
Die Neue Welt ist eine historische europäische Bezeichnung für den von den Spaniern unter Christoph Kolumbus im Jahr 1492 wiederentdeckten Doppelkontinent Amerika. Die „Neue Welt“ wurde der bis dahin bekannten Alten Welt, bestehend aus Europa, Asien und Afrika, gegenübergestellt.
Hintergrund
Kolumbus glaubte angeblich bis zu seinem Tod im Jahr 1506, dass er bei seiner Fahrt in Richtung Westen auf Inseln und Festland im Fernen Osten gestoßen sei, der damals mit dem Sammelbegriff „Indien“ bezeichnet wurde. Aus diesem Grund nannten die Spanier Amerika bis ins 18. Jahrhundert hinein Las Indias (siehe auch Archivo General de Indias). Auch werden die Ureinwohner Amerikas aus diesem Grund bis heute als Indianer bezeichnet.
Die Überzeugung einiger Geographen und Entdecker, darunter Amerigo Vespucci im Jahre 1500, dass ein neuer Kontinent entdeckt worden sei, bestätigte sich jedoch sehr schnell. Der zeitgenössische Historiker Francisco López de Gómara, der selbst nie in Amerika war, sieht in seiner Historia general de las Indias den Grund für die Bezeichnung „Neue Welt“ nicht einfach nur in der Tatsache, dass ein neuer Kontinent entdeckt wurde, sondern in der Bedeutung dieser neuen im Verhältnis zur alten Welt:
«Y no tanto le dicen nuevo por ser nuevamente hallado cuanto por ser grandísimo y casi tan grande como el viejo, que contiene a Europa, África y Asia. También se puede llamar nuevo por ser todas sus cosas diferentísimas de las del nuestro»
„Man nennt sie nicht so sehr darum neu, weil sie neu gefunden wurde, sondern eher, weil sie ungeheuer groß ist, fast so groß wie die alte, die Europa, Afrika und Asien umfasst. Man kann sie auch deswegen neu nennen, weil alle Dinge in ihr völlig anders sind als in unserer.“
In etwa gleichbedeutend mit dem Terminus Las Indias oder „Neue Welt“ wird der amerikanische Doppelkontinent bis heute auch als „die Amerikas“ (englisch Americas, spanisch Las Américas) und vor allem in den USA als westliche Hemisphäre bezeichnet.[2]
Heutiger Gebrauch
Heute wird der Begriff „Neue Welt“ in allgemeiner Redeweise nicht mehr verwendet und ist nur noch in spezifischen Zusammenhängen gebräuchlich:
- historisch, wenn von der Entdeckung Amerikas durch die Europäer die Rede ist;
- in der Biologie, wenn Tier- oder Pflanzengruppen nach ihrem Vorkommen in Neuwelt- und Altweltorganismen unterteilt werden (Biogeographie);
- in der Kelterei, wenn Weine nach ihren Herstellungsgebieten klassifiziert werden sollen;
- in der Musik – die 9. Sinfonie von Antonín Dvořák trägt den Namen Aus der Neuen Welt.
Literatur
- Hermann Schreiber: Die neue Welt – Die Geschichte der Entdeckung Amerikas. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2005, ISBN 3-938047-06-2.
- José de Acosta: Das Gold des Kondors. Berichte aus der Neuen Welt 1590 und Atlas zur Geschichte ihrer Entdeckung. Herausgegeben und übertragen von Rudolf Kroboth und Peter H. Meurer. Edition Erdmann in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart u. a. 1991, ISBN 3-522-60750-3 (Originalausgabe: America, Oder wie mans zu Deutsch nennet Die Neuwe Welt/ oder West India. Von Herrn Josepho De Acosta in Sieben Büchern/ eins theils in Lateinischer/ und eins theils in Hispanischer Sprach/ Beschrieben. Sutorius, Ursel 1605. Nach dem Exemplar der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin).
- Rediscovering – Redescubrir – Redécouvrir 1492. Sonderheft der UNESCO-Zeitschrift UNESCO Courier, Ausgabe Mai 1992, zum 500. Jahr der Entdeckung Amerikas mit Beiträgen von Federico Mayor, Miguel León-Portilla, Fernando Aínsa, Leopoldo Zea, Wera Kuteischikowa, Edgar Montiel u. v. a., darunter der Beitrag von Wilcomb E. Washburn zur Kartographie der Neuen Welt (A new image of the world – El nuevo mundo en la cartografía, S. 14–18), alle Beiträge auf Spanisch, Englisch und Französisch.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Zitiert nach: Alba María López López: El origen de los nativos americanos como controversia de los siglos xvi y xvii. La aportación de Diego Andrés Rocha (1607–1688). Dissertation, UAB, Barcelona 2021, S. 10.
- ↑ "America." The Oxford Companion to the English Language (ISBN 0-19-214183-X). McArthur, Tom, ed., 1992. New York: Oxford University Press, p. 33: "[16c: from the feminine of Americus, the Latinized first name of the explorer Amerigo Vespucci (1454–1512). The name America first appeared on a map in 1507 by the German cartographer Martin Waldseemüller, referring to the area now called Brazil]. Since the 16c, a name of the western hemisphere, often in the plural Americas and more or less synonymous with the New World. Since the 18c, a name of the United States of America. The second sense is now primary in English: ... However, the term is open to uncertainties: ..."
