
Als Hexe wird in MÀrchen, Mythen, Religionen und im Volksglauben eine mit ZauberkrÀften ausgestattete Frau bezeichnet.
In der europĂ€ischen Kultur wurde seit dem spĂ€ten Mittelalter angenommen, Hexen stĂŒnden durch einen Teufelspakt oder die Teufelsbuhlschaft mit DĂ€monen oder dem Teufel in Verbindung. Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde der Begriff Hexe bzw. Hexer als Fremdbezeichnung fĂŒr Frauen und MĂ€nner verwendet, die unter dem Vorwurf der Hexerei verfolgt wurden.
Hexe wird heute auch als abwertende Bezeichnung fĂŒr eine weibliche Person genutzt, die der Sprecher als bösartig oder hĂ€sslich herabsetzen möchte.[1]
Wortherkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das deutsche Wort Hexe (zu mittelhochdeutsch hecse, hesse, althochdeutsch hagzissa, hagazussa) ist eine verdunkelte Zusammensetzung, deren Verwandte sich nur im westgermanischen Sprachraum finden: mittelniederlĂ€ndisch haghetisse und altenglisch hĂŠgtesse (im Neuenglisch zu hag verkĂŒrzt).[2] Althochdeutsch hag bedeutet Zaun, Hecke, Gehege. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg[3] sieht im althochdeutschen hag nicht Zaun, Hecke, Gehege, sondern die einzelne Zaunlatte, auf der das Hexenwesen reite.
FrĂŒher Wortgebrauch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1402/03 ist in einem Rechnungsbuch aus Schaffhausen von einem âhegsen brandâ, also einer Hexenverbrennung, die Rede.[4] Der Begriff âHexereyeâ wird 1419 in einem Zaubereiprozess gegen einen Mann im schweizerischen Luzern verwendet.[5] Der Humanist Johannes Aventinus nennt um 1526 diverse Schreibweisen und Varianten des Wortes Hecsen, HĂ€cs, HĂ€ts, Hets, HĂ€tz.[6]
Andere Bezeichnungen im Deutschen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Ă€ltere deutsche Bezeichnung der Hexe ist Unholde oder Unholdin, mĂ€nnliche Form Unhold. Dieser Ausdruck bezeichnet auch Gespenster oder allgemein dĂ€monische Wesen. In SĂŒddeutschland wurden Drude oder Trude und Truderer, Trudner, in Norddeutschland die niederdeutschen AusdrĂŒcke Töversche und Töverer (= âZauberischeâ, vgl. niederlĂ€ndisch tovenaar, âZaubererâ), Wickersche und Wicker, Galstersche und Galsterer (mittelhochdeutsch Galster bedeutet âZauberliedâ, vergleiche Nachti-âgallâ) oder Böterin und Böter (= Gesund-âBetendeâ, Heilende) verwendet.
Nach den zugeschriebenen Eigenschaften und FĂ€higkeiten der Hexen wurden auch die Begriffe Milchstehlerin und Milchstehler,[7] BockÂreiterin und Bockreiter, Gabelreiterin und Gabelreiter, Zaunreiterinnen (tĂșnriÄur),[8] Weissagerin und Weissager, Zeichendeuterin und Zeichendeuter, Mantelfahrerin und Mantelfahrer, Kristallseherin und Kristallseher oder allgemein Böse Leute (Malefikanten) verwendet.
Hexenglaube
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hexenglaube ist der Glaube an die reale Existenz von Hexen mit ZauberkrÀften, wie er im Volksglauben vorkommt und der sich zum Hexenwahn steigern kann.
Antike
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 13. Jahrhundert v. Chr. beschuldigte der hethitische GroĂkönig MurĆĄili II. seine Stiefmutter und amtierende GroĂkönigin Tawananna, durch Hexerei sowohl seinen Sprachfehler als auch den Tod seiner Ehefrau verursacht zu haben.[9] Im frĂŒhen Judentum des Alten Testaments wird Zauberei bekĂ€mpft.
