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Gerhard Jobst (* 16. April 1888 in Berlin; † 26. Januar 1963 ebenda) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer.

Leben

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Jobst studierte Architektur und wurde als Regierungsbaumeister zum Dr.-Ing. promoviert. Gemeinsam mit Peter Behrens, Hermann Muthesius und Friedrich Paulsen grĂŒndete er 1917 die „Hochbaunormung Brandenburg“,[1] einen der VorlĂ€ufer des Deutschen Normenausschusses fĂŒr den Bereich Hochbau. Zusammen mit Waldemar Kuhn und Gustav Langen gab er ab 1918 fĂŒr den Deutschen Bund Heimatschutz das Siedlungswerk heraus, eine fachwissenschaftliche Reihe ĂŒber Siedlungsforschung und Siedlungsbau.

1919 wurde er Privatdozent fĂŒr Siedlungswesen in der Abteilung I fĂŒr Architektur (ab 1922 Abteilung Architektur der Fakultat II Bauwesen) der Technischen Hochschule zu Berlin. Von 1922 bis 1928 war er dort beurlaubt, um als Stadtbaurat (Hoofd-Ingenieur) in Batavia in NiederlĂ€ndisch-Indien zu wirken.

Ab 1928 arbeitete er als Stadtbaurat in Kassel. Unter Beibehaltung historischer Baufluchten begann er in der Kasseler Altstadt mit Planungen zur „Auslichtung“ der Baublöcke.[2] In Überarbeitung eines ersten Entwurfs des Kasseler Baurats Ernst Rothe entstand 1930 nach seinen PlĂ€nen das Hallenbad Ost in Formen der Neuen Sachlichkeit. Auch initiierte er den Bau der Rothenbergsiedlung, deren Zeilenbauten zwischen 1929 und 1931 nach PlĂ€nen von Otto Haesler errichtet wurden. Zwischen 1933 und 1936 plante er den „Freiheiter Durchbruch“ am Kasseler Altmarkt.

GrabstÀtte auf dem Friedhof Zehlendorf

Zum 1. Mai 1937 trat Jobst der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.909.706).[3][4] Dann kehrte er nach Berlin zurĂŒck, um am 16. September 1939 als ordentlicher Professor fĂŒr StĂ€dtebau und Siedlungswesen in der Fachabteilung fĂŒr Architektur an der FakultĂ€t II fĂŒr Bauwesen (ab Wintersemester 1942/43 FakultĂ€t II A fĂŒr Architektur) an der Technischen Hochschule zu Berlin die Nachfolge von Hermann Jansen anzutreten. Außerdem wurde er 1942 als Nachfolger von Gottfried Feder zum Leiter der Hochschulgemeinschaft fĂŒr Raumforschung an der Technischen Hochschule zu Berlin ernannt. 1943/1944 war er auch stĂ€ndiger Berater des Arbeitsstabes fĂŒr den Wiederaufbau bombenzerstörter StĂ€dte.[5] Jobst wurde 1945 im Zuge der Entnazifizierung aus dem Lehramt entfernt.[6]

Zum 1. April 1949 wurde Jobst wieder zum Ordinarius fĂŒr StĂ€dtebau und Siedlungswesen eingesetzt, nunmehr an der FakultĂ€t III fĂŒr Architektur der Technischen UniversitĂ€t Berlin. Dagegen hatte sich Hans Scharoun erfolglos beim Rektor beschwert.[7] Jobst versah sein Lehramt bis zu seiner Emeritierung am 30. September 1953. Als Nachfolger berief die Technische UniversitĂ€t 1953 Werner March. Unter Leitung von Jobst wurde 1949 das Zentralinstitut fĂŒr StĂ€dtebau an der Technischen UniversitĂ€t Berlin gegrĂŒndet, einer von den FakultĂ€ten fĂŒr Architektur und Bauingenieurwesen gemeinsam getragenen Einrichtung zur Vermittlung zwischen Praxis und Wissenschaft und zur Nachwuchsförderung im Bereich StĂ€dtebau. Zusammen mit Wilhelm Schwenke (1878–1957) war er dessen Direktor.

Gemeinsam mit Willy Kreuer erhielt er den 1. Preis des im Juni 1953 ausgeschriebenen Interbau-Wettbewerbs fĂŒr das Hansaviertel in Berlin.[8] Nach den EntwĂŒrfen von Gerhard Jobst, Willy Kreuer, Hartmut Wille und Fritz Bornemann entstand ab 1952/1953, eingeweiht am 17. September 1954, die Amerika-Gedenkbibliothek.

Gerhard Jobst war Mitglied des Architektenvereins zu Berlin.[9] Seine GrabstÀtte befindet sich auf dem Friedhof Zehlendorf (Feld 001-402).

