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Erste Version des Profinet-Logo, bis 2010 verwendet

Profinet (Process Field Network) (Eigenschreibweise: PROFINET)[1] ist der offene Industrial-Ethernet-Standard der PROFIBUS-Nutzerorganisation e. V. (PNO) fĂŒr die Automatisierung. Profinet nutzt TCP/IP und IT-Standards, ist Echtzeit-fĂ€hig und ermöglicht die Integration von Feldbus-Systemen.

Das Konzept von Profinet ist modular aufgebaut, so dass der Anwender die FunktionalitĂ€t selbst wĂ€hlen kann. Profinet dient zur Anbindung von dezentraler Peripherie an eine Steuerung (Controller). FĂŒr unterschiedliche Einsatzgebiete sind die verfĂŒgbaren Funktionen und Echtzeit-Eigenschaften in vier KonformitĂ€tsklassen CC-A, CC-B, CC-C und CC-D aufgeteilt.

Einsatz von Profinet

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Überblick

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ProfinetfÀhige PCIe-Erweiterungskarte

Profinet IO erlaubt die Anbindung von dezentraler Peripherie an einen Controller und kann somit als direkter Nachfolger von Profibus DP gesehen werden. Profinet IO beschreibt den gesamten Datenaustausch zwischen GerĂ€ten mit Steuerungs- oder Regelungs-FunktionalitĂ€t als IO-Controller und den FeldgerĂ€ten als IO-Devices fĂŒr den zyklischen Datenaustausch sowie die Parametrierung und Diagnose. Dazu verwendet Profinet IO Ethernet-basierte Protokolle, folgt dem Producer-/Consumer-Modell und eignet sich je nach KonformitĂ€tsklasse fĂŒr Buszykluszeiten von mehreren ms bis herunter zu 31,25 ÎŒs.

FeldgerĂ€te in einem unterlagerten Feldbus-Strang können ĂŒber einen IO-Proxy (Stellvertreter fĂŒr ein unterlagertes Bussystem) in das Profinet-IO-System eingebunden werden. Damit können bestehende Profibus- und andere Feldbus-Systeme einfach in ein Profinet-IO-System eingebunden und weiterverwendet werden.

KonformitÀtsklassen

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Die Anwendungen mit Profinet IO können in vier Klassen eingeteilt werden:

  • In der Klasse A (CC-A) sind nur die eingesetzten GerĂ€te zertifiziert. FĂŒr die Netzwerkinfrastruktur genĂŒgt ein Herstellerzertifikat. Darum kann auch eine Strukturierte Verkabelung oder fĂŒr mobile Teilnehmer ein Wireless Local Area Network eingesetzt werden.[2] Typische Anwendungen findet man in Infrastrukturbauten (z. B. Autobahn- oder Eisenbahntunnel) oder in der GebĂ€udeautomation.
  • Die Klasse B (CC-B) schreibt vor, dass auch die Netzwerkinfrastruktur zertifizierte Produkte umfasst und nach den Richtlinien von Profinet IO aufgebaut ist. Geschirmte Kabel erhöhen die Robustheit und Switches mit Managementfunktionen erleichtern die Netzwerkdiagnose und erlauben das Erfassen der Netzwerktopologie wie dies fĂŒr die Kontrolle einer Fertigungslinie oder Maschine erwĂŒnscht ist. Die Prozessautomation verlangt eine erhöhte VerfĂŒgbarkeit, die durch eine Medien- und Systemredundanz erreicht werden kann.
  • Mit der Klasse C (CC-C) können mit einer zusĂ€tzlichen Bandbreitenreservierung und der Synchronisation der Anwendungen z. B. Positioniersysteme realisiert werden.
  • Bei der Klasse D (CC-D) wird Profinet ĂŒber Time-Sensitive Networking (TSN) genutzt. Dabei können dieselben Funktionen wie bei der CC-C erreicht werden.[3] Anders als bei CC A&B findet bei CC-D die komplette Kommunikation (zyklische und azyklisch) zwischen Controller und Device auf Ethernet Schicht 2 statt. Hierzu wurde das Remote Service Interface (RSI) eingefĂŒhrt.
Anforderungen Klasse A (CC-A) Klasse B (CC-B) Klasse C (CC-C) Klasse D (CC-D)
Basisfunktionen
  • RT-Kommunikation
  • Zyklische E/A
  • Parameter
  • Alarme
  • RT-Kommunikation
  • Zyklische E/A
  • Parameter
  • Alarme
  • Netzwerkdiagnose
  • Topologieinformationen
  • Systemredundanz
  • RT-Kommunikation
  • Zyklische E/A
  • Parameter
  • Alarme
  • Netzwerkdiagnose
  • Topologieinformationen
  • Reservierte Bandbreite (IRT)
  • Synchronisation
  • Stossfreie Medienredundanz
  • RT-Kommunikation
  • Zyklische E/A
  • Parameter
  • Alarme
  • Netzwerkdiagnose
  • Topologieinformationen
  • Reservierte Bandbreite (TSN)
  • Synchronisation
  • Systemredundanz
  • Stossfreie Medienredundanz
Zertifizierung
  • Controller
  • Devices
  • Netzwerkkomponenten nur mit Herstellerzertifikat
  • Controller
  • Devices
  • Netzwerkkomponenten
  • Controller
  • Devices
  • Netzwerkkomponenten
  • Controller
  • Devices
  • Netzwerkkomponenten
Verkabelung

nach IEC 61784-5-3 und IEC 24702

  • Kupfer
  • Lichtleiter
  • Wireless

nach IEC 61784-5-3

  • Kupfer
  • Lichtleiter

nach IEC 61784-5-3

  • Kupfer
  • Lichtleiter

nach IEC 61784-5-3

  • Kupfer
  • Lichtleiter
Typischer Einsatz
  • Infrastrukturbauten
  • GebĂ€udeautomation
  • Fertigungsautomation
  • Prozessautomation
  • Motioncontrol
  • Universell

GerÀtetypen

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Profinet GerÀte können die folgenden Rollen einnehmen:

  • IO-Controller ist eine Steuerung, die die Automatisierungsaufgabe kontrolliert.
  • IO-Device ist ein FeldgerĂ€t, das von einem IO-Controller kontrolliert und gesteuert wird. Ein IO-Device besteht aus mehreren Modulen und Submodulen. Die Submodule enthalten die einzelnen Eingangs- und Ausgangssignale zum Prozess.
  • IO-Supervisor ist ein Engineering-Werkzeug, typischerweise basierend auf einem PC, um die einzelnen IO-Devices zu parametrieren und diagnostizieren.[4]

Systemaufbau

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Ein minimales Profinet-IO-System besteht aus mindestens einem IO-Controller, der ein oder mehrere IO-Devices kontrolliert. ZusĂ€tzlich können optional ein oder mehrere IO-Supervisoren fĂŒr das Engineering der IO-Devices bei Bedarf temporĂ€r zugeschaltet werden.

