Eine elektromagnetische Welle ist eine Welle aus gekoppelten elektrischen und magnetischen Feldern, die sich im Raum ausbreiten. Den damit verbundenen Energietransport bezeichnet man als elektromagnetische Strahlung.[1] Beispiele fĂŒr elektromagnetische Wellen sind Radiowellen, Mikrowellen, Infrarotstrahlung, Licht, Röntgenstrahlung und Gammastrahlung (AufzĂ€hlung nach aufsteigender Frequenz ĂŒber 20 GröĂenordnungen hinweg; ab Infrarot bevorzugt man das Wort âStrahlungâ.[1]). Die Wechselwirkung elektromagnetischer Wellen mit Materie hĂ€ngt von ihrer Frequenz ab.
Anders als zum Beispiel Schallwellen benötigen elektromagnetische Wellen kein Medium, um sich fortzupflanzen. Sie können sich daher auch ĂŒber weiteste Entfernungen im Weltraum ausbreiten. Sie bewegen sich im Vakuum unabhĂ€ngig von ihrer Frequenz mit Lichtgeschwindigkeit fort. Elektromagnetische Wellen können sich aber auch in Materie ausbreiten (etwa einem Gas oder einer FlĂŒssigkeit), ihre Phasengeschwindigkeit ist dann verringert und hĂ€ngt vom Brechungsindex ab.
Freie elektromagnetische Wellen im leeren Raum sind Transversalwellen und zeigen daher das PhÀnomen der Polarisation. Ihre Vektoren des elektrischen und des magnetischen Feldes stehen senkrecht aufeinander und auf der Ausbreitungsrichtung. Bewegliche LadungstrÀger beeinflussen die Form der Welle, wobei auch die TransversalitÀt verletzt wird.
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Elektromagnetische Wellen können durch unterschiedliche Ursachen entstehen:
- Spontane Emission, wenn sich die Energie eines Atoms verringert. Dabei sind EnergieĂ€nderungen der AtomhĂŒlle meist um GröĂenordnungen geringer als EnergieĂ€nderungen des Atomkerns. Wird das Atom wĂ€hrend der Zeitdauer der Energieabstrahlung aus der HĂŒlle âin Ruhe gelassenâ (wie in verdĂŒnnten Gasen), entsteht ein scharfes Linienspektrum. Das ist bei hohem Druck, wie in Höchstdrucklampen und beim Xenonlicht oder bei Atomen in Festkörpern nicht der Fall. Dort können wegen Druckverbreiterung keine wohldefinierten Spektrallinien mehr gemessen werden.
- Bremsstrahlung: Elektromagnetische Wellen entstehen auch, wenn LadungstrÀger beschleunigt werden. Das geschieht beispielsweise im Plasma der Sonne oder in der Röntgenröhre.
- MolekĂŒlschwingungen (periodische Bewegungen von benachbarten Atomen in einem MolekĂŒl)
- LarmorprĂ€zession eines Teilchens mit einem magnetischen Dipolmoment um die Richtung eines von auĂen angelegten Magnetfelds.
- Eine Bewegung von elektrisch geladenen Teilchen mit hoher Geschwindigkeit durch ein Medium. Wenn die Geschwindigkeit der Teilchen gröĂer ist als die Phasengeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen in diesem Medium, entsteht Tscherenkow-Strahlung.
- Ein zeitlich verĂ€nderlicher elektrischer Strom gibt elektromagnetische Wellen ab. Im einfachsten Fall handelt es sich um einen hochfrequenten Wechselstrom in einem geraden elektrischen Leiter, dem Hertzschen Dipol. In der Funktechnik nutzt man dies mit Sende-Antennen zur drahtlosen Ăbertragung von Signalen.
- Bei der Paarvernichtung wird Materie in elektromagnetische Strahlung verwandelt. Die Energie der Strahlung ergibt sich dabei aus der Masse und der kinetischen Energie der Teilchen.
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorhandene elektromagnetische Wellen feststellen und messen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]EmpfĂ€nger fĂŒr elektromagnetische Strahlung nennt man Sensoren oder Detektoren, bei Lebewesen Photorezeptoren. Radio-, Fernseh- und Mobilfunkwellen können mittels Antennen detektiert werden.
