
Gregor Strasser (auch Gregor StraĂer; * 31. Mai 1892 in Geisenfeld; â 30. Juni 1934 in Berlin) war ein deutscher Politiker (NSDAP).
Als Kriegsveteran und ParamilitĂ€r trat er 1922 in die NSDAP ein, beteiligte sich 1923 aktiv am missglĂŒckten Hitlerputsch und stieg bei der NeugrĂŒndung der Partei 1925 zu einem fĂŒhrenden Politiker der Bewegung auf. Trotz sich frĂŒh abzeichnender ideologischer und realpolitischer Differenzen mit Adolf Hitler wurde er von diesem erst zum Reichspropagandaleiter und 1928 zum Reichsorganisationsleiter ernannt. In dieser Position, die der Aufgabe eines GeneralsekretĂ€rs entsprach, erlangte er eine fĂŒr Hitler bedrohliche Machtposition. Der Konflikt eskalierte 1932 in der Strasser-Krise, in der Strasser den Machtkampf gegen Joseph Goebbels verlor. Trotz seines freiwilligen RĂŒckzugs und der Versicherung, sich politisch nicht mehr betĂ€tigen zu wollen, wurde er 1934 beim sogenannten Röhm-Putsch im Zuge der Ausschaltung vermeintlicher oder tatsĂ€chlicher Gegenspieler Hitlers ermordet.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft und Ausbildung
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Gregor Strasser wurde 1892 als Ă€ltestes von fĂŒnf Kindern des bayerischen Juristen und Staatsbeamten Peter Strasser (1855â1928) und seiner Ehefrau Pauline Strobel (1873â1943) geboren. Zu Gregors Geschwistern zĂ€hlen der Benediktinermönch Bernhard Strasser (eigentlich Paul, 1895â1981) sowie der Publizist und Zeitungsverleger Otto Strasser (1897â1974), der die politische Laufbahn seines Bruders einige Jahre lang begleitete. Strassers Schwester Olga (* 1899) und der jĂŒngste Bruder Anton (âToniâ, 1906â1943), der Notar wurde und im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion umkam, spielten dagegen politisch keine Rolle.
Seine Kindheit verbrachte Strasser in der oberbayerischen Marktgemeinde Geisenfeld und im mittelfrĂ€nkischen Windsheim. Nach seinem Abitur, das er 1908 in Burghausen ablegte, machte er von 1910 bis 1914 in der Marien-Apotheke in Frontenhausen eine Lehre zum Drogisten. 1914 begann er an der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen ein Studium der Pharmazie.
Teilnahme am Ersten Weltkrieg und BetÀtigung in paramilitÀrischen VerbÀnden der Nachkriegszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 unterbrach Strasser sein Studium und meldete sich als Kriegsfreiwilliger zur Bayerischen Armee. Er wurde dem 1. FuĂartillerie-Regiment âvakant Bothmerâ zugeteilt, mit dem er bis 1918 durchgehend an der Westfront zum Einsatz kam (u. a. bei Vimy, Lens, Verdun, an der Lys und an der Somme). Im Januar 1916 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert. Er wurde mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet (Mai 1917 und August 1918) und erhielt im Oktober 1917 den bayerischen MilitĂ€rverdienstorden. Bei Kriegsende schied er im Rang eines Oberleutnants der Reserve aus der Armee aus.[1]
Strasser selbst behauptete spĂ€ter, er habe 1919 dem Freikorps Epp angehört und sich mit diesem an der Niederschlagung der MĂŒnchner RĂ€terepublik beteiligt. AuĂerdem will er 1920 am Kapp-Putsch mitgewirkt haben. Auch sein fĂŒnf Jahre jĂŒngerer Bruder Otto Strasser soll dem Freikorps angehört haben, war allerdings wĂ€hrend des Kapp-Putsches nachweislich FĂŒhrer einer regierungstreuen Arbeitermiliz. Armin Nolzen hat 2013 in seinem NDB-Artikel ĂŒber Gregor Strasser darauf hingewiesen, dass es fĂŒr die Mitgliedschaft der BrĂŒder in dem Freikorps ĂŒber ihre spĂ€teren Selbstdarstellungen hinaus keine belastbaren Nachweise gibt.[2] Bis Mitte 1922 ist auch eine direkte politische BetĂ€tigung Strassers nicht zu belegen.
Belegt ist demgegenĂŒber, dass Strasser als Veteran im Januar 1921 der Landshuter Ortsgruppe des Deutschen Offiziersbunds beitrat und bald darauf die FĂŒhrung des paramilitĂ€rischen Verbands nationalgesinnter Soldaten (VNS) ĂŒbernahm. Aus diesem Verband, der andernorts kaum Bedeutung erlangte, entstand in Landshut das von Strasser gefĂŒhrte âSturmbataillon Niederbayernâ. Dem Bataillon gehörten zeitweilig bis zu 2.000 Mann an, darunter auch der junge Heinrich Himmler, der zeitweise als Adjutant Strassers fungierte.
Abschluss der Berufsausbildung und FamiliengrĂŒndung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach seiner RĂŒckkehr in die Heimat zum Jahresende 1918 nahm Strasser sein kriegsbedingt unterbrochenes Studium an der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen wieder auf. Im Januar 1919 bestand er dort die pharmazeutische StaatsprĂŒfung mit dem PrĂ€dikat âsehr gutâ. Es folgte ein zweijĂ€hriges Praktikum als Apothekengehilfe in Simbach am Inn und Traunstein. Im Januar 1921 ĂŒbernahm er schlieĂlich eine Medizinaldrogerie in Landshut.
Ebenfalls 1920 heiratete Strasser Else Vollmuth (1893â1982), die Tochter des wohlhabenden Holzwarenfabrikanten Lorenz Vollmuth. Aus der Ehe gingen die am 7. Dezember 1920 geborenen Zwillinge GĂŒnter und Helmut hervor, die am 30. Juli 1941 bzw. am 27. Mai 1942 in Russland starben. Die spĂ€ter hĂ€ufig in der Literatur auftauchende Behauptung, Adolf Hitler sei der Taufpate der Jungen gewesen, wurde von dem Strasser-Biographen Heinrich Egner als eine von Strassers Bruder Otto in die Welt gesetzte Legende entlarvt (tatsĂ€chliche Taufpaten waren die beiden GroĂvĂ€ter der Jungen).[3]
Mitgliedschaft in der NSDAP
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum genauen Datum von Strassers Eintritt in die NSDAP gibt es unterschiedliche Angaben. In Teilen der Literatur wird als Datum des Parteieintritts der Februar 1921 angegeben.[4] Peter D. Stachura weist darauf hin, dass Strasser selbst unterschiedliche Angaben machte. Laut einer BroschĂŒre der NSDAP zum biographischen Hintergrund ihrer Reichstagsmitglieder trat Strasser im Februar 1921 ein â eine Information, die Stachura auf einen Artikel ĂŒber Strasser in der Parteipresse zurĂŒckfĂŒhrt. Strassers nationalsozialistischer Biograph Hans Diebow meint, Strasser habe die Landshuter Ortsgruppe der NSDAP gegrĂŒndet, kurz nachdem er im Februar 1921 Hitler habe reden hören. Otto Strasser berichtete von einem Treffen mit Hitler und Ludendorff in Landshut im Jahr 1920. Es sei unwahrscheinlich, so Stachura, dass diese Angaben zutrĂ€fen, weil Gregor Strasser erst 1921 nach Landshut zog. In der FrĂŒhgeschichte der am 13. Oktober 1920 gegrĂŒndeten Landshuter Ortsgruppe der NSDAP spielte Strasser keine Rolle. Eine Liste der bayerischen SA-FĂŒhrer nennt als Datum seines Parteieintritts Oktober 1922. Seine Parteimitgliedsnummer ist unbekannt.[5] Laut Armin Nolzen sei bis Mitte 1922 kein politisches Engagement Strassers nachzuweisen. Strasser sei ab Januar 1921 Mitglied der Landshuter Ortsgruppe des Deutschen Offizierbundes gewesen und habe die Ortsgruppe Landshut des paramilitĂ€rischen Verbandes nationalgesinnter Soldaten geleitet. SA und NSDAP sei er im September 1922 beigetreten.[2] Auf der Generalversammlung der NSDAP-Ortsgruppe Landshut vom 31. Oktober 1922 wurde Strasser zum Stellvertreter des Landshuter Ortsgruppenleiters gewĂ€hlt. SpĂ€testens seit Dezember 1922 trat Strasser als Parteiredner öffentlich auf und im FrĂŒhjahr 1923 inspirierte er die GrĂŒndung von NSDAP-Ortsgruppen in Pfeffenhausen, Wörth und Dingolfing.[6] Als freier Mitarbeiter schrieb Strasser fĂŒr den Völkischen Beobachter sowie fĂŒr die örtlichen Tageszeitungen, den Kurier fĂŒr Niederbayern und die Landshuter Zeitung.[7]
Im Januar 1923 ĂŒbernahm Strasser zusĂ€tzlich die Leitung der Landshuter SA â in die er wahrscheinlich im September 1922 eingetreten war â, die er bei einem Aufmarsch auf dem 1. NSDAP-Parteitag Ende Januar 1923 auf dem MĂŒnchener Marsfeld fĂŒhrte. AnlĂ€sslich des im Februar 1923 erfolgten organisatorischen Umbaus der SA wurden die SA-Einheiten von Regensburg, Passau, Freising, Deggendorf, Vilshofen, Vilsbiburg und Landshut auf Anordnung des damaligen SA-Stabschefs Hermann Göring als âBrigade-Landshutâ (auch als âSturmbataillon Landshutâ oder âSturmbataillon Niederbayernâ bezeichnet) zusammengefasst und dem Kommando Strassers unterstellt. AnlĂ€sslich des Aufmarsches der VaterlĂ€ndischen VerbĂ€nde auf dem Oberwiesenfeld am 1. Mai 1923 versuchten Strasser und Hermann Kriebel Hitler dazu zu bewegen, einen Putsch zu wagen, wovor dieser aber in dem Augenblick zurĂŒckschreckte.[8]
Im November 1923 beteiligte Strasser sich mit seinem SA-Bataillon am missglĂŒckten Hitlerputsch, spielte dabei allerdings nur eine marginale Rolle: Strasser und seine Einheit trafen am Morgen des 9. November 1923 in MĂŒnchen ein. Eigentlich waren die Niederbayern aber nach Freising beordert, wo ihnen kurzfristig die Besetzung der Wittelsbacher BrĂŒcke ĂŒbertragen wurde. Vom Marsch auf die Feldherrnhalle und dessen Scheitern bekam die Einheit nichts mit.[7] Am Abend des 9. November kehrten die MĂ€nner nach Landshut zurĂŒck. Strasser wurde anschlieĂend zwar von der Polizei verhört, blieb aber sonst vorlĂ€ufig unbehelligt. Erst am 2. Februar 1924 wurde er in Haft genommen â allerdings nicht wegen seiner Beteiligung an dem Putsch, sondern weil er zwischenzeitlich versucht hatte, einen Wachtmeister der Landshuter Polizei als Kurier fĂŒr die im November 1923 verbotene NSDAP zu rekrutieren. AnschlieĂend wurde er fĂŒr kurze Zeit in der Feste Landsberg eingesperrt.[9]