Sind zwei IO-Systeme in demselben IP-Netzwerk, können die IO-Controller sich auch ein Eingangssignal als shared-input teilen, in dem sie auf dasselbe Submodul in einem IO-Device lesend zugreifen. Dies vereinfacht die Kombination einer SPS mit einer getrennten Sicherheitssteuerung oder einer Bewegungsregelung. Ebenso kann ein ganzes IO-Device als shared-device geteilt werden, in dem einzelne Submodule eines IO-Device unterschiedlichen IO-Controllern zugeordnet werden.

Jedes AutomatisierungsgerĂ€t mit einer Ethernetschnittstelle kann gleichzeitig die FunktionalitĂ€t eines IO-Controllers und eines IO-Devices erfĂŒllen. Wenn nun eine Steuerung fĂŒr eine Partnersteuerung als IO-Device auftritt und gleichzeitig als IO-Controller seine Peripherie kontrolliert, ist eine Koordination der Aufgaben zwischen Steuerungen ohne zusĂ€tzliche GerĂ€te realisierbar.

Beziehungen

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Zwischen einem IO-Controller und einem IO-Device wird eine Application-Relation (AR) aufgebaut. Über diese AR werden Communication-Relations (CR) mit unterschiedlichen Eigenschaften festgelegt:

  • Record Data CR fĂŒr den azyklischen Parametertransfer
  • IO Data CR fĂŒr den zyklischen Prozessdatenaustausch
  • Alarm CR fĂŒr die Signalisation von Alarmen in Echtzeit

Zyklische Daten (IO Data CR): Der Inhalt des zyklischen Datenverkehrs sind die Daten, die die Zentraleinheit an die PeripheriegerĂ€te schickt, damit sie an den AusgĂ€ngen ausgegeben werden können sowie die Daten, die ein PeripheriegerĂ€t als an seinen EingĂ€ngen einliest und zur Verarbeitung an die Zentraleinheit schickt. In der Regel geht also in jedem Zyklus ein solches „zyklisches“ Datenpaket von der Zentraleinheit als „Provider“ an das PeripheriegerĂ€t als „Consumer“ und unabhĂ€ngig davon ein Datenpaket vom PeripheriegerĂ€t als „Provider“ an die Zentraleinheit als „Consumer“.

Die Basis hierfĂŒr ist ein kaskadierbares Real-Time-Konzept, d. h. fĂŒr jede zyklische CR kann eine unterschiedliche Zykluszeit festgelegt werden. Diese Grundfunktion wird als „RT“ (Real Time) bezeichnet.[5] Der zyklische Datenverkehr kann je nach Anforderung zusĂ€tzliche Eigenschaften ausweisen. Bei einem taktsynchronen Datenaustausch werden die Anwendungsfunktionen auf den Profinet Datenzyklus synchronisiert um keine Zeit bei der DatenĂŒbergabe zu verlieren. Bei einem isochronen Datenzyklus wird der zyklische Datenaustausch von mehreren zyklischen CR in beide Richtungen synchronisiert. Dies wird als „IRT“ (Isochronous Real Time)[6] bezeichnet.

FĂŒr die zyklischen Daten wird bei Profinet eine möglichst effiziente Übertragung im Hinblick auf die Bandbreite angestrebt. Deshalb setzt der zyklische Verkehr direkt auf der Ebene der MAC-Adressen auf und enthĂ€lt keine IP-Adressen, um die HeaderlĂ€nge des Datenpakets (und damit auch die GesamtlĂ€nge und die Verarbeitungszeit im GerĂ€t) kleinzuhalten. Da die Automatisierungsaufgaben fĂŒr Profinet IO in aller Regel lokal begrenzt sind (eine Maschine/Anlage), kann man den Verlust der RoutingfĂ€higkeit, den man durch den Verzicht auf IP-Headerinformationen in Kauf nimmt, verschmerzen.

Azyklische Parameterdaten (Record Data CR): Daneben gibt es im Datenaustausch zwischen Zentraleinheit und PeripheriegerĂ€t auch den azyklischen Datenverkehr, der fĂŒr Ereignisse genutzt wird, die sich nicht stĂ€ndig wiederholen. Beispiele fĂŒr azyklischen Datenverkehr sind das Senden von Parametrierungs- und Konfigurationsdaten beim Anlauf eines PeripheriegerĂ€ts an das GerĂ€t oder das Senden einer Diagnosemeldung vom PeripheriegerĂ€t zur Zentraleinheit im laufenden Betrieb.

Azyklische Daten nutzen das UDP/IP oder das RSI Protokoll.

Azyklische Alarmdaten (Alarm CR): Alarme sind spezielle azyklische Nachrichten die bei Bedarf vom PeripheriegerĂ€t an den Controller ĂŒbertragen werden. Diese sind zeitkritisch und werden somit wie die zyklische Daten direkt ĂŒber Ethernet ĂŒbertragen. Im Gegensatz zu den zyklischen Daten mĂŒssen diese aber vom EmpfĂ€nger bestĂ€tigt werden.

Engineering

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Das Projektieren eines IO-Systems ist vom „look and feel“ nahezu identisch wie bei Profibus gehalten:

  • Die Eigenschaften eines IO-Devices werden vom GerĂ€tehersteller in einer GSD-Datei (General Station Description) beschrieben[7]. Als Sprache hierfĂŒr wird die GSDML (GSD Markup Language) – eine XML-basierte Sprache – verwendet. Die GSD-Datei dient einer Engineeringsumgebung als Grundlage fĂŒr die Planung der Konfiguration eines Profinet-IO-Systems.
  • Alle Profinet-FeldgerĂ€te ermitteln ihre Nachbarn. Somit können FeldgerĂ€te ohne zusĂ€tzliche Hilfsmittel und Vorkenntnisse im Fehlerfall getauscht werden. Durch Auslesen dieser Informationen kann die Anlagentopologie zur besseren Übersichtlichkeit grafisch dargestellt werden.
  • Durch UnterstĂŒtzung des Tool Calling Interfaces (TCI) kann sich jeder FeldgerĂ€te-Hersteller in eine beliebige TCI-fĂ€hige Entwicklungsumgebung einklinken und „seine“ FeldgerĂ€te parametrieren und diagnostizieren ohne die Entwicklungsumgebung verlassen zu mĂŒssen. Individuell eingestellte Daten können herstellerĂŒbergreifend geladen (bspw. ĂŒber TCI) und in einem Parameter-Server automatisch archiviert werden. Das Nachladen erfolgt beim GerĂ€tetausch ebenfalls automatisch.