An einer elektromagnetischen Welle lĂ€sst sich (unter anderem) die Wellengeschwindigkeit messen, einerseits die im Vakuum universale Konstante Lichtgeschwindigkeit , sowie davon abweichende Werte fĂŒr die Phasengeschwindigkeit in einem durchlĂ€ssigen (durchsichtigen) Medium. Messbar ist ferner die IntensitĂ€t, gleichbedeutend mit der Leistung, bzw. mit der pro Zeit durch einen bestimmten Querschnitt transportierten Energie.
Um die WellenlÀnge und Frequenz zu messen, gibt es je nach Wertebereich unterschiedliche Methoden. WellenlÀnge und Frequenz lassen sich durch
ineinander umrechnen.
Wellencharakter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Physikalisch betrachtet handelt es sich bei elektromagnetischen Wellen um sich ausbreitende Schwingungen des elektromagnetischen Feldes. Hierbei stehen elektrisches und magnetisches Feld bei linear polarisierten Wellen senkrecht aufeinander und haben ein festes GröĂenverhĂ€ltnis, welches durch die Wellenimpedanz gegeben ist. Insbesondere verschwinden elektrisches und magnetisches Feld an denselben Orten zur selben Zeit, so dass die hĂ€ufig gelesene Darstellung, dass sich elektrische und magnetische Energie zyklisch ineinander umwandeln, im Fernfeld nicht richtig ist. Sie stimmt allerdings zum Beispiel fĂŒr das Nahfeld eines elektromagnetische Wellen erzeugenden elektrischen Dipols oder Schwingkreises.
Die Entstehung elektromagnetischer Wellen erklĂ€rt sich aus den maxwellschen Gleichungen: Die zeitliche Ănderung des elektrischen Feldes ist stets mit einer rĂ€umlichen Ănderung des magnetischen Feldes verknĂŒpft. Ebenso ist wiederum die zeitliche Ănderung des magnetischen Feldes mit einer rĂ€umlichen Ănderung des elektrischen Feldes verknĂŒpft. FĂŒr periodisch (insbesondere sinusförmig) wechselnde Felder ergeben diese Effekte zusammen eine fortschreitende Welle.
Beispiele fĂŒr Experimente, in denen der Wellencharakter zum Tragen kommt:
- Erscheinungen wie KohĂ€renz und Interferenz lassen sich nur mit dem Wellenmodell erklĂ€ren, weil dafĂŒr die Phase der Welle gebraucht wird.
- Antennen fĂŒr die von Rundfunksendern emittierte Strahlung sind auf die GröĂe der WellenlĂ€nge abgestimmt. Beispielsweise ist eine effiziente Dipolantenne halb so lang wie die WellenlĂ€nge. Eine Beschreibung der Strahlung als sehr groĂe Anzahl an Photonen bietet keinen Vorteil, da es kein MessgerĂ€t gibt, um derart energiearme Photonen einzeln nachzuweisen.
Teilchencharakter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr bestimmte Eigenschaften elektromagnetischer Wellen (z. B. photoelektrischer Effekt) genĂŒgt das oben beschriebene Wellenmodell nicht, um alle beobachtbaren PhĂ€nomene zu beschreiben, vielmehr treten die Teilcheneigenschaften einzelner Photonen, der Quanten des elektromagnetischen Feldes, in den Vordergrund. Der Wellencharakter (etwa Interferenz) bleibt aber voll erhalten. Man spricht deshalb vom Dualismus von Teilchen und Welle.
Im Rahmen dieser Teilchenvorstellung des Lichtes werden einer Welle der Frequenz Photonen der Energie zugeordnet, wobei die Planck-Konstante ist. Umgekehrt haben auch Teilchen wie zum Beispiel Elektronen Welleneigenschaften (siehe auch Elektrischer Strom). Beide Aspekte elektromagnetischer Wellen lassen sich im Rahmen der Quantenelektrodynamik erklÀren.