TÀtigkeit wÀhrend des Verbots der NSDAP (1924/1925)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Januar 1924 nahm Strasser an der GrĂŒndung des âVölkischen Blocksâ teil, einer Ersatzorganisationen fĂŒr die damals verbotene NSDAP. Im Anschluss an seine am 2. Februar 1924 erfolgte Inhaftierung wegen VerstoĂes gegen das BetĂ€tigungsverbot fĂŒr die NSDAP wurde er, nachdem der Völkische Block ihn als Kandidaten fĂŒr die bevorstehende Landtagswahl nominiert hatte, aufgrund einer Bestimmung, die SchutzhĂ€ftlingen nach ihrer Aufstellung zum Landtagskandidaten zur âSicherheit der Wahlfreiheitâ Haftverschonung gewĂ€hrte, nach drei Wochen Haft am 26. Februar 1924 wieder freigelassen.[2] Das gegen ihn eingeleitete Gerichtsverfahren endete damit, dass er am 12. Mai 1924 vom Volksgericht MĂŒnchen I der Beihilfe zum Hochverrat fĂŒr schuldig befunden und zur Mindeststrafe von fĂŒnfzehn Monaten GefĂ€ngnis mit einer vierjĂ€hrigen BewĂ€hrungsfrist verurteilt wurde.[10][11]
Bereits am 6. April 1924 war Strasser fĂŒr den âVölkischen Blockâ (VBl.) in den Bayerischen Landtag gewĂ€hlt worden. Bei der Konstituierung der 23-köpfigen Fraktion des Völkischen Blocks im Landtag wurde er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender bestimmt. Fraktionsvorsitzender wurde der MAN-Privatbeamte Alexander Glaser. Zusammen mit diesem und dem Landesbibliothekar Rudolf Buttmann, dem SchriftfĂŒhrer der Fraktion, bildete Strasser damit die FĂŒhrungsspitze dieser Partei im Landtag.[12] Unter anderem besuchten die drei MĂ€nner Hitler am 5. Juli 1924 als Vertreter der wichtigsten Ersatz-Organisation der verbotenen NSDAP in der Feste Landsberg. AuĂerdem fĂŒhrten sie Verhandlungen ĂŒber eine Regierungsbeteiligung des Blocks in Bayern, die jedoch negativ verliefen. Am 9. Juli 1924 hielt Strasser die erste Rede eines Nationalsozialisten in einem deutschen Parlament, als er im Bayerischen Landtag eine Replik zu der RegierungserklĂ€rung des neuernannten MinisterprĂ€sidenten Heinrich Held abgab, in der er dem Weimarer âSystemâ eine rigorose Fundamentalopposition ankĂŒndigte.[13] Am 26. August 1924 wurde Strasser zudem als Nachfolger von Ernst Pöhner Landesleiter des Völkischen Blocks.
Seine Einstellung zum Parlamentarismus bzw. zu den GrĂŒnden, aus denen die eigentlich antiparlamentarische NS-Bewegung sich an Parlamentswahlen beteiligen und in den Parlamenten â eingeschrĂ€nkt â mitarbeiten sollte, fasste Strasser zu dieser Zeit in einer öffentlichen ErklĂ€rung an die AnhĂ€nger des Nationalsozialismus, die er im Kurier fĂŒr Niederbayern veröffentlichte, folgendermaĂen zusammen: Die Bewegung besitze âdrei mĂ€chtige Armeâ, nĂ€mlich die Organisation, die Wehrorganisation und die Landtagsfraktion. Die letztere als der gegenwĂ€rtig stĂ€rkste Arm habe die Aufgabe, âden Schildâ zu heben, âunter dem sich der Arm der Organisation stark und mĂ€chtig entwickeln kannâ, bis âder Arm der völkischen Wehrorganisationâ zum entscheidenden Schlag ausholen kann. Er erwartete also 1924 immer noch, dass die völkische Bewegung auf gewaltsame Weise an die Macht kommen werde.[11]
Auf einer Konferenz in Weimar vom 15. bis 17. August 1924 wurde der Zusammenschluss der (formal gar nicht existenten) NSDAP und DVFP zur sogenannten Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung (NSFB) beschlossen. Die FĂŒhrung dieser neuen Organisation ĂŒbernahm ein aus Strasser, Erich Ludendorff und Albrecht von Graefe bestehendes Dreimanngremium, das sich ReichsfĂŒhrerschaft nannte.[14]
Der von Strasser gefĂŒhrte Völkische Block stand 1924 in bestĂ€ndiger Konkurrenz und in Gegensatz zur GroĂdeutschen Volksgemeinschaft (GVG), der neben dem Völkischen Block wichtigsten Auffangorganisation fĂŒr die verbotene NSDAP. Zwischen Strasser und den dominierenden Figuren der GVG, Hermann Esser und Julius Streicher, entwickelte sich zu dieser Zeit eine intime Feindschaft: Nicht nur lehnte Strasser die politische Linie beider MĂ€nner ab, er verabscheute sie auch als Personen. WĂ€hrend der maĂgeblich von Strasser mitbetriebene Ausschluss Streichers aus der völkischen Fraktion im Bayerischen Landtag gelang, waren seine BemĂŒhungen, beide aus der völkischen Bewegung zu drĂ€ngen, erfolglos.[15] (Im September 1928 traten Strasser und Streicher jedoch beide als Hauptredner bei einer Kundgebung im frĂ€nkischen Uffenheim, im Juni 1930 (statt Hitler und von Epp) bei einem Pfingst-Gautreffen in Ipsheim auf.[16])
Am 26. Oktober 1924 trat der Völkische Block unter Strasser fĂŒr die im Dezember bevorstehende Reichstagswahl dem NSFB bei. Das neue Gebilde nannte sich âVölkischer Block, Nationalsozialistische Freiheitsbewegung GroĂdeutschlands, Landesverband Bayernâ. Die GVG verweigerte sich, was Strasser veranlasste, Esser und Streicher öffentlich zu kritisieren.[17]
Am 7. Dezember 1924 gewann Strasser als Kandidat der Listenverbindung âDeutschvölkische Freiheitspartei / Nationalsozialistische Freiheitsbewegungâ ein Mandat im 3. Reichstag. Er war in der Folge etwas ĂŒber acht Jahre lang, bis ins FrĂŒhjahr 1933, Reichstagsabgeordneter; sein Mandat wurde bei vier nachfolgenden Reichstagswahlen (1928, 1930 sowie zwei Wahlen im Jahr 1932) jeweils bestĂ€tigt. Das Mandat im Bayerischen Landtag legte er kurz nach seiner Wahl in den Reichstag nieder.[18]
Wirken in der neugegrĂŒndeten NSDAP
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Nach der WiedergrĂŒndung der NSDAP durch Hitler am 26. Februar 1925 im MĂŒnchner BĂŒrgerbrĂ€ukeller schloss sich Strasser als eines der ersten Mitglieder der neuen NSDAP an (Mitgliedsnummer 9)[19]. Parallel zur NeugrĂŒndung der NSDAP wurde die nunmehr ĂŒberflĂŒssig gewordene Platzhalterorganisation des Völkischen Blocks im FrĂŒhjahr 1925 liquidiert: Die ReichsfĂŒhrerschaft des Völkischen Blocks löste sich im Februar auf. In seinem Heimatbezirk Niederbayern erreichte Strasser am 15. MĂ€rz 1925 auf einer Delegiertentagung, dass der Kreisverband Niederbayern des Völkischen Blocks mit 32 Ortsgruppen geschlossen zur NSDAP ĂŒbertrat und ihn zum Kreisleiter der NSDAP in Niederbayern machte. Im April 1925 erhielt er dann die neugeschaffene Bezeichnung eines Gauleiters: Als erster Gauleiter des Gaues Niederbayern/Oberpfalz fĂŒhrte Strasser diesen Gau â bzw. den am 1. Oktober 1928 durch eine Teilung des GroĂgaues entstandenen selbstĂ€ndigen Gau Niederbayern â bis zum 1. MĂ€rz 1929. Mit seiner sich immer weiter intensivierenden politischen BetĂ€tigung ging der sukzessive RĂŒckzug Strassers aus seinem erlernten Beruf als Drogist/Apotheker einher: 1927 gab er diesen endgĂŒltig auf. Er verkaufte seine Drogerie in Landshut zum 1. MĂ€rz dieses Jahres an einen Angestellten und vollzog damit auch Ă€uĂerlich den Wechsel zum reinen Berufspolitiker.[20]
Gemeinsam mit seinem Bruder Otto entwickelte Strasser in der zweiten HĂ€lfte der 1920er Jahre ein eigenstĂ€ndiges ideologisches Profil gegenĂŒber dem völkisch-nationalen MĂŒnchener ParteiflĂŒgel. Die BrĂŒder verfochten â zunĂ€chst noch gemeinsam mit Joseph Goebbels â einen âlinkenâ, d. h. antikapitalistischen, sozialrevolutionĂ€ren Kurs der NSDAP, mit dem die Arbeiterschaft fĂŒr die Partei gewonnen werden sollte. Strasser unterstĂŒtzte daher teilweise auch Streiks der sozialdemokratischen Gewerkschaften, forderte die Verstaatlichung von Industrie und Banken und trat trotz Festhaltens am strikten Antibolschewismus fĂŒr eine Zusammenarbeit Deutschlands mit der Sowjetunion ein. Ein Streitpunkt mit der ParteifĂŒhrung war die UnterstĂŒtzung eines Antrags von SPD und KPD fĂŒr ein Volksbegehren zur entschĂ€digungslosen Enteignung der FĂŒrstenhĂ€user im Januar 1925. WĂ€hrend Strassers FlĂŒgel dieses Ansinnen unterstĂŒtzte, plĂ€dierte Hitler fĂŒr eine EntschĂ€digung der FĂŒrsten. Bei diesem Streit stand Goebbels noch auf Strassers Seite und soll spĂ€teren ĂuĂerungen Otto Strassers zufolge sogar den Ausschluss Hitlers aus der Partei gefordert haben. Zu einem Ă€hnlichen Streit mit StrasseranhĂ€ngern kam es im Mai 1929 nach der Landtagswahl in Sachsen ĂŒber die Frage, ob die NSDAP eine Koalition mit den Arbeiterparteien SPD und KPD anstreben oder sich mit den bĂŒrgerlichen rechten Parteien zusammentun sollte.[21] Nach diesem Vorfall verschĂ€rfte die ParteifĂŒhrung unter Hitler und nun auch Goebbels den FlĂŒgelkampf; 1930 wurden zahlreiche AnhĂ€nger des antibĂŒrgerlichen Lagers entmachtet oder aus der Partei entfernt. Im Januar 1929 war Strasser wegen ĂuĂerungen ĂŒber den jĂŒdischen Reichsfinanzminister Rudolf Hilferding aus dem Sitzungssaal des Reichstags verwiesen worden.[22]
Strassers ParteiflĂŒgel war vor allem um Berlin und in Nordwestdeutschland stark aufgestellt und auf die Zielgruppe der stĂ€dtischen Arbeiterschaft ausgerichtet.
