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Chindlistein 👆 Click Here!
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der Erdmannlistein in Wohlen, dem auch die Rolle eines Chindlisteins zukam
Chindlistein bei Hüttikon
Der Langenstein in Tiengen ist nach einer Sage auch ein Chindlistein

Als Chindlistein (auch Kindlistein geschrieben), Poppelistein[1] oder Tittistein[2] werden im alemannischen Sprachgebrauch Felsblöcke bezeichnet, die entweder als Herkunftsort der Kinder gelten oder mit denen ein Fruchtbarkeitskult verbunden wird (oft sogenannte Rutschsteine). Die Sache ist auch aus Frankreich bekannt.[3] Meist handelt es sich dabei um Findlinge. Der mit den Steinen verbundene Glaube und Brauch wird in der Populärliteratur gerne auf die Kelten[4] beziehungsweise in der älteren Literatur auf die Megalithkultur[5] zurückgeführt.

Chindlisteine gibt es in vielen Gegenden der Schweiz. So hiess es vielerorts: «Hier holt die Hebamme die Neugeborenen her», eine Erklärung, die als Ersatz für die sexuelle Aufklärung diente, analog zu der Legende, dass der Storch die Säuglinge bringe.[6] Mit Fruchtbarkeitsritualen von Frauen werden beispielsweise die Chindlisteine von Heiden[7][8] und Hüttikon[9] verbunden. So sollen etwa Frauen «mit entblösstem Hinterteil den Chindlistein hinunterrutschen, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern und den erhofften Kinderwunsch in Erfüllung gehen zu lassen».[10] Vom Chindlistein von Heiden wird auch überliefert, «dass während Hungersnöten und in Kriegszeiten Kinder beim Stein versteckt worden seien».[10]

Folgt man allerdings belastbaren Informationsquellen, so entmystifizieren sich solche Erzählungen meist rasch. So geht etwa der Chindlistein von Heiden auf einen Steinbruch zurück.[11]

Beispiele

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In der Schweiz

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  • Chindlistein bei Heiden
  • Chindlistein bei Schwamendingen bzw. Oerlikon[12]
  • Chindlistein beim keltischen Oppidum Uetliberg bei Zürich
  • Chindlistein bei Hüttikon[9]
  • Der Erdmannlistein zwischen Bremgarten und Wohlen, dem zeitweise auch die Rolle eines Chindlisteins zukam.[13]

In Deutschland

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  • Chindlistein von Tiengen bei Waldshut-Tiengen im Südwesten von Baden-Württemberg. „Einer Legende nach soll in dem Stein eine Fee wohnen, welche bei Unfruchtbarkeit ihre Hilfe anbieten soll.“[14]
  • Zell im Wiesental, Ortsteil Adelsberg, als Teil der Adelsberger Wasserfälle im Wald Richtung Zell

Weiteres

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  • Zum Chindlistein von Heiden führt ein Wanderweg mit dem Namen Chindlistein-Weg[15]

Literatur

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  • L. Rütimeyer: Über Schalen- und Gleitsteine im Kanton Wallis und anderwärts und ihre Bedeutung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 28, 1928, S. 145–192, besonders S. 180–186.
  • Karl Ludwig Schmalz: Namensteine und Schalensteine im Kanton Bern. Haupt, Bern/Stuttgart 1988, ISBN 3-258-03936-4, S. 9–14 (Kapitel Namensteine).
  • Yves Schumacher: Steinkultbuch Schweiz. Ein Führer zu den Kultsteinen und Steinkulten. edition amalia, Bern 1998, ISBN 3-905581-06-X, S. 125–154 (Kapitel Liebes- und Kindersteine).
  • Schweizerisches Idiotikon, Band XI, Spalte 834, Artikel Chind-, Chindlistein.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Poppelistein im Schweizerischen Idiotikon
  2. ↑ Tittistein im Schweizerischen Idiotikon
  3. ↑ L. Rütimeyer: Über Schalen- und Gleitsteine im Kanton Wallis und anderwärts und ihre Bedeutung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 28, 1928, S. 145–192, hier S. 181.
  4. ↑ So etwa Yves Schumacher: Steinkultbuch Schweiz. Ein Führer zu den Kultsteinen und Steinkulten. edition amalia, Bern 1998, ISBN 3-905581-06-X, S. 134–136.
  5. ↑ So etwa L. Rütimeyer: Über Schalen- und Gleitsteine im Kanton Wallis und anderwärts und ihre Bedeutung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 28, 1928, S. 145–192, hier S. 181.
  6. ↑ Beispiele siehe im Schweizerischen Idiotikon unter den Stichwörtern Chind und Chindlistein sowie etwa in Karl Ludwig Schmalz: Namensteine und Schalensteine im Kanton Bern. Haupt, Bern/Stuttgart 1988, ISBN 3-258-03936-4, S. 9–14. Das Schweizerische Idiotikon nennt in Band III Spalte 338 f. zahlreiche Orte, woher die Kinder stammen sollen, so von Felsen, von unter Steinen, aus Höhlen, von oder aus Bergen, von Bäumen und aus hohlen Baumstrünken, aus Brunnenstuben, aus dem Kindligraben, von gewissen (teils fingierten) Orten, vom Zurzacher Markt usw.
  7. ↑ Yves Schumacher: Steinkultbuch Schweiz. Ein Führer zu den Kultsteinen und Steinkulten. edition amalia, Bern 1998, ISBN 3-905581-06-X, S. 134–136, hier S. 135.
  8. ↑ Der Chindlistein bei Heiden (AR) (PDF; 592 kB)
  9. ↑ a b Chindlistein, Hüttikon; Kanton Zürich (Memento vom 4. Januar 2014 im Webarchiv archive.today), auf der Website erratiker.ch
  10. ↑ a b Der Chindlistein bei Heiden, Eintrag auf der Website Kraftorte Schweiz
  11. ↑ Kraftort ob Heiden: Der «Chindlistein» wird entmystifiziert. In: Appenzeller Zeitung. Medienunternehmen CH Media, abgerufen am 2. September 2025. 
  12. ↑ Chindlistein (Schwamendingen/Örlikon), Information auf der Website Ortsgeschichtliche Sammlung Seebach
  13. ↑ Sage um den Erdmannli-Findling (PDF), Archivversion vom 6. Januar 2016
  14. ↑ Rolf Sprenger: Große Pläne für den Langen Stein, Südkurier, 14. August 2019.
  15. ↑ Chindlistein-Weg, Heiden. Google Maps, abgerufen am 18. November 2019. 
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chindlistein&oldid=264138433“
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