Hampton Roads â Yorktown â Williamsburg â Elthams Landing â Drewrys Bluff â Hanover Courthouse â Seven Pines â Oak Grove â Beaver Dam Creek â Gainesâ Mill â Garnetts & Goldings Farm â Savageâs Station â White Oak Swamp â Glendale â Malvern Hill

Der Halbinsel-Feldzug (englisch Peninsula(r) Campaign) von MĂ€rz bis Juli 1862 war ein Feldzug der Nordstaaten auf dem östlichen Kriegsschauplatz des Amerikanischen BĂŒrgerkriegs. Sein Ziel war es, ĂŒber die von James River, York River und Chesapeake Bay umgebene Virginia-Halbinsel im SĂŒdosten Virginias rasch nach Nordwesten vorzustoĂen und die Hauptstadt der Konföderierten Richmond einzunehmen.
Um die Verteidigungsstellungen der Konföderierten im Norden Virginias zu umgehen, wurde die Potomac-Armee der Union unter Generalmajor McClellan per Schiff nach Fort Monroe am sĂŒdöstlichen Ende der Halbinsel verlegt. Nach anfĂ€nglichen Erfolgen zwang eine Gegenoffensive der SĂŒdstaatenarmee unter General Lee die Unionstruppen zum RĂŒckzug. Das Scheitern der Nordstaaten wenige Meilen vor Richmond beendete bei Politikern wie MilitĂ€rs endgĂŒltig die Vorstellung von einem raschen Sieg und beschleunigte die Entwicklung des Konflikts zum âersten modernen Kriegâ.
Als mittelbare Folge Ă€nderten sich auch Charakter und Ziele des Krieges. Bis zum Halbinsel-Feldzug war die Wiederherstellung der Union in der Form von 1860 das offizielle Kriegsziel. Danach setzte sich zunehmend der Gedanke durch, dass das Ziel eine neue Union und die Abschaffung der Sklaverei in den SĂŒdstaaten sein mĂŒsse.[1]
Vorgeschichte
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Nach der Niederlage der Union am 21. Juli 1861 in der Ersten Schlacht von Manassas ĂŒbernahm Generalmajor McClellan am 27. Juli den Oberbefehl ĂŒber die im Norden Virginias und rund um Washington stationierten LandstreitkrĂ€fte der Union. McClellan hatte im Westen Virginias mit ĂŒberlegenen KrĂ€ften die ersten Erfolge fĂŒr die Union errungen und zum ersten Mal sein ĂŒberragendes Organisationstalent gezeigt. Im Herbst und im Winter lag sein Schwerpunkt in der Reorganisation der geschlagenen Army of Northeastern Virginia, der Vereinheitlichung und Modernisierung der AusrĂŒstung und der Ausbildung der Soldaten. Bei seinen Soldaten war der General, der eigene Verluste möglichst zu minimieren suchte, als âLittle Macâ auĂerordentlich beliebt. Als Mitglied der Demokratischen Partei war er jedoch vielen Politikern der regierenden Republikaner suspekt, und schon im Herbst mehrten sich die Stimmen, die McClellan vorwarfen, die reorganisierte Armee nicht in den Kampf zu fĂŒhren.[2]
Ziel des Feldzugs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]PrĂ€sident Lincolns Order Nummer 1 vom 27. Januar 1862[3], sah vor, dass die Armeen der Union am 22. Februar auf allen KriegsschauplĂ€tzen in die Offensive gehen sollten. Der Potomac-Armee befahl er, die Bedrohung der Hauptstadt durch die Nord-Virginia-Armee zu beenden, deren Versorgungslinien zwischen Manassas und den Blue Ridge Mountains zu unterbrechen und sie so zum Ausweichen nach SĂŒden zu zwingen.[4]
Operationsplan
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McClellan hatte Bedenken, die Nord-Virginia-Armee General Johnstons, die nur 30 km sĂŒdlich von Washington entlang des Bull Run in Stellung lag, anzugreifen, weil er befĂŒrchtete, sie sei seiner Potomac-Armee ĂŒberlegen. Er hatte schon im Herbst des Vorjahres einen Operationsplan entwickelt, der womöglich aufgrund seiner Erfahrungen als Beobachter im Krimkrieg entstanden war[5]. Dieser sah vor, die Armee von Annapolis in Maryland â der Potomac war durch die Konföderierten gesperrt â auf dem Seeweg nach Urbana in Virginia zu transportieren. Von dort aus, im RĂŒcken der Nord-Virginia-Armee, plante er, Richmond einzunehmen. Lincoln zögerte, dem Plan zuzustimmen, da ein Angriff auf dem Landweg garantiert hĂ€tte, dass die gesamte Armee stets zwischen den konföderierten Truppen und Washington gestanden hĂ€tte.[6] Trotz seiner BefĂŒrchtungen, die Hauptstadt militĂ€risch zu entblöĂen, stimmte er dem ursprĂŒnglich so genannten Urbana-Plan schlieĂlich zu, ordnete aber eine OrganisationsĂ€nderung in der Potomac-Armee an, nach der vier der fĂŒnf neu geschaffenen Korps mit republikanischen Kommandierenden Generalen besetzt wurden.[7] Vor der Realisierung des Feldzugsplans musste jedoch erst die Bedrohung der Transportschiffe durch das ĂŒberlegene konföderierte Panzerschiff Virginia beseitigt werden.