Bamberger FĂŒhrertagung (1926) und Dauerkonflikt mit Joseph Goebbels
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf einer FĂŒhrertagung der NSDAP, die am 14. Februar 1926 in Bamberg stattfand, gelang es Hitler, die Forderungen des ânationalbolschewistischenâ FlĂŒgels der Partei abzuschlagen und seinen Anspruch auf uneingeschrĂ€nkte FĂŒhrerschaft innerhalb der NSDAP durchzusetzen.
Diese Tagung markiert den Beginn der Entfremdung zwischen Strasser und Joseph Goebbels, der bisher als enger Gefolgsmann Strassers in dessen Sinne im Rheinland und in Westfalen fĂŒr die Partei gewirkt hatte. Nach dem Urteil des Goebbels-Biographen Ralf Georg Reuth gelang Hitler in Bamberg ein wichtiger Erfolg in seinem BemĂŒhen, Goebbels, den âideologischen Kopfâ und âbrillanten Propagandistenâ des Strasser-Lagers, âaus der Strasser-Phalanx herauszubrechenâ, um den sozialrevolutionĂ€ren ParteiflĂŒgel auf diese Weise zu spalten und zu schwĂ€chen. Goebbels bekannte in seinen TagebĂŒchern, âseit der Bamberger Tagung eine eindeutige Schwenkung von dem Strasserkreis vorgenommenâ zu haben, âund zwar zu dem Chef der Partei selbst [d. h. zu Hitler] hin.â
Aus dieser Konstellation entstand in den folgenden Jahren eine zunehmende Konkurrenz und immer schĂ€rfere Feindschaft zwischen Goebbels und Strasser, insbesondere nach Goebbelsâ Ernennung zum Gauleiter von Berlin im Herbst 1926. Goebbels plante, der von Strasser herausgegebenen Kampfverlag-Presse Konkurrenz zu machen, und verbreitete GerĂŒchte, wonach Gregor Strasser und sein Bruder Otto ĂŒber ihre Mutter jĂŒdischer Herkunft seien. Strasser beschuldigte Goebbels in einer Stellungnahme an die Parteileitung direkt, diese und weitere grobe LĂŒgen ĂŒber ihn verbreitet zu haben. Im FrĂŒhsommer 1927 war die Beziehung vollends zerrĂŒttet und beide MĂ€nner waren ĂŒberzeugt, vom anderen in ĂŒbler Weise verraten und betrogen worden zu sein. Obwohl ein offener Konflikt durch ein Machtwort Hitlers vermieden wurde, schwelte die âunĂŒberbrĂŒckbare Feindschaftâ (Hans Mommsen) bis zu Strassers Ausscheiden aus der FĂŒhrung der NSDAP Ende 1932 weiter.[23] Strasser war 1932 zu der Auffassung gelangt, dass Goebbels ein âSatan in Menschengestaltâ sei, wĂ€hrend Goebbelsâ Hass auf Strasser seine TagebĂŒcher der Jahre 1928 bis 1933 â nach den Worten des Schriftstellers RenĂ© Schickele â âwie ein roter Fadenâ durchzieht.[24]
Bestimmend fĂŒr die Gegnerschaft beider MĂ€nner waren in den frĂŒhen 1930er Jahren vor allem Streitigkeiten um die Kontrolle der Parteipropaganda: Wie Udo Kissenkoetter aufgezeigt hat, behielt Strasser auch als Reichsorganisationsleiter entscheidenden Einfluss auf die NS-Propaganda, selbst nachdem Goebbels Reichspropagandaleiter geworden war: So zog Strasser 1932 die politisch-ideologische Kontrolle der NS-Presse an sich und leitete noch im Oktober 1932 die NS-Reichspropagandatagung. Reuth hat darauf hingewiesen, es sei âvor allem auchâ der Umstand gewesen, dass Strasser und nicht Goebbels sich âals erster Vertreter der Bewegung ĂŒber den Reichsrundfunk an die Ăffentlichkeit wenden konnteâ, der zu Goebbelsâ VerĂ€rgerung ĂŒber den Reichsorganisationsleiter beitrug.[25] Goebbels seinerseits spielte eine maĂgebliche Rolle bei der Zerschlagung von Strassers privatem Presseimperium, indem er auf Hitler einwirkte, der Strasser im Jahr 1930 dazu zwang, den âKampf-Verlagâ aufzugeben, den Strasser bisher unabhĂ€ngig von der Partei gefĂŒhrt hatte: Vor die Wahl gestellt, seinen Verlag an die Partei zu ĂŒbertragen oder aus dieser auszuscheiden, schied Gregor Strasser aus dem Kampfverlag aus. Sein Bruder Otto, der nicht zum Nachgeben bereit war, verlieĂ stattdessen die NSDAP und grĂŒndete eine eigene Kampforganisation, die Schwarze Front, die den Kampfverlag ĂŒbernahm.
Arbeitsgemeinschaft Nordwest
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 11. MÀrz 1925 beauftragte Hitler Strasser mit dem Aufbau einer Parteiorganisation der NSDAP in Norddeutschland. Der in den folgenden Jahren erfolgende rasche Aufbau der Parteistrukturen der NSDAP in Norddeutschland war hauptsÀchlich das Werk Strassers.[26]
Nachdem der erste Gauleiter des Gaues Rheinland-Nord, Axel Ripke, im Juli 1925 gestĂŒrzt worden war und eine Gruppe jĂŒngerer ParteifunktionĂ€re eine Art kollegiale FĂŒhrung des Gaues etablierte, knĂŒpfte Strasser an diese Entwicklung an, indem er die Arbeitsgemeinschaft der nord- und westdeutschen Gaue der NSDAP, einen Zusammenschluss der nord- und westdeutschen Gaue der NSDAP, ins Leben rief. Die offizielle GrĂŒndung der AG erfolgte am 9. Oktober 1925. Leiter der Arbeitsgemeinschaft wurde Strasser, GeschĂ€ftsfĂŒhrer Joseph Goebbels. Als organisatorisches Zentrum (GeschĂ€ftsstelle) der Arbeitsgemeinschaft diente das BĂŒro des GroĂgaus Ruhr in Elberfeld. Das publizistische Organ der Arbeitsgemeinschaft waren die zweimal monatlich erscheinenden Nationalsozialistischen Briefe, die ab Oktober 1925 von Strasser herausgegeben und von Goebbels redigiert wurden. Die Arbeitsgemeinschaft umfasste schlieĂlich elf Gaue (Rheinland-Nord, Rheinland-SĂŒd, Westfalen, Hannover, Hannover-SĂŒd, Hessen-Nassau, LĂŒneburg-Stade, Schleswig-Holstein, GroĂ-Hamburg, GroĂ-Berlin und Pommern).[27]
Mit der Leitung der Arbeitsgemeinschaft ĂŒbernahm Strasser sein erstes (noch halboffizielles) ĂŒberregionales Parteiamt. Obwohl die AG organisatorisch und juristisch nicht in der Gesamt-NSDAP oder ihrer Satzung verankert war, bewertet Udo Kissenkoetter die in der Literatur lange sehr verbreitete Auffassung, dass Strasser mit der AG praktisch eine andere Partei gegrĂŒndet habe, als falsch: Die Bildung der AG sei viel mehr ein Versuch Strassers gewesen, die im nordwestdeutschen Raum damals noch jungen und stark divergierenden NS-Gruppen zu konsolidieren.[28] Auch Hitler anerkannte im Herbst 1925, dass es Strasser zu verdanken sei, dass weite Gebiete Deutschlands auĂerhalb Bayerns in den vorangegangenen Monaten fĂŒr den Nationalsozialismus erschlossen worden seien.[29]
Die Auflösung der Arbeitsgemeinschaft erfolgte schlieĂlich, nachdem die NSDAP sich im norddeutschen Raum organisatorisch gefestigt hatte, in gerĂ€uschloser Form aufgrund der Bestimmungen der am 1. Juli 1926 von der MĂŒnchener Parteileitung erlassenen âRichtlinien fĂŒr die Gau und Ortsgruppen der NSDAPâ.[30]
Der Kampfverlag
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. MĂ€rz 1926 grĂŒndete Strasser, nach langer Vorbereitung, zusammen mit seinem Bruder Otto den sogenannten âKampfverlagâ, ein nahe Berlin angesiedeltes Unternehmen, das der publizistischen Verbreitung der politischen und weltanschaulichen Ideen der BrĂŒder dienen sollte.
Der Verlag, entstanden aus dem Erwerb einiger bestehender Zeitungen, versorgte den norddeutschen Raum mit nationalsozialistischen Zeitungen und Druckschriften. Wegen seiner zahlreichen anderen Verpflichtungen konnte Strasser seine offiziellen Funktionen als Leiter des Verlages und Zeitungsherausgeber im Wesentlichen nur nominell wahrnehmen, wÀhrend sein Bruder Otto, der seine ganze Arbeitskraft in das Unternehmen einbrachte, die Hauptarbeit erledigte.
