
Die Schlangenbeschuppung oder -pholidose bezeichnet die Lage und Anordnung der Hornschuppen der Schlangen sowie deren Besonderheiten im Aufbau. Schlangenschuppen sind die Körperbedeckung der Schlangen, deren Epidermis wie bei anderen Reptilien von Hornschuppen unterschiedlicher Form und GröĂe bedeckt ist. Sie schĂŒtzen den Körper der Schlange, verhindern den FlĂŒssigkeitsverlust, unterstĂŒtzen die Fortbewegung, verĂ€ndern die KörperoberflĂ€che hinsichtlich Eigenschaften wie zum Beispiel der Rauigkeit, um die Tarnung zu unterstĂŒtzen.
Die fĂŒr die Tarnung und als Warntracht wichtigen einfachen oder komplexen FĂ€rbungen und Zeichnungen sind auf die darunterliegende HautfĂ€rbung zurĂŒckzufĂŒhren, die Schuppen selbst sind farblos oder durch Melanineinlagerungen aus der Haut schwarz gemustert. Die Faltenstruktur der beschuppten Haut erlaubt es, auffallende FĂ€rbungen zwischen den Schuppen zu verbergen und plötzlich zu prĂ€sentieren, um damit Fressfeinde abzuschrecken.
Im Laufe der Evolution wurden die Schlangenschuppen auch fĂŒr andere Funktionen modifiziert, etwa als Augenbrauen-âFransenâ und als Schutzabdeckung fĂŒr das Auge.[1] Die stĂ€rkste Abwandlung der Hornschuppen stellt die Schwanzrassel der Klapperschlangen Amerikas dar. In regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden streifen Schlangen ihr Schuppenkleid ab und bilden ein neues. Diese HĂ€utung erlaubt den Ersatz beschĂ€digter Bereiche der alten Haut und hilft, Ektoparasiten zu entfernen. Vor allem lĂ€sst sie aber ein Wachstum der Schlange zu, das ansonsten durch das nur bedingt flexible Schuppenkleid behindert wĂŒrde. Anordnung, Struktur und Zeichnung der Schuppen werden als taxonomisches Merkmal zur Bestimmung der Arten und der Verwandtschaftsbeziehungen benutzt.
Funktion der Schuppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schlangenhaut und die Schuppen dienen wie bei allen Reptilien in erster Linie als Verdunstungsschutz und helfen so, eine Austrocknung zu vermeiden. Bedingt durch die Fortbewegungsart der Schlangen wurden vor allem die Bauchschuppen stark modifiziert, um die Reibung als primĂ€re Quelle des Energieverlustes bei der Fortbewegung zu reduzieren. Die Bauchschuppen der bodenlebenden Arten sind entsprechend groĂ und gebogen und damit sehr reibungsarm ausgebildet, wĂ€hrend baumlebende Schlangen die Kanten dieser Schuppen zusĂ€tzlich auch als Greifhilfe an Ăsten nutzen können.
Weiterhin registrieren Schlangen Vibrationen des Bodens und der sie umgebenden Luft und können beide voneinander unterscheiden, wobei sie ein komplexes System interner Resonanzbildungen nutzen, bei dem auch die Schuppen eine Rolle spielen.[2]
Morphologie der Schuppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schlangenschuppen werden durch die darunterliegende Haut beziehungsweise Epidermis geformt. Jede Schuppe hat eine Ă€uĂere und eine innere OberflĂ€che. Die innere OberflĂ€che bildet am Hinterende eine freie FlĂ€che, mit der die nachfolgende Schuppe ĂŒberlappt wird, die entsprechend unter dieser hervortritt.[3]
Eine Schlange kommt mit einer festen Anzahl von Schuppen auf die Welt. Die Anzahl der Schuppen vergröĂert sich nicht mit dem Wachstum und der Reife, noch verringert sie sich mit der Zeit. Allerdings werden die Schuppen gröĂer und können mit jeder neuen HĂ€utung auch ihre Form verĂ€ndern.
Um die Mundöffnung und an den Körperseiten haben Schlangen kleinere Schuppen, die eine VergröĂerung des Körpers bei der Nahrungsaufnahme ermöglichen, wodurch die Schlange auch sehr groĂe Beutetiere schlucken kann.