Auch in anderen antiken Kulten gab es das Bild der Schadenzauberin und krĂ€uterkundigen[10] Zauberin, zum Beispiel Kirke und Medea in der griechischen Mythologie. Beide sind mĂ€chtige Zauberinnen mit KrĂ€uterwissen und verschiedenen magischen FĂ€higkeiten, die sie einsetzen, um zu helfen oder zu schaden. In der antiken Literatur tauchen âHexenâ als zauberkrĂ€ftige Menschenfrauen wie Kirke und Medea auf, die mit Magie und Giften angeblich Menschen und Tiere verzaubern konnten. Ovid erzĂ€hlte in den Fasti von Striges, anthropomorphen, hexenartigen Frauengestalten, und Horaz schrieb ĂŒber die Canidia.
Vor allem die antike Göttin Hekate war stark mit dem antiken Hexenglauben verbunden. UrsprĂŒnglich wurde sie als eine gĂŒtige und wohltĂ€tige Göttin angesehen, doch ab dem 5. Jahrhundert vor Christus wurde sie zur Schirmherrin aller magischen KĂŒnste. Man glaubte, sie fĂŒhre die Zauberinnen an und lehre diese ihre KĂŒnste. Die Hexenbilder des antiken Griechenlandes erinnern stark an die Hexenbilder, die im ausgehenden Mittelalter und der frĂŒhen Neuzeit entstanden (FĂ€higkeit der Verwandlung, das VerhĂ€ngen von Zaubern, Hexenflug, KrĂ€uterwissen, Menschenopfer und Leichenmissbrauch).
Im antiken römischen Recht stand die Schadenzauberei (z. B. mittels Fluchtafeln) unter Strafe.
Mittelalter und Neuzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von etwa 1300 bis 1550 kam es in Europa zu einem Anwachsen des Hexenglaubens, wobei auch Astrologie, Magie bzw. Zauberglauben und Traumdeutung eine zunehmende Bedeutung erlangten.[11] Der Kirche gelang es im Mittelalter nicht, den Hexenglauben aus dem Volksglauben zu verdrĂ€ngen. In verschiedenen Gegenden Europas konnten erhaltene VolksbrĂ€uche und -kulte erschlossen werden: Carlo Ginzburg wies in âI Benandantiâ (1966) fĂŒr Friaul das Weiterleben volkstĂŒmlicher antiker Traditionen im christlichen Gewand nach. FĂŒr Spanien hat Julio Baroja (Die Hexen und ihre Welt, 1967) in den Provinzen Biskaya und GuipĂșzcoa die Verbindung von Hexenglauben und einer Gebirgsgottheit Mari aufgezeigt. Keith Thomas (Religion and the Decline of Magic: Studies in Popular Beliefs in Sixteenth- and Seventeenth-Century England, 1971) konnte Ă€hnliche Ergebnisse in England finden.
Hexer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]MĂ€nnliche Hexen wurden in der Hexenlehre als Hexer, Zauberer, Drudner, Trudner, Hexerich[12] oder schlicht als Malefikanten (ĂbeltĂ€ter) bezeichnet. Hexenmeister galten als Lehrermeister der Hexerei.[13] Augustin LoĂ aus Plaidt 1629 Ă€uĂert in seinem GestĂ€ndnis, âdie wohlhabenden Hexen und Hexenmeister hĂ€tten in einem Palast diniert, er selbst habe nicht an diesem Tisch Platz nehmen dĂŒrfenâ.[14] Ein Drudner galt als krĂ€uterkundig, aber dennoch als ĂbeltĂ€ter.