VerlÀsslichkeit

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Vermehrt wird der Profinet auch in kritischen Anwendungen eingesetzt. Es besteht dabei immer ein Risiko, dass die geforderten Funktionen nicht erfĂŒllt werden können. Dieses Risiko kann durch gezielte Maßnahmen reduziert werden und damit die ZuverlĂ€ssigkeit erhöht werden. Im Vordergrund stehen dabei die folgenden Zielsetzungen:

  1. Safety: Sicherstellung der funktionalen Sicherheit. Das System soll bei einem Fehler in einen sicheren Zustand gehen.
  2. Availability: Erhöhung der VerfĂŒgbarkeit. Das System soll bei einem Fehler die minimal geforderte Funktion noch erbringen können.
  3. Security: Mit der Informationssicherheit soll die IntegritÀt des Systems sichergestellt werden.

Diese Ziele können sich dabei gegenseitig behindern oder auch ergÀnzen.

Funktionale Sicherheit: Profisafe

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→ Hauptartikel: Profisafe

Profisafe definiert wie sicherheitsgerichtete GerĂ€te (Not-Aus-Taster, Lichtgitter, ÜberfĂŒllsicherungen, 
) ĂŒber Profinet mit Sicherheitssteuerungen so sicher kommunizieren, dass sie in sicherheitsgerichteten Automatisierungsaufgaben bis SIL3 (Safety Integrity Level) eingesetzt werden können.[8] Es realisiert die sichere Kommunikation ĂŒber ein Profil, d. h. ĂŒber ein besonderes Format der Nutzdaten und ein spezielles Protokoll. Profisafe ist fĂŒr Profinet und Profibus in der Norm IEC 61784-3-3 festgelegt und bildet die Grundlage fĂŒr OPC UA Safety.[9][10]

Erhöhte VerfĂŒgbarkeit

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HochverfĂŒgbarkeit ist eine der wichtigsten Anforderungen in der industriellen Automatisierung sowohl in der Fabrik- und in der Prozessautomatisierung. Durch gezieltes anfĂŒgen von Redundanz fĂŒr kritische Elemente kann die VerfĂŒgbarkeit eines Automatisierungssystems erhöht werden. Dabei kann zwischen System- und Medienredundanz unterschieden werden.

Systemredundanz

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FĂŒr die Erhöhung der VerfĂŒgbarkeit kann mit Profinet auch eine Systemredundanz realisiert werden. In diesem Fall werden zwei IO-Controller, die dieselben IO-Device kontrollieren, konfiguriert. Der aktive IO-Controller markiert seine Ausgangsdaten als primary. Nicht markierte Ausgangsdaten werden in einem redundanten IO-System von einem IO-Device ignoriert. Damit kann im Fehlerfall der zweite IO-Controller durch Markieren seiner Ausgangsdaten als primary unterbrechungsfrei die Kontrolle ĂŒber alle IO-Devices ĂŒbernehmen. Wie die beiden IO-Controller ihre Aufgabe synchronisieren ist bei Profinet nicht festgelegt und wird von den verschiedenen Herstellern die redundante Steuerungssysteme anbieten unterschiedlich realisiert.

Medienredundanz

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Profinet bietet zwei Medienredundanzlösungen an. Das Media Redundancy Protocol (MRP) erlaubt den Aufbau einer protokollunabhĂ€ngigen Ringtopologie mit einer Umschaltzeit unter 50 ms. Dies ist fĂŒr Standard-Echtzeit-Kommunikation beim Profinet oftmals ausreichend. FĂŒr eine Umschaltung der Redundanz im Fehlerfall ohne Zeitverzögerung muss das „Media Redundancy for Planned Duplication“ (MRPD) als nahtloses Medienredundanzkonzept eingesetzt werden. Im MRPD werden die zyklischen Echtzeit-Daten in der ringförmigen Topologie in beide Richtungen ĂŒbertragen. Ein Zeitstempel im Datenpaket erlaubt es dem EmpfĂ€nger die redundanten Duplikate zu entfernen.

Sicherheit

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Das IT-Sicherheitskonzept[11] fĂŒr PROFINET geht von einem Defense-in-Depth[12] Ansatz aus. Die Produktionsanlage wird dabei durch einen mehrstufigen Perimeter, u. a. Firewalls, gegen Angriffe, insbesondere von außen, geschĂŒtzt. DarĂŒber hinaus ist innerhalb der Anlage eine weitere Absicherung durch Unterteilung in Zonen unter Einsatz von Firewalls möglich. ZusĂ€tzlich wird durch einen Security-Komponententest die Festigkeit der Profinet-Komponenten gegen Überlastung in einem definierten Umfang sichergestellt.[13] Dieses Konzept wird durch organisatorische Maßnahmen in der Produktionsanlage im Rahmen eines Security Management-Systems nach ISO 27001 unterstĂŒtzt.