Schlangenschuppen bestehen aus Keratin, dem Material, das beim Menschen beispielsweise die Haare und FingernĂ€gel bildet. Sie sind kĂŒhl und trocken.
OberflÀche und Form
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schlangenschuppen existieren in sehr unterschiedlichen Formen und GröĂen. Sie können rau sein oder eine glatte OberflĂ€che haben, viele haben lĂ€ngs verlaufende Kiele oder Wellen auf der OberflĂ€che. HĂ€ufig besitzen Schlangenschuppen Gruben, Tuberkel und andere Feinstrukturen, die entweder mit dem bloĂen Auge oder erst mikroskopisch sichtbar sind. Sie können in ihrer Form modifiziert sein und verschiedene Formen annehmen, etwa augenbrauenartig wie dies bei der Usambara-Buschviper (Atheris ceratophora) der Fall ist, oder sie bilden Schwanzrasseln wie bei den amerikanischen Klapperschlangen.
Verschiedene ursprĂŒngliche Schlangen wie die Riesenschlangen (Boidae) sowie eine Reihe von sehr abgeleiteten Gruppen wie die Vipern (Viperidae) besitzen ungleichmĂ€Ăig verteilte, kleine Kopfschuppen, andere Gruppen wie die Nattern (Colubridae) und Giftnattern (Elapidae) haben dagegen groĂe, symmetrisch angeordnete Schuppen auf dem Kopf, die als Schilde bezeichnet werden.

Schlangenschuppen kommen in unterschiedlichen Formen vor, etwa:
- rund (cycloid) wie bei Blindschlangen (Typhlopidae)
- lang und mit zugespitzten Enden wie bei der Nasen-Peitschennatter (Ahaetulla nasuta)
- breit und blattartig wie bei den Asiatischen Grubenottern (Trimeresurus spp.)
- quadratisch mit annÀhernd gleicher LÀnge und Breite wie bei der GebÀnderten Rattennatter (Ptyas mucosa).
- mehr oder weniger stark gekielt wie bei der Gestreiften Wassernatter (Amphiesma stolatum) oder den Sandrasselottern (Echis).
- mit zweizÀhnigen Spitzen
- dornartig nebeneinanderliegend wie bei den Plump-Seeschlangen (Lapemis).
- groĂe, nicht ĂŒberlappende Knoten wie bei Xenodermis javanicus.
Ein weiteres Beispiel fĂŒr die Modifikation von Schlangenschuppen ist die transparente Schuppe, die das Auge der Schlange bedeckt und als Brille bezeichnet wird. Diese Brille wird hĂ€ufig als zusammengewachsenes Augenlid betrachtet. Wie die anderen Schuppen wird sie bei der HĂ€utung erneuert.
Schwanzrassel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die stĂ€rkste Abwandlung der Schlangenschuppe ist die Schwanzrassel der Klapperschlangen. Diese Schwanzrassel besteht aus einer Reihe locker verbundener, ineinander verhakter Kammern. Wenn die Rassel geschĂŒttelt wird, vibrieren die Kammern gegeneinander und erzeugen so das Warnsignal der Klapperschlange. Nur die Basis-Kammer ist fest mit dem Schwanz verbunden.[4]
Eine neugeborene Klapperschlange hat nur eine kleine Kammer oder âBasalrasselâ, die mit der Schwanzspitze fest verbunden ist. Das erste Segment wird bei der ersten HĂ€utung ergĂ€nzt.[4] Bei jeder weiteren HĂ€utung wird eine weitere Kammer ergĂ€nzt, bis eine Rassel entsteht. Die Rassel wĂ€chst also mit zunehmendem Alter der Schlange, aber die Segmente brechen auch leicht ab; die LĂ€nge der Rassel ist also kein zuverlĂ€ssiges MaĂ fĂŒr das Alter der Schlange.[4]
Farbe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schuppen bestehen ĂŒberwiegend aus festen Beta-Keratinen, die grundsĂ€tzlich durchsichtig sind. Mit Ausnahme von Blau und GrĂŒn entstehen die Farben der Schuppen durch Pigmente in den inneren Lagen der unter den Schuppen liegenden Haut, nicht durch das Schuppenmaterial selbst. Blau entsteht als Strukturfarbe durch den Bau der Schuppen. Diese Schuppen beugen Licht und erscheinen daher blau. Wenn dieses Blau mit einer GelbfĂ€rbung der darunterliegenden Hautschicht verbunden ist, ist das Ergebnis ein leuchtendes GrĂŒn.