Geschichte des Hexenglaubens in Skandinavien
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Bereits die germanischen Sagas berichten, dass Hexen und Zauberer zu bestrafen sind, da sie mit unerlaubten, magischen Mitteln ihren Willen anderen aufzwingen oder in die Natur eingreifen, um anderen Schaden zuzufĂŒgen. Beispielsweise wird von EirĂkr blóðÞx berichtet, dass er 80 Zauberer verbrennen lieĂ. Bei den sĂŒdgermanischen Völkern stand auf das Zubereiten von TrĂ€nken, welche die weibliche Unfruchtbarkeit bewirken, die Todesstrafe. MindeststrafmaĂ war fĂŒr Giftmischen, Wettermachen und Zauberei sieben Jahre â war dies auch verbunden mit dem Dienst oder Pakt mit bösen oder zumindest ĂŒberirdischen MĂ€chten, so wurden 10 Jahre daraus. Die Samen galten als besonders zauberkundig. Saxo Grammaticus schreibt:
âSunt autem Finni ultimi Septentrionis populi, vix quidem habitabilem orbis terrarum partem cultura ac mansione complexi. Acer iisdem telorum est usus. Non alia gens promptiore jaculandi peritia fruitur. Gandibus & latis sagittis dimicant, incantationum studiis incumbunt, veationibus callent. Incerta illis habitatio est, vagaque domus, ubicunque, ferma occupaverint locantibus sedes. Pandis trabibus vecti, conferta nivibus juga percurrunt.â
âDie Finnen sind ein Volk im Ă€uĂersten Norden, die einen kaum bewohnbaren Teil des Erdkreises bewohnen und dort das Land bebauen. Der tĂŒchtige Gebrauch der Speere ist bei ihnen ĂŒblich. Kein anderes Volk zieht besseren Nutzen aus der praktischen Kenntnis des Speerschleuderns. Sie kĂ€mpfen mit schweren und dicken Pfeilen, sie widmen sich der Zauberei, haben Erfahrung in der Jagd. Ihr Wohnsitz ist nicht fest, und ihr Haus ist unstet, wo auch immer nehmen sie ihren Wohnsitz in der Wildnis. Auf Reisen laufen sie auf gekrĂŒmmten Brettern durch zusammenhĂ€ngende Bergketten voller Schnee.â
Adam von Bremen schreibt im 11. Jahrhundert, dass in Norwegen Wahrsager, Vogeldeuter, Zauberer, Beschwörer und andere Diener des Antichrist leben wĂŒrden.
Schon in den islĂ€ndischen Sagas werden Zauberinnen erwĂ€hnt. Der Zauber bezog sich in der Regel auf die HerbeifĂŒhrung schweren Unwetters oder die Herstellung von Kleidung, die kein Schwert durchdringen konnte. Wie die Praktiken vollzogen wurden, wird so gut wie nie geschildert. Eine der ganz seltenen Schilderungen betrifft den Versuch einer zauberkundigen Frau, ihren missratenen Sohn dadurch vor Verfolgung zu schĂŒtzen, dass sie seine Gegner in Wahnsinn verfallen lassen wollte.
âOg er ĂŸeir brÊður komu að mĂŠlti Högni: âHvað fjanda fer hĂ©r að oss er eg veit eigi hvað er?â Ăorsteinn svarar: âĂar fer LjĂłt kerling og hefir breytilega um bĂșist.â HĂșn hafði rekið fötin fram yfir höfuð sĂ©r og fĂłr öfug og rĂ©tti höfuðið aftur milli fĂłtanna. Ăfagurlegt var hennar augnabragð hversu hĂșn gat ĂŸeim tröllslega skotið. Ăorsteinn mĂŠlti til Jökuls: âDreptu nĂș Hrolleif, ĂŸess hefir ĂŸĂș lengi fĂșs verið.â Jökull svarar: âĂess er eg nĂș albĂșinn.â HjĂł hann ĂŸĂĄ af honum höfuðið og bað hann aldrei ĂŸrĂfast. âJĂĄ, jĂĄ,â sagði LjĂłt, ânĂș lagði allnĂŠr að eg mundi vel geta hefnt Hrolleifs sonar mĂns og eruð ĂŸĂ©r Ingimundarsynir giftumenn miklir.â Ăorsteinn svarar: âHvað er nĂș helst til marks um ĂŸað?â HĂșn kvaðst hafa ĂŠtlað að snĂșa ĂŸar um landslagi öllu âen ĂŸĂ©r ĂŠrðust allir og yrðuð að gjalti eftir ĂĄ vegum Ăști með villidĂœrum og svo mundi og gengið hafa ef ĂŸĂ©r hefðuð mig eigi fyrr séð en eg yður.ââ