Die wichtigsten Periodika im Verlagsprogramm waren die beiden Wochenzeitungen Berliner Arbeiterzeitung und Der nationale Sozialist. Durch die Umwandlung der letzteren in eine Tageszeitung und die Eroberung anderer BlĂ€tter als Kopfzeitungen bauten die Strasser-BrĂŒder sich ein ânationalsozialistisches Zeitungsimperiumâ auf, âdessen innerparteiliche Wirkung von der zeitgenössischen Presse mit der des Hugenberg-Konzerns innerhalb der DNVP auf die gleiche Stufe gestellt wurde.â[31] Das Stammkapital zur Finanzierung der VerlagsgrĂŒndung wurde zunĂ€chst von den beiden Strasser-BrĂŒdern allein aufgebracht, wobei Gregor Strasser seinen Anteil durch ein Darlehen finanzierte, das er durch die VerpfĂ€ndung seines Landshuter GeschĂ€ftes von dem Industriellen Fritz vom Bruck erhalten hatte. 1927 stiegen Hans Hinkel und seine Frau sowie Strassers Frau, die das Darlehen ihres Mannes aus ihren Privatmitteln tilgte (womit Strassers Anteil am Verlag in ihr Eigentum ĂŒberging), als Gesellschafter in den Verlag ein. Die finanzielle Lage des Verlages blieb lĂ€ngere Zeit prekĂ€r: Erst ab Mitte 1927 begann er sich selbst zu tragen. Bis 1929 kam die Auflage der Wochenzeitungen ĂŒber 25.000 nicht hinaus. Durch den starken Mitgliederzustrom der NSDAP 1929/1930 betrug die Auflage der drei Tageszeitungen im ersten Halbjahr 1930 zusammen etwa 100.000 und die der drei Wochenzeitungen bis 15.000. Abgerundet wurde das Programm durch Parteischriften in Form von BĂŒchern und unzĂ€hligen PropagandabroschĂŒren.[32]
Da der Kampfverlag sich bald zu einem Konkurrenzunternehmen des offiziellen Parteiverlags der NSDAP in MĂŒnchen, des Franz-Eher-Verlags, entwickelte und von der Parteipresse unabhĂ€ngig blieb, zog er den Missmut des Chefs des Eher-Verlags Max Amann auf sich. Zudem vertiefte er die Spannungen zwischen den Strasser-BrĂŒdern und Goebbels, der als Berliner Gauleiter die völlige Kontrolle ĂŒber Parteiveröffentlichungen in seinem ZustĂ€ndigkeitsbereich beanspruchte, so dass ihm die eigenstĂ€ndigen Publikationen des Kampfverlages ein Dorn im Auge waren.
Nachdem Hitler 1930 ultimativ die Auflösung des Kampfverlages bzw. seine ĂberfĂŒhrung und Eingliederung in den bestehenden Parteiverlag verlangte, legte Strasser die Funktion des Herausgebers des Verlages schlieĂlich am 30. Juni 1930 nieder und schied bald darauf ganz aus dem Unternehmen aus.[33]
Reichspropagandaleiter (1926â1928) und Reichsorganisationsleiter (1928â1932) der NSDAP
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 16. September 1926 wurde Strasser offiziell zum Reichspropagandaleiter der NSDAP ernannt. Bereits im April desselben Jahres hatte Hitler diesen Posten fĂŒr ihn frei gemacht, indem er seinen Intimfeind Hermann Esser aus der Reichsleitung der Partei entfernt hatte. Nachdem er sich auf dem Reichsparteitag der NSDAP vom 3./4. Juli 1926, auf dem er als âVorsitzender der Organisation und Propagandaâ agierte, bewĂ€hrt hatte, wurde seine Einsetzung auf den Posten des Propagandaleiters intern von Hitler beschlossen und dann im September offiziell vollzogen.[34]
SpĂ€testens mit seinem Einzug in die Parteizentrale der NSDAP in MĂŒnchen im September 1926 war Strasser de facto der zweite Mann der Partei nach Hitler. Als Propagandaleiter gelang es ihm durch systematische Organisation der vorhandenen Möglichkeiten rasch, eine auch von AuĂenstehenden anerkannte Effizienz der Propaganda der NSDAP zu erreichen, so dass âdie Reichspropagandaleitung in den Jahren 1926 bis 1928â, mit den Worten seines Biographen Kissenkoetter, âpraktisch als Organisationsleitungâ der Partei fungierte.[35]

Infolgedessen setzte Hitler Strasser zum Jahresbeginn 1928, als sich die Entwicklung der NSDAP zu einer Massenorganisation abzuzeichnen begann und somit der Bedarf nach einer zentralen Leitinstanz zur FĂŒhrung des Parteiapparates sichtbar wurde, als Reichsorganisationsleiter der Partei ein, was er bis zum Dezember 1932 blieb. In dieser Stellung war er de facto zum GeneralsekretĂ€r der NSDAP aufgestiegen, wenngleich Hitler bis zuletzt davon absah, ihm diese Bezeichnung zu verleihen.[36]
Strasser reorganisierte in den Jahren ab 1928 die gesamte innere Struktur der NSDAP: Es gelang ihm, die Organisationsstruktur zu vereinheitlichen, indem er 1928 die Zusammenfassung der Ortsgruppen in Gaue durchsetzte, die sich an den Reichswahlkreisen orientierten. 1929 grĂŒndete er die âOrganisationsabteilung IIâ unter seinem Vertrauten Konstantin Hierl, die programmatische Fragen fĂŒr eine spĂ€tere RegierungsĂŒbernahme vorbereitete. Damit hatte er sich ein Instrument zur Verfolgung seiner programmatischen Ziele geschaffen und konnte auf die durch den Wahlerfolg der NSDAP bei der Reichstagswahl 1930 verĂ€nderte Konstellation reagieren.[37] Dietrich Orlow schreibt in seiner Studie zur Geschichte der NSDAP dem âorganisatorischen Genie/Scharfsinnâ (organizational genius/organizational acumen) Strassers einen wesentlichen Anteil fĂŒr den groĂen Wahlsieg zu, den die Partei bei der Wahl vom Sommer 1932 davontrug. Orlow argumentiert, dass die Partei ohne das von Strasser entwickelte ausgefeilte System zur FĂŒhrung des Wahlkampfes mit drei völlig unterschiedlichen Mitteln (auf politischer Ebene mit politischen Kadern; auf der StraĂe durch den Einsatz paramilitĂ€rischer TerrorverbĂ€nde; im gewerblichen Raum durch Einbindung zahlreicher berufsstĂ€ndischer Organisationen) nicht zur gröĂten Partei im Land hĂ€tte werden können.[38]
Die Zahl der Parteimitglieder wuchs von ca. 27.000 (1925) auf ĂŒber 800.000 (1931) an. Strasser gelang es insbesondere, die NSDAP in Nord- und Westdeutschland zu einer starken politischen Kraft zu entwickeln, die schlieĂlich sogar ĂŒber eine gröĂere Mitgliederbasis verfĂŒgte als Hitlers Parteisektion im SĂŒden.
Im Sommer 1932 richtete Strasser schlieĂlich Reichs- und Landesinspektionen in der Partei ein. Die Reichsinspekteure I fĂŒr Norddeutschland und II fĂŒr SĂŒddeutschland verfĂŒgten ĂŒber weitreichende, auch personelle Machtbefugnisse. Damit stellte Strasser eine vertikale Lenkungs- und Befehlsstruktur her.[39] Die Reichsorganisationsleitung verfĂŒgte wiederum ĂŒber Wochen- und MonatsblĂ€tter wie die Nationalsozialistische Landpost, Das Arbeitertum oder die NS-Frauenwarte, die von Strasser herausgegeben wurden und ihn an der Basis populĂ€r machten. Mit diesen Mitteln gelang es Strasser 1932, sein wirtschaftliches Sofortprogramm zu verbreiten und in der Partei durchzusetzen.[40]
Zu den wichtigsten Mitarbeitern Strassers in der Reichsorganisationsleitung zĂ€hlten die Reichsinspekteure I und II â Paul Schulz (Strassers Stellvertreter) und (sein spĂ€terer Nachfolger) Robert Ley â sowie der Reichsorganisationsleiter II und spĂ€tere ReichsarbeitsfĂŒhrer Konstantin Hierl, mit dem er seit 1925 ĂŒber den Tannenbergbund Kontakt hatte. Bedeutend waren auch der Schlesier Kurt Daluege, der auf Strassers Veranlassung im MĂ€rz 1926 die GrĂŒndung der Berliner SA organisiert hatte, und der Rechtsanwalt Alexander Glaser, ab 1931 Strassers Stabschef, der in der Röhm-AffĂ€re ebenfalls erschossen wurde. Hinzu kamen der Zahnarzt Hellmuth Elbrechter und der ehemalige GeneralstĂ€bler Hermann Cordemann, die als Strassers MittelsmĂ€nner zu wichtigen Regierungspolitikern wie Heinrich BrĂŒning und Kurt von Schleicher dienten.