Ehrungen

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  • 1958: Ehrensenator der Technischen UniversitĂ€t Berlin
  • 1958: Cornelius-Gurlitt-DenkmĂŒnze
  • 1962: Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • DIN-Ehrenring

Schriften

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  • mit Gustav Langen: Die halblĂ€ndische Vorstadt-Siedlung. Callwey, MĂŒnchen 1918.
  • Die baulichen Einzelheiten des Kleinhauses. Callwey, MĂŒnchen 1919.
  • mit Paul Fischer: LĂ€ndliches Bauwesen. 1920 (mehrere Auflagen bis 1949).
  • MusterplĂ€ne fĂŒr lĂ€ndliche und stĂ€dtische KleinhĂ€user. Deutscher Bund Heimatschutz, Callwey, MĂŒnchen 1921 (= Siedlungswerk, Band XVI).
  • Kleinwohnungsbau in Holland. W. Ernst & Sohn, Berlin 1922.
  • StĂ€dtebauliches von Batavia. In: Der Neubau. Halbmonatsschrift fĂŒr Baukunst, VI. Jahrgang, Heft 24 (24. Dezember 1924).
  • Ausstellungsbauten in Batavia. In: Bauwelt, 1925, Heft 48, S. 1 ff.
  • Die Sanierung der Altstadt in Kassel. In: StĂ€dtebau, 1933, S. 569–573.
  • PlanmĂ€ĂŸig wachsende Bebauung. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 39, 1934, S. 576–580 (bg.polsl.pl [PDF]). 
  • Der Freiheiter Durchbruch in Kassel. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 9999, 1936, S. 518 ff. 
  • LeitsĂ€tze fĂŒr stĂ€dtebauliche Gestaltung. Archiv fĂŒr StĂ€dtebau und Landesplanung, Ernst Wasmuth, TĂŒbingen 1949.

Literatur

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  • Josef Kleihues et al. (Hrsg.): Bauen in Berlin, 1900–2000. Katalog, Berlin 2000.
  • Erich Konter: Die StĂ€dtebaulehre an der Technischen Hochschule Berlin in den 40er Jahren. Eine Studie zur KontinuitĂ€t und DiskontinuitĂ€t der StĂ€dtebaulehre in Berlin. In: Arch+, Heft 81, S. 61 f.

Weblinks

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  • Gerhard Jobst. cp.tu-berlin (Catalogus Professorum der Technische UniversitĂ€t Berlin).
  • Kathrin Chod, Herbert Schwenk, Hainer Weisspflug: Jobst, Gerhard. In: Hans-JĂŒrgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon, Mitte. LuisenstĂ€dtischer Bildungsverein. Haude und Spener / Edition Luisenstadt, Berlin 2003, ISBN 3-89542-111-1 (luise-berlin.de – Stand 7. Oktober 2009). 

Einzelnachweise

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  1. ↑ Gustav Kistenmacher: FertighĂ€user, Montagebauweisen, industriemĂ€ĂŸiges Bauen. Ernst Wasmuth, TĂŒbingen 1950, S. 131
  2. ↑ Gisela Schmitt, Hildegard Schröteler-von Brandt: Stadterneuerung. Eine EinfĂŒhrung. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-05762-6, S. 76 (Google Books)
  3. ↑ Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/18331092
  4. ↑ Jochen Lengemann: BĂŒrgerreprĂ€sentation und Stadtregierung in Kassel 1835–1996. Historische Kommission fĂŒr Hessen, Marburg 2009, ISBN 978-3-86354-135-4, S. 304
  5. ↑ Friedrich Tamms, Wilhelm Wortmann: StĂ€dtebau – Umweltgestaltung. Erfahrungen und Gedanken. Darmstadt 1973 – Zitiert nach: Werner Durth: Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900–1970. Deutscher Taschenbuchverlag, MĂŒnchen 1992, ISBN 3-528-28705-5, S. 251
  6. ↑ Entnazifizierung – Liste mit Mitgliedern des Lehrkörpers und der Verwaltung der Technischen Hochschule Berlin (Hardenbergstraße 34, Charlottenburg), die infolge ihrer Zugehörigkeit zum Nationalsozialismus ausgeschieden sind. archivportal-d.de; abgerufen am 17. Dezember 2022
  7. ↑ Winfried Nerdinger: Walter Gropius. Architekt der Moderne. 1883–1969. C. H. Beck, MĂŒnchen 2019, ISBN 978-3-406-74132-6, S. 317 (Google Books)
  8. ↑ Geschichte der Interbau 1957. hansaviertel.berlin; abgerufen am 17. Dezember 2022.
  9. ↑ Gerhard Jobst. In: Joachim – Jux. kmkbuecholdt.de (Historisches Architektenregister); abgerufen am 17. Dezember 2022
Normdaten (Person): GND: 1072508400 (lobid, GND Explorer, OGND, AKS) | LCCN: nr2006006519 | VIAF: 20142514 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Jobst, Gerhard
KURZBESCHREIBUNG deutscher Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 16. April 1888
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 26. Januar 1963
STERBEORT Berlin
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gerhard_Jobst&oldid=257810610“
Kategorien:
  • Architekt (Berlin)
  • Stadtplaner (Deutschland)
  • Person (niederlĂ€ndische Kolonialgeschichte)
  • Hochschullehrer (Technische UniversitĂ€t Berlin)
  • NSDAP-Mitglied
  • Ehrensenator der Technischen UniversitĂ€t Berlin
  • TrĂ€ger des Großen Bundesverdienstkreuzes
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