âUnd als die BrĂŒder herbeikamen, sprach Högni: âWas fĂŒr ein Teufel kommt dort auf uns zu? Ich weiĂ nicht, was es ist.â Thorstein erwiderte: âDa kommt Ljot, das alte Weib, und hat sich sonderbar geputzt.â Sie hatte sich die Kleider vorn ĂŒber den Kopf geworfen und ging rĂŒckwĂ€rts und streckte den Kopf zwischen den Beinen nach hinten. GrĂ€ulich war der Blick ihrer Augen, wie sie ihn wie die Trolle zu schieĂen wusste. Thorstein rief Jökul zu: âJetzt schlag Hrolleif tot. Du hast lange darauf gebrannt.â Jökul antwortete: âDazu bin ich gern bereitâ, und hieb ihm den Kopf ab und wĂŒnschte ihn zum Teufel. âJa, ja,â sagte Ljot, ânun war es nahe daran, dass ich meinen Sohn Hrolleif hĂ€tte rĂ€chen können. Aber die Ingimundssöhne sind gewaltige GlĂŒcksmĂ€nner.â Thorstein antwortete: âWarum meinst du das?â Sie sagte, sie habe das ganze Land umstĂŒrzen wollen, âund ihr wĂ€ret toll geworden und verrĂŒckt drauĂen bei den wilden Tieren geblieben. Und so wĂ€re es auch gekommen, wenn ihr mich nicht eher gesehen hĂ€ttet als ich euch.ââ
Westlicher Hexenbegriff im 20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1949 veröffentlichte Simone de Beauvoir das Werk Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, in dem sie Hexen als den Ă€ltesten und abgegriffensten aller Mythen bezeichnet: Der Mann werde durch âdas abgegriffene Vokabular der Feuilletonromane, in denen die Frau als Hexe, als Zauberin beschrieben wirdâ angelockt und ausgesaugt. âDie verderbte Hexe stellt die Leidenschaft der Pflicht, den gegenwĂ€rtigen Augenblick der Einheit der Zeit entgegen, sie hĂ€lt den Wanderer der Heimat fern, sie breitet Vergessen ĂŒber ihn ausâ.
GemÀà einer Erhebung des Instituts fĂŒr Demoskopie in Allensbach glaubten 1975 etwa zwei Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung an Hexen.[17] 1975 schrieb Alice Schwarzer in âDer kleine Unterschied und seine groĂen Folgenâ: Feministinnen sind âMannweiberâ, âPolitfurienâ und âBrockenhexenâ. âIch habe sehr schnell versucht, die Markierung als âHexe vom Dienstâ zu unterlaufen. Aus politischen GrĂŒnden, aber auch aus privaten: Eine solche HĂ€me verletzt trotz allem Wissen um die Motive der Geifernden.â
Emma Bonino, Feministin und Politikerin, ehemalige EU-Kommissarin, Angehörige der Radikalen Partei in Italien, das Informationszentrum fĂŒr Sterilisation und Abtreibung. Deshalb wurde sie 1975 von Papst Paul VI. als Hexe bezeichnet.
In den 1970er Jahren demonstrierten italienische Frauen gegen das Abtreibungsverbot und liefen mit den Worten âTremate, tremate, le streghe son tornateâ durch die StraĂe (âErzittert, erzittert, die Hexen sind zurĂŒckgekehrtâ).[18]
1977 und 1978 gab es in Freiburg und 1981 in Kassel in der Walpurgisnacht Demonstrationen von Frauen gegen Vergewaltigung.

Glauben Sie an den bösen Blick oder daran, dass bestimmte Menschen FlĂŒche oder ZaubersprĂŒche aussprechen können, die jemandem etwas Schlimmes zustoĂen lassen?
Moderner Hexenglaube und moderne Hexenverfolgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moderner Hexenglaube und die damit an vielen Orten einhergehende Hexenverfolgung beschreibt soziale Strömungen nach dem Abflauen der Hexenverfolgung in der FrĂŒhen Neuzeit in Europa und Amerika.
