Technopedia Center
PMB University Brochure
Faculty of Engineering and Computer Science
S1 Informatics S1 Information Systems S1 Information Technology S1 Computer Engineering S1 Electrical Engineering S1 Civil Engineering

faculty of Economics and Business
S1 Management S1 Accountancy

Faculty of Letters and Educational Sciences
S1 English literature S1 English language education S1 Mathematics education S1 Sports Education
  • Registerasi
  • Brosur UTI
  • Kip Scholarship Information
  • Performance
  1. Weltenzyklopädie
  2. Genisa Ediger
Genisa Ediger 👆 Click Here!
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Synagoge in Ediger

Die Genisa Ediger wurde im Wesentlichen 1998/1999 auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge Ediger im rheinlandpfälzischen Landkreis Cochem-Zell geborgen. In ihr waren liturgische und weltliche Schriften sowie rituelle Gegenstände vor allem aus dem 19. Jahrhundert deponiert, die Einblicke in die landjüdische Gemeinde geben.

Fundumgebung und Hintergrundgeschichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Synagoge wurde als Ersatz für einen älteren Vorgängerbau Mitte des 19. Jahrhunderts unter Verwendung eines um 1500 entstandenen Hauses errichtet. Um 1880 wurde eine Frauenempore eingebaut und straßenseitig ein neuer Zugang geschaffen.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge verwüstet, aber nicht angezündet, da die Bebauung in der Ortslage zu dicht war. Anschließend wurde sie „arisiert“ und als Wirtschaftsgebäude genutzt.

In den 1950er Jahren wurde das Gebäude zwischen zwei Eigentümern geteilt. Die moselseitige Hälfte wurde in den späten 1980er Jahren zu einer Wohnung umgebaut. Der 1999 gegründete Verein „Synagoge Ediger“ kaufte die ehemalige Synagoge 2002/2003, renovierte sie bis 2010 und gestaltete sie zum „Haus der Psalmen“ um, das der Erinnerungsarbeit und dem Gedenken dient.[1][2]

Lage und Fundsituation

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Genisafunde wurden bereits 1979 auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge gemacht.[2] Eine systematische Untersuchung des Dachstuhls und die Bergung weiterer Genisafunde wurde im Sommer 1998 begonnen und im Frühjahr 1999 abgeschlossen. Nachträglich konnten bei der Erneuerung des Dachstuhls 2003 und 2006 weitere Stücke geborgen werden. Die Fundstücke wurden in der Universität Trier untersucht und nach 2013 nach Ediger zurückgeführt.[3]

Nach Abschluss einer zweiten Untersuchung in der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Jahr 2019 wurden noch weitere Fundstücke gemeldet, die zuvor in Privatbesitz gelangt waren. Wie sie dorthin kamen, ist unklar.[4]

Religionsgeschichtlicher Hintergrund

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach jüdischer Tradition werden rituelle Gegenstände und liturgische Schriften, die nach langem Gebrauch nicht mehr benutzbar waren, entweder auf dem Friedhof bestattet oder in einem eigens dafür bestimmten Ort abgelegt. Meist dient hierfür der Dachboden der Synagoge. Dieser Ort wird als Genisa (im Plural Genisot) bezeichnet, einem mittelhebräischen Wort (Lehnwort aus dem Altpersischen),[5] das Schatzkammer, Archiv, Depot bedeutet. Im Jiddischen wird der Begriff Scheimess verwendet, der sich von hebräisch Schemot, „Namen“, herleitet. Gemeint sind Texte, die den heiligen Gottesnamen (HaSchem) enthalten. Sämtliche unbrauchbar gewordenen Schriftstücke, die den Namen Gottes enthalten, werden in einer Genisa abgelegt, um sie vor Entweihung zu schützen.[4]

Die Fundstücke

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefunden wurden rund 230 Fragmente von Büchern und Schriftstücken unterschiedlichster Art sowie Sachgegenstände. Davon waren rund 200 Fragmente von Büchern und Schriftstücken sowie gut 30 Sachgegenstände. Alle Fundstücke sind auf der Website der Universität Mainz auch einzeln einsehbar.[6]

Schriftstücke

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den überlieferten Fragmenten von Büchern, Handschriften und Schriftstücken überwiegen Gebetbücher sowie Bibeln und Bibelkommentare. Den Großteil der Fragmente machen Gebetbüchern aus, bei denen Titel für unterschiedliche Anlässe und Gegebenheiten vertreten sind. Hier wiederum stammen die meisten Fundstücke von Siddurim, die Gebete für den Alltag und den Schabbat, sowie von Machsorim, die Gebete für Feiertage und besondere Anlässe enthalten. Daneben liegen weitere Fragmente von Gebetbüchern auf jiddisch oder etwa für Frauen vor.[7]

Als zweite große Gruppe wurden Reste von Bibeln und Bibelkommentaren gefunden – auf Hebräisch ebenso wie auf Jiddisch. Unter ihnen findet sich der älteste überlieferte Druck in der Genisa, der aus dem Jahr 1606 stammt. Dagegen sind viele weitere Druck aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Orten gedruckter Auflagen nicht datierbar.[8]

