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Strukturformel
Strukturformel von Indol
Allgemeines
Name Indol
Andere Namen
  • 1H-Indol (IUPAC)
  • Benzo[b]pyrrol
  • 2,3-Benzopyrrol
  • INDOLE (INCI)[1]
Summenformel C8H7N
Kurzbeschreibung

farblose Blättchen, die rein einen blumenartigen und verunreinigt einen unangenehmen Geruch besitzen[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 120-72-9
EG-Nummer 204-420-7
ECHA-InfoCard 100.004.019
PubChem 798
ChemSpider 776
DrugBank DB04532
Wikidata Q319541
Eigenschaften
Molare Masse 117,15 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[2]

Dichte

1,22 g·cm−3 (20 °C)[3]

Schmelzpunkt

52 °C[3]

Siedepunkt

254 °C[3]

Dampfdruck

1,6 Pa (25 °C)[4]

Löslichkeit

schwer in Wasser (3,56 g·l−1 bei 25 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​311​‐​319​‐​400
P: 264​‐​273​‐​280​‐​301+312​‐​302+352+312​‐​305+351+338[3]
Toxikologische Daten

1000 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[2]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Indol ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der aromatischen, heterocyclischen Amine und kommt als Substanz oder Strukturfragment in vielen Naturstoffen vor.

Geschichte

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Baeyers Originalstruktur von Indol, 1869

Die Indol-Chemie begann mit dem Studium des häufig verwendeten Farbstoffs Indigo. Indigo kann in Isatin und weiter zu Oxindol umgewandelt werden. 1866 reduzierte Adolf von Baeyer Oxindole mit Hilfe von Zinkstaub zu Indol.[5] 1869 schlug er eine Strukturformel für Indol vor.[6]

Bestimmte Indolderivate waren wichtige Farbstoffe bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In den 1930er-Jahren stieg das Interesse an Indol, als bekannt wurde, dass Indol Grundbestandteil vieler wichtiger Naturstoffe wie Alkaloide (zum Beispiel Strychnin und Auxin) und der Aminosäure Tryptophan und von ihr abgeleiteter Neurotransmitter (Serotonin, Melatonin) ist. Es bleibt ein aktiver Bereich der Forschung bis heute.[7]

Vorkommen

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Indol kommt natürlich in Jasmin vor

Indol ist im Jasminblütenöl,[8] Goldlacköl, aber auch in den Blüten der Gewöhnlichen Robinie,[8] der Gartenhyazinthe,[8] des Gemeinen Flieders,[9] der Strauß-Narzisse,[9] der falschen Akazie und im Aronstab enthalten. Indol ist in Süßholzwurzeln,[8] den Ölen von Jasmin, Neroli, Bitterorangen und Narcissus jonquilla,[10] den Blüten von Zitronen, Kaffee, Hevea brasiliensis und Randia Formosa,[10] in Gemüsekohl,[8] Aprikosen,[10] Trauben,[10] Kohlrabi,[10] Kartoffeln,[10] Sojabohnen,[10] Mais,[8] Tee,[8][10] Pilzen,[10] Reis,[10] Feigen,[10] den Schalen von Mandarinen[10] und in verarbeiteten Lebensmitteln, wie Käse,[10] Milch,[10] Fleisch,[10] Milchpulver,[10] Fischöl,[10] Buchweizen,[10] Bier,[10] Wein,[10] Rum[10] oder Lakritz[10] zu finden.

In höheren Konzentrationen ist Indol, als Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan, neben Skatol (3-Methylindol), Ursache für den typischen Gestank von Fäkalien. Es ist ebenfalls in der bei 240 bis 260 °C siedenden Steinkohlenteer-Fraktion enthalten.

Indol ist Teil der proteinogenen Aminosäure Tryptophan.

Darstellung

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Indol oder Indolderivate lassen sich auf verschiedene Arten darstellen. So unter anderem durch:

  • Fischersche Indolsynthese:
Fischer-Indol-Synthese
Fischer-Indol-Synthese
  • Japp-Klingemann-Reaktion
  • Bischler-Möhlau-Indolsynthese
  • Larock-Indolsynthese
  • Madelung-Indolsynthese
  • Batcho-Leimgruber-Indol-Synthese
  • Nenitzescu-Indolsynthese
  • Gassman-Indol-Synthese
  • Reissert-Indol-Synthese
  • Fürstner-Indol-Synthese

Verwendung

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Indol ist Grundbaustein für Farbstoffe, Hormone und Alkaloide. In geringen Konzentrationen vermittelt Indol den typischen Blütenduft und wird daher auch Parfüms zugesetzt. Die bekanntesten vom Indol abstammenden Farbstoffe sind das Indigo und der antike Farbstoff Purpur. Das Hormon Melatonin (N-Acetyl-5-methoxytryptamin), der Neurotransmitter Serotonin (5-Hydroxytryptamin) sowie das Auxin Indol-3-essigsäure enthalten Indol als Strukturelement. Unter den Alkaloiden, die Indol enthalten, seien die Strychnos-Alkaloide (z. B. Strychnin und Brucin), die Mutterkornalkaloide (Ergotamin und sein synthetisches Derivat LSD) sowie der Pilzinhaltsstoff Psilocybin genannt. Zudem wird es für die Herstellung künstlicher Jasmin- und Neroliöle verwendet.