Die Erfolge der von Strasser als Reichsorganisationsleiter durchgefĂŒhrten MaĂnahmen zum Aus- und Umbau der NSDAP veranlassten Kissenkoetter zu dem Urteil, dass es âzumindest zweifelhaftâ sei, âob die NSDAP ohne das StraĂersche Organisationstalent ĂŒberhaupt zu einer einheitlich gefĂŒhrten Massenbewegung hĂ€tte werden können.â Heinrich Egner befand in ĂŒbereinstimmender Weise, dass es zumindest fraglich sei, âob die NSDAP ohne StraĂer 1932 zur stĂ€rksten Partei Deutschlands geworden wĂ€re.â[41]
1932 hatte Strasser den Höhepunkt seiner Macht erreicht: Als Mann an der Spitze der faktischen Leitungszentrale der ParteifĂŒhrung besaĂ er Ansehen, AutoritĂ€t und Macht innerhalb der Partei in einem gröĂeren MaĂe als jeder andere ParteifĂŒhrer auĂer Hitler. AuĂerhalb der Partei â insbesondere bei fĂŒhrenden Regierungspolitikern wie Heinrich BrĂŒning und Kurt von Schleicher â galt Strasser zu Beginn der 1930er Jahre weithin als die fĂ€higste und vertrauenswĂŒrdige Persönlichkeit aus dem FĂŒhrungszirkel der NSDAP. Mit den Worten seines Biographen Kissenkoetter war Strasser zu Beginn der 1930er Jahre fĂŒr viele in Deutschland, âvon bĂŒrgerlich-konservativen Politikern bis hin zu etlichen Gewerkschaftsvertreternâ nicht nur âministrabelâ geworden, sondern er war âfĂŒr viele zu der möglichen Integrationsfigur geworden, die einen âdritten Wegâ zur Rettung Deutschlands aus der Notlage von 1932 aufzeigte.â[42]
Vor der ReichsprĂ€sidentenwahl 1932 ging man allgemein davon aus, Hitler werde als etwaiger Wahlsieger Strasser zu seinem Reichskanzler berufen. Erst nach der Wiederwahl Hindenburgs fasste Hitler den Entschluss, selbst die Kanzlerschaft anzustreben. Koalitionen lehnte er dabei als hinderlich ab und forderte im August 1932 von Hindenburg vergeblich seine Ernennung zum Reichskanzler.[43] Strasser hingegen sah den Weg zur Macht eher in Koalitionen, die parlamentarische Mehrheiten ermöglichen sollten. Er befĂŒrchtete, dass man sich mit der Bildung eines Minderheitskabinetts zu sehr vom ReichsprĂ€sidenten und seiner Kamarilla abhĂ€ngig machen wĂŒrde.[44]
Lebensbedrohlicher Unfall (1931)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 7. Januar 1931 erlitt Strasser einen Skiunfall in Oberstaufen. Seine Verletzungen waren derart schwer â er brach sich einen RĂŒckenwirbel â, dass sein Leben, Stachura zufolge, zeitweise âam seidenen Fadenâ hing (âhis life hanging precariously in the balanceâ). Erst nach drei Monaten konnte er das Krankenhaus verlassen, war aber weiterhin stark gesundheitlich beeintrĂ€chtigt: So wurde er von starken Schmerzen verfolgt und musste stĂ€ndig einen Gehstock bei sich fĂŒhren.[45]
Udo Kissenkoetter verweist auf die Möglichkeit, dass die gesundheitlichen Folgen dieses Unfalls sowie eventuell auch sein Diabetes die Arbeits- und LeistungsfĂ€higkeit Strassers, neben anderen Faktoren, in der Zeit zwischen seiner RĂŒckkehr in seine Ămter im April 1931 und seinem Ausscheiden aus der ParteifĂŒhrung im Dezember 1932 beeintrĂ€chtigt haben könnten. Somit könnte der Unfall von 1931 bzw. seine Auswirkungen auf Strassers Gesundheit, so Kissenkoetter, mit ein Grund dafĂŒr gewesen sein, dass es Strasser nicht gelang, sich in dem Macht- und Richtungskampf, der in diesen Monaten innerhalb der FĂŒhrung der NSDAP ausgefochten wurde, und besonders wĂ€hrend seiner Eskalation im Dezember 1932 zu behaupten.[46]
Kontakte zu Industriellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz seiner Reputation als Vertreter der Linken innerhalb der NSDAP verfĂŒgte Strasser seit Anfang der dreiĂiger Jahre ĂŒber gute Kontakte zu Unternehmerkreisen, deren Vorstellungen von einer ZĂ€hmung der NSDAP durch Einbindung in die Regierungsverantwortung er entgegenkam. Die Deutschen FĂŒhrerbriefe, eine unter dem Einfluss des Industriellen Paul Silverberg stehende Privatkorrespondenz, lobten Strasser im Mai 1932, weil er fĂŒr einen âĂbergang der N.S.D.A.P. von der Opposition zur gouvernementalen Positionâ stehe. Um die RegierungsfĂ€higkeit seiner Partei zu beweisen, verkĂŒndete Strasser am 20. Oktober 1932 im Berliner Sportpalast das neue âwirtschaftliche Aufbauprogrammâ der NSDAP. Darin wurden die schrillen antikapitalistischen Töne und die Forderungen nach einer Autarkie Deutschlands deutlich zurĂŒckgenommen, wie sie unter anderem in seinem eigenen âwirtschaftlichen Sofortprogrammâ vom Juli 1932 noch laut geworden waren. Statt Steuererhöhungen fĂŒr Reiche forderte er jetzt Steuersenkungen, statt mit Preiskontrollen wollte er die Deflation nun mit einer Freigabe der Preise bekĂ€mpfen. Zwar redete er weiterhin einem Agrarprotektionismus und einem Vorrang fĂŒr deutsche Produkte das Wort, betonte aber gleichzeitig, dass dadurch die Exporte nicht behindert werden dĂŒrften. Zur Ăberwindung der Massenarbeitslosigkeit schlug er vor, die Bindung der Reichsmark an das Gold aufzugeben, die Banken zu verstaatlichen und durch eine massive Kreditaufnahme der öffentlichen Hand öffentliche ArbeitsbeschaffungsmaĂnahmen zu ermöglichen.[47] Im selben Jahr Ă€uĂerte er sich in einem Interview mit dem amerikanischen Journalisten Hubert Renfro Knickerbocker ausgesprochen wirtschaftsfreundlich:
âWir erkennen das Privateigentum an. Wir erkennen die private Initiative an. Wir erkennen unsere Schulden an und unsere Verpflichtung, sie zu zahlen. Wir sind gegen die Verstaatlichung der Industrie. Wir sind gegen die Verstaatlichung des Handels. Wir sind gegen Planwirtschaft im Sowjetsinne.â[48]
Strasser erhielt von verschiedenen Industriellen finanzielle Zuwendungen. Der Lobbyist August Heinrichsbauer organisierte im FrĂŒhjahr 1931 eine monatliche Zahlung von Unternehmern des Ruhrbergbaus an ihn in Höhe von 10.000 Reichsmark.[49] Ebenso finanzierte Paul Silverberg Strasser ĂŒber die âBank fĂŒr deutsche Industrieobligationenâ.[50] Auch von dem Kölner Eisenindustriellen Otto Wolff, der den Nationalsozialisten an sich ablehnend gegenĂŒberstand, soll Strasser auf Bitten des Reichskanzlers Kurt von Schleicher Spenden erhalten haben. Diese Zuwendungen werden gewöhnlich als Beleg fĂŒr die verbreitete Ansicht angefĂŒhrt, wonach die GroĂindustrie durch ihre Spenden zum Aufstieg der NSDAP beigetragen habe.[51] Der britische Historiker Peter Stachura vertritt die These, Strasser sei es zu dieser Zeit nicht um die Durchsetzung âlinkerâ Positionen innerhalb der NSDAP gegangen; vielmehr sei er ein realpolitisch denkender Opportunist gewesen, der der NSDAP möglichst breite, neue Rekrutierungsfelder erschlieĂen und damit sich selbst eine Hausmacht sichern wollte.[52]
Konflikt mit Hitler und Ausscheiden aus der ParteifĂŒhrung
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Die programmatische und persönliche RivalitĂ€t mit Adolf Hitler verschĂ€rfte sich dramatisch, als Hitler sich durch sein bedingungsloses Beharren auf seiner Kanzlerschaft vorĂŒbergehend in eine politische Sackgasse manövriert hatte und Reichskanzler Kurt von Schleicher Gregor Strasser in einem Geheimtreffen am 3. Dezember 1932 die Vizekanzlerschaft und das Amt des preuĂischen MinisterprĂ€sidenten anbot. Er hoffte, mit Strasser die NSDAP zu spalten und ihren linken FlĂŒgel auf seine Seite ziehen zu können. SpĂ€tere SchĂ€tzungen von Zeitzeugen sprachen davon, dass von den 196 nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ungefĂ€hr 60 bis 100 bei einem offenen Bruch zwischen Strasser und Hitler mit Strasser gegangen wĂ€ren.[53]
Das Vorhaben misslang, weil Strasser sich nicht zu einem Bruch mit dem angeschlagenen Hitler durchringen konnte. AuĂerdem hatte Hitler durch den britischen Journalisten Sefton Delmer frĂŒhzeitig von Schleichers Verhandlungen mit Strasser erfahren.[54] Bei einer FĂŒhrertagung im Dezember 1932 konnte er die fĂŒhrenden Köpfe der Partei noch einmal auf sich einschwören. Besonders Hermann Göring und Joseph Goebbels bedrĂ€ngten Hitler, an seiner Linie festzuhalten und sich nicht auf Kompromisse zugunsten Strassers einzulassen. Am 8. Dezember 1932 trat Strasser in Erkenntnis seiner Niederlage ĂŒberraschend von allen ParteiĂ€mtern zurĂŒck, blieb jedoch Parteimitglied. Aus Angst vor einer Spaltung war Hitler peinlich darauf bedacht, den Eindruck eines offenen Machtkampfes zu vermeiden, und bedauerte öffentlich Strassers RĂŒckzug. Sein Reichstagsmandat behielt Strasser vorerst ebenfalls, weil seine parlamentarische ImmunitĂ€t die Vollstreckung mehrerer Gerichtsurteile im Zusammenhang mit Beleidigungsprozessen verhinderte. Eine Erholungsreise nach Italien in der kritischen Phase des Dezember 1932, die fĂŒr den Historiker Hans-Ulrich Wehler den âdurchschlagenden Beweis seiner politischen MediokritĂ€tâ darstellt,[55] schwĂ€chte Strassers Position in der Partei weiter. Trotzdem wurde Strasser noch im Januar 1933 von Schleicher heimlich bei ReichsprĂ€sident von Hindenburg als potenzieller Vizekanzler vorgestellt, wobei das Staatsoberhaupt einen gĂŒnstigen Eindruck von Strasser gewann. Nach der Landtagswahl in Lippe am 15. Januar, die einen Wahlerfolg fĂŒr die NSDAP brachte und den Hitler-Kurs zu bestĂ€tigen schien, wurde er jedoch endgĂŒltig an den Rand gedrĂ€ngt. Nach der nationalsozialistischen âMachtergreifungâ zog Strasser sich aus der Politik ins Privatleben zurĂŒck.