Einige Schlangenarten können die Farbe ihrer Schuppen langsam verÀndern. HÀufig werden Schlangen zum Beispiel im Laufe der Jahreszeiten heller oder dunkler. In einigen FÀllen kann dieser Farbwechsel aber auch zwischen Tag und Nacht erfolgen.
HĂ€utung
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Die AbstoĂung der Schuppen wird als Ecdysis oder HĂ€utung bezeichnet. Bei Schlangen wird die Ă€uĂere Hautschicht vollstĂ€ndig abgestoĂen. Schlangenschuppen stehen nicht einzeln, sondern sind Ausbildungen der Haut. Sie werden daher auch nicht einzeln gehĂ€utet, sondern bei jeder HĂ€utung als zusammenhĂ€ngende, Ă€uĂere Hautschicht abgestoĂen, Ă€hnlich einem von innen nach auĂen gedrehten Strumpf.
Die HĂ€utung dient mehreren Zwecken: Zum ersten wird die alte und abgenutzte Haut ersetzt, zum zweiten werden Ektoparasiten wie Zecken oder Milben entfernt, und zum dritten ist die HĂ€utung auch eine Voraussetzung fĂŒr ein weiteres Wachstum.
Die HĂ€utung findet im Leben einer Schlange in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden statt. Vor einer HĂ€utung stellt die Schlange die Nahrungsaufnahme ein und sucht oft einen sicheren Unterschlupf auf. Kurz vor der HĂ€utung wird die Haut trĂŒbe und trocken, und auch die das Auge bedeckende Schuppe (Brille) wird weiĂlich oder blĂ€ulich trĂŒbe. Die innere OberflĂ€che der alten Hautschicht verflĂŒssigt sich, so dass sich die alte Haut von der neuen abtrennt. Nach einigen Tagen werden die Augen wieder klar. Die alte Haut bricht am Maul auf und die Schlange windet sich aus der alten Haut heraus, oft reibt sie sich dazu an rauen OberflĂ€chen. HĂ€ufig pellt sich die alte Haut in einem StĂŒck vom Kopf bis Schwanz ab, wie ein alter Strumpf. Dabei kommt die darunter neu gebildete, gröĂere und hellere Haut zum Vorschein. Die abgeworfene Schlangenhaut oder Exuvie wird auch als âNatternhemdâ bezeichnet.
Eine Ă€ltere Schlange hĂ€utet sich meist nur ein- oder zweimal im Jahr; eine schnell wachsende junge Schlange jedoch bis zu viermal im Jahr. Die abgestoĂene Haut liefert ein perfektes Abbild der Beschuppung und kann bei guter Erhaltung zur Artbestimmung benutzt werden.
Anordnung der Schuppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]AuĂer am Kopf ĂŒberlappen die Schuppen wie die Dachziegel eines Daches. Schlangen haben Schuppenreihen ĂŒber die gesamte KörperlĂ€nge. Insbesondere am Kopf, aber auch an anderen Körperstellen gibt es auĂerdem viele spezialisierte Schuppen, die einzeln oder paarweise vorhanden sind.
Die dorsalen oder RĂŒckenschuppen sind in Reihen ĂŒber die gesamte KörperlĂ€nge angeordnet. Benachbarte Reihen sind diagonal gegeneinander versetzt. Die Zahl der Schuppenreihen ist in der Körpermitte am gröĂten und verringert sich nach vorn und hinten. Bei einigen aquatischen und marinen Arten sind die Schuppen rundlich. Bei diesen Arten können die Reihen daher nicht gezĂ€hlt werden.
Schuppenbezeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die verschiedenen Schuppen des Kopfes und des Körpers der Schlange sind im Folgenden anhand von Fotografien der Gestreiften Wassernatter (Amphiesma stolata), einer in SĂŒdasien verbreiteten Schlange, dargestellt.


