und Gabbro, sowie die im Zuge der Ozeanbodenmetamorphose entstandenen Gesteine Spilit und Amphibolit verschiedene sogenannte Metamorphosepfade. An relativ âwarmenâ Subduktionszonen erfolgt in einer Tiefe von etwa 50 Kilometern eine direkte Umwandlung in Eklogit (ein Hochdruckgestein, bestehend aus dem Klinopyroxenmineral Omphacit und Granat, sowie Jadeit).[21] An relativ âkaltenâ Subduktionszonen erfolgt zunĂ€chst eine blauschieferfazielle Metamorphose und die Eklogitisierung findet erst in Tiefen von mehr als 100 Kilometern statt.[21] Nur in kalten Subduktionszonen kann Wasser in wasserhaltigen Mineralen, die im subduzierten Mantel stabil sind, in den Erdmantel bis zur MantelĂŒbergangszone transportiert werden.[22] An Subduktionszonen mit einer durch auftretende ScherkrĂ€fte starken WĂ€rmeentwicklung tritt im oberen Teil der LithosphĂ€re der subduzierten Platte zuerst grĂŒnschieferfazielle und mit zunehmender Versenkungstiefe dann amphibolit-, gefolgt von granulit- und schlieĂlich eklogitfazieller Metamorphose in Tiefen von weniger als 100 Kilometern auf.[23] Der Olivin der peridotitischen MantellithosphĂ€re der subduzierten Platte wird in Tiefen zwischen 350 und 670 Kilometer in Spinell umgewandelt und ab Tiefen von mehr als 670 Kilometer erfolgt die Umwandlung in Bridgmanit und MagnesiowĂŒstit.[21] Mit all diesen Gesteins- und Mineralumwandlungen geht jeweils auch eine Erhöhung der Dichte einher. Erst durch die Metamorphosen und die entsprechende Dichtezunahme ist ein wirklich tiefes Absinken der ĂŒberschobenen ozeanischen LithosphĂ€re in die AsthenosphĂ€re und spĂ€ter in den unteren Erdmantel möglich.
Vor allem die in gröĂerer Tiefe bei der Eklogitisierung von Krustengesteinen freigesetzten Fluide, die dem Zerfall von Hornblende[24] und von Lawsonit bzw. Klinozoisit sowie Glaukophan und Chlorit entstammen, sind offenbar auch ursĂ€chlich fĂŒr den Vulkanismus an Subduktionszonen.[23]
Vulkanismus
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Als direkte Folge der Subduktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch die bei der Metamorphose der abtauchenden Platte freigesetzten Fluide â bei der Temperatur und dem Druck, die dort herrschen, ist Wasser nicht flĂŒssig, sondern ĂŒberkritisch â wird der Schmelzpunkt des umgebenden Gesteins herabgesetzt und es kommt zur Anatexis (Teilaufschmelzung) des zwischen Oberplatte und Slab hineinragenden Teils der AsthenosphĂ€re, des sogenannten Mantelkeils. Wenn die dazu nötigen Temperatur- und Druckwerte erreicht werden, können auch die tiefen Bereiche des Akkretionskeils und, in sehr seltenen FĂ€llen, sogar der Slab teilweise aufschmelzen. Das dabei jeweils entstehende Magma steigt auf, bleibt aber oft innerhalb der Kruste der Oberplatte stecken und erstarrt dort zu groĂen Plutonen.[25]
Jener Teil des Magmas, der die Kruste vollstĂ€ndig durchschlĂ€gt, bildet charakteristische Ketten von Vulkanen. Wenn ozeanische LithosphĂ€re unter andere ozeanische LithosphĂ€re abtaucht, bilden sich auf der Oberplatte Inselbögen, wie z. B. die Aleuten und Kurilen. Wenn dagegen ozeanische unter kontinentale LithosphĂ€re taucht, entstehen kontinentale Vulkanketten wie in den Anden oder im Kaskadengebirge. Weil die ozeanische LithosphĂ€re beim Abtauchen unter dem ansteigenden Druck phasenweise entwĂ€ssert wird, folgen, sofern der Eintauchwinkel flach genug ist, mehrere Linien vulkanischer AktivitĂ€t, die parallel zueinander und zur Subduktionsfront verlaufen. Der Abstand zwischen diesen vulkanisch aktiven Bereichen und dem Graben der Subduktionszone betrĂ€gt fĂŒr gewöhnlich 100 bis 300 km, im globalen Durchschnitt etwa 287 km, allerdings mit starken Schwankungen.[26]
Die fĂŒr Subduktionszonen typischen andesitischen Schmelzen lassen Schichtvulkane entstehen, die wegen der ZĂ€hflĂŒssigkeit ihrer Magmen zu explosiven Eruptionen neigen. Bekannte Beispiele fĂŒr besonders explosive AusbrĂŒche in jĂŒngerer Vergangenheit sind die des Krakatau 1883, des Mount St. Helens 1980 und des Pinatubo 1991.
