| Kamerun-Rundblattnase | ||||||||||||
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Doryrhina camerunensis | ||||||||||||
| (Eisentraut, 1956) |

Die Kamerun-Rundblattnase (Doryrhina camerunensis) ist ein mit mehreren disjunkten Populationen im zentralen Afrika verbreitetes Fledertier in der Familie der Rundblattnasen. Das Typusexemplar stammt aus der Umgebung von Buea in Kamerun und wird im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrt. Paul Matschie erhielt schon 1891 ein Exemplar aus dem Umfeld dieser Stadt, das nicht als Typus gewählt wurde.[1][2][3] Diese Art und die Zyklopen-Rundblattnase (Doryrhina cyclops) zählten bis 2017 zur Gattung Altwelt-Rundblattnasen (Hipposideros).[4]
Merkmale
Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 92 bis 97 mm, einer Schwanzlänge von 23 bis 45 mm und einem Gewicht von 39 bis 53 g ist das Tier dem anderen Gattungsvertreter in der Größe ähnlich. Die Unterarme sind 74 bis 80 mm lang, die Länge der Hinterfüße liegt bei 18 bis 22 mm und die Ohren erreichen 30 bis 38 mm. Das Nasenblatt ist markant geformt mit zwei keulenförmigen Auswüchsen in der Mitte. Kennzeichnend ist dichtes und weiches Fell, das oberseits schwarzbraun ist. Die Unterseite ist etwas heller und helle Spitzen an manchen Haaren lassen sie wie mit Raureif belegt erscheinen. Wie bei der Zyklopen-Rundblattnase sind zugespitzte Ohren vorhanden. Gleichfalls kommt auch bei dieser Art bei beiden Geschlechtern eine sackförmige Drüse auf der Stirn vor. Ein weiterer Sack bei Männchen zwischen Penis und Anus ist nicht für die Hoden, sondern für eine weitere Drüse. Bei Weibchen sind an dieser Stelle borstige Haare vorhanden. Die Zahnformel lautet I 1/2, C 1/1, P 2/2, M 3/3, was 30 Zähne im Gebiss ergibt.[2] Die Oberseite des Unterarms trägt dichtes Fell und die Unterseite wenige Haare. Das Tier hat schwarzbraune Flughäute und Ohren. Nur eine kleine Spitze des Schwanzes mit einem Wirbel liegt außerhalb der Schwanzflughaut. Die Kamerun-Rundblattnase hat einen größeren Schädel als die Zyklopen-Rundblattnase, auch im Verhältnis zu anderen Teilen des Skelettes. Im unteren Teil ist das Nasenblatt fast 15 mm breit und im oberen leicht über 10 mm. So ist auch dieses größer als bei der anderen Art. Der erste Prämolar in den Oberkieferhälften steht seitlich, so dass sich Eckzahn und zweiter Prämolar sehr nah sind.[3]
Verbreitung und Lebensweise
Neben der Population im westlichen Kamerun ist die Art verstreut in der Demokratischen Republik Kongo und am Victoriasee in Kenia verbreitet. Sie lebt im Flach- und Hügelland bis mindestens 500 Meter Höhe.[5] Am Kamerunberg wurde sie bis 1400 Meter Höhe und in Kenia sowie Uganda bis 1600 Meter Höhe registriert.[2]
Das nachtaktive Tier ruht am Tage in Höhlen und Baumhöhlen. In Kamerun wurde ein trächtiges Weibchen im Oktober gefunden. Zum sozialen Verhalten, zur Nahrungsweise und zur Art der Rufe für die Echoortung ist nichts bekannt.[2] Ein kurz in Gefangenschaft gehaltenes Exemplar versuchte die in der Nähe befindlichen Menschen zu beißen.[3]
Gefährdung
Falls die Fledermaus an Wälder gebunden ist, wirken sich Waldrodungen negativ aus. Es gibt Vorschläge, dass nur die Population in Kamerun zu dieser Art zählen soll und dort gab es in jüngerer Zeit nur Funde am Kamerunberg. Dadurch wäre die Art sehr anfällig für geringe Bedrohungen. Eine Bestätigung des aktuellen taxonomischen Status steht noch aus. Die IUCN listet sie mit unzureichende Datenlage (data deficient).[5]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Hipposideros camerunensis).
- ↑ a b c d Wilson, Lacher Jr. & Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. 9 - Bats. Lynx Edicions, 2019, ISBN 978-84-16728-19-0, S. 230 (englisch, Doryrhina camerunensis).
- ↑ a b c Martin Eisentraut: Abschrift der Erstbeschreibung. (PDF) In: African Chiroptera Report 2015. 1956, S. 2871–2872, archiviert vom am 2016; abgerufen am 21. Januar 2026.
- ↑ Nicole M. Foley, Steven M. Goodman, Conor V. Whelan, Sébastien J. Puechmaille, Emma Teeling: Towards navigating the Minotaur's labyrinth: Cryptic diversity and taxonomic revision within the speciose genus Hipposideros (Hipposideridae). In: Acta Chiropterologica. 19. Jahrgang, Nr. 1, 2017, S. 1–18, doi:10.3161/15081109ACC2017.19.1.001 (englisch).
- ↑ a b Doryrhina camerunensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2019. Eingestellt von: Mickleburgh, S., Hutson, A.M. & Bergmans, W., 2018. Abgerufen am 21. Januar 2026.