Ausgangslage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Seegefecht von Hampton Roads zwischen den Panzerschiffen Virginia und Monitor machte Johnston den Plan McClellans zunichte. Er gab am 7. MĂ€rz die Stellungen am Bull Run auf und wich mit der Nord-Virginia-Armee nach SĂŒden ĂŒber den Rappahannock in den Raum um Culpeper, Virginia, aus. Am 11. MĂ€rz enthob Lincoln McClellan des Oberbefehls des US-Heeres, damit er sich auf die FĂŒhrung der Potomac-Armee konzentrieren konnte.[8] McClellan ĂŒberarbeitete seinen Operationsplan, der jetzt vorsah, die Armee in Fort Monroe anzulanden, die Virginia-Halbinsel zu erobern und Richmond zu besetzen. Am 17. MĂ€rz schifften sich die ersten Truppenteile von insgesamt 121.500 Mann ein. Die restlichen Truppenteile der Potomac-Armee und die der Konföderation waren auf dem östlichen Kriegsschauplatz folgendermaĂen verteilt:
| Ort | Truppenteil | Befehlshaber | StÀrke |
|---|---|---|---|
| Union | |||
| sĂŒdlich Washington â Wehrbereich Rappahannock | I. Korps | Generalmajor McDowell | 35.000 |
| Shenandoahtal â Wehrbereich Shenandoah | V. Korps | Generalmajor Banks | 25.000 |
| Konföderation | |||
| bei Culpeper und Fredericksburg | Nord-Virginia-Armee | General Johnston | 49.000 |
| Warwick River zwischen Yorktown und James | Magruders Division | Generalmajor Magruder | 13.000 |
| Shenandoahtal | Jacksons Division | Generalmajor Jackson | 8.000 |
| Norfolk, Virginia | Hugers Division | Generalmajor Huger | 9.000 |
Am 4. April war die Potomac-Armee ohne das I. Korps McDowells und das V. Korps Banks im Raum um Ft. Monroe versammelt. Diese beiden Korps wurden am gleichen Tag aus der Armee herausgelöst, in die Wehrbereiche Rappahannock und Shenandoah eingegliedert und dem Kriegsministerium direkt unterstellt.[9]
Der Feldzug
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Belagerung von Yorktown und der konföderierte RĂŒckzug
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 5. April begann McClellan mit der Potomac-Armee den Marsch auf Richmond. Noch am selben Tag traf er auf ersten hartnĂ€ckigen Widerstand der Konföderierten. Generalmajor Magruders âHalbinsel-Armeeâ â eine Division mit 13.000 Mann â hatte Stellungen zwischen Yorktown und dem James entlang des Warwick Rivers bezogen. Wie bei seinem erfolgreichen Feldzug im westlichen Virginia ĂŒberschĂ€tzte McClellan die StĂ€rke der Konföderierten und entschloss sich, Yorktown zu belagern. Rund vier Wochen, bis Anfang Mai, benötigte McClellan, um BelagerungsgeschĂŒtze in Stellung zu bringen, wĂ€hrend Johnston mit seinen Truppen aus dem Norden in den SĂŒden Virginias eilte und Magruder verstĂ€rkte. WĂ€hrend dieser Zeit unternahm McClellan nur einen ernsthaften Versuch, in die Verteidigungsstellungen der Konföderierten einzubrechen.