Kopfschilde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Benennung der Kopfschilde beginnt im Regelfall mit dem Bezug auf die Nasenlöcher, die bei der Schlange leicht zu identifizieren sind. Es gibt zwei Schilde, die die Nasenlöcher beinhalten, die entsprechend als Scuta nasalia oder einfach nur als Nasalia bezeichnet werden. Das Ă€uĂere Nasale (zur Schnauzenspitze hin) ist dabei das Praenasale, das innere (zum Auge) das Postnasale. Die Schuppen auf der Oberseite der Schnauze, die die Nasalia berĂŒhren, nennt man Internasalia.
Zwischen den beiden Praenasalia befindet sich ein einzelner Schild an der Schnauzenspitze, der Scutum rostrale oder einfach Rostrale genannt wird.
Die Schuppen um die Augen werden als Circumorbitalia oder Scuta ocularia bezeichnet. Eine Besonderheit stellt hier die transparente Schuppe dar, die das Auge bedeckt und die als Okularschuppe oder Brille bezeichnet wird. Die Circumorbitalia vor dem Auge (von der Schnauzenspitze aus) heiĂen Praeocularia, die hinter dem Auge liegenden heiĂen Postocularia. Oberhalb der Augen liegen die Supraocularia, die bei vielen Schlangen aus einer einzelnen Platte bestehen und zu Strukturen wie Hörnern oder Ă€hnlichem ausgebildet sein können (beispielsweise bei den Afrikanischen Hornvipern (Cerastes)). Die Schuppen am unteren Rand der Augen werden als Subocularia bezeichnet.
Zwischen den Praeocularia und den Postnasalia können sich die ZĂŒgelschilde (Lorealia) befinden. Die Schuppen, die die Ober- und Unterlippen bilden, sind die Labialia, wobei die Oberlippenschuppen als Supralabialia und die Unterlippenschuppen als Sublabialia oder Infralabialia bezeichnet werden.
Auf der Kopfoberseite zwischen den Augen und an die Supralabialia angrenzend befinden sich die Frontalia, davor liegen die Praefrontalia bis zur Schnauzenspitze und den Internasalia, mit denen sie in Kontakt stehen. Auf dem Hinterkopf hinter den Augen und im Anschluss an die Frontalia schlieĂen sich die Parietalia an, darunter liegen die Temporalia.
Auf der Unterseite des Kopfes besitzt die Schlange eine vordere Schuppe, die als Scutum mentale oder Mentale bezeichnet wird und der Rostrale gegenĂŒbersteht. An diese schlieĂen sich die Sub- oder Infralabialia an. Unterhalb des Kopfes liegt ein Paar vorderer und dahinter ein Paar hinterer Kinnschilde. Zwischen den hinteren Kinnschilden im Bereich der Kehle liegen die Gularia, dahinter beginnen die Bauchschuppen oder Ventralia. Die Mentalgrube ist eine Grube unterhalb des Kopfes, die zentral zwischen den Kinnschilden und den Gularia liegt.
Körperschuppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schuppen, die den Körper bedecken, werden als Dorsalia oder Costalia bezeichnet. Manchmal befindet sich eine Reihe vergröĂerter Schuppen auf der RĂŒckenmitte entlang der WirbelsĂ€ule, die dann als Vertebralia bezeichnet werden. Die vergröĂerten Schuppen der Bauchseite sind die Ventralia oder Gastrostegen.
Bei vielen abgeleiteten Schlangen (Caenophidia) sind die Ventralia mit den Wirbelkörpern der WirbelsÀule verbunden, wodurch die Anzahl der Wirbel ohne Vivisektion durch AbzÀhlen der Schilde bestimmt werden kann.
Schwanzschuppen
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Am Ende der Ventralia schlieĂt sich eine hĂ€ufig geteilte Analplatte (Scutum anale) an, die die Kloake umgibt. Der Körperabschnitt hinter dieser Anale wird bei der Schlange als Schwanz bezeichnet.
