
Replikation oder Reduplikation bezeichnet in der Biologie die VervielfĂ€ltigung der NukleinsĂ€uremolekĂŒle als TrĂ€ger der Erbinformation einer Zelle oder eines Virus. Die VervielfĂ€ltigung kann das gesamte Genom aus DNA bzw. RNA betreffen oder auch nur einzelne Chromosomen oder Segmente. Die Reduplikation genannte Verdopplung der DNA in der Synthese-Phase des Zellzyklus geht einer Mitose voraus und betrifft gewöhnlich den gesamten Chromosomensatz. Doch können in Zellzyklen mancher spezialisierter somatischer Zellen bei Eukaryoten auch Teile ihres Genoms unterschiedlich behandelt werden: bestimmte DNA-Sequenzen werden amplifiziert; andere DNAs werden nicht multipliziert und bleiben unterrepliziert in nachfolgenden Zyklen. In solchen FĂ€llen der Differenzierung auf DNA-Ebene wird der allgemeinere Ausdruck Replikation fĂŒr die zellulĂ€re DNA-Synthese bevorzugt.
Der molekulare Mechanismus der Re(du)plikation doppelstrĂ€ngiger DNA ist stets semikonservativ (von lateinisch semi âhalbâ und conservare âerhaltenâ).[1] Die DNA-Doppelhelix wird enzymatisch in ihre beiden StrĂ€nge aufgetrennt; dann katalysieren DNA-Polymerasen an jedem Einzelstrang die komplementĂ€re ErgĂ€nzung zu einer halbkonservativen (= halbneuen) DNA-Doppelhelix. âKomplementĂ€râ bedeutet, dass der vereinzelte, konservative DNA-Strang die Basen-Abfolge (Sequenz) seines kĂŒnftig gegenĂŒberliegenden Stranges eindeutig bestimmt. Jede Base eines DNA-Nukleotids kann nach den Regeln der Basenpaarung nur mit einem festgelegten Partner ĂŒber WasserstoffbrĂŒcken stabil binden (Adenin â Thymin; Guanin â Cytosin).
Bei RNA-Viren[2] und Retroviren ist deren RNA in die Definition der Replikation eingeschlossen. Alle Viren verwenden zum Replizieren, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, die notwendigen Ausgangsstoffe der Wirtszelle, teilweise auch deren Enzyme.[3]
Zusammenfassung des Replikationsvorgangs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Replikation ist die VervielfĂ€ltigung von NukleinsĂ€uremolekĂŒlen. In Zellen sind die in Form einer Doppelhelix als DNA-Doppelstrang vorliegenden NukleinsĂ€uremolekĂŒle die TrĂ€ger der Erbinformation. Sie liegen bei (eukaryonten) Zellen mit Zellkern im Kern (Nukleus) und werden hier fĂŒr eine Kernteilung vor einer Zellteilung verdoppelt. Bei der Re(du)plikation entstehen aus einem jeweils zwei gleiche DNA-DoppelstrangmolekĂŒle. Damit kann den beiden Kernen zweier Tochterzellen je die gleiche Erbinformation zugeteilt werden.
Der Vorgang der Replikation besteht molekularbiologisch aus einer Reihe von Schritten, die mittels verschiedener Enzyme gesteuert werden. Den Aufbau neuer DNA-StrĂ€nge bewirkt ein DNA-Polymerase genanntes Enzym, das hierfĂŒr einen Einzelstrang als Matrize benötigt. Denn erst anhand dieser Vorlage kann ein komplementĂ€rer DNA-Strang synthetisiert werden, indem jeweils das passende Nukleotid mit dem vorigen verknĂŒpft wird. ZunĂ€chst muss daher am Ort des Replikationsursprungs (Origin) durch das Enzym Topoisomerase die Drehung der Helix entwunden werden. Dann kann der Doppelstrang durch das Enzym Helikase in diesem Bereich aufgetrennt werden â unter Lösen der WasserstoffbrĂŒckenbindungen zwischen den Basenpaaren â in zwei einzelstrĂ€ngige Abschnitte. Mit deren Aufspreizen wird eine sogenannte Replikationsgabel gebildet, die von einzelstrangbindenden Proteinen (SSB-Proteine) stabil gehalten wird. Nun kann eine Primase den beiden vorliegenden EinzelstrĂ€ngen jeweils kurze RNA-Abschnitte anlagern, sogenannte Primer, mit denen die eigentliche Strangsynthese initiiert wird. Daran nĂ€mlich kann die DNA-Polymerase dann ansetzen und â den vorliegenden Einzelstrang als Matrize nutzend mittels Basenpaarung â fortlaufend passende Desoxyribonukleotide aneinanderknĂŒpfen zum neuen komplementĂ€ren Strang. Die DNA-Polymerase knĂŒpft einen neuen Baustein des Polynukleotids an dessen 3âČ-Ende an, synthetisiert den neuen Strang also stets in 5âČâ3âČ-Richtung komplementĂ€r, wĂ€hrend sie sich dementsprechend am antiparallelen Matrizenstrang dabei in 3âČâ5âČ-Richtung entlang bewegt.
Da die beiden jeweils als Matrize dienenden EinzelstrĂ€nge des frĂŒheren Doppelstrangs auch einander komplementĂ€r sind und antiparallel zueinander verlaufen, bewegt sich eine synthetisierende DNA-Polymerase auf dem einen Matrizenstrang in Richtung der wandernden Replikationsgabel, und auf dem anderen in Gegenrichtung. An dem einen Matrizenstrang kann so der sogenannte Leitstrang (englisch leading strand) kontinuierlich synthetisiert werden. An dem anderen Matrizenstrang dagegen verlĂ€uft der Replikationsvorgang diskontinuierlich. Der gegenlĂ€ufige neue Strang, Folgestrang (englisch lagging strand) genannt, muss stĂŒckweise von einer DNA-Polymerase synthetisiert werden. Dabei entstehen die sogenannten Okazaki-Fragmente. Deren RNA-Primer werden alsdann von einer anderen DNA-Polymerase durch DNA ersetzt. AnschlieĂend können die Fragmente von einer DNA-Ligase zu einem Gesamtstrang verknĂŒpft werden. Das Ergebnis der Replikation sind schlieĂlich zwei (nahezu) identische DNA-DoppelstrĂ€nge, bei denen jeweils eine HĂ€lfte neu ist. Die Replikation erfolgt somit semi-konservativ, denn ein jeder Doppelstrang setzt sich aus einem vorbestehenden und einem neusynthetisierten Einzelstrang zusammen.