Nach vorangegangener Artillerievorbereitung griff am Nachmittag des 16. April das 3. Vermont Regiment ĂŒber den aufgestauten Warwick River beim Damm No. 1 an und brach in die vorderen Stellungen der Konföderierten ein. Da das Regiment keine VerstĂ€rkungen erhielt und die Munition beim Ăberqueren des Flusses nass geworden war, musste es wieder auf das östliche Ufer ausweichen. Ein zweiter Angriff schlug fehl. Am 30. April standen sich auf Seiten der Union 118.242[10] und auf Seiten der Konföderierten 55.633[11] Mann gegenĂŒber. Am 3. Mai hatte McClellan schlieĂlich alle Vorbereitungen fĂŒr den Angriff abgeschlossen. Johnston wartete jedoch den Angriff nicht ab, sondern wich entgegen dem Befehl PrĂ€sident Davisâ mit allen Truppen auf vorbereitete Stellungen bei Williamsburg aus.
Die Potomac-Armee setzte scharf nach und stellte die Nachhut der Nord-Virginia-Armee bei Williamsburg. McClellan gelang es beinahe, die Konföderierten rechts zu ĂŒberflĂŒgeln, denen es nur mit MĂŒhe gelang, die Angriffe der Union abzuwehren. In der Nacht zum 6. Mai wich die Nord-Virginia-Armee erneut aus. McClellan meldete einen âgrandiosen Siegâ nach Washington, obwohl das Gefecht bestenfalls unentschieden ausgegangen war. Gleichzeitig forderte er das Kriegsministerium auf, McDowell und Banks das unverzĂŒgliche VorrĂŒcken auf Richmond zu befehlen. Zudem hatte McClellan eine weitere amphibische Operation in die Wege geleitet. Er beabsichtigte, vier Divisionen den York aufwĂ€rts zu verschiffen, im RĂŒcken der Nord-Virginia-Armee bei West Point zu entladen und sie von Richmond abzuschneiden. Franklins Division ging am Abend des 6. Mai bei Elthams Landing an Land, verblieb jedoch im Schutz des Feuers der Kanonenboote in der NĂ€he des Ufers. Johnston hatte von McClellans Absicht erfahren und seine Reserve unter Generalmajor Smith zur Sicherung des Marsches der HauptkrĂ€fte nach dort abgestellt. Am 7. Mai griffen die Konföderierten Franklins Truppen an und den HauptkrĂ€ften gelang es, auszuweichen. Nach diesem Fehlschlag verzichtete McClellan auf amphibische Operationen dieser GröĂenordnung wĂ€hrend des Feldzuges.
KĂ€mpfe zu Wasser
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf der anderen Seite des James machte Johnstons RĂŒckzug die Stadt Norfolk und mit ihr die Virginia, den Schrecken der US-Marine, unhaltbar. Nachdem am 9. Mai Unionstruppen ostwĂ€rts von Norfolk gelandet waren, rĂ€umte Generalmajor Hugers Division die Stadt und die Besatzung der Virginia zerstörte am 11. Mai ihr Schiff. Bereits am 7. Mai hatte McClellan gefordert, Kanonenboote den James aufwĂ€rts zu schicken und so seine linke Flanke zu entlasten. Lincoln befahl den Einsatz unter der Auflage, ihn nur durchzufĂŒhren, wenn er erfolgversprechend war.[12] Diesen Erfolg hatte die Virginia bis zu ihrer Zerstörung unmöglich gemacht. Am 11. Mai machte sich eine US-Flottille, zu der unter anderem die Panzerschiffe Monitor und Galena gehörten, flussaufwĂ€rts auf den Weg, um Richmond auf dem Wasserweg anzugreifen. Der Angriff wurde am 15. Mai im Ersten Gefecht an Drewrys Bluff zurĂŒckgewiesen, wobei unter den konföderierten Kanonieren auch die Besatzung der Virginia war.