Beispiele fĂŒr Wirkungen, in denen der Teilchencharakter zum Tragen kommt:
- Beim Compton-Effekt trifft eine elektromagnetische Welle aus einer bestimmten Richtung auf ein Elektron und fliegt dann in anderer Richtung und mit anderer WellenlĂ€nge weiter. Bei jedem Ablenkwinkel entspricht die Ănderung der WellenlĂ€nge genau dem Energieverlust, den ein Photon der ankommenden Welle erleidet, wenn es wie ein elastischer Körper mit dem Elektron zusammengestoĂen ist. Zur Beschreibung dieser Wechselwirkung muss also der Teilchencharakter des Lichts herangezogen werden. Jeder Versuch, die beobachtete Ănderung der WellenlĂ€nge mit dem Wellenmodell zu erklĂ€ren, scheitert.
- Beim photoelektrischen Effekt ist die kinetische Energie der herausgeschlagenen Elektronen nicht von der Amplitude der Strahlung abhĂ€ngig, sondern wĂ€chst linear mit der Frequenz. Dies ist nur ĂŒber den Teilchencharakter erklĂ€rbar.
- Photonen mit genĂŒgender Energie (etwa von einigen Elektronvolt aufwĂ€rts) wirken auf Materie ionisierend, wenn ihre Energie die Bindungsenergie der Elektronen ĂŒberschreitet (Fotochemie). Sie können chemische (photochemische) Wirkungen auslösen, was auch als AktinitĂ€t bezeichnet wird.
Wellen im Medium
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Phasengeschwindigkeit mit der sich eine monochromatische Welle in einem Medium bewegt, ist typischerweise geringer als im Vakuum. Sie hÀngt in linearer NÀherung von der PermittivitÀt und der PermeabilitÀt des Stoffes ab,
und ist damit abhĂ€ngig von der Frequenz der Welle (siehe Dispersion) und bei doppelbrechenden Medien auch von ihrer Polarisation und Ausbreitungsrichtung. Die Beeinflussung der optischen Eigenschaften eines Mediums durch statische Felder fĂŒhrt zur Elektrooptik bzw. Magnetooptik.
Eine direkte Krafteinwirkung (z. B. RichtungsÀnderung) auf eine sich ausbreitende elektromagnetische Welle kann nur durch das Ausbreitungsmedium erfolgen (siehe Brechung, Reflexion, Streuung und Absorption) bzw. vermittelt werden (siehe Nichtlineare Optik und Akustooptischer Modulator).
Spektrum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Elektromagnetische Wellen sind im elektromagnetischen Spektrum nach der WellenlÀnge eingeteilt. Eine Liste von Frequenzen und Beispiele elektromagnetischer Wellen gibt es im entsprechenden Artikel.
Das sichtbare Licht stellt nur einen geringen Teil des gesamten Spektrums dar und ist, mit Ausnahme der Infrarotstrahlung (WĂ€rme), der einzige Bereich, der von Menschen ohne technische Hilfsmittel wahrgenommen werden kann. Bei niedrigeren Frequenzen ist die Energie der Photonen zu gering, um chemische Prozesse auslösen zu können. Bei höheren Frequenzen hingegen beginnt der Bereich der ionisierenden Strahlung (RadioaktivitĂ€t), bei der ein einziges Photon MolekĂŒle zerstören kann. Dieser Effekt tritt bereits bei Ultraviolett-Strahlung auf und ist fĂŒr die Bildung von Hautkrebs bei ĂŒbermĂ€Ăiger Sonnenexposition verantwortlich.
Beim Eintritt in ein optisch dichteres oder dĂŒnneres Medium Ă€ndert sich die WellenlĂ€nge, wĂ€hrend die Frequenz unverĂ€ndert bleibt. Daher bestimmt nicht die WellenlĂ€nge, sondern die Frequenz die Farbe von Licht und generell die Zugehörigkeit zu einem Spektralbereich. In Spektren wird aus historischen GrĂŒnden aber meist die WellenlĂ€nge als charakteristische Eigenschaft angegeben. Gemeint ist dabei die WellenlĂ€nge im Vakuum; die WellenlĂ€nge von sichtbarem Licht ist in Luft um ca. 0,03 % kĂŒrzer. Die Farben von monochromatischem, also Licht mit nur einer einzigen WellenlĂ€nge, nennt man Spektralfarben.

