Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Beil (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Beil
Das Beil (althochdeutschbÄ«hal, altenglischbil âHiebschwertâ) ist die kleinere, einhĂ€ndig gefĂŒhrte Variante der zweihĂ€ndig gefĂŒhrten Axt.
Die im Gegenwartsdeutschen als altertĂŒmlich empfundene Bezeichnung Barte konnte Ăxte wie auch Beile meinen und wird noch im historischen Kontext (ArchĂ€ologie, MediĂ€vistik, Heraldik) verwendet.
Die Schneide des Beils kann fĂŒr spezifische Aufgaben besonders lang sein, z. B. als Behaubeil im Zimmererhandwerk oder als Richtbeil des Henkers. Beile, die als Waffe verwendet werden, können in der Schneidenbreite je nach Zeitalter und kultureller Herkunft stark variieren. Die Schneide kann fast ohne KrĂŒmmung sein, wenn es fĂŒr prĂ€zise Holzarbeiten bestimmt ist (Tischler- oder Schreinerbeil).
Dieses kurzstielige GerĂ€t wird als Waffe und als Werkzeug verwendet. Das Beil wird zum Schlagen und Schneiden benutzt. Daher sind Haus und Kopf bei QualitĂ€tswerkzeugen immer geschmiedet. Das Beil ist leichter (bis etwa 800 g) und der Stiel etwa halb so lang wie bei einer Axt und kann daher mit einer Hand gefĂŒhrt werden.
Im Vergleich mit der Axt ist der Einsatzbereich durch den kĂŒrzeren Stiel, den leichteren Kopf und die daraus resultierende geringere Wucht auf genauere und feinere Arbeiten eingeschrĂ€nkt. So wird das Beil z. B. zur Holzgewinnung in kleineren Mengen, oft auch auf Grund des geringeren Gewichts fĂŒr unterwegs, und zum Zurichten mittlerer HolzstĂŒcke verwendet. Im Werkzeughandel sind zahlreiche Klingenformen fĂŒr spezielle Anwendungen bekannt.[1] Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt der bekannten Beilarten.
Das Bildhauerbeil hat bei manchen Versionen eine lange, gebogene Schneide mit breiter Schneidfase, die das bildhauerische Bearbeiten von Holz erleichtert. Der Stiel ist gebogen, um auf kleinem Raum mit wenig Kraftaufwand ausreichend Wucht zu erreichen und gleichzeitig mit der Hand nah am Kopf des Beils kontrollierte Arbeiten ausfĂŒhren zu können.
Das Tischlerbeil hat eine gerade, lange und dĂŒnne Schneide, wodurch eine gleichmĂ€Ăige HiebflĂ€che entsteht. Durch die geschmiedete Aussparung im Kopf des Beils (= "Bartbeil") kann die Hand fast unmittelbar hinter der Schneide gehalten werden, was StabilitĂ€t und Genauigkeit erhöht. Der Stiel ist gerade. Die flache und gerade Form des Beils eignet sich ausgezeichnet zur Bearbeitung von trockenem Holz und war somit fĂŒr das Tischlerhandwerk von Bedeutung.
