
Konrad Mägi (* 1. November 1878 in Hellenurme mõis bei Tartu; † 15. August 1925 in Tartu) war ein estnischer Landschaftsmaler und Kunstpädagoge.
Leben
Konrad Mägi ging ein Jahr (1888/89) in Uderna zur Schule und besuchte später die Stadtschule in Tartu. Im Anschluss war er Lehrling in einer Tischlerei und arbeitete von 1897 bis 1902 in einem Möbelunternehmen. Parallel dazu erhielt er von 1899 bis 1902 eine erste Kunstausbildung in Zeichenkursen der deutschen Künstlergesellschaft von Tartu. Zur selben Zeit beschäftigte er sich intensiv mit dem Theater, dem Geigenspiel und verschiedenen Sportarten. Er führte seine künstlerische Ausbildung von 1903 bis 1905 als Gasthörer in Sankt Petersburg fort.
Im Zuge der Unruhen der Revolution von 1905 musste er nach Helsinki fliehen[1], wo er in Kontakt mit der Noor-Eesti-Gruppierung geriet. Im Herbst 1907 ging er nach Paris, wo er an einer freien Kunstakademie studierte. Die Jahre 1908 bis 1910 verbrachte Mägi in Norwegen, während seines Aufenthalts schuf er seine ersten bedeutenden Gemälde. Sie markierten zugleich seinen Durchbruch in seiner Heimat Estland. Die Ergebnisse wirken mitunter beinahe psychedelisch, wie beispielsweise in „Norwegische Landschaft mit Kiefern“ (1908–1910).[2] Ende 1910 ging er zurück nach Frankreich und kehrte 1912 über Deutschland nach Estland zurück, wo er ab 1913 an verschiedenen Schulen Zeichenlehrer war. Mägis produktivste Schaffensperiode als Maler fiel in die frühen 1910er Jahre auf Saaremaa. An den Ufern der Insel schuf er seine vollständigsten und zugleich berühmtesten Landschaftsbilder, wie beispielsweise das „Saaremaa-Motiv“ (1913). In der estnischen Kulturgeschichte spielte der Pühajärvsee in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Neben Mägi verbrachten zahlreiche Schriftsteller und Künstler die Sommer an den Ufern des malerischen Sees nahe der kleinen südestnischen Stadt Otepää. Der erste Sommer dieser Art war 1918, als sie von April bis zum Sommerende das neue Sommerhaus eines Bauernhofs am Südostufer des Sees mieteten.[3] 1918 war er Mitbegründer der Künstlervereinigung Pallas, ebenfalls beteiligt war er an der Gründung der Kunsthochschule gleichen Namens, deren erster Direktor (1921, 1923–1925) er war.[4] Zu seinen Studentinnen gehörte dort die estnisch-schwedische Malerin und Grafikerin Karin Luts.[5]
Konrad Mägi wohnte im Sommer 1919 kurze Zeit in Luunja bei Tartu, da er im Juni und Juli nach Kuressaare reiste, um seine Gesundheit zu stärken und Lehrer in Fortbildungskursen zu unterrichten. Zu Beginn des Sommers 1920 kam er zum dritten Mal nach Saaremaa und wohnte Kuressaare in der Pikk-Straße 43. 1921 reiste Mägi nach Italien und erreichte die Insel Capri am 2. März 1922 und verbrachte dort 45 Tage. Trotz der kurzen Verweildauer erwies sich Capri als äußerst fruchtbar für Mägis Werk, etwa zehn Arbeiten lassen sich direkt auf die dort gewonnenen Eindrücke zurückführen. Mägi hielt sich kurz in Neapel auf, auf dem Weg nach Capri und auf der Rückreise im März und April 1922, und wohnte in einem Hotel in der Nähe des Hafens in der Via Mezzocannone 53.[6] Er verließ Italien Mitte August 1922, um sich aufgrund eines Lungenleidens vier Wochen lang zur Kur in Oberstdorf aufzuhalten. Oberstdorf markierte Konrad Mägis vorletzte Schaffensphase.[7] Diese Phasen werden üblicherweise anhand der Veränderungen in Mägis Stil betrachtet: In Norwegen malte er auf eine bestimmte Art und Weise, auf Saaremaa auf eine andere und so weiter. Die Wandelbarkeit war die unveränderlichste Eigenschaft von Mägis Werken. Wie schon bei seinen Italien-Werken ist auch bei den Oberstdorfer Motiven die zeitliche Einordnung entscheidend. Es ist unklar, welche Arbeiten direkt vor Ort fertiggestellt wurden und welche er erst nach seiner Rückkehr in Tartu anhand von Skizzen ausarbeitete. Die Bilder wurden von seinen Reiseeindrücken und dem ekstatischen Gefühl geprägt, das er durch den Aufenthalt an einem fremden Ort empfand und wurden von Neurosen und tiefer Paranoia in seinen Leben in Tartu geprägt. Konrad Mägi verbrachte die Sommer 1923 und 1924 im Herrenhaus Kukulinna am Saadjärv-See, wo er mit Studenten der Pallas-Kunstschule arbeitete. Dies war Mägis letzte Schaffensphase, in beiden Sommern malte Mägi mehrere Bilder.[8] Mägis Gesundheit erlitt im Frühjahr 1924 einen Rückschlag, ab dem Frühjahr 1925 wurde er im Krankenhaus Tartu stationär behandelt und starb im August im Alter von 45 Jahren.[7]
- Landschaftsmalerei
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Saaremaa motiiv (1913)
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Vilsandi (1914)
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Veneetsia (Venedig, 1922–1923)
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Capri
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Venedig
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Rannamaastik (Strandlandschaft)
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Der See Pühajärv
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Landschaft bei Otepää (1918–1920)
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Itaalia maastik. Rooma (Rom, 1922–1923)
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Oberstdorf (1922)
Werk
Konrad Mägi war einer der farbensinnigsten estnischen Maler der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. In Åland malte er zarte Jugendstil-Vignetten von Pflanzen: Kahekesi (Zweisamkeit; 1908; Chinesische Tuschzeichnung). In Paris hatte Mägi Kontakt mit dem Impressionismus und dem Fauvismus. Dies beeinflusste seine Farbwahl: Lilleline väli majakesega (Blumenfeld mit kleinem Haus; 1908–1909), Norra maastik männiga (Norwegische Landschaft mit Kiefer; 1910), Landschaft mit roter Wolke (1913/1914). Mägis Arbeiten an Motiven der Insel Saaremaa sind die ersten modernen estnischen Naturgemälde.