Applikationsprofile

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FĂŒr ein reibungsloses Zusammenwirken der an einer Automatisierungslösung beteiligten GerĂ€te mĂŒssen diese in ihren grundlegenden Funktionen und Diensten ĂŒbereinstimmen. Die Vereinheitlichung wird durch „Profile“ mit verbindlichen Vorgaben fĂŒr die Funktionen und Dienste erreicht. Dabei werden die möglichen Funktionen der Kommunikation mit dem Profinet eingeschrĂ€nkt und zusĂ€tzliche Festlegungen ĂŒber die Funktion des FeldgerĂ€tes vorgeschrieben. Dabei kann es sich um GerĂ€teklassen-ĂŒbergreifende Eigenschaften wie ein sicherheitsrelevantes Verhalten (Common Application Profiles) oder um GerĂ€teklassen-spezifische Eigenschaften (Specific Application Profiles)[14] handeln. Bei diesen wird unterschieden zwischen

  • GerĂ€teprofile (Device Profiles) fĂŒr z. B. Roboter, Antriebe (PROFIdrive), ProzessgerĂ€te, Encoder, Pumpen
  • Branchenprofile (Industry Profiles) fĂŒr z. B. Labortechnik oder Schienenfahrzeuge
  • Integrationsprofile (Integration Profiles) zur Integration von Subsystemen wie z. B. IO-Link-Systeme

Antriebe

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→ Hauptartikel: PROFIdrive

PROFIdrive ist das modular aufgebaute GerĂ€teprofil fĂŒr AntriebsgerĂ€te.[15] Es wurde in den 1990er Jahren von Herstellern und Anwendern gemeinsam entwickelt und deckt seither in Verbindung mit Profibus und ab der Version 4.0 zusĂ€tzlich auch mit Profinet die gesamte Spanne von einfachsten bis zu anspruchsvollsten Antriebslösungen ab.

PROFIenergy

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→ Hauptartikel: PROFIenergy

PROFIenergy ist ein Profil fĂŒr das Energiemanagement in Produktionsanlagen.[16] Es steuert ĂŒber Profinet den Verbrauch der elektrischen Energie von Automatisierungsequipement in der Fertigung wie z. B. Roboter-Montagezellen, Laserschneideanlagen oder Teilsystemen wie Lackieranlagen. Die Steuerung des Energieverbrauchs selbst erfolgt ĂŒber standardisierte Kommandos, die bei geplanten und ungeplanten Unterbrechungen in der Fertigung fĂŒr das Ein- und Ausschalten der GerĂ€te angewandt werden. Mit dem Einsatz von PROFIenergy werden keine externen festverdrahteten Systeme fĂŒr das Ein- und Ausschalten von AutomatisierungsgerĂ€te mehr benötigt. Mit PROFIenergy ist auch die Erfassung von Energiewerten definiert, so dass ĂŒberlagerte Energiemonitoringsysteme einheitlich einlesen können.

Prozessautomation

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Moderne ProzessgerĂ€te verfĂŒgen ĂŒber eigene Intelligenz und können in Automatisierungssystemen einen Teil der Informationsverarbeitung bzw. der GesamtfunktionalitĂ€t ĂŒbernehmen. FĂŒr die Integration in ein Profinet-System[17] wird neben der erhöhten VerfĂŒgbarkeit auch ein Zweileiter-Ethernet benötigt.

ProzessgerÀte

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Das Profil PA Devices[18] definiert fĂŒr verschiedene Klassen von ProzessgerĂ€ten alle Funktionen und Parameter, die in ProzessgerĂ€ten typisch fĂŒr den Signalfluss vom Sensorsignal aus dem Prozess bis zum vorverarbeiteten Prozesswert, der an das Leitsystem zusammen mit einem Messwert-Status ausgelesen wird. Das Profil PA Devices enthĂ€lt GerĂ€te-DatenblĂ€tter fĂŒr

  • Druck und Differenzdruck
  • FĂŒllstand, Temperatur und Durchfluss
  • Analoge und digitale Ein- und AusgĂ€nge
  • Ventile und Stellantriebe
  • AnalysegerĂ€te

Siehe auch PA-DIM.[19]

Advanced Physical Layer (APL)

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→ Hauptartikel: Advanced Physical Layer

Ethernet soll auch ĂŒber die in der Prozessautomation ĂŒblichen Zweidrahtleitungen nach IEC 61158-2 Kabeltyp A ĂŒbertragen werden können. Dies ist vom IEEE P802.3cg-Projekt im Jahr 2018 als Erweiterung des IEEE 802.3 Ethernet-Standards mit der Bezeichnung 10BASE-T1L festgelegt worden.[20] Die Übertragung erfolgt mit einer Bitrate von 10 Mbit/s, wird 4B3T codiert und als PAM-3 moduliert und mit 7,5 MBaud vollduplex ĂŒbertragen. Über das gleiche Kabel können die Teilnehmer mit bis zu 60 W Leistung versorgt werden.

APL-Power-Switches stellen die KonnektivitĂ€t zwischen allen Standard-Ethernet-Netzwerken und FeldgerĂ€ten bereit und versorgen die APL-Field-Switches und FeldgerĂ€te mit elektrischer Energie. Der Aufbau besteht aus einem „Trunk“ Kabel mit maximal 1000 Meter zwischen den APL-Field-Switches und den „Spur“ Kabel von maximal 200 Meter zwischen einem APL-Field-Switch und einem FeldgerĂ€t.

In der Prozessautomation ist die Umgebung oftmals explosionsgefĂ€hrdet. In der Normierung IEC 60079 ist darum eine Version 10BASE-T1L definiert worden, wo die Leistung auf dem Kabel so begrenzt wird, dass eine Installation auch in explosionsgefĂ€hrdeten Bereichen der Zone 1 und 0 erlaubt ist.[21] FĂŒr die Trunk-Kabel wird mit der ZĂŒndschutzart Ex e eine maximale Distanz von 1000 Meter erreicht, bei den Spur-Kabeln mit Ex ia (Eigensicherheit) bleibt die KabellĂ€nge bei 200 Metern.

Technologie

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Profinet-Protokolle

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OSI-Schicht (de) OSI-Schicht (en) Profinet
7a Anwendung Application Fieldbus Application Layer (FAL)
Dienste und Protokolle
OPC UA
7b RSI leer leer RPC --
6 Darstellung Presentation --
5 Sitzung Session
4 Transport Transport UDP TCP
3 Netzwerk Network IP
2 Sicherung Data Link TSN CSMA/CD
1 BitĂŒbertragung Physical Ethernet

Profinet verwendet in den verschiedenen Schichten des OSI-Modells die folgenden Protokolle:

Schichten 1-2: Nur Full-Duplex mit 100 MBit/s elektrisch (100BASE-TX) oder optisch (100BASE-FX) nach IEEE 802.3 sind als GerĂ€teanschluss erlaubt. Autocrossover ist fĂŒr alle AnschlĂŒsse obligatorisch damit auf den Einsatz von gekreuzten Kabeln verzichtet werden kann. Aus IEEE 802.1Q wird das VLAN mit Priority Tagging verwendet. Alle Echtzeitdaten erhalten damit die grĂ¶ĂŸtmögliche PrioritĂ€t 6 und werden darum mit einer minimalen Verzögerung von einem Switch weitergeleitet.