Mit Hitlers Genehmigung ĂŒbernahm Strasser im Mai 1933 auf Vermittlung von Albert Pietzsch und Hans Reupke eine Direktionsstelle beim Unternehmen Schering Kahlbaum in Berlin, nachdem er schriftlich versichert hatte, sich zukĂŒnftig jeglicher politischer TĂ€tigkeit zu enthalten. Im Juni 1933 wurde er in den Vorstand von Schering aufgenommen. Gleichzeitig leitete er seit dieser Zeit den Verband der Heilmittelindustrie. 1934 wurde er zudem Erster Vorsitzender der Reichsfachschaft der Pharmazeutischen Industrie.[56]
Ermordung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der ersten JahreshĂ€lfte 1934 schien es zunĂ€chst, als ob sich eine Wiederaufnahme Strassers in die Gunst Hitlers anbahnte. Am 1. Februar 1934 erhielt Strasser das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.[56] Bei einem persönlichen Treffen mit Strasser am 13. Juni 1934 bot Hitler ihm sogar das Amt des Wirtschaftsministers als Nachfolger des wenig erfolgreich agierenden Kurt Schmitt an. Strasser machte eine Zusage jedoch von der Bedingung abhĂ€ngig, dass Göring und Goebbels aus dem Reichskabinett entfernt wĂŒrden. Dazu war Hitler nicht bereit.[57] Nach dem Urteil Stachuras war Strasser seinen Zielen mit dieser Entwicklung zu nahegekommen, als dass seine politischen Gegner sich zurĂŒcklehnen konnten. Sie hĂ€tten sich nun entschieden, âdrastische prĂ€ventive MaĂnahmenâ zu ergreifen (drastic preventive action).[57]
Bereits im FrĂŒhjahr 1934 hatten Hermann Göring und Joseph Goebbels in ihren damals neu erschienenen BĂŒchern Aufbau einer Nation (Göring) und Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei (Goebbels) die öffentliche Stimmung gegen Strasser angefacht und scharfe publizistische Angriffe gegen ihren alten Rivalen gerichtet, den sie als âVerrĂ€terâ an Hitler und der NS-Bewegung darstellten. Insbesondere Göring stellte ihm hartnĂ€ckig nach: Bereits 1933 hatte Göring Strasser, als dieser eine Reise ins Ausland plante, mitteilen lassen, dass er ihn in diesem Falle an der Grenze verhaften lassen wĂŒrde.[58] Mordabsichten Görings gegenĂŒber Strasser sind erstmals fĂŒr den August 1933 verbĂŒrgt, als er den Chef der Kriminalpolizei Arthur Nebe damit beauftragte, ein Ableben Strassers durch einen Auto- oder Jagd-âUnfallâ zu inszenieren. Nachdem Nebe sich diesem Ansinnen entzog, versuchte Göring im Januar 1934 den damaligen Gestapochef Diels dazu zu animieren, eine illegale Beseitigung Strassers zu ĂŒbernehmen.[59]
Am Mittag des 30. Juni 1934 wurde Strasser von Beamten der Geheimen Staatspolizei in seinem Berliner Haus verhaftet. Er wurde zunĂ€chst zu einem BĂŒro in der Zentrale des Schering-Kahlbaumkonzerns gebracht und dort einem SS-Kommando ĂŒbergeben, das ihn in das Geheime Staatspolizeiamt in der Prinz-Albrecht-StraĂe eskortierte. Die Verhaftung erfolgte im Rahmen der Röhm-AffĂ€re, einer politischen SĂ€uberungsaktion, in deren Verlauf Hitler und andere nationalsozialistische FĂŒhrer ihre tatsĂ€chlichen oder angeblichen Rivalen in den eigenen Reihen sowie weitere unliebsame Personen verhaften und zum Teil ermorden lieĂen.[60] FĂŒr Strasser war die Verhaftung eine Ăberraschung â im ersten Augenblick glaubte er, Hitler lasse ihn holen, um ihn in die ParteifĂŒhrung zurĂŒckzurufen. Im Gegensatz dazu steht allerdings eine ErklĂ€rung von Strassers ehemaligem Mitarbeiter Paul Schulz aus dem Jahr 1951, in der dieser angibt, Strasser habe ihm nach dem Januar 1933 hĂ€ufig gesagt: âHitler wird uns umbringen lassen, wir werden keines natĂŒrlichen Todes sterben.â[61]
Im Gestapo-Hauptquartier, dem Prinz-Albrecht-Palais, wurde Strasser in das HausgefĂ€ngnis gebracht, in dem er anfangs mit zahlreichen anderen Gefangenen in einem groĂen Sammelraum verblieb. Im weiteren Verlauf des Nachmittages wurde er dann in eine Einzelzelle (Zelle 16) des an den Sammelraum angrenzenden Zellentraktes verlegt. Hier suchten ihn schlieĂlich mehrere SS-Angehörige auf und erschossen ihn durch das Schiebefenster der ZellentĂŒr. Nach ĂŒbereinstimmenden Quellenberichten soll sich der SS-BrigadefĂŒhrer Theodor Eicke, Kommandant des KZ Dachau, seiner Mordtat gerĂŒhmt haben.[62] Strassers Leiche wurde zunĂ€chst ins Institut fĂŒr Rechtsmedizin der CharitĂ© in der Hannoverschen StraĂe ĂŒberfĂŒhrt und dort in einer Zelle unter Verschluss gehalten; eine Sektion oder Besichtigung des Toten war den Pathologen ausdrĂŒcklich verboten. Nach dem 3. Juli 1934 wurde der Leichnam im Krematorium Wedding eingeĂ€schert.[63]
Auf wessen Veranlassung und aus welchem Motiv Strasser ermordet wurde, ist nicht mit Gewissheit gesichert. In der Literatur werden ĂŒblicherweise Adolf Hitler, Hermann Göring, Heinrich Himmler sowie Reinhard Heydrich oder eine Kombination von mehreren dieser MĂ€nner als Auftraggeber der Tat angegeben.
Insbesondere in Hinblick auf die Frage, ob die Tötung von Hitlers langjĂ€hrigem zweiten Mann auf Befehl oder zumindest mit dem vorigen Wissen des Diktators durchgefĂŒhrt wurde, oder ob diese ohne sein vorheriges Wissen oder sogar gegen seinen erklĂ€rten Willen erfolgte, gehen die Quellen bzw. die EinschĂ€tzungen der diese auswertenden Fachleute auseinander:
HĂ€ufig wird in der Literatur kurzerhand davon ausgegangen, dass Hitler selbst seinen ehemaligen Reichsorganisationsleiter entweder aus Rache fĂŒr dessen âVerratâ vom Dezember 1932[64] oder âals immer noch mögliche Konkurrenzâ umbringen lieĂ.[65] Als ein in diese Richtung weisendes Indiz ist wiederholt die Behauptung des ersten Chefs der Gestapo, Rudolf Diels, dass Hitler ihm bereits Ende 1933 bei einer Besprechung andeutungsvoll gefragt habe: âWarum lebt eigentlich dieser Gregor Strasser noch?â, ins Feld gefĂŒhrt worden.[66]
Peter Longerich verweist demgegenĂŒber in seiner Untersuchung der Mordaktion vom 30. Juni 1934 auf eine Passage in den Memoiren von Fritz GĂŒnther von Tschirschky, dem Adjutanten von Hitlers konservativen Vizekanzler Franz von Papen: Tschirschky schildert dort an einer Stelle, wie er Strassers Ermordung am 30. Juni 1934 als Gefangener im Keller des Gestapohauptquartiers miterlebte, und an einer spĂ€teren Stelle, wie er ein persönliches Zusammentreffen mit Hitler wenige Wochen spĂ€ter, nachdem er wieder in Freiheit gelangt war, dazu benutzte, dem Diktator die UmstĂ€nde des Todes seines frĂŒheren Mitarbeiters unter vier Augen zu beschreiben. Tschirschky zufolge erfuhr Hitler durch seinen (Tschirschkys) Bericht erstmals, dass Strasser am 30. Juni ermordet worden war. Zuvor habe er nĂ€mlich aufgrund dessen, was ihm hierzu gemeldet worden war, geglaubt, dass Strasser nach seiner Verhaftung Suizid begangen hatte. Aufgrund des Ă€uĂerlichen Entsetzens, mit dem Hitler auf seinen Bericht reagierte, hatte Tschirschky den Eindruck, dass diese Tat gegen den Willen des Diktators begangen worden war.[67]
Joachim Fest verweist in seiner klassischen Hitler-Biografie in ĂŒbereinstimmender Weise auf eine Eintrag im Politischen Tagebuch von Alfred Rosenberg aus den Tagen nach der Mordaktion, in dem dieser betont, dass âkein Befehlâ Hitlers zur Ermordung Strassers vorgelegen habe und dass sogar eine Untersuchung der Tat eingeleitet worden sei, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.[68] Fest vertrat aufgrund dieser und anderer Quellen die Auffassung, âdaĂ Göring, Himmler und Heydrichâ, und nicht Hitler âdie eigentlich treibende und die Zahl der Opfer vermehrende Kraftâ bei der Mordaktion gewesen seien und verantwortlich fĂŒr den Tod Strassers und vieler anderer Opfer der Aktion gewesen seien, deren Tötung Hitler selbst nicht beabsichtigt habe.[69]
Weitere Autoren, die die Auffassung vertreten, dass die Tötung Strassers nicht auf das Konto Hitlers, sondern Görings und Himmlers ging, waren Hans Mommsen und Heinz Höhne: Mommsen argumentierte in diesem Zusammenhang, dass die Liquidierung der SA-FĂŒhrung am 30. Juni 1934 fĂŒr Göring und Himmler eine gute Gelegenheit gewesen sei, um ihren frĂŒheren Rivalen Strasser endgĂŒltig loszuwerden.[70] Heinz Höhne formulierte in seiner klassische Studie zur Geschichte der SS sogar zugespitzt, dass die Perspektive der beiden an diesem Tag gelautet habe: âGregor Strasser muĂ [heute] fallen, wenn dieser 30. Juni 1934 fĂŒr Göring und Himmler einen Sinn haben soll.â[71]
Göring selbst erklĂ€rte in einer Pressekonferenz am 30. Juni 1934 immerhin offen, dass er seine âAufgabe erweitertâ habe, indem er nicht nur die SA in Berlin ausgeschaltet habe, sondern auch gegen gewisse âunzufriedene, gestrige Gestaltenâ einen Schlag gefĂŒhrt habe, ohne freilich zu prĂ€zisieren, wen er mit dieser Beschreibung im Sinn gehabt hatte.[72]
Als Hitler in seiner Reichstagsrede vom 13. Juli 1934 die Ereignisse vom 30. Juni 1934 rechtfertigte, erwĂ€hnte er lediglich kurz, dass Strasser von anderen in eine Verschwörung gegen den Staat verwickelt worden sei. Ăffentliches Bedauern ĂŒber seinen Tod bekundete er weder bei dieser noch bei anderen Gelegenheiten.[57]
Im Juli 1934 ĂŒbergab Heinrich Himmler persönlich Strassers Bruder Anton â einem ehemaligen SS-Angehörigen â eine Urne mit der angeblichen Asche Strassers. Die Urne verblieb mehrere Jahrzehnte im Besitz von Strassers Witwe und wurde schlieĂlich im Mai 1975 auf ihre Veranlassung im Familiengrab der Strassers auf dem Friedhof DinkelsbĂŒhl neben Strassers Eltern und seinem Bruder Otto (â 1974) beigesetzt.[73]
Die Auszahlung von Strassers Lebensversicherung â die die Versicherungsgesellschaft erst mit der BegrĂŒndung verweigerte, dass Strasser ja nach offiziellen Angaben durch Selbstmord gestorben sei â erfolgte erst durch Intervention von Innenminister Wilhelm Frick. Ab dem 1. Mai 1936 erhielt Strassers Witwe zudem auf Veranlassung Himmlers fĂŒr sich und ihre Söhne eine monatliche Rente von 500 Reichsmark.[74]
Langzeitwirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach EinschĂ€tzung des Amts fĂŒr Verfassungsschutz ThĂŒringen ĂŒben die ânationalrevolutionĂ€renâ politischen Theorien Strassers und seines jĂŒngeren Bruders Otto Ă€hnlich wie die Ideen von Ernst Röhm erheblichen Einfluss auf das Gedankengut nicht weniger zeitgenössischer Neonationalsozialisten (Neonazis) aus.[75] In der NPD gibt es seit langem eine starke strasseristische Strömung, deren vordergrĂŒndige Sozialkritik und sozialistische Rhetorik nach dem Vorbild der Strasser-BrĂŒder vor allem im Osten Deutschlands auf Resonanz stöĂt. Auch fĂŒr âFreie Kameradschaftenâ und âAutonome Nationalistenâ spielen sowohl die theoretischen Ansichten Gregor und Otto Strassers ĂŒber den ârevolutionĂ€ren Nationalsozialismusâ als auch die Ăsthetik der Selbstinszenierung besonders Otto Strassers eine groĂe Rolle.[21]
ArchivbestÀnde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bundesarchiv Berlin: Ehemaliges BDC: Personenakten zu Gregor Strasser in den BestÀnden OPG und PK.