Biologische und chemische Wirkung
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Bei der Wechselwirkung von elektromagnetischer Strahlung mit biologischer Materie muss zwischen ionisierender Strahlung (gröĂer 5 eV) und nicht-ionisierender Strahlung unterschieden werden. Bei der ionisierenden Strahlung reicht die Energie aus, um Atome oder MolekĂŒle zu ionisieren, d. h. Elektronen herauszuschlagen. Dadurch werden freie Radikale erzeugt, die biologisch schĂ€dliche Reaktionen hervorrufen. Erreicht oder ĂŒbersteigt die Energie von Photonen die Bindungsenergie eines MolekĂŒls, kann jedes Photon ein MolekĂŒl zerstören, sodass beispielsweise eine beschleunigte Alterung der Haut oder Hautkrebs auftreten kann. Chemische Bindungsenergien stabiler MolekĂŒle liegen oberhalb von etwa 3 eV pro Bindung. Soll es zu MolekĂŒlĂ€nderungen kommen, mĂŒssen Photonen mindestens diese Energie besitzen, was violettem Licht oder höherfrequenter Strahlung entspricht.
Bei der Wechselwirkung von nicht-ionisierender Strahlung unterscheidet man zwischen thermischen Effekten[2] (Strahlung wirkt erwĂ€rmend, weil sie durch das Gewebe absorbiert wird), direkten Feldeffekten (induzierte Dipolmomente, Ănderung von Membran-Potentialen), Quanten-Effekten[3] und Resonanzeffekten (Synchronisation mit Schwingung der Zellstruktur).[4]
Ein Photon mit einer WellenlĂ€nge von 700 nm oder kĂŒrzer kann im MolekĂŒl Rhodopsin die Ănderung der Konformation hervorrufen. Im Auge wird diese Ănderung aufgenommen und als Signal vom Nervensystem weiter verarbeitet. Die Empfindlichkeit fĂŒr eine bestimmte WellenlĂ€nge Ă€ndert sich bei Modifikationen des Rhodopsins. Dies ist die biochemische Grundlage des Farbsinns. Photonen von Licht mit einer WellenlĂ€nge ĂŒber 0,7 ÎŒm haben eine Energie unter 1,7 eV. Diese Wellen können keine chemischen Reaktionen an MolekĂŒlen bewirken, die bei Zimmertemperatur stabil sind. Aus diesem Grund können Tieraugen normalerweise keine Infrarot- oder WĂ€rmestrahlung sehen. 2013 entdeckten Forscher jedoch, dass der Buntbarsch Pelvicachromis taeniatus im Nah-Infrarotbereich sehen kann.[5] Es gibt auĂerdem andere Sinnesorgane fĂŒr Infrarotstrahlung, wie das Grubenorgan bei Schlangen.
Photonen können Schwingungen von MolekĂŒlen oder im Kristallgitter eines Festkörpers anregen. Diese Schwingungen machen sich im Material als thermische Energie bemerkbar. ZusĂ€tzliche durch elektromagnetische Wellen angeregte Schwingungen erhöhen die Temperatur des Materials. Anders als bei der Wirkung von einzelnen Photonen auf chemischen Bindungen, kommt es hierbei nicht auf die Energie der einzelnen Photonen an, sondern auf die Summe der Energie aller Photonen, also auf die IntensitĂ€t der Strahlung. Durch Hitzedenaturierung kann langwellige elektromagnetische Strahlung auf indirekte Weise biologische Stoffe Ă€ndern.
Ausbreitungsgeschwindigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausbreitungsgeschwindigkeit als Konsequenz der Maxwellschen Gleichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie schnell sich Licht ungefĂ€hr ausbreitet, war seit 1676 bekannt. Allerdings fehlte bis 1865 jeder Zusammenhang zu anderen physikalischen Erscheinungen. Diesen konnte James Clerk Maxwell in den Jahren 1861 bis 1862 durch die von ihm gefundenen Maxwell-Gleichungen herstellen[6], welche die Existenz elektromagnetischer Wellen vorhersagen. Deren Geschwindigkeit stimmte mit der damals bekannten Lichtgeschwindigkeit so gut ĂŒberein, dass sofort ein Zusammenhang hergestellt wurde. Diese Wellen konnte Heinrich Hertz in den 1880er-Jahren experimentell nachweisen.
In der klassischen Mechanik werden Wellen (in Ausbreitungsrichtung ) durch die Wellengleichung
beschrieben. Hierbei bezeichnet die Auslenkung der Welle und ihre Phasengeschwindigkeit, die hier als Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle interpretiert werden kann.
Aus den Maxwellgleichungen lĂ€sst sich im Vakuum fĂŒr die elektrische FeldstĂ€rke die Beziehung:
herleiten (in SI-Einheiten; siehe Abschnitt Mathematische Beschreibung). Die elektrische FeldstĂ€rke verhĂ€lt sich in dieser Beziehung also wie eine Welle; die GröĂe
tritt als Ausbreitungsgeschwindigkeit auf.
Lichtgeschwindigkeit und spezielle RelativitÀtstheorie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Grundlage der klassischen Mechanik ist das galileische RelativitÀtsprinzip, das besagt, dass die Naturgesetze in allen Inertialsystemen dieselbe Form haben (Galilei-Invarianz). Ein sich zu einem Inertialsystem mit konstanter Geschwindigkeit fortbewegendes Bezugssystem ist ebenfalls ein Inertialsystem. Insbesondere gilt, dass bei einem Wechsel des Bezugssystems die Relativgeschwindigkeit zwischen den beiden Systemen bei jeder beobachteten Bewegung subtrahiert werden muss.
Nach den Maxwellschen Gleichungen breitet sich eine elektromagnetische Welle mit einer vom Bewegungszustand der Lichtquelle unabhĂ€ngigen Geschwindigkeit aus. Bewegt sich ein Beobachter relativ zur Lichtquelle, so mĂŒsste er, wenn man die Galilei-Transformation auf die Maxwell-Gleichungen anwendet, eine verĂ€nderte Lichtgeschwindigkeit messen. Dies steht einerseits im Widerspruch zum RelativitĂ€tsprinzip, demzufolge in allen Inertialsystemen dieselben physikalischen Gesetze gelten sollten. Andererseits lieĂ sich eine solche AbhĂ€ngigkeit der Lichtgeschwindigkeit vom Bezugssystem experimentell nicht nachweisen[7] (siehe Michelson-Morley-Experiment).
Albert Einstein löste diesen scheinbaren Widerspruch mit der speziellen RelativitĂ€tstheorie auf, die er im Jahr 1905 veröffentlichte. Er gab die Vorstellung eines absoluten, fĂŒr alle Beobachter gleichen Bezugsrahmens auf, wie er in Form des so genannten LichtĂ€thers in der Physik des 19. Jahrhunderts angenommen wurde. An dessen Stelle setzte er zwei Postulate: Das RelativitĂ€tsprinzip und die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, also die UnabhĂ€ngigkeit der Lichtgeschwindigkeit vom Bewegungszustand der Lichtquelle.[7] Aus beiden Postulaten folgte unmittelbar, dass die Lichtgeschwindigkeit in allen Inertialsystemen denselben Wert hat, allerdings um den Preis, dass LĂ€ngen und Zeiten nun bezugssystemabhĂ€ngig sind. An Stelle der Galilei-Transformation tritt die sogenannte Lorentz-Transformation.
Ausbreitungsgeschwindigkeit in einem Medium
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem Medium werden die beiden Feldkonstanten durch das Material geĂ€ndert, was durch die Faktoren relative PermittivitĂ€t und relative PermeabilitĂ€t berĂŒcksichtigt wird. Beide hĂ€ngen von der Frequenz ab. Die Lichtgeschwindigkeit im Medium ist dementsprechend
- .