Der Glaube an Hexen und ihre Verfolgung als Personen, die vermeintlich Schadenzauber ausfĂŒhren, sind in vielen LĂ€ndern und Kulturen[20], z. B. in Lateinamerika, SĂŒdostasien[21] und vor allem in Afrika[22][23], auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiterhin gegeben. Seit 1960 sind Historiker Wolfgang Behringer zufolge vermutlich mehr Menschen wegen Hexerei hingerichtet oder umgebracht worden als wĂ€hrend der gesamten europĂ€ischen Verfolgungsperiode.[24] Dort werden seit den 1990er-Jahren jĂ€hrlich 100 bis 200 FĂ€lle von Morden an vermeintlichen Hexen bzw. Zauberern berichtet.[25] Der Hexenglaube hat nach einigen Untersuchungen teilweise erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Situation eines Landes.[26]


Hexentum im 21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch die Vorstellung, die Hexen seien eigentlich âweise Frauenâ gewesen, die von den Herrschenden verfolgt wurden, bietet der Hexentopos ein weites Spektrum der Identifikation fĂŒr das Neuheidentum und die Esoterikszene. Der Begriff Hexe wird hierbei neu verstanden. Als Hexe bezeichnen sich manche Frauen, die sich unter anderem mit HeilkrĂ€utern[27] und alten europĂ€ischen Religionen beschĂ€ftigen.[28] Auch MĂ€nner bezeichnen sich heute manchmal als âHexeâ. Im Modernen Hexentum gibt es verschiedenen Strömungen, die Traditionen genannt werden.
NaturspiritualitÀt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Natur wird in der NaturspiritualitĂ€t als heilig oder sogar gottgleich angesehen, sie gilt als Ursprung allen Seins, als allumfĂ€ngliche lebensspendende Kraft.[29][30] Moderne âHexenâ versuchen im Einklang mit der Natur zu leben und nutzen dazu verschiedene psychologische und meditative Techniken, die im Hexentum hĂ€ufig als Magie bezeichnet werden.[31][32][33]
FĂŒr die meisten Rituale innerhalb des Hexentums werden keine kĂŒnstlichen Dinge, sondern nur der eigene Körper und GegenstĂ€nde genutzt, die man entweder in der Natur finden kann oder die aus Dingen gefertigt wurden, die man in der Natur findet. Fast alle Rituale, Andachten und Festtage werden im Freien verbracht. In vielen Traditionen wird vorher andere Kleidung angelegt, um einen genauen Ăbergang vom Alltag in die magische Arbeit zu symbolisieren. Geburt, Leben und Tod, der Kreislauf von Tag und Nacht und der Wandel der Jahreszeiten werden als Naturwunder wahrgenommen und gefeiert. In Ritualen zu den Jahreskreisfesten wird der Natur unter anderem fĂŒr ihre Gaben gedankt.[34]
Strömungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wicca ist nicht nur ein spiritueller Pfad oder eine Lebensart, sondern auch eine Religion, die sich als neue Form einer heidnischen âNaturreligionâ der Hexen versteht. Die Traditionen des Wicca stammen vermutlich aus dem spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert aus der Region des New Forest. Der Begriff Wicca wurde von Gardner etabliert, welcher die Traditionen schriftlich fixierte, zusammenfasste und so den Grundstein fĂŒr den Wandel von einem spirituellen Pfad in eine organisierte Religion legte.[33][35]
Stregheria ist eine italienische Tradition des Hexentums, die erstmals 1899 schriftlich erwÀhnt wurde.[36] Seinen Ursprung hat Stregheria vermutlich im 14. Jahrhundert. Es orientiert sich sehr stark an okkulten Vorstellung und ist dem Wicca sehr Àhnlich, mit dem wesentlichen Unterschied, dass es keine Coven gibt und dass Göttin und Gott nicht nur als Sinnbilder, sondern als tatsÀchlich existent angesehen werden.[37]
Die Celtic Witches berufen sich speziell auf Wurzeln in der keltischen Mythologie und Religion.
Hexenfiguren in Literatur und Volkskunde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kategorie:Fiktive Hexe enthĂ€lt literarische Figuren zeitgenössischer Literatur und Film. Weitere kĂŒnstlerische Werke mit den Thema Hexerei sind in der Kategorie:Hexerei in der Kultur zu finden.