Von 1918 an wird der Einfluss des Expressionismus bestimmend, genährt durch Mägis besondere Empfindsamkeit und als Gefühlsantwort auf unruhige Zeiten: Pühajärv (Der See Pühajärv; 1918–1920), Otepää maastik (Landschaft bei Otepää; 1918–1920). Auch vom Expressionismus beeinflusst sind seine großen Figurkompositionen Pietà (1919), Kolgata (Golgatha; 1921). Eine neue künstlerischer Phase, die mit einer Reise nach Italien begann, brachte sanftere Stimmungen: Varemed Capril (Ruinen in Capri; 1922–1923). Neben Naturbildern malte Mägi auch Blumen und Porträts. Seine schönen Frauengemälde drücken das Schönheitsideal des Jugendstils aus: Holsti (1916). In seinen späteren Porträts nach 1920 zeigt er ein ernsthafteres Wesen: Madonna (1923–1924).
- Frauenportraits
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Gerdi Egede-Nissen (1909)
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Alide Asmus (1912)
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Ida Menning (1915–1916)
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Klaara Holsti (1916)
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Mari Kezuka (1916–1917)
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Alma Koskeli (1918)
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Alvine Käppa (1919)
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Ludmilla Allik (1923–1924)
Literatur zum Autor
- R. Paris: Konrad Mägi. Tartu: Ed. Roos 1932. 282 S.
- Evi Pihlak: Konrad Mägi. Tallinn: Kunst 1979. 192 S.
- Ervin Pütsep: Der Maler Konrad Mägi und seine Zeit, in: Beiträge zu einer baltischen Kunstgeschichte. Hrsg. von Erich Böckler. Bad Homburg 1981, S. 213–230. (Homburger Gespräche 3)
- Evi Pihlak: Friedebert Tuglas ja Konrad Mägi, in: Looming 3/1986, S. 393–397.
- Konrad Maier: Die Bildende Kunst in Estland seit dem 19. Jahrhundert. Zwischen Diktatur und Freiheit?, in: Different inputs – same output? Autonomy and dependence of the arts under different social-economic conditions: the Estonian example. Ed. by Cornelius Hasselblatt. Maastricht: Shaker 2006, S. 88–114. (Studia Fenno-Ugrica Groningana 3)
- Konrad Maier: The Arts in Estonia since the Era of Awakening until the Years between the World Wars – Autonomy vs. (Inter-)Dependence?, in: The End of Autonomy? Studies in Estonian culture. Ed. by Cornelius Hasselblatt. Maastricht: Shaker 2008, S. 34–51. (Studia Fenno-Ugrica Groningana 5)
Weblinks
- Konrad Mägi in der digitalen Sammlung des Estnischen Kunstmuseums.
- Offizielle Website zu Konrad Mägi
Einzelnachweise
- ↑ Konrad Maier: Die Bildende Kunst in Estland seit dem 19. Jahrhundert. Zwischen Diktatur und Freiheit?, in: Different inputs – same output? Maastricht: Shaker 2006, S. 92.
- ↑ Natthakhet Yaemim: Konrad Mägi 1878-1925. Dr Deyn PULSE Galerie, abgerufen am 22. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Winter Landscape. Norway 1908–1910. Konrad Mägi Foundation, abgerufen am 22. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Eesti kunsti ja arhitektuuri biograafiline leksikon. Tallinn: Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, S. 328–329.
- ↑ Juured hargnesid Riidajast pärit õdede radadele. 13. Juni 2006, abgerufen am 22. Januar 2022 (estnisch).
- ↑ Venice 1922–1923. Konrad Mägi Foundation, abgerufen am 22. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Peter Fink: Konrad Mägi und die Oberstdorfer Berge. In: Verschönerungsverein Oberstdorf (Hrsg.): Unser Oberstdorf. Band 86. Oberstdorf 1. Juni 2025, S. 39 – 41.
- ↑ Saaremaa Motif 1913. Konrad Mägi Foundation, abgerufen am 22. Dezember 2025 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mägi, Konrad |
| KURZBESCHREIBUNG | estnischer Landschaftsmaler und Kunstpädagoge |
| GEBURTSDATUM | 1. November 1878 |
| GEBURTSORT | Hellenurme mõis bei Tartu |
| STERBEDATUM | 15. August 1925 |
| STERBEORT | Tartu |