Das VerhĂ€ltnis der Lichtgeschwindigkeit in Vakuum zu der in einem Medium ist der (frequenzabhĂ€ngige) Brechungsindex des Mediums. Der Zusammenhang des Brechungsindex mit der relativen PermittivitĂ€t und der relativen PermeabilitĂ€t heiĂt auch maxwellsche Relation:

Wegen der im Allgemeinen gegebenen AbhĂ€ngigkeit von und von der Frequenz der Welle ist zu beachten, dass die Phasengeschwindigkeit im Medium bezeichnet, mit der Punkte gleicher Phase (z. B. Minima oder Maxima) einer ebenen Welle mit konstanter Amplitude fortschreiten. Die HĂŒllkurve eines rĂ€umlich begrenzten Wellenpakets pflanzt sich hingegen mit der Gruppengeschwindigkeit fort. In Medien weichen diese beiden Geschwindigkeiten mehr oder weniger voneinander ab. Insbesondere bedeutet ein Brechungsindex lediglich, dass sich die Wellenberge schneller als ausbreiten. Wellenpakete, mit denen Information und Energie transportiert werden, sind weiterhin langsamer als .[8]
Transversal modulierte Welle im Vakuum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach den Maxwell-Gleichungen ergibt sich die von der WellenlĂ€nge unabhĂ€ngige Lichtgeschwindigkeit u. a. fĂŒr den Fall einer im Vakuum unendlich ausgedehnten ebenen Welle mit einer wohldefinierten Fortpflanzungsrichtung. DemgegenĂŒber hat jede praktisch realisierbare Lichtwelle immer ein gewisses Strahlprofil. Wird dies als Ăberlagerung von ebenen Wellen mit leicht verĂ€nderten Fortpflanzungsrichtungen dargestellt, haben die einzelnen ebenen Wellen zwar alle die Vakuumlichtgeschwindigkeit , jedoch gilt dies nicht notwendig fĂŒr die durch die Ăberlagerung entstehende Welle. Es resultiert eine leicht verlangsamte Welle. Das konnte an speziell geformten Bessel-Strahlen von Mikrowellen und sichtbarem Licht auch nachgewiesen werden, sogar fĂŒr die Geschwindigkeit einzelner Photonen.[9][10] Bei allen praktisch realisierbaren Lichtwellen, auch bei scharf gebĂŒndelten Laserstrahlen, ist dieser Effekt aber vernachlĂ€ssigbar klein.
Mathematische Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die elektromagnetische Wellengleichung ergibt sich direkt aus den Maxwellgleichungen sowie der Divergenzfreiheit elektromagnetischer Wellen und lautet im Vakuum
- .
Betrachtet man die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen in polarisierbaren Medien, so muss zusÀtzlich die Polarisation betrachtet werden:
Herleitung der elektromagnetischen Wellengleichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die zur Wellenausbreitung gehörigen mathematischen Beziehungen lassen sich auf Basis der maxwellschen Gleichungen nachvollziehen. Insbesondere lÀsst sich dieselbe Form der Wellengleichung herleiten, mit der sich andere Arten von Wellen, beispielsweise Schallwellen, ausbreiten.
Im Vakuum, also im ladungsfreien Raum unter Ausschluss von dielektrischen, dia- und paramagnetischen Effekten sind die Materialgleichungen der Elektrodynamik und . AuĂerdem sind die Stromdichte und Ladungsdichte null.
Ausgehend von der dritten maxwellschen Gleichung
(1)
| ||
wendet man auf beide Seiten den Rotationsoperator an. Dadurch erhÀlt man:
- .
Setzt man darin die vierte maxwellsche Gleichung (mit ) ein,
- ,
ergibt sich
.
|
(2)
| |
Dazu gilt ganz allgemein die vektoranalytische Beziehung
- .
Dabei ist mit die Anwendung des vektoriellen Laplace-Operators auf das Vektorfeld gemeint. In kartesischen Koordinaten wirkt der vektorielle Laplace-Operator wie der skalare Laplace-Operator auf jede Komponente von .