Literatur
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MĂ€rchen von Hexen finden sich zahlreich in der Sammlung der Kinder- und HausmĂ€rchen der BrĂŒder Grimm. Das bekannteste ist wohl das MĂ€rchen von HĂ€nsel und Gretel, in dem die Hexe mit allen Merkmalen dargestellt wird, die ihr der Volksglaube angedichtet hat. UnterstĂŒtzt wurden die beiden von ihrem Bruder Ludwig Grimm, der als Illustrator der ersten Auflage der Hexe ihr typisches Aussehen gab.
Die literarischen und filmischen Verarbeitungen des Hexenmotivs sind zahllos und reichen von Shakespeares Macbeth ĂŒber Goethes Faust, Fontanes Die BrĂŒckâ am Tay und Bulgakows Der Meister und Margarita bis etwa zum Warners: Lolly Willowes. Das traditionelle (Schreckens-)Bild der Hexe lebt in modernen MĂ€rchen wie Hexen von Eastwick fort.
Daneben zeigt sich jedoch eine neue Tradition positiver Hexenbilder in der Literatur. WĂ€hrend Die kleine Hexe bei Otfried PreuĂler (1957) wegen ihrer guten Taten noch zur AuĂenseiterin wird, kennen heutige KinderbĂŒcher ĂŒberwiegend âguteâ Hexen (Bibi Blocksberg, Lisbeth, Zilly, Charmed) oder lassen gute und böse Hexen gleichermaĂen zu (Harry Potter). Der Begriff der Hexe hat hier seine frĂŒhere negative Bedeutung weitgehend eingebĂŒĂt.
Die Hexe lebt oft in einem besonderen Hexenhaus. Im MĂ€rchen von HĂ€nsel und Gretel ist es zum Beispiel ein Pfefferkuchenhaus. Die Hexe Baba Jaga lebt dagegen in einem HĂ€uschen auf einem HĂŒhnerbein, das sich drehen kann.
Folklore und Fasnachtshexen
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Im Harz, wo fĂŒr die Walpurgisnacht das Treffen der Hexen auf dem Blocksberg (Brocken) vermutet wurde, wird das folkloristische Hexen-Brauchtum weiter gepflegt.[38]
Im Bereich der schwĂ€bisch-alemannischen Fastnacht wie auch in der tirolischen Fastnacht treten Fastnachtshexen auf, die sich im 20. Jahrhundert vor allem im schwĂ€bisch-alemannischen Raum inflationĂ€r vermehrt haben. Viele HexenzĂŒnfte beziehen sich ausdrĂŒcklich auf die Hexenverfolgung der FrĂŒhen Neuzeit.
Hexenfiguren in verschiedenen Kulturen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Baba Jaga, Hexe in der (ost)slawischen Mythologie und im MĂ€rchen
- Vedmak, slawische Mythologie
- Jenny Greenteeth, Flusshexe aus der englischen Folklore
- Louhi, Hexe des Nordlands im finnischen Kalevala-Mythos
- Ragana, litauische und lettische Hexe
- Yamauba, japanische Berghexe
- Yuki Onna, japanische Schneehexe
- GrĂœla, islĂ€ndische Hexenfigur
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gabriele Becker u. a. (Hrsg.): Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und AktualitÀt des Hexenbildes. 9. Auflage. Edition Suhrkamp. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 978-3-518-10840-6.
- Wolfgang Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. dtv, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-432-02957-9.
- Wolfgang Behringer: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung. 6., durchgesehene Auflage, C.H. Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-41882-2.
- Johannes Dillinger: Hexen und Magie. Eine historische EinfĂŒhrung. Campus, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38302-6.
- Richard van DĂŒlmen (Hrsg.): Hexenwelten. Magie und Imagination vom 16.â20. Jahrhundert. Frankfurt am Main 1987.
- Marco Frenschkowski: Die Hexen. Eine kulturgeschichtliche Analyse. (MarixWissen). Marix, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-86539-965-6.
- Gilbert G. Groud: Magie Noire. Ăber Hexenglauben in Afrika. Albin Michel, Paris 2003, ISBN 2-226-13642-8.