HĂ€ufig haben Schlangen auf der Schwanzunterseite vergröĂerte Schilde, die einfach oder paarig ausgebildet sein können. Dabei handelt es sich um die Subcaudalia oder Urostegen. Sie können glatt oder gekielt sein. Das Ende des Schwanzes lĂ€uft im Regelfall zu einer einfachen Schwanzspitze aus, wie dies bei den meisten Schlangen der Fall ist. Es kann jedoch auch einen Dorn wie bei den australischen Todesottern (Acanthophis) oder einen knöchernen Sporn wie beim Buschmeister (Lachesis muta) bilden. Bei den Klapperschlangen bildet es die bereits behandelte Schwanzrassel und bei den Seeschlangen einen abgeflachten Ruderschwanz.
Terminologie der Schuppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Legende
| f ag in l la laâČ m n p | Frontale Vordere Kinnschilde Internasale Loreale Supralabialia Sublabialia Mentale Nasalia Parietalia | pf pg pro pso pto r so t v | PrĂ€frontalia Hintere Kinnschilde PrĂ€oculare PrĂ€suboculare Postocularia Rostrale Supraoculare Vordere und hintere Temporalia Erstes Ventrale |
Die Terminologie insbesondere der Kopfschuppen kann art- und gruppenspezifisch stark variieren. Dies ist vor allem auf die in den verschiedenen Taxa unterschiedlich ausgeprĂ€gte Kopfbeschilderung zurĂŒckzufĂŒhren. Diese Liste enthĂ€lt die gebrĂ€uchlichsten Benennungen:
- Kopfschuppen
- Rumpfschuppen
- Dorsale
- Vertebrale
- Ventrale, Gastrostege
- Schwanzschuppen
- Anale
- Subcaudale, Urostege
- Weitere gebrÀuchliche Fachbegriffe
- Canthus rostralis, abgekĂŒrzt auch als Canthus
- Mentalgrube
Bedeutung fĂŒr die Taxonomie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schuppenmerkmale spielen keine wesentliche Rolle bei der Unterscheidung der Familien, sehr wohl jedoch bei der Unterscheidung auf dem Niveau von Gattungen und Arten. Daher gibt es eine spezifische Nomenklatur fĂŒr die Schuppen der Schlangen. Struktur und OberflĂ€che der Schuppen, ihre Anordnung und Farbe sowie die Teilung der Analschuppen (Anale) sind in Kombination mit anderen morphologischen Charakteristika die wesentlichen Merkmale, um Schlangen auf Artniveau systematisch einzuordnen.
In bestimmten Regionen Nordamerikas mit einer relativ geringen Anzahl von Arten sind leicht verstĂ€ndliche BestimmungsschlĂŒssel auf der Basis einer einfachen Identifikation von Schuppen entwickelt worden, die auch Laien eine Unterscheidung giftiger von ungiftigen Arten ermöglichen sollen.[5][6] In anderen Regionen mit einer hohen DiversitĂ€t von Schlangen, wie zum Beispiel in Burma, ist eine solche Unterscheidung jedoch nicht ohne eine sorgfĂ€ltige Untersuchung der jeweiligen Schlange möglich.[7]
Zur Untersuchung von Schuppenmerkmalen muss eine Schlange gefangen und Kopf und Körper in der Hand sehr sorgfĂ€ltig betrachtet werden. Die heute verfĂŒgbaren hochauflösenden Digitalkameras ermöglichen jedoch bei den richtigen Aufnahmeperspektiven die genaue Untersuchung der Beschuppung und damit hĂ€ufig die Bestimmung ohne Fang.
Die Beschuppung kann bei Feldstudien auch fĂŒr die individuelle Identifizierung genutzt werden. Die KĂŒrzung bestimmter Schuppen wird hĂ€ufig fĂŒr die Markierung von Individuen benutzt, um im Rahmen von Fang-Wiederfang-Experimenten die GröĂe einer Population abzuschĂ€tzen.