Vormarsch auf Richmond und Schlacht von Seven Pines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]McClellan nutzte sein bisher erfolgreiches Vorgehen bei Yorktown und Williamsburg zur erneuten Auseinandersetzung mit dem PrĂ€sidenten wegen dessen Ănderung der Organisationsform seiner Armee. Am 9. Mai bat er den Kriegsminister um Erlaubnis, die Potomac-Armee reorganisieren zu dĂŒrfen. Zumindest wollte er âunfĂ€higeâ Kommandierende Generale absetzen dĂŒrfen. Er begrĂŒndete das darĂŒber hinaus damit, dass nur sein persönliches Eingreifen vor Williamsburg den Sieg gerettet hĂ€tte.[13] Lincoln antwortete ihm darauf in einem persönlichen Schreiben, er habe keine Verbindungen mit den in Frage kommenden Generalen, ebenso wie McClellan nicht mit denen kommuniziere. McClellans UnterstĂŒtzung im Senat und ReprĂ€sentantenhaus sinke von Tag zu Tag, aber wenn er sich fĂŒr stark genug halte, dann solle er fĂŒr den Erfolg der Armee alles tun.[14] Am 8. Mai erhielt McClellan Nachrichten, dass die KrĂ€fte vor Franklins Division zwischen 80.000â120.000 Mann stark seien und auf den Chickahominy auswichen.[15] Er rĂŒckte deshalb und weil die Konföderierten sĂ€mtliche BrĂŒcken ĂŒber den Fluss zerstört hatten, nur zögerlich nach Westen vor. Am 17. Mai erhielt McDowell den Auftrag, mit 35.000 bis 40.000 Mann nach SĂŒden vorzugehen,[16] wurde jedoch McClellan nicht unterstellt.
General Lee, der MilitĂ€rberater des konföderierten PrĂ€sidenten Davis, hatte bereits am 1. Mai Generalmajor Jackson angewiesen, soviel Nordstaatentruppen wie möglich auf sich zu ziehen und im Shenandoahtal zu binden.[17] Dieser Befehl fĂŒhrte wieder einmal zu Querelen mit General Johnston, der sich durch diese Anweisung ĂŒbergangen fĂŒhlte. Jacksons erfolgreiche Angriffe gegen die im Shenandoahtal verbliebenen Truppen der Union lieĂen Lincoln am 24. Mai McDowell befehlen, den Vormarsch auf Richmond einzustellen und die durch Jackson entstandene Gefahr zu beseitigen (vgl. Jacksons Shenandoah-Feldzug 1862). Proteste McDowells und McClellans lieĂ er nicht gelten. McClellan hatte inzwischen entschieden, Richmond â wie schon zuvor bei Yorktown â durch den Einsatz von BelagerungsgeschĂŒtzen einzunehmen. Am 18. Mai hatte er mit der Genehmigung des PrĂ€sidenten zwei neue vorlĂ€ufige Korps mit seiner Meinung nach fĂ€higeren Kommandierenden Generalen in der Potomac-Armee gebildet.[18] Noch vor dem RĂŒckzug McDowells war McClellan beauftragt worden, dessen Anmarsch durch die Unterbrechung der nach Norden fĂŒhrenden Fredericksburg & Richmond-Eisenbahnlinie zu unterstĂŒtzen. McClellan beauftragte damit das neue V. Korps unter Generalmajor Fitz John Porter. Um die Verbindungen innerhalb seiner Armee aufrechtzuerhalten, musste er die Korps Franklins und Sumners nördlich des Chickahominy einsetzen. Auf dem sĂŒdlichen Ufer befanden sich nur die Korps Keyesâ und Heintzelmanns.
Am 27. Mai kam es zum Gefecht bei Hanover Court House, bei dem es dem V. Korps gelang, die Eisenbahnlinien zu unterbrechen. Danach erhielt Porter den Auftrag, sich den anderen Korps der Armee zur Belagerung Richmonds am rechten FlĂŒgel am Chickahominy anzuschlieĂen. Der Chickahominy war eigentlich ein eher kleines FlĂŒsschen, aber starke RegenfĂ€lle hatten ihn in der letzten Zeit stark anschwellen lassen. Johnston, der rund 70.000 Mann um Richmond versammelt hatte, entschied sich, gegen den schwĂ€cheren FlĂŒgel von McClellans Armee sĂŒdlich des Chickahominy vorzugehen. Am 30. Mai kam es zur blutigen Schlacht von Seven Pines. Johnstons Angriff litt unter Koordinierungsproblemen und schlug fehl. Die Potomac-Armee verlor rund 5000, die Nord-Virginia-Armee rund 6000 Soldaten, darunter Johnston, der schwer verwundet wurde. An seine Stelle trat am 1. Juni 1862 General Robert Edward Lee.