- Institut fĂŒr Zeitgeschichte: Findbuch Bestand ED 911 (Sammlung zu Gregor und Else Strasser) ( vom 16. August 2014 im Internet Archive) (PDF; 121 kB), 5 BĂ€nde.
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Das Hitler-BĂŒchlein. Ein AbriĂ vom Leben und Wirken des FĂŒhrers der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Adolf Hitler. Kampf-Verlag, Berlin 1928.
- AusgewÀhlte Reden und Schriften eines Nationalsozialisten. 2 BÀnde. Kampf-Verlag, Berlin 1928;
- Band 1: Freiheit und Brot.
- Band 2: Hammer und Schwert.
- 58 Jahre Young-Plan! Eine quellenmĂ€Ăige Betrachtung ĂŒber Inhalt, Wesen und Folgen des Young-Planes. Kampf-Verlag, Berlin 1929.
- mit Gottfried Feder: Reden im Reichstag Oktober 1930 nach dem amtlichen Stenogramm (= Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion. Reden, AntrĂ€ge und Interpellationen in Einzelheften. H 1, ZDB-ID 572093-x). LĂŒtzow-Verlag, Berlin 1930.
- Der Kampf um die Freiheit. Reichstagsrede vom 17. Oktober 1930. Eher, MĂŒnchen 1931.
- Der letzte Abwehrkampf des Systems. 3 aktuelle AufsĂ€tze. Eher, MĂŒnchen 1931.
- Arbeit und Brot! Reichstagsrede am 10. Mai 1932 (= Kampfschrift. BroschĂŒrenreihe der Reichspropaganda-Leitung der NSDAP. 12, ZDB-ID 2468560-4). Eher, MĂŒnchen 1932.
- Die Staatsidee des Nationalsozialismus. Rundfunkrede. Eher, MĂŒnchen 1932.
- Das wirtschaftliche Aufbauprogramm der NSDAP. Eine Rede. Gehalten vor 15000 nationalsozialistischen Betriebszellenmitgliedern am 20. Oktober 1932 im Berliner Sportpalast. Berlin 1932.
- Kampf um Deutschland. Reden und AufsĂ€tze eines Nationalsozialisten. Eher, MĂŒnchen 1932.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]SekundÀrliteratur (Lexikonartikel):
- Armin Nolzen: StraĂer, Gregor. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 25. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-11206-7, S. 478â479 (deutsche-biographie.de).
- Martin Schneider: Gregor Strasser. In: Institut fĂŒr SĂ€chsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): SĂ€chsische Biografie.
- Gregor Strasser bei Whoâs Who Germany, The People-Lexicon
SekundÀrliteratur (Monographien):
- Gabriele Goderbauer: Gregor StraĂer und die AnfĂ€nge der NSDAP in Bayern, insbesondere in Niederbayern und Landshut (Magisterarbeit an der LMU MĂŒnchen). MĂŒnchen 1986.
- Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer und die NSDAP (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 37). Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1978, ISBN 3-421-01881-2 (zugleich: DĂŒsseldorf, UniversitĂ€t, Dissertation, 1975).
- Peter D. Stachura: Gregor Strasser and the Rise of Nazism. Allen & Unwin, London u. a. 1983, ISBN 0-04-943027-0.
- Ulrich Wörtz: Programmatik und FĂŒhrerprinzip. Das Problem des Strasser-Kreises in der NSDAP. Eine historisch-politische Studie zum VerhĂ€ltnis von sachlichem Programm und persönlicher FĂŒhrung in einer totalitĂ€ren Bewegung. Erlangen/NĂŒrnberg 1966.
SekundÀrliteratur (AufsÀtze):
- Gabriele Goderbauer-Marchner: Gregor Strasser und die AnfĂ€nge der NSDAP in Landshut. In: Georg Spitzlberger: WeltberĂŒhmt und vornehm. Landshut 1204â2004, BeitrĂ€ge zu 800 Jahren Stadtgeschichte. 2004, S. 461â474.
- Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer â NS-Parteiorganisator oder Weimarer Politiker? In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite. 22 biographische Skizzen (= WB-Forum. 37). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, ISBN 3-534-80036-2, S. 273â285.
- Reinhard KĂŒhnl: Zur Programmatik der nationalsozialistischen Linken: Das Strasser-Programm von 1925/26. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Jahrgang 14, Heft 3, Institut fĂŒr Zeitgeschichte, MĂŒnchen 1966, S. 317â333 (PDF-Datei; 860 kB).
- Wolfram Pyta: Nicht alternativlos. Wie ein Reichskanzler Hitler hĂ€tte verhindert werden können. In: Historische Zeitschrift, Bd. 312 (2021), Heft 2, S. 1â51.
- Peter D. Stachura: âDer Fall Strasserâ: Gregor Strasser, Hitler and National Socialism 1930â1932. In: Peter D. Stachura (Hrsg.): The shaping of the Nazi state. Croom Helm u. a., London u. a. 1978, ISBN 0-85664-471-4, S. 88â130.
- Robert Wistrich: StraĂer, Georg (1892â1934). In: Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. AnhĂ€nger, MitlĂ€ufer, Gegner aus Politik, Wirtschaft, MilitĂ€r, Kunst und Wissenschaft. Ăberarbeitete, erweiterte und illustrierte deutsche Ausgabe. Harnack, MĂŒnchen 1983, ISBN 3-88966-004-5, S. 262 f.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Gregor Strasser im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Zeitungsartikel ĂŒber Gregor Strasser in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Gregor Strasser in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Daniel Wosnitzka: Gregor Strasser. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Stachura: Strasser, S. 12f.
- â a b c Armin Nolzen: StraĂer, Gregor. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 25. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-11206-7, S. 478â479 (deutsche-biographie.de).
- â Heinrich Egner: Aus der Apotheke wurde notgedrungen eine Drogerie. Auf einer GremeĂ wurde Gregor Strasser von der Geburt seiner Zwillinge ĂŒberrascht. In: Landshuter Zeitung, 21. Oktober 2004.
- â Hermann WeiĂ: StraĂer, Gregor, Politiker. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik. C.H. Beck, MĂŒnchen 1988, S. 332; so auch Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann WeiĂ (Hrsg.): EnzyklopĂ€die des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 885.
- â Peter Stachura: Gregor Strasser and the Rise of Nazism. George Allen & Unwin, London 1982, S. 20f.
- â Egner: Gleich bei Parteieintritt örtlicher SA-FĂŒhrer. Trittstufe war ein wenig bekannter ultranationalistischer Soldatenverband. In: Landshuter Zeitung, 27. Dezember 2004.
- â a b Gabriele Goderbauer-Marchner: Sturmbataillon Niederbayern, 1922/23. In: Historisches Lexikon Bayerns, publiziert am 12. Juni 2006 (abgerufen am 10. Oktober 2020).
- â Stachura: Strasser. S. 24.
- â Stachura: Strasser. S. 25.
- â Wörtz: Programmatik und FĂŒhrerprinzip. S. 38.
- â a b Egner: Fraktionsspitze stimmte sich mit Hitler ab. In: Landshuter Zeitung, 16. MĂ€rz 2005.
- â Robert Probst: Die NSDAP im Bayerischen Landtag 1924â1933, 1998, S. 38.
- â Verhandlungen des Bayerischen Landtages Stenographische Berichte Nr. 1 bis 34, 1. Sitzung am 3. Juni 1924 bis zur 34. Sitzung am 23. Januar 1925, I. Band, S. 81â91 (Sitzung vom 9. Juli 1924) (Digitalisat).
- â Longerich: Hitler, S. 143 und Endnote 678 (Digitalisat).
- â Stachura: Strasser, S. 37; David Jablonsky: The Nazi Party Dissolution. Hitler and the Verbotszeit 1923â25. 2013, S. 103, 108, 135, 140, 142.
- â Wolfgang MĂŒck: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922â1933 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4). Verlag Philipp Schmidt, 2016, ISBN 978-3-87707-990-4, S. 82, 94.
- â Probst: Die NSDAP im Bayerischen Landtag 1924â1933. 1998, S. 43f.
- â Kissenkoetter: Strasser, 1978, S. 17.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor Strasser und die NSDAP. 1978, S. 21.
- â Egner: Die Landshuter Zeit der StraĂer geht zu Ende. In: Landshuter Zeitung, 17. September 2005.
- â a b Dietmar Gottfried: Nazis gegen Hitler. In: Telepolis, 23. September 2012; Abruf vom 13. April 2017.
- â Wolfgang MĂŒck: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922â1933 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4). Verlag Philipp Schmidt, 2016, ISBN 978-3-87707-990-4, S. 84, Anm. 212.