Restauriertes Wiesenbeil Das Wiesenbeil war ein wichtiges Werkzeug des Wiesenbauern. Es wurde verwendet, um Be- oder EntwĂ€sserungsgrĂ€ben in Wiesen anzulegen. Dazu wurden mit dem Beil zwei Linien in der vorgesehenen Breite des Grabens in das WiesenstĂŒck geschlagen und dabei die Grasnarbe durchtrennt. Das MittelstĂŒck wurde zu Grassoden zerteilt und entnommen. Weiterhin wurde es zum Unterhalt der bestehenden GrĂ€ben oder zur Ableitung von Regenwasser an StraĂen und WegesrĂ€ndern verwendet. Zur WiesenbewĂ€sserung wurde der Bach mit diesen GrassodenstĂŒcken aufgestaut. Köhler benutzten das Wiesenbeil ebenfalls, um rechteckige Soden (WasenstĂŒcke) aus Wiesen zu entnehmen, um damit ihre Meiler abzudecken.[2] Andere Bezeichnungen waren auch: Grabaxt, Grabenhaue und Doppellangblatthacke. Dies waren KombigerĂ€te des Wiesenbeils. Mit der an der Grabaxt angebrachten Haue (Wiedehopfhacke) wurde das Material aus dem Graben gehoben. Am GrundstĂŒckende wurde damit das Gras abgekantet, wenn es in die Ackerfurche gewachsen war.[3]
Das Campingbeil ist ein Multifunktionswerkzeug fĂŒr Camper. Es ist ein sehr kleines und leichtes Beil, das auf der RĂŒckseite einen Hammerkopf mit Flachbahn aufweisen kann. Am Beilblatt können sich seitliche Aussparungen zum NĂ€gel ziehen und Flaschen öffnen etc. befinden. Der Stiel weist am Ende eine Bohrung fĂŒr eine HĂ€ngeschlaufe auf. Spezielle Varianten können im Stielende zusĂ€tzlich eine Flachschraubendreherklinge haben, die auch zum Schaben oder Knippen verwendet werden kann. Ebenso gibt es neuzeitliche Aufnahmen fĂŒr Bit-EinsĂ€tze. Campingbeil vor Messraster fĂŒr GröĂenangabe. Es handelt sich um ein Beil aus einer DDR-Produktion
Ein Hackbeil (auch Hackmesser) wird in der Metzgerei zum Trennen von Gelenken und Zerhacken von Knochen verwendet. Das Hackbeil hat ĂŒblicherweise eine bis ca. 30 cm lange, manchmal gerade Schneide, die einen balligen Schliff aufweist. Damit ist sie robust genug, auch Knochen zu zerbrechen. Im Gegensatz zu anderen Beilen hat diese Version meist eine Flachangel wie ein Messer und ist nicht eingestielt. Es gibt groĂe, beidhĂ€ndig gefĂŒhrte Versionen, die frĂŒher in SchlachthĂ€usern verwendet wurden.
Das Handbeil wird vorzugsweise von Zimmerleuten benutzt und weist eine lange, schwach gekrĂŒmmte Schneide von etwa 20 cm LĂ€nge und einen Stiel von 40 bis 45 cm LĂ€nge auf. Das Ăhr ist abgerundet und hat einen verstĂ€hlten Hackenteil, der als Hammer benutzt wird und hĂ€ufig feilenartig angeraut ist. Das deutsche Handbeil hat eine 15 cm lange Schneide, die stark gekrĂŒmmt ist. Das englische Handbeil hat eine 17 cm lange Schneide, die fast gerade verlĂ€uft. Beides sind Beile, wie sie im Böttcherhandwerk benutzt wurden.[4]
Das Klauenbeil ist meist an der RĂŒckseite des Klingenkopfs mit zwei parallelen, gebogenen Zinken versehen, die es ermöglichen, NĂ€gel zu ziehen.
Als TĂŒllenbeil bezeichnet man eine spezielle Form des Beilkopfes. Dabei wird der Stiel nicht von einem âAugeâ im sog. Beilhaus, sondern von einer TĂŒlle aufgenommen. Gegossene TĂŒllenbeile waren eine Leitform der spĂ€tbronzezeitlichen Urnenfelderkultur in Mitteleuropa.
Das breiteste und schwerste Werkzeugbeil ist das Breitbeil. Es wird zweihĂ€ndig gefĂŒhrt und dient dem Zuhauen von StĂ€mmen zu Balken in der Zimmerei. Daher wird es auch Beschlagbeil genannt. Beschlagbeile gibt es grundsĂ€tzlich in drei Versionen. Am verbreitetsten ist das einseitig (rechts) angeschliffene Beil fĂŒr RechtshĂ€nder. Der TĂŒllenkopf liegt oberhalb der Klingenebene, der meist ovale Stiel ist nach rechts ausgestellt und relativ kurz, um Arbeiten am Holz entlang zu vereinfachen, ohne dass man sich die Fingerknöchel verletzt. Der zu bearbeitende Stamm liegt rechts vom Zimmermann, wenn dieser nicht sogar darauf kniet. In dieser Arbeitshaltung wird die mögliche Verletzung des rechten Beins vermieden. In der geraden Version liegt die Beilschneide mittig, ist beidseitig angeschliffen und so fĂŒr vielfĂ€ltige Arbeiten zu verwenden. Eine seltenere Form sind Beschlagbeile fĂŒr LinkshĂ€nder. Diese sind, prinzipiell vergleichbar mit den RechtshĂ€nderbeilen, ebenfalls einseitig angeschliffen, wobei der Schliff auf der linken Seite liegt und der Stiel nach links ausgestellt ist. Der Zimmermann steht nun rechts vom Balken und arbeitet mit der Linken. In dieser gebeugten Haltung ist das beidhĂ€ndige Arbeiten Ă€uĂerst anstrengend und kann nur kurze Zeit durchgehalten werden. Mit Beschlagbeilen lassen sich aufgrund der langen Schneide plane FlĂ€che herstellen und grobe Verbindungen zwischen Hölzern schön herausarbeiten. Bis zu drei Kilogramm Gewicht ist nicht ungewöhnlich, ein gewöhnliches Beil hat maximal ca. 800 g.