Semikonservatives Prinzip
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon Watson und Crick erkannten, dass die im Doppelstrang gepaarten Basen eine Voraussetzung fĂŒr die Bildung neuer DNA sind: âEs ist unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass die spezifische Paarbildung, die wir hier voraussetzen, sogleich an einen möglichen Kopiermechanismus fĂŒr das genetische Material denken lĂ€sst.â[4][5] Drei Möglichkeiten der Replikation waren denkbar: dispersiv oder total konservativ oder halb konservativ. Letzteres Modell wurde durch den Meselson-Stahl-Versuch belegt.[6][7] Demnach wird der Original-Doppelstrang geöffnet, anschlieĂend dienen beide EinzelstrĂ€nge in der Replikation als Vorlage (als konservative Matrize). Der neue Strang entsteht nach den Regeln der Watson-Crick-Basenpaarung. Die Replikation nach dem semikonservativen Prinzip stellt den allgemein angenommenen Mechanismus dar. Alle anderen Prinzipien sind SonderfĂ€lle, die jeweils nur zum Teil bewiesen sind.
Da alle Bakterien sowie die Zellkerne aller Eukaryoten doppelstrĂ€ngige DNA (dsDNA) enthalten, kommt dieser Replikationsmechanismus in der Natur am hĂ€ufigsten vor. Ausnahmen bilden einige Mitochondrien, bei denen ein anderer Mechanismus ablĂ€uft, sowie Plasmid- und Virengenome, bei denen die Erbinformation als DNA-Einzelstrang (ssDNA) vorliegen kann. Hier musste ein gĂ€nzlich anderer Mechanismus gefunden werden: der Rolling circle. Bei Retroviren, deren Erbinformation stets in Form eines RNA-Doppel- oder -Einzelstrangs vorliegt, wird die Replikation von der Wirtszelle ĂŒbernommen, indem die RNA durch eine Reverse Transkriptase in DNA umgeschrieben und in das Wirtsgenom eingebaut wird.
Das Replikon
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Unten: An den Wachstumsgabeln symmetrische DNA-Replikation; mögliche Endpunkte (Termini, T)
Das Replikon ist die elementare Einheit der Replikation.[8] Prokaryoten und Plasmide haben meist nur ein Replikon; dieses reicht aus, um die kleinen Genome in kurzer Zeit zu multiplizieren. Ausnahmen sind einige Bakterien und Archaeen. Die groĂen Genome der Eukaryoten sind in mehrere beziehungsweise viele Replikationsabschnitte gegliedert. Ein Replikon wird in der Regel symmetrisch aktiv, und zwar in der S-Phase, einem Zeitfenster des Zellzyklus fĂŒr die DNA-Synthese.
Mitten im Replikon sitzt der Origin, der Ursprung der Replikation. Sobald der Origin aktiviert ist, wandert je eine Replikationsgabel (Wachstumsgabel) in die eine, die andere Gabel in die entgegengesetzte Richtung. Somit entspricht einer geöffneten Gabel ihre âZwillings-Gabelâ; beide entfernen sich (idealerweise) mit gleicher Geschwindigkeit vom gemeinsamen Origin. Da DNA-Polymerasen 5' â 3' replizieren, steht auf der einen Seite des Origins zuerst die HO-Matrize als Leitstrang zur VerfĂŒgung. Auf der anderen Seite des Origins wird unausweichlich der andere Strang zum Leitstrang. Das Replikon ist in beiden Richtungen vollstĂ€ndig repliziert, sobald jede der beiden Gabeln auf die Replikationsgabel ihres benachbarten Replikons trifft. Ein Replikon-Ende oder Terminus besitzt in der Regel keine definierte Sequenz, fordert lediglich fĂŒr das Replikon eine endliche LĂ€nge.
Origin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eukaryoten haben sehr aktive und weniger aktive Replikations-Startstellen. Dazu gibt es schlafende Origins, die fĂŒr NotfĂ€lle vorgesehen sind.[9] Die Zahl der Replikations-Startpunkte entspricht der GröĂe des jeweiligen Genoms. Darmbakterium Escherichia coli: 1 Origin. BĂ€ckerhefe Saccharomyces cerevisiae: ~350 Origins. Mensch Homo sapiens: 40000 bis 80000 Origins.[10][11]
Replikationsgabel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Pulsen radioaktiver Markierung gelang es bei Zellen des Chinesischen Hamsters und bei HeLa-Zellen, die DNA-Synthese im Lichtmikroskop anschaulich zu machen. Die chromosomale DNA besteht aus Tandem-Abschnitten (Replikons), in denen die (Mutter-)DNA in gabelartigen Wachstumspunkten repliziert. Der Fortschritt einer Gabel wurde auf höchstens 2,5 Mikrometer in der Minute geschÀtzt. Wichtig ist auch, dass benachbarte Gabeln gleichzeitig aktiv werden.[12] Damit ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich die Replikationzeit des Euchromatins von der des Heterochromatins unterscheidet.