- Ronald Hutton: The Witch: A History of Fear, from Ancient Times to the Present. Yale University Press, New Haven 2017, ISBN 978-0-300-22904-2.
- Hexen. In: Lexikon des Mittelalters. Band 4, Sp. 2201â2204.
- NN: Hexen â Analysen, Quellen, Dokumente. Elektronische Ressource (CD-ROM), Directmedia Publishing, Berlin 2004, ISBN 3-89853-493-6.
- Matthias Pöhlmann (Hrsg.): Neue Hexen. Zwischen Kult, Kommerz und Verzauberung. (EZW-Texte. Bd. 186). Evangelische Zentralstelle fĂŒr Weltanschauungsfragen, Berlin 2006, ISSN 0085-0357.
- David Pickering: Lexikon der Magie und Hexerei. Aus dem Englischen ĂŒbersetzt von Regina van Treeck. BechtermĂŒnz Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0323-1.
- Felix Wiedemann: Germanische Weise Frau, Priesterin, Schamanin. Das Bild der Hexe im Neuheidentum. In: Uwe Puschner, G. Ulrich GroĂmann (Hrsg.): Völkisch und national. Zur AktualitĂ€t alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. (= Wissenschaftliche BeibĂ€nde zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Band 29). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-20040-5, S. 266â279.
- Hans-JĂŒrgen Wolf: Hexenwahn und Exorzismus. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. Historia Verlag, Kriftel 1980, ISBN 3-9800257-0-5.
Dokumentation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hexen â Chronik eines Massakers. Regie: Marie Thiry, ARTE F, Frankreich, 89 Minuten, 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Duden | Hexe | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 5. Dezember 2022.
- â Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 2005.
- â Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Tabu HomosexualitĂ€t â Die Geschichte eines Vorurteils. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-10-007302-9, S. 84 und 259â263.
- â Vgl. Erster Beleg fĂŒr eine Hexenverbrennung 1402 im Stadtarchiv Schaffhausen
- â Heike Albrecht: Hexenglauben, Hexenverfolgung, Hexenwahn im Deutschland der FrĂŒhen Neuzeit: Ansatz einer soziologischen Analyse. diplom.de, 2002, ISBN 978-3-8324-5556-9 (google.de [abgerufen am 6. Dezember 2022]).
- â Vgl. Johannes Aventinus: Bayerische Chronik. Buch I, Kapitel 65 Von den kriegsweibern (SĂ€mmtliche Werke 4/1), hrsg. von Matthias Lexer, MĂŒnchen: Christian Kaiser 1882, S. 148â153 (Online-Ressource, abgerufen am 5. Januar 2012); erste Drucke der Handschriften in Frankfurt von Simon Schard 1566 und Nikolaus Cisner 1580.
- â Auch Buttervögel, Schmiervögel oder SchmalzflĂŒgel, weil man meinte, dass Hexen sich zum Stehlen oder Vergiften der Milch und Butter in Schmetterlinge verwandeln können.
- â Die Edda (Simrock 1876): HĂąvamĂąl, Odins Runenlied.
- â Jörg Klinger: Die Hethiter, C.H.Beck, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-406-53625-0, S. 101.
- â Vgl. auch Dieter u. Barbara Beckmann: Alraun, BeifuĂ und andere HexenkrĂ€uter: Alltagswissen vergangener Zeiten. Frankfurt am Main / New York 1990.
- â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 19.
- â Hexerich, der. In: duden.de. Abgerufen am 7. Januar 2014.
- â Hexen. Hexen-Meister., Melissantes alias Johann Gottfried Gregorii, in GemĂŒths vergnĂŒgendes Historisches Hand-Buch fĂŒr BĂŒrger und Bauern : in welchem in Form eines kurtz gefaĂten Historischen Lexici von allerley StĂ€nden, KĂŒnsten, Handwercken und Wissenschafften, deren Urhebern und Erfindungen kurtze Nachricht ertheilet wird, Franckfurth und Leipzig, [Arnstadt], bey Johann Jacob BeĂŒmelburg, Digitalisat des MĂŒnchener Digitalisierungszentrum, Bayerische Staatsbibliothek
- â Rita Voltmer: Jagd auf âböse Leuteâ. Hexenverfolgungen in der Region um den Laacher See (16. bis 17. Jahrhundert). In: Plaidter BlĂ€tter. Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins. Plaidt 1.2003, S. 11â24.