- â Mommsen: Die verspielte Freiheit. 1989, S. 350.
- â Jochen von Lang: Die Partei. Mit Hitler an die Macht und in den Untergang. 1989, S. 162.
- â Ralf Georg Reuth: Goebbels. Eine Biographie, 2013, S. 248. Im Juni 1932 wurde Strassers Rede zum Thema Die Staatsidee des Nationalsozialismus im Rundfunk ĂŒbertragen. Vgl. auch Wolfgang MĂŒck: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922â1933 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4). Verlag Philipp Schmidt, 2016, ISBN 978-3-87707-990-4, S. 124 (hierzu das NeustĂ€dter Anzeigeblatt vom 14. Juni 1932: âEs ist das erste Mal, daĂ der Rundfunk einem Nationalsozialisten freigegeben wirdâ).
- â Ian Kershaw: Hitler, Bd. I, S. 344 (Digitalisat).
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 28 (Digitalisat).
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 29 (Digitalisat).
- â Klaus MĂŒes-Baron: Heinrich Himmler. Aufstieg des ReichsfĂŒhrers SS (1910â1933). 2011, S. 228.
- â Christian Rohrer: Nationalsozialistische Macht in Ostpreussen. 2006, S. 72.
- â Reinhard KĂŒhnl: Die nationalsozialistische Linke 1925â1930. 1966, S. 50.
- â KĂŒhnl: Die nationalsozialistische Linke, S. 48, 51, 213; Patrick Moreau: Nationalsozialismus von links: die âKampfgemeinschaft RevolutionĂ€rer Nationalsozialistenâ und die âSchwarze Frontâ Otto Strassers 1930â1935. 1985, S. 48f.
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 44f.; Egner: Die Landshuter Zeit der StraĂer geht zu Ende. In: Landshuter Zeitung, 17. September 2005.
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 31, 33.
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 32.
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 77; Egner: Vom Tiefpunkt zum zweiten Mann der Partei. In: Landshuter Zeitung, 13. August 2005.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer â NS-Parteiorganisator oder Weimarer Politiker. In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 277 f.
- â Dietrich Orlow: The Nazi Party 1919â1945. A Complete History (Digitalisat).
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer â NS-Parteiorganisator oder Weimarer Politiker. In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 279.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer â NS-Parteiorganisator oder Weimarer Politiker. In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 280.
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 81.
- â Kissenkoetter: Parteiorganisator, S. 282.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor Strasser und die NSDAP. Stuttgart 1978, S. 142 f.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer â NS-Parteiorganisator oder Weimarer Politiker. In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 282.
- â Stachura: Strasser. 2015, S. 85; Kissenkoetter: Strasser, S. 177.
- â Kissenkoetter: Strasser, S. 177.
- â Avraham Barkai: Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus. Ideologie, Theorie, Politik. 1933â1945 (= Fischer 4401). Erweiterte Neuausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-596-24401-3, S. 41 ff.
- â Reinhard Neebe: GroĂindustrie, Staat und NSDAP 1930â1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 45). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-35703-6 (zugleich: Marburg, UniversitĂ€t, Dissertation, 1980; Digitalisat PDF; 6,6 MB ( vom 20. Januar 2020 im Internet Archive)).
- â August Heinrichsbauer: Schwerindustrie und Politik. West-Verlag, Essen/Kettwig 1948, S. 40.
- â Neebe, S. 166.
- â Henry Ashby Turner jr.: Die GroĂunternehmer und der Aufstieg Hitlers. Siedler, Berlin 1985, ISBN 3-88680-143-8, S. 316 f.
- â Peter D. Stachura: âDer Fall Strasserâ: Gregor Strasser, Hitler and National Socialism 1930â1932. In: Peter D. Stachura (Hrsg.): The shaping of the Nazi state. 1978, S. 88â130, hier S. 89, 99, 105 ff.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor Strasser und die NSDAP. DVA, Stuttgart 1978, S. 174. In Anlehnung an SchĂ€tzungen in Memoirenwerken von Otto Strasser: Exil. Selbstverlag, MĂŒnchen 1958, S. 65 und Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse. List, MĂŒnchen 1952, S. 244. Nach einer Mitteilung des Gauleiters Kaufmann an Kissenkoetter war am 7./8. Dezember 1932 zudem die Mehrheit der Gauleiter bereit, eine Namensliste zugunsten Strassers zu unterzeichnen, um dessen Stellung gegenĂŒber Hitler zu stĂ€rken.
- â Ian Kershaw: Hitler. 1998, S. 496.
- â Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur GrĂŒndung der beiden deutschen Staaten 1914â1949. C. H. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 534.
- â a b Udo Kissenkoetter: Gregor Strasser und die NSDAP. DVA, Stuttgart 1978, S. 192 f.
- â a b c Peter Stachura: Gregor Strasser and the Rise of Nazism. Allen & Unwin, London 1983, S. 123.
- â Armin Nolzen: Gregor Strasser. In: Neue Deutsche Biographie, S. 479; Heinrich Egner: Himmler ĂŒbergibt eine Urne mit der Nummer 16. Abschied fĂŒr immer: Gestapo-MĂ€nner fĂŒhren Gregor Strasser aus dem Haus. In: Landshuter Zeitung, 16. Februar 2006.
- â Karl Martin GraĂ: Edgar Jung, Papenkreis und Röhmkrise 1933â34. 1966, Anhang, S. 47.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer und die NSDAP (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 37). DVA, Stuttgart 1978, S. 194f.
- â Eidesstattliche ErklĂ€rung Paul Schulz vom 21. Juli 1951, abgedruckt bei Udo Kissenkoetter: Gregor Strasser und die NSDAP. 1978, S. 204.
- â Rainer Orth: âDer Amtssitz der Oppositionâ? Politik und StaatsumbauplĂ€ne im BĂŒro des Stellvertreters des Reichskanzlers in den Jahren 1933â1934. Köln u. a. 2016, S. 932 unter Berufung auf Zeugnisse von anderen damaligen Insassen des HausgefĂ€ngnisses und damaligen Mitarbeitern der Geheimen Staatspolizei sowie eines HĂ€ftlings des KZ Lichtenburg, demgegenĂŒber sich Eicke dieses Mordes gerĂŒhmt haben soll. Ders.: Der Fall Gregor Strasser. In: Rainer Orth: Der SD-Mann Johannes Schmidt. Der Mörder des Reichskanzlers Kurt von Schleicher? Tectum Verlag, Marburg 2012, S. 95 ff; auĂerdem Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer und die NSDAP (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 37). Stuttgart 1978, S. 194f.; Stachura: Gregor Strasser and the Rise of Nazism, S. 123.
- â Karin Mahlich: Das Krematorium Wedding, GerichtsstraĂe 37. In: Helmut Engel (Hrsg.): Wedding (= Geschichtslandschaft Berlin, Bd. 3). Berlin 1990, S. 181; Gunther Geserick, Ingo Wirth, Klaus Vendura: Die Nacht der langen Messer. In: Dies.: Zeitzeuge Tod. SpektakulĂ€re FĂ€lle der Gerichtsmedizin. Leipzig 2001, insb. Abb. 37 mit einem Faksimile von Strassers Einlieferungseintrag im Zugangsregister des Leichenschauhauses.
- â Karl Dietrich Bracher: Die Auflösung der Weimarer Republik, 1978, S. 602; Jochen von Lang: Die Partei. Mit Hitler an die Macht und in den Untergang, 1989, S. 157.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer â NS-Parteiorganisator oder Weimarer Politiker. In: Ronald Smelser, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Braune Elite. 22 biographische Skizzen. WBG, Darmstadt 1989, S. 283.
- â Jochen von Land/Claus Sibyll: Die Gestapo. Instrument des Terrors, 1990, S. 60. Basierend auf Rudolf Diels: Lucifer ante portas.Zwischen Severing und Heydrich, 1949, S. 51.
- â Peter Longerich: Abrechnung. Hitler, Röhm und die Morde vom 30. Juni 1934, 2024, S. 87. Unter Berufung auf Fritz GĂŒnther von Tschirschky: Erinnerungen eines HochverrĂ€ters, 1972, S. 228f. Tschirschky behauptete weiter, dass ihm spĂ€ter zugetragen worden sei, dass Hitler, nachdem er durch ihn erfahren hatte, dass Strasser nicht, wie man ihm zunĂ€chst gesagt hĂ€tte, durch Suizid gestorben war, sondern ermordet worden war, an den folgenden beiden Tagen so auĂer sich gewesen sei, dass er in den NĂ€chten geschrien und getobt habe.
- â Joachim C. Fest: Hitler. Eine Biographie. 1973, S. 1108.
- â Joachim C. Fest: Hitler. Eine Biographie. 1973, S. 1108.
- â Hans Mommsen: Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar. 1918â1933. 3. Auflage. Ullstein, MĂŒnchen 2001, S. 514.
- â Heinz Höhne: âDer Orden unter dem Totenkopfâ (Buchkapitelabdruck), in: Der Spiegel vom 30. Oktober 1966.
- â Dirk Blasius: Carl Schmitt. Preussischer Staatsrat in Hitlers Reich. 2001, S. 113.
- â Egner: Himmler ĂŒbergibt eine Urne mit der Nummer 16. In: Landshuter Zeitung, 16. Februar 2006.
- â Udo Kissenkoetter: Gregor StraĂer und die NSDAP (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 37). Stuttgart 1978, S. 194 f.
- â Verfassungsschutzbericht 2003 des Freistaates ThĂŒringen (II. Rechtsextremismus) ( vom 22. Juli 2020 im Internet Archive), PDF, S. 21.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Strasser, Gregor |
| ALTERNATIVNAMEN | StraĂer, Gregor |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (NSDAP), MdR |
| GEBURTSDATUM | 31. Mai 1892 |
| GEBURTSORT | Geisenfeld |
| STERBEDATUM | 30. Juni 1934 |
| STERBEORT | Berlin |
- Oberleutnant (Bayern)
- Freikorps-Mitglied
- Mitglied des Bayerischen Landtags in der Weimarer Republik
- Nationalbolschewismus
- TrÀger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP
- NSFP-Mitglied
- Opfer des Röhm-Putsches
- Mordopfer
- Reichsleiter (NSDAP)
- Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich)
- Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)
- Teilnehmer am Hitlerputsch
- TrÀger des Bayerischen MilitÀrverdienstordens
- TrÀger des Eisernen Kreuzes I. Klasse
- Bayer
- Deutscher
- Geboren 1892
- Gestorben 1934
- Mann