Lees Gegenschlag â Seven Days
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Lee brach die Schlacht ab und wich auf seine Verteidigungsstellungen rund um Richmond aus, die er in den folgenden Wochen weiter ausbauen und befestigen lieĂ. McClellan wollte diese weiterhin nicht angreifen, sondern wartete auf seine schweren BelagerungsgeschĂŒtze. Am 11. Juni befahl Lee dem Kommandeur seiner Kavalleriebrigade, Brigadegeneral J.E.B. Stuart, einen AufklĂ€rungsritt in den RĂŒcken des Gegners,[19] in dessen Verlauf Stuart die Potomac-Armee vom 12. bis zum 15. Juni mit 1.200 Mann ĂŒber eine Strecke von etwa 250 km vollstĂ€ndig umrundete (âRide around McClellanâ). Der militĂ€rische Nutzen dieser Operation war gering, zeigte aber starke Auswirkungen auf die Kampfmoral. Stuart stellte fest, dass die rechte Flanke der Union, Fitz-John Porters nördlich des Chickahominy stationiertes V. Korps, ungedeckt und gegenĂŒber einem Flankenangriff nicht geschĂŒtzt war und McClellan war wieder einmal ĂŒber die StĂ€rke des Gegners und seiner scheinbar mĂŒhelosen Möglichkeiten beunruhigt.
Am selben Tag entschied Lee, Jacksons siegreiche Truppen aus dem Shenandoahtal in den Raum Ashland nördlich Richmonds zu verlegen.[20] In seinem Befehl fĂŒr den Angriff vom 24. Juni[21] plante er, mit einem kleinen Teil der Nord-Virginia-Armee sĂŒdlich des Chickahominy gegen das Gros der Potomac-Armee zu halten, wĂ€hrend die Masse frontal gegen Porter vorgehen und Jackson entlang des Pamunkey in der Flanke und im RĂŒcken angreifen sollte. Nach Porters Vernichtung beabsichtigte Lee, mit seinen Truppen McClellans Verbindungslinien nach Osten abzuschneiden und die Potomac-Armee dadurch endgĂŒltig zu besiegen. Das Ergebnis dieses Plans war die Sieben-Tage-Schlacht. Der Nord-Virginia-Armee gelang in keiner Schlacht ein entscheidender Sieg; in der Schlacht am Malvern Hill am 1. Juli wurde sie eindeutig besiegt. McClellan, der inzwischen vollends von seiner Unterlegenheit ĂŒberzeugt war, wich trotz des Sieges auf Stellungen am James bei Harrisons Landing aus, wohin er auch in den vorhergehenden Tagen seine Versorgungsbasis verlegt hatte. Von dort konnte er Richmond weder zu Lande noch zu Wasser erneut bedrohen. Auch wenn Lees ambitionierter Plan nicht funktioniert hatte und die konföderierten Verluste deutlich höher waren als die der Union, so war es ihm doch gelungen, die bis dato gröĂte Bedrohung von der Konföderation zu nehmen.