Molekulargenetische Untersuchungen ergaben Modelle fĂŒr die submikroskopischen Details der Gabel:

Das Schema zeigt an einer vom Origin aus nach rechts wandernden Replikationsgabel die beteiligten Enzyme bzw. MolekĂŒle in Eukaryoten. Vorneweg arbeitet eine Topoisomerase; sie entwindet das DNA-MolekĂŒl aus komplexen Strukturen des Interphase-Chromatins. Eine Helikase trennt die beiden antipolaren StrĂ€nge der Doppelhelix. Proteingruppen stabilisieren die EinzelstrĂ€nge, damit sich diese nicht sofort wieder komplementĂ€r paaren. Eine DNA-Polymerase (Pol ÎŽ) ergĂ€nzt seit ihrem Start am Origin kontinuierlich 5' â 3' den Leitstrang zur halb-konservativen, halb-neuen Doppelhelix.
Am Folgestrang geschieht die Replikation ebenfalls 5' â 3', allerdings diskontinuierlich. Zuerst katalysiert eine RNA/DNA-Primase (Pol α) einen RNA-Primer, der zu einem kurzen DNA-StĂŒck, einem Okazaki-Fragment verlĂ€ngert wird. Eine Pol ÎŽ ĂŒbernimmt fĂŒr eine kurze Strecke die Replikation des Folgestranges zur Doppelhelix. Dann katalysiert eine Pol α den nĂ€chsten Primer, das nĂ€chste Okazaki-Fragment folgt, und so weiter. Eine DNA-Ligase fĂŒllt mit Desoxynukleotiden die LĂŒcken, die eine RNase H (nicht im Schema gezeigt) beim Abbau des RNA-Primers hinterlieĂ.
Der koordinierte, gleichzeitige Fortschritt der Folgestrang-Replikation mit der des Leitstranges ist dem beschriebenen Gabelschema nicht anzusehen. Damit die Primase/Pol α am Folgestrang Gelegenheit bekommt, einen RNA-Primer zu katalysieren und die ersten Desoxynukleotiden anzuhĂ€ngen, bildet der Folgestrang eine Schlaufe. In dieser ersetzt ein MolekĂŒl Pol ÎŽ die Primase/Pol α und verlĂ€ngert das anfĂ€ngliche RNA-DNA-Hybrid zu einem Okazaki-Fragment. Mit Hilfe der Schlaufe gelangt die Folgestrang-Pol ÎŽ gleichgerichtet an die kontinuierlich aktive Pol ÎŽ des Leitstranges. Beide Polymerasen verbinden sich und bewerkstelligen die Replikation synchron.[13] Dieses Modell erlĂ€utert die Bedeutung zweier weiterer MolekĂŒle. Damit die Pol ÎŽ an die Matrize bindet, braucht es den Replikationsfaktor C (RFC),[14] der auch das PCNA (das nukleĂ€re Antigen proliferierender Zellen) auflĂ€dt. Die Klammer des PCNA verhindert, dass Pol ÎŽ von der Matrize abfĂ€llt.[15]
Da die aus demselben Origin entgegengesetzt laufende Replikationsgabel gleichfalls eine Schlaufe fĂŒr ihren Folgestrang bildet, ist das Replikationsauge eine spannungsfreie, symmetrische Figur.
Terminus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Eukaryoten gibt es innerhalb der Chromosomen keine definierte Sequenz fĂŒr die Beendigung der Replikation; der Terminus stellt lediglich eine molekulare morphologische Beschreibung dar. Dennoch: Keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt sequenzspezifische Barrieren, die eine Replikationsgabel aufhalten, bevor die gegenlĂ€ufige Gabel ankommt. Am besten untersucht sind die polaren Replikationsbarrieren, welche die ribosomale DNA begrenzen. Diese Termini sind die Voraussetzung fĂŒr die lokale Amplifikation der rDNAs. Dann ist die spezifische Termination vor den Telomeren zu nennen; die Replikation stoppt, wenn die Gabel das Chromosomenende erreicht.[16][17]
Ablauf der Replikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Initiation stöĂt die Replikation an. Hier wird die DNA-Doppelhelix an einer bestimmten Stelle mit Hilfe der Helikase aufgebrochen und eine Polymerase lagert sich nach der Markierung durch eine Primase an die aufgebrochene DNA.[1]
- Elongation, in der die eigentliche VervielfÀltigung vonstattengeht. Die beiden StrÀnge werden zeitgleich komplementÀr synthetisiert.
- Termination schlieĂt die DNA-Synthese ab.
- DNA-Reparatur zur Korrektur eventuell entstandener Kopierfehler.[18]
Prokaryotische Replikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Initiation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Zelle liegt die helikale DNA nicht geordnet ringförmig oder linear vor, sondern ist zusĂ€tzlich in sich verdrillt zu so genannten âsupercoilsâ: WĂ€hrend sich die DNA-Doppelhelix bei Eukaryoten um basische DNA-Strukturproteine wie Histone wickelt und der gesamte Komplex aus DNA-MolekĂŒl und zugehörigen Strukturproteinen zusĂ€tzlich durch Faltungen und Verdrehungen komprimiert und dadurch auch stabilisiert wird, ist das bei Prokaryoten (sowie Organellen mit eigener DNA wie z. B. Mitochondrien und Chloroplasten) nicht in gleicher Weise der Fall, da sie keine Histone besitzen. Man hat aber âhistonĂ€hnliche Proteineâ (englisch histone-like protein, HLP) gefunden, die fĂŒr einen Ă€hnlichen Effekt sorgen.[19][20][21] Um repliziert werden zu können, muss die DNA entwunden werden. Die Folge der Entwindung der DNA an einer Stelle ist die zunehmende Verdrillung des gesamten DNA-Doppelstranges. Um Torsionsspannungen bei der Entwindung entgegenzuwirken, lĂ€uft vor jeder Replikationsgabel eine Topoisomerase, die die Verdrillung vermindern kann (Entspannungsreaktion). Dazu ist die Spaltung der DNA-StrĂ€nge notwendig. Je nach Enzymtyp (Topoisomerase I oder II (II ist Gyrase in E.coli)) werden kontrolliert Einzel- oder DoppelstrangbrĂŒche durchgefĂŒhrt. Nach der Entwindung werden die zuvor gespaltenen PhosphorsĂ€ureesterbindungen des Zucker-Phosphat-GerĂŒsts der DNA durch das Enzym wieder geknĂŒpft.