Kulturelle Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schlangen sind weltweit ein Motiv in der menschlichen Kultur und Religion und faszinierendes und abschreckendes Objekt. Die lebhafte Zeichnung der Schuppen, wie zum Beispiel bei der Gabunviper, fasziniert den menschlichen Geist und schreckt ihn gleichzeitig ab. Solche Zeichnungen haben seit prĂ€historischer Zeit Furcht oder Verehrung inspiriert, wie man an der Kunst aus jener Zeit erkennen kann. Studien zur Auslösung von Furcht und psychischer Erregung durch Bilder legen nahe, dass die Beschuppung eine wesentliche Komponente unseres Bildes von Schlangen darstellt. Schlangenschuppen scheinen auch die islamische Kunst beeinflusst zu haben, denn bestimmte MosaikoberflĂ€chen zeigen groĂe Ăhnlichkeit mit Schuppenzeichnungen von Schlangen.[8]
Schlangenhaut hat durch ihre hĂ€ufig sehr regelmĂ€Ăigen Kreuz- oder Netzzeichnungen einen Ă€sthetischen Wert und wurde daher zur Herstellung vieler Artikel aus Leder verwendet, auch zur Herstellung von modischem Zubehör.[8] Die Nutzung von SchlangenhĂ€uten hat jedoch zur GefĂ€hrdung vieler Schlangenpopulationen gefĂŒhrt.[9] Dies hatte internationale BeschrĂ€nkungen des Handels mit bestimmten Arten oder Populationen zur Folge (Washingtoner ArtenschutzĂŒbereinkommen). In vielen LĂ€ndern werben heute TierschĂŒtzer fĂŒr die Verwendung kĂŒnstlicher Schlangenhaut aus bedrucktem Leder, gemusterten kĂŒnstlichen Geweben, Kunststoffen oder anderen Materialien.[8]
Zitierte Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â The Centre for Reptile and Amphibian Conservation and Management, Indiana: The Snakes of Indiana. online ( vom 19. April 2012 im Internet Archive). Aufgerufen am 19. Juli 2008.
- â Peter H. Hartline: Physiological Basis for Detection of Sound and Vibration in Snakes. In: Journal of Experimental Biology. 54, 1971, S. 349â371 (Abstract).
- â Harry W. Greene: Snakes - The Evolution of Mystery in Nature. University of California Press, Berkeley 1997, ISBN 0-520-20014-4, S. 22.
- â a b c Chris Mattison: Rattler! A natural history of Rattlesnakes. Blandford, London 1996, ISBN 0-7137-2534-6, S. 23â27.
- â North Carolina State Wildlife Damage Notes - Snakes ( vom 15. Januar 2015 im Internet Archive), North Carolina State University. Aufgerufen am 19. Juli 2008.
- â Pennsylvania State University - Wildlife Damage Control 15 ( des vom 16. Januar 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 196 kB)
- â A. E. Leviton, G. O. U. Wogan u. a.: The Dangerously Venomous Snakes of Myanmar, Illustrated Checklist with Keys. In: Proceedings of the California Academy of Sciences. 54 (24), 2003, S. 407â462.
- â a b c Eckart Voland, Karl Grammer: Evolutionary Aesthetics. Springer Verlag, 2003, ISBN 3-540-43670-7, S. 108â116.
- â The Endangered Species Handbook - Trade (chapter) Reptile Trade - Snakes and Lizards (section) ( vom 6. MĂ€rz 2006 im Internet Archive). Aufgerufen am 19. Juli 2008.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- George A. Boulenger: The Fauna of British India including Ceylon and Burma, Reptilia and Batrachia. Taylor and Francis, London 1880.
- J. C. Daniels: Book of Indian Reptiles and Amphibians. BNHS. Oxford University Press, Mumbai 2002.
- W. Harry: Greene: Snakes - The Evolution of Mystery in Nature. In: University of California Press. 2004, S. 22â23 (excerpted from Google Book Search beta on 7. August 2006).
- A. E. Leviton, G. O. U. Wogan u. a.: The Dangerously Venomous Snakes of Myanmar, Illustrated Checklist with Keys. In: Proceedings of the California Academy of Sciences. 54, Nr. 24, 2004, S. 407â462.
- David Mallow, David Ludwig, Göran Nilson: True Vipers. Natural History and Toxicology of Old World Vipers. Krieger Publishing Company, Malabar (Florida) 2003.
- Malcolm A. Smith: The Fauna of British India, Ceylon and Burma including the whole of the Indo-Chinese Sub-region. Reptilia and Amphibia. Vol I - Loricata and Testudines, Vol II-Sauria, Vol III-Serpentes. Taylor and Francis, London 1943.