Das Ende des Feldzuges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verbleib der Potomac-Armee
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Potomac-Armee grub sich rund um Harrisons Landing im Schutz der GeschĂŒtze der US-Marine ein und blieb bis auf wenige Kavallerieraids tatenlos. Der Feldzug war damit endgĂŒltig beendet. Ihr Sieg hatte die SĂŒdstaaten rund 30.000 Mann gekostet, die Verluste des Nordens lagen bei etwa 24.000 Mann. Am 25. Juli hatte sich der designierte neue Oberbefehlshaber des US-Heeres, Generalmajor Henry W. Halleck mit McClellan in Harrisons Landing getroffen und ĂŒber den weiteren Einsatz der Potomac-Armee beraten. FĂŒr einen erneuten VorstoĂ nach Richmond forderte McClellan zunĂ€chst 50.000 gut ausgebildete Soldaten; Halleck hatte die Genehmigung, 20.000 Mann anzubieten. Am nĂ€chsten Morgen glaubte McClellan, mit der angebotenen VerstĂ€rkung einen Erfolg erzielen zu können. Zwei Tage spĂ€ter telegraphierte er Halleck, er bestehe auf mindestens 35.000 Mann. Wegen dieser nicht auflösbaren unterschiedlichen Forderungen befahl Halleck am 30. Juli den Abtransport der Verwundeten und am 3. August, inzwischen zum Oberbefehlshaber ernannt, den der Potomac-Armee nach Aquia Landing und Alexandria.[22] Diesen Befehl setzte McClellan nur sehr zögerlich um. Das III. Korps schiffte sich am 14. August,[23] das V. Korps am 21. August ein.[24]
Inzwischen hatte Generalmajor John Pope mit seinem Vormarsch nach SĂŒden begonnen und befand sich am 9. August im Raum Culpeper, Virginia. Er sollte durch Teile der Potomac-Armee verstĂ€rkt werden. Am 21./22. August befanden sich das III. und das V. Korps im Raum sĂŒdlich Washington, die aber erst am 26. August im Raum um Warrenton Junction fĂŒr Pope verfĂŒgbar waren. Nachdem kurz darauf die gesamte Armee im Raum Alexandria eingetroffen war, hielt McClellan sie mit fadenscheinigen BegrĂŒndungen zurĂŒck und unterstĂŒtzte in der Zweiten Schlacht am Bull Run nur marginal.[25]
GrĂŒnde des Scheiterns
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Potomac-Armee war zu diesem Zeitpunkt die gröĂte Armee, die jemals auf dem amerikanischen Kontinent aufgestellt worden war. Sie war ausgezeichnet ausgebildet und ausgerĂŒstet. Ihre Versorgung war gut organisiert. Die Soldaten hatten groĂes Vertrauen in ihre FĂŒhrung. Das VerhĂ€ltnis der FĂŒhrer untereinander war teilweise gespannt. Generalmajor McClellan hatte mit dem Plan fĂŒr den Feldzug eine schwierige Operation eingeleitet und sich wĂ€hrend des Feldzuges entschlossen, sowohl Yorktown als auch Richmond zu belagern. Dadurch verzögerte sich das Vorgehen der Armee jedes Mal um einen Monat, weil die schweren BelagerungsgeschĂŒtze erst mit der Eisenbahn herangebracht werden mussten. McClellan hatte bereits wĂ€hrend der Schlacht von Williamsburg befohlen, White House am Pamunkey zu nehmen und die Versorgungsbasis der Potomac-Armee dort einzurichten. White House war der Endpunkt der einzigen Eisenbahnlinie, der Richmond & York Railroad, auf der Halbinsel. Als wĂ€hrend der Sieben-Tage-Schlacht die Gefahr des ĂberflĂŒgelns von Porters V. Korps entstand, verlegte er die Versorgungsbasis nach Harrisons Landing an den James. Ein Transport der BelagerungsgeschĂŒtze nach Richmond auf dem Landweg war von dort aus nicht möglich. McClellan rĂŒckte mit seiner Armee nur langsam vor und ermöglichte es so Joseph E. Johnston, seine schwachen KrĂ€fte immer an anderen Stellen einzusetzen. Dadurch und durch schlechte AufklĂ€rung war McClellan davon ĂŒberzeugt, einer ĂŒberlegenen Nord-Virginia-Armee gegenĂŒberzustehen. Als er spĂ€ter vor der Sieben-Tage-Schlacht vom Herannahen Stonewall Jacksons erfuhr, glaubte er, die Nord-Virginia-Armee bestehe aus mindestens 200.000 Mann.