FĂŒr die Initiation der Replikation ist ein spezieller Ort, der Replikationsursprung (englisch Origin) auf der meist ringförmigen DNA notwendig, der den Startpunkt bestimmt. An dieser Stelle werden die WasserstoffbrĂŒckenbindungen zwischen den Basen der beiden EinzelstrĂ€nge aufgetrennt. Der sogenannte oriC umfasst 245 Basenpaare (bp) und enthĂ€lt eine Tandemanordnung mit AT-reichen Sequenzen, die folgende Consensus-Sequenz aufweisen:
- 5âČ-GATCTNTTNTTTT-3âČ
- 3âČ-CTAGANAANAAAA-5âČ
In E.coli gibt es 5 Bindungsstellen fĂŒr das DnaA-Hexamer. ZunĂ€chst wird das Initiatorprotein DnaA durch Adenosintriphosphat (ATP) aktiviert und an fĂŒnf jeweils 9 bp lange DnaA-Boxen gebunden. Insgesamt lagern sich etwa 20 DnaA-Proteine als Schleife um die DNA zusammen. Die Proteine IHF und FIS binden an spezifische Abschnitte des oriC und lösen die Beugung der DNA zu einer haarnadelĂ€hnlichen Struktur aus, welche auch die Bindung von DnaA unterstĂŒtzt. SchlieĂlich kann die Entwindung der Doppelhelix an drei aufeinanderfolgenden, 13 bp langen Adenin- und Thymin-reichen Sequenzen (auch â13-mer-Sequenzenâ genannt) starten.
Dieser Vorgang wird von einer Helikase unter ATP-Verbrauch katalysiert (bei E. coli heiĂt diese DnaB und wird durch das Protein DnaC zum Origin geleitet). Die Helikase arbeitet von 5'-3'-Richtung. Durch die Auftrennung des Doppelstranges entstehen so am Origin zwei Replikationsgabeln, die wĂ€hrend der Replikation bidirektional auseinanderlaufen. Damit sich die Basen nicht wieder ĂŒber WasserstoffbrĂŒckenbindungen paaren, halten sogenannte Einzelstrang-bindende Proteine (bei den Prokaryoten heiĂt dies âSSB-Proteinâ fĂŒr englisch single-strand-binding-protein) die einzelnen StrĂ€nge auseinander.
Im Anschluss der Ăffnung folgt das Priming: An den nun freien EinzelstrĂ€ngen wird durch eine RNA-Polymerase, die Primase (in E. coli DnaG), ein kurzes RNA-StĂŒck, der Primer (unter zellulĂ€ren Bedingungen etwa 10 Nukleotide), gesetzt. Dieser Komplex wird als âPrimosomâ bezeichnet und ist notwendig, da der Hauptproteinkomplex der Replikation, die DNA-Polymerase, mit der Synthese des jeweils zweiten Stranges DNA nur an einer freien 3âČ-OH-Gruppe beginnen kann. Das heiĂt: Die DNA-Polymerase benötigt den Primer als âStarthilfeâ fĂŒr die Replikation, auch wenn es sich dabei um RNA handelt. Die fĂŒr den Primer eingesetzte RNA-Polymerase benötigt nur den Einzelstrang als Matrize. Hat die DNA-Polymerase dann aber erst mit der Synthese des zweiten Stranges (von 5âČ nach 3âČ) begonnen, kann sie kaum unterbrochen werden und arbeitet bis zur Termination fort. Somit muss die Regulation der Replikation in der Initiationsphase geschehen.
Elongation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Initiation und der nun beginnenden Polymerisierung wird die Elongationsphase durchlaufen. Hier synthetisiert die DNA-Polymerase III die komplementĂ€ren StrĂ€nge zu den EinzelstrĂ€ngen: Die Basen der EinzelstrĂ€nge werden nacheinander abgelesen und, nach dem Prinzip der komplementĂ€ren Basenpaarung, im synthetisierten Strang entsprechend nacheinander eingebaut. FĂŒr die DNA-Synthese notwendige Bausteine liegen in Form der freien Nukleotide in der Zelle vor.
Dabei ergibt sich jedoch ein Problem: Die DNA-Polymerase kann nur in 5âČâ3âČ-Richtung synthetisieren. Da nun aber der DNA-Polymerasekomplex an beiden StrĂ€ngen gleichzeitig synthetisiert, beide StrĂ€nge aber gemÀà der doppelhelikalen Struktur entgegengesetzt orientiert sind, ergeben sich zwei gegenlĂ€ufige (auch antiparallele) StrĂ€nge an der Replikationsgabel. Am Leitstrang kann nach einmaligem Priming bis zur Symmetrieachse der Replikationsgabel durchgehend repliziert werden, da dieser genau mit der Leserichtung des Polymerasekomplexes und in Laufrichtung der Replikationsgabel orientiert ist. Am Folgestrang ist eine kontinuierliche Replikation hingegen nicht möglich, da er in die âfalsche Richtungâ verlĂ€uft. Dabei lĂ€uft die Polymerase bei dem ersten Lauf gegen den Primer des Leitstranges der zweiten Replikationsgabel, die in die andere Richtung verlĂ€uft. Nach der Unterbrechung muss ein erneutes Priming auf dem Folgestrang erfolgen, damit die Polymerase wieder erneut ansetzen kann. Dieses Priming erfolgt immer direkt der Helikase folgend. In den folgenden unregelmĂ€Ăigen Polymerasezyklen am Folgestrang beendet die Polymerase die Synthetisierung immer am letzten RNA-Primer, also am 5âČ-Ende des vorhergehenden Fragments. Die so entstehenden DNA-Einzelfragmente werden auch als Okazaki-Fragmente bezeichnet. Die DNA-Polymerase hat verschiedene DomĂ€nen: die eigentliche Polymerase-DomĂ€ne zum AnhĂ€ngen von Nukleotiden, die DNA-Klammer, um auf der DNA zu gleiten, ohne abzusetzen und die 5'-3'-Exonuklease-DomĂ€ne, welche der Korrekturlesefunktion direkt nach dem Einbau der Basen dient.
