Unter einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung versteht man eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Oft werden derartige Einrichtungen auch als Jugendhaus, Jugendzentrum (JZ, JUZ, JUZE), JugendcafĂ©, Jugendtreff, Jugendklub, JugendfreizeitstĂ€tte, Jugendfreizeitheim (JFH), Kinderfreizeitheim, Haus der Jugend (HdJ) oder Ă€hnlich bezeichnet. Auch manche SchĂŒlerlĂ€den sind Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Als HĂ€user der offenen TĂŒr (HoT) bieten sie Kindern und Jugendlichen niederschwellige Angebote und Programme. Oft spezialisieren sich einzelne Einrichtungen auf bestimmte Alters- und Zielgruppen (z. B. Jugendliche, LĂŒckekinder, MĂ€dchen, âŠ) und drĂŒcken dies nicht selten in ihrer Eigenbezeichnung aus. Entsprechend werden die Angebote der jeweiligen Einrichtung gestaltet.
Bundeseinheitlich sind die §§ 11â15 (Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit) des KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) die gesetzliche Grundlage der meisten Einrichtungen.

in Hamburg-Hamm
TrÀgerschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die TrĂ€ger von Jugendfreizeiteinrichtungen sind in der Regel Kommunen (StĂ€dte oder Gemeinden) sowie Kirchen oder andere freie TrĂ€ger der Jugendhilfe (z. B. Feuerwehren, DRK, ASB, örtliche Vereine). Die Fachaufsicht hat in der Regel das örtliche Jugendamt bzw. die Gemeinde-Jugendpflege. Mittels des Instrumentes des Jugendhilfeausschusses, werden unter anderem die Fördermittel fĂŒr die einzelnen Einrichtungen festgesetzt.
Da es â im Gegensatz zum Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz â in Deutschland bislang noch keine verbindliche Verpflichtung fĂŒr die Kommunen zum Betrieb von Jugendfreizeiteinrichtungen gibt, sind immer wieder â im Zuge von allgemeinen SparmaĂnahmen â Einrichtungen von der SchlieĂung bedroht.
Im Saarland besteht der zunĂ€chst bundesweite organisierte und Mitte der 1970er Jahre gegrĂŒndete Verband saarlĂ€ndischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e. V. (juz-united) fort.[1]
ArbeitsansÀtze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Typische Arbeitsschwerpunkte und die damit verbundenen sozialpÀdagogischen Konzeptionen von Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen sind hÀufig eine Kombination aus mehreren der folgenden AnsÀtze:
- PrĂ€vention und FreizeitpĂ€dagogik: Alternativen zu âHerumhĂ€ngenâ und Langeweile durch attraktive Programme (z. B. Discos, Ferienprogramme, Kinder- und Jugendfreizeiten, Gruppenangebote) sowie durch unverbindliche Treffmöglichkeiten im CafĂ©betrieb mit Spielmöglichkeiten (typisch sind Kicker, Tischtennis, Billard und Spieleverleih an der Theke)
- Beratung und Einzelfallhilfe: in schwierigen Lebenslagen und bei jugendtypischen Problemen (z. B. Ăbergang Schule-Beruf, Eltern, Drogen, Liebe und Sex, Rechtsfragen)
- Kultur und Subkultur: Realisation jugendkultureller Veranstaltungen (z. B. Konzerte, Musikfestivals, Jugendtheater)
- Bildung: Seminare und Workshops zu jugendrelevanten Themen (z. B. Gruppenleiterschulung, Bewerbungstraining, Selbstverteidigungskurs, Internet-Seminar)
- Partizipation: Teilhabe, Mitgestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten bei Programmen und Projekten, in Teams und Arbeitsgruppen (z. B. Caféteam, Discoteam, Konzert-Arbeitsgruppe) sowie eventuell in Gremien oder dem Jugendhausverein
- Party-zipation: RĂ€ume und FreirĂ€ume fĂŒr Jugendliche und junge Erwachsene, (z. B. Vermietungen und private Raumnutzungen auĂerhalb der Ăffnungszeiten, Raumvergabe an verschiedene Nutzergruppen, ProberĂ€ume fĂŒr lokale SchĂŒlerbands)
- Gemeinwesenorientierung und Vernetzung: Kooperation mit Schulen, VerbĂ€nden, Institutionen und Initiativen vor Ort bei Jugendthemen, Service und Verleih von SpielgerĂ€ten oder Veranstaltungstechnik fĂŒr Jugend- und Kulturveranstaltungen
- MedienpĂ€dagogische Projekte: EinfĂŒhrung und Schulung der Jugendlichen in den Umgang mit den zukunftsweisenden neuen Medien (Filmprojekte, Internet, Homepagedesign etc.)