Der Daxgrai stellt eine in SĂŒddeutschland und dem Alpenraum verbreitete spezialisierte Form eines Beils zum Ausasten von NadelbĂ€umen und zum Zerkleinern der Ăste dar (Ă€hnlich einer Hippe oder eines Hackmessers), bei dem die Klinge mit dem Handgriff fest verbunden ist und die verlĂ€ngerte Schneide zum Abschlagen der Ăste vom Baum oder Zerkleinern von Ăsten auf einem Hackklotz gegenĂŒber dem GriffstĂŒck nach vorne verlĂ€ngert ist.
Beim Querbeil oder Dechsel liegt die Schneide quer zur Stielachse und ist leicht löffelartig gebogen. Es dient zum Aushöhlen von HolzwerkstĂŒcken, z. B. TrommelgehĂ€usen, Einbaumbooten oder groĂen GefĂ€Ăen. Der Dechsel konnte unterschiedliche GröĂen je nach auszufĂŒhrender Arbeit haben und war das Standardwerkzeug z. B. des Mollenhauers.
Das Ărmchenbeil aus der Hallstattzeit war aus Eisen und etwa 20 cm lang. Es wurde vermutlich als Kriegswaffe im Nahkampf und zum Wurf verwendet. Sehr bekannt ist der Tomahawk, das Beil der Indianer, oder die Franziska der Franken. Ein auf einer langen Stange befestigtes Beil wurde in der Wikingerzeit 'DĂ€nenaxt' genannt, sehr viel spĂ€ter und in verĂ€nderter Form als Hellebarde bezeichnet (Helle âStielâ oder âHandhabeâ und Barte âBeilâ).
Die groĂen Feuersteinbeile gehören neben der Keramik zu den wichtigen typochronologischen Leitformen des nordischen Neolithikums. Die Formen werden im Wesentlichen durch die Form des Beilkörpers, die Gestaltung des Nackens und die Art des Schliffs unterschieden. Die GerĂ€te sind in spitz-, dĂŒnn- und dicknackige GerĂ€te gegliedert, die den verschiedenen zeitlichen Stufen des FrĂŒh- bis Mittelneolithikums zugeordnet werden.
Die dĂŒnnackigen Flintbeile stellen eine der Leitformen innerhalb der nordischen Trichterbecherkultur (TBK) dar. Die GerĂ€tegruppe wurde in den letzten 50 Jahren umfassend untersucht. Mit Hilfe einer statistischen Analyse von knapp 2000 GerĂ€ten aus dem nördlichen Schleswig-Holstein konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden. Im Zentrum des Interesses standen dabei die Vergleiche der LĂ€ngen-
und DickenmaĂe unterschiedlich bearbeiteter GerĂ€te. Die Untersuchungen erweitern die Kenntnisse zum tĂ€glichen Gebrauch der Beile.
Klinge eines kupfernen Flachbeils des Endneolithikums oder der FrĂŒhbronzezeit aus Ungarn
Im abweichenden Sprachgebrauch der ArchĂ€ologie haben Ăxte ein Stielloch (= Auge), Beile keines. Die Klassifikation ist unabhĂ€ngig von Material (Bronze, Eisen, Geweih, Kupfer, Stein), Handhabung (ein- oder zweihĂ€ndig) und Verwendung. Allerdings gibt es auch kleine Steinbeile mit gebohrtem Stielauge.