Es gibt einige gut belegte Hinweise darauf, dass der Bereich zwischen Primase und dem letzten Okazaki-Fragment als eine Schleife (auch als âPosaunen-Modellâ bezeichnet) verdreht wird, so dass die Polymerase beide StrĂ€nge mit gleicher Laufrichtung bearbeiten kann.[22] Ist die Synthese der Schleife beendet, wird diese wieder aufgelöst und eine neue Schleife gebildet. Hier scheint wieder eine Topoisomerase mitzuwirken. Da die Verdoppelung an einem Strang kontinuierlich, am anderen mit Unterbrechungen verlĂ€uft, spricht man auch von einer semidiskontinuierlichen Verdoppelung.
Damit nun ein kontinuierlicher Strang entsteht, der keine RNA-StĂŒcke enthĂ€lt, tritt noch wĂ€hrend der Replikation ein weiterer Mechanismus in Aktion: Eine RNase H entfernt die RNA-Primer und DNA-Polymerase I fĂŒllt die entstandene LĂŒcke mit der jeweils komplementĂ€ren DNA. DNA-Polymerase I kann auch selbst RNA entfernen.[23]
Die DNA-Ligase schlieĂt dann die Bindung vom 3âČ-Ende des neuen zum 5âČ-Ende des alten DNA-StĂŒckes, stellt also zwischen den neu synthetisierten DNA-StrĂ€ngen die Phosphodiesterbindungen her.[23]
Termination
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Prokaryoten mit einer ringförmig aufgebauten DNA sind gegenĂŒber dem Origin gelegene Terminationssequenzen gefunden worden. Dabei handelt es sich genauer um zwei Sequenzen, jeweils eine fĂŒr eine Replikationsgabel. Normalerweise muss die Termination nicht besonders ausgelöst werden, da, wenn zwei Replikationsgabeln aufeinanderlaufen bzw. die DNA, wie bei einer linearen Form, endet, die Replikation damit automatisch beendet wird. Es handelt sich hierbei um ein Kontrollelement, damit die Replikation bei verschiedenen Replikationsgeschwindigkeiten beider Replikationsgabeln kontrolliert an einem bestimmten Punkt endet. Die Terminationsstellen sind Bindeorte fĂŒr das Protein Tus (englisch terminus utilizing substance). Dieses blockiert die replikative Helikase (DnaB) und bringt damit die Replikation zum Stillstand.[24]
Die replizierten ringförmigen StrĂ€nge bleiben bei Prokaryoten nach der Replikation noch fĂŒr eine Weile miteinander verbunden, genau an dieser terminalen Stelle, damit sie nach der Zellteilung von weiteren Prozessen abschlieĂend getrennt und aufgeteilt werden können. Ohne diese Verbindung scheint eine Kontrolle bei der Verteilung nicht vorhanden zu sein. Die Trennung der DNA-Ringe kann ĂŒber zwei Mechanismen erfolgen, wobei entweder eine TypI- oder eine TypII-Topoisomerase beteiligt ist.
Eukaryotische Replikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Replikation lĂ€uft bei Eukaryoten im Wesentlichen identisch ab. Allerdings gibt es einige Ausnahmen und SonderfĂ€lle. So muss berĂŒcksichtigt werden, dass die DNA stĂ€rker âverpacktâ ist (z. B. beim Heterochromatin), die DNA-bindenden Proteine (die Histon- und Nicht-Histon-Proteine) stĂ€rkeren Einfluss haben und die DNA in linearer Form vorliegt. Zudem handelt es sich bei den beteiligten Proteinen in der Regel um solche mit gleicher FunktionalitĂ€t, aber unterschiedlichem Aufbau.
Einer der wesentlichen Unterschiede liegt in der Initiation: Bei den Eukaryoten gibt es mehrere Origins. Der Vorteil dessen ist leicht ersichtlich, da zum einen die Replikation durch die mehr vorhandenen DNA-bindenden Proteine langsamer verlĂ€uft, zum anderen die eukaryotische Polymerase (verschiedene Polymerasen, welche mit griechischen Buchstaben bezeichnet werden und sich bei der Synthese von Leit- und Folgestrang â Polα respektive PolÎŽ â unterscheiden), die einen komplexeren Reparaturmechanismus als bei Prokaryoten besitzt (englisch proofreading), langsamer fortschreitet. Die Polymerase schafft bei Eukaryoten ca. 50 bis 100 Nukleotide pro Sekunde, wĂ€hrend bei Prokaryoten mehr als 1000 Nukleotide pro Sekunde ergĂ€nzt werden können. Des Weiteren ist die eukaryotische DNA in der Regel wesentlich gröĂer als die der Prokaryoten (einigen Millionen Basenpaaren bei Prokaryoten gegenĂŒber wenigen Milliarden bei Eukaryoten). Mehrere Origins und damit mehrere Replikationseinheiten verkĂŒrzen die Zeit, die benötigt wird, das gesamte Genom zu replizieren, auch wenn die Geschwindigkeit von Prokaryoten nicht erreicht wird (Die Replikationszeit der Prokaryoten liegt im Bereich von einigen Minuten, bei Eukaryoten betrĂ€gt sie mehrere Stunden).