Das Profinet-Protokoll kann mit jedem Ethernet-Analysewerkzeug aufgezeichnet und dargestellt werden. Wireshark decodiert in der aktuellen Version auch die Profinet-Telegramme.

Das Link Layer Discovery Protocol (LLDP) ist mit zusÀtzlichen Parametern erweitert worden, so dass neben der Erkennung der Nachbarn auch die Laufzeit der Signale auf den Verbindungsleitungen mitgeteilt werden kann.

Schichten 3-6: FĂŒr den Verbindungsaufbau und die azyklischen Dienste wird entweder das Remote Service Interface (RSI)-Protokoll oder das Remote Procedure Call (RPC)-Protokoll eingesetzt. Das RPC-Protokoll wird ĂŒber User Datagram Protocol (UDP) und Internet Protocol (IP) mit dem Einsatz von IP-Adressen verwendet. Das Address Resolution Protocol (ARP) wird dazu mit der Erkennung von doppelten IP-Adressen erweitert. FĂŒr die Vergabe der IP-Adressen wird obligatorisch das Discovery and basic Configuration Protocol (DCP) eingesetzt. Optional kann dazu auch das Dynamic Host Configuration Protocol (DHCP) eingesetzt werden. Mit dem RSI-Protokoll werden keine IP-Adressen verwendet. Somit kann das Internet-Protokoll im Betriebssystem des FeldgerĂ€ts fĂŒr andere Protokolle wie zum Beispiel OPC Unified Architecture (OPC UA) genutzt werden.

Schicht 7: Um die Dienste des Fieldbus Application Layers (FAL) zu erreichen, sind verschiedene Protokolle definiert. Das RT (Real-Time) Protokoll fĂŒr Anwendungen der Klassen A & B mit Zykluszeiten in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 1–10 ms. Das IRT (Isochronous Real-Time) Protokoll fĂŒr die Anwendungsklasse C erlaubt Zykluszeiten unter 1 ms fĂŒr Anwendungen in der Antriebstechnik. Dies kann mit denselben Diensten auch ĂŒber Time-Sensitive Networking (TSN) erreicht werden.

FunktionalitÀten der KonformitÀtsklassen

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Die FunktionalitÀten des Profinet IO werden mit unterschiedlichen Technologien und Protokollen realisiert:

FunktionalitÀtTechnologie/ProtokollCC-ACC-BCC-CCC-D
Zyklischer Datenaustausch
Azyklische Parameterdaten
GerÀtediagnose, Alarme
GerÀteidentifizierung
Topologieinformation
RT
Read/Write Record
Alarmhandling
I&M 0
LLDP
zwingendzwingendzwingendzwingend
Mehrfachzugriff auf EingÀnge
Aufteilung von GerÀtefunktionen auf Steuerungen
Erweiterte GerÀteidentifizierung
Shared Input
Shared Device
I&M 1-4
optionaloptionaloptionaloptional
Netzwerkdiagnose
Portbezogene Statistik
SNMP
PDEV
–zwingendzwingendzwingend
Systemredundanz2 Controller–zwingend fĂŒr Prozessautomationoptionaloptional
Automatische Adressierung
KonfigurationsÀnderung im Betrieb
Zeitstempelung von Prozessdaten
Medienredundanz
Schneller Wiederanlauf
LLDP, DCP
DR
IEC 61588
MRP
FSU
–optionaloptionaloptional
Bandbreitenreservierung > 250 ÎŒs ZykluszeitIRT––zwingend–
Bandbreitenreservierung < 250 ÎŒs Zykluszeit
TaktsynchronitÀt
Optimierte Betriebsart
Mediaredundanz ohne Latenzzeit
IRT
IRT, PTP
DFP
MRPD
––optional–
Bandbreitenreservierung
TaktsynchronitÀt bei 100MB
Optimierte Betriebsart
TSN
TAS
Frame Preemption
–––zwingend

FunktionalitÀten der Klasse A (CC-A)

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Die Grundfunktion des Profinet IO ist der zyklische Datenaustausch zwischen dem IO-Controller als Produzent und mehreren IO-Devices als Konsumenten der Ausgangsdaten (englisch Output-Data) und der IO-Devices als Produzenten und dem IO-Controller als Konsument der Eingangsdaten (englisch Input-Data). Jede Kommunikationsbeziehung IO data CR zwischen dem IO-Controller und einem IO-Device definiert die Anzahl der Daten und die Zykluszeiten.

Alle Profinet-IO-GerĂ€te mĂŒssen die GerĂ€tediagnose und die sichere Übertragung der Alarme ĂŒber die Kommunikationsbeziehung fĂŒr Alarme Alarm CR unterstĂŒtzen.

ZusĂ€tzlich können mit jedem Profinet-GerĂ€t ĂŒber die azyklische Kommunikationsbeziehung Record Data CR GerĂ€teparameter gelesen und geschrieben werden. Der Datensatz fĂŒr die eindeutige Identifikation eines IO-Device, die Identification and Maintenance Data Set 0 (I&M 0), muss von allen Profinet-IO-GerĂ€ten zwingend eingebaut werden. Optional können weitere Informationen in einem normierten Format als I&M 1-4 abgelegt werden.

FĂŒr die Echtzeitdaten (zyklische Daten und Alarme) werden die Profinet-RT-Telegramme direkt ĂŒber Ethernet ĂŒbertragen. FĂŒr die Übertragung der azyklischen Daten wird UDP/IP verwendet.

FunktionalitÀten der Klasse B (CC-B)

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Neben den Grundfunktionen der Klasse A mĂŒssen GerĂ€te der Klasse B zusĂ€tzliche FunktionalitĂ€ten unterstĂŒtzen. Diese FunktionalitĂ€ten unterstĂŒtzen vor allem die Inbetriebnahme, den Betrieb und den Unterhalt eines Profinet-IO-Systems und sollen die VerfĂŒgbarkeit des Profinet-IO-Systems erhöhen.