Diese Terminologie ist historisch mit dem Begriff Streitaxt gewachsen und weicht von der handwerklich gebrĂ€uchlichen Bezeichnung ab:[5] Hier sind Beile kurzstielige, einhĂ€ndige Schlagwerkzeuge (militĂ€risch: Barte, etymologisch zum Bart des SchlĂŒssels, vgl. hierzu auch den heraldischen Fachbegriff Barte), immer mit lĂ€ngs stehendem Blatt, wĂ€hrend quer stehende Schneiden als Dechsel oder Hacke bezeichnet werden. Die Franziska, im archĂ€ologischen VerstĂ€ndnis eine âStreitaxtâ,[5] wird in der heutigen Nomenklatur der Blankwaffen als âWurfbeilâ bezeichnet.[6]
FĂŒr das Neolithikum sind geschliffene Beile aus Felsgestein typisch.[8] Bereits in der Ă€ltesten bĂ€uerlichen Kultur Mitteleuropas, der Bandkeramik, wurde Amphibolit als Rohmaterial fĂŒr die damals ĂŒblichen Dechsel (auch âSchuhleistenkeileâ genannt) verhandelt.[9] Andere neolithisch verwendete Materialien sind Basalt, Diabas, Jadeit und Dolerit. Solche Rohmaterialien wurden teilweise ĂŒber weite Entfernungen gehandelt, zum Beispiel der westalpine Jadeit, der bis nach GroĂbritannien (Sweet-track jade) und die Bretagne gelangte.[10] In einigen jungsteinzeitlichen Kulturen wie der Trichterbecherkultur und der Kugelamphorenkultur wurden Beile aus Feuerstein zugeschlagen und anschlieĂend mehr oder weniger vollstĂ€ndig ĂŒberschliffen. Die europaweit zu findenden Jadeit-Prunkbeile der Jungsteinzeit stammen vom Monte Viso und Monte Beigua. Steinbeile wurden bis in die spĂ€te Bronzezeit genutzt.
Flachbeile aus Kupfer sind v. a. aus der Michelsberger Kultur und der Trichterbecherkultur bekannt. Sie bestanden aus reinem Kupfer oder Kupfer mit natĂŒrlichen Verunreinigungen. So ist etwa das Beil der Similaun-Mumie aus fast reinem Kupfer gefertigt. SpĂ€ter wurde mit Arsen, Antimon, Blei und Zinn legiert. Die ersten Beilformen der Bronzezeit sind die Flachbeile, gefolgt von Randleistenbeilen. Absatzbeile, Lappenbeile und TĂŒllenbeile (meist mit einer Ăse) folgen ab der mittleren Bronzezeit. Absatzbeile haben einen Absatz zwischen der Klinge und dem Stielansatz, der die Spaltung des Stiels durch die Schlagwirkung verhindern sollte. Sie gelten deshalb als Weiterentwicklung des Randleistenbeils. TĂŒllenbeile können auf gerade oder natĂŒrlich gebogene Stiele (sog. Knieholz) gesetzt sein. Sie laufen bis in die frĂŒhe Eisenzeit.
âGĂŒnther Heine: Das Werkzeug des Schreiners und Drechslers. SchĂ€fer, Hannover 1990, ISBN 3-88746-228-9.
â abGustav Klemm: Handbuch der germanischen Alterthumskunde. Walther, Dresden 1836 (Online lesen in der Google-Buchsuche).
âGerhard Seifert: Fachwörterbuch der Blankwaffenkunde. Deutsches ABC der europĂ€ischen Trutzwaffen. Eigenverlag, Haiger 1981, 46 S.
âJudith M. GrĂŒnberg: Mesolithische Bestattungen in Europa. Ein Beitrag zur vergleichenden GrĂ€berkunde. Internationale ArchĂ€ologie, Band 40, Rahden, Leidorf 2000
âJ. Winiger: Ein Beitrag zur Geschichte des Beils. In: Helvetia Archaeologica 45/48, 1981, S. 161â188
âA.-M. Christensen, P. M. Holm, U. Schuessler und Jörg Petrasch: Indications of a major Neolithic trade route? An archaeometric geochemical and Sr, Pb isotope study on amphibolitic raw material from present day Europe. Applied Geochemistry 21/10, 2006, S. 1635â1655