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aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ketzer (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.

Ein Ketzer, auch als HĂ€retiker bekannt, bezeichnet eine Person, die von der offiziellen Kirchenlehre abweicht oder, allgemeiner jemand, der „öffentlich eine andere als die in bestimmten Angelegenheiten fĂŒr gĂŒltig erklĂ€rte Meinung vertritt“.[1] Der Glaube oder die abweichende Meinung des Ketzers wird als Ketzerei oder HĂ€resie bezeichnet.[2]

Etymologie

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Das Wort Ketzer stammt von italienisch gazzari, das seinerseits auf dem griechischen Wort katharĂłs „rein“ beruht, und wurde bereits vor dem 13. Jahrhundert ins Deutsche ĂŒbernommen. Es bezeichnete im Lateinischen und Italienischen ursprĂŒnglich die hauptsĂ€chlich in SĂŒdfrankreich und Oberitalien verbreiteten Katharer. Wie ansatzweise auch schon im Italienischen wurde es dann im Deutschen als abwertender Ausdruck in der allgemeineren Bedeutung „IrrglĂ€ubiger“, „Irrlehrer“ fĂŒr alle Arten von HĂ€resie im kirchlichen VerstĂ€ndnis gebraucht, von Katholiken ebenso wie seit der Reformation dann auch von Protestanten.

Die Herkunft des Wortes vom Namen der Katharer war schon im lateinischen Mittelalter nicht immer bewusst oder wurde durch Volksetymologie ĂŒberlagert. Schon lateinisch cathari (‚Katharer‘) wurde zuweilen mit cattus (‚Katze‘) in Zusammenhang gebracht, spĂ€ter dann auch im Deutschen Ketzer mit Katze. Die Assoziation wird mit dem angeblichen Ritual erklĂ€rt, eine Katze als Tier des Teufels auf den Hintern zu kĂŒssen (laut Alanus ab Insulis: quia osculantur posteriora cati, in cujus specie ut dicunt apparet eis Lucifer). Ein derartiges Ritual, bekannt als osculum infame, wird in dem Schreiben Vox in Rama (1233) von Papst Gregor IX. beschrieben. Hinzu kommt eine mögliche Assoziation mit der „katzenhaft“ falschen Art der Ketzer (laut Berthold von Regensburg: „von so heizet der ketzer ein ketzer, daz er deheinem kunder so wol glĂźchet mit siner wise sam der katzen“).[3]

Begriffsentwicklung und heutige Verwendung

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Ausgehend von der Vorstellung einer „VerfĂ€lschung“ der kirchlichen Lehre wurde das Wort im SpĂ€tmittelalter auf andere Arten der VerfĂ€lschung ĂŒbertragen, etwa auf das FĂ€lschen von Metallen („ketzern“, vgl. „Katzengold“ fĂŒr Pyrit) oder auf Erscheinungen wie HomosexualitĂ€t und PĂ€derastie („Ketzerbube“), die von der Kirche als „VerfĂ€lschung“ (Pervertierung) der gottgegebenen Natur gedeutet wurden.

Seit der frĂŒhen Neuzeit wird Ketzerei, ketzerisch in ĂŒbertragener Bedeutung dann auch fĂŒr jede Art von intellektueller Dissidenz oder Opposition gegen eine herrschende Lehre oder Konvention ohne besonderen Bezug zur kirchlichen und religiösen SphĂ€re gebraucht, ebenso verketzern in der Bedeutung „zum Ketzer erklĂ€ren“, „fĂŒr Ketzerei erklĂ€ren“.

Wegen ihrer abwertenden Bedeutung im kirchlichen Sprachgebrauch werden die Bezeichnungen Ketzer und Ketzerei heute in wissenschaftlicher Fachsprache zugunsten der neutraler wirkenden Fremdwörter HÀretiker und HÀresie vermieden. Wegen ihres mittelalterlichen GeprÀges waren sie bei der Beschreibung vormittelalterlicher HÀresien auch schon in der Àlteren Fachliteratur vermieden worden.

Literatur

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  • Christoph Auffarth: Die Ketzer. Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 978-3-406-50883-7.
  • Arno Borst: Die Katharer. (= Herder-Spektrum. Band 4025). 6. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, ISBN 3-451-04025-5 (Zugleich Dissertation an der Georg-August-UniversitĂ€t Göttingen 1951).
  • Hans-Georg Deggau: Kleine Geschichte der Katharer. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2005, ISBN 978-3-451-28780-0.
  • Martin ErbstĂ¶ĂŸer: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • Heinrich Fichtenau: Ketzer und Professoren. HĂ€resie und Vernunftglaube im Hochmittelalter. Beck, MĂŒnchen 1992, ISBN 3-406-36458-6.
  • Gottfried Koch: Frauenfrage und Ketzertum im Mittelalter. Die Frauenbewegung im Rahmen des Katharismus und des Waldensertums und ihre sozialen Wurzeln (12.–14. Jahrh.) (= Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte. Band 9). Akademie-Verlag, Berlin 1962 (Zugleich Dissertation an der UniversitĂ€t Leipzig 1960).
  • Malcolm Lambert: HĂ€resie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten Übersetzt von Raul Niemann. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14717-0.
  • Jörg Oberste: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-15576-7.
  • Ernst Werner, Martin ErbstĂ¶ĂŸer: Kleriker, Mönche, Ketzer. Das religiöse Leben im Hochmittelalter. Herder Spektrum, Freiburg / Basel / Wien 1994, ISBN 3-451-04284-3.
  • Ketzer. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 11: K – (V). S. Hirzel, Leipzig 1873, Sp. 639 (woerterbuchnetz.de). 

Weblinks

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Wiktionary: Ketzer â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ketzer und HĂ€retiker. Duden online
  2. ↑ Ketzerei und HĂ€resie. Duden online
  3. ↑ Zur Ketzer/Katzen-Etymologie Meinolf Schumacher: SĂŒndenschmutz und Herzensreinheit: Studien zur Metaphorik der SĂŒnde in lateinischer und deutscher Literatur des Mittelalters, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-7705-3127-2 (Digitalisat), S. 379–383.
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ketzer&oldid=264453177“
Kategorie:
  • HĂ€resiegeschichte (Mittelalter)

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