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Dysphorie – Wikipedia 👆 Click Here!
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ein Detail der Skulptur „Die Grablegung Christi“ aus dem Jahr 1672, das die weinende Maria Magdalena als Ausdruck von Traurigkeit zeigt.

Als Dysphorie (von altgriechisch δύσφορος (dýsphoros) ‚schmerzlich‘; von δυσ- (dys-) ‚schlecht, schwer‘ und φέρω (phérō) ‚ertragen‘)[1] wird eine Störung des emotionalen Erlebens (Affektivität) bezeichnet, die durch eine ängstlich-bedrückte, traurig-gereizte Stimmungslage charakterisiert ist.[2] Die Betroffenen erleben sich dabei als unzufrieden, schlecht gelaunt, misslaunig oder missgestimmt, mürrisch, verdrossen oder verärgert bzw. werden so wahrgenommen.[3]

Es handelt sich meist um eine Alltagsverstimmung ohne Krankheitswert; gelegentlich kann Dysphorie jedoch als Symptom im Rahmen von Krankheiten oder als Folge davon auftreten. Die Dysphorie bildet das sprachliche Gegenstück (Antonym) zur Euphorie.[4]

Psychopathologie

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ICD-11

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Klassifikation nach ICD-11
MB24.7 Dysphorie
ICD-11: Englisch • Deutsch (Entwurf)

In die im Jahr 2022 in Kraft getretene ICD-11 hielt die Dysphorie als eigenständige Diagnose Einzug. Diese ist unter der Kategorie „Symptome, Zeichen oder klinische Befunde, die die Psyche oder das Verhalten betreffen“ zu finden. Sie wird wie folgt definiert:[5]

„Ein unangenehmer affektiver Zustand, der Gefühle von Depression, Angst, Unzufriedenheit, Reizbarkeit und Unglücklichsein umfassen kann.“

Mögliche Erscheinungen

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Eine anhaltende Dysphorie kann als Folge vielfältiger körperlicher und psychischer Erkrankungen entstehen. Diese kann die Ausprägung einer komorbiden Depression annehmen.[6]

Arzneimittelinduzierte Dysphorie

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Einige Medikamente können Dysphorie hervorrufen, darunter κ-Opioidrezeptoragonisten wie Salvinorin A (der Wirkstoff der halluzinogenen Pflanze Salvia divinorum), Butorphanol und Pentazocin, μ-Opioidrezeptorantagonisten wie Naltrexon und Nalmefen sowie Neuroleptika wie Haloperidol und Chlorpromazin (durch Blockade der Dopaminrezeptoren) und andere. Depressogene und/oder anxiogene Medikamente können ebenfalls mit Dysphorie in Verbindung gebracht werden.[7][8][9]

Rauschzustände oder Entzugssyndrome (z. B. Alkohol- oder Opiatentzug) führen häufig zu schwerer, anhaltender Dysphorie.[10] Die Betroffenen fühlen sich unruhig, gereizt und unzufrieden – ein Hauptgrund für Rückfälle, da sie sich durch den erneuten Konsum der Substanz eine kurzfristige Linderung versprechen.[11]

Bipolare Störung (dysphorische Manie)

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→ Hauptartikel: Dysphorische Manien

Bei bipolaren Störungen kann es zu einer Episode kommen, in der gleichzeitig Symptome einer Manie (z. B. rasende Gedanken, gedrängte Sprache) und Merkmale einer Dysphorie (z. B. Reizbarkeit, Wut, Unzufriedenheit) auftreten. Dieses Nebeneinander von Hochstimmung und Niedergeschlagenheit macht diese Form besonders quälend und risikoreich (erhöhte Suizidalität).[12]

Borderline-Persönlichkeitsstörung

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→ Hauptartikel: Borderline-Persönlichkeitsstörung

Typisch sind extreme Stimmungsschwankungen, chronische Gefühle der Leere und schnelle Reizbarkeit. Zwischen intensiver Angst vor Verlassenwerden und impulsivem Verhalten leiden Betroffene unter einer anhaltenden Dysphorie, die sich in Wutausbrüchen, Selbstverletzung oder Beziehungsstörungen äußern kann.[13][14]

Geschlechtsdysphorie

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→ Hauptartikel: Geschlechtsdysphorie

Geschlechtsdysphorie bezeichnet einen klinisch relevanten Leidensdruck wegen der Inkongruenz zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der eigenen Geschlechtsidentität. Es besteht der Wunsch die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale an den Phänotyp des erlebten Geschlechts anzugleichen. Im 2022 veröffentlichten DSM-5-TR wird der Begriff „Geschlechtsdysphorie“ verwendet.[14]

Organische Dysphorie

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Im Zusammenhang mit neurologischen oder internistischen Erkrankungen (z. B. traumatische Hirnverletzungen, Demenz, Stoffwechselstörungen) kann Dysphorie vor allem aus organischen Gründen auftreten. Ein Beispiel ist das organische Hirnsyndrom, bei dem eine Schädigung oder Funktionsstörung bestimmter Bereiche des Gehirns zu chronischer schlechter Laune und Reizbarkeit führt, ohne dass eine primäre psychische Erkrankung vorliegt.[15]

Prämenstruelle dysphorische Störung

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→ Hauptartikel: Prämenstruelle dysphorische Störung