Beispiele für weitere Fragmente stammen vom Werk Megillat Antiochos über den Makkabäeraufstand, das kabbalistisch beeinflusste Jom Kippur Katan, praktische Anleitungen wie Minhag-Bücher zur Beachtung von Riten und Bräuchen, Halacha- und Rechtskodizes oder Schächthandbücher.[9] Zudem enthielt die Genisa Lehrbücher, Taschenkalender und Wandkalender, einen Rechenschaftsbericht des jüdischen Altenheims in Jerusalem, aber auch einzelne Blätter deutscher und lateinischer Bücher.[10]

Überraschendweiser beinhaltet die Genisa auch zwei deutsche Dokumente aus der Zeit des Untergangs der Gemeinde. Dies sind ein Schreiben der Gestapo Koblenz von 1933 und ein Urlaubsschein eines Soldaten aus dem Jahr 1941. Wies sie in Geniza gelangten, ist nicht mehr nachvollziehbar.[11]

Sachgegenstände

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Schriftstücken zählen zu den Funden gut 30 weitere rituelle Gegenstände: Die größte Gruppe bilden 19 Lulav-Bänder, mit denen Feststräuße für den Zweig einer Dattelpalme aus Etrog, Lulav, Myrtenzweige und Weidenzweigen gebunden wurden. Mit Abstand folgen vier Torawimpel, vier Mesusa (Schriftkapsel an Türpfosten) und vier Tallitot (Gebetsmantel). Den Abschluss bilden eine Tefillin (Gebetsriemen) und drei Tefillin-Beutel sowie ein Kapporet (Gesimsvorhang am Thoraschrein).[6]

Einordnung der Funde

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn bei jeder Genisa der Zufall in der Zusammensetzung und Überlieferung eine Rolle spielt, lassen sich Aussagen über die Hauptnutzungszeit und die Besitzer treffen. Insbesondere die gefundenen Taschenkalender deuten auf die Hauptnutzungszeit zwischen 1813 und 1892 hin. Gleichzeitig ermöglichen die Buchtitel Rückschlüsse auf die Gemeinde, die das Bild einer typischen landjüdischen Gemeinde ergeben.

Der Umfang der erhaltenen Fragmente von Büchern, Handschriften und Textilfunden ist überschaubar. Die vielen älteren Bücher aus dem 18. Jahrhundert und ihre Reparaturen sind ein Beleg für eine lange Nutzung der Titel. Bücher konnten bei Schäden nicht so einfach ersetzt werden. Das Alter vieler Bände und ihre Reparaturen zeigen, dass Neuankäufe oft nicht möglich waren, da die finanziellen Mittel fehlten.

Es überwiegen Titel, die als praktische Anleitungen diente, etwa zur Kindererziehung, zu den Speisegeboten oder zum koscheren Schächten von Tieren. Dagegen fehlten Wirtschaftsdokumente und Bücher der Erzählliteratur. Auch Beerdigungs- und Trauertexte fehlten im Vergleich zu anderen Genisot – wahrscheinlich, weil Beerdigungen nicht im Ort, sondern in Beilstein stattfanden.[12]

Im Resultat sind die Funde vergleichbar mit vielen anderen Gemeinden dieser Zeit und die Gemeinde in Ediger ist als eine typische kleine landjüdische Gemeinde einzuordnen. Die Anzahl der überlieferten Gegenstände nahm in den letzten Jahrzehnten ab, da die Landflucht auch die jüdische Gemeinde betraf, bis die Nationalsozialisten die letzten jüdischen Bewohner des Ortes deportierten und ermordeten.[13]

Siehe auch

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Synagoge (Ediger)

Literatur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Andreas Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger. Verlag Andreas Lehnhardt / epubli Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-7549-0267-7.
  • Anne Holl: Unter uns. Jüdisches Leben in Ediger an der Mosel. Rhein Mosel Verlag, Zell/Mosel 2021, ISBN 978-3-89801-385-7.

Weblinks

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Genisa-Projekt Ediger RLP, Website der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter blogs.uni-mainz.de, abgerufen am 9. Januar 2026

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 14
  2. ↑ a b Holl: Unter uns. Jüdisches Leben in Ediger an der Mosel, S. 44
  3. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 17
  4. ↑ a b Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 19f.
  5. ↑ Gesenius. 18. Aufl. 2013, S. 225.
  6. ↑ a b Übersicht über die Funde (der Genisa Ediger), Website der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter blogs.uni-mainz.de
  7. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 56
  8. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 30ff.
  9. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 80–92
  10. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 95–108
  11. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 124f.
  12. ↑ vgl. Holl: Unter uns. Jüdisches Leben in Ediger an der Mosel, S. 46
  13. ↑ Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge Ediger, S. 127f.

50.0948537.157825Koordinaten: 50° 5′ 41,5″ N, 7° 9′ 28,2″ O

Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Genisa_Ediger&oldid=263275730“
Kategorien:
  • Ediger-Eller
  • Judentum im Landkreis Cochem-Zell
  • Geniza

  • indonesia
  • Polski
  • العربية
  • Deutsch
  • English
  • Español
  • Français
  • Italiano
  • مصرى
  • Nederlands
  • 日本語
  • Português
  • Sinugboanong Binisaya
  • Svenska
  • Українська
  • Tiếng Việt
  • Winaray
  • 中文
  • Русский
Sunting pranala
Pusat Layanan

UNIVERSITAS TEKNOKRAT INDONESIA | ASEAN's Best Private University
Jl. ZA. Pagar Alam No.9 -11, Labuhan Ratu, Kec. Kedaton, Kota Bandar Lampung, Lampung 35132
Phone: (0721) 702022
Email: pmb@teknokrat.ac.id