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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Musikstil siehe Cumbia Andina.
Chicha de Jora

Chicha (ˈtʃi.tʃa) ist ein Getränk aus dem gesamten Andenraum Südamerikas, das aus Mais gewonnen wird.[1] Es wurde schon von den Inkas getrunken und wird im Allgemeinen durch Fermentation verschiedener Pflanzen durch Speichel (Amylasen im Speichel zersetzen die Maisstärke zu Zucker) gewonnen, daher auch der gelegentliche Name „Spuckebier“.

Herstellung von Chicha de Chonta bei den Shuar

Die Wortherkunft ist nicht völlig geklärt. Nach Angaben der Königlich Spanischen Akademie für Sprache und anderer Autoren leitet Chicha sich vom Wort chichab ab, einem Wort der Sprache der Kuna, das „Mais“ bedeutet. Nach anderen Quellen kommt Chicha vom Nahuatl-Wort chichiatl, was so viel wie „fermentiertes Wasser“ bedeutet. Die Bezeichnung Chicha wurde von den Spaniern für alle fermentierten Getränke verwendet, welche sie in Amerika antrafen, auch wenn für die Zubereitung jeweils unterschiedliche lokal verfügbare Zutaten verwendet wurden.

Abbildungen von Chichatrinkern im Kalenderbild zum Inti Raymi von Waman Puma de Ayala.

Im Inkareich wurde Chicha aus Mais, vor allem aus gekeimtem Mais (Jora oder Wiñapu), aber auch aus Quinoa, Amarant, Kañiwa, Oca, Chañar und Molle u. a.[2] hergestellt. Auf Quechua heißt das Getränk Aqha. Dazu wurden aus Maismehl gebackene Fladen von Frauen gekaut, also mit Speichel getränkt. Die Stärke wird dabei durch Enzyme im Speichel zu Zuckern zerlegt. Deren wässerige Lösung beginnt mittels Wildhefen zu gären. Der Alkoholgehalt von Chicha reicht von 1 bis 6 % Vol., je nachdem, ob das Getränk zum täglichen Verzehr während der Arbeit oder für Feste wie das Inti Raymi hergestellt wurde. Der Inca Garcilaso de la Vega erklärte, das maßlose Trinken habe zu den Hauptlastern des Volkes gezählt.[3] Auch zahlreiche andere zeitgenössische Texte bezeugen die Verwendung von Chicha als Alltags- und Festgetränk.

Die Shuar und andere indigene Völker des Amazonastieflandes stellen traditionell eine Form von Chicha aus Yuca (Maniok) oder den Früchten der Pfirsichpalme (Chonta) her. Beide Rohstoffe werden weich gekocht und anschließend zerstampft, bevor Teile der Masse (meist von einer Frau) gekaut und wieder in den Topf gegeben werden. Danach kommt Wasser hinzu, während die Fruchtmasse mit den Händen ausgewrungen und gesiebt wird. Zum Schluss wird das Getränk zur Fermentation mindestens einen Tag stehen gelassen. Traditionell wird die Chicha in einem ausgehöhlten Flaschenkürbis aufbewahrt.

Eine alkoholfreie Variante ist Chicha morada. Dafür wird violetter Mais ausgekocht und kalt, mit Zucker und Limettensaft verfeinert, als Limonade getrunken.

In Venezuela ist besonders die Reis-Chicha verbreitet. Diese Variante wird zubereitet, indem Reis mit leicht angegorener Ananas­schale und „Papelón“ (Rohrzucker, der in Platten auskristallisiert ist) zusammen gekocht wird, bis er kein Wasser mehr aufnehmen kann. Anschließend wird die restliche Flüssigkeit mit dem Reis püriert, so dass sie dickflüssig wird. Diese wird je nach Geschmack einige Tage gären gelassen. Als alkoholfreie Variante gibt es die Reis-Chicha mit Milch. Sie wird viel auf Straßen als kaltes Erfrischungsgetränk verkauft, das mit Milch statt Wasser und ohne Ananas zubereitet, dafür mit Zimt und gezuckerter Kondensmilch gereicht wird, wie eine Art Milchreis-Milchshake.

In Chile, insbesondere in Zentralchile, wird Chicha aus vergorenen Äpfeln hergestellt. Das Getränk ähnelt Cidre. Es wird im Herbst und zu nationalen Feiertagen getrunken und ist sehr populär. In Curacaví wird Chicha aus Trauben hergestellt. Diese zwei Getränke sind somit nicht als Biere, sondern als Wein oder weinähnliche Getränke zu klassifizieren.

Nach dem Getränk wurde auch die peruanische Form des Cumbia umgangssprachlich benannt.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Chicha. 9. Juni 2010, abgerufen am 31. Januar 2025. 
  2. ↑ Karen Bescherer Metheny, Mary C. Beaudry: Archaeology of Food. Rowman & Littlefield, 2015, ISBN 978-0-7591-2364-9, S. 97.
  3. ↑ Lieselotte und Theodor Engl: Die Eroberung Perus in Augenzeugenberichten. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1975, ISBN 3-423-01100-9.

Literatur

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  • Rosario Olivas Weston: La Cocina de los Incas. Universidad de San Martín de Porres, Lima 2006, ISBN 9972-54-062-6 (spanisch).

Weblinks

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  • Chasqui, Kulturelles Blatt des Peruanischen Aussenministeriums, Juli 2005, Jahr 3, Nummer 7 (Memento vom 12. Februar 2007 im Internet Archive) (PDF, deutsch; 1,98 MB)
Abgerufen von „https://de.teknopedia.teknokrat.ac.id/w/index.php?title=Chicha&oldid=261875310“
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