Die Betroffenen erleben während der Lutealphase (ein bis zwei Wochen vor Beginn der Menstruation) ausgeprägte Stimmungsschwankungen mit Reizbarkeit, Traurigkeit und innerer Unruhe. Die Symptome sind so stark, dass sie das Alltagsleben und zwischenmenschliche Beziehungen erheblich beeinträchtigen – typisch für eine dysphorische Stimmungsstörung, die eng mit dem Hormonzyklus zusammenhängt.[16]

Posttraumatische Belastungsstörung

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→ Hauptartikel: Posttraumatische Belastungsstörung

Ein zentrales Merkmal ist das anhaltende Erleben von Angst, Wut, Traurigkeit, innerer Unruhe und Reizbarkeit. Diese dysphorischen Zustände werden durch das wiederholte Erleben des traumatischen Ereignisses und die damit verbundene emotionale Übererregung verursacht, die das Alltagsleben stark einschränkt.[14]

Siehe auch

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  • Dysthymie
  • Postpartale Stimmungskrisen
  • deprimiert

Literatur

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  • Mathias Berger (Hrsg.): Psychische Erkrankungen – Klinik und Therapie. 3. Auflage. Elsevier, 2008.

Weblinks

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Wiktionary: Dysphorie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Dictionary.com | Meanings & Definitions of English Words. Abgerufen am 8. Juli 2025 (englisch). 
  2. ↑ Dysphorie im Dorsch Lexikon der Psychologie. 2016 (hogrefe.com [abgerufen am 8. Juli 2025]). 
  3. ↑ Duden | Dysphorie | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 25. Mai 2024. 
  4. ↑ Pschyrembel klinisches Wörterbuch. 267. Auflage. Verlag De Gruyter, 2017, ISBN 978-3-11-049497-6; (pschyrembel.de)
  5. ↑ ICD-11 - MB24.7 Dysphoria. In: icd.who.int. Weltgesundheitsorganisation, Januar 2025, abgerufen am 8. Juli 2025 (englisch). 
  6. ↑ Arne Hofmann (Hrsg.): EMDR – Praxishandbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen. 5. erw. Auflage. Thieme, 2014, ISBN 978-3-13-118245-6, S. 54.
  7. ↑ Thomas L. Lemke, David A. Williams: Foye's Principles of Medicinal Chemistry. Lippincott Williams & Wilkins, 2012, ISBN 978-1-60913-345-0 (google.com [abgerufen am 9. Dezember 2025]). 
  8. ↑ Joyce H. Lowinson: Substance Abuse: A Comprehensive Textbook. Lippincott Williams & Wilkins, 2005, ISBN 0-7817-3474-6 (google.com [abgerufen am 9. Dezember 2025]). 
  9. ↑ Hanjing Emily Wu, Olaoluwa O. Okusaga: Antipsychotic Medication-Induced Dysphoria: Its Meaning, Association with Typical vs. Atypical Medications and Impact on Adherence. In: Psychiatric Quarterly. Band 86, Nr. 2, 1. Juni 2015, ISSN 1573-6709, S. 199–205, doi:10.1007/s11126-014-9319-1. 
  10. ↑ Nora D. Volkow, Marisela Morales: The Brain on Drugs: From Reward to Addiction. In: Cell. Band 162, Nr. 4, 13. August 2015, ISSN 0092-8674, S. 712–725, doi:10.1016/j.cell.2015.07.046, PMID 26276628 (cell.com [abgerufen am 9. Dezember 2025]). 
  11. ↑ Leonard Handelsman, Marvin J. Aronson, Robert Ness, Kenneth J. Cochrane, Philip D. Kanof: The Dysphoria of Heroin Addiction. In: The American Journal of Drug and Alcohol Abuse. Band 18, Nr. 3, 1. Januar 1992, ISSN 0095-2990, S. 275–287, doi:10.3109/00952999209026067, PMID 1329491. 
  12. ↑ Alan C. Swann: Activated Depression: Mixed Bipolar Disorder or Agitated Unipolar Depression? In: Current Psychiatry Reports. Band 15, Nr. 8, 24. Juli 2013, ISSN 1535-1645, S. 376, doi:10.1007/s11920-013-0376-1. 
  13. ↑ Borderline Personality Disorder - National Institute of Mental Health (NIMH). Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch). 
  14. ↑ a b c American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. DSM-5-TR Auflage. American Psychiatric Association Publishing, 2022, ISBN 978-0-89042-575-6, doi:10.1176/appi.books.9780890425787 (psychiatryonline.org [abgerufen am 9. Dezember 2025]). 
  15. ↑ Beejal M. Patel, Sanjukta S Ghosh, Vaishal N. Vora, Bhaveshkumar M. Lakdawala: Organic Brain Disorders Manifesting as Psychiatric Symptoms. In: Annals of Indian Psychiatry. Band 7, Nr. 4, Oktober 2023, ISSN 2588-8366, S. 375–377, doi:10.4103/aip.aip_182_22 (lww.com [abgerufen am 9. Dezember 2025]). 
  16. ↑ Inger Sundström-Poromaa, Erika Comasco: New Pharmacological Approaches to the Management of Premenstrual Dysphoric Disorder. In: CNS Drugs. Band 37, Nr. 5, 1. Mai 2023, ISSN 1179-1934, S. 371–379, doi:10.1007/s40263-023-01004-9, PMID 37171547, PMC 10212816 (freier Volltext). 
Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient weder der Selbstdiagnose noch wird dadurch eine Diagnose durch einen Arzt ersetzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
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Kategorie:
  • Psychopathologisches Symptom

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