Die Origins der Eukaryoten haben keine spezielle Sequenz, vielmehr handelt es sich wohl dabei um eine sogenannte Consensus-Sequenz, also eine Ăhnlichkeitssequenz. Diese werden auch ARS-Elemente genannt. Andere Befunde gehen davon aus, dass groĂe Bereiche der DNA, sogenannte Replikationszentren, als mögliche Startpunkte fĂŒr die Replikation dienen können. Die, wie auch immer, als Origin erkannten Stellen werden durch einen Origin-Erkennungskomplex (englisch origin recognition complex, ORC), einen Cdc6-Protein und sogenannte MCM-Proteine (englisch minichromosome maintenance protein), welche als Helikasen dienen, markiert. Diese spĂ€ter wieder entfernten Proteine bilden quasi die Vorhut zur Replikation. Der ORC bindet an den Origin, weiterhin rekrutiert ORC andere Faktoren (Cdc6, Cdt1 und âHelicase Loading Proteinsâ), daraufhin binden MCM-Helikasen, welche die DNA aufschmelzen. Nur einmal wĂ€hrend der S-Phase wird die Replikation initiiert (trotz der 10.000 Origins auf dem eukaryotischen Genom). Cycline geben im Zellzyklus das Signal zur Replikation.
Der weitere Initiationsverlauf sowie die Elongation ist mit dem der Prokaryoten funktional identisch.
Terminale Sequenzen wurden bisher bei den Eukaryoten nicht entdeckt. Sie scheinen auch keine Bedeutung zu haben, da der Replikationsapparat automatisch beendet wird, sobald das Ende der DNA erreicht wird. Hierbei ergibt sich aber, im Gegensatz zur ringförmigen DNA-Struktur der Prokaryoten, ein Problem: Die DNA-Polymerase synthetisiert am Mutterstrang jeweils von 3âČ nach 5âČ. (Der Tochterstrang hat also die Ausrichtung 5âČâ3âČ) Die Polymerase benötigt aber eine Primase als Starthilfe, um DNA duplizieren zu können. Die Primase ist ein Enzym, welches eine kurze Startsequenz der DNA als RNA repliziert. Dieses AnfangsstĂŒck prĂ€sentiert der DNA-Polymerase ein Nukleotid mit einem freien 3âČ-OH-Ende, an welches es weiter DNA-Nukleotide synthetisieren kann. Nach erfolgreicher Synthese werden die RNA-Primer von Enzymen (Flap-Endonukleasen) zerstört und hinterlassen so LĂŒcken. An den Telomeren, den Enden der Chromosomen, können diese LĂŒcken aber nicht geschlossen werden, da kein vorhergehendes 3âČ-Ende vorhanden ist. Ganz Ă€hnlich entstehen die Okazaki-Fragmente bei der Synthese des Verzögerungsstrangs. Hierbei muss die Polymerase nĂ€mlich in die verkehrte Richtung arbeiten, weshalb viele Primasen verwendet werden mĂŒssen. Die Primase liegt bei Eukaryoten im Gegensatz zu Prokaryoten nicht als eigenes Enzym, sondern gebunden an die DNA-Polymerase alpha (Polα) vor. Die dabei entstehenden LĂŒcken werden aber von PolÎŽ gefĂŒllt und mit DNA-Ligasen verbunden. Dies ist möglich, da hier immer ein vorhergehendes Nukleotid mit einem 3âČ-Ende vorhanden ist. Da an den Telomeren keine solchen Nukleotide vorhanden sind, ist die vollstĂ€ndige Synthese der Enden nicht möglich. So verkĂŒrzen sich bei jeder Chromosomenverdopplung die Telomere am 5âČ-Ende beider TochterstrĂ€nge. Da Telomere aus einer tandemartig-repetitiven Sequenz, also einer hintereinander sich wiederholenden Sequenz aufgebaut sind, die keine Strukturgene beinhaltet, ist ein Verlust bis zu einer gewissen LĂ€nge nicht von groĂem Nachteil. Man vermutet aber, dass die DNA mit zunehmender Replikationsanzahl instabiler wird, da die stabilisierende Wirkung der Telomere immer schwĂ€cher wird. Eventuell könnte dies ein genetisches Indiz fĂŒr das Altern sein.
AuĂer bei Einzellern wie dem Wimpertierchen Tetrahymena[25] hat man bei Vielzellern in den Keimbahnzellen und Stammzellen sowie im Knochenmark (Blutbildung) und auch bei einigen Tumorzellen ein Enzym namens Telomerase entdeckt, welches diesen Verlust kompensiert. Dies ist eine Reverse Transkriptase (RNA-abhĂ€ngige DNA-Polymerase), denn in ihr liegt die repetitive Sequenz als Matrize in RNA-Form vor. Sie verlĂ€ngert den Leitstrang um einige Sequenzen, so dass die DNA-Polymerase nach erfolgtem Priming den Folgestrang synthetisieren kann.
WÀhrend der S-Phase des Zellzyklus bindet das Protein Cohesin die beiden Schwesterchromatiden der gesamten LÀnge nach aneinander. WÀhrend der Anaphase löst das Enzym Separase das Cohesin wieder auf, sodass die Schwesterchromatiden von den Spindelfasern zu den Zellpolen gezogen werden können.
Die Replikation wird in einem Abschnitt des Zellzyklus angestoĂen: bei den Eukaryoten in der S-Phase (DNA-Synthesephase), die selbst zur Interphase gehört.