Selbstverwaltete JugendhÀuser
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter dem Begriff selbstverwaltet wird dabei verstanden, dass in dem Jugendhaus keine Leiter, wie angestellte SozialpĂ€dagogen, die Entscheidungsgewalt in Grundsatzfragen haben. Stattdessen entscheiden ehrenamtlich Mitarbeitende gemeinsam, beziehungsweise der Vereinsvorstand oder eine Vollversammlung der Jugendlichen u. a. ĂŒber Ziele, Veranstaltungsinhalte oder die Verwendung der Finanzen, basisdemokratisch. In diesem Rahmen können Jugendliche sich selbst und ihre FĂ€higkeiten entdecken. Auch lernen sie die Funktionsweise von Demokratie kennen, Interessen durchzusetzen, die der anderen zu akzeptieren, und dass nicht allen alles gerecht werden kann. Oft fehlten und fehlen finanzielle Mittel, denn die StĂ€dte unterstĂŒtzen solche Einrichtungen nur bedingt (bzw. gar nicht).
Wahrscheinlich das Ă€lteste selbstverwaltete noch bestehende Jugendzentrum in Deutschland ist das der Aktion Jugendzentrum Backnang e. V., gegrĂŒndet und am 6. April 1971 ins örtliche Vereinsregister eingetragen. Ebenfalls 1971 entstand die selbstverwaltete Aktion Jugendzentrum NeumĂŒnster e. V. (AJZ), sowie am 15. November 1971 der Jugendclub Wadrill e. V.[2]
In den 1970er Jahren war die Frage der Selbstverwaltung bzw. der Mitbestimmung oft eine der wesentlichen Konfliktlinien zwischen den eher auf friedliche Kooperation bzw. Koexistenz mit den kommunalen AutoritÀten setzenden Gruppen wie der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten der SPD (Jusos) und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) einerseits und den auf Konfrontation bereiten Gruppen bzw. einzelnen Jugendlichen.
Selbstverwaltung wurde in den 1970er Jahren wiederholt und teilweise bis heute anhaltend versucht, mit Hausbesetzungen durchzusetzen (z. B. in Bremen ein Haus Auf den HĂ€fen, in West-Berlin das Georg-von-Rauchhaus, das Tommy-Weisbecker-Haus, die Putte im Wedding, das Arbeiterjugendzentrum Bielefeld und das Erich-Dobhardt-Haus Dortmund).
Mobile Jugendzentren
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In Gegenden, in denen es keine festen Jugendzentren gibt, können mobile Jugendzentren (etwa in Form von Bussen) deren Funktionen vor Ort bringen und so solchen Kindern und Jugendlichen einen Zugang ermöglichen, die ansonsten zu weit abgelegen wohnen.