Zum Abbruch des Feldzuges trug auch McClellans VerhĂ€ltnis zum PrĂ€sidenten bei. Der militĂ€rische Autodidakt Lincoln bewunderte den âkleinen Napoleonâ zwar und lieĂ ihm auch schlechtes persönliches Betragen durchgehen. Auf Druck von Senatoren und Kongressabgeordneten, die ihre eigene Klientel in verantwortlichen Stellungen in der Potomac-Armee sehen wollten, und wegen der wachsenden Kritik an McClellans zögerlicher KriegfĂŒhrung, Ă€nderte der PrĂ€sident jedoch gegen dessen Willen die Gliederung der Armee und entband ihn vom Oberbefehl ĂŒber das US-Heer. Daraus ergaben sich McClellans stĂ€ndige Rufe nach VerstĂ€rkung und berechtigte Forderungen nach einheitlicher FĂŒhrung, zumindest fĂŒr das Vorgehen in Richtung Richmond. In persönlichen Schreiben versuchte der PrĂ€sident McClellan immer wieder zu beschwichtigen und genehmigte immer wieder seine PlĂ€ne â selbst McDowells Korps wurde ihm kurzzeitig wieder unterstellt. Der Druck der Ăffentlichkeit und die Bedrohung durch Jackson im Shenandoahtal lieĂen den PrĂ€sidenten seine Zusagen bald widerrufen. WĂ€hrend der Sieben-Tage-Schlacht schrieb McClellan daher den Brief, in dem er sĂ€mtliche Schuld an einer Niederlage dem PrĂ€sidenten zuschob,[26] die seiner Meinung nach auch prompt eintrat. Den wesentlichen Grund fĂŒr den Misserfolg der Union im Halbinsel-Feldzug sehen heutige Historiker aber genau wie zeitgenössische Kritiker in der Unentschlossenheit McClellans. Danach hat er gleich mehrere Chancen vergeben, Lees Truppen entscheidend zu schlagen und den BĂŒrgerkrieg damit womöglich rasch zu beenden.[27]
Auswirkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die politischen und militĂ€rischen Folgen des Scheiterns der Nordstaaten im Halbinsel-Feldzug waren weitreichend: Der konföderierte Sieg im Shenandoahtal und vor Richmond hob die Moral der SĂŒdstaaten betrĂ€chtlich und brachte mit Lee, Jackson und Stuart drei der bedeutendsten Kommandeure der Konföderation hervor. WĂ€hrend die Konföderation auf anderen KriegsschauplĂ€tzen schwere Niederlagen erlitt â im FrĂŒhjahr 1862 gingen der GroĂteil Tennessees, weite Teile des Mississippi-Tales und zahlreiche HĂ€fen verloren â errang die Nord-Virginia-Armee einen ihrer gröĂten Triumphe. Der Preis dafĂŒr war hoch: Allein die abschlieĂende Sieben-Tage-Schlacht hatte beide Seiten zusammen rund 35.000 Mann an Toten, Verwundeten, Vermissten und Gefangenen gekostet. Sie war damit die bis dahin verlustreichste Schlacht der amerikanischen Geschichte und ĂŒbertraf selbst die Schlacht von Shiloh im April 1862. Union und Konföderation hatten nun unwiderruflich den Weg zum totalen Krieg eingeschlagen, der spĂ€ter zu den verlustreichen Graben- und StellungskĂ€mpfen vor Petersburg und Atlanta fĂŒhren sollte.
Die im Norden herrschende Vorstellung von einem kurzen, weitgehend unblutigen Krieg zur âNiederwerfung der Rebellionâ war endgĂŒltig zunichtegemacht worden. Dies wurde offensichtlich, als Abraham Lincoln am 1. Juli 1862 weitere 300.000 Freiwillige anforderte, die Anfang August fĂŒr neun Monate einberufen wurden.[28] Die Wiederherstellung der alten Union, wie sie bis 1860 bestanden hatte, also unter Beibehaltung der Sklaverei, erschien immer mehr Nordstaatlern als ein zu geringer Gewinn fĂŒr die enormen Opfer an Menschenleben, Geld und Material, mit denen sie nach dem unrĂŒhmlichen Ende des Halbinsel-Feldzugs rechnen mussten. Abraham Lincoln beispielsweise war bis dahin nur ein gemĂ€Ăigter Gegner der Sklaverei gewesen. Er wollte, wie die meisten Republikaner, diese nicht abschaffen, sondern lediglich ihre Ausdehnung auf weitere Bundesstaaten und Territorien verhindern. Nun aber gelangte er zu der Ăberzeugung, dass die Sklaverei als letztliche Ursache des Konflikts gĂ€nzlich abgeschafft werden mĂŒsse und dass sich dafĂŒr nun auch eine Mehrheit bei der Bevölkerung des Nordens finden lieĂe. Im Sommer fasste er den Entschluss zur Emanzipationsproklamation, die nach der Schlacht am Antietam verkĂŒndet wurde und am 1. Januar 1863 in Kraft trat.[29] James M. McPherson, einer der fĂŒhrenden Historiker des BĂŒrgerkriegs, sah in Lees Erfolg wĂ€hrend des Halbinsel-Feldzugs eine âabgrĂŒndige Ironieâ:
âMit seinem Sieg ĂŒber McClellan sorgte Lee dafĂŒr, daĂ der Krieg bis zur Vernichtung der Sklaverei, des alten SĂŒdens und so gut wie aller Werte dauerte, fĂŒr die die Konföderation kĂ€mpfte.â[30]
Der Ausgang des Halbinsel-Feldzugs bewirkte also mittelbar, dass aus dem Krieg gegen die Sezession ein Krieg fĂŒr die Befreiung der Sklaven wurde.[31]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- The War of the Rebellion: a Compilation of the Official Records of the Union and Confederate Armies. Govt. Print. Off., Washington 1880 (cornell.edu).