Reduplikation in Keimbahn und Stammzellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Damit der genetische Bauplan einer biologischen Art und das Programm fĂŒr seine zeitgerechte Verwirklichung erhalten bleibt, erfĂŒllen die Zellen der Keimbahn eine Notwendigkeit: Sie mĂŒssen ihre Erbinformation vor jeder Kern- und Zell-Teilung exakt verdoppeln.[26] Die Chromosomen verwirklichen dieses Erfordernis, was an ihren Enden, den Telomeren, einer besonderen Lösung bedarf. Der strengen Regel fĂŒr den mitotischen Zellzyklus gehorchen auch (pluripotente) Stammzellen.[27][28] An die identische, vollstĂ€ndige, semikonservative Replikation ist die Zellteilung stark gekoppelt.
Replikation in somatischen Zellkernen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Endoreplikation: Im Soma vieler Organismen kommt es zu mehreren abfolgenden Zellzyklen mit genetischer Multiplikation, nach denen sich die vergröĂerten Zellkerne, folglich auch die betreffenden Zellen, nicht teilen. Diese Art wiederholter DNA-Synthesen heiĂt Endoreplikation. Dabei mag es sich oft um vollstĂ€ndige Reduplikation[29] handeln; doch nicht selten ist die Endoreplikation ein selektiver Prozess, und zwar:
- Bei der Amplifikation werden bestimmte DNA-Sequenzen gegenĂŒber dem restlichen Genom ĂŒbermĂ€Ăig repliziert.[30][31] Die Chorion-Gene bei Drosophila melanogaster amplifizieren in den Follikelzellen sechzigfach, bevor ihre Transkription beginnt. Solche Ăberreplikation garantiert eine groĂe Menge an mRNA fĂŒr die HĂŒlle der Fliegeneier.[32][33]
- Bei der Unterreplikation dagegen werden bestimmte Sequenzen von den Verdoppelungsrunden ausgeschlossen. Das genetische Ergebnis ist durchaus mit dem der Elimination zu vergleichen.[34][35][36] In polytĂ€nen Chromosomen von D. melanogaster bleiben einzelne Replikationsgabeln in 20 % ihrer Banden stecken: Die Replikation wird stellenweise nicht beendet. Das ist allerdings eine unschĂ€dliche Art von Genom-InstabilitĂ€t, da sie sich in somatischen Zellen, nĂ€mlich in den SpeicheldrĂŒsen, ereignet.[37]
- Diminution, Elimination: Verschiedene Eukaryoten verzichten ab einem gewissen embryonalen Entwicklungspunkt reguliert auf einen betrĂ€chtlichen Teil ihrer DNA. Besonders dramatisch sehen unter dem Lichtmikroskop jene FĂ€lle aus, die Chromosomen ganz oder teilweise aus somatischen Zellkernen entfernen.[38][39] Die Fachbezeichnungen dafĂŒr sind Chromatin-Diminution oder Chromosomen-Elimination.[40][41][42][43][44]
Strukturelle Mechanismen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Replikation kann mit verschiedenen molekularen Mechanismen ablaufen, die von der PrimÀrstruktur der NukleinsÀure abhÀngen. Neben dem symmetrischen Prozess der bidirektionalen Replikation, welcher bisher beschrieben wurde, gibt es asymmetrische Prozesse, nÀmlich: Telomer-Reproduktion, D-Loop-Prozess und Rolling-Circle-Prinzip.
Bidirektionale Replikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die VervielfĂ€ltigung der DNA in linearen Chromosomen des Kerngenoms einer eukaryoten Zelle sowie des Bakteriengenoms erfolgt zweiseitig symmetrisch. Die Replikation geht von vielen Startsequenzen (âOriginsâ) aus, die ĂŒber die DNA-Doppelhelix (eines Chromosoms) verteilt sind. Die Zahl der Origins entspricht der (möglichen) Anzahl der Replikationseinheiten (âReplikonsâ). Die bidirektionale Replikation lĂ€uft von jedem Origin entgegengesetzt, in beide Richtungen, und zwar gleichzeitig an beiden EinzelstrĂ€ngen der DNA-Doppelhelix. Das bidirektionale Prinzip kommt in der Natur am hĂ€ufigsten vor.
Telomer-Reproduktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die identische VervielfĂ€ltigung der Telomere ist ein Problem linearer DNA-MolekĂŒle bzw. ihrer Chromosomen. Die beiden Enden einer Doppelhelix erlauben keine bidirektionale Replikation, weil es am âFolgestrangâ schlieĂlich keine Ansatzsequenz fĂŒr einen RNA-Primer gibt. Deswegen bleibt am Chromosomenende der Folgestrang eine PrimerlĂ€nge (20 bis 200 Nukleotide) kĂŒrzer als der âLeitstrangâ. Da eine normale DNA-Replikation nicht möglich ist, setzt am Leitstrang die Telomerase an. Dieses (hybride) Enzym besteht aus einem Proteinteil und der RNA-Komponente 3'- CAACCCCAA-5' (bei Tetrahymena). Die neun RNA-Nukleotide enthalten die Matrize (fett), der entsprechend das einzelstrĂ€ngige Telomer-Segment 5'-TTGGGG-3' wiederholt aneinander gereiht wird und den (ehemaligen) Leitstrang tandemartig verlĂ€ngert.[45]
- Telomerase: Das Enzym wirkt an der 5'-3'-DNA-Matrize als Reverse Transkriptase, und zwar in drei Schritten: 1. Andocken mit der RNA-Sequenz an das 3'-Ende des chromosomalen DNA-Leitstranges; 2. VerlĂ€ngern des 3'-Endes; 3. VorrĂŒcken um ein Telomermotiv an das soeben gebildete 3'-Ende.[46] Das funktioniert wie der Bau einer BrĂŒcke, die mit einer selbsttragenden Konstruktion vorangetrieben wird. Zuletzt klappt die einzelstrĂ€ngig verlĂ€ngerte Telomer-DNA etwas um und bildet mit sich selbst auĂergewöhnliche GG-Basenpaare. In der entstandenen Schlaufe wird die einzelstrĂ€ngige DNA von der (normalen) DNA-Polymerase zur Doppelhelix vervollstĂ€ndigt.[47]
Zellen mit aktiver Telomerase sind in der Lage, die Telomere vor jeder Teilung zu reproduzieren und zu bewahren. Notwendig ist dies vor allem in der Keimbahn und in Stammzellen.[48] Alternde somatische Zellen kommen dieser Anforderung nicht (mehr) nach, wenn ihre Telomere âverschleiĂenâ.