Wendet man diese Beziehung auf an und berĂŒcksichtigt, dass der ladungsfreie Raum betrachtet wird, in dem nach der ersten maxwellschen Gleichung die Divergenz von null betrĂ€gt, so folgt:
.
|
(3)
| |
Setzt man nun (2) und (3) zusammen, ergibt sich folgende Wellengleichung:
.
|
(4)
| |
Fast alle Wellen lassen sich durch Gleichungen der Form
beschreiben, wobei die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle ist. FĂŒr die Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen, die Lichtgeschwindigkeit , gilt daher:
- .
Damit erhÀlt man aus (4) die Gleichung
- .
Analog kann man fĂŒr die magnetische Flussdichte die Beziehung
herleiten. Die Lösungen dieser Gleichungen beschreiben Wellen, die sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Breitet sich die elektromagnetische Welle in isotropem Material mit der DielektrizitÀtskonstante und der PermeabilitÀt aus, betrÀgt die Ausbreitungsgeschwindigkeit
- .
Darin sind aber im Allgemeinen die Materialkonstanten nicht linear, sondern können von der FeldstĂ€rke oder der Frequenz abhĂ€ngen. WĂ€hrend Licht sich in der Luft fast mit Vakuumlichtgeschwindigkeit ausbreitet (die Materialkonstanten sind in guter NĂ€herung 1), gilt das fĂŒr die Ausbreitung in Wasser nicht, was unter anderem den Tscherenkow-Effekt ermöglicht.
Das VerhÀltnis der Vakuumlichtgeschwindigkeit zur Geschwindigkeit im Medium wird als Brechungsindex bezeichnet.
- ,
wo und die relative PermeabilitÀt und die relative PermittivitÀt des Mediums bezeichnen.
Ausbreitung elektromagnetischer Wellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Hilfe der Maxwellgleichungen lassen sich aus der Wellengleichung noch weitere SchlĂŒsse ziehen. Betrachten wir eine allgemeine ebene Welle fĂŒr das elektrische Feld
- ,
wo die (konstante) Amplitude ist, eine beliebige zweimal differenzierbare Funktion, ein Einheitsvektor, der in Propagationsrichtung zeigt, und ein Ortsvektor. ZunĂ€chst sieht man durch Einsetzen in die Wellengleichung, dass die Wellengleichung erfĂŒllt, dass also
- .
Damit nun eine elektromagnetische Welle beschreibt, muss es aber nicht nur die Wellengleichung erfĂŒllen, sondern auch die Maxwellgleichungen. Das bedeutet
- ,
- .
Das elektrische Feld steht also stets senkrecht zur Propagationsrichtung, es handelt sich somit um eine Transversalwelle. Einsetzen von in eine weitere Maxwellgleichung ergibt
und da ist, folgt daraus
- .
Die magnetische Flussdichte in der elektromagnetischen Welle steht also ebenfalls senkrecht zur Propagationsrichtung und auch senkrecht zum elektrischen Feld. AuĂerdem stehen ihre Amplituden in einem festen VerhĂ€ltnis. Ihr Quotient ist die Lichtgeschwindigkeit
- .
In natĂŒrlichen Einheiten () haben beide Amplituden den gleichen Wert.
Mit dieser Beziehung lĂ€sst sich eine Aussage ĂŒber die Energiedichte
des elektromagnetischen Felds fĂŒr den Fall der elektromagnetischen Welle herleiten:
- .
Nicht jede elektromagnetische Welle hat die Eigenschaft, dass ihre Ausbreitungsrichtung sowie die Richtungen des elektrischen als auch des magnetischen Feldes paarweise orthogonal zueinander sind, die Welle also eine reine Transversalwelle ist, auch TEM-Welle genannt. Die hier demonstrierten ebenen Wellen sind von diesem Typ, daneben existieren aber auch Wellen, in denen nur einer der beiden Feldvektoren senkrecht auf der Ausbreitungsrichtung steht, der andere aber eine Komponente in Ausbreitungsrichtung hat (TM- und TE-Wellen). Ein wichtiger Anwendungsfall fĂŒr solche nicht rein transversale elektromagnetische Wellen sind zylindrische Wellenleiter. Das Gesagte gilt aber vor allem in Kristallen mit Doppelbrechung.[11] Allerdings gibt es keine rein longitudinalen elektromagnetischen Wellen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- John David Jackson: Klassische Elektrodynamik. 4. Auflage. de Gruyter, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-11-018970-4.