- Robert Underwood Johnson, Clarence Clough Buell: Battles and Leaders of the Civil War. Century Co, New York 1887, OCLC 313673459 (englisch, [1]).
- John Keegan: Der amerikanische BĂŒrgerkrieg. Rowohlt, Berlin 2010, ISBN 978-3-87134-668-2.
- Bernd G. LĂ€ngin: Der amerikanische BĂŒrgerkrieg â Eine Chronik in Bildern Tag fĂŒr Tag. Weltbild, Augsburg 1998, ISBN 3-86047-900-8.
- James M. McPherson: Battle Cry of Freedom - The Civil War Era. Oxford University Press, New York, NY 1988, ISBN 0-19-516895-X.
- James M. McPherson: FĂŒr die Freiheit sterben â Die Geschichte des amerikanischen BĂŒrgerkriegs. List, MĂŒnchen/Leipzig 1995, ISBN 3-471-78178-1.
- James M. McPherson: The Atlas of the Civil War. Running Press Book, Philadelphia, Pa 2005, ISBN 0-7624-2356-0.
- William C. Davis: Der amerikanische BĂŒrgerkrieg â Soldaten, GenerĂ€le, Schlachten. Weltbild, Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0384-3.
- David J. Eicher: The Longest Night â A Military History of the Civil War. Simon & Schuster, New York 2001, ISBN 0-7432-1846-9 (englisch).
- Stephen W. Sears: To the Gates of Richmond: The Peninsula Campaign. Ticknor & Fields, New York 992, ISBN 0-89919-790-6 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â James McPherson: Battle Cry of Freedom - The Civil War Era. Oxford University Press, New York, NY 1988, ISBN 978-0-19-516895-2, S. 490â494.
- â McPherson: S. 351â353
- â War of the Rebellion: Serie I Band V Seite 41. In: ehistory.osu.edu. The Ohio State University, abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serie I Band V Seite 18. In: ehistory.osu.edu. The Ohio State University, abgerufen am 20. Juli 2023.
- â Keegan: Der Amerikanische BĂŒrgerkrieg. Rowohlt, Berlin 2010, S. 173f.
- â McPherson: S. 414.
- â War of the Rebellion: Serial 005 Page 0018. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serial 005 Page 0054. Abgerufen am 20. Juli 2023.
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- â The War of the Rebellion, Series I, Band XII, Teil III, S. 878:. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serial 014 Page 0181. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serial 014 Page 0590. Abgerufen am 20. Juli 2023.
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- â War of the Rebellion: Serial 013 Page 0498. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serial 016 Page 0005. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serial 016 Page 0411. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â War of the Rebellion: Serial 016 Page 0465. Abgerufen am 20. Juli 2023.
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- â War of the Rebellion: Serial 012 Page 0051. Abgerufen am 20. Juli 2023.
- â Keegan: S. 213.
- â Fred C. Ainsworth, Joseph W. Kirkley: War of the Rebellion: A Compilation of the Official Records of the Union and Confederate Armies. Cornell University Library, 1899, S. 187f., 291f., abgerufen am 20. Juli 2023 (englisch).
- â McPherson: S. 485â501.
- â McPherson: S. 481.
- â Keegan: S. 235â237.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Animation des Feldzuges auf WebprÀsenz American Battlefield Trust