Eigenschaften

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Indol ist schwach basisch, bildet aber mit Säuren kaum Salze; stattdessen reagiert es leicht zu harzigen Polymeren. Durch Alkalimetalle wird das NH-Proton abstrahiert. Bei elektrophilen Reaktionen reagiert bevorzugt der Pyrrol-Ring. Indol inhibiert die Enzyme Chymotrypsin, Lysozym und Tryptophanase.

Die Existenz des zu 1H-Indol tautomeren, thermodynamisch instabileren 3H-Indol[S 1] (auch Indolenin genannt) konnte 1994 spektroskopisch nachgewiesen werden:


Tautomeres Gleichgewicht zwischen 1H- und 3H-Indol

In einer wässrigen Lösung bei pH 9 und 25 °C beträgt die Gleichgewichtskonzentration von 3H-Indol 1–2 ppm (Gleichgewichtskonstante pKT= 5,8 ± 0,2). Die Tautomerie verläuft sowohl säurekatalysiert, als auch, wenngleich weniger effektiv, basenkatalysiert. So erfolgt beispielsweise der säurekatalysierte Wasserstoffaustausch in der 3-Position über das 3H-Indol.[11]

Nachweis

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Der Indol-Test wird bei der Identifizierung von Bakterien verwendet. Hierzu gibt man einen Tropfen Dimethylaminobenzaldehyd (Ehrlich-Reagenz, Kovacs-Reagenz) in das MIO-Röhrchen der Bunten Reihe, das sich kirschrot verfärbt, wenn Tryptophan zu Indol abgebaut wurde.

Indolderivate

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Indolnomenklatur

Es gibt zahlreiche Indolderivate, die in der Natur (Beispiel: Tryptophan), Technik (Beispiel: Indigo) und Pharmakologie (Beispiel: Indometacin) eine Rolle spielen.

Weblinks

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Commons: Indole – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Eintrag zu INDOLE in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 30. Juni 2020.
  2. ↑ a b c Eintrag zu Indol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 20. Juni 2014.
  3. ↑ a b c d e f Eintrag zu Indol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 20. Januar 2022. (JavaScript erforderlich)
  4. ↑ Sicherheitsdatenblatt Indol. In: Fa. Merck KGaA. Abgerufen am 12. August 2022. 
  5. ↑ Adolf Baeyer: Ueber die Reduction aromatischer Verbindungen mittelst Zinkstaub. In: Justus Liebigs Annalen der Chemie. Band 140, Nr. 3, 1866, S. 295–296, doi:10.1002/jlac.18661400306. 
  6. ↑ A. Baeyer, A. Emmerling: Synthese des Indols. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Band 2, Nr. 1, 1869, S. 679–682, doi:10.1002/cber.186900201268. 
  7. ↑ R. B. Van Order, H. G. Lindwall: Indole. In: Chemical Reviews. Band 30, Nr. 1, 1942, S. 69–96, doi:10.1021/cr60095a004. 
  8. ↑ a b c d e f g INDOLE (englisch). In: Dr. Duke's Phytochemical and Ethnobotanical Database, Hrsg. U.S. Department of Agriculture, abgerufen am 5. August 2023.
  9. ↑ a b INDOL (englisch). In: Dr. Duke's Phytochemical and Ethnobotanical Database, Hrsg. U.S. Department of Agriculture, abgerufen am 5. August 2023.
  10. ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v George A. Burdock: Fenaroli's Handbook of Flavor Ingredients. CRC Press, 2004, ISBN 978-1-4200-3787-6, S. 145 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  11. ↑ Ivo G. Gut, Jakob Wirz: 3 H ‐Indole. In: Angewandte Chemie International Edition. Band 33, Nr. 11, 1994, S. 1153–1156, doi:10.1002/anie.199411531. 

Externe Links zu erwähnten Verbindungen

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  1. ↑ Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu 3H-Indol: CAS-Nr.: 271-26-1, PubChem: 3083560, ChemSpider: 2340747, Wikidata: Q27116522.
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Kategorien:
  • Gesundheitsschädlicher Stoff bei Verschlucken
  • Giftiger Stoff bei Hautkontakt
  • Augenreizender Stoff
  • Umweltgefährlicher Stoff
  • Indol
  • Aromastoff (EU)
  • Adolf von Baeyer
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