Ein Beispiel hierfĂŒr ist das mobile Jugendzentrum Of(f) Road, ein Gemeinschaftsprojekt der Kaiserswerther Diakonie und des Jugendamtes DĂŒsseldorf fĂŒr den DĂŒsseldorfer Norden. Ein umgebauter ehemaliger Linienbus bietet Spiele, Ansprechpartner, eine gemĂŒtliche Sitzecke und Internetzugang.[3][4]
Jugendkulturwerke und -zentren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine besondere Art von Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen stellen die sogenannten Jugendkulturwerke und -zentren dar, deren Schwerpunkte eine breite Palette generations- und nationalitĂ€tsĂŒbergreifender Angebote sowohl im kulturellen und sportlichen als auch im gestalterisch-handwerklichen und kreativen Bereich umfassen; in eigenen WerkstĂ€tten und TechnikrĂ€umen bieten diese eine preisgĂŒnstige oder gar kostenlose Alternative zu kommerziellen Einrichtungen. Als ein gutes Beispiel eines solchen Zentrums kann man das âJugend-, Kultur- und Werkzentrum Grenzalleeâ in Berlin betrachten.[5]
Zielgruppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jugendfreizeiteinrichtungen als niederschwellige Angebote erreichen insbesondere benachteiligte, sozial schwĂ€chere junge Menschen, die andernorts oft ausgegrenzt werden (Exklusion). So spiegelt die typische Besucherstruktur einer Jugendfreizeiteinrichtung mit ihrem hohen Anteil Jugendlicher aus Migrantenfamilien multi-kultureller Herkunft, ĂŒberproportionalem Anteil an Haupt- und FörderschĂŒlern sowie einem hohen Anteil verhaltensschwieriger bis gewaltbereiter, vorzugsweise mĂ€nnlicher Jugendlicher gesamtgesellschaftliche Schieflagen wider.
Je nach Einrichtung und Arbeitsschwerpunkten werden mit zusĂ€tzlichen Angeboten weitere jugendliche Zielgruppen angesprochen. So wird im âGender-Mainstreamingâ mit geschlechtsspezifischer MĂ€dchenarbeit und in den letzten Jahren auch zunehmend ĂŒber Jungenarbeit versucht, die Chancengleichheit beider Geschlechter zu verbessern.
Kinderangebote (LĂŒcke-Treffs) und Teenie-Clubs richten sich an jĂŒngere Altersgruppen. In manchen Einrichtungen existieren nach oben AltersbeschrĂ€nkungen, um dem VerdrĂ€ngen der Kinder durch Jugendliche entgegenzuwirken. Kurse und besondere Einzelveranstaltungen zielen hĂ€ufig auch auf Erwachsene oder ehrenamtliche Helfer.
Personal
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen werden als hauptamtliches, pÀdagogisches Personal in der Regel SozialpÀdagogen, Sozialarbeiter, Jugend- und Heimerzieher und Erzieher oder andere pÀdagogische FachkrÀfte eingesetzt. HÀufig wird ein Teil der Arbeit von Bundesfreiwilligendienstlern, FSJŽlern, ehrenamtlichen Mitarbeitern und engagierten Einzelpersonen getragen und ermöglicht.
Zusammenarbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verschiedene Jugendeinrichtungen sind ihrerseits in Arbeitsgemeinschaften oder VerbĂ€nden zusammengeschlossen (z. B. AOJA im Landkreis TĂŒbingen, Kreisjugendringe, Landesjugendringe). Dort werden oft auch Arbeitshilfen (z. B. ABC der JugendhĂ€user) herausgegeben oder weitere Beratungsangebote gemacht.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Isabell Schirra: Vom âHaschhöhlenâ-Klischee zum sozialen Zentrum â Juz United erzĂ€hlt seine bewegte Geschichte. In: SaarbrĂŒcker Zeitung. 23. April 2025, abgerufen am 4. Oktober 2025.
- â Dreckige FĂŒĂe. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1971 (online).
- â Kreative Spenden-Idee: DĂŒsseldorfer Sparkasse fĂŒr die Jugend. In: Kaiserswerther Mitteilungen, 3/2009 (143. Jahrgang).
- â Spendenprojekte: Die Jugendarbeit wird mobil â Projekt âOff-road Busâ nimmt Fahrt auf ( vom 17. Oktober 2011 im Internet Archive). Auf: Kaiserswerther Diakonie â Von hier aus helfen.
- â Jugend-, Kultur- und Werkzentrum Grenzallee, Berlin