- â Saxonis grammatici historiĂŠ DanicĂŠ libros XVI. Hrsg. v. Stephanus Johannis Stephanius. Sorö 1645. Lib. V, S. 93, Zeile 3 bis 9.
- â VatnsdĆla saga. Kap. 26.
- â Otto Prokop: Scheintod zwischen Glauben und Wirklichkeit. In: Tankred Koch: Lebendig begraben. Geschichte und Geschichten vom Scheintod. Edition Leipzig, 1990, ISBN 3-361-00299-0; Neudruck (Lizenzausgabe mit dem Titel Scheintod. Lebendig begraben) Tosa Verlag, Wien 2002, S. 10â30, hier: S. 17â18.
- â Silvia Bovenschen: Die aktuelle Hexe, die historische Hexe und der Hexenmythos. Die Hexe â Subjekt der Naturaneignung und Objekt der Naturbeherrschung. In: Gabriele Becker u. a. (Hrsg.): Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und AktualitĂ€t des Hexenbildes. 1995.
- â Witchcraft beliefs around the world: An exploratory analysis, Boris Gershman, PLoS ONE 17(11): e0276872. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0276872, 23. November 2022
- â Mandy De Waal: Witch-hunts: The darkness that wonât go away. In: dailymaverick.co.za. 30. Mai 2012, abgerufen am 5. Dezember 2022 (englisch).
- â Salman Ravi: Village 'witches' beaten in India. In: BBC News. 20. Oktober 2009, abgerufen am 12. April 2018 (englisch).
- â Adam Nossiter: Witch Hunts and Foul Potions Heighten Fear of Leader in Gambia. In: The New York Times. 20. Mai 2009, abgerufen am 12. April 2018 (englisch).
- â Thomas Veser, Ouagadougou: Burkina Faso: Die Seelenfresserinnen. In: FAZ.net. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 29. Juli 2022]).
- â Wolfgang Behringer, C. MĂŒller: Hexenverfolgung damals und heute. Deutsche Welle, 10. August 2020, abgerufen am 5. Dezember 2022.
- â UnterstĂŒtzung von Alten, Behinderten, Kleinkindern, Probleme alter Menschen - 02/2007 â Tansania Information. In: tansania-information.de. Abgerufen am 29. Juli 2022.
- â Wie der moderne Hexenglaube unseren Wohlstand gefĂ€hrdet. In: nationalgeographic.de. 30. November 2022, abgerufen am 27. Februar 2024.
- â vgl. exemplarisch: Gerd Haerkötter, Marlene Haerkötter: Hexenfurz und Teufelsdreck. Liebes-, Heil- und GiftkrĂ€uter: Hexereien, Rezepte und Geschichten (mit einem Anhang Hexen heute von Elisabeth Haerkötter), 4. Auflage. Frankfurt am Main 1987.
- â Werner Tschacher: Hexe/Hexenmuster/Hexenverfolgung. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler-Lexikon Religion. Gegenwart â Alltag â Medien. Bd. 2, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 38.
- â Anna-Lena Wulf: Hexentum. In: Pfad der Hexen. Archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 14. Februar 2022; abgerufen am 14. Februar 2022.
- â Gerhard Schormann: Hexe. In: Gerhard MĂŒller (Hrsg.): Theologische RealenzyklopĂ€die. Band 15. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-019098-4, S. 298 ff.
- â Shina Edea: Was ist eine Hexe. In: Der Lilienhain. Abgerufen am 4. Februar 2022.
- â Shina Edea: HĂ€ufige Fragen zum Thema Hexe. In: Der Lilienhain. Abgerufen am 4. Februar 2022.
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- â Deike Diening: Walpurgisnacht im Harz â Wenn Hexen und Teufel Kurtaxe zahlen. tagesspiegel.de, 1. Mai 2014.