- Karl KĂŒpfmĂŒller, Wolfgang Mathis, Albrecht Reibiger: Theoretische Elektrotechnik. Eine EinfĂŒhrung. 16. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-20792-9.
- Claus MĂŒller: Grundprobleme der mathematischen Theorie elektromagnetischer Schwingungen (= Die Grundlehren der mathematischen Wissenschaften in Einzeldarstellungen. 88, ISSN 0072-7830). Springer, Berlin u. a. 1957.
- Eduard Rhein: Wunder der Wellen : Rundfunk u. Fernsehen, dargest. f. jedermann, Ausgabe 69.â80. Tsd., Deutscher Verl. d. Ullstein A.G., Berlin-Tempelhof 1954. DNB
- KĂĄroly Simonyi: Theoretische Elektrotechnik. 10. Auflage. Barth, Leipzig u. a. 1993, ISBN 3-335-00375-6.
- Klaus Karg: Antennen und Strahlungsfelder, 10. Auflage, Springer Fachmedien-Verlag, Wiesbaden 2025, ISBN 978-3-658-49996-9.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Versuche und Aufgaben auf SchĂŒlerniveau (LEIFI)
- Einfache Simulation zur Ausbreitung von elektromagnetischer Strahlung
- Anschauliche Herleitung von elektromagnetischen Wellen aus den Maxwell-Gleichungen, nahezu formelfrei
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â a b Was sind elektromagnetische Felder, Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz
- â Kenneth R. Foster, Michael H. Repacholi: Biological Effects of Radiofrequency Fields: Does Modulation Matter? In: Radiation Research. Bd. 162, Nr. 2, 2004, S. 219â225, JSTOR:3581139.
- â Henrik Bohr, SĂžren Brunak, Jakob Bohr: Molecular wring resonances in chain molecules. In: Bioelectromagnetics. Bd. 18, Nr. 2, 1997, S. 187â189, doi:10.1002/(SICI)1521-186X(1997)18:2<187::AID-BEM13>3.0.CO;2-O.
- â Walter Hoppe, Wolfgang Lohmann, Hubert Markl, Hubert Ziegler (Hrsg.): Biophysik. 2., völlig neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin u. a. 1982, ISBN 3-540-11335-5.
- â Reinhard Wandtner: Erster Nachweis bei Tieren: Infrarot beim Beutefang. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Februar 2013 (faz.net).
- â M. Guarnieri: Two Millennia of Light: The Long Path to Maxwellâs Waves. In: IEEE Industrial Electronics Magazine. 9. Jahrgang, Nr. 2, 2015, S. 54â56+60, doi:10.1109/MIE.2015.2421754 (englisch).
- â a b Albert Einstein: âZur Elektrodynamik bewegter Körperâ, Annalen der Physik, 1905, S. 891â921
- â Die Beziehungen fĂŒr die Phasengeschwindigkeit bzw. die Gruppengeschwindigkeit werden mathematisch besonders einfach, wenn man statt der Frequenz die Kreisfrequenz und statt der WellenlĂ€nge die reziproke GröĂe benutzt, die sogenannte âWellenzahlâ: Dann ist die Phasengeschwindigkeit durch den Quotienten gegeben, die Gruppengeschwindigkeit durch die Ableitung der Funktion
- â D. Giovannini u. a.: Spatially structured photons that travel in free space slower than the speed of light. Auf: sciencemag.org. 22. Januar 2015. doi:10.1126/science.aaa3035.
- â Lichtquanten trödeln im Vakuum. ( vom 8. April 2016 im Internet Archive) Auf: pro-physik.de. 22. Januar 2015.
- â NĂ€heres zur Kristalloptik (Doppelbrechung u. a.) in: W. Döring, Göschen-BĂ€ndchen zur Theoretischen Physik, Band âOptikâ.