- Telomeren-Schwund: Soweit der Sachverhalt zu messen ist, enthalten die Zellkerne nach jeder Teilung kĂŒrzere Telomere. Der Verlust an repetitiven Telomersequenzen gehört zum zellulĂ€ren Alterungsprozess und fĂ€llt besonders in Zusammenhang mit vielen Krankheiten auf. Wenn die Telomersequenzen nicht mehr vollstĂ€ndig reproduziert werden, sind die Chromosomenenden irgendwann nicht mehr ausreichend geschĂŒtzt. So kommt es zu genomischer InstabilitĂ€t.[49][50]
- Telomer-Transposition: Die Entdeckung ĂŒberraschte, dass ein Modellorganismus ĂŒber keine Telomerase verfĂŒgt. Die Taufliegen der Art Drosophila vervollstĂ€ndigen die chromosomalen Telomere durch Transposition.[51] WĂ€hrend die Drosophila-Arten das Telomerase-Gen verloren haben, ist es bei anderen Organismen mit Telomer-Transposition noch vorhanden; dazu gehören der Seidenspinner Bombyx mori und der Rotbraune ReismehlkĂ€fer Tribolium castaneum.[52]
D-Loop-Prozess
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Manche Chloroplasten und Mitochondrien besitzen ringförmige DNA. Die Replikation beginnt an einem Strang in der groĂen, nicht-codierenden Region. Der Polymerasekomplex lĂ€uft nur in eine Richtung und produziert einen kurzen, dritten Strang, bekannt als 7S-DNA. Diese dreistrĂ€ngige Struktur ist im Elektronenmikroskop als D-Loop zu erkennen. (D-Loop von engl. displacement loop: Ablöse- oder VerdrĂ€ngungsschlaufe.)[53] Wenn der schon replizierte Strang mehr als zwei Drittel der ursprĂŒnglichen DNA verdrĂ€ngt hat, löst er sich (von der Matrize). Der gelöste Strang wird unabhĂ€ngig (zur dsDNA) repliziert.
Rolling-Circle-Replikation
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Plasmide und viele zirkulĂ€re ssDNA-Viren (die prototypischen Vertreter der Monodnaviria) zeigen ein besonderes Replikationsprinzip, die Rolling-Circle-Replikation (englisch rolling circle replication RCR).[54][55][56][57] Liegt deren NukleinsĂ€ure als Einzelstrang vor, wird sie komplementĂ€r zu einem Doppelstrang ergĂ€nzt. Ist das Erbmaterial (bereits) eine doppelstrĂ€ngige NukleinsĂ€ure, bricht eine Endonuklease einen Strang auf, indem die Verbindung zwischen zwei benachbarten Basen getrennt wird. An dieser geöffneten Stelle setzt ein Polymerasekomplex an, der nur in eine Richtung arbeitet. Das 3âČ-OH-Ende des geschnittenen Stranges dient dabei als Ansatzpunkt fĂŒr einen sogenannten Primer, von dem aus der offene Strang verlĂ€ngert wird. FĂŒr die einseitige Polymerisation dient der nicht aufgebrochene Ring als komplementĂ€re Matrize. Die Replikationseinheit wandert um den inneren Strang herum wie um einen rollenden Kreis (Rolling circle).
Der innere Strang kann wiederholt als Matrize dienen, sodass mehrere Duplikate hintereinander entstehen, teilweise als Concatamere. Diese werden nach dem ersten Replikationsschritt zerlegt. Entweder bleiben die neuen Produkte einzelstrĂ€ngig oder dienen als Matrize fĂŒr einen zweiten Schritt, aus dem die replizierten doppelstrĂ€ngigen NukleinsĂ€uren hervorgehen.
Das Rolling-circle-Prinzip scheint in der Natur in verschiedenen Formen zu existieren. Der beschriebene Ablauf stellt die verbreitetste Hypothese dar. â ErlĂ€uterung zu Viren: Diese lassen sich nach Art ihrer NukleinsĂ€uren in sechs Klassen einteilen. 1. Viren mit Doppelstrang-DNA; 2. mit Einzelstrang-DNA; 3. mit Doppelstrang-RNA; 4. mit positivem RNA-Einzelstrang; 5. mit negativem RNA-Einzelstrang; 6. Retroviren replizieren ihre RNA zu DNA, von der schlieĂlich neue Virion-RNA multipliziert wird.[58]
Das Modell des rollenden Kreises kommt zum Beispiel bei der Konjugation zweier Bakterien vor. Dabei gibt ein Bakterium den Einzelstrang eines Plasmids an ein anderes Bakterium weiter, wÀhrend es die eigene, ringförmige DNA des Plasmids behÀlt. Bisher wenig erforschte ringförmige DNAs wurden extrachromosomal in menschlichen Krebszellen beobachtet.[59]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
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Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- David Hull und John S. Wilkins: Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Maxanim animierte Darstellung der DNA-Replikation (engl.)
- Replikation der DNA mit Bildern und Beschreibung
- Animierte Darstellung der DNA-Replikation mit ErlÀuterungen
- âForscher zeichnen zum ersten Mal auf, wie sich DNA verdoppelt â und es ist anders, als erwartetâ, Galileo.tv, Juni 2016
- SIB: Viral replication/transcription/translation Viral replication/transcription/translation, §Replication, auf: Expasy ViralZone
Einzelnachweise
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