Bei der Subduktion können auch sogenannte Petit Spots auf der Unterplatte auftreten. 2006 wurden auf einer abtauchenden Platte im Japangraben in 5000 m Tiefe diese etwa 50 Meter hohen Vulkane erstmals beobachtet. Vermutlich entstehen bei der Verbiegung der abtauchenden Platte dort Risse und Spalten, durch die dann aus der AsthenosphÀre Magma bis zum Ozeanboden aufsteigen kann.[27]
Die Vulkangebirge und Inselbögen der zahlreichen Subduktionszonen an den RÀndern der Pazifischen Platte bilden insgesamt den sogenannten Pazifischen Feuerring.
Als indirekte Folge der Subduktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verschiedene Modelle werden heute diskutiert, welche die Subduktion als letztinstanzlich ursĂ€chlich fĂŒr Intraplattenvulkanismus (siehe auch Hotspot) ansehen. Durch die Subduktion entstehen im Erdmantel chemische und thermische HeterogenitĂ€ten, Wasser wird in den Erdmantel verbracht, welches die Solidustemperatur der Gesteine absenkt und so deren Aufschmelzen verursachen kann.[28][29][30]
LagerstÀtten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr Subduktionszonen typische primĂ€re LagerstĂ€tten sind Porphyrische KupferlagerstĂ€tten oder sogenannte Iron-Oxide-Copper-Gold-LagerstĂ€tten (kurz: IOCG-LagerstĂ€tten). Daneben gibt es auch sekundĂ€re, sedimentĂ€re LagerstĂ€tten, wie z. B. die Salztonebenen des Andenraumes, in denen sich ĂŒber Millionen Jahre hinweg aus verwitterndem vulkanischem Material ausgewaschenes Lithium in abbauwĂŒrdigen Konzentrationen angereichert hat.[31]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vom Meeresboden zum Vulkangipfel â Video ĂŒber die Arbeit des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 574 Volatile und Fluide in Subduktionszonen am GEOMAR I Helmholtz-Zentrum fĂŒr Ozeanforschung Kiel.
- Simon Wellings: Oceanic crust â that sinking feeling â Beitrag auf Metageologist (All-Geo-Blogs) vom 9. September 2012 (englisch)
- SZI Database â Datenbank im Zusammenhang mit der Erforschung der Entstehung von Subduktionszonen (Subduction Zone Initiation) (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â slab â Englisch-Deutsch Ăbersetzung und Wörterbuch. In: pons.com. Abgerufen am 7. Oktober 2024.
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- â Bruno Dhuime, Chris J. Hawkesworth, Peter A. Cawood, Craig D. Storey: A Change in the Geodynamics of Continental Growth 3 Billion Years Ago. Science. Bd. 335, Nr. 6074, 2012, S. 1334â1336, doi:10.1126/science.1216066 (alternativer Volltextzugriff: ResearchGate)
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