Zwingend erforderlich ist die UnterstĂŒtzung der Netzwerkdiagnose mit dem Simple Network Management Protocol (SNMP). Ebenso muss das Link Layer Discovery Protocol (LLDP) zur Nachbarschaftserkennung inklusive der Erweiterungen fĂŒr Profinet von allen GerĂ€ten der Klasse B unterstĂŒtzt werden. Dazu gehört auch das Sammeln und zur VerfĂŒgung stellen von Ethernet-Port bezogener Statistik fĂŒr den Netzwerkunterhalt. Mit diesen Mechanismen kann die Topologie eines Profinet-IO-Netzwerkes jederzeit ausgelesen und der Zustand der einzelnen Verbindungen ĂŒberwacht werden. Bei einer bekannten Netzwerktopologie kann eine automatische Adressierung der Teilnehmer ĂŒber ihre Position in der Topologie aktiviert werden. Dies vereinfacht beim Unterhalt den GerĂ€tetausch erheblich, da keine Einstellungen mehr vorgenommen werden mĂŒssen.

Speziell fĂŒr Anwendungen in der Prozessautomation und Verfahrenstechnik ist eine hohe VerfĂŒgbarkeit des IO-Systems wichtig. Darum sind fĂŒr GerĂ€te der Klasse B mit den vorhandenen Beziehungen und Protokollen spezielle AblĂ€ufe definiert worden. Damit kann eine Systemredundanz mit zwei IO-Controllern, die gleichzeitig auf dieselben IO-Devices zugreifen, realisiert werden. ZusĂ€tzlich gibt es einen vorgeschriebenen Ablauf Dynamic Reconfiguration (DR), wie man mit der Hilfe dieser redundanten Beziehungen die Konfiguration eines IO-Device verĂ€ndern kann, ohne die Kontrolle ĂŒber das IO-Device zu verlieren.

FunktionalitÀten der Klasse C (CC-C)

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FĂŒr die FunktionalitĂ€ten der Conformance Class C (CC-C) wird vor allem das Isochronous-Real-Time (IRT) Protokoll eingesetzt.

Mit der Bandbreitenreservierung wird ein Teil der verfĂŒgbaren Übertragungsbandbreite von 100 MBit/s exklusiv fĂŒr die Echtzeitaufgaben reserviert. Dabei wird ein Verfahren Ă€hnlich einem Zeitmultiplexverfahren eingesetzt. Die Bandbreite wird in feste Zykluszeiten eingeteilt, die wiederum in Phasen aufgeteilt werden. Die rote Phase ist exklusiv fĂŒr Echtzeitdaten der Klasse C reserviert, in der orangen Phase werden die zeitkritischen Meldungen ĂŒbertragen und in der grĂŒnen Phase werden die weiteren Ethernet-Meldungen transparent durchgeleitet. Damit maximale Ethernet-Telegramme noch transparent durchgeleitet werden können, muss die grĂŒne Phase mindestens 125 ÎŒs lang sein. Somit sind Zykluszeiten unter 250 ÎŒs in Kombination mit unverĂ€ndertem Ethernet nicht möglich.

Um kĂŒrzere Zykluszeiten bis herab zu 31,25 ÎŒs zu erreichen, werden als Option die Ethernet-Telegramme der grĂŒnen Phase in Fragmente zerlegt. Diese kurzen Fragmente werden nun ĂŒber die grĂŒne Phase ĂŒbertragen. Dieser Mechanismus der Fragmentierung ist fĂŒr die anderen Teilnehmer am Ethernet transparent und somit nicht erkennbar.

FĂŒr die Realisierung dieser Buszyklen fĂŒr die Bandbreitenreservierung braucht es eine genaue Uhrensynchronisation aller beteiligten GerĂ€te inklusive der Switch mit einer maximalen Abweichung von 1 ÎŒs. Diese Uhrensynchronisation wird mit dem Precision Time Protocol (PTP) nach der Norm IEC 61588 realisiert. Alle an der Bandbreitenreservierung beteiligten GerĂ€te mĂŒssen somit in derselben ZeitdomĂ€ne sein.

FĂŒr Anwendungen der Lageregelung fĂŒr mehrere Achsen oder fĂŒr PositioniervorgĂ€nge nach dem Antriebsprofil PROFIdrive der Applikationsklassen 4–6 muss nicht nur die Kommunikation zeitgerecht erfolgen, sondern auch die Aktionen der verschiedenen Antriebe an einem Profinet mĂŒssen koordiniert und synchron erfolgen. Die Taktsynchronisation des Anwendungsprogrammes auf den Buszyklus erlaubt es Kontrollfunktionen zu realisieren, die synchron auf verteilten GerĂ€ten ausgefĂŒhrt werden.

Wenn mehrere Profinet-GerĂ€te in einer Linie (Daisy Chain) angeschlossen sind, besteht die Möglichkeit den zyklischen Datenaustausch mit dem Dynamic-Frame-Packing (DFP) weiter zu optimieren. Zu diesem Zweck legt der Controller alle Ausgangsdaten fĂŒr alle Devices in einen einzigen IRT-Frame. Jedes Device nimmt am vorbeikommenden IRT-Frame die fĂŒr das Device bestimmten Daten heraus, der IRT-Frame wird also immer kĂŒrzer. FĂŒr die Daten von den verschiedenen Devices zum Controller wird der IRT-Frame dynamisch zusammengesetzt. Die große Effizienz des DFP liegt darin, dass der IRT-Frame immer nur so umfangreich wie notwendig ist und die Daten vom Controller zu den Devices gleichzeitig mit den Daten von den Devices zum Controller in Vollduplex ĂŒbertragen werden können.

FunktionalitÀten der Klasse D (CC-D)

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Die Klasse D bietet dem Anwender die gleichen Dienste wie die Klasse C, mit dem Unterschied, dass diese Dienste mit den durch IEEE definierten Mechanismen des Time-Sensitive Networking (TSN) erbracht werden.

Als Ersatz fĂŒr die Internet Protokolle wird das Remote Service Interface (RSI) verwendet. Damit wird diese Anwendungsklasse D unabhĂ€ngig von IP-Adressen implementiert. Der Protokollstack wird kleiner und unabhĂ€ngig von zukĂŒnftigen Internetversionen (IPv6).

Das TSN ist keine konsistente, abgeschlossene Protokolldefinition, sondern eine Sammlung von unterschiedlichen Protokollen mit unterschiedlichen AusprĂ€gungen die fĂŒr jede Anwendung fast beliebig zusammengestellt werden können. FĂŒr den Einsatz in der industriellen Automation wird ein Subset in der IEC/IEEE Norm 60802 „Joint Profile TSN for Industrial Automation“ zusammengestellt. Ein Subset wird in der Profinet Spezifikation Version 2.4 fĂŒr die Realisierung der Klasse D verwendet.[22]

In dieser Spezifikation werden zwei Anwendungen unterschieden:

  • isochroner, zyklischer Datenaustausch mit kurzer, begrenzter Latenzzeit (Isochronous Cyclic Real Time) fĂŒr Anwendungen in Motion-Control und verteilter Regelungstechnik
  • zyklischer Datenaustausch mit begrenzter Latenzzeit (Cyclic Real Time) fĂŒr allgemeine Automatisierunsgaufgaben

FĂŒr den isochronen Datenaustausch mĂŒssen die Uhren der Teilnehmer synchronisiert werden. Dazu werden die Festlegungen des Precision Time Protocol nach IEC 61588 fĂŒr die Zeitsynchronisation mit TSN[23] entsprechend angepasst.

Die Telegramme werden gemĂ€ĂŸ den im VLAN-Tag vorgesehenen PrioritĂ€ten in Queues eingereiht. Durch den Time-Aware-Shaper (TAS)[24] wird nun ein Takt vorgegeben, mit dem die einzelnen Queues in einem Switch abgearbeitet werden. Dies fĂŒhrt zu einem Zeitschlitzverfahren, wo die isochronen, zyklischen Daten mit höchster PrioritĂ€t, die zyklischen Daten mit der zweiten PrioritĂ€t vor allen azyklischen Daten ĂŒbertragen werden. Dies reduziert die Latenzzeit und auch den Jitter fĂŒr die zyklischen Daten. Dauert ein Daten-Telegramm mit kleiner PrioritĂ€t zu lange, kann dieses von einem zyklischen Daten-Telegramm mit hoher PrioritĂ€t unterbrochen und nachher weiter ĂŒbertragen werden. Dieses Verfahren wird als Frame Preemption[25] bezeichnet und ist bei CC-D obligatorisch.

Realisierung

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FĂŒr die Realisierung[26] einer Profinet-Schnittstelle als Controller oder Device werden fĂŒr Profinet IO (CC-A und CC-B) keine zusĂ€tzlichen Anforderungen an die Hardware gestellt, die nicht mit einer ĂŒblichen Ethernet-Schnittstelle (100BASE-TX oder 100BASE-FX) erfĂŒllt werden können. Um eine einfachere Linientopologie zu ermöglichen, wird der Einbau eines Switches mit 2 Ports in ein Device empfohlen.

FĂŒr die Realisierung der GerĂ€te der Klasse C (CC-C) ist eine Erweiterung der Hardware mit einer Zeitsynchronisation mit dem Precision Time Protocol (PTP) und den FunktionalitĂ€ten der Bandbreitenreservierung erforderlich, fĂŒr GerĂ€te der Klasse D (CC-D) muss die Hardware die geforderten FunktionalitĂ€ten des Time-Sensitive Networking (TSN) nach den Normen der IEEE unterstĂŒtzen.

Die Methodik der Realisierung ist abhĂ€ngig von der Bauform und dem Leistungsumfang des GerĂ€tes und den erwarteten StĂŒckzahlen. Die Alternativen sind

  • Entwicklung im eigenen Hause oder bei einem Dienstleister
  • Verwendung fertiger Bausteine oder individuelles Design
  • AusfĂŒhrung in fixem Design ASIC, rekonfigurierbar in FPGA-Technologie, als Aufsteckmodul oder als Softwarekomponente.

Geschichte

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An der Mitgliederversammlung der Profibus Nutzerorganisation im Jahr 2000 fanden die ersten konkreten Diskussionen fĂŒr einen Nachfolger fĂŒr Profibus auf der Basis von Ethernet statt. Schon ein Jahr spĂ€ter wurde die erste Spezifikation der Componenten Basierten Automatisierung (CBA) veröffentlicht und an der Hannovermesse vorgestellt. Im Jahr 2002 wurde der Profinet CBA Teil der internationalen Norm IEC 61158 / IEC 61784-1.

Ein Profinet CBA System[27] besteht aus verschiedenen Automatisierungskomponenten. Eine Komponente umfasst alle mechanischen, elektrischen und informationstechnischen GrĂ¶ĂŸen. Die Komponente kann mit den ĂŒblichen Programmierwerkzeugen erstellt worden sein. Zur Beschreibung einer Komponente wird eine Profinet Component Description(PCD)-Datei in XML erstellt. Ein Planungswerkzeug lĂ€dt diese Beschreibungen und erlaubt die Erstellung der logischen Verbindungen zwischen den einzelnen Komponenten zur Realisierung einer Anlage.

Der Grundgedanke von Profinet CBA war, dass man in vielen FĂ€llen eine gesamte Automatisierungsanlage in autonom arbeitende – und damit ĂŒberschaubare – Teilanlagen gliedern kann. Der Aufbau und die FunktionalitĂ€t können sich durchaus in mehreren Anlagen in identischer oder leicht modifizierter Form wiederfinden. Solche sogenannten Profinet-Komponenten sind normalerweise durch eine ĂŒberschaubare Anzahl von Eingangssignalen gesteuert. Innerhalb der Komponente fĂŒhrt ein vom Anwender geschriebenes Steuerprogramm die erforderliche FunktionalitĂ€t aus und gibt die entsprechenden Ausgangssignale an eine andere Steuerung. Die Kommunikation eines komponentenbasierten Systems wird projektiert statt programmiert. Die Kommunikation mit Profinet CBA war fĂŒr Buszykluszeiten von ca. 50 bis 100 ms geeignet.

Einzelne Anlagen zeigen wie diese Konzepte in der Anwendung erfolgreich umgesetzt werden können. Profinet CBA findet aber im Markt nicht die erwartete Akzeptanz und wird in der Norm IEC 61784-1 ab der 4. Ausgabe von 2014 nicht mehr aufgefĂŒhrt.

Im Jahr 2003 wird die erste Spezifikation von Profinet IO (IO = Input Output) veröffentlicht. Dabei wird die Anwendungschnittstelle des im Markt erfolgreichen Profibus DP (DP = Dezentrale Peripherie) ĂŒbernommen und mit aktuellen Protokollen aus dem Internet ergĂ€nzt. Im Jahr darauf folgt die Erweiterung mit der isochronen Übertragung, die Profinet IO auch fĂŒr Motion-Control Anwendungen geeignet macht. Profisafe wird angepasst, so dass es auch ĂŒber Profinet eingesetzt werden kann. Mit der klaren Zusage von AIDA[28] zu Profinet im Jahr 2004 ist die Akzeptanz im Markt gegeben. Im Jahr 2006 wird Profinet IO Teil der internationalen Norm IEC61158 / IEC 61784-2.

Im Jahr 2007 waren gemĂ€ĂŸ der neutralen ZĂ€hlung schon 1 Million Profinet GerĂ€te installiert, im Jahr darauf verdoppelte sich diese Zahl auf 2 Millionen. Bis 2019 wurden von den unterschiedlichen Herstellern in der Summe 26 Millionen[29] verkaufte GerĂ€te gemeldet.

Im Jahr 2019 wurde die Spezifikation fĂŒr Profinet mit TSN[30] abgeschlossen und damit die KonformitĂ€tsklasse CC-D eingefĂŒhrt.

Im Jahr 2024 war Profinet der erste offene Industrial-Ethernet-Standard, ĂŒber den SRCI-kompatible SPS arbeiten können.

Literatur

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  • Manfred Popp: Industrielle Kommunikation mit PROFINET. PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. (Best.-Nr. 4.181). 
  • Manfred Popp: Das PROFINET IO-Buch. Grundlagen und Tipps fĂŒr Anwender. Heidelberg, HĂŒthig 2005, ISBN 3-7785-2966-8. 
  • Mark Metter, Raimond Pigan: PROFINET – Industrielle Kommunikation auf Basis von Industrial Ethernet Grundlagen. 2. Auflage. Publicis Corp. Publ., Erlangen 2007, ISBN 978-3-89578-293-0. 
  • Profinet-Systembeschreibung (PDF; 7 verschiedene Sprachen)

Weblinks

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  • PI: Profinet Übersichtsseite (deutsch) Übersicht zu Informationsmodellen, Profilen, Echtzeit-Kommunikationstechnologien und KonnektivitĂ€tstechnologien
  • PI: Profinet Beschreibung, Informationen zu Profinet (englisch)
  • PI: Profinet Beschreibung, Informationen zu Profinet (deutsch)
  • PI: Profinet Fallstudien, Beispiele aus aller Welt, wo Profinet eingesetzt wird (englisch)
  • PI Nordamerika: Profinet & Industrial Ethernet, systematische Informationen zu Profinet als Industrial-Ethernet-Lösung (englisch)
  • Youtube: Profinet Film, animiertes ErklĂ€rvideo zu den grundlegenden Netzwerkeigenschaften und -parametern (deutsch)

Einzelnachweise

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  1. ↑ PROFINET. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 25. Januar 2025. 
  2. ↑ PROFINET Wireless – 5G. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 10. September 2024. 
  3. ↑ PROFINET over TSN. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 10. September 2024 (deutsch). 
  4. ↑ PROFINET IO Devices. Abgerufen am 7. Juli 2025 (deutsch). 
  5. ↑ RT | PROFINET Real-Time. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 25. Januar 2025 (deutsch). 
  6. ↑ IRT | PROFINET Isochronous Real-Time. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 25. Januar 2025 (deutsch). 
  7. ↑ GSD-Dateien. Abgerufen am 7. Juli 2025 (deutsch). 
  8. ↑ PROFIsafe. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 2. September 2024. 
  9. ↑ Safety over OPC UA Based on PROFIsafe. In: Pressemitteilung. Profinet International, 2019, abgerufen am 25. Januar 2025 (englisch). 
  10. ↑ OPC UA. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 10. September 2024 (deutsch). 
  11. ↑ Security extensions for Profinet. In: PI White Paper. Profinet International, 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch). 
  12. ↑ Improving Industrial Control System Cybersecurity with Defense-in-Depth Strategies. (PDF) In: Recommended Practice. Department of Homeland Security, 2016, abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch). 
  13. ↑ How to get a certificate for a Profinet device. In: Test and Certification. Profinet International, 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch). 
  14. ↑ Liste der Profile. In: PI Profile. Profinet International, abgerufen am 9. Oktober 2019 (englisch). 
  15. ↑ PROFIdrive & Encoder. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 25. Januar 2025 (deutsch). 
  16. ↑ PROFIenergy. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 10. September 2024 (deutsch). 
  17. ↑ PROFINET – The Solution Platform for Process Automation. In: PI White Paper. Profinet International, 2018, abgerufen am 9. Oktober 2019 (englisch). 
  18. ↑ Process Control Devices. In: PI Specification. Profinet International, 9. Mai 2018, abgerufen am 9. Oktober 2019 (englisch). 
  19. ↑ PA-DIM. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 2. September 2024 (deutsch). 
  20. ↑ Advanced Physical Layer APL. In: PI White Paper. Profinet International, 2018, abgerufen am 9. Oktober 2019 (englisch). 
  21. ↑ PROFINET over APL. In: PROFIBUS Nutzerorganisation e. V. Abgerufen am 10. September 2024 (deutsch). 
  22. ↑ Profinet over TSN Guideline. In: PI Specification. Profinet International, 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019. 
  23. ↑ IEEE 802.1ASrev Timing and Synchronization. In: 802 Standard. IEEE, abgerufen am 31. Oktober 2019. 
  24. ↑ IEEE 802.1Qbv Enhancements for Scheduled Traffic. In: 802 Standard. IEEE, abgerufen am 30. Oktober 2019. 
  25. ↑ IEEE 802.1Qbu Frame Preemption. In: 802 Standard. IEEE, abgerufen am 31. Oktober 2019. 
  26. ↑ PROFINET Technologie, Der einfache Weg zu PROFINET. In: Profinet International (deutsch)
  27. ↑ Profinet, Technologie und Anwendung. In: felser.ch, November 2002. (Erste, historische Version der Systembeschreibung fĂŒr Profinet CBA)
  28. ↑ @1@2Vorlage:Toter Link/wirautomatisierer.industrie.deAIDA fĂ€hrt Profinet (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2025. Suche im Internet Archive (T))
  29. ↑ Profisafe und IO-Link ĂŒberschreiten die 10 Millionen Grenze. In: Profinet International, 2019
  30. ↑ Spezifikation von Profinet mit TSN abgeschlossen. In: Profinet International